Freitag, 30. Januar 2026 – Jobdings und Kleidung

Falls Sie meine Büroaussichten auf Insta hübsch finden und schon ein bisschen in einem Museum gearbeitet haben: good news, denn im Oberhausmuseum ist gerade eine Stelle frei. Hier geht’s zur Ausschreibung. Ich kann das Haus (und die Stadt!) wirklich weiterempfehlen. Bewerbt euch zuhauf!

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Hande postete im letzten Jahr auf Insta des Öfteren ihre Outfits, die ich mir immer gerne ansah. (Überhaupt ist Insta inzwischen für mich Klamotten-Inspo geworden, wer hätte es gedacht. Ich nicht.) In einer Story, wenn ich mich richtig erinnere, verlinkte sie einige Frauen, denen sie für Inspirationen folgt. Eine davon ist Asta, der ich seitdem auch folge. Sie schreibt auf Substack, und über den neuesten Post denke ich gerade nach: „The friendship “Hit Rate” and your style. Why dressing like yourself might be a shortcut to those elusive strong adult friendships.“

Einer der Kerngedanken: Wenn du dich nicht so kleidest, wie du dich fühlst, wie du bist, was dir wichtig ist, schätzen dich alle beim ersten Blick falsch ein. Oder sie bekommen nur einen Teil von dir mit. Daran knabbere ich gerade.

Ich habe immer noch keinen eigenen Stil, ich weiß auch nicht, ob ich jemals einen finde, denn als dicker Mensch war es mir in den letzten Jahren hauptsächlich wichtig, möglichst unauffällig zu sein. Ich bin eh schon sichtbar genug, also soll meine Kleidung mich eher verstecken als präsentieren. Damit meine ich nicht, dass ich in zeltartigen Gewändern rumlaufe, sondern dass ich mir eine Art Uniform zugelegt habe. Auf der Arbeit, in Bibliotheken, in Archiven, wo auch immer ich beruflich unterwegs bin, trage ich Hose, Bluse, Blazer, alles in dunkelblau, hochwertigen, aber unauffälligen Schmuck und dazu, sorry not sorry, bequeme Schuhe, derzeit meist weiße Sneaker, die man inzwischen ja auch zu Anzügen tragen darf. („Darf“, was für ein Quatsch. Man sollte anziehen, was man will und nicht, was man „darf“. Aber so weit bin ich noch nicht.)

Asta spricht lustigerweise in ihrem Post vermutlich ein Outfit wie meins an, wenn sie sagt: „I get the temptation to wear the “mask.” The safe blazer, the “I’m a normal person” sweater, the neutral uniform that lets you blend in at the office or the school run.“

But here’s the problem: If you dress to fit in, you attract people who like the version of you that fits in.You end up with a group of friends who love your “mask,” but they wouldn’t know what to do with the real you. That’s how you end up feeling totally lonely in a room full of people. You’re playing a character, and characters don’t make enduring friends. Real people do.“

In ihrem Post spricht sie auch an, dass es nicht darum geht, ständig aufgebrezelt durch die Gegend zu laufen. Ich mochte die folgenden Beschreibungen ihres Stils: „choice, autonomy, freedom, equality, de-centering men, and the fierce need for self-expression“. Ich bin noch nicht so weit, mich ständig und überall durch Kleidung ausdrücken zu wollen, und so wirklich bin ich auch nicht auf der Suche nach Freund:innen, wenn ich zum Edeka hetze. Außerdem merke ich selbst, dass ich mich mal wieder verändere, wie schon so oft in meinem Leben an verschiedenen Punkten. Mein Job auf der Burg hat viel mit mir gemacht, genau wie die Wochenendbeziehung und dem Ringen nach Zweisamkeit oder Zugehörigkeit. Ich überdenke gerade viel, und da kommen Posts zu „self-expression“ gerade recht. Dass es ausgerechnet über Kleidung gehen soll, kommt für mich jetzt auch überraschend.

Ich hänge sehr an Astas Begriff des „de-centering men“. Denn obwohl ich quasi nur Hosen trage, keine hohen Absätze und noch weniger als nach Freund:innen einen Mann suche, musste ich mir doch eingestehen, dass ich meist brav befolge, was mir jahrzehntelang Frauenzeitschriften vorgebetet haben bzw. was die Kleiderstangen im Internet für Frauen meiner Größe halt hergeben: ein bisschen Ausschnitt zeigen, die weichen, überdurchschnittlich großen Körperteile irgendwie verstecken oder mindestens „vorteilhaft“ (burn it all down) verpacken, nicht noch mehr auffallen als eh schon.

Das ganze Selbstbewusstsein, das mir im vergangenen Jahr unerwartet gewachsen ist, könnte ich aber auch anders kommunizieren als mit dem „safe blazer“, auch wenn ich meinen Offizielle-Termine-Rinaldi-Blazer wirklich über alles liebe, weil er ein schickes Kragendetail hat und halt mal wirklich gut sitzt. Ich screenshotte jedenfalls seit Kurzem lauter lustige Dinge, die mir im Internet über den Weg laufen und gucke mal, was ich damit mache. Dabei stellte ich fest, dass ich öfter Herrenmode für mich festhalte als die für Damen, was aber auch daran liegen könnte, dass ich mich in den Größe-32-Models wirklich nicht wiederfinde. Ja, die Jungs sind auch sehr schlank, aber da geht es irgendwie. Liegt vermutlich an den bequemen Schuhen.

Hier mochte ich ganz simpel die Silhouette, die Akzente von Schmuck und Farbe sowie das Detail der langen Ärmel.

Ich mag generell eher die Details, hier aus der neuen, wunderschönen Haute-Couture-Kollektion von Dior. Ärmel sind überhaupt großartig. Ich musste natürlich an diesen Tizian denken.

Nichts gescreenshottet, nur fünfmal durchgeguckt: die Herbst/Winter-2026-Kollektion von Dries van Noten. Würde ich quasi alles haben wollen.

Ich knabbere noch, das ist kein fertiger Eintrag oder ein abgeschlossener Prozess. Aber das ist ja quasi nichts im Leben.

Donnerstag, 29. Januar 2026 – Schneenebelkalt und -grau

Ich mag meine Büroaussicht ja wirklich, aber es ist schon ein bisschen grau, ist es nicht?

Freitag bis Mittwoch, 23. bis 28. Januar 2026 – Kranky

Die Nacht vom Donnerstag vor einer Woche zum Freitag konnte ich kaum schlafen vor lauter Schnupfen in der Nase. Dementsprechend meldete ich mich Freitag von der Arbeit ab und holte schniefend etwas Schlaf nach, wenn auch nicht viel, weil Schnupfen und schniefend. Abends kam F. nach Passau, dem ich anscheinend per DM nicht deutlich genug signalisiert hatte, dass ich kränkelte. Vermutlich auch, weil ich mich selbst davon überzeugen wollte, echt nicht krank zu sein, come on, denn wir hatten ein Pärchenwochenende geplant mit schöner Samstagabend-Reservierung, auf die wir uns seit Dezember freuten, da wird ja wohl so ein bisschen Schnupfen haha ich beende den Satz einfach mal nicht, ihr wisst eh, wie’s weitergeht.

Ich hielt in meiner 1-Zimmer-Wohnung ohne Ausweichmöglichkeiten also F. und mich durch Schnupfen vom Schlafen ab, es war alles doof, aber immerhin konnte F. am Samstagmorgen noch für mich einkaufen, O-Saft, Tee, Covid-Tests, das übliche halt, bevor er sich wieder in den Zug nach München setzte und ich in Passau leidig vor mich hinquengelte, wenn ich nicht gerade beim Naseputzen oder Teetrinken war.

Ich habe mir in Passau nie eine Hausärztin gesucht, denn ich habe ja eine in München. Die durfte mich per Videosprechstunde am Montag allerdings nur drei Tage krankschreiben, was aber okay war, denn interessanterweise war diese Erkältung nur so eine halbe: nur ein winziges bisschen Husten, keine Halsschmerzen (gottlob, ich hasse sie, mit allem anderen kann ich mich arrangieren, mit Halsschmerzen nicht), eventuell Fieber, keine Ahnung, ich habe hier auch kein Thermometer, jedenfalls: Ich hatte halt ordentlich und ausdauernd Schnupfen, der auch immer noch nicht ganz weg ist, und fühlte mich bis vorgestern arg matschig. Gestern nur noch ein bisschen, und heute wage ich wieder den Weg auf die Burg. Oder erstmal die zehn Minuten zu Fuß zur Parkgarage, wo mein Auto steht, das mich auf die Burg bringt. Mal sehen, wie lange diese zehn Minuten heute dauern werden.

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Neil-Young-Cover als Ohrwurm, hiermit weitergegeben.


Donnerstag, 22. Januar 2026 – Bücher und Bratschen

Mehr gelesen als geschrieben gestern auf der Arbeit.

Ich hatte neulich die brillante Idee, hey, wenn du nichts über den Job schreiben kannst/darfst, keinen einzigen Link verteilen willst und nicht mal ein Foto von deinem Essen hast, dann poste doch die hübschen Stücke Musik, mit denen BR Klassik dir jeden Morgen die Fahrt den Berg rauf verschönt. Und genau so ein Tag ist heute.

Gab’s am Dienstag um 7:09 Uhr, sagt die Programmübersicht: Georg Philipp Telemanns fünfzehnminütiges Violakonzert G-Dur, TWV 51:G9, hier in der Fassung mit dem hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Richard Egarr und Liisa Randalu an der Bratsche. Barock ist ja eher nicht so meins, aber das hat mir gut gefallen.

Mittwoch, 21. Januar 2026 – Grüner Salat

Vorgestern abend gab’s bei mir einen Krachersalat aus den neuen Meal Plans von Nisha, den ich gestern nochmal in der Mittagspause genoss. Und weil gleich zwei Kolleginnen das Rezept haben wollten, tippe ich es ausnahmsweise mal ins Interweb, was ich eigentlich mit den Rezepten aus den Meal Plans nicht mache, weil Nisha damit ihr Geld verdient. Aber dieser Salat sollte nicht nur von uns Abonnentinnen gegessen werden!

Aus der untenstehende Menge kommen zwei sehr gute Portionen raus. Okay, eigentlich drei. Und das Dressing reicht für vier.

425 g Kichererbsen, also eine Dose, abgespült und trockengetupft, mit
1 EL Olivenöl und ordentlich
Salz und schwarzem Pfeffer vermischen und im 220 Grad heißen Ofen für 25 Minuten rösten.

Dazu ein Gewürzöl zubereiten aus
1 TL Knoblauchpulver,
1 TL Zwiebelpulver,
1 TL getrocknetem Oregano und
1 dicken Prise Cayenne-Pfeffer (bei mir Chiliflocken).
Nisha möchte dazu anderthalb Teelöffel Olivenöl, bei mir war es mindestens ein Esslöffel. Wenn die Kichererbsen aus dem Ofen kommen, das Gewürzöl mit ihnen vermischen.

In der Zwischenzeit lauter gutes Zeug in eine Schüssel werfen:
170 g Romanasalat (oder so viel, wie ihr wollt, ich wieg das nicht ab),
1/2 kleine Gurke (was immer das heißt),
1–2 Frühlingszwiebeln (also zwei),
1 Handvoll Kräuter, z. B. Petersilie, Minze (das war bei mir drin), Basilikum, Dill usw., einfach mit der Hand zerzupfen und rein damit,
2 EL (18 g) geröstete Mandeln (bei mir Rauchmandeln, der Banger!) und
1 reife Avocado in mundgerechten Stücken.

Für das Dressing
115 g Seidentofu mit
1/2 Zitrone, Schale und Saft,
1 EL Olivenöl,
1/2 Handvoll Minzblättern,
1/2 Frühlingszwiebel (also einer ganzen, come on),
1 Knoblauchzehe, grob gehackt, sowie
1/4 TL Salz und schwarzen Pfeffer in einen Zerkleinerer geben und damit in ein leicht dickflüssiges Sößchen verwandeln.

Die Kichererbsen zum Salat geben und erstmal ein paar Löffel Dressing untermischen, nicht alles. Außer wenn ihr wollt natürlich, you do you. Ich habe kein Bild gemacht, war zu lecker.

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Hier übrigens mein Lieblings-You-do-you-Rezept.

Dienstag, 20. Januar 2026 – Fuppes fünfundvierzig

Auf meinem Schreibtisch liegt gerade ein Buch von Ian Kershaw, Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45, München 2013, in dem ich gestern diesen launigen Fakt fand, nach dem ich natürlich gar nicht gesucht hatte:

„Selbst Fußballspiele wurden noch ausgetragen. Das letzte Spiel des Krieges fand sogar noch am 23. April 1945 statt, als der FC Bayern München, ‚Gaumeister’ des Jahres 1945, seinen örtlichen Rivalen TSV 1860 München mit 3:2 schlug.“ (S. 23)

Das warf ich gleich mal auf Bluesky, woraufhin @fraunora anlegte:

„Ich halte dagegen mit einem Spiel am 29. April 1945 zwischen dem Hamburger SV und Altona 93.“

Außerdem wies sie mich auf die neue, gerade gestern veröffentlichte Folge von „Sport Inside“ hin, wo es lustigerweise um „Mythos ‚Stunde Null’: Der deutsche Fußball nach 1945“ geht. Gleich mal reingehört und hiermit weitergereicht.

Montag, 19. Januar 2026 – Kuchen

Gut, dass ich gestern keinen Kuchen gebacken habe: Die Kollegin hat das übernommen und uns die Mittagspause damit versüßt. Bin sehr satt geworden.

Es lagen auch noch zwei der bunt eingewickelten Schokokugeln vom Dezember-Adventskalender der benachbarten Jugendherberge rum. Die liegen da seit, genau, Dezember. Die Anstandswochen sind jetzt vorbei, ich habe sie eingesackt und als heutigen Nachtisch eingeplant.

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Es liegt kaum noch Schnee um die Burg herum, aber auf vielen Schneehäufchen liegen Eisplättchen, auf die ich kaum treten mag, weil sie so zart aussehen. Sie knirschen allerdings auch ganz herrlich unter meinen Stiefeln.

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Ich habe durchaus mitbekommen, dass viele Menschen um mich herum gestresst und überfordert sind. Ich hatte kurz ein schlechtes Gewissen, weil mein Jahresendfragebogen so gut gelaunt klang. Daher fragte ich mich, woran das lag, dass ich mir meine gute Laune trotz der ganzen beknackten Quatschwelt um mich herum erhalten konnte. Heute ist es mir eingefallen, als ich wie immer über beiden Ohren in Forschung versackte: Ich kann mir meine gute Laune erhalten, weil ich mit beiden Ohren in Forschung versacke und das den ganzen Tag. Ich habe gar keine Zeit mehr, zwischendurch auf News-Websites oder Bluesky rumzulungern. Ich gestehe mir Insta zu, weil ich gerne Sonnenaufgänge über Österreich poste, aber das war’s meistens. Ich kriege von der beknackten Quatschwelt meist erst abends etwas mit, und dann bin ich zu müde, um mich noch darüber aufzuregen. Eigentlich rege ich mir nur am Wochenende mit F. über alles auf, aber dann ist wieder Montag und ich habe keine Zeit mehr dafür. Auch eine Art, mit dem ganzen umzugehen. Eher unabsichtlich, funktioniert aber.

(Gestern abend frohgemut vorgebloggt, heute um 4 wach gewesen und Katastrophenmeldungen gelesen. Muss wieder mit dem Bloggen aufhören, dann denke ich weniger über Zeug nach.)

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Der Guardian: „We are living in a time of polycrisis. If you feel trapped – you’re not alone.“ Wenn man die Welt nicht ignorieren kann wie ich gerade, muss man sich ihr aussetzen, und das fällt vielen gerade schwer. Noch fieser: Es fällt schwer, sich eine Zukunft vorzustellen, was es schwerer macht, die Gegenwart durchzuhalten.

“People are feeling overwhelmed and overstimulated, bombarded with bad news each day – global economic and political instability, the rising cost of living, job insecurity, severe weather events. This not only heightens anxiety but also makes it more difficult to keep going.

I hadn’t fully grasped how much the idea of a better future sustained me – how it made life more livable, hardship more bearable and creativity possible. When I could readily imagine a world that was more just and healthy, it was easier to commit to long-term projects and to invest in the next generation. But in our current political and environmental context, that vision has grown hazier – and I, like many others, have found it much more difficult to be productive and plan for the future.”

Einen anderen Gedanken des Artikels fand ich auch spannend: Indem wir uns unsere Zukunft ausmalen, schaffen wir eine Erinnerung daran. (Komme mir wie in einer Star-Trek-Folge vor beim Aufschreiben.) Liest sich komisch, fühlt sich aber richtig an: Ich kann mich an Visionen erinnern, die ich für mich, für uns, für mein Zuhause in fünf oder zehn Jahren habe.

In unserer momentanten mit Krisen übersättigten Zeit scheint uns die Fähigkeit abhanden zu kommen, uns an eine Zukunft zu erinnern und daraus Kraft für die Gegenwart zu schöpfen, zu planen, vorzusorgen, sich auf all die Dinge zu freuen, die man später mal machen will.

“We rely on the idea of a stable, continuous future self to help us understand the present and to achieve a sense of greater purpose, making it easier to plan and make decisions, said Hershfield. We lean on the idea that the future will resemble the present, at least to some degree. Then we use our predictions to shape the present – for example, brushing our teeth to avoid cavities, planning dinner while we eat breakfast.”

Im Artikel werden ein paar Strategien vorgestellt, wie man mit der derzeitigen Unsicherheit umgehen kann. Eine Idee: Kraft aus der Vergangenheit zu schöpfen. Das scheint mir mit der deutschen Geschichte im Vergleich mit der derzeitigen USA ein eher mieser Plan zu sein, aber vielleicht bin ich da voreingenommen. Ich denke schon länger darüber nach, wie wir einfach irgendwie weiter vor uns hinwursteln und noch ein Apfelbäumchen pflanzen und ob das die richtige Strategie ist, aber mir fällt, ehrlich gesagt, keine bessere ein. Ich kann das in meinen Augen Richtige bei der nächsten Wahl ankreuzen, ich kann mich weiter bemühen, ein aufmerksamer, rücksichtsvoller Mensch zu sein, ja, schon klar. Aber das hilft mir nicht bei meiner derzeitigen Fassungslosigkeit darüber, dass es genügend Menschen gibt, nicht nur in den USA, die lieber genau das Gegenteil wollen.

Gegen die Fassungslosigkeit kann ich auch nichts tun, außer mich abzulenken. Ich gucke jetzt Birdfeeding-Videos auf Insta oder lese schwierige Fachbücher, bis ich zu müde zum Denken bin.

“When something isn’t working or an unexpected event knocks plans off course, it’s OK to shift gears. And if you’re feeling overwhelmed and anxious about what might happen, Hershfield suggests that it’s better to refocus on events that will most likely happen. This makes it easier to remember the future self we envisioned and plan accordingly.

As a new year begins, it’s good to remember that we are more resilient than we think.”

Dann gehe ich einfach mal davon aus, dass ich auch morgen noch Kaffee zum Frühstück habe, mein Auto anspringt und die Kollegin weiter Kuchen bäckt. Was bleibt mir übrig.

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Es wird wieder früher hell.

Sonntag, 18. Januar 2026 – Stuffed shells

Teil meines samstäglichen Meal Preps war eine Tomatensauce, die gestern die Basis für das eigentliche Gericht bildete: mit Spinat-Ricotta gefüllte … da musste ich doch glatt nach einer Übersetzung des englischen Rezepts aus den Meal Plans googeln: Conchiglioni oder Muschelnudeln.

Das Rezept ist vegan, ich bin es aber nicht, daher verzichtete ich auf die Herstellung von veganem Tofu-Ricotta, obwohl ich weiß, dass er schmeckt, sondern kaufte einfach unveganen. Ich übernahm aber ein paar Inhaltsstoffe wie z. B. einen Klecks Misopaste, der kann ja überall rein. Auch veganen Parmesan tauschte ich mit schnödem nicht-veganen.

Als ich eine für mich ansprechend aussehende Zahl an Muscheln gefüllt hatte, wollte ich die Tomatensauce in die Auflaufform füllen, um alles hübsch zu überbacken, und ratet, wer mal wieder vergessen hatte, in welcher Stadt welche Auflaufform steht?

Was nicht mehr in die Form passte, wurde gleich latent abkühlt und unüberbacken verspeist, war auch gut.

Ich hoffe nun, dass ich an zwei Mittagspausen in dieser Woche nicht verhungern muss, weil ich dann jeweils zwei Muscheln weniger essen kann als geplant. Vielleicht sollte ich noch einen Kuchen als Nachtisch backen? Man weiß ja nie!

Samstag, 17. Januar 2026 – 473

Ich erwähnte bereits (letzter Absatz), dass ich gerade neben den üblichen anderen Büchern hauptsächlich die dicke, dicke, wirklich sehr dicke Biografie über Walter Ulbricht lese. Gestern beendete ich auf der Seite 455 die Zeit der Weimarer Republik, die für mich natürlich besonders aufschlussreich war. Neben dem Interesse an der frühen DDR, über die ich erschreckend wenig weiß, war Weimar für mich mit ein Grund, das Buch zu kaufen.

Ich kam gestern noch bis zur Seite 473 (das kleine Lesezeichen, die alte goldene Lenbachhaus-Visitenkarte), dann fielen mir die Augen zu. Das zweite breite Lesezeichen (Verlagsbeilage, noch nicht mal angeguckt) steckt übrigens immer bei den betreffenden Fuß- bzw. hier Endnoten. Die sind in der Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung netterweise bandweise beibehalten worden, also nicht komplett ans Ende gedruckt worden. Das Buch ist ja eigentlich zwei Bücher, vielleicht klicken Sie nochmal auf den ersten Link.

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Außerdem gestern in Passau gemacht: rumgelegen, mich wie immer darüber gewundert, dass mir erst samstags auffällt, wie anstrengend Montag bis Freitag waren, mich aber auch wie immer darüber gefreut, was ich geschafft habe.

Mikrowellengeeignete Nahrung für die nächste Arbeitswoche vorbereitet und mit mir selbst Skip-Bo gespielt, weil ich mich im Weihnachtsurlaub so daran gewöhnt habe, dauernd Skip-Bo zu spielen, allerdings lieber mit F. als gegen mich selbst. Habe gewonnen, das war nett.

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Falls mir jemand eine Handtasche schenken möchte: Dior hat eine Book-Tote-Kollektion mit Buchtiteln. Die hier wäre meine.

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Wo wir gerade bei Mode sind: Leslie Jamison rezensiert das Buch Dress, Dreams, and Desire. A History of Fashion and Psychoanalysis der Modehistorikerin Valerie Steele für den New Yorker:The Psychology of Fashion.“ (Paywall?) Ich mochte den Teaser schon: „Our garments offer glimpses of the unconscious; we may also choose them because they feel nothing like us – because they allow us, briefly, to become someone else.“

„She describes arriving at Yale in 1978 to pursue a Ph.D. in modern European history and having an early encounter that made her worry about her future in the field:

A famous professor asked about the subject of my research. “Fashion,” I said. “Fascinating!” he exclaimed, with suspicious enthusiasm. “German or Italian?” I stared at him. What in the world did he mean by German fashion? Finally, the penny dropped. “Fashion, as in Paris. Not . . . fascism,” I replied. “Oh,” he said, and walked away. There was nothing to say to someone working on such a frivolous topic.

For many years, Steele writes, “fashion continued to be ‘The F Word’ in much of academia” and was often treated as “a matter of surface appearances, shallow, not deep, and by extension not serious, meaningful, or important.” In the course of more than twenty books, she has insisted that it’s a mistake to think that surface and depth are in opposition. She prefers the idea of “deep surfaces,” a term used by the authors Dani Cavallaro and Alexandra Warwick, who write that clothing “does not just operate as a disguising or concealing strategy” and that surfaces are as much the domain of the unconscious as are “the psyche’s innermost hidden depths.” Steele argues that, even as our garments afford unwitting glimpses of our unconscious lives, fashion visibly dramatizes the ways in which the self is not something that exists so much as something that we are constantly creating. “We are not born,” she writes, “but rather become who we are, and that becoming continues throughout our lives.” When it comes to clothes, we have no choice but to keep becoming. As Adam and Eve discovered, it’s impossible to wear nothing at all.“

Freitag, 16. Januar 2025 – Silberbecher

Für die Passauer Neue Presse habe ich eine Reihe von Artikeln geschrieben, die sich mit Objekten in unserem Depot befassen, die unter Raubkunstverdacht stehen. Die meisten sind leider hinter der Paywall (einfach nach „Oberhausmuseum“ suchen), aber der neueste ist (noch) frei lesbar. Es geht um einen Silberbecher aus der sogenannten „Silberzwangsabgabe“ 1939, den das damalige Ostmarkmuseum vom Bayerischen Nationalmuseum in München erwarb. Der Becher wurde 1945 geplündert, aber er könnte heute in einem Passauer Wohnzimmerschrank stehen.

„Das Landesamt für Denkmalpflege in München wandte sich am 27. Mai 1940 an den Oberbürgermeister von Passau, um ihm bzw. dem Stadtmuseum einen Silberbecher anzubieten: „Das Bayerische Nationalmuseum hatte Gelegenheit, eine Sammlung von Silbergeräten zu erwerben, wobei auch die Interessen der Heimatmuseen berücksichtigt wurden. Aus dem genannten Bestand lässt das Nationalmuseum folgendes Stück dem Museum Passau anbieten: Silberbecher, 9 cm hoch, innen vergoldet, 140 g, Augsburger Arbeit, wahrscheinlich von Ludwig Schneider, um 1700. Das Stück war im Besitz des Klosters Aldersbach, dessen Wappen (Abt Theobald II. Reitwinkler 1745–1779) nebst der Jahreszahl 1758 eingraviert ist. Das Stück kann zu dem außerordentlich billigen Preis von 28 Reichsmark abgegeben werden, während der normale Handelspreis etwa 100 RM beträgt. Wir raten dringend dazu, den Becher zu erwerben.“

Die „Silberzwangsabgabe“ heißt eigentlich „Dritte Anordnung auf Grund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ und besagte, dass Juden und Jüdinnen ihre Edelmetalle, Edelsteine und Perlen an bestimmten Sammelstellen abgeben mussten. Von dort wurden die Stücke verkauft. Neben diversen Institutionen wie Museen, städtische Stellen wie Krankenhäuser oder die Silberinnung, die an den Stücken Lehrlinge ausbildete, konnten auch einfache Bürger und Bürgerinnen Wertgegenstände zu, wie oben angedeutet, sehr günstigen Preisen erwerben.

Diverse Museen erforschen seit Jahren ihre Bestände an diesen Stücken, auch das Bayerische Nationalmuseum, hier eine Pressemitteilung von 2023, wo über die Recherche berichtet wird. Aus einer Reise nach Israel, um Gegenstände zu restituieren, entstand auch ein kurzer Film für 3sat: Dr. Wenigers Auftrag. Das Jüdische Museum München beschrieb einen der Fälle in seinem Blog: „Tante Olgas Silberleuchter“.

Das Münchner Stadtmuseum konnte, auch durch die Zusammenarbeit mit dem BNM, fast alle seine unrechtmäßig erworbenen Stücke zuordnen. Aus biografischem Interesse googelte ich auch einfach mal nach Hannover: Ja, natürlich gab es auch dort Fälle.

Durch die Hilfe von Herrn Weniger konnte ich auch den Silberbecher aus dem Ostmarkmuseum zuordnen. Er gehörte dem Ehepaar Bernhard und Adelheid Schwabacher aus München, die beide 1942 nach Piaski (Polen) deportiert und vermutlich dort ermordet wurden. Auch die „Page of Testimony“ von Adelheid Schwabacher in Yad Vashem, die von der Tochter 1995 eingereicht wurde, konnte keinen genauen Todesort nennen: „most probably Sobibor“.

Donnerstag, 15. Januar 2026 – Handycheck!

Sätze, die man nur sagt, wenn man im Winter mit Glätte auf einer mittelalterlichen Burg arbeitet: „Wenn ich in 15 Minuten nicht wieder da bin, bin ich im inneren Burghof auf dem Weg zum Klo gestürzt. Hol mich wieder rein.“

(Ist alles gut gegangen.)

Ich hatte aber Flashbacks zum allerersten Arbeitstag im August 2024: „Anke, erstens: Hier ist der Burgplan.“ (Hier müssen Sie sich jetzt vier DIN-A3-Blätter vorstellen, winzig bedruckt.) „Präg ihn dir gut ein. Zweitens: Geh nie irgendwo ohne Handy hin.“

Letzteres habe ich jeden Tag beherzigt, und man fühlt sich schon einen Hauch sicherer, wenn man in der letzten Ecke im obersten Stockwerk eines hohen Gebäudes rumwühlt, wo nie jemand zufällig vorbeikommt. Den Burgplan kann ich allerdings bis heute nicht auswendig, aber ich finde die Depots und den Weg zurück ins Büro, das reicht.

Mittwoch, 14. Januar 2026 – Büroaussichten

Der erste Arbeitstag im Jahr, der nicht im Home Office stattfand. Ist hübsch grad bei uns, aber das ist es ja immer.

Okay, man sieht mal wieder Österreich nicht, aber das kam im Laufe des Tages immerhin teilweise wieder.

Dienstag, 13. Januar 2026 – Korrespondenz

Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv was ganz anderes gesucht, aber halt irgendwas gefunden, wie so oft, Korrespondenz gelesen und mich dann den Rest des Tags von einem NS-Kaninchenloch zum nächsten gehangelt, wie so oft. Ich vermisse die Bibliothek des Historicums der LMU so sehr, aber wenn ich die hätte, würde ich mit nichts fertig werden, weil zu viele Kaninchenlöcher, wie so oft.

(Diesen Eintrag werde ich vermutlich noch monatelang copypasten.)

((Ich liebe meinen Job.))

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Ein Artikel von 2023, der gestern in meiner Bluesky-Timeline landete, ist immer noch lesbar und wichtig: „Der schwierige Umgang mit falschen Familiengeschichten über NS-Verfolgung.

In dieser Erklärung geht es dann um die gesellschaftlichen Zusammenhänge.
Johannes Spohr: Genau, gemeinsam ist allen Gesprächen, dass sie das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft verhandeln. Die individuelle Erklärbarkeit eines Falles steht immer im Zusammenhang mit größeren gesellschaftlichen Fragen, Fragen nach dem Publikum und der Wahrnehmung. Daran schließt sich die Frage an, welche Begehrlichkeiten solche Personen verkörpern. Diese falschen Figuren befriedigen ein gesellschaftliches Bedürfnis.

Was für ein Bedürfnis ist das?
Johannes Spohr: Es gibt in der deutschen Gesellschaft ein Bedürfnis nach versöhnlichen Geschichten, die gut erzählbar sind, nicht stark anklagen und etwa nicht von Rache der Verfolgten sprechen. Die Erinnerung an den Holocaust ist zudem sehr westeuropäisch geprägt. Anne Frank ist beispielsweise in Deutschland besonders bekannt, während die Massenerschießungen im östlichen Europa – dort, wo mit Abstand die meisten (häufig aschkenasischen) Jüdinnen und Juden ermordet wurden – erst sehr langsam in das öffentliche Bewusstsein vordringen. Auschwitz ist in diesem Zusammenhang zu einer Chiffre geworden, die teils unabhängig von den realen Vorgängen vor Ort gebraucht wird. Gleichzeitig ist das Wissen über (Mit-)Täterschaft bis heute gering und es gibt eine immense Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und konkretem Wissen, etwa über die eigenen Verwandten im Nationalsozialismus.“

Montag, 12. Januar 2026 – Home Office

Die Tagesschau warnte vor Regen, überfrierender Nässe und damit Glatteis ab Mittag, und da ich hoch oben auf einem Berg in einer Burg arbeite und dementsprechend erstmal einen Berg hochfahren und, noch schwieriger, nach Feierabend wieder runterfahren muss, bin ich sehr memmig bei Glatteiswarnungen. In der flachen Ebene, ha, kein Thema, geht alles, aber vor Bergen habe ich weiterhin Respekt. Daher blieb ich im Home Office und muss mir morgen (oder übermorgen?) von den bayerischen Kolleginnen vermutlich ein Ohrvoll anhören.

Wie immer nach einem Urlaub musste ich den Kopf wieder auf Arbeit einstellen. Das Rechner-Passwort funktionierte wunderbar, aber beim Server musste ich ernsthaft kurz nachdenken, in welchen Unterordnern jetzt was lag.

Gute Nachricht vom Bundesarchiv: Meine im Dezember angeforderte Akte wird gescannt und ist dann für alle sichtbar. Das skeetete ich im letzten Jahr schon einmal: Als ich noch promovierte, lief die Akteneinsicht aus der Distanz im Bundesarchiv so: Man bat um eben diese Einsicht bzw. einen Scan des Akts, dann bekam man irgendwann ein PDF und musste dafür bezahlen. Jetzt hatte man zwar ein schönes PDF, aber online, in der Suche des Archivs, war die Akte natürlich immer noch als „ist nicht online“ markiert. Heute ist das viel besser: Man bittet um den Akt, es wird gescannt und die Daten sind dann für alle zukünftigen Benutzer*innen online einsehbar, wenn keine Gründe dagegen sprechen. Und ich bzw. das Museum musste bisher auch noch für keinen Scan bezahlen, vermutlich weil es für die wissenschaftliche Forschung ist. Würde gerne mal wissen, ob auch Studierende inzwischen nichts mehr bezahlen müssen.

Sonntag, 11. Januar 2026 – Urlaubsende

Koffer gepackt, Ikea-Tüte beladen, kleine Kühltasche vollgepfercht (immer schön Lebensmittel von einem Ort an den anderen schleppen), Arbeitsrechnertasche umgeschnallt, Rucksack mit Privatrechner und weiterem Zeug bestückt. Ich habe mir eine neue Winterjacke gegönnt und wollte die Handschuhe aus den Taschen der alten in die neue umbetten, als ich dort auch den Schlüssel zum Museum und meinem Büro fand. Das wäre am Montagmorgen in Passau lustig geworden, wenn ich den in München vergessen hätte. Das ist mir gottlob noch nie passiert, einen wichtigen Schlüssel aus der einen Stadt in der anderen vergessen zu haben. Gestern war ich allerdings sehr nah dran.

Das Auto vollgeladen und im Schritttempo durch den Münchner Schneematsch auf die Autobahn geschlichen. Rund um München ist Autobahnfahren immer fürchterlich, finde ich, alles voll und zu viele Spuren, aber sobald man an der blöden Ausfahrt zum Flughafen vorbei und auf der A93 in Richtung Passau ist, wird alles entspannter. Gestern auch, die Straßen waren größtenteils trocken, die Sonne schien, am Sonntag will nie jemand außer mir in die äußerste Ecke der Republik, es ist immer alles frei und lässig.

Trotzdem traurig gewesen. Das war schön, mal wieder drei Wochen am Stück an F. rumkleben zu können. Ich bin anscheinend immer noch nicht der Typ für Wochenendbeziehungen und ich muss gestehen, ich zähle jetzt die Wochenenden runter, bis der Job hier durch ist. Nicht weil mich der Job nervt, sondern die elende Pendelei. Dafür bin ich anscheinend auch nicht der Typ.

Immerhin einen guten Podcast beim Fahren gehört: „Denkangebot“, dieses Mal mit Anne Rabe, deren Buch Die Möglichkeit von Glück ich 2024 zu meinen besten gelesenen Büchern gezählt habe. Im Gespräch geht es auch um die AfD und warum sie zunächst im Gebiet der ehemaligen DDR einen so großen Zulauf gehabt hat. Inzwischen sind die Wahlergebnisse im Westen ähnlich. Für mich besonders interessant: Rabes Schilderungen um Forschung in der und nach der Wende über die DDR. An einem Satz klebe ich noch besonders, ich zitiere sinngemäß: „Dass die Aufarbeitung der NS-Zeit in der Gesellschaft noch nicht abgeschlossen ist, ist jedem klar. Wieso glauben dann aber viele, dass die Spuren, die die DDR-Diktatur in den Menschen hinterlassen hat, nicht mehr wichtig oder Forschungsthema sind?“ Gute Frage.