Indischer Butter-Tofu (Tofu Makhani)

Eine vegetarische Abwandlung des legendären Indian Butter Chicken. Mal wieder aus der NYT, die dieses Rezept weeknight-friendly nennt, weil die Zutatenliste im Vergleich zum Butterhuhn arg reduziert wurde. Die Frühlingszwiebeln im Bild bitte ignorieren, die waren doof. Und Koriander statt Petersilie wäre besser, aber was man nicht im Haus hat, kann man nicht auf den Teller werfen.


(Das Foto ist etwas unscharf, weil ich wirklich sehr hungrig war und nur eins gemacht habe, bevor ich den Teller leergeatmet habe. Aber ich koche das ja nochmal, und dann wird das hier kommentarlos ersetzt. Für Insta hat’s gereicht.)

Ich habe die Mengen im Originalrezept latent ignoriert. Von den untenstehenden werden ein bis zwei Personen satt und es bleibt ein Berg Sauce über.

2 EL frischer Zitronensaft mit
1 EL gemahlenem Kreuzkümmel und
1 stark gehäuftem EL Kurkuma zu einer Paste vermischen, notfall mit einem Esslöffel Wasser nachhelfen. Ich habe stattdessen einfach noch mehr Zitronensaft benutzt.

1 Block Tofu (also so 200 bis 250 g) trocknen, notfalls trocken pressen (mit Küchenpapier oder einem Handtuch umwickeln und für ein paar Minuten unter etwas Schweres stellen, bis Flüssigkeit austritt). Den trockenen Tofu in grobe Würfel schneiden und in der Zitronenpaste bei Zimmertemperatur marinieren. Oder, wenn ihr das Gericht vorbereiten wollt, bis zu einem Tag lang im Kühlschrank rumstehen lassen.

Wer Reis dazu mag, den jetzt aufsetzen.

In einem flachen Topf
4 große EL Butter bei mittlerer Hitze schmelzen.
1/2 TL Chilipulver oder Cayennepfeffer dazugeben, dazu
1 Zwiebel, fein gehackt, und diese ca. 5 Minuten andünsten, bis sie glasig wird. Das darf nächstes Mal gerne ein ganzer TL sein, da war zum Schluss nur eine feine Schärfe hinten im Rachen, aber das Gericht verträgt mehr, meine ich.

Die Hitze etwas reduzieren, dann
1 1/2 EL frisch geriebenen Ingwer und
2 fein gehackte Knoblauchzehen dazugeben. Weitere 5 Minuten braten, bis die Zwiebel anfängt, braun zu werden.

Hitze wieder etwas erhöhen,
1 Dose (ca. 400 g) stückige Tomaten,
1 Zimtstange,
1/2 TL Paprikapulver,
1/2 TL Kurkuma und
1 TL Meersalz dazugeben. Alles köcheln lassen, bis aus der Flüssigkeit eine Art Ragú geworden ist, ca. 10 Minuten (bei mir ging’s schneller).

Die Zimtstange entfernen (!) und den Rest zu einer feinen Sauce pürieren. Ich habe das im Topf selbst erledigt, ihr könnt das natürlich auch in einen Blender kippen und dann wieder umsiedeln. Wenn alles wieder hübsch im Topf ist,

1 Dose Kokoscreme oder fette Kokosmilch (ca. 400 g) hinzugeben sowie
den marinierten Tofu mit allen Marinaderesten. Unbedeckt bei kleiner bis mittlerer Hitze vor sich hinsimmern lassen, bis der Tofu die Farbe der Sauce angenommen hat. Das waren bei mir wiederum nur wenige Minuten.

Auf einer flachen Platte oder einem großen Teller den Reis ausbreiten, Tofu mit Sauce darüber, Koriander wäre nicht schlecht, bei mir gab’s noch frische Gurken dazu, und Jogurt wäre super gewesen. Auch dringend beim nächsten Mal machen: Naan-Brot, denn es bleibt, wie gesagt, recht viel Sauce über. In die stippe ich heute einfach ein paar Laugenbrezn.

Ach ja, und wenn ihr den Holzlöffel, mit dem ihr das Gericht umgerührt habt, gleich nach dem Kochen abwascht, ist der abends auch nicht kurkumagelb. Hoffe ich. Werde ich demnächst antesten. Erstmal habe ich jetzt einen Löffel für die indische Küche.

Tagebuch Donnerstag, 14. November 2019 – Pachinko und Relotius

Der Titel ist bereits Makulatur und begonnen habe ich das Ding schon 2017, aber hey, eingetragen.

Vorgestern Pachinko ausgelesen, das mich im letzten Drittel ein wenig ratlos zurückgelassen hat. Die Geschichte beginnt quasi richtig in den 1930er Jahren in Korea und verlagert sich dann nach Japan, wo sie anschließend größtenteils bleibt. Die Hauptfigur ist die junge Sunja, die im Laufe des Buchs altert, und nach und nach übernehmen Figuren aus der Familie eher die Funktion der Protagonistin, denen wir statt ihrer länger folgen. Genau das hat mich etwas genervt, weil gefühlt alle 20 Seiten eine neue Figur ins Spiel kam, die mir relativ egal war, weil ich sie noch nicht so lange kenne wie Sunja.

Ich fand es schade, dass sie nicht mehr im Zentrum stand, sondern an die Peripherie wanderte. Mir ist schon klar, dass Autorin Min Jin Lee aufzeigen wollte, dass Rassismus und Diskrimierung (hier von Koreaner*innen durch Japaner*innen) eben nicht irgendwann aufgehört hat, sondern – solange geht das Buch – bis mindestens in die 1980er Jahre fortwirkte. Ich fragte mich trotzdem, ob man dafür die eigene Hauptfigur zur Randfigur machen muss und das recht gnadenlos. Die neuen Figuren hatten auch meist nicht so viel Zeit und Platz, sich zu etablieren, da passierte schon wieder etwas Schlimmes, das passiert ja dauernd in diesem Buch, und plötzlich waren sie weg oder auch an den Rand gewandert. Deswegen fand ich das Buch im Ganzen etwas unbefriedigend, weil ich zum Schluss das Gefühl hatte, Lee wollte einfach fertigwerden.

Andererseits: Dinge gelernt, die ich noch nicht wusste.

Gestern dann in einem Rutsch Juan Morenos Tausend Zeilen Lüge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus durchgelesen. Das ist schon sehr unwiderstehlich geschrieben, auch wenn es lustigerweise Methoden einsetzt, über die das Buch sich beschwert. Nämlich der Leserin das zu geben, was sie lesen will, um sich bestätigt zu fühlen, was gerade Relotius angeblich so gut hinbekommen habe, dass er in sehr kurzer Zeit ungewöhnlich erfolgreich werden konnte.

Ich musste besonders bei einer Seite grinsen, aber das hat eher persönliche Gründe. Irgendjemand twitterte mal, ich glaube, es war wer von der FAZ, dass ihn oder sie das nerve, wenn man Pointen nicht nur dramatisch im letzten Satz verballere, sondern den auch noch im Schriftbild absetze, um es noch dramatischer zu machen. Ich muss gestehen, dass ich dieses Stilmittel auch sehr gerne in meinen Blogeinträgen eingesetzt habe, ist halt ein schöner sucker punch. Nach dem Tweet habe ich mich aber brav kritisch hinterfragt und bemühe mich seitdem, es nicht mehr so ausufernd einzusetzen.

Und dann las ich diese Seite und musste einfach gackern.

(Ja, das Bild ist klein. Mir ging es um den allein stehenden Satz, den man auch erkennen kann, wenn der Text nicht mehr ganz mühelos lesbar ist. Müsste trotzdem mal über größere Bilder im Blog nachdenken, müsste ich nicht?)

Exkurs: Was ich mir auch abgewöhnt habe, ist die Wiederholung, um Dinge zu betonen, die sehr, sehr wichtig sind (das da eben, das meine ich). „Sehr wichtig“ reicht nämlich auch, meistens reicht sogar „wichtig“. Darüber stolpere ich bei anderen jetzt dauernd.

Zurück zum Buch: Gern und ungern gelesen. Las sich halt wie geschnitten Brot, machte aber auch sehr deutlich, warum das System Relotius so gut funktionieren konnte: weil wir eher kleine Lügen anzweifeln als die ganz große, weil wir gerne Dinge lesen, die unsere eigene Weltsicht bestätigen und weil leider die üblichen Seilschaften und eigenen Karrierepläne stärker sind als die unangehme Wahrheit.

Als Rausschmeißer eine kleine Würdigung. Ich folge dem Historiker Patrick Bormann (@PatBorm), der sich jeden Morgen die Mühe macht, an einen Verfolgten oder Ermordeten (m/w/d) des NS-Regimes zu erinnern. F. kennt den Herrn persönlich, und immer wenn ich darüber jammere, wie sehr mich das belastet, die ganzen NS-Quellen zu lesen, erinnert er mich an Bormann, der F. sinngemäß mal gesagt habe, dass ihn das auch belastete, dass es aber nötig sei.

(Habe mich sehr zusammenreißen müssen, „Aber: Es ist nötig“ nicht als einzelne Zeile zu schreiben.)

Ich erinnere mich selbst auch oft an eine Social-Media-Aktion von Yad Vashem, die mich in ihrer Einfachheit sehr beeindruckt hat und die anscheinend noch nachwirkt. Die Gedenkstätte twitterte bzw. stellte am letzten Holocaust-Gedenktag auf Instagram Menschen vor, die Opfer der Shoah wurden. Man konnte sich einen Namen, ein Gesicht, einen Menschen zuweisen lassen und über ihn lesen und das, wenn man wollte, retweeten oder regrammen. Seitdem erinnere ich mich sehr oft an Malka Apelman, die auf ihrem Bild sehr weit weg ist von den Bildern aus Konzentrationslagern. Und das ist genau der Punkt. Die unfassbar große Zahl an Opfern wird hier heruntergebrochen auf ein einziges, und das hat ein Gesicht und einen Namen. Und immer, wenn ich die Arschlöcher von der AfD von „den Ausländern“ reden höre oder „den Flüchtlingen“, denke ich an Malka Apelmann, die irgendwann nur noch „eine Jüdin“ war, bevor sie zum Opfer wurde.

Worte sind wichtig. Und es ist wichtig, daran zu erinnern, dass aus ihnen Taten werden. Der Holocaust war nicht irgendeine historisch unvermeidbare Konsequenz, sondern etwas, das Menschen anderen Menschen antaten, ganz bewusst. Und alles begann mit Worten. Deswegen reagiere ich so allergisch auf diese Partei und habe auch keine anderen Begriffe für diese Hetzer, die ganz genau wissen, was sie tun.

Ich ahne, dass ein täglicher Tweet nichts an der Gesinnung dieser Damen und Herren ändern wird und dass Bormann vermutlich auch kaum Follower hat, die nichts von der Shoah wissen. Es macht nie Spaß, seinen täglichen diesbezüglichen Tweet zu lesen, aber ich halte es für wichtig, ihn zu schreiben und ihn zu rezipieren und sich daran zu erinnern, dass es Worte sind, mit denen alles beginnt oder mit denen alles verändert werden kann. Auch zum Schlechten, weswegen mich die ständigen Angriffe auf die Institutionen unseres Rechtsstaats etwas ängstigen. In der FAZ stand am Montag ein langer, sehr guter Artikel von Heinrich August Winkler über die unterschiedlichen Möglichkeiten, sich in der Bundesrepublik bzw. der DDR der Demokratie zu nähern. Kostet leider, lohnt sich aber sehr. Ich twitterte Montag schon einen kleinen Ausschnitt davon.

Tagebuch Mittwoch, 13. November 2019 – Giftschrank

Das Mustergießorakel versprach einen etwas schrägen, aber guten Tag.

Früher war mein Tagesorakel, ob ich die Pille aus der Blisterpackung so rausdrücken konnte, dass die Folie ganz blieb, also nur an einer Seite aufriss, das war dann ein guter Tag. Wenn sie mittig riss, war das doof. Aber hey, immerhin lese ich nicht regelmäßig Horoskope.

Gestern war Stabi-Tag, wo ich den ganzen Tag Billy Joels Vienna im Ohr hatte. Ich nehme es der Netflix-Serie The Politician sehr übel, dass sie den Song benutzt haben, das war meiner! Nur eben mit der veränderten Textzeile „When will you realize / The Stabi waits for you“ im Refrain. Endlich verstehe ich die ganzen Indie-Hörer (sagen die cool kids das noch?), wenn einer ihrer Geheimtipps plötzlich Mainstream wird. Wobei: Herr Joel ist vermutlich schon sehr mainstreamig.

In diesem Zusammenhang: Gerade neulich über Lieder nachgedacht, in denen Städte gewürdigt werden. Und zwar, als Augsburg in Paderborn spielte, das natürlich einen Stadionsong hat. Das fand ich schon putzig, ich dachte, nach Bochum könnte nichts mehr kommen. Wobei: Bochum ist super. Schreibt jemand Buxtehude für mich? Ich mag den Ortsnamen so gern.

Ich werfe hier nochmal den Bremer Stadionsong hin, denn der ist immer noch mein Liebling. Nach dem alten Augsburg-Ding, das ich neuerdings mal wieder im Stadion gehört habe. Hust.

So, jetzt aber in die Stabi, Musik aus dem Kopf geklopft und mal wieder an die Giftschrank-Theke gegangen, wo NS-Quellen für mich lagen. Für jedes dieser Werke muss man den Zettel ausfüllen, dass man das für wissenschaftliche Zwecke lesen will. Ich meine, in einem stand sogar vorne drin, dass es ausschließlich dafür rausgegeben wird, persönliches Interesse reicht also nicht, wenn man ein Sammelalbum mit Führerbildern durchblättern will, das 1936 von einer Hamburger Zigarettenfirma rausgegeben wurde. Die Bilder waren natürlich alle von Heinrich Hoffmann und ich bin doch erstaunt, wie sehr er zumindest mein Bild von Hitler prägen konnte – ich kannte sehr viele der Aufnahmen.

Bei einer zuckte ich zusammen und mein erster Gedanke war: Buh, ihr konntet nicht mal anständig Photoshop. Eines der sehr häufig verbreiteten Bilder war Hitlers sogenannter erster Spatenstich zur Reichsautobahn im September 1933 in Frankfurt. Ich fand es in diversen Quellen wieder, gerne dann, wenn es um das Gemeinschaftswerk der RAB geht, die angebliche Volksgemeinschaft, die zusammen usw. Im Sammelalbum fand ich die Aufnahme mit einem freigestellten Hitler, der hier quasi alleine auf einem Erdhaufen steht und schippt. Was natürlich im Kontext dieses Albums, das eine einzige Heldenverehrung des einzelnen Mannes ist, gut passt. Gleich mal notiert. Nebenbei ist in diesem Album auch das Aviso „Grille“ drin, womit ich gar nicht gerechnet hatte, das freute mich auch sehr. Allerdings wieder keine Innenaufnahmen, die suche ich noch relativ verzweifelt.

Nach den Originalquellen, nach denen ich immer duschen möchte oder zumindest viel trinken, ging ich in den Allgemeinen Lesesaal und vertiefte mich in ein paar kunsthistorische Begriffsdefinitionen. Dabei fand ich einen ausgesprochen schönen Ausdruck für viele der NS-Bilder, die, wenn sie nicht gerade Herrenmenschen beim Handgranatenschmeißen zeigen, größtenteils irre banal sind. Mir ist bei den vielen Autobahnbildern, natürlich nicht als erste, aufgefallen, dass einige von ihnen sehr in der Kontinuität meiner geliebten Neuen Sachlichkeit stehen. Dass diese Stilrichtung quasi die logische Vorstufe war, ist aber ein Fehlschluss. Günter Metken formulierte es sehr schön: „Die Stadt- und Industrielandschaften der Neuen Sachlichkeit sind etwas völlig anderes als die beschwichtigenden Momente einer Sonntagskunst.“ (Quelle) Sonntagskunst! Endlich habe ich einen besseren Begriff für das gefunden, was ich bisher in Gesprächen über die Diss immer irgendwann brummig als „Nazischeiß“ bezeichne, was sich für ein Forschungsobjekt vielleicht nicht ganz so gehört.

Hungrig, aber zufrieden heimgekehrt mit fünf neuen Büchern unter den Armen. Nur ein Käsesandwich gegessen und viele Äpfel, ansonsten Schrott, das muss ich etwas zurückfahren, das nimmt gerade überhand. Da belastet mich anscheinend irgendwas, an das ich nicht ranwill, stattdessen esse ich lieber zuviel Schokolade.

Knuspriger Tofu mit Soja-Ahornsirup-Glasur

Für das schnelle Abendbrot. Nach dem allerdings auch am nächsten Morgen trotz Lüften und Abwaschen die Küche duftet, wie ich gerade festgestellt habe. Ist es wert.

Die Mengen im Originalrezept habe ich nur so halbwegs befolgt, ich mache gerne mehr Sauce als angegeben und richte mich nach handelsüblichen deutschen Mengen, wenn es um Gebindegrößen geht.

Für ein bis zwei Personen (aka wenn ich richtig hungrig bin, reicht das genau für mich).

Einen Block Tofu (bei mir ca. 200 g) entwässern. Also in Papier- oder Küchentücher einwickeln, beschweren, 15 Minuten rumstehen lassen, abtupfen. Dann in mundgerechte Stücke schneiden oder reißen, diese nochmals abtrocken. Denn wir wissen ja: Feuchtigkeit ist der Feind von Knusprigkeit. Bei mir waren die Stücke eher Scheiben, wollte ich mal ausprobieren, fand ich gut.

Wenn ihr Reis als Beilage wollt (wollt ihr), dann den währenddessen aufsetzen.

Bei mir gab’s Gurkensalat dazu, also habe ich die Gurke fein gehobelt, in ein Sieb getan, ordentlich gesalzen und Wasser ziehen lassen.

Die Tofustücke in einer Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze in neutralem Öl (bei mir Sesam) anbraten. Heißt: ins heiße Öl geben und in Ruhe lassen. Echt jetzt. Einfach braten lassen, bis die eine Seite knusprig-braun ist, dann erst umdrehen und wieder in Ruhe lassen.

Während des ersten Bratvorgangs das Sößchen herstellen. Dazu
60 ml helle Sojasauce mit
3 EL Ahornsirup,
3 EL Reisweinessig,
1/2 TL Chiliflocken (nächstes Mal bei mir deutlich mehr oder gleich eine kleine frische Chili) und
1 daumengroßen Stück Ingwer, in sehr feinen Scheiben, vermischen.

Beim Ingwer wunderte ich mich über diese Anweisung; normalerweise reibe ich Ingwer. Das geht hier natürlich auch, aber ich fand die deutlich erkennbaren Ingwerplättchen sowohl vom Mundgefühl als auch vom Geschmack her sehr angenehm beim Essen.

Wenn der Tofu von beiden Seiten die Farbe hat, die er eurer Meinung nach haben sollte, herausnehmen und das überschüssige Öl abgießen. Pfanne wieder auf den Herd, kleiner Ölfilm schadet nicht, das ist ein sehr arbeitsarmes Essen, Tofu wieder rein, Hitze reduzieren und die Sauce dazugeben. Tipp: vorher die Fenster öffnen und/oder die Abzugshaube auf volle Pulle stellen, das gibt ordentlich Dampf. Den Tofu dann wenige Minuten in der Sauce braten, bis sie eingedickt ist.

Währenddessen Gurken ausdrücken (ich habe noch etwas Reisweinessig und dunkles Sesamöl darübergegeben), Reis auf den vorgewärmten Teller geben und dann den Tofu mit all der Sauce, die noch da ist. Fertig. Ich mochte den Ahornsirup etwas lieber als neulich den Honig, er kam mir etwas weniger direkt-süß vor, mehr so herb-süß. Gefällt.

Was schön war, Montag, 11. November 2019 – Wüstenschloss

Morgens erstmal jemandem zum Geburtstag gratuliert, der mir sehr am Herzen liegt. Der Herr schickte das Bild eines selbstgebackenen Kuchens zurück, was mich sehr freute.

Ich verbrachte fast den ganzen Tag am Schreibtisch, unterbrochen vom Mittagessen (Fertigtortellini mit selbstgemachter Tomatensauce) und einer Folge Bob’s Burgers. Außerdem surfte ich ein bisschen im Netz und stolperte über diese irre detail- und medienreiche Chronik der Mauer. Wild rumgeklickt.

Am späten Nachmittag saß ich dann ausnahmsweise wieder im Historicum. Nein, nicht in der dortigen Bibliothek, sondern wieder in einem Lehrraum, lustigerweise der, in dem ich mich damals noch händisch und persönlich für Geschichte einschreiben musste. Dieses Mal lauschte ich einem Vortrag einer Professorin für islamische Kunstgeschichte, die ihren hochschulöffentlichen Berufungsvortrag hielt.

Ich fuhr sehr entspannt zur Uni, weil ich dachte, ich könne mich mal wieder wie ein total unwissendes Erstsemester fühlen, da ich mich nie ernsthaft mit islamischer Kunst beschäftigt hatte. Gleich zu Beginn wurden aber die Umayyaden erwähnt, von denen ich doch schon mal was gehört hatte, und natürlich konnte ich auch mit vielen der architektonischen Begriffe etwas anfangen. Auch den Rest konnte ich, für mich wirklich überraschend, gut verfolgen und in das einordnen, was ich so in den letzten Jahren in meinen Kopf geschaufelt hatte. Auch deswegen freute ich mich darauf, den Bildband von 1907 zum Wüstenschloss Qusair ʿAmra, um das es im Vortrag ging, im ZI anschauen zu können. Ich ging natürlich – natürlich – davon aus, dass der bei uns rumsteht. Steht er leider nicht, es gibt das zweibändige Werk von Alois Musil nur im kunsthistorischen Institut in Florenz, selbst die Stabi kann ihn per Fernleihe nur daher zaubern. Ansonsten läge das Buch noch in Beirut, das ist mir ein bisschen zu weit weg, in Jena, aber nicht bestellbar, vermutlich RaRa, und – in Hamburg! Hätte ich das vor ein paar Wochen gewusst, hätte ich der Stabi einen dringenden Besuch abgestattet.

(Edit: Eine Leserin (Bibliothekarin, ich sollte einfach gleich die Profis fragen) machte mich darauf aufmerksam, dass die Stabi die Bände durchaus besitzt – nur in einer Schreibweise, nach der ich nicht gesucht hatte. Danke!)

Auf der Weltkulturerbe-Seite der UNESCO sind gute Fotos, mal durchklicken da. Und hier ist noch ein leicht textlastigerer Link vom MET-Museum, der weitere Links hat.

Das war schön, sich mal wieder mit was Nettem berieseln zu lassen. Mein Tagwerk war weitaus weniger nett, eher durch einen doofen Zufall bin ich direkt von den Autobahnen in die besetzten Ostgebiete gestolpert, in denen Protzen 1941 und 1942 Gemälde produziert hatte, und wie ich gestern schon auf Twitter schrieb: „Wer glaubt, dass ich bei der ganzen Lektüre zu den Reichsautobahnen schlechte Laune gehabt habe, kennt mich noch nicht bei der jetzigen Lektüre zu den eroberten Gebieten im Osten. („Pflanzgarten germanischen Blutes“, Himmler, bitte stirb einfach nochmal, Arschloch.)“ Ein paar bestimmt noch weniger gute Laune machende Bücher zum Generalplan Ost bestellt.

Immerhin gemeinsam eingeschlafen, das macht ja jeden Tag besser. Leider dann nicht mehr gut geschlafen, weswegen dieser Blogeintrag DEUTLICH später online ist als er sollte.

Was schön war, Samstag/Sonntag, 9./10. November 2019 – Diss und das (sorry. Es ist Montag)

Samstag versucht, sowohl die Tweets zur Pogromnacht als auch zur Maueröffnung zu ignorieren, weil mich beides gerade auf unterschiedliche Weise anfasst. Abends dann doch schwach geworden und YouTube-Clips von der Bornholmer Straße geschaut. Doch wieder geheult, weil ich mich noch an meine damalige völlige Fassungslosigkeit erinnere, mit der ich, zwanzigjährig, alles mitbekam und trotzdem nicht glauben konnte, was sich da entwickelte. Dass aus zwei deutschen Staaten wieder einer werden würde, hätte ich nie geglaubt. Aber darüber, wie sich dieses Land entwickelte, könnte man mal wieder nachdenken.

Dazu las ich dann Sonntag dieses gute Essay: Revolution ohne Helden.

„Die offizielle Gedenkwoche der Bundesregierung in diesem Jahr trägt den Titel “30 Jahre friedliche Revolution – Mauerfall”. Die offizielle Website dieser Gedenkwoche aber heißt nur noch: “mauerfall30.berlin”. So ist es oft: Der Mauerfall rückt ins Zentrum und alles wird seltsam körperlos. Am 9. November 1989 fiel die Mauer. Mit der Wende kam die Einheit. Als wäre der Weltgeist in dieses Land gefahren. Als hätten nicht Menschen gehandelt. Als lasse sich eine Revolution ohne Revolutionäre auch nur denken. […]

Manche Revolutionen, wie die in Frankreich und den USA, haben das westliche Verständnis von Geschichte und Politik grundlegend verändert. In vielen Ländern sind Revolutionen selbstverständlich Teil des kollektiven Selbstverständnisses. Revolutionsgeschichten, die sich herausgebildet haben, kreisen um handelnde Personen, um Helden, um Revolutionäre. […]

Selbst die Novemberrevolution 1918, diese merkwürdig vergessene deutsche Revolution, hat ihre ikonischen Momente, hat Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, hat Philipp Scheidemann, der vom Balkon des Reichstags die Republik ausruft. Heute kann man hinter diesem Balkon als Abgeordneter im Restaurant sitzen. […]

In der Schlüsselszene der Revolutionsgeschichte von 1989 verkündet Politbüromitglied Günter Schabowski im grauen, etwas zu großen Anzug die Öffnung der Grenzübergänge, kratzt sich auf Nachfrage am Kopf, und sagt dann: “Das tritt, nach meiner Kenntnis ist das sofort, unverzüglich.” Man kann nicht einmal sagen, dass dieser Satz von der Revolution geblieben ist, weil ihn kein Revolutionär gesprochen hat und weil es nicht einmal ein Satz war. […]

Dass es im kollektiven Gedächtnis keine eindeutigen Führungsfiguren gibt, mag auch an denen liegen, die dazu hätten werden können – Menschen, die heute “Bürgerrechtler” heißen, nie “Revolutionäre”. “Die haben allesamt darauf verzichtet, sich vorzudrängen”, sagt Schulz. Aram Radomski, der die Leipziger Montagsdemo vom 9. Oktober filmte und damit in die Welt trug, sagte einmal: “Manchmal stört es mich, wenn ich deswegen zu einem Symbol gemacht werde. Das bin ich nicht.”

“Für viele war auch das Parteiensystem nicht geeignet, ihre Vorstellung von Politik umzusetzen, wie für Bärbel Bohley”, sagt Roland Jahn. Bohley, Mitbegründerin des Neuen Forums, ging in den Neunzigern nach Bosnien. In der Bundesrepublik spielte sie keine herausgehobene Rolle mehr. […]

Die friedliche Revolution fraß ihre Kinder nicht, sie löste nur alles auf, worin die Kinder waren. Wie oft gibt es das, dass ein Volk eine Revolution macht und dann wird es geschluckt? Dass Revolution nicht der Beginn von etwas ist, sondern vor allem das Ende?

Westdeutschland nahm die DDR in sich auf und das Ergebnis war kein neues Land, sondern das alte, mit ein paar neuen Menschen.“

Den Rest des Tages verbrachte ich mit schönem Kleinkram: Ich machte den Balkon winterfertig, sagte traurig meinen einjährigen Blumen Auf Wiedersehen, topfte die Kräuter um, die ich in die Küche retten wollte und putzte den Balkon, bevor es draußen frostig wird.

Dann buk ich Kekse, abends gab’s ein Grilled Cheese und dazwischen schaute ich die neuen Folgen Masterchef – The Professionals, was ich sehr gerne mag (totale Überraschung). Dort stellen sich Köche und Köchinnen den Juror*innen; ihre erste Runde ist immer, einen Klassiker zuzubereiten, ich bloggte bereits mal darüber. Ich finde es immer spannend, wie Profis an eigentlich simple Dinge wie eine Hollandaise rangehen und freue mich grundsätzlich über die Erklärungen dazu, warum sie jetzt was machen und warum was eben nicht.

Ansonsten gab es die ersten vier Folgen von The Morning Show mit Jennifer Aniston und Reese Witherspoon, der neuen Flagship Show von Apple TV. Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich die Serie mag oder nicht; zwischendurch kommt was, das mir gefällt, aber meistens frage ich mich, was ihr da gerade zu Problemen aufbauscht, die keine sein müssten, wenn man kein Drehbuch für eine Stunde Folge vollkriegen müsste.

Gestern saß ich den ganzen Tag an der Diss. Okay, erst schlief ich gnadenlos bis 9. Aber dann. Ich groovte mich langsam wieder in den riesigen Protzen-Teil rein, in dem mich mittendrin abgebrochen hatte, um mich an die Autobahnen zu setzen. Jetzt kommt also wieder das, was ich vorher schon monatelang gemacht hatte: Werkverzeichnis mit Fotos seiner Bilder zu vergleichen, um sein Werk vollständig aufzubereiten, Archive durchwühlen, um Ausstellungen zu finden, Datenbanken durchwühlen, um Rezensionen dazu zu finden.

Ich hatte 1937 abgebrochen, weil ich wusste, dass jetzt die Großen Deutschen Kunstausstellungen kämen, für die ich dringend ins Staatsarchiv muss. Um wieder in den Schreibfluss zu kommen, las ich meine bisherigen Kapitel dazu nochmal durch und redigierte natürlich erstmal ewig rum, kam aber immerhin bis 1934, und da mache ich dann heute weiter.

Außerdem konnte ich mich in der Diss selbst zitieren. Alles erreicht.

Was sich Historiker*innen von Archiven wünschen: eine Umfrage

Ich hatte mich an der Umfrage auf Twitter nicht beteiligt, weil ich dachte, ich hätte alberne Sonderwünsche, aber anscheinend geht es vielen so, dass sie gerne WLAN hätten und fotografieren möchten. Irre. Durch den Artikel wurde ich aber auch angeregt, über Nachnutzung von einmal ausgehobenen Archivalien nachzudenken: Was wäre, wenn ich die Akten, durch die ich mich wühle und die ich fotografiere/scanne/transkribiere, auch einfach anderen zur Verfügung stellen würde, damit die nächste Nutzerin nicht die gleiche Arbeit nochmal machen muss? Ich wäre dabei!

Links vom 9. November 2019 – Ost-Sandmännchen > West-Sandmännchen

Das ausm Osten kann neuerdings nämlich sprechen. Die Folgen dauern nur ne Minute, sind alle schnafte und lohnen sich alleine für den Dialogsatz aus der ersten Folge:

„Der Sandmann ist da!“
„Watt kannen der?“
„Der findet überall nen Fernseher!“

(via @holgi)

Aber ma watt Ernstes, wa:

Jetzt ist alles gleich viel wert

Die FAZ über die Neuhängung im MoMA, die teilweise alle drei Monate nochmal neu gehängt wird. Irre. Muss ick hinne.

„Überraschenderweise berufen sich alle am New Yorker Denkmalsturz Beteiligten auf den Gründungsdirektor Alfred H. Barr, der das MoMA unter dem Eindruck seiner Reise ans Bauhaus 1927 als populären Begegnungsort entwarf, in dem alle Kunstrichtungen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. „Erst in den siebziger und achtziger Jahren fingen wir an, diese absolut verengte Lesart moderner Kunst zu entwickeln“, resümiert Direktor Glenn D. Lowry, der sich seit seinem Antritt 1995 schrittweise um Auflockerung bemüht hat. „In den Vierzigern, Fünfzigern und Sechzigern sammelten und zeigten wir Kunst aus Indien, Iran und Lateinamerika.“ 1963 etwa wurde eine abstrakte Malerei des Inders Vasudeo S. Gaitonde angekauft, die jetzt zum ersten Mal zu sehen ist, gegenüber einem ungewöhnlich zittrigen Mark Rothko. Die beiden ergänzen sich hervorragend, vielleicht, weil beide Künstler, wie der Saaltext informiert, sich im Zen übten.

Nur Henri Matisse und Monets „Seerosen“ behielten eigene Kabinette. Constantin Brâncuşis Skulpturen rahmen aufs Schönste den Ausblick auf die Stadt und den Skulpturengarten. Ansonsten wird hier kein Werk in Ruhe gelassen. Die Aktfotos, die Adrian Piper während ihrer Lektüre von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ von sich schoss, um sich zu vergewissern, dass sie noch am Leben war, hängen gegenüber den Zeichnungen, die ungefähr zur selben Zeit der Sudanese Ibrahim El Salahi im Gefängnis fertigte. Jackson Pollock wird nicht gezeigt, ohne ihm seine Frau Lee Krasner gegenüberzustellen, die auch gerade in der Frankfurter Schirn gefeiert wird. Robert Delaunay teilt sich die Wand mit Sonia Delaunay-Terk, mit der er den Orphismus erfand. Und gegenüber hängt ein Bild von Hilma af Klint, das noch schnell aus Stockholm ausgeliehen wurde, weil seit ihrer enorm erfolgreichen Guggenheim-Ausstellung vor einem Jahr wohl auch das MoMA der Ansicht ist, dass die Geschichte der Abstraktion ohne den Okkultismus der Schwedin unvollständig ist.“

(via @Agnes_Sawer)

Was schön war, Mittwoch/Donnerstag, 6./7. November 2019 – Essen, trinken, bücherseufzen

Das derzeit übliche Programm, arbeiten, promovieren. Was man halt so macht.

Am Mittwoch ging ich zur Mittagszeit ein bisschen spazieren, um auf dem Rückweg Einkäufe zu erledigen. Mein Weg führte mich zu Lidl, wo ich den Tofu ausprobieren wollte, da ich gerade alle Tofus in meiner Umgebung anteste – quasi gezwungenermaßen, weil der von Edeka, der mein nächstgelegener Supermarkt ist, total ungenießbar schmeckt. Mir jedenfalls. Auch die Fertigprodukte aus Soja sind grauenhaft und ich will das Zeug nicht mehr weiter durchprobieren. Also Lidl.

Nachdem ich den Tofu in den meterlangen Regalen zwischen Käse und Wurst gefunden hatte (ein kleines Fuck you an vegane Kunden, oder was?), bereitete ich ihn zuhause zu meinem geliebten scharfen Tofu von Ottolenghi zu. Das ist eins meiner Lieblingsgerichte, die ich dauernd essen könnte, es aber nicht so oft tue, weil ich eher selten Frühlingszwiebeln im Haus habe. Rest ist immer da, aber die halt nicht, und komischerweise ist es ohne doof, auch wenn es nur ein weiteres zwiebliges Element im Ganzen ist. Ich nutze auch längst nicht so viel Butter wie im Rezept, mache aus den Schalotten manchmal Zwiebeln und die Chili-Dosierung ist auch sehr tagesabhängig, total egal, das Rezept schmeckt immer. Dieses Mal nutzte ich ausnahmsweise normalen Tofu, nicht den sonst verwendeten Räuchertofu, und dann auch noch eine Marke, die ich vorher nicht kannte, und was soll ich sagen: Es wurde das beste scharfe Tofu, das ich jemals gebraten hatte. Neuer Tofu-Liebling!

Über gutes oder gelungenes oder beides Essen kann ich mich ja stundenlang freuen. Und das tat ich dann auch.

Donnerstag machte ich den Fehler, das Autobahnkapitel doch noch mal anzuschauen, obwohl ich mir geschworen hatte, es erstmal eine Woche liegenzulassen und was anderes zu schreiben. Aber so schaute ich und las und fand noch diverse Stellen, vor allem in den Fußnoten, wo ich mein beliebtes „quelle?“ in rot notiert hatte, oder „checken!“ oder „katalog im zi?“ Seufzend machte ich eine Liste in meinem Moleskine, mit dem ich mit dort frisch notierten Signaturen durch Bibliotheken renne, schaute dann auf die erstellte Liste, sah, dass ich einiges in der Stabi, aber noch mehr im ZI zu tun hätte – und machte mich auf den Weg ins ZI. Es hilft ja nichts.

Dort hatte ich wieder den Effekt, über den ich mich genau wie über gutes Essen stundenlang freuen kann. Ich schloss mein Zeug ein, zeigte an der Pforte meinen Ausweis vor, dessen Name und Nummer werden notiert (früher machte man das selbst, seit der DSVGO nicht mehr, damit man ja nicht mehr lesen kann, wer noch so alles im Haus ist – als ob man die Nasen im kleinen Lesesaal nicht sowieso sofort sehen könnte, aber gut), brachte Rechner und Moleskine an meinen Platz, stöpselte das Netzteil ein und ging ausnahmsweise sofort in die Magazine. Sonst muss ich im Katalog erstmal die Signaturen zu den Büchern oder Zeitschriftenbänden suchen, die ich haben will, aber die hatte ich ja schon brav in der Diss notiert oder ich wusste, wo irgendwas steht. Der Fahrstuhl brachte mich zunächst in den Keller, wo ich einen Zeitschriftenband brauchte und dann in den 3. Stock, wo ich diverse Ausstellungskataloge zusammensammeln wollte. Und spätestens dort war dann wieder das einmalige ZI-Gefühl da: zu wissen, hier steht (fast) alles, was du brauchst – und dann noch 500.000 weitere Bücher.

In den Magazinen begegnet man eher selten Leuten, weil das Haus so klein ist, man steht da einfach zwischen 100.000 Bänden und 50 Regalen, die teilweise vom nachträglich eingezogenen Fußboden bis zur niedrigen Decke vollgestapelt sind – deswegen hat das Haus auch fünf Stockwerke, wo es von außen nur nach dreien aussieht – und ich persönlich mache da durchaus ein Ritual draus, einfach kurz stehenzubleiben und zu gucken und nicht sofort ans gesuchte Regal zu sprinten. Einfach weil ich es so sehr genieße, diese Fülle an Wissen vor meiner Nase zu haben. Ich behaupte, mein Blutdruck geht sofort runter, wenn ich zwischen diesen Bücherbergen stehe und einfach nur gucke. Und meistens seufze ich nochmal glückselig vor mich hin.

Es war dann doch längst nicht alles da, worauf ich gehofft hatte, wir können ja auch nicht alles haben, aber dann seufze ich halt nächste Woche in der Stabi nochmal.

F. konnte relativ früh Feierabend machen (ausnahmsweise Home Office, kein doofer langer Arbeitsweg, yay for home office), und so gönnten wir uns gegen 18 Uhr schon unser gemeinsames Abendessen. Dazu gingen wir nicht in unsere Stammkneipe, das Obacht, sondern in den Görreshof, der leider, wie so viele Münchner Lokale, die Angewohnheit hat, alles auszureservieren. Wenn man spontan kommt, suchen die Kellner*innen aus den ganzen Reservierungsschildern auf den Tischen den Zeitpunkt aus, der am weitesten weg ist und fragen, ob a Stund reicht. Unsere Reservierung sollte erst um 19.30 Uhr kommen, das passte, wir tafelten Schnitzel bzw. Backhendlsalat, tranken jeder zwei Helle und überlegten, ob ein drittes noch drin war, es war grad so nett. Es war kurz nach 19 Uhr, das hätte noch gepasst, aber dann wurde eine Gruppe an den Nebentisch gesetzt, die eigentlich erst um 19.30 hätte kommen sollen, auf unserem Tisch stand plötzlich das Reservierungsschild von dort, auf dem 19.15 Uhr stand, und daher war die Zeit auf einmal knapp. An der Bar stapelten sich auch schon Wartende, und so zogen wir einen Hauch missmutig weiter.

Die schlaue Überlegung wäre gewesen, beim Supermarkt einfach noch zwei, drei Helle zu holen oder die beiden, die noch in meinem Kühlschrank lagen, zu trinken, aber nein, wir gingen „nur noch auf einen Absacker“ dann doch ins Obacht, was wir uns eigentlich bewusst verkniffen hatten, denn da ist es immer so nett, dass wir grundsätzlich mehr trinken und länger bleiben als geplant. Also nur noch eins, gell?

Wir waren dann nach jeder vier weiteren Hellen zuhause und leerten noch die beiden im Kühlschrank, und dann war’s nach Mitternacht und auch mal gut. Das war ein sehr schöner Tag.

Was schön war, Dienstag, 5. November 2019 – Kapitelabschluss (haha)

Vormittags Geld verdient, danach wieder an der Diss gesessen.

Vorgestern hatte ich das dicke Autobahnkapitel, an dem ich gefühlt (und laut Blogeinträgen) ungefähr zwei Monate hauptsächlich saß und schrieb, vorerst abgeschlossen. Gestern fühlte ich mich dadurch gewappnet genug, den Forschungsstand aufzuhübschen, der bisher eine Liste von Texttiteln war, von denen ich aber nie so recht wusste, ob sie da reingehören oder lieber ins Autobahnkapitel oder doch gleich in den Hauptteil zu Protzen und der Diskussion über seine Werke. Nachdem ich jetzt aber das Autobahnding fertig hatte, wühlte ich mich durch den Forschungsstand, kürzte, löschte, formulierte um und erweiterte, erweiterte, erweiterte. Das Ding ist dann jetzt auch vorerst fertig. (Immer im Hinterkopf: haha, fertig, haha.)

Ich musste mir gestern mal wieder eingestehen, dass die Diss mein Everest an Text ist. Bisher habe ich immer stolz gewusst, lange Texte sind genau mein Ding, das kann ich, darin verliere ich mich nicht, weder in üppigen Werbekatalogen noch in meinem Buch übers Essen und Dicksein. Die 220 Seiten Manuskript dafür waren mir relativ schnell im Kopf klar, die musste ich quasi nur runterschreiben. Das sah übrigens so aus; ich habe beim Wiederlesen des nun über acht Jahre alten Blogeintrags festgestellt, dass ich immer noch gerne an schönen Tischen und mit einer Teekanne neben mir arbeite. Und es deutete sich vorsichtig an, dass Kunstgeschichte demnächst eventuell eine Rolle in meinem Leben spielen würde.


(Eins von zwei Regalen, die nach der Umräumaktion neulich jetzt hinter mir im Arbeitszimmer stehen. Schon nach wenigen Tagen mit Büchern vollgestapelt, wo-hoo! Nicht wo-hoo. Nicht im Bild: Teekanne rechts von mir.)

Die Diss kann ich aber nicht einfach so runterschreiben, weil ich noch gar nicht weiß, was ich schreiben werde, weil ich noch nicht alle Quellen gesehen habe, weil ich in Protzens Werken IMMER NOCH erst im Jahr 1937 bin und noch bis 1956 muss und weil ich nicht weiß, was mir alles auf dem Weg dahin noch begegnet. Deswegen ist jeder Satz, den ich schreibe, ein vorläufiger. Und weil es so irre viele Richtungen sind, in die ich schreibe, und es viel zu viel ist, um es dauernd noch einmal durchzulesen, was ich sonst immer mache, lese ich neuerdings alle zwei Monate mal über irgendwas rüber. Dann denke ich meist, oh, das ist schlau, das habe ich hübsch formuliert. Manchmal denke ich aber auch, was ist denn das für ein Quatschsatz, den streichen wir mal formlos. Aber grundsätzlich denke ich immer: Das hab ICH geschrieben? Weil ich schon längst vergessen habe, was ich im März oder Juli mal zu Papier brachte.

Auch deswegen wollte ich jetzt den Forschungsstand halbwegs runterrocken, damit ich nur noch anlegen muss, wenn mir noch irre neue Quellen oder Texte über den Weg laufen, womit ich aber eigentlich nicht rechne. Die Grundlagen zu den Autobahnen, Kunst im NS, Kunst in München im NS habe ich jetzt durch. Für Herrn Protzen hat sich noch nie jemand so richtig interessiert, aber auch über die wenigen Erwähnungen von ihm seit 1945 konnte ich durchaus was schreiben. Ich bin dann jetzt bei 187 Seiten angekommen, weiß nicht wie und habe keine Ahnung, was in ihnen drinsteht.

Erinnerungskultur in der DDR

Ich erwähnte neulich schon mal, dass mich die unterschiedliche Aufarbeitung des NS in Bundesrepublik und DDR interessiert. Die BPB hat dazu ein Dossier von 2008 wieder nach oben geholt, davon verlinke ich mal einen Text (via @frequenzfisch). Wie gesagt, 2008. (Nicht von den Fußnoten mitten im Text irritieren lassen, es geht darunter weiter.)

„Unmittelbar nach Beendigung des Krieges galt die Erinnerung in der sowjetischen Besatzungszone allen Opfergruppen. Es war unerheblich, ob es sich um Widerstandskämpfer kommunistischer, bürgerlicher oder christlicher Couleur handelte oder ob die Verfolgung aus rassistischen Gründen erfolgte. Kurz nach Kriegsende 1945 wurden als “Opfer des Faschismus” diejenigen bezeichnet, die “‘unter der Hitlerdiktatur heldenmütig für die Freiheit des deutschen Volkes’ gekämpft hatten, sowie die ‘Hinterbliebenen der von den Faschisten ermordeten Helden des deutschen Freiheitskampfes'”. Die Weiterführung des Zitats verdeutlicht jedoch, dass eine Hierarchisierung der Opfergruppen im Interesse der kommunistischen Erinnerungskultur und des Geschichtsbewusstseins vorgenommen wurde. Denn es heißt weiter: “‘Opfer des Faschismus’ sind die Juden, die als Opfer des faschistischen Rassenwahns verfolgt und ermordet wurden, sind die Bibelforscher und Arbeitsvertragssünder. Aber so weit können wir den Begriff ‘Opfer des Faschismus’ nicht ziehen. Sie haben alles geduldet und Schweres erlitten, aber sie haben nicht gekämpft.

Vor allem die Spitze der SED sah in den kommunistischen Widerstandskämpfern die bedeutendste Gruppe, die stets hervorgehoben wurde. So wurde zwischen “Opfern des Faschismus” und den “Kämpfern gegen den Faschismus” unterschieden. Die Erinnerung an die anderen Opfer wurde somit sekundär und verschwand größtenteils aus dem öffentlichen Gedächtnis. Jürgen Danyel weist darauf hin, dass “in der DDR […] die Euthanasie-Opfer, die Sinti und Roma, die ‘Asozialen’, die Homosexuellen und andere Minderheiten zu den lange vergessenen Opfergruppen” gehörten.“

Die Bundesrepublik hat sich auch nicht nur mit Ruhm bekleckert, gerade was die Integration von NS-Verbrechern und -Mitläufern anging, da war die DDR deutlich konsequenter in ihrer Ablehnung. Aber die Bundesrepublik hatte immerhin die 68er, in deren Zeit meiner Meinung nach eine intensivere Auseinandersetzung mit der eigenen oder der familiären Vergangenheit möglich war als der von oben verordnete Antifaschismus. Aber ich muss dazu noch viel lesen, das will ich jetzt genauer wissen. Hier ein zweiter Text aus dem Dossier: Geschichte der Erinnerungskultur in der DDR und BRD. (Ich bringe es immer noch eher selten über mich, „BRD“ zu schreiben, westdeutsche Prägung, ts.)

„In der Bundesrepublik lautete 1949 die Frage: Demokratisierung und gesellschaftliche Integration der NS-Funktionseliten, also der mittleren Garnitur, oder vorbehaltlose Aufarbeitung und Bestrafung der Verbrechen. In einer Art großen Koalition entschied man sich für den ersten Weg – ein allgemeiner Rechtfertigungsdrang und ein gemeinschaftlicher Wille, sich von Schuld und Verantwortung frei zu sprechen verband die meisten Deutschen miteinander. Vom Holocaust war bis zum Ende der 1950er Jahre kaum die Rede.

In der Öffentlichkeit wurde das “Dritte Reich” weitgehend totgeschwiegen. Nur Minderheiten, meist Opfergruppen, wagten die Schuld verdrängende Verharmlosung, die Vergangenheitsabwehr und die Schuldabwälzung zu stören. Im populären Geschichtsbild der Zeit erschien der Nationalsozialismus als unerklärlicher Einbruch, als Heimsuchung, ja Verhängnis und Hitler als Dämon. Außerdem wurden die NS-Diktatur und die SED-Diktatur über denselben Kamm geschoren und nach dem Mauerbau 1961 erschien die DDR nicht wenigen als ein KZ. Halbheiten bestimmten die Wiedergutmachung für die Opfer des Nationalsozialismus. Israel erhielt zwar Entschädigungszahlungen, doch in der Wiedergutmachung steckte zu viel Kalkül und Außenpolitik, als dass sie moralisch voll überzeugte: Gezahlt wurde dort, wo es die internationale – und das bedeutete damals: westliche – Reputation der Bundesrepublik gebot, im Westen. Osteuropäische Opfer gingen leer aus.

Das Klima und mit ihm die Erinnerung wandelte sich seit etwa 1958, als antisemitische Skandale die Republik erschütterten. Weit reichende Folgen ergaben sich aus den Reaktionen: Die Kultusminister verabschiedeten neue Richtlinien für den Geschichtsunterricht, der Gesetzgeber schuf den Straftatbestand der “Volksverhetzung” und auf Betreiben von Opfergruppen wurden endlich Gedenkstätten gebaut. Ferner richteten die Landesjustizminister die “Zentrale Stelle zur Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen” ein, womit sie die strafrechtliche Verfolgung von NS-Tätern vorantrieben. Intellektuelle wie Rolf Hochhuth kritisierten den Umgang mir der NS-Vergangenheit offen und ein Generationenkonflikt radikalisierte den Umgang mit der Vergangenheit. Die Verjährungsdebatten im Deutschen Bundestag seit 1965 – Mord verjährte nach 20 Jahren, durfte NS-Völkermord verjähren? – verzeichneten eine ebenso breite öffentliche Resonanz wie der Eichmann-Prozess in Jerusalem oder der Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main.“

Tagebuch Montag, 4. November 2019 – Arbeitstag

Für Geld gearbeitet, an der Diss gesessen, nur einen Liter Tee getrunken (man kommt ja zu nix), zwischendurch Halloumi mit allem Gemüse, was rumlag, geluncht.

Den ganzen Tag warme Füße gehabt. Yay for Home Office.

Diss lief gut, ich blieb bis halb neun am Schreibtisch und musste F. auf einen anderen Abend vertrösten, weil ich danach noch Zeitung lesen wollte. Never leave a hot keyboard.

Tohru Nakamura ist “Koch des Jahres”

F. und ich haben im Mai im Geisels Werneckhof gegessen. Ich habe mich sehr gefreut, meine eigene Einschätzung – „schmeckt alles super und zen-nig“ – im SZ-Artikel wiedergefunden zu haben.

„Tatsächlich kann Nakamura so gut wie wenige andere erklären, warum er ein bestimmtes Gericht auf den Tisch bringt und warum gerade in dieser Form. Sein Stil besitzt ein ungewöhnlich hohes Maß an Stimmigkeit – “was wir servieren, steht in einem totalen Einklang mit mir selber, ich bin damit absolut glücklich”, sagt Nakamura – eine Aussage, die sehr viel konkreter wird, wenn man seine Biografie kennt.

Denn der Sohn einer deutschen Mutter und eines japanischen Vaters ist in zwei kulinarischen Welten zu Hause. Wie kaum ein anderer deutscher Koch weiß er die europäische Hochküche mit der japanischen zu verbinden und zu etwas ganz Eigenem zu machen; zu einem Stil, der längst prägend ist für viele Köche.

Die japanische Küche hat in den vergangenen Jahren auf der ganzen Welt stark an Einfluss gewonnen. Nirgends dürfte der Respekt vor dem Produkt eine solche Bedeutung haben wie in der japanischen Tradition, egal übrigens, ob es sich um Aal, Wagyusteak, Birnen oder Algen handelt. Wissen, Spezialisierung und technische Fertigkeiten sind enorm, es gibt Köche, die über Jahre nur für die Verarbeitung einzelner Produkte ausgebildet werden. Qualität, Regionalität und Saisonalität haben in Japan fast kultischen Stellenwert. Und die Fermentation von Lebensmitteln mit Edelschimmelpilzen, ebenfalls eine japanische Technik, eröffnet völlig neue Geschmackswelten. Bei all diesen Themen geht es durchaus nicht allein um Genuss, sondern auch um Nachhaltigkeit. Um den Einklang mit der Natur. Und es geht um eine Philosophie, die sich, zumindest in Teilen, gut auf andere Küchenstile übertragen lässt.“

Tagebuch Samstag/Sonntag, 2./3. November 2019 – Zwei Krisen, ein Happy-End

Die letzten beiden Tage des langen Wochenendes, das ich mir seit Donnerstag selbst verordnet hatte; manchmal fühle ich mich einen Hauch urlaubsreifer als ich sein möchte. Viel gelesen, unter anderem bin ich auf Seite 225 von Pachinko (deutsche Übersetzung: Ein einfaches Leben) angekommen. Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich den sehr schlichten Sprachstil als effizient oder spröde bezeichnen möchte. Gefällt aber.

Samstag wollte ich mal wieder etwas backen. Ich hatte noch eine gute Handvoll TK-Himbeeren, die endlich irgendwo reinwandern sollten, also googelte ich nach irgendwas Cheesecake-artigem, bis mir einfiel: Dein gutes altes Käsekuchenrezept klappt immer. Da klatsche ich einfach auf den vorgebackenen Boden die pürierten und etwas eingekochten Himbeeren und fertig.

Das klappte auch hervorragend, aber anscheinend habe ich meinen Eischnee nicht schneeig genug geschlagen, denn nach dem ersten Aus-dem-Ofen-Nehmen und Abkühlen, als ich ein Probestück abschneiden wollte, suppte mir die Mitte des Kuchens energisch entgegen. Hektisch die Springform wieder um den Kuchen gedengelt und nochmal in den Ofen gestellt. Währenddessen die Wohnung oberflächlich in einen besuchsfertigen Zustand gebracht, denn meine Nachbarin hatte sich spontan auf einen Flat White angekündigt. In der Halbzeit des Bayern-Debakel-Spiels testete ich den Kuchen erneut – und wieder war die Mitte nicht fest. What the hell? Für das dritte Nachbacken ließ ich das herausgeschnittene Stück einfach draußen, damit ich sehen konnte, wann nichts mehr flüssig war. Das klappte dann endlich, und lustigerweise war die Außenseite des Kuchens auch nicht überbacken. Trotzdem stehe ich der Mitte bis heute etwas skeptisch gegenüber und friere nur halbe Stücken ein. (Oder F. muss heute noch viel Käsekuchen essen.)

Eine nette Stunde geplaudert und guten Flat White getrunken. Jedesmal wenn ich schwitzend daran denke, wie teuer diese verdammte Maschine war, mache ich mir einen Kaffee und weiß wieder, warum sie so teuer war. Und wie sehr ich mich jeden Morgen über den Kaffee daraus freue.

Derzeit im Ausschank: Sidamo von Fausto, von denen man alles trinken kann (Liebling: Monaco), noch aus der dicken Kaffee-Geburtstagstüte im März. Die habe ich fast niedergerungen und freue mich schon aufs Nachbestellen von Oh, Harvey, der war der Kracher.

Sonntag stand dann endlich mal wieder ein Stadionbesuch an. Leider nur einer, denn sowohl der FCA als auch die Bayern-Damen hatten ein Heimspiel, aber beide würde ich zeitlich nicht schaffen. Ich entschied mich für die Jungs um 18 Uhr.

Dazu wollte am Rechner noch schnell mein Schwabenticket buchen, klickte erfahren auf der DB-Website rum, nur um ganz zum Schluss die Meldung zu bekommen: „Bezahlvorgang abgebrochen“. Keine Zeit zum neuen Versuch, hektisch 30 Euro in bar eingesteckt, in der U-Bahn einen weiteren Versuch am Handy gestartet, wieder dieselbe Meldung. Am Bahnhof dann am Automaten gelernt: Wenn man 23 Euro bezahlen muss, will der Automat nach zwei Zehnern keinen dritten mehr, sondern Münzen – die ich nicht hatte, sonst hätte ich sie eingesteckt. Zweiter Bezahlversuch mit der EC-Karte, die nicht akzeptiert wurde. Darum kümmere ich mich dann heute – WTF? –, kaufte an einem der eine Million Verkaufstände eine Wegcola, hatte nun Kleingeld, erstand ein Ticket und war zwei Minuten vor Abfahrt des Zugs hektisch und verschwitzt am Gleis. Herrgottnochmal. Ich noch so per DM an F., der nicht mitkommen konnte: „Wenn der FCA jetzt noch verliert – AN MIR HAT’S NICHT GELEGEN!“

Damit habe ich das ganze dann vermutlich gejinxt, denn nach einer wirklich guten ersten Hälfte und einem doofen 1:1 (Eigentor) kam eine beschissene zweite Halbzeit und das Spiel ging 2:3 verloren. Aber immerhin hat’s geregnet und mir war kalt. *knurr* Hätte vielleicht doch das 5:2-Spiel der Bayern-Damen gucken sollen.

Zuhause Frustpommes in den Ofen gehauen und die letzte Folge The Affair geguckt. Hm. Ich mochte die Serie vor allem in den ersten beiden Staffeln sehr gerne, die dritte fand ich grauenhaft, die vierte dann wieder okay, und mit der fünften haderte ich auch, allerdings nur mit der Storyline von einer Figur (ich versuche mal nicht zu spoilern). Das Finale erschien mir arg weichgespült im Vergleich zu den bisherigen Folgen, die ihre Figuren doch gerne mal durch die emotionale Mangel drehten. Trotzdem ein okayes Ende. Ich werde vor allem Helen vermissen, die ich in all ihren Irrungen und Wirrungen immer als konsequent – und konsequent suchend – empfunden habe. (Maura Tierney!)

Beim abendlichen Fertigmachen im Bad Deutschlandfunk gehört und gelernt, wer den Text zu Über sieben Brücken musst du geh’n geschrieben hat. Außerdem kennengelernt: King Princess, von der You Destroyed My Heart gespielt wurde, was mir sehr gut gefallen hat. Eben beim Bloggen das ganze Album durchgehört, über das der Guardian treffend schrieb: „It’s the sonic equivalent of putting on a full face just to sit at home smoking weed.“

Was schön war, Donnerstag/Freitag, 31. Oktober/1. November 2019 – All things grow

(Soundtrack zum Blogeintrag: Chicago von Sufjan Stevens)

Am eigenen Schreibtisch sitzen, schreiben können, lesen können, im Warmen sein können, ein Dach über dem Kopf haben.

Geld haben, um einzukaufen. Ist in diesem Jahr nicht ganz so üppig, aber es reicht. Das ist viel.

DMs mit jemandem austauschen, den man liebt. Menschen auf Twitter und Insta zugucken, die man mag, schätzt, unterhaltsam findet, anregend, anstrengend auf eine gute Weise. Sich bilden können.

Ein Geschenk von jemandem Wildfremden aus der Packstation holen. Gehen, im eigenen Tempo, in genau meinem Wetter (Team Herbst), in der geliebten Schnuffeljacke. Auf dem Rückweg ein Stück Kuchen vom Bäcker holen. Geld für Kuchen haben, Zeit, dazu noch einen Kaffee aufzubrühen, beides genießen, stumm und dankbar.

Auf dem Sofa einschlafen können, weil gerade nichts gemacht werden muss. Gar nichts.

Honigbrot, Tee, merken, dass die Blechpommes im Sonderangebot gar nicht so schlecht sind. Ich habe immer noch keine richtig guten selbstgemachten hingekriegt. Aber: Zeit und Lust dazu haben, es immer wieder zu probieren.

Ausschlafen.

Neue Folgen von Queer Eye auf Netflix, die bei mir immer den Effekt haben, mal wieder auf mich raufzugucken und zu merken, was ich alles habe, was ich alles kann, worin ich gut bin. Der gute alte Spruch, über den viele sich lustig machen außer denen, die ihn dauernd aufsagen müssen, um nicht wahnsinnig zu werden: Selbstliebe ist ein radikaler Akt, wenn die Gesellschaft, die Medien, Facebook oder deine angeblichen Freunde dir dauernd sagt, du bist nicht gut genug.

Den Artikel „Was ich lernte, als mein Vater starb“ lesen und genau das mitnehmen, was mich seit einigen Monaten auch beschäftigt:

„Wenn man Hinterbliebene wird, dann erkennt man (oder auch bereits in den Übergängen langer Krankheiten), wie Menschen ticken, wie sie gebaut waren. Wie bei Ruinen sieht man, wo die Stiegenhäuser waren, wo die stabilen Wände, wo die weniger belastbaren. Bei diesem schmerzhaften Prozess lernt man, wie man selbst gefertigt ist. Wo man Wände verstärken sollte. Welche man einreißen könnte, weil man sie selbst dort gar nicht braucht. Und wo man eigentlich lieber einen Balkon hätte. Beraubt der letzten Zeugen der eigenen Kindheit, verabschieden wir uns nicht nur von den Toten, sondern auch von den Menschen, die wir selbst früher waren. “Du sitzt jetzt erste Reihe fußfrei”, hat mir eine Freundin damals gesagt, und das klang knallhart, aber gut. Denn erste Reihe fußfrei bedeutet auch, dass es die eigenen Entscheidungen sind, die zählen und gelten, und das Bild von einem selbst, das man hat, nicht das, das ein anderer hatte, dem man womöglich lange zu entsprechen suchte. Und plötzlich erkennt man, ganz versöhnt, dass selbst dieser Mensch einmal versucht hat, jemand anderem zu entsprechen. Es ist die simple Erkenntnis: Auch die Eltern sind nur Menschen.“

Und ganz dringend das hier:

„”Wird es mir am Totenbett Sorgen machen?”, frage ich mich seither, um herauszufinden, wie es um die Größenordnung eines Problems tatsächlich bestellt ist. Da bleibt erstaunlich wenig übrig. “Wir werden alle sterben” nicht als Tragödie, sondern als Befreiungsschlag.“

Ich werde auf dem Sterbebett nicht denken, ach Mensch, hätte ich doch diese zehn Kilo noch abgenommen, hätte ich doch mehr Geld verdient, hätte ich doch noch mehr Zeug angehäuft. Ich werde denken, scheiße, die 100 Euro für diesen Rotwein hättest du doch ausgeben sollen. Und dann gebe ich sie jetzt aus. Und schreibe eine Dissertation, statt in der Agentur reich zu werden. Und werfe Zeug weg, weil ich genug Zeug habe.

Genug Zeug haben.

In der Küche beim Kochen zu Sufjan Stevens mitsingen.

Abends über Patisserie sprechen, über gutes Essen, dazu einen Wein trinken, der keine 100 Euro gekostet hat, aber trotzdem sehr gut ist.

Gemeinsam einschlafen und darauf vertrauen, dass Dinge wachsen, sich entwickeln und alles irgendwie gut wird.

Ein kontinentales Dankeschön …

… an Gabriele, die mich mit John Iliffes Africans: The History of a Continent überraschte. Das Buch wurde vermutlich in einem der vielen Artikel erwähnt, die ich in den letzten Monaten zum Thema Sklaverei und/oder Rassismus gelesen habe, ich weiß leider nicht mehr in welchem, aber ich erinnere mich daran, dass es als grundlegender Text genannt wurde, und grundlegende Texte sind ja immer gut.

Wenn ich in diesem Zusammenhang mal wieder auf das 1619-Projekt der New York Times aufmerksam machen dürfte, das ins Essays, Podcasts und weiteren Medien die Geschichte der Schwarzen amerikanischen Bevölkerung aufbereitet? Hier der Link zu einigen Gedichten und Storys, die mit diesem Satz angeteasert werden:

„I slide my ring finger from Senegal
to South Carolina & feel the ocean
separate a million families.“

Auch deswegen – wegen der Middle Passage – wollte ich mehr über die Ursprungsländer der Menschen wissen, deren Nachkommen sich heute Afro-Amerikaner nennen. (Wobei ich oft an ein Zitat von Whoopi Goldberg denken muss: „I am not an African-American. I am an American.“) Vor längerer Zeit hatte ich schon Kongo: Eine Geschichte gelesen, das ich euch sehr ans Herz legen kann, und jetzt bin ich sehr auf Africans gespannt.

Ach, wo ich eh gerade Links zum Thema durch die Gegend werfe: Hier einer zum New Yorker, in dem Maya Phillips über das National Museum of African American History and Culture (NMAAHC) schreibt, drei Jahre nach seiner Eröffnung. Ich durfte für den Ausstellungskatalog zu „New Museums“ auch über dieses Gebäude schreiben, und ihr könnt den Text auf meiner Arbeitswebsite lesen. Oder immerhin seine englische Übersetzung.

Gestern habe ich außerdem Michelle Obamas Becoming durchgelesen, was einerseits toll war, andererseits anstrengend. Ihrer Let’s-Move-Kampagne, die gegen Fettleibigkeit bei Kindern vorgeht, stehe ich in einigen Punkten kritisch gegenüber (BMI als Maßstab, was völliger Kappes ist), anderen Dinge, die die Obamas im Weißen Haus angestoßen haben, deutlich weniger (besserer, selbstverständlicherer Zugang zu Bildung, gerade für Schwarze Kinder). Im Buch schreibt sie auch über den Wahlkampf, bei dem sie gegen das Stereotyp der angry black woman anarbeiten musste, damit die armen Weißen keine Angst mehr vor ihr haben. Dieses Denken hat sie anscheinend immer noch gezwungenermaßen verinnerlicht, was mich irre macht. Nettsein schafft keine Veränderungen, und Rassist*innen erreicht man nicht mal als Friedensnobelpreisträger. Ihre Erschöpfung sieht man ihr im Clip ein bisschen an.

Aber eher ich mich weiter aufrege: Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut. Scheint ein Thema zu sein, was mich wirklich interessiert. Achtung, sehr ausgelutschter Begriff, aber trotzdem ein wichtiger: Das Thema macht mir immer wieder bewusst, welche Privilegien ich habe. Ich habe als dicke Frau in unserer Gesellschaft durchaus mit Vorurteilen zu kämpfen, aber ich habe noch nie Probleme wegen meines Namens oder meiner Hautfarbe gehabt und ich habe keine Ahnung, wie sich das anfühlt. Also höre ich den Leuten zu, die das leider wissen.

Glasierter Tofu mit Sobanudeln und Gurkensalat

Im Original heißt das Rezept Sesame Noodles with Crispy Tofu, aber ich habe keine Ahnung, wieso Sesam. (Edit: Eine Leserin tippt auf das Tahini, was in der Riesenmenge von zwei Esslöffeln in die Sauce kommt. Das könnte es sein!) Danke an @tauben für den Hinweis auf das Rezept, das ist jetzt in meiner Liste, weil gut. Auch wenn ich schnöde Weizennudeln verwendet habe, weil die Sobanudeldichte in meiner unmittelbaren Einkaufsumgebung enttäuschend gering (aka gleich null) war.

Für zwei Personen.

Einen Block Tofu (das waren bei mir so 250 g, das Rezept möchte 340 haben) zwischen zwei Lagen Küchenpapier geben, mit etwas Schwerem belasten (bei mir immer eine Gemüsekonserve im Topf), entwässern.

2 kleine Salatgurken fein hobeln (bei mir 2 mm, 1 mm hätte auch gereicht), in ein Sieb über einer Schüssel geben, mit
Salz bestreuen und für ein paar Minuten Wasser ziehen lassen. Ich beschwere die Gurken gerne, damit das Wasser auch rauskommt; wer grobschlächtig drauf ist, drückt sie nach ein paar Minuten einfach vorsichtig aus. In einer Schüssel mischen mit
1 daumengroßen Stück Ingwer, fein gerieben, und
1 EL Reisessig. Beiseite stellen.

In einer Schüssel
60 ml helle Sojasauce mit
3 EL Honig,
1 kleinen Chili, fein gehackt, sowie
3 EL Reisessig mischen. Das hat gestern so gerade für eine Portion gereicht, macht einfach gleich die doppelte Menge. Beiseite stellen.

Den entwässerten Tofu nun in Scheiben schneiden und trockentupfen. In
neutralem Öl (bei mir helles Sesamöl) bei mittlerer bis hoher Hitze knusprig braten. Einfach ein paar Minuten lang ungestört braten lassen, nicht dauernd dran rumfummeln, erst wenn die eine Seite schick-knusprig-braun aussieht, wenden. Wieder in Ruhe lassen. (Das hilft mir, wenn mir Rezepte sowas sagen. Ich bin eine Rumfummlerin. Kein Wunder, dass meine Steaks selten was werden.)

Wenn der Tofu fertig ist, rausnehmen, die Pfanne auswischen, Hitze etwas runterschalten, den Tofu wieder hineingeben und dazu nun die Sojahonigdingsmischung. Vorsicht, wenn ihr den Herd so hoch hattet wie ich gestern, gibt das eine sehr gut riechende, aber fies große Dampfwolke; am besten vorher die Dunstabzugshaube höher stellen. Den Tofu in der Sauce wenige Minuten braten lassen, bis er von der etwas eingekochten, dicklichen Sauce umhüllt ist. Das ging bei mir deutlich fixer als ich dachte, die Sauce reduzierte sich quasi in Sekundenschnelle.

Währenddessen theoretisch
120 g Sobanudeln nach Packungsanleitung kochen. Nicht abgießen, sie sollen warm bleiben.

Jetzt wird’s im Originalrezept etwas komplizierter: Man soll den Tofu aus der Pfanne nehmen, die dort noch vorhandene restliche Sauce wieder in die Sojaschüssel geben und diese mit
2 EL Tahini und
1 EL Reisessig vermischen. Dann wieder in die Pfanne, die Nudeln dazu, alles durchmischen und servieren. Das hat bei mir nicht so wirklich geklappt, weil ich zu wenig Sauce hatte. @tauben hatte auf Insta den guten Tipp, nach dem ihr euch am besten einfach richtet: Wie oben angedeutet, gleich die doppelte Menge an Sauce machen. Nur die Hälfte davon in die Pfanne zum Tofu geben und quasi verkochen lassen, wie oben beschrieben. Tahini und Reisessig in die andere Hälfte rühren, ab in die Pfanne damit, wenn der Tofu raus ist, Nudeln stattdessen rein, alles vermischen, einen Hauch einkochen lassen. Da ich gestern zu wenig Sauce hatte, habe ich den Pfannenboden mit etwas Sesamöl benetzt und damit den Bodensatz losgekocht, das hat für die Nudeln auch gereicht. Sie sollen nicht in Sauce schwimmen, insofern ist das Rezept ein bisschen learning by doing.

Zum Servieren Tofu auf die Nudeln geben, darüber die Ingwergurken und als Deko noch ein paar Frühlingszwiebelringe. Ich glaube, ich habe noch nie Sojasauce mit Tahini vermischt, aber das schmeckt hervorragend, das mache ich jetzt öfter.

Tagebuch Dienstag, 29. Oktober 2019 – Melodie der Anmut

Die letzten zwei Nächte eher mies geschlafen. Mein Gelästere über angebliche Anpassungsschwierigkeiten nach der Zeitumstellung hat mich anscheinend eingeholt. Danke auch, Universum, du Nervensäge. Trotzdem weiterhin Team Zeitumstellung. Ich habe es im Sommer gerne länger und im Winter gerne früher hell.

Zeug eingekauft: Druckerpatronen, Brot, Sahne, die ich neuerdings in meinen Tee kippe, ich Luxusweib, keine Sobanudeln bekommen.

Eher zufällig beim Rumgucken nach was anderem in einem großen deutschen Warenhaus auf Handtücher in einer Farbe gestoßen, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte, weil sie mir immer zu rottenmeiermäßig vorkommt. Mein Bad ist auch ein Jahr nach dem Einzug mein Sorgenkind, weil es neben weißen Kacheln, die bis viel zu weit unter die Decke gehen, fiese bunte Dekokacheln hat. Und mit bunt meine ich alle Farben des Regenbogens. Mein erstes Farbschema beim Einzug war hellblau, was aber doof aussah und mit irgendwas im Regenbogen clashte, dann bin ich auf den Alleskönner weiß und grau ausgewichen, habe mich aber zu sehr damit gelangweilt, dann habe ich alles in grün dekoriert wie im alten Badezimmer, was die Dekokacheln total ignorierte, nicht zum Rest der Wohnung passte und überhaupt eh nur ein Lückenbüßer war … und jetzt bin ich bei: Rosé. Oder wie Alpina es nennt: Melodie der Anmut. (Bitte, was habt ihr geraucht? Oder gespritzt?)

Das wird der letzte Versuch, ein bisschen Wohnlichkeit in die Nasszelle zu zaubern, und dann werde ich mein Bad ignorieren. Oder die Dekokacheln mit Dekofolie überkleben, was aber bei meinen handwerklichen Fähigkeiten eher ein Massaker werden wird.

#schlimmefirstworldprobleme

Zum late lunch Pfannengemüse mit Rostbratwürstchen.

Wieder eine Spende erhalten, vielen Dank, dieses Mal mit der schönen Betreffzeile „Für Frühlingszwiebelfladen gegen Nazis.“ Beste Leser der Welt.

Mich über eine Mail-Konversation mit meiner Steuerberaterin gefreut; wir setzen gerade mein Arbeitszimmer ab, weswegen das Finanzamt einen Fragebogen geschickt hat, auf den ich unter anderem mit einer Skizze meiner Wohnung und dem dort deutlich markierten Arbeitszimmer antworten muss.

Sie so:

„Sie haben in dem Formular das Zimmer mit Balkon als Arbeitszimmer schraffiert. Das könnte etwas problematisch werden, da es das Zimmer ist, das üblicherweise als Wohnzimmer genutzt werden würde. Bitte prüfen Sie, ob das richtige Zimmer schraffiert wurde und ob das Zimmer auch ausschließlich betrieblich genutzt wird, also kein Fernseher, keine Couch, etc.“

Ich so:

„Ja, das ist das richtige Zimmer. Wenn ich schon den ganzen Tag am Schreibtisch sitze, möchte ich auch das schönste Zimmer dafür haben.

Im Arbeitszimmer steht eine kleine Couch, die allerdings nur da steht, weil sie nirgends anders Platz hat. Die anderen beiden Zimmer sind Wohn- und Schlafzimmer; im Wohnzimmer steht die große Couch, auf der ich in der Freizeit rumlungere. Das Sofa im Arbeitszimmer nutze ich ab und zu, um dort mit dem Laptop auf den Knien zu schreiben, wenn ich am Schreibtisch auf keine Gedanken mehr komme. Könnte die wirklich ein Problem werden?“

Sie so:

„Bei der schönen Schilderung eher nicht.

Herzlichen Dank für die schnelle Rückmeldung.“

Den Rest des Tages an der Diss gebastelt und mich so verfranzt, dass ich irgendwann F. eine hysterische DM schrieb: „WO HAB ICH DIE GROSSBERG-AUTOBAHNBRÜCKE GEFUNDEN? ICH FIND NIX IN MEINEN FOTOS!“ Der gute Mann wusste wo und konnte es mir sogar zeigen. Mein Gehirn ist anscheinend jetzt endgültig Matsch und kann nur noch über Rosa im Bad nachdenken.