Montag, 19. Januar 2026 – Kuchen

Gut, dass ich gestern keinen Kuchen gebacken habe: Die Kollegin hat das übernommen und uns die Mittagspause damit versüßt. Bin sehr satt geworden.

Es lagen auch noch zwei der bunt eingewickelten Schokokugeln vom Dezember-Adventskalender der benachbarten Jugendherberge rum. Die liegen da seit, genau, Dezember. Die Anstandswochen sind jetzt vorbei, ich habe sie eingesackt und als heutigen Nachtisch eingeplant.

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Es liegt kaum noch Schnee um die Burg herum, aber auf vielen Schneehäufchen liegen Eisplättchen, auf die ich kaum treten mag, weil sie so zart aussehen. Sie knirschen allerdings auch ganz herrlich unter meinen Stiefeln.

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Ich habe durchaus mitbekommen, dass viele Menschen um mich herum gestresst und überfordert sind. Ich hatte kurz ein schlechtes Gewissen, weil mein Jahresendfragebogen so gut gelaunt klang. Daher fragte ich mich, woran das lag, dass ich mir meine gute Laune trotz der ganzen beknackten Quatschwelt um mich herum erhalten konnte. Heute ist es mir eingefallen, als ich wie immer über beiden Ohren in Forschung versackte: Ich kann mir meine gute Laune erhalten, weil ich mit beiden Ohren in Forschung versacke und das den ganzen Tag. Ich habe gar keine Zeit mehr, zwischendurch auf News-Websites oder Bluesky rumzulungern. Ich gestehe mir Insta zu, weil ich gerne Sonnenaufgänge über Österreich poste, aber das war’s meistens. Ich kriege von der beknackten Quatschwelt meist erst abends etwas mit, und dann bin ich zu müde, um mich noch darüber aufzuregen. Eigentlich rege ich mir nur am Wochenende mit F. über alles auf, aber dann ist wieder Montag und ich habe keine Zeit mehr dafür. Auch eine Art, mit dem ganzen umzugehen. Eher unabsichtlich, funktioniert aber.

(Gestern abend frohgemut vorgebloggt, heute um 4 wach gewesen und Katastrophenmeldungen gelesen. Muss wieder mit dem Bloggen aufhören, dann denke ich weniger über Zeug nach.)

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Der Guardian: „We are living in a time of polycrisis. If you feel trapped – you’re not alone.“ Wenn man die Welt nicht ignorieren kann wie ich gerade, muss man sich ihr aussetzen, und das fällt vielen gerade schwer. Noch fieser: Es fällt schwer, sich eine Zukunft vorzustellen, was es schwerer macht, die Gegenwart durchzuhalten.

“People are feeling overwhelmed and overstimulated, bombarded with bad news each day – global economic and political instability, the rising cost of living, job insecurity, severe weather events. This not only heightens anxiety but also makes it more difficult to keep going.

I hadn’t fully grasped how much the idea of a better future sustained me – how it made life more livable, hardship more bearable and creativity possible. When I could readily imagine a world that was more just and healthy, it was easier to commit to long-term projects and to invest in the next generation. But in our current political and environmental context, that vision has grown hazier – and I, like many others, have found it much more difficult to be productive and plan for the future.”

Einen anderen Gedanken des Artikels fand ich auch spannend: Indem wir uns unsere Zukunft ausmalen, schaffen wir eine Erinnerung daran. (Komme mir wie in einer Star-Trek-Folge vor beim Aufschreiben.) Liest sich komisch, fühlt sich aber richtig an: Ich kann mich an Visionen erinnern, die ich für mich, für uns, für mein Zuhause in fünf oder zehn Jahren habe.

In unserer momentanten mit Krisen übersättigten Zeit scheint uns die Fähigkeit abhanden zu kommen, uns an eine Zukunft zu erinnern und daraus Kraft für die Gegenwart zu schöpfen, zu planen, vorzusorgen, sich auf all die Dinge zu freuen, die man später mal machen will.

“We rely on the idea of a stable, continuous future self to help us understand the present and to achieve a sense of greater purpose, making it easier to plan and make decisions, said Hershfield. We lean on the idea that the future will resemble the present, at least to some degree. Then we use our predictions to shape the present – for example, brushing our teeth to avoid cavities, planning dinner while we eat breakfast.”

Im Artikel werden ein paar Strategien vorgestellt, wie man mit der derzeitigen Unsicherheit umgehen kann. Eine Idee: Kraft aus der Vergangenheit zu schöpfen. Das scheint mir mit der deutschen Geschichte im Vergleich mit der derzeitigen USA ein eher mieser Plan zu sein, aber vielleicht bin ich da voreingenommen. Ich denke schon länger darüber nach, wie wir einfach irgendwie weiter vor uns hinwursteln und noch ein Apfelbäumchen pflanzen und ob das die richtige Strategie ist, aber mir fällt, ehrlich gesagt, keine bessere ein. Ich kann das in meinen Augen Richtige bei der nächsten Wahl ankreuzen, ich kann mich weiter bemühen, ein aufmerksamer, rücksichtsvoller Mensch zu sein, ja, schon klar. Aber das hilft mir nicht bei meiner derzeitigen Fassungslosigkeit darüber, dass es genügend Menschen gibt, nicht nur in den USA, die lieber genau das Gegenteil wollen.

Gegen die Fassungslosigkeit kann ich auch nichts tun, außer mich abzulenken. Ich gucke jetzt Birdfeeding-Videos auf Insta oder lese schwierige Fachbücher, bis ich zu müde zum Denken bin.

“When something isn’t working or an unexpected event knocks plans off course, it’s OK to shift gears. And if you’re feeling overwhelmed and anxious about what might happen, Hershfield suggests that it’s better to refocus on events that will most likely happen. This makes it easier to remember the future self we envisioned and plan accordingly.

As a new year begins, it’s good to remember that we are more resilient than we think.”

Dann gehe ich einfach mal davon aus, dass ich auch morgen noch Kaffee zum Frühstück habe, mein Auto anspringt und die Kollegin weiter Kuchen bäckt. Was bleibt mir übrig.

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Es wird wieder früher hell.