Links von Samstag, 23. Dezember 2017

The Next Bechdel Test

Ich sollte nicht mehr erklären müssen, was der Bechdel-Test ist. (Ich überlasse das der Wikipedia.) Einige Autor*innen von FiveThirtyEight haben Schauspielerinnen, Regisseurinnen, Autorinnen und andere Frauen im TV- und Filmgeschäft gefragt, wie ihr persönlicher Nachfolger des Bechdel-Tests aussehen könnte. Unter anderem wurde vorgeschlagen, auch auf Frauen hinter der Kamera zu achten, auf nicht-weiße Frauen, auf die Art, wie Frauen dargestellt werden oder ob ihre Storylines hauptsächlich darin bestehen, zu sterben, schwanger zu werden oder dem männlichen Protagonisten Probleme zu machen.

Kurz gesagt: Damit kommen die 50 finanziell erfolgreichsten Filme von 2016 auch nicht viel besser weg. Totale Überraschung.

„We can’t understand where the industry is falling short until we determine what “short” means by giving ourselves a mark to measure against. As a bare-minimum metric, the Bechdel Test does a good job of showing how amazingly far Hollywood is from gender equality. But it isn’t going to push the industry toward an identifiable goal. Many films that pass the Bechdel Test failed most of the new tests above.“

(Danke an Richard Kähler für den Hinweis.)

Do it like Kurt – die Kurt-Landauer-Stiftung e.V.

Aus der aktiven Fanszene des FC Bayern entstand die Kurt-Landauer-Stiftung. Vor ein paar Tagen wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. F. war dabei und berichtet:

„[Die Kurt-Landauer-Stiftung] sieht sich laut Sprecher Michael Linninger als ein weiterer Partner in diesem Netzwerk der Erinnerungskultur, des sozialen Engagements und der integrativen Gesellschaft, und gerade in den heutigen Zeiten scheint ein derartiges Engagement besonders wichtig, um gewissen gesellschaftlichen Strömungen entschieden entgegenzutreten. Dabei ist für die Initiatoren, die allesamt der Fanszene des FC Bayern entspringen, wichtig, dass die Vereinsgeschichte und die Vereinsidentität ein Anknüpfungspunkt sind, um dieses Engagement herbeizuführen und zu bekräftigen. Dabei richtet sie sich an Bayernfans jeglicher Couleur, um diese gerade durch die Leidenschaft für den Verein an diese Themen heranzuführen.

Der Namensgeber Kurt Landauer war bereits als 17-Jähriger im Jahre 1901 als Torwart für die zweite Mannschaft des FC Bayern aktiv, bevor er später in vier Amtszeiten als Präsident die Vereinsgeschichte entscheidend mitprägte. Er verantwortete nicht nur die erste deutsche Meisterschaft 1932, er stand auch für einen internationalen, weltoffenen Fußball ein. Als Jude wurde der Kosmopolit von den Nationalsozialisten verfolgt und aus seiner Heimatstadt München vertrieben, doch er kehrte nach Ende des zweiten Weltkriegs zurück und konnte den FC Bayern als Präsident zwischen 1947 und 1951 abermals entscheidend anführen und ihn in dieser Zeit auf eine solide Basis zu stellen. Wie er in seinen eigenen Worten sagte: „Der FC Bayern und ich gehören nun einmal zusammen und sind untrennbar voneinander.“

Jahresendzeitfragebogen 2017

Wortschnittchen veröffentlichte ihren traditionellen Fragebogen bereits gestern (meiner kommt wie üblich am 31. Dezember). Ihr Jahr war äußerst bemerkenswert:

„Als dieses Jahr begann, wusste ich, dass es anders sein würde als alle anderen je zuvor. Nicht nur, weil ich mir ein ganzes Jahr Zeit gegeben hatte. Ein Jahr, in dem ich nur für mich da sein wollte. Nach all den Jahren, in denen ich für den todkranken Mann da war, mein Leben ein Stück weit für seines hergegeben habe, sollte dieses 2017 meines sein. Ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen, ohne eine klare Richtung.“

Ich hatte nur zu einem ihrer Sätze eine Anmerkung; sie schrieb, dass sie in diesem Jahr kaum etwas verschenkt hatte. Das sehe ich ganz anders: Wir durften die Autorin per Blog und Twitter begleiten. Für mich sind Einblicke in anderer Menschen Leben immer noch ein Geschenk.

Seven Questions to End 2017 with Clarity and Start 2018 with Intention

Courtney E. Martin, deren Buch Perfect Girls, Starving Daughters: The Frightening New Normality of Hating Your Body ich vor längerer Zeit gelesen habe, beantwortet sieben Fragen, die ich recht inspirierend finde. Auch weil man durch die Antworten quasi schon einen Plan für 2018 hat. Mit Frage 4 stehe ich allerdings etwas auf Kriegsfuß; ich will auf niemanden eifersüchtig sein (bin ich natürlich trotzdem), denn für mich ist Eifersucht keine Motivationshilfe. Das ist ungefähr das gleiche wie sich Fotos von dünnen Frauen an den Kühlschrank zu kleben, um selbst weniger zu essen. Ich würde die Frage daher dringend umformulieren wollen in „Wer hat mich in diesem Jahr am meisten inspiriert?“

„1. What was one of the moments I was most proud of this year? What does that tell me about what I want to spend my energy/time/money on next year?

2. Who really enriched my life this year in a big way? Who is someone I am wanting to get to know better in the year ahead?

3. It was a year of resistance for many people. What did I resist most effectively? What did I surrender to?

4. Who did I feel most jealous of this year? What is that person up to that I want to bring more of into my own life?

5. When was I most physically joyful in 2017? How can I get there more in 2018?

6. What is one question that you found yourself asking over and over again this year? What version of an answer are you living your way into?

7. And finally, in honor of Krista Tippett’s beautiful modeling: What makes me despair and what gives me hope right now?“

Ein grundlegendes Dankeschön …

… an zwei Menschen, deren Namen ich nur unvollständig lesen kann (#DankeAmazon), daher belasse ich es ausnahmsweise mal bei einem anonymen Dankeschön. Die Widmung konnte ich aber entziffern, yay! Im Päckchen lag Learning From Las Vegas: The Forgotten Symbolism of Architectural Form von Robert Venturi, Denise Scott Brown und Steven Izenour. Der Text ist grundlegend für die Architekturgeschichte der Postmoderne und kommt eigentlich im größeren Format und mit höherem Preis daher. Die Ausgabe, die ich auf meinem Wunschzettel hatte, ist kleiner und hat weniger Fotos, sagt aber auch das wichtigste aus. Natürlich kenne ich das Buch aus allen kunsthistorischen Bibliotheken, aber manche Texte meines Faches möchte ich gerne immer in meiner Nähe haben. So wie diesen hier. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

(Ich könnte mich jetzt noch darüber aufregen, dass im Wikipedia-Eintrag von Venturi seine Ehefrau Scott Brown erst im eigentlichen Text erwähnt wird, umgekehrt bei Scott Brown aber Herr Venturi gleich schön dick in der Einleitung steht und sie damit auch über ihren Mann definiert wird, aber ich lasse das mal.)

Links von Donnerstag, 21. Dezember 2017

mein kleiner beitrag zu #metoo

Die Künstlerin Katia Kelm schreibt darüber, wie sie ihr „ganzes leben lang unwillentlich mit pimmel-haltern konfrontiert gewesen“ ist, gibt eine schwer zu ertragende Auflistung der Taten und wie sehr sie das Verstummen der Diskussion darüber stört.

„[I]ch wollte dazu eigentlich auch gar nichts mehr schreiben, das haben schon genug andere gemacht. ausserdem glaube ich langsam auch nicht mehr daran, dass man bei denen, die fragen, ob wir frauen etwa keine blumen mehr geschenkt bekommen wollen, mit argumenten irgendwas ausrichten kann. oder bei denen sich um die genies sorgen (die ja immer schon komplizierte persönlichkeiten waren) oder die autonomie der kunst. […]

[E]s macht mich fassungslos, dass gar nicht wenige leute aus meinem persönlichen bekanntenkreis sich lieber über „hysterische“ metoo-frauen aufregen als über ihre pimmelschwenkenden geschlechtsgenossen. […]

[S]o, jetzt nochmal kurz zu der scheisse, die man sich anhören muss, wenn man diese ganzen oben erwähnten sachen auf irgendeine weise öffentlich thematisiert.

ein standard-vorwurf ist zb. das ich mich selbst „zum opfer machen“ würde. oft sind es andere frauen, von denen man sowas hört. „mir ist sowas noch nie passiert“ hört man auch häufig.

meine standard-antwort dazu lautet: nein. ich MACHE mich nicht zum opfer. es sind andere, die VERSUCHEN, mich zum opfer zu machen, aber ich wehre mich. ich schreibe zum beispiel gerade einen text dagegen.

opfer wäre ich, wenn ich machen würde, was die schwanzwedler erreichen wollen: uns frauen weghaben. ich bin aber noch da und bleibe auch.“

Danke fürs Aufschreiben. Ich bin zu müde geworden dafür.

Rightwing artist put up Meryl Streep ‘she knew’ posters as revenge for Trump

Gleiches Thema: Einige der Frauen hinter der #metoo-Bewegung, allen voran Rose McGowan, hatten Meryl Streep vorgeworfen, von Harvey Weinsteins Taten zu wissen und darüber zu schweigen. In Los Angeles erschienen Poster mit Streeps Gesicht under Zeile „she knew“ darüber – übrigens perfiderweise angelehnt an die Optik von Barbara Kruger, einer sozialkritischen Künstlerin. Streep widersprach nun öffentlich. In ihrem Statement schwingt auch mit, wie sehr sich Männer der Machtstrukturen bewusst sind, in denen sie sich bewegen:

„I wasn’t deliberately silent. I didn’t know. I don’t tacitly approve of rape. I didn’t know. I don’t like young women being assaulted. I didn’t know this was happening. […]

HW needed us not to know this, because our association with him bought him credibility, an ability to lure young, aspiring women into circumstances where they would be hurt. He needed me much more than I needed him and he made sure I didn’t know.“

Gucci’s Spring 2018 Campaign Belongs In the Metropolitan Museum of Art—Or On Tabloid Art History’s Twitter

Tabloid Art History wies gestern auf Twitter auf die neue Gucci-Kampagne hin, die nicht fotografiert, sondern gemalt wurde. Aus werblicher Sicht auch spannend, denn wie oft hat man schon Kund*innen, die nicht darauf bestehen, dass ihr Produkt so exakt und hochauflösend wie möglich im Bild ist?

„It’s often been said that a beautiful dress is like a work of art. Well, for Spring 2018, it seems that Gucci is taking that sentiment pretty seriously.

Today, the Italian brand released its latest advertising campaign, which happens to look better suited for the walls of the Metropolitan Museum of Art than, say, plastered on grungy subway walls. Dubbed “Utopian Fantasy,” the images feature photorealist artworks created by Spanish-born artist Ignasi Monreal. The campaign itself is broken into three themes, each depicting one of the element: earth, sea and sky. The result is some truly awe-inspiring images that recall Renaissance artwork, complete with paintbrush strokes, hyperrealism, and, of course, plenty of Gucci clothes.“

Mein Problem mit den sozialen Medien und auch ein Grund, warum ich im letzten Jahr sehr durch meine Timeline gekärchert habe:

Was schön war, Dienstag, 19. Dezember 2017 – Here we go again

Ein guter Tag. Gemeinsam aufgewacht und entspannt mit einem ausgezeichneten Kaffee in den Tag gestartet. Spazierengegangen (nicht walken), Päckchen zur Post gebracht und mich darüber gefreut, anderen Menschen hoffentlich eine Freude zu machen. Den Spotify-Mix der Woche genossen, sowohl beim Spaziergang als auch in der Postschlange, die sich erstaunlich schnell auflöste. Mich am quietschbunten Weihnachtsbaum erfreut sowie dem Adventskranz, auf dem drei Kerzen ein gar wohliges Licht zaubern. (Es ist Vorweihnachtszeit, da darf ich rumschwelgen. Obwohl: Eigentlich darf ich das immer.) Gelesen, Serien geguckt, Urlaub genossen. Abends ein nettes Telefonat geführt und direkt im Anschluss im Facebook-Messenger kommuniziert mit dem Ergebnis, nach drei Monaten Durststrecke an einem Tag gleich zwei Jobs klargemacht zu haben. Wie es halt immer so ist. Darauf mit Crémant angestoßen und gemeinsam eingeschlafen.

Die Stadien der Überwachung

Nachklapp zu meinem gestrigen Genöle über den Videobeweis: Die FAZ nähert sich dem Thema aus bildwissenschaftlicher Sicht. Darauf hätte ich natürlich auch kommen können. Mist.

„Das Verfahren, anhand des aufgezeichneten Bildmaterials während des Spiels strittige Situationen zu überprüfen, beansprucht eine Evidenz für sich, die den bloßen Augenschein des Schiedsrichters überbietet. Zugleich aber weiß jeder Zuschauer aus den Fernsehbildern der letzten Jahrzehnte, dass die Eindeutigkeit des Bildmaterials eine hübsche Fiktion ist. Die Beweiskraft war also von vornherein fragwürdig, weil Evidenz eben immer von der Deutung der Bilder abhängt. Ganz abgesehen davon, dass die Mehrfachbetrachtung bei verlangsamter Bildgeschwindigkeit im Studio andere „Einsichten“ erlaubt als der Zwang zur schnellen Entscheidung, unter dem der Schiedsrichter auf dem Rasen steht.

Paradox könnte man daher formulieren, dass eine Einführung des Videobeweises überhaupt nur aussichtsreich und sinnvoll gewesen wäre, als sich die Digitalisierung samt einschlägiger Analyse- und Bildbearbeitungsverfahren noch im Frühstadium befanden, als den digitalen Bildern noch mehr Überzeugungskraft zugeschrieben wurde. Heute ist zwar das Bedürfnis nach Evidenz nicht verschwunden, aber es wird von einer profunden Skepsis und einem kollektiven Wissen um die Möglichkeiten der Manipulation von Bildern perforiert.“

(via @CollinasErben)

Definitely Not a Top Ten List: The Best TV Shows of 2017

Meine liebste Fernsehkritikerin Emily Nussbaum vom New Yorker erstellt eine Liste, die keine ist und erklärt auch warum: „Watching television in the age of Trump, and during the Grand Sexual-Harassment Reckoning, has recalibrated my switches. It’s not that I love the medium any less: it’s an escape and a tonic, a lens to see the world more clearly or less clearly, depending upon one’s preference.“

Nebenbei verbirgt sich in ihrer Nicht-Liste eine hervorragende Definition für The Leftovers, die ich in ihrer schmerzhaften Klarheit sehr vermisse: „It was a show about grief that felt like pure joy. I looked forward to every episode, more than any other show.“

Toxic Masculinity Is the True Villain of Star Wars: The Last Jedi

Ich war erstaunt über den Unterschied zwischen Kritiker*innen-Stimmen und dem Publikum bei Rotten Tomatoes: 93 Prozent Zustimmung versus 55. Nach einem groben Querlesen ahne ich nun, dass viele der negativen Kritiken damit Probleme haben, dass a) Jungs nicht mehr die alleinige Hauptrolle spielen und b) es sich auch deshalb wie ein anderes Star Wars anfühlt als die bisherigen tausend Filme. Vielleicht ist das der Grund, warum mir als Star-Wars-Hasserin sowohl The Force Awakens als auch The Last Jedi viel Spaß gemacht haben.

Ich zitiere aus dem verlinkten Artikel bewusst nichts hier im Blog, weil er voller Spoiler steckt. Er ist aber äußerst lesenswert. Auf Rotten Tomatoes wird natürlich auch gespoilert wie blöd, also auch hier Vorsicht beim Rüberklicken.

(via @hanhaiwen)

Links von Dienstag, 19. Dezember 2017

Ta-Nehisi Coates vs. Cornel West

West schrieb gestern im Guardian über Coates’ Arbeiten:

„The disagreement between Coates and me is clear: any analysis or vision of our world that omits the centrality of Wall Street power, US military policies, and the complex dynamics of class, gender, and sexuality in black America is too narrow and dangerously misleading. So it is with Ta-Nehisi Coates’ worldview.

Coates rightly highlights the vicious legacy of white supremacy – past and present. He sees it everywhere and ever reminds us of its plundering effects. Unfortunately, he hardly keeps track of our fightback, and never connects this ugly legacy to the predatory capitalist practices, imperial policies (of war, occupation, detention, assassination) or the black elite’s refusal to confront poverty, patriarchy or transphobia.“

Vor allem schwarze Twitter-User*innen konnten darüber nur mit den Augen rollen, hatten aber auch kaum bessere Argumente als „West ist bloß neidisch“, was mich ein bisschen irritiert.

Am späten Abend (deutscher Zeit) fand dann allerdings auch Vollhonk und Rassist vor dem Herrn Richard Spencer Wests Argumente überzeugend. Seinen Tweet verlinke ich nicht, aber dafür einen von @VloraEmily (via @tante), in deren Tweet Spencer zu lesen ist und die darauf hinwies, dass auch die NYT sich im Oktober nicht entblödet hatte, Coates quasi Rassismus zu unterstellen. Vor wenigen Stunden löschte Coates seinen Twitter-Account: „I didn’t get in it for this.“

Ich zeichne das eher für mich selbst nach als wirklich einen Punkt machen zu wollen; ich bin in schwarzer Geschichte schlicht nicht bewandert genug, um alle Argumente zu kennen, die seit der Civil-Rights-Ära gemacht wurden. Ich schätze Coates sehr und bin eigentlich erst durch ihn auf dieses Thema aufmerksam geworden bzw. auf eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der Situation des schwarzen Amerika. Daher wollte ich die Links einfach mal festhalten. (Und euch mal wieder Coates’ Buch ans Herz legen.)

Productivity is dangerous

Meine Rede. Diese Entspanntheit kriege ich aber auch selten hin. Hat gerade in diesem Jahr nicht geklappt.

„Due to my own virtuous laziness, I still haven’t gotten around to de-activating my stupid LinkedIn account or unsubscribing from the “Medium Daily Digest” email blast. So every morning, I get messages asking me to click through to articles like “How I Optimized My Morning Routine To Get More Done Than ever — before 8 a.m.!” The people posting links like this have a sickness, and we need to stop it before it gets out of hand. […]

In the 2010 book, On Time, Punctuality, and Discipline in Early Modern Calvinism, Swiss Reformation scholar Max Engammare claims that the Calvinists fundamentally changed how we think about time. They replaced the Medieval Catholic conception of time, which was cyclical and based on recurring seasons and holidays, with a linear view of time, as something which was always essentially running out – and this, apparently, led to the requirement that we start arriving to things on time, which he claims did not exist previously. […]

So then, if we cannot blame Calvinists for the rise of capitalism specifically, we may attempt to blame them for a much larger malady: That religious philosophy is responsible for that feeling that we are constantly losing time, as we hurtle ever-closer to death.

I would be willing to guess that if you grew up in a rich Protestant country, you know this feeling. I do. It’s what’s behind the perverted impulse to self-flagellate and ask, “What did I accomplish this year?” and it’s why we get jealous every time we find out that some accomplished famous person is younger than us.“

(via @MrsBunz)

Die epische Lieblingspodcastliste

Da macht man selbst einen Podcast – aber hört kaum andere. Das muss sich ändern. Ich klicke jetzt einfach die Liste von Ines Häufler durch, der ich auch schon über zehn Jahre folge. Internetzeit. Immer noch irre.

„Eine Operation am offenen Herzen“

Markus Merk und Alex Feuerherdt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk über den Videobeweis, der seit Beginn dieser Saison im Stadion nervt.

„Die Einführung des Videobeweises in der Bundesliga sei ein großer Schritt im Fußball, findet Markus Merk. Dass der Eingriff in den Fußball jetzt so groß ausgefallen sei, hätte er allerdings nicht vermutet. Der Einsatz technischer Hilfsmittel solle zum Besseren, zum Gerechteren führen. Daran würde gearbeitet, müsse jedoch auch noch weiter gearbeitet werden.

Die Diskussion müsse wieder versachtlicht werden, meint Alex Feuerherdt. Von 35 Videoentscheidungen seien 27 in die richtige Richtung korrigiert worden. Das bedeute natürlich auch, dass acht richtige Entscheidungen in falsche umgewandelt worden seien. Nicht mit eingerechnet seien Situationen, in denen der Videoschiedsrichter nicht eingegriffen habe.“

Mich stört der Videobeweis ungemein, weil er meiner Meinung nach ein reines Zugeständnis an die Sehgewohnheiten der Fernsehzuschauer*innen ist. Klar gab es vor dem VAR Fehlentscheidungen, aber das gehörte halt zum Spiel. Und viele dieser Entscheidungen wurden erst durch das Anschauen und Wiedergeben von acht Superzeitlupen aus fünf Perspektiven als falsche erkannt. Ich lehne mich einfach mal von Wissen unbeleckt aus dem Fenster und behaupte, dass sich diese falschen Entscheidungen halbwegs gerecht über den Ablauf einer Bundesligasaison verteilt haben. Alle Nicht-Bayern-Fans widersprechen jetzt reflexartig – „Bayern kriegt immer einen Bonus“ –, was ich auch nicht völlig von der Hand weisen will. Trotzdem meine ich, dass der VAR das Spiel nicht besser und auch nicht gerechter gemacht hat.

Er reduziert den Schiedsrichter auf dem Feld manchmal zum Befehlsempfänger, und als Stadionzuschauer*in weiß man oft schlicht nicht, was eigentlich gerade gepfiffen wurde. So zum Beispiel beim letzten Heimspiel in Augsburg, als dem FCA ein Elfmeter zugesprochen wurde. Anscheinend meldete sich der Assi aus Köln – die Geste mit der Hand am Ohr kann man inzwischen auch im Stadion deuten –, dann schaute sich der Schiedsrichter irgendwas auf dem Monitor an, zeigte anschließend die für uns völlig unverständliche Geste für Handspiel an und pfiff das Spiel in der Nähe des Mittelkreises wieder an, obwohl wir doch gerade im Strafraum waren. Hä? Ich habe erst abends in der Fernsehzusammenfassung gesehen, dass eine halbe Minute vorher anscheinend der FCA am Mittelkreis ein Handspiel begangen hatte – was ich jetzt auch nicht so irre eindeutig fand, aber gut –, und deswegen wurde ihm eben eine halbe Minute später der völlig verdiente Elfer aberkannt. What the fuck? Können wir demnächst zum Anstoß zurückgehen, weil der vielleicht nicht regelkonform ablief?

Wenn ein Schiedsrichter etwas übersieht und auch seine beiden Assistenten es nicht mitbekommen, dann war das in Herrgottsnamen halt so. Mir geht es jetzt nicht darum, dass der FCA seinen Elfer nicht bekommen hat. Im Spiel auf Schalke wurde Augsburg ein Elfmeter nach Videobeweis zugesprochen, was mich natürlich gefreut, aber gleichzeitig angefressen hat. Wieder wird das Spiel unterbrochen, wieder weiß man erst einmal nicht, was Sache ist. Wobei ich das Schalke-Spiel auch am Laptop gesehen habe, aber selbst da geht es mir inzwischen auf den Keks. Im Stadion ist der VAR ein einziger Schmerz im Arsch, weil man sich bei Toren kaum noch traut zu jubeln, sondern immer den Schiri im Blick hat, ob der nicht wieder die Hand ans Ohr legt.

Mir ist klar, dass Fußball immer mehr eine TV-Veranstaltung wird, auch weil die Stadionpreise dafür sorgen, dass gerade jüngere oder nicht ganz so begüterte Menschen sich kein Ticket leisten können; da ist ein Sky-Abo doch immer noch günstiger. Oder weil man für einen Verein schwärmt, der am anderen Ende der Republik oder sogar Europas oder der Welt liegt. Klar ist das nett, dem Club trotzdem zuschauen zu können. Aber ohne Stadionpublikum, seine Emotionen, seine Lautstärke und seine Unterstützung ist das Spiel ein anderes – dann können wir das ganze auch gleich in leere Hallen verfrachten mit 30 Schiris auf allen Positionen, und man selbst konsumiert halt bequem auf dem Sofa im wohligen Bewusstsein, keine einzige Fehlentscheidung mehr sehen zu müssen.

Je öfter ich das Aktuelle Sportstudio oder die Nachberichterstattung auf Sky schaue, weil ich selbst im Stadion bin und keine Konferenz gucken kann, desto mehr geht mir dieses nachträgliche Rumstochern in Spielszenen auf die Nerven. Es wird nicht über Taktik diskutiert oder über gelungene Spielzüge, nein, man arbeitet sich an Fouls und roten Karten ab, fragt danach irgendeinen Trainer, der gerade wackelt, wann er denn nun entlassen wird und ob Nagelsmann zu Bayern geht. Wenn man diesen Standard als Nachbetrachtung gewohnt ist, findet man den Videobeweis vermutlich auch super, weil er für noch mehr Sendezeit für Fouls und rote Karten sorgt. Mir geht er sehr auf die Nerven und ich würde gerne wieder ohne ihn Fußball sehen.

Fehlfarben 12: Seth Price – Social Synthetic, Hisako Inoue – Bibliothek der Gerüche

Zwei Ausstellungen, drei Glühweine und ein etwas kürzerer Podcast als sonst. Because December. Wie auf dem Foto zu sehen ist, gab’s danach noch eine Runde vegetarisches Chili. Wir lassen uns das schon immer sehr gut gehen beim Aufnehmen.

Podcast herunterladen (MP3-Direktlink, 62 MB, 78 min), abonnieren (RSS-Feed für den Podcatcher eurer Wahl), via iTunes anhören.

00.00:00. Begrüßung und Vorstellung.

00.02:10. Glühwein 1 von mir: der mit dem Gin. (Rezept steht weiter unten.)

00.03:40. Die erste Ausstellung: Seth Price, Social Synthetic im Museum Brandhorst, die noch bis zum 8. April läuft. Wir erwähnen seinen Roman Fuck Seth Price von 2015 und nicht 2005, wie ich fälschlicherweise behaupte. Außerdem erwähnen wir sein grundlegendes Essay Dispersion (2002).

00.27:45. Glühwein 2 von Florian: der mit den Himbeeren. (Rezept steht weiter unten.)

00.40:30. Fazit Seth Price: drei nölige Querdaumen.

00.42:50. Glühwein 3 von Felix: Farfallinas Punsch, für 7,50 Euro gekauft bei Farfallinas Patisserie.

00.45:00. Ausstellung 3: Hisako Inoue, Bibliothek der Gerüche in der Villa Stuck, die nur noch bis zum 14. Januar läuft. Hier ein Zweiminüter aus der Abendschau des BR, der ein bisschen in die Ausstellung einführt.

01.13:20. Fazit Hisako Inuoe: drei begeisterte Daumen nach oben.

01.15:30. Glühweinfazit: alle toll.

Danke fürs Zuhören und hoffentlich bis 2018.

Gin-Glühwein

100 g Kristallzucker in
225 ml Wasser auflösen.
2 Zimtstangen und
1 EL Nelken (ganz, nicht gemahlen) dazugeben, aufkochen und für eine Minute kochen lassen. Die Hitze reduzieren und mit
1 Flasche Rotwein aufgießen.
1 Orange und
1 Zitrone, jeweils in Scheiben geschnitten, und
2 EL Wacholderbeeren dazugeben und für eine halbe Stunde auf kleiner Flamme erwärmen. Durch ein Sieb geben und
75 ml Gin dazugeben. Umrühren und heiß servieren.

Bei mir war der Wein ein Edeka-Syrah für sparsame 6 Euro, der angenehm unsüß war. Der Gin war bei mir ein Leipziger Longhorn.

Himbeer-Glühwein

1 Zitrone und
1 Orange halb schälen. Die Schalen sowie den Saft der beiden Früchte,
1 Zimtstange,
1 Sternanis,
7 Nelken sowie
80 g Zucker in
200 ml Rotwein drei Stunden lang kalt ziehen lassen.
1 Handvoll TK-Himbeeren in etwas Rum einlegen.
Zum Servieren den Sud mit dem restlichen Rotwein aus der Flasche (in diesem Fall 800 ml) erhitzen, auf Tassen verteilen und die Himbeeren löffelweise dazugeben.

Der Wein war hier eine schöne Literflasche Trollinger.

Was schön war, Samstag, 16. Dezember 2017 – Heimspiel

Gemeinsam aufgewacht. Mit der Tram gefahren. Einen winzigen Weihnachtsbaum gekauft und entsprechend meiner eigenen, vor einigen Jahren begründeten Tradition im Bus nach Hause gebracht. Mich erneut über die Funktionskleidung gefreut, die ich unter den üblichen Stadionklamotten tragen kann. In netter Gesellschaft nach Augsburg gefahren, wo es ein winziges bisschen frisch war.

(Meine Selfies entstehen immer dann, wenn ich ein Selfie machen will, fünf blöde Bilder produziere und dann irgendwo hingucke, während mein Finger noch auf dem Auslöser liegt. Hier schaue ich wegen irgendwas zur Anzeigetafel. Ich habe übrigens keine grünen Augen, das ist das schicke Flutlicht. #nofilter)

Ich verzichte auf den Bericht vom letzten Heimspiel vor der Winterpause; erwähnen möchte ich die ersten zehn Minuten, in denen ich dachte, dass der FCA echt in Europa mitspielen könnte, und die letzten drei Minuten, in denen der Mann, dessen Name mein Trikot ziert, aus einem 1:3 noch ein 3:3 machen konnte. Alles dazwischen war fürchterlich, aber ich war gut eingepackt, hatte eine Decke und saß neben F. (Der allerdings im Stadion immer von mild-mannered Calvin zu Mr. Hyde mutiert und danach vom Schimpfen heiser ist, aber das ist okay so, ich fühle mich davon gut unterhalten, während ich selbst schweigend gucke.) Nachdem sich das Unentschieden gegen Hertha letzten Sonntag wie eine Niederlage angefühlt hatte, war das Unentschieden gestern quasi ein Sieg, weswegen wir doch recht gut gelaunt in Richtung Tram stapften.

Von dort aus ging es nicht sofort zurück nach München, sondern zum stimmungsvollen Christkindlesmarkt am wunderschönen Rathaus. Zu fünf genossen wir Bosna, Glühwein und Süßkram, und ich brauchte dringend gebrannte Mandeln, bevor wir wieder nach Hause fuhren.

Beim Aktuellen Sportstudio noch mal über den beschissenen Videobeweis in Augsburg aufgeregt. Gemeinsam eingeschlafen.

Was schön war, Freitag, 15. Dezember 2017 – Wellness

Vormittags besuchte ich die zweite Ausstellung, über die wir im Podcast reden werden. Ich war mir nicht ganz so sicher, was ich zu erwarten hatte, obwohl ich auch dafür abgestimmt hatte, sie anzuschauen, aber je länger ich über das Konzept nachdachte, desto skeptischer wurde ich. Das war aber äußerst unbegründet. Ich kam nach gut anderthalb Stunden dermaßen gelassen und erfrischt und gut gelaunt aus dem Museum, als ob ich eine Massage und einen Saunagang hinter mir gehabt hätte. Ich freue mich jetzt schon darauf, euch diese Schau ans Herz legen zu können.

Nachmittags war ich im ZI, um noch ein bisschen was zu einem Künstler zu lesen. Danach ging ich für Sonntag einkaufen. Unsere Fehlfarben-Aufnahmen finden reihum bei einem von uns drei Schnackernasen statt, und der jeweilige Gastgeber (m/w) bekocht die anderen. Oder bestellt Pizza, das ist auch in Ordnung. Früher haben wir zuerst gegessen, auch um für die Weine eine Grundlage zu haben, aber inzwischen hat es sich eingebürgert, dass wir erst arbeiten (aufnehmen) und dann gemütlich beieinander sitzen, gut essen und die Flaschen leermachen. Podcasten ist super.

Abends tischte F. dann ein schönes Stück Fisch auf, wir öffneten einen ebenso schönen Riesling und verbrachten einen ruhigen, entspannten Abend miteinander.

In der vergangenen und in der Woche davor hatte ich bewusst Pause von allem gemacht, um mich wenigstens zum Jahresende hin etwas zu sortieren und nicht mehr weiter hektisch auf fünf verschiedene Ziele gleichzeitig zuzulaufen. Das zeigte gestern allmählich Wirkung. In den Tagen zuvor führte ich bereits ein paar nette Telefonate und las hoffnungsfrohe Mails, gestern kam dann noch ein guter Anruf, und zusammen mit dem wirklich schönen Tag ging es mir gestern gefühlt seit Monaten wieder einmal richtig gut. Also so rundum und nicht nur auf gewissen Baustellen. Es hat sich im Prinzip noch nichts verändert, aber ich fühle mich endlich etwas besser gewappnet für alles, was noch kommt.

Tagebuch, Donnerstag, 14. Dezember 2017 – „The Last Jedi“

Ich behaupte gerne, dass ich Star Wars nicht mag, dass ich ein Trekkie bin und dass ich die Filme nur gucke, um die ganzen Memes zu verstehen, die unweigerlich nach jedem Filmstart kommen werden. Dann saß ich aber in The Last Jedi und musste blöd grinsen, als zur üblichen John-Williams-Fanfare das übliche Logo im üblichen Gelb auf Schwarz erschien und der Crawl mit der Story begann. Damit wollte ich eigentlich ein paar Bemerkungen zum Film im Blog beginnen, bis mir auffiel, dass ich das schon bei The Force Awakens gemacht habe. Vielleicht muss ich mir langsam eingestehen, dass ich die neuen Star-Wars-Filme doch mag. Verdammt.

Ich hatte auch bei diesem Film mehr Spaß als erwartet. Wer den Trailer gesehen hat, weiß, dass dieses Mal Luke Skywalker wieder dabei ist, nachdem im ersten … oder siebten … Teil *eyeroll* … bereits Han Solo und Leia Skywalker ihre großen Auftritte hatten. Carrie Fisher verstarb bekanntlicherweise im letzten Jahr; das hier ist also ihre letzte Rolle, und leider überschattet das den Film die ganze Zeit ein bisschen. Im Nachhinein dachte ich aber: Kein schlechter Abgang, wenn es gelingt, eine Karriere mit einem bestimmten Film zu beginnen und mit einem aus der gleichen Reihe zu beenden – mit 40 Jahren Schaffenszeit dazwischen.

Das wird jetzt keine Filmkritik, weil ich wirklich gar nichts spoilern will, aber: Das war nett, Herrn Skywalker wiederzusehen. Noch mehr freute ich mich persönlich über Emo Kylo Ren aka Adam Driver, der einfach irre sexy ist, wenn er böse sein will oder ist, wer weiß das schon so genau. Ebenso sexy bzw. schnuffig: die Herrn Finn und Poe, dann gibt’s noch ein paar neue Figuren, die tollerweise fast alle weiblich besetzt sind, und ein paar neue Merchandising-Viecher, nachdem wir alle inzwischen ein BB-8-Kuschelkissen haben.

Was mir sehr gut gefallen hat: wenige schlimme Dialoge. Klar sind einige immer noch so hölzern wie eh und je bei Star Wars, ich glaube inzwischen auch, dass das so sein muss, aber manchmal kommen schon hübsche Sätze aus den Akteuren und Aktricen und dazwischen auch einige, die man aus dem Film mitnehmen kann. Dann: Rey mit dem Lichtschwert. Außerdem: Rey mit dem Lichtschwert. Und generell: Rey mit dem Lichtschwert. Wie ich schon beim letzten Film anmerkte: Es ist unglaublich toll, nach 40 blöden Jungsjahren endlich eine Frau mit dem Ding umgehen zu sehen. Und zwar mit Verve.

Am tollsten fand ich allerdings die Settings. Ich grinste zwar ein bisschen, als neben Leia irgendwann mal Kaffeegeschirr auf dem Tisch stand, was vielleicht das Einrichten der Rebellen im Ausnahmezustand symbolisieren sollte – die SZ ist auch darüber gestolpert –, aber generell bleiben die Settings wie immer: futuristisch und gleichzeitig runtergerockt. Deswegen hielt ich kurz die Luft an, als sich eine Szene an Supreme Leader Snokes Arbeitsplatz entwickelte: die Größe! die Farbigkeit! Das ganze Ding sah aus wie eine Mischung aus einer unterirdischen James-Bond-Bösewicht-Villa und einem 40er-Jahre-Musical, und ich fand es irritierend passend. Das zweite Set, bei dem ich nicht wegschauen wollte, war eine Planetenoberfläche, die aus Salz bestand – und unter diesem erschien mit jedem Schritt eine weitere Farbe neben dem gleißenden Weiß. Das war wirklich schönstes Augenpulver.

Was mich hingegen etwas gestört hat, war die Länge des Films, die schlicht dadurch zustande kam, dass immer neue Handlungsstränge aufpoppten. Von denen hätte ich keinen weglassen wollen, aber man hüpfte munter nicht nur durch die Galaxie, sondern auch von einer Figur zur nächsten, und mittendrin wäre ich gerne mal stehengeblieben und hätte Luft geholt. Einige Handlungen fand ich deutlich spannender und sinnvoller für die Plotentwicklung als andere, aber wir sind hier ja nicht bei Netflix, wo ich immer schön zu den Schnuckiszenen vorskippen kann. Also musste ich mich durch eine ewige Casino-Szene bewegen, wo ich doch viel lieber bei Snoke oder Rey rumgehangen hätte. Aber selbst das sehe ich dem Film nach, denn, wie schon erwähnt, hatte ich trotz der Länge ziemlich viel Spaß und schön was zu gucken. Und hey: Rey mit dem Lichtschwert. Und: Rey mit dem Lichtschwert.

Tagebuch, Mittwoch, 13. Dezember 2017 – Lesen und schauen

Den Vormittag verbrachte ich in einem noch nicht zu nennenden Museum, um mir eine noch nicht zu nennende Ausstellung anzuschauen, über die wir – das kann ich jetzt aber total nennen – im Fehlfarbenpodcast am Sonntag sprechen werden. Wenn ich sage, ich habe mir eine Ausstellung angeschaut, kann ich gleichzeitig sagen: Das Aufsichtspersonal hat mich angeschaut. Bis auf eine Dame, die immer aus dem Raum ging, in den ich gerade trat, blieben alle bräsig da, wo sie sind und glotzten mich an. Ich ahne, dass genau das ihr Job ist – „Und dass die Interessierten ja nicht zu dicht an die kostbare Kunst gehen! Augen auf!“ –, aber das nervt echt, wenn man weiß, dass einen jemand beobachtet, während man alleine auf zeitgenössische Werke starrt, die ja gerne etwas sperrig sind.

Mittags gab’s einen Burger mit Fleisch, auf den ich seit vorgestern Lust hatte, als ich mir einen Burger ohne Fleisch zubereitet hatte. Sorry, Rinder. Ihr schmeckt wirklich sehr gut.

Nachmittags las ich das Internet und die FAZ leer, wobei ich mich mal wieder über einen kleinen Artikel zum FC Augsburg freuen durfte. Ich fotografierte ihn ab und schickte ihn an F., der schon in der Allianz-Arena war, um sich das Bayern-Spiel anzuschauen. Dann wollte ich das gleiche Foto vertwittern, bis mir einfiel: Hey, schau doch mal in diesen Interweb nach, ob da der Artikel auch steht, dann kannst du nämlich einen Link twittern. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich daran gedacht habe, bevor ich mal wieder fotografierten Print ablieferte.

Leider verlor der FCA dann bei Schalke, und ich merkte, wie unterschiedlich diese Saison sich zur vergangenen anfühlt. Während ich der letzten Spielzeit mit Kusshand ein Unentschieden genommen hätte und bei einer Niederlage nicht sonderlich erstaunt gewesen wäre, sitzt man jetzt im Stadion oder vor dem Laptop und denkt die ganze Zeit: Da geht noch was, das können wir noch gewinnen. (Außer gegen Bayern, okay.)

Die ganzen #MeToo-Geschichten erstaunen mich nicht wirklich, wie sie vermutlich (leider) recht wenige Frauen erstaunen. Der Essay „Harvey Weinstein is My Monster Too“ von Salma Hayek hat mich dann aber doch mehr mitgenommen, als ich dachte, weil es die Auswirkungen dieser ganzen beschissenen männlichen Machtstrukturen zeigt. Hayek schreibt über ihre Arbeit an Frida, der von Harvey Weinstein mitproduziert wurde.

„I was hoping he would acknowledge me as a producer, who on top of delivering his list of demands shepherded the script and obtained the permits to use the paintings. I had negotiated with the Mexican government, and with whomever I had to, to get locations that had never been given to anyone in the past — including Frida Kahlo’s houses and the murals of Kahlo’s husband, Diego Rivera, among others.

But all of this seemed to have no value. The only thing he noticed was that I was not sexy in the movie. He made me doubt if I was any good as an actress, but he never succeeded in making me think that the film was not worth making.

He offered me one option to continue. He would let me finish the film if I agreed to do a sex scene with another woman. And he demanded full-frontal nudity.“

Jessica Chastain brachte es gestern per Tweet auf den Punkt: „I ask all of our male allies in this industry, why have your journeys been so different from ours?“ Diese Auswirkungen sprachen in den letzten Wochen und Monaten bereits viele Frauen auf Twitter an: Welche Filme hätten wir sehen, welche Artikel hätten wir lesen, welche digitalen Entwicklungen hätten wir genießen können, wenn Frauen die gleichen Möglichkeiten gehabt hätten wie Männer und nicht damit beschäftigt gewesen wären, sich mit derartigem Scheiß auseinandersetzen zu müssen.

Tagebuch, Dienstag, 12. Dezember 2017 – Burgerbauen

Wenn ich ausgehe, bestelle ich Burger mit Fleisch. Wenn ich mir selbst einen Burger baue, würde ich gerne darauf verzichten. Daher habe ich in letzter Zeit verstärkt nach vegetarischen Alternativen gesucht, aus denen man einen Patty zubereiten kann.

Die ganzen Quinoa- und Haferflocken-Dinger habe ich gleich links liegen gelassen, und ich wollte auch keinen Gemüsebratling oder sowas, der mehr nach Mohrrüben schmeckt als nach irgendwas anderem. Vielleicht habe ich auch bei meinen wenigen gekauften Versuchen immer miese Gemüsebratlinge erwischt, aber ich hatte immer das Gefühl, Brühe in fester Form zu essen anstatt irgendwas, das einem Burger ähnelt.

Natürlich war es wieder Buzzfeed Tasty, das mir auf Facebook mit seinen kleinen schnellen Filmchen etwas vor die Füße warf, in diesem Fall einen Burger aus schwarzen Bohnen, in Abwandlung noch mit Mais. Auch Jamie Oliver findet schwarze Bohnen super, wobei er noch Zwiebeln für die Pattymasse verwendet. Mein kleiner Edeka nebenan hatte keine leider schwarzen, aber immerhin Kidneybohnen, also versuchte ich die.

Ich habe das eben verlinkte Bohnen-und-Mais-Rezept nachgebaut, allerdings auf die Avocado verzichtet und statt Salsa diese Burgersauce zusammengerührt, die an den Big Mac erinnern soll (ich liebe den Big Mac). Tut sie nicht, sie schmeckt aber besser als jede Sauce, die ich bisher zustandegebracht habe. Das mag daran liegen, dass ich Mayonnaise für eine der besten Erfindungen aller Zeiten halte. Wenn man nach Big-Mac-Sauce googelt, kommen tausend Rezepte, die dem verlinkten sehr ähneln; manche nutzen statt der Gewürzgurken nur die Flüssigkeit, in der sie eingelegt sind, aber ich ahne, dass das keinen großen Unterschied macht.

Bei mir gab’s zum Patty noch Eisbergsalat, Tomate, rote Zwiebeln, Mozzarella und ein gekauftes Burgerbrötchen; beim ersten Versuch wollte ich nicht gleich selbst Buns backen. Geschmacklich fand ich den Burger sehr gut, aber das nette vegetarische Patty hatte im Vergleich zum fleischigen einen entscheidenden Nachteil: Es fiel beim leichtesten Druck auf den Burger auseinander bzw. quoll an den Brötchenseiten heraus, während Rindfleisch dann doch halbwegs die Form halten kann. Und da ich Burger mit der Hand essen will und sie daher ein bisschen plattdrücken muss, um sie in den Mund zu kriegen, war das leider das Killerargument.

It’s funny cause it’s true.

Wenn ich eh schon schlechte Laune habe und noch schlechtere haben will, gucke ich spaßeshalber nach 3- bis 4-Zimmer-Wohnungen in München. Da wird einem gerne ernsthaft irgendwas in Augsburg, Ingolstadt oder am Starnberger See angeboten, denn mit dem Regionalzug oder der S-Bahn ist das ja bloß ein Stündchen, das ist quasi wie mitten in München wohnen und jeden Tag ein bisschen Zeit zum Lesen zu haben.

Nicholas Nixon hat das 43. Foto der Brown Sisters veröffentlicht. Diese Fotoserie habe ich im letzten (oder vorletzten?) Jahr erstmals komplett in der Pinakothek sehen können und sie fasziniert mich sehr. Hier sind alle Bilder bis 2014.

Außerdem hat Herr Nilzenburger vorgestern seine liebsten zehn Alben des Jahres veröffentlicht, und zu meinem Erstaunen war Harry Styles dabei, den ich nur von One Direction kannte. Seit gestern läuft seine Platte auf Spotify bei mir rauf und runter und natürlich war der Mann auch schon bei James Corden im Auto. Ich fangirle dann mal ein bisschen rum.

Links von Dienstag, 12. Dezember 2017

Ich kann nicht mehr für mich garantieren

Die FAZ weist auf die neu erschienene Gesamtausgabe von Irmgard Keun hin, die mit 39 Euro sehr erschwinglich ist. Ich kenne von Keun nur Gilgi und Das kunstseidene Mädchen (1931 bzw. 1932), die auch im Artikel erwähnt werden, aber dass sie 1937 im Exil noch einen Roman herausbrachte, wusste ich zum Beispiel nicht. Ich mochte an den beiden Büchern, dass sie meine Vorstellung des Frauenbildes in der Weimarer Republik sehr erweitern konnten. Ja, Romane sind keine Geschichtsbücher, das weiß ich auch, aber ich fand sie doch sehr aufschlussreich und lesenswert.

„Im Sommer 1932 gehörte „Das kunstseidene Mädchen“ neben Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ zu den Bestsellern des deutschen Buchhandels, Anfang Oktober kam „Eine von uns“ mit dem Ufa-Star Brigitte Helm als Gilgi in die Kinos. Danach wurde es dunkel über dem Land. Junge Frauen in scharf taillierten Trenchcoats mit schiefsitzender kleiner Baskenmütze, womöglich rauchend, waren jetzt nicht mehr gern gesehen. Irmgard Keun, weder jüdisch noch politisch engagiert – an dem bisschen Sozialkritik in ihren Romanen konnte nun wirklich niemand Anstoß nehmen –, hatte nach Meinung der neuen Machthaber einfach nur das falsche Frauenbild. Undeutsch wurde das genannt, fiel unter die sogenannte „Asphaltliteratur“ und landete im Mai 1933 auf den Scheiterhaufen, auf denen die Bücher brannten.“

Cat Person

Eine Kurzgeschichte im New Yorker. Ich wurde Freitag am späten Abend durch einen Tweet von Emily Nussbaum, der Filmkritikerin des New Yorker, deren Tweets ich sehr schätze, auf sie aufmerksam gemacht. Ich las sie gerne und schnell durch, fand sie sehr gut, retweete sie aber nicht, weil ich dachte, ach, Freitagnacht liest das eh keiner mehr, mach ich morgen. Das vergaß ich natürlich und hole es hiermit auch. Auch weil ich anscheinend nicht die einzige war, die die Geschichte mochte. Oder auch nicht, wie dieses kurze Interview mit der Autorin Kristen Roupenian zeigt, aus dem ich einen Ausschnitt zitiere. Aus der Story möchte ich keinen Ausschnitt zitieren, die solltet ihr ganz lesen.

„When a short story makes a splash these days, you can see the ripples in real time.

The writer Kristen Roupenian had fewer than 200 followers on Twitter before her work of fiction, “Cat Person,” was published in The New Yorker last week. The piece dominated attention on social media in a way that fiction rarely does. On Sunday, Ms. Roupenian’s follower count climbed rapidly as her more eager readers finished the story and set out to find its creator.

“Cat Person” focuses on two characters, Margot and Robert, who begin to construct a relationship through texting and eventually go on something resembling a date. The verisimilitude of their encounter started conversations about dating, power and consent. (There has also been a backlash and a backlash to the backlash.)“

In diesem Zusammenhang noch ein Essay von Ella Dawson, auf den Roupenian selbst per Tweet verlinkte:

„I want to talk about bad sex for a minute.

I don’t mean “bad sex” as in sex that wasn’t pleasurable, or sex that was awkward, or sex that hurt. I don’t mean when you’re having sex with a new partner and you don’t know yet what the other person likes or craves or is viscerally annoyed by. I don’t mean when you lose your hard-on or aren’t wet enough or the cat is watching you and it’s super distracting. I don’t even mean sex that disappoints you so much that you don’t see the person again.

By “bad sex,” I mean the sex we have that we don’t want to have but consent to anyway.

Let me be clear: bad sex isn’t rape. It’s not being forced to do something against your will. I don’t want to feed into that whole “false rape accusation, saying you were raped when you really just regret the night before” bullshit narrative that conservatives and Men’s Rights Activists and Betsy Devos like to pretend happens all the time. Bad sex isn’t even necessarily coercive. I’m talking about having a sexual encounter you don’t want to have because in the moment it seems easier to get it over with than it would be to extricate yourself.“

So viele Umwege auf dem Weg eines Herzens

Nochmal die FAZ, dieses Mal mit einer Filmkritik von Andreas Kilb, die dafür gesorgt hat, dass ich den Film Die Lebenden reparieren von Katell Quil­lévéré sehen will (well done, möchte ich sagen). Nebenbei habe ich in dieser Kritik ein wunderbares Zitat der Kritikerin Frieda Grafe gefunden, die als Gesetz des Genres Melodrama festgelegt hatte: Entweder man heult oder man kotzt.

„Wenn man in einer einzigen Szene zeigen müsste, was es heißt, jung zu sein, könnte sie nicht schöner sein als die Einstellung, mit der Katell Quillévérés Film „Die Lebenden reparieren“ beginnt: Ein Junge, Simon, steigt aus dem Bett, fotografiert seine schlafende Freundin, springt lautlos aus dem Fenster auf die Straße, steigt auf sein Rennrad und rast durch die schlafende Stadt zum Hafen, wo ihn zwei Freunde mit einem Lieferwagen aufsammeln. Im Morgengrauen, am Strand, paddeln die drei mit ihren Surfbrettern in die Brandung, warten auf die passende Welle, schwingen sich auf ihr Brett und rasen durch den Tunnel aus stürzendem Wasser ins Licht, atemlos, immer wieder. So beginnt Simons Tag. Es ist sein letzter.“

Tagebuch, Samstag/Sonntag, 9./10. Dezember 2017 – Warm und kalt

Am Samstag veröffentlichte ich mein #2017bestnine auf Instagram und fühle mich recht gut wiedererkannt. Futter, Unikram, Bücher, München. Und ein Pussyhat. Was für ein seltsames Jahr.

Den Sonntagvormittag verbrachte ich mit F. im Kino, wo ich noch einmal Coco anschaute. Der geht auch locker zweimal. Auf dem Weg zur Tram fiel mir zum ersten Mal die Herzchenumrandung vor einem Kiosk auf, die sonst in Münchnen eher aus Punkten besteht. F. so, der alte Charmeur: „Wie für Raucher, nur für Verliebte.“

Nachmittags machte ich mich dann erstmals ohne F. auf den Weg nach Augsburg. Er hatte einen Konzerttermin, daher konnte ich seine Dauerkarte nutzen, während der Herr, mit dem ich mir eine Karte teile, unsere verwenden konnte. So saßen wir erstmals nebeneinander, was ich sehr nett fand. Auch, weil der gute Mann eine Decke dabei hatte. Es war schon recht kalt und verschneit gestern, wie auch der FCA- und der Hertha-Twitter-Account vermeldeten.

Seit gestern kann ich die coolen Nike-Klamotten, mit denen ich morgens durch die Kälte stapfe (wenn ich nicht lieber schlafe), auch für den wohltemperierten Stadionbesuch empfehlen. Das Zeug hält ganz wunderbar warm. Ich trug zum schicken schwarzen Outfit sogar eine vereinsfarbene Mütze (grün), war aber froh, dass man meine flauschigen pinkfarbenen Thermosocken in den schwarzen Springerstiefeln nicht sehen konnte.

Im Spiel selbst ließ Augschburg gefühlt fünf Hundertprozentige liegen und hatte ebenso gefühlt 80 Prozent Ballbesitz, aber kriegte den verdammten Ball schlicht nicht über die Linie. Die Herren hinter uns kommentierten gewohnt ironisch, was mich anfangs – also so vor anderthalb Jahren, als ich mit dem regelmäßigen Stadionbesuch beim FCA begann – sehr erheiterte, mich inzwischen aber nur noch nervt. Laut F. quatschen die seit sieben Jahren so vor sich hin, seit der FCA in der ersten Liga ist und man als Dauerkarteninhaber halt beieinander hockt. Das ist schon fast bewundernswert, sieben Jahre lang ironisch Fuppes zu gucken, aber eben nur fast. So wurde auch das 1:0 in der 74. Minute spöttisch aufgenommen, während wir jubelten und uns ein bisschen warmhüpften. Nach dem verfickten Ausgleich in der verfickten Nachspielzeit habe ich von hinten allerdings nichts mehr gehört.

Das Fiese an Augsburg-Spielen ist der lange Rückweg. Also nicht der Weg vom Stadion zur Tram, der ist etwas kürzer als der in der Allianz-Arena. Aber während ich dort nach einer höchstens 30-minütigen U-Bahn-Fahrt (ich muss einmal umsteigen) wieder zuhause bin und mich von eventuell miesen Spielen mit Netflix und Schokolade ablenken kann, schmore ich nach FCA-Spielen zwei Stunden vor mich hin. Vom Stadion zur Tram, die uns zum Bahnhof bringt, da wartet man dann gerne noch, dann hockt man 40 Minuten in der Regionalbahn und dann muss man in München noch ein bisschen U-Bahn-Fahren bis Netflix and Chocolate. In dieser Zeit kann man sich nochmal in aller Ruhe die vergebenen Torchancen im Kopf vorspielen und mit allem hadern, obwohl man selbst nichts, gar nichts hätte machen können. Das verstehe ich an mir selbst nicht, seit ich Fußball im Stadion bzw. aufmerksamer auf Sky gucke: dass man sich freiwillig diesem Quatsch aussetzt, bei dem man nur passiv zuschauen kann und bei einem schlechten Ausgang sinnlos rumleidet. Ich bezahle im Moment Geld, das ich nicht habe, für eine Aktivität, die den halben Tag dauert, bei der ich nur Zuschauer bin und die mich im schlechten Fall noch stundenlang nervt. Watzefack? Ich verstehe es selbst nicht.

Ich füll dann mal den Mitgliedsantrag beim FCA aus.

Engelsaugen

Jemand meinte auf Twitter, diese Kekse hießen „Ochsenaugen“, was ich auch nicht besser finde als meine Überschrift. Ich kenne keinen Engel und keinen Ochsen persönlich, aber ich glaube, die haben beide keine roten Augen. Nennen wir diese schnellen und einfachen Kekse doch einfach Mürbeteiggebäck mit Marmelade drin und fertig.

(Edit: Ich hätte natürlich auch selbst googeln können, aber: Ochsenaugen gibt’s auch, sind aber etwas anderes. Danke, Luca.)

Laut Rezeptquelle sollen aus der untenstehenden Teigmenge 72 Stück rauskommen, bei mir waren es um die 40. Ich habe fürs nächste Mal gelernt: kleinere Kugeln formen.

250 g Mehl, Type 405, mit
1 TL Backpulver,
100 g Zucker,
1 Päckchen Vanillin-Zucker und
1 Prise Salz mischen, auf die Arbeitsfläche geben und zu einem formschönen Hügelchen auftürmen. Darauf
150 Butter in Flocken verteilen. In eine mittige Mulde
3 Eigelb geben.
Den Berg schnell mit einem Messer durchhacken und dann möglichst schnell mit kühlen Händen mischen und einen geschmeidigen Teig kneten. Nicht zu lange, sonst wird die Butter zu weich und der Teig ein fieser Klumpen. Den Teig in Frischhaltefolie einschlagen und mindestens 30 Minuten kaltstellen.

Aus dem gekühlten Teig walnussgroße Kugeln formen und (im Idealfall) auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech umsiedeln. Mit einem Kochlöffelstiel Mulden in die Kugeln drücken. Ich habe sie dazu auch noch leicht plattgedrückt, weswegen die fertigen Kekse nicht ganz so kugelig und ein bisschen brüchig aussehen. Nochmal ein Stündchen kaltstellen. (In meinen Kühlschrank passt kein Backblech, daher habe ich sie auf einem Teller gekühlt. Der passt.)

Danach
175 g rotes Johannisbeergelee in die Mulden füllen und die Kekse im auf 200° C vorgeheizten Ofen für zehn bis zwölf Minuten backen. Nach dem Abkühlen mit Puderzucker bestäuben.

Bei mir war es Himbeermarmelade, weil ich die halt gerade da hatte, und ich habe eindeutig zu wenig davon in die Kekse gestopft. Ich hatte ein bisschen Angst, kleine überkochende Vulkane zu produzieren, deswegen war ich etwas vorsichtig. Der zweite Lerneffekt fürs nächste Mal: die Höhlen in den Keksen erstens größer machen und zweitens ruhig vollballern. Vielleicht brauche ich dann auch wirklich 175 Gramm Gelee wie im Rezept angegeben, ich habe hier weitaus weniger verwendet.

Ich mag Kekse mit Marmelade generell sehr gerne. Die hier mag ich besonders, weil der Mürbeteig genauso ist, wie sein Name verspricht: Er krümelt fein-mürb vor sich hin, und durch die säuerliche Marmelade wird das ganze nicht so irre süß. Kommt auf den Stapel mit den Lieblingsrezepten.

Was schön war, Donnerstag, 7. Dezember 2017 – „Coco“

Arbeitslose Studentin zu sein, hat auch Vorteile: Man kann vormittags in fast leeren Kinos rumsitzen und schöne Filme gucken.

Coco ist die neueste Pixar-Produktion, und auch wenn ich kaum noch ins Kino gehe – wenn irgendwas von Pixar kommt, bin ich dabei. Okay, fast: Den ersten Teil von Cars fand ich nur so meh, daher habe ich mir die Teile 2 und 3 geschenkt, und auch die Dinosaurier und Dory wollte ich nicht anschauen. Aber alle anderen Filme des Studios habe ich im Kino gesehen und danach teilweise noch mehrmals auf DVD bzw. als Stream. Seitdem ich mit riesigen und ungläubigen Augen in Toy Story saß, vertraue ich den Pixar-Nasen blind und gucke (fast) alles, was sie mir vorsetzen, weil es (fast) immer toll ist.

Auch Coco war wieder alles, was Pixar ausmacht: eine herzerwärmende Geschichte mit viel Augenpulver, gut getimten Witzchen und so gerade noch erträglichem Moralkleister. Der kleine Miguel stammt aus einer Familie, die seit Generationen Schuhe herstellt, aber er möchte viel lieber Musiker werden. Das passt gerade seiner Oma so gar nicht, und durch Kurzschlussreaktionen und Bockigkeit landet Miguel plötzlich im Reich der Toten – wo er wieder auf seine Familie trifft. Also den Teil, der schon das Zeitliche gesegnet hat.

Nach den Trailern war ich mir nicht so recht sicher, was mich erwartete, aber jetzt, wo ich den Film gesehen habe, ahne ich, wie schwierig es war, sie zusammenzuschneiden, ohne zu viel zu verraten. Wie immer bei guten Geschichten ist vieles nicht so, wie man denkt, und Figuren werden zu Helden, von denen man es nicht erwartet. Manchmal weiß man allerdings schon, was kommt, wenn man fünf amerikanische Filme gesehen hat, und das war fast das einzige, mit dem ich haderte: Ich wusste bei einer Szene genau, dass eine ähnliche nochmal auftauchen und mir das kleine Herz rausreißen will und wird. Das passierte dann auch, aber netterweise saß niemand in meiner Nähe, als ich hemmungslos meine Taschentücher vollheulte. (Wenn ich richtig gehört habe, taten die anderen Zuschauer*innen das gleiche.) Ich war überhaupt dauergerührt von dem Film, weil er vieles ansprach, was mich immer mehr bewegt, je älter ich werde: Menschen, die einem etwas bedeuten, Erinnerungen, Dinge, die einem gut tun – und Musik.

Der Film wirbt mit dem Jenseits-Thema, für mich jedoch stand das Musik-Thema deutlicher im Vordergrund. Natürlich kann man mit Skeletten tollere Scherze machen, aber ich mochte die leisen Momente des Films lieber. Alleine für eine Szene will ich den Film nochmal anschauen: Wenn wir Miguel zum ersten Mal an seiner Gitarre sehen und er konzentriert die Saiten anschlägt, spielt, sich verliert, hat er für eine halbe Sekunde einen derart beseelt-konzentrierten Gesichtsausdruck, dass ich da schon fast angefangen hätte zu flennen. Jede*r, der oder die ebenfalls mal das Glück hatte, sich per Saiten, Tasten, Klanghölzern, Metallklappen oder den Stimmbändern ausdrücken zu können, kennt dieses Gefühl, das sich in raren Momenten einstellt – dieses Völlig-bei-sich-Sein und trotzdem der ganzen Welt etwas mitgeben zu können. Über die Wirkung von Musik auf andere hat der Film übrigens auch etwas zu erzählen.

Das dritte Thema ist die Familie, und das wird leider, wie gern bei Disney, einen Hauch zu dick aufgetragen. Das verzeihe ich Coco allerdings, denn hier muss es sein: Ohne Familie klappt die ganze Story nicht, hier kann man ausnahmsweise nicht die Blutsverwandschaft durch Facebook-Freunde oder alte Bekannte ersetzen.

Was mich von Anfang an erwischt hat, war – natürlich – die Optik. Wie fast immer bei Pixar hat der Film eine ganz eigene Oberfläche. Ich erinnere mich, dass ich bei A Bug’s Life dachte, der Film sieht aus, als ob die ganze Zeit Sonnenlicht durch Blätter fällt. Bei Monsters, Inc. konnte ich mich an den Fellen und Häuten der Fabelwesen nicht sattsehen. Bei Finding Nemo glitzerte das Meer, wie ich es noch nie gesehen hatte, bei den Incredibles schien immer alles zum Zerreißen gespannt und glattgezerrt zu sein, bei Ratatouille war alles pastellig, als ob die Sonne ständig gerade auf- oder untergeht, bei WALL-E stattdessen entweder alles erdig-verdreckt oder weltraumhaft-staubfrei. Bei Coco ist alles bunt. Nein, Moment, es ist alles BUNT. Also BUNT wie in neonfarben, grell, kräftig, satt und gleißend, aber ohne quietschig und billig zu werden. Der Film leuchtet, selbst wenn die Stimmung gerade düster sein soll, er beginnt damit und hört damit auf und man nimmt dieses Leuchten auch aus dem Kinosaal mit. Und den Running Gag mit Frida Kahlo, den ich persönlich sehr zu schätzen gewusst habe, denn viele Frauenfiguren hat Coco nicht zu bieten. Den Bechdel-Test besteht er leider nicht; ich habe während des Films nicht darauf geachtet, aber in der Rückschau meine ich, dass es keinen einzigen Dialog gab, in dem nur Frauen sprechen.

Und womit ich auch richtig gehadert habe, war der blöde Hund, der Miguel begleitet. Das Vieh nervt einfach nur, aber – es heißt Dante und alleine dafür gab’s dann wieder einen Sympathiepunkt. Ach, und vor Coco läuft ein zwanzigminütiger Kurzfilm mit Olaf aus Frozen. Ich liebe Olaf. Ich liebe Frozen. Aber die 20 Minuten Lebenszeit hätte ich gerne zurück. Netterweise vergisst man sie nach 20 Sekunden Coco wieder und hat nach dem Abspann eh einen besseren Ohrwurm als die belanglose Trällerei von Elsa und Anna.