Was schön war, Montag, 20. August 2018 – Kalte Füße

Ich krabbelte weiter aus dem Dissertationsloch, indem ich endlich mal wieder ins ZI ging. Bzw. fuhr, ich nahm die U-Bahn und nicht das Rad. So irrwitzig heiß ist es nicht mehr, ich trug aber weiterhin Sandalen statt meiner üblichen Sneaker. Das merkte ich vor allem daran, dass ich im herrlich klimatisierten Lesesaal ernsthaft kalte Füße bekam.

Ansonsten las ich viel über die Ausstellungspolitik der Bundesrepublik, gerade was NS-Kunst angeht, lungerte in den ersten kunsthistorischen Abhandlungen rum, die nach 1945 verfasst wurden, als man diese Kunst noch mit sehr spitzen Fingern, wenn überhaupt, angefasst hat. Das hat sich lustigerweise nicht großartig geändert, weswegen da eben immer noch viel zu forschen ist – das wollte einfach niemand machen. Je länger ich auf den Kram gucke, desto mehr weiß ich auch, warum. Wieder arge Grossberg-Vermissung, aber gleichzeitig eine totale Bockigkeit auf die Erben. Die hätten eine dermaßen wohlwollende Diss gekriegt von einem totalen Groupie, ABER NEIN. Mpf.

Am frühen Nachmittag begann mein Magen zu knurren, was immer das Zeichen für den Aufbruch ist. Beim Schließfachaufräumen begegnete ich einer ehemaligen Kommilitonin, die die interessante Angewohnheit hat, dir in zehn atemlosen Minuten zu erzählen, was sie gerade alles macht, um sich dann blitzschnell zu verabschieden, bevor du auch nur ein Wort dazwischenquetschen kannst. So weiß ich jetzt, dass auch sie ihren Master inzwischen in der Tasche hat, bei wem, über welches Thema, mit welcher Endnote (ich so innerlich: Ich war besser, Schätzelein, but nice try), was sie alles dafür gemacht hat, wie zufrieden ihr Prof war, dass sie sich aber trotzdem gegen eine Promotion entschieden habe (die Dame ist noch älter als ich), sondern stattdessen einfach mit dem nächsten Bachelor angefangen hat. Das fand ich dann doch ziemlich klasse. Es ist bei ihr Geschichte geworden, und sie stöhnte über die ungewohnte Quellenarbeit. Um die drückt sich die Kunstgeschichte ganz gerne, weswegen ich sehr dankbar über mein Nebenfach Geschichte war; ich sage immer gerne, dass ich das wissenschaftliche Arbeiten deutlich gründlicher im Geschichts- als im Kunstgeschichtsstudium gelernt habe.

Abschließend meinte sie noch, und auch das fand ich sehr lustig: „Nach dem MA-Abschluss bin ich erstmal zwei Monate durch Italien gefahren, um mir endlich alles anzugucken, worüber ich fünf Jahre lang geschrieben habe.“ Das erinnerte mich nämlich an einen meiner Dozenten, bei dem ich es leider nie in ein Seminar geschafft habe, sondern nur seine Vorlesungen genießen konnte. Bei seinem Steckenpferd, der altniederländischen Malerei, entschuldigte er sich bei einem Bild von ungefähr 800 im Semester auf der PowerPoint-Folie – über dieses Bild könne er nur das sagen, was er gelesen habe, das habe er selbst noch nie gesehen. Und ich kleines Drittsemester wurde sehr ehrfürchtig.

In diesem Zusammenhang lege ich vor allem den Berliner*innen mal wieder die Gemäldegalerie ans Herz: Die altniederländische Abteilung machte gefühlt ein Viertel unserer Bilder aus. Ihr habt da wirkliche Schätze an der Wand hängen.

Der Hunger nach dem ZI wurde mit Wokgemüse ohne Wok gestillt. Ich habe immer noch keinen, aber buntes Gemüse mit Nudeln und Sojasauce ist halt Wokgemüse.

Abends sah ich dann F. mal wieder, der den ganzen Sonntag unterwegs war, um dem FCA beim Siegen zugugucken (in der Nähe von Siegen, ba-dumm tss). Ich konnte auch endlich das, Achtung, neues Wort gelernt: match-worn Trikot bewundern, das Felix Götze ins Publikum geschmissen hatte und das sich F. sichern konnte. Dafür gibt er dem Überreicher erstens Bier für alle Heimspiele in dieser Saison aus und spendet zusätzlich noch ein bisschen an In Safe Hands, der Stiftung von Andreas Luthe.

Tagebuch, Sonntag, 19. August 2018 – Backtag

Vormittags weiter den Samstag erstandenen Spiegel gelesen; das ist gar nicht schlecht, das habe ich schon sehr lange nicht mehr gemacht. Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der das Magazin Pflichtlektüre war. Den Jahrgang 1989 habe ich ewig aufgehoben, Wende und so, direkte Geschichte. Irgendwann fiel mir auf, dass ich da nie wieder reingucken werde und auch niemanden habe, an den ich den Papierberg vererben werde, also bat ich meinen Papa, den Kram vom Dachboden zu holen und wegzuwerfen. So wie ich ihn kenne, ist er immer noch da. „Vielleicht überlegst du dir das nochmal anders! Wir haben ja Platz.“

Spontan Lust gehabt, mal wieder Macarons zu backen. Laut meinem Blog habe ich das seit Dezember 2010 nicht mehr gemacht. Nachdem ich 20 Minuten Puderzucker und gemahlene Mandeln mühsam durch ein feines Sieb gestrichen hatte, wusste ich auch wieder, warum. Das Ergebnis war nur so halb zufriedenstellend: Die Macarons hatten keine Füßchen, waren viel zu groß (weil ich vergessen hatte, dass man nur winzige Kreise aufs Blech spritzen soll, weil sie irre auseinanderlaufen) und die Farbgebung durch rote Lebensmittelfarbe sorgte für die Optik „Leberwurst“ statt des geplanten „Roséchampagner“. Auch die Füllung aus Earl-Grey-Ganache war irgendwie bröselig statt feincremig. Aber geschmeckt haben sie prima.

Ein paar Folgen Jane the Virgin geguckt. Hm. Anfangs fand ich es reizvoll, die Idee einer Telenovela auf eine 45-minütige Serie anzuwenden, aber so richtig mag ich es nach drei, vier Folgen dann auch nicht mehr. Hm. Ich glaube, ich habe Netflix durchgespielt. Ich meine, ich habe Freitag allen Ernstes Pretty Woman angeklickt, weil ich IRGENDWAS gucken wollte.

Mich über den Erstrundensieg des FC Augsburg im DFB-Pokal gefreut. Und über viele begeisterte DMs von F., der dafür morgens um sieben losgefahren ist und nach Mitternacht wieder zuhause war. Aus mir wird vermutlich keine Auswärtsfahrerin mehr, viel zu anstrengend.

Abends Pizzabrot gebacken. Einen schönen Teig produziert, ihn liebevoll zu einem Fladen auseinandergezogen, wie immer das einmalige Gefühl genossen, elastischen, straffen, kühlweichen Hefeteig unter den Fingern zu haben – und dann die Köstlichkeit drei Minuten zu lange im Ofen gelassen. Das war alles knuspriger als ich es haben wollte. Aber ich stinke heute morgen noch nach Knoblauchbutter. War also ein halber Erfolg.

Tagebuch Freitag/Samstag, 17./18. August 2018 – Raus da

Freitag buddelte ich mich erfolgreich aus dem Dissertationsmotivationsloch heraus, indem ich mich brav an den Schreibtisch setzte und endlich mal die Bibliotheksbücher durcharbeitete, die hier seit Wochen liegen und die ich immer nur verlängere anstatt reinzugucken. Das tat gut, den Kopf wieder sinnvoll zu beschäftigen anstatt Herrn Grossberg nachzutrauern oder Netflix leerzugucken. Die Uni-Sommerferien sind anscheinend vorbei.

Abends wieder bei F. vom Balkon runtergeguckt. Mit einigen Dingen, die mich seit einer Woche stressen und dann freuen und dann wieder stressen und dann wieder freuen, meinen Frieden gemacht. Der Mann holte Pizza, und damit wird ja eh immer alles gut.

Der Samstagvormittag fühlte sich dann fast wie zusammenwohnen an, weil ich nicht nach Hause ging, um meinen Tag mit Kaffee und Lektüre zu beginnen, sondern stattdessen die Tram zum Stachus nahm, um dort mein derzeitiges Lieblingsbrot zu kaufen (zu heiß zum Selberbacken) und meine Drogen bei Starbucks zu holen, um dann weiter bei F. rumzulungern, weil der Mann gerade nicht allein sein wollte. War mir sehr recht.

Den neuen Spiegel nahm ich auch mit, weil ich ein Interview mit Okwui Enwezor darin entdeckte, dem gerade zurückgetretenen Direktor vom Haus der Kunst. Die Postwar-Ausstellung, die er mitkuratierte, gehört mit zum Besten, das ich je gesehen habe, und ich trauere dem Mann sehr hinterher. Auch auf diese Ausstellung nahm Enwezor Bezug, als er meinte:

„Enwezor: Das Haus der Kunst hat – und das schon seit Jahrzehnten – ein strukturelles Defizit. Das Geld reicht nicht, die Einrichtung ist chronisch unterfinanziert, es fehlen Mitarbeiter. Man wollte nicht viel investieren, aber eine große Wirkung erzielen. Das ist das eine.

Spiegel: Was ist das andere?

Enwezor: Womöglich passte unsere inhaltliche Ausrichtung nicht ins heutige politische Klima. Wir haben uns wirklich dem Dialog verpflichtet gefühlt, natürlich bedeutete das auch, dass wir nicht nur Blockbuster veranstaltet haben. „Postwar“, unsere Ausstellung zur Nachkriegszeit, hat neue Maßstäbe gesetzt.

Spiegel: Sie haben darin bekannte und weniger bekannte Künstler aus der gesamten Welt zusammengebracht und gezeigt, dass der kulturelle Fortschritt seit 1945 nicht nur im Westen stattgefunden hat. Das war eine weitreichende Neubewertung der jüngeren Kunstgeschichte, Sie erhielten international viel Lob. Aber der große Besucherandrang blieb aus.

Enwezor: Nicht alles lässt sich auf Erfolge an der Museumskasse reduzieren. Manchmal ist der Zugewinn, den eine Institution erhält, kein finanzieller. Wissen Sie, was erstaunlich ist?

Spiegel: Was?

Enwezor: Etliche unserer Ausstellungen sind, nachdem sie hier zu sehen waren, von anderen Museen übernommen worden. Unsere Ausstellung mit den Skulpturen von Louise Bourgeois [Fehlfarben-Podcast dazu] reiste nach Russland, Dänemark und Spanien. In Moskau und im dänischen Humlebaek kamen so um die 200.000 Besucher, in Bilbao sogar 600.000. In München, dem Ausgangsort, aber waren es weniger als 80.000 gewesen. Unsere Ausstellungen haben eine internationale Strahlkraft, nur warum sind sie woanders populärer als hier?

Spiegel: Ist München kein guter Ort mehr für die zeitgenössische Kunst? Auch in der Münchner Theaterszene haben es experimentierfreudige Leute schwer. Matthias Lilienthal, Intendant der Kammerspiele, verlässt die Stadt.

Enwezor: Die Leute behaupten oft, sie würden sich für zeitgenössische Kunst interessieren. Aber zeitgenössische Kunst ist etwas Toughes und Herausforderndes, nichts Eingängiges, und das gefällt nicht jedem. Hier wird immer noch über die wirklich großartige Ai-Weiwei-Ausstellung gesprochen, die 2009 im Haus der Kunst eröffnet wurde, also einige Jahre bevor ich kam. Aber wenn sie die Popularität in Besucherzahlen messen wollen, muss ich sie enttäuschen, es kamen nur 100.000 Leute.“

(Der Spiegel 34 (2018), S. 115/116.)

Ich habe schon länger keinen gedruckten Spiegel mehr in der Hand gehabt. Ganz schön dünn geworden, das Ding. Und keine wirklich langen Artikel mehr außer der Titelstory? Und neue Headline-Typo. UND FÜNF EURO ZEHN? Aber immerhin noch einen schönen Artikel über ein Buch über Wein und seine Bedeutung in der bundesrepublikanischen Politik gefunden. Über diesen Absatz musste ich sehr lachen:

„Beim allerersten Staatsbesuch der jungen Bundesrepublik war sie [die Qualität der angebotenen Weine] eher mäßig. Was Bundespräsident Theodor Heuss unter dem „Pathos der Nüchternheit“ verstand, erfuhr der Kaiser von Äthiopien, als er im November 1954 nach Bonn reiste. Wein aus guten Lagen, aber schlechten Jahrgängen, und ein Sekt, „Söhnlein Rheingold“, zu dessen Gunsten nur vorgebracht werden konnte, dass der Kaiser 1875 angeordnet hatte, alle Kriegsschiffe der Marine fortan damit zu taufen.“

(Der Spiegel 34 (2018), S. 30.)

Kalte Pizza ist das beste Frühstück, basta, keine Diskussion.

Nachmittags alleine DFB-Pokal geguckt, weil der Mann zum Grillen eingeladen war (ich auch, aber ich wollte nicht mit). Sehr belustigt dabei zugesehen, wie das kleine niedersächsische Drochtersen-Assel aus der vierten Liga den großen FC Bayern anstrengte, der nur so gerade mit 1:0 gewinnen konnte. In der Vorberichterstattung meinte der Kapitän der Truppe: „Ziel ist es, weniger Gegentore zu kriegen als der HSV.“ Das hat ziemlich gut geklappt.

Abends einen Riesenberg Caesar Salad vertilgt. Seit einiger Zeit hadere ich mit den Anchovis, die ins Dressing kommen. Ich esse die Viecher schon, aber ich arbeite extrem ungern mit ihnen. Das Ölig-Glitschige macht mir nichts aus, aber diese gefühlten Widerhaken, die mich pieksen, wenn ich sie zerschneide, finde ich sehr unangenehm, und ich denke dann zu lange über mein Essen nach, als dass es mir danach schmeckt. Also lasse ich sie neuerdings weg. Ja, dann fehlt diese herbsalzige Komponente, aber ganz ehrlich: knackiger Salat, frisch gehobelter Parmesan, heiße Knoblauchcroutons – da reicht auch ein Dressing aus Crème fraîche, Senf und Zitronensaft, das schmeckt auch so geil.

Im Bett bei ausgeschaltetem Licht auf dem Smartphone einen Artikel darüber gelesen, dass Lesen auf dem Smartphone bei ausgeschaltetem Licht eventuell ganz böse ist. (Gerade eben beim Linkgoogeln einen weiteren Artikel gefunden, der mich wieder beruhigt hat.)

Tagebuch, Donnerstag, 16. August 2018 – Innerer Jekyll und Hyde

Morgens einen Text abgegeben, mit dem ich eigentlich zufrieden war. Der Kontakt zum Kunden leider nicht so, ich korrigierte, hatte aber anscheinend einige Korrekturwünsche fehlinterpretiert, weswegen ich noch weitere Schleifen drehen musste. Erst um kurz vor 21 Uhr war Feierabend und ich ein bisschen konsterniert.

Generell den Tag über entweder traurig oder schlecht gelaunt gewesen. Diverse Entscheidungen angezweifelt. Oder wie es F. ausdrückte: „Du machst dir wieder selbst einen Knoten ins Hirn.“ Ja, das klingt nach mir.

In der Mittagspause bei 27 Grad ein paar Besorgungen gemacht. Bei diesen Temperaturen hätte ich im letzten Sommer alles online geordert und wäre nicht vor dem Ventilator weggegangen. Nach den vergangenen Wochen kamen mir die 27 Grad fast lauschig vor und ich stutzte über mich selber, als ich dachte, ach, das ist ja recht angenehm draußen. Hat die Hitze doch ihr Gutes gehabt: Sie hat meine derzeitige Temperaturtoleranzgrenze ein bisschen nach oben verschoben. Muss ich trotzdem nicht weiter haben. Bitte Wetter auf 20 Grad runterfahren, danke.

Den durchwachsenen Tag bei F. auf dem Balkon äußerst undurchwachsen ausklingen lassen. Das ist immer nett da, mit dem weiten Ausblick über Münchens Kirchtürme und meist einer schönen Flasche Wein auf dem Tisch. Der einzige Nachteil ist das benachbarte italienische Restaurant, von dem es stets herrlich hochduftet, weswegen ich immer zu viele Chips essen muss. Logisch.

Tagebuch, Mittwoch, 15. August 2018 – Kein Feiertag

Im Gegensatz zum Dienstag, wo ich was zu feiern hatte und wo dementsprechend persönlicher Feiertag war, war gestern offizieller Feiertag in den katholischen Gegenden in Bayern (also auch in München), aber ich saß am Schreibtisch und tippte für Geld, weil jemand im Norden auf meine Texte wartet anstatt frei zu haben. Also eher weniger Feier-, sondern ein normaler Arbeitstag. Auch gut.

In den letzten Jahren hat sich mein Portfolio etwas erweitert. Wo ich früher ziemlich ausschließlich für die Autoindustrie tätig war, habe ich heute vermehrt Kunden aus anderen Branchen. Das ist lustig, weil ich mich so dauernd mit Themen beschäftige, über die ich manchmal noch nie nachgedacht habe. Manchmal sind es netterweise auch Themen, über die ich dauernd nachdenke wie Kaffee oder Tee, und ich will so dringend einmal für Schokolade Werbung machen, aber das hat bisher noch nicht geklappt. Außerdem kommen neuerdings eher kleinere Firmen oder Auftraggeber auf mich zu, was mir auch sehr gut gefällt, weil die linke Hand meist weiß, was die rechte tut. Das ist bei riesigen Kunden manchmal eher nicht der Fall. Oder es gibt zu viele Menschen, die eine Meinung zum Text haben. Abstimmungen gehen schneller, weil eben nicht fünf Abteilungen drei Sätze abnicken müssen, Korrekturschleifen sind kleiner, der Job eher erledigt.

Was mir bei meinen geistigen Ausflügen in die Welt der Kommunalverwaltung, der Windenergie oder der Dachziegelproduktion aufgefallen ist: Auch hier lege ich gerne Wissensbröckchen an Wissensbröckchen. Das kannte ich etwas anders aus der Automobilbranche, wo mein neues Wissen (aus einem neuen Briefing) mein altes Wissen (die tausend Kataloge, die ich schon geschrieben hatte) ergänzte. Hier kommt bei jedem Job ein neuer Aspekt dazu, der aber, warum auch immer, meine geistige Landkarte von Deutschland und seiner Industrie, seinem Handwerk, seiner Firmenkultur in kleinen Schritten vervollständigt. Ich lerne viel über interne Abläufe, bekomme aber auch mit, wer eigentlich was so macht an unserem Industriestandort. Ich lerne Branchen kennen, von denen ich vorher noch nie gehört hatte, und manchmal ergeben sich Überschneidungen – in der Arbeitsweise, in der Auftragsvergabe, in der Zusammenarbeit mit anderen Branchen. Es fühlt sich alles praktischer an, obwohl ich genau das gleiche mache wie früher – ich sitze an meinem Schreibtisch und tippe, ich schreinere weder Küchenzeilen noch erschließe ich Neubaugebiete. Aber irgendwie fühlt es sich mehr nach sinnvoller Arbeit an als früher, weil ich über Produkte schreibe, deren Nutzen sich mir inzwischen besser erschließt als der Nutzen eines Autos, das dringend 250 fahren muss, drei Tonnen wiegt und so groß ist wie früher ein Kleinbus.

Ich ahne inzwischen auch, warum mir die Wissenschaft so viel Spaß gemacht hat: weil ich auch hier die innere Landkarte der Kunstgeschichte mit jedem Seminar vervollständige. Klar ist feministische Performancekunst der 1970er Jahre was anderes als altniederländische Malerei, aber beides bewegt sich in einem bestimmten Bezugsrahmen. Und je mehr ich über das eine weiß, desto mehr fällt mir auch beim anderen auf.

Weiterhin Dissertationsmotivationsloch. Verdammt.

Die innere Anspannung der letzten Woche fiel gestern völlig ab, ich war um 22 Uhr komplett bettschwer. Mein Kopf aber noch nicht, und auf einmal hinterfragte ich wieder alles. Erst gegen 2 (glaube ich) eingeschlafen.

Tagebuch, Dienstag, 14. August 2018 – Feiertag

Gleich am Morgen eine Nachricht bekommen, die meinen Bauch jubeln ließ, was mich sehr beruhigte, denn dem Kopf war das schon klar, aber der Bauch musste noch nachziehen. Das Luftschloss ist kein Luftschloss mehr, aber bis ich das nächste Woche schriftlich habe, halte ich noch meine Klappe.

Den ganzen Tag am Schreibtisch verbracht. In der Mittagspause die neue Folge von Better Call Saul geguckt. Das Vorstellungsgespräch im Kopierladen! So großartiges … ich wollte gerade „Fernsehen“ schreiben, aber das ist es ja gar nicht. Großartiger Streaming-Inhalt?

Die morgendliche Nachricht musste gebührend gefeiert werden. F. und ich gingen ins Walter & Benjamin, dessen Name der tollste Name für eine Weinbar überhaupt ist. Ich war bis jetzt zwei- oder dreimal da, aber so richtig, ganz, vollständig, total hatte mich der Laden nie überzeugt. Er war immer nett, aber eben nicht so nett, dass ich dringend wieder hinwollen würde. Gestern war aber alles richtig, ganz, vollständig, total in Ordnung. Wir saßen draußen, schauten im Gärtnerplatzviertel rum, ich freute mich über jede Tram, die vorbeifuhr, wir genossen vier Gänge, von denen zwei richtig toll, einer sehr gut und einer okay war, aber der okaye war nur deshalb okay, weil ich Kalbsnierchen nicht so richtig spannend finde. Dazu hatten wir drei Weißweine und zum Dessert einen blubberigen Lambrusco, den ich bisher nur aus der korbumwickelten Literflasche kannte. Der hier war fast ein Schaumwein und passte ganz hervorragend zum Nachtisch aus Kürbiskernbiskuit, -creme und halt Kürbiskernen plus einer Nocke Brombeereis. Das würde ich gerne nachbasteln, das war toll.

Wir saßen gut, unterhielten uns gut, das Essen war gut, die Temperaturen genau richtig, ich mochte den Anblick aus kleinen Holztischchen, vielen Gläsern, schönem Geschirr und steifen Servietten, die Gespräche von den Nachbartischen, die man nicht verstand, die aber eine schöne Atmosphäre zauberten, die Stadt machte Feierabend und wurde langsamer und ruhiger, und wenn der Typ nebenan nicht irgendwann einen Zigarillo entzündet hätte, wäre alles perfekt gewesen. Das hatte ich völlig verdrängt, dass man in Lokalen draußen noch rauchen darf. In meinem Kopf gehen Essen und Rauchen gar nicht mehr zusammen, obwohl ich immer noch, trotz inzwischen jahrelangem Nichtraucherdasein, manchmal beim abendlichen Espresso denke, ach, jetzt ne Kippe. Kaffee und Zigarette zusammen sind nämlich super.

Gemeinsam eingeschlafen. Ich freue mich darüber immer noch sehr. Jedesmal.

Tagebuch, Montag, 13. August 2018 – Ein Herz für Hamburch

Jetzt wo der Espresso langsam wird, verlassen mich meine Milchschäumfähigkeiten. Irgendwas ist ja immer.

Update zu einem Job gekriegt. „Hast du dafür in den nächsten Tagen Zeit?“

„Mittwoch ist eh Feiertag, da habe ich bergeweise Zeit.“

„Wasn fürn Feiertag?“

„Irgendwas bayerisches.“

„Hä? Wo bist du denn?“

„München.“

„Haha, ich dachte, du säßest in Hamburg.“

Luftschlossbesichtigung ging in die nächste Runde und schickte mein Gehirn auf viel zu viele Reisen auf einmal. Wie gut, dass es Freundinnen in Hamburg gibt, die Stichworte wie „Ich bin nicht super, aber ich bin okay“ und „Tinder“ in den Raum werfen, um das Gehirn wieder auf Spur zu kriegen. (Nein, das hat alles nichts mit den Herren der Schöpfung zu tun, aber das passte wirklich gut.) Also auf in die nächste Runde.

Aus mehlig kochenden Kartoffeln kann man keine guten Bratkartoffeln machen. Wer hätte es gedacht. (Wieder blind eingekauft.)

„Hier gilt: Jeder für sich, Scheiße für alle. Das hier ist der Dschungel.“

(Fiston Mwanza Mujila (Katharina Meyer/Lena Müller (Übers.): Tram 83, Wien 2016, S. 105 von 190, eBook.)

Tagebuch, Sonntag, 12. August 2018 – Riesenzopf

Kopf und Bauch streiten sich um das Luftschloss. Vorgestern hatte der Kopf recht, gestern der Bauch, heute morgen weiß ich gar nichts mehr.

Gelesen, am Handy und iPad rumgedaddelt, mir überlegt, mit F. nach Augsburg zum Testspiel des FCA zu fahren, mich aber dagegen entschieden; Testspiele sind mir egal. Auf der Website nachgeguckt, wann die Damen des FCB anfangen zu spielen – ich habe noch nie Frauenbundesliga geguckt, kann man ja auch mal machen, wenn man es schon vor der Haustür hat.

Wieder zwei Folgen Chef’s Table geguckt und totale Lust auf Rumköcheln bekommen. In meinem Lieblingskochbuch gelesen und mir vorgenommen, daraus endlich mal mehr zu machen als die üblichen Klassiker. Vielleicht mal gnadenlos zehn Post-its blind im Buch verteilen und ebenso gnadenlos nachkochen? Abends mit diesem Gedanken nochmal den Film Julie & Julia begonnen; kannte ich natürlich, kann man aber auch mehrfach schauen.

Einen Hefezopf angesetzt, den ich erstmals mit der Hand geknetet habe. Das war aber keine Absicht, sondern das Ergebnis meines hitzegeplagten Spatzenhirns. Ich habe keine Küchenmaschine, weswegen ich vor schweren Teigen noch zurückschrecke. Den Teig für den Zopf schaffe ich aber so gerade mit den Rührstäben meines Handmixers. Gestern griff ich wie üblich ohne nachzudenken in meine Schublade, in der der Mixer und seine Aufsätze liegen, schraubte ebenso gedankenlos die Stäbe ein und begann zu mixen. Im Nu hatte sich der Teig bis zum Mixer emporgefressen und ich konnte diesen gerade noch abschalten, bevor der Teig ins Mixerinnere vordringen konnte. Hm. Das war mir noch nie passiert, und den Zopf habe ich schon sehr oft gebacken (weil äußerst wohlschmeckend). Stäbe wieder reingeschraubt, Mixer angeschaltet – der gleiche Effekt. Weil mir die Butter allmählich wegzulaufen drohte, griff ich einfach mit den Händen in die Schüssel und knetete, bis mir der Teig so vorkam, wie ich ihn kenne. Ich bedeckte die Schüssel mit einem Tuch und ließ den Teig gehen. In der Zeit wusch ich die bereits benutzten Gegenstände ab und verräumte sie auch gleich wieder. Und erst als ich die Rührstäbe wieder in die Schublade legen wollte, fiel mir auf: Ich hatte gar nicht mit den Rührstäben gearbeitet! Die lagen nämlich in der Lade, während ich die Quirle in der Hand hatte. (Augenrollemoji.)

Nach der Ruhezeit teilte ich den Teig in drei Teile und ließ auch diese kurz ruhen. Danach rollte ich aus ihnen Stränge, die ich zum Zopf flechten wollte. Ich weiß nicht, ob es an meinem derzeitigen Netflix-Konsum liegt, aber ich behandelte den Teig deutlich vorsichtiger als sonst, wo ich eher rustikal mit ihm umgehe. Das scheint ein ungewollter Nebeneffekt davon zu sein, wenn man ständig Menschen zuschaut, die mit Pinzetten winzige Zutaten in Zeitlupe verarbeiten und daraus wunderschönes Essen zaubern.

Mein Zopf war nicht unbedingt wunderschön, aber dafür größer als jeder, den ich bisher produziert hatte. Gleiche Mengen wie sonst, gefühlt ein Drittel mehr Endprodukt. Ist mir recht. *mampf*

Abends mit F. den Supercup zwischen Bayern und Frankfurt geguckt. Endlich wieder anständiger Fußball nach dem ollen WM-Geholze! Bundesliga kann dann gerne losgehen. (Noch fast zwei Wochen!)

Tagebuch Freitag/Samstag, 10./11. August 2018 – Drinnen und draußen

Freitag hockte ich in einem tiefen Motivationsloch, das mich sehr überraschte, aber Menschen mit Doktortitel in meiner Umgebung so gar nicht. Nach der doofen Nachricht, dass ich keinen Einblick in den Grossberg-Nachlass bekomme, hatte ich das Mittwoch total motiviert umschifft, indem ich meine bisherige Forschung neu strukturierte (immerhin im Kopf). Auch Donnerstag war ich noch der Meinung, alles kein Thema, sehr schade, ja, aber nichts zu machen, dann eben ein anderes Ziel. Aber Freitag saß ich nur noch mutlos vor meinen Dokumenten und war sehr traurig darüber, dass ich mich zwar hobbymäßig weiter mit Grossberg beschäftigen könne, die Wissenschaft aber gerade von den Erben ausgesperrt wird. Das hat der Herr nicht verdient, ganz im Gegenteil. Von mir aus könnte jedes Jahr über ihn eine Diss erscheinen, so toll ist sein Zeug. Leider nicht von mir, und daran knabberte ich jetzt doch.

(Feuchtgebiete-Triggerwarnung für den nächsten Absatz:)

Abends ging ich zu F. und merkte beim Fußweg, dass er mir sehr schwer fiel. Die Hitze, die Ozonbelastung, weiß ich alles, aber trotzdem bin ich immer sofort sehr besorgt, wenn ich das Gefühl habe, dass meine brav erworbene Alltagskondition wieder nachlässt. Beim letzten Badaufenthalt vor der Nachtruhe wurde mir immerhin klar, warum ich den ganzen Tag so traurig und körperlich so matschig gewesen war: Die Tage kamen mal wieder. Die letzte Periode war herrliche 67 Tage her gewesen, und ich war daher auf diese überhaupt nicht vorbereitet, die kam aus dem Nichts, wo sie sich jahrelang immer brav drei Tage vorher angekündigt hatte. Mein Zyklus ist in den letzten zwei Jahren unregelmäßiger geworden, es vergehen durchaus zwei, drei Mal im Jahr zwei Monate, bis ich mal wieder rumblute. Ich ahne langsam, dass sich hier eine körperliche Veränderung abspielt, gegen die ich so gar nichts einzuwenden habe.

Die innerliche Reaktion ist allerdings nach über 35 Jahren Menstruation und sexueller Aktivität bei nicht-vorhandenem Kinderwunsch immer noch die gleiche: „Yay, meine Tage sind da! … Nerv, meine Tage sind da.“

Endlich mal wieder gemeinsam eingeschlafen, weil es endlich mal wieder Temperaturen gab, bei denen man einen warmen Menschen neben sich dulden will.

Samstagmorgen gemeinsam gefrühstückt, was wir sehr selten machen, weil unsere morgendlichen Vorlieben etwas auseinandergehen und auch die jeweilige Küchenausstattung sehr auf unsere individuellen Neigungen zugeschnitten ist. F. besorgte vom Lieblingsfranzosen Milchkaffee für mich und Brioche für uns beide, dazu noch herrliche Blätterteigkleinigkeiten, die Frau Mama hatte Sohnemann frische Brombeermarmelade mitgegeben, und so spachtelten wir uns in ein ausgiebiges Vormittagskoma.

(Alleine für diese Zwischenüberschrift auf der Website – und die Tüten – ist Dompierre eben der Lieblingsfranzose.)

Gegen 13 Uhr sahen wir uns schon wieder, als wir uns in den Bus setzten, um Espressobohnen zu kaufen. F. hatte mir vor einiger Zeit zwei Kaffeesorten aus einer örtlichen Rösterei geschenkt, von denen eine meine absolute Lieblingssorte geworden ist. Von der war nur noch ein guter Esslöffel in der Tüte, und bevor ich den Sonntagmorgen weinend in der Küche stehen müsste, wollten wir Nachschub besorgen.

Das Caffé Fausto liegt in meiner Auffassung am Arsch der Heide, und es hat quasi keine Laufkundschaft. Trotzdem war recht gut besucht, obwohl jetzt am Wochenende nicht die üblichen Büromenschen der Krämermühle, in der sich das Café befindet, da waren. Wir saßen draußen und guckten eine Stunde lang einem stetigen Strom von Menschen zu, der zu Fuß, per Rad oder Auto kam, um Kaffeebohnen zu kaufen. Die meisten hatten die Kilotüten im Arm, als sie wieder gingen. Das fand ich schon spannend, dass hier anscheinend ein Produkt hergestellt wird, für das Leute Umwege in Kauf nehmen, denn hier ist nichts nebenan, wo man noch die üblichen Erledigungen abfiedeln könnte, Supermarkt, Post, Apotheke, Zeug halt, zu dem man öfter muss. Hierher fährt oder geht man nur für den Kaffee. If you build it, they will come.

Und abends sahen wir uns dann zum dritten Mal, denn wir wollten ins Takumi, um Ramen zu essen. Draußen herrschten 23 Grad, die selbst ich Wärme-Meckerliese als angenehm empfand nach den zwei Wochen 30 Grad. Im kleinen Lokal selbst waren es dann gefühlt aber wieder 30, die Luft stand, und die Belegschaft gab Fächer aus, die auch flächendeckend genutzt wurden. Mir lief der Schweiß schon ohne Mahlzeit den Nacken herunter, aber als dann die heiße Nudelsuppe vor mir stand, war alles vorbei. Es schmeckte großartig, aber ich sah nach dem Essen wie nach einem Saunabesuch aus. Aber das war’s natürlich wert.

Auf dem Nachhauseweg kamen mir wieder die Luftschlösser ins Gehege, über die ich seit letztem Montag nachdenke und belasteten mich kurz, aber das löste sich im Laufe der Nacht wieder auf. Mal sehen, wie es auf dieser Baustelle weitergeht, über die ich hier weiterhin nur kryptische – und damit für die geneigte Leserin total nervige – Andeutungen machen möchte.

Gestern war der Todestag von Hans Memling, und der schöne Rubens-Twitter-Account würdigte das natürlich. Wir sprachen gerade im Podcast über den Herrn, über den ich meine erste Hausarbeit im Studium geschrieben habe, unter anderem über dieses Bild.

Tagebuch, Donnerstag, 9. August 2018 – Keine Angst mehr vor Wespen!

Wie schon seit Tagen oder gefühlten Wochen morgens irgendwann zwischen 5 und 6 aufgewacht, weil da auf einmal ein kühler Luftzug durchs Fenster kam. Sofort aufgestanden, alle Fenster aufgerissen, wieder ins Bett gegangen und das Internet leergelesen anstatt was Vernünftiges zu machen.

Das Einersieb bei meiner Espressomaschine ausprobiert und komplett miese Brühe produziert. Wo ich doch vorgestern erstmals, trotz wirklich mangelhafter Mühle, mit dem Zweiersieb etwas erschaffen hatte, was meinen Geschmacksvorlieben schon äußerst nah kam. Aber da ist noch eine Menge Spielraum. Erstmal zwanzig Kilo Bohnen kaufen für die weiteren Versuchsreihen.

Die Maschine ist so wunderschön, ich freue mich jeden Morgen, wenn ich sie einschalte. Sie ist aber gleichzeitig wie die Raumkapsel in Gravity mit der russischen Bedienungsanleitung – im Prinzip weiß ich, was ich machen muss, aber es fühlt sich trotzdem nach totalem Trial and Error an. Aber weil die Maschine so schön ist, macht jeder Versuch Spaß. Und ich habe endlich wieder anständig vorgewärmte Tassen! #diekleinendinge

Vormittags vor der ganz großen Hitze (34 Grad abends) zur Post gegangen und ein Päckchen abgeholt. Dann auf den alten Nordfriedhof gegangen, mich auf eine Bank gesetzt und gelesen. Vielleicht lag es an meinem pinkfarbenen Shirt, vielleicht an meiner Schweißproduktion, vielleich auch am Buch, aber eine Wespe schien großes Interesse an mir zu haben.

Vor Jahren war ich eine der Nervensägen, die sofort hysterisch vom Café- oder Biergartentisch aufsprangen, wenn sich eine Wespe näherte. Ich bin immer noch kein Fan von ihnen, aber inzwischen schaffe ich es, meine Maß mit einem Buch abzudecken und die Viecher irgendwie zu ignorieren. Beim Essen nerven sie mich allerdings immer noch, daher mache ich das wirklich lieber in Innenräumen. Vor kurzem las ich irgendwo (Quelle: Internet), dass einen Wespen nur so nah umkreisen, weil sie so schlecht sehen. Die wollen einen nur kennenlernen und haben dazu noch ihre Brille vergessen! Damit kann ich lustigerweise viel besser umgehen als wenn ich davon ausgehe, dass die fiesen Möpps nichts besseres zu tun haben als mich zu stechen. Und so saß ich gestern halbwegs (immerhin) entspannt weiter beim Lesen, als eine Wespe um mich herumflog und sich schließlich sogar auf mein Bein setzte. Früher wäre es bis dahin gar nicht gekommen, weil ich längst schreiend und ärmchenwedelnd 500 Meter weiter weg gewesen wäre. Ich war ein bisschen stolz auf mich, so erwachsen und so.

Ein Tweet, über den ich seit vier Wochen grinse:

Wieder eine Folge Chef’s Table geguckt (ja, ich bin spät dran, ich weiß), dieses Mal über die drei Jungs von El Celler de Can Roca in Girona, genauer gesagt über Jordi Roca, den Patisseriechef. Relativ zu Anfang der Sendung konnte man ihm dabei zuschauen, wie er ein Dessert namens „Blumen aus Girona“ zubereitete, das mich ernsthaft zu Tränen rührte – und ich habe es nicht einmal gegessen! Ich habe leider kein Foto gefunden, daher hier ein Screenshot aus der Folge. Eine Skyline aus Zucker, mit Blumen und Pulver verziert, dahinter nochmal die Skyline als Schatten aus Schokolade, wenn ich das richtig gesehen habe. Ein kleines Wunderwerk.

Nach den schon angesprochenen 34 Grad fielen die Temperaturen endlich mal wieder auf ein menschenwürdiges Maß. Dazu begann es gestern anständig zu regnen und ich riss alle Fenster auf, warf eine Decke auf mein weißes Sofa, damit es nicht nass wurde und genoss mit F. eine Portion Nudelsalat, die ich eigentlich für den Biergarten vorbereitet hatte. Dazu tranken wir zwei Augustiner, die im Februar und Mai abgelaufen waren. Ich scheine echt nicht mehr viel Bier zu trinken. Waren auch meine letzten beiden Flaschen in der Wohnung.

Was schön war, Mittwoch, 8. August 2018 – Erinnerungen

Tagsüber in Wolkenschlössern rumgehangen. Sollte ich nicht, weiß ich auch, konnte ich meinem Kopf aber nicht klarmachen. Also habe ich ihm nachgegeben und viel Spaß gehabt. Mal sehen, ob der bleibt.

Viel gelesen, allerdings nichts für die Diss. Ein bisschen pflichtschuldig rumbibliografiert, aber eigentlich habe ich mir innerlich immer noch Urlaub gegeben, bis diese verdammte Hitze endlich aufhört. Also bis morgen.

Abends ein Buch in die Unibibliothek gebracht und zwar mit dem Fahrrad. Eigentlich mag ich die klimatisierten Busse ja sehr, aber ich dachte, Fahrtwind wäre vermutlich noch besser. War er auch. Und wenn ich eh schon auf dem Rad war, konnte ich beim liebsten Burgerladen vorbeifahren und mir was Nettes zum Abendessen mitnehmen (kalt wird das Zeug derzeit ja nicht, selbst mit Fahrtwind). Ich genoss zuhause vor dem Ventilator einen Giggly Burger mit leckeren Balsamicozwiebeln sowie Pommes mit Limettenmajo. Dabei sah ich eine Folge von Chef’s Table über Nancy Silverton, die sich an ihren Auftritt bei Julia Child erinnerte. Sie servierte ihr ein heißes Dessert, bei dem Child zu weinen begann – und Silverton dachte: „I burned Julia Child!“ Die Szene finde ich nicht online, aber immerhin den Clip zur Child-Sendung. Hashtag Futterglück.

Und zu später Stunde saß ich dann quasi mal wieder vor dem Fernseher, den ich ja nicht habe, weil ich kaum noch deutsches Fernsehen schaue; ich saß also vor dem Laptop und genoss den Dokumentarfilm Kulenkampffs Schuhe, der auch in der Mediathek zu finden ist. Im Tagesspiegel steht eine sehr gute Besprechung.

Es geht in der Dokumentation um die Zeit der 50er bis 70er Jahre, in denen sich das deutsche Publikum unter anderem von den Herren Kulenkampff, Rosenthal und Alexander unterhalten lässt und erstmal das Wirtschaftswunder genießt, anstatt sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eine Szene, die so nebenbei abgehandelt wird, führt diese Verdrängung recht deutlich vor Augen: Hans Rosenthal sitzt bei Joachim Fuchsberger in dessen Talkshow und erzählt, wie er sich zur NS-Zeit in einer Berliner Laube versteckt hatte. Er bechreibt, wie er unter einem Sofa lag, während darauf Menschen saßen, die ihn das Leben hätten kosten können, und wie er einen Hustenreiz zu unterdrücken versucht. Die Kamera schwenkt ins Publikum, wo Menschen über diesen Satz lachen. Ich bin mir sicher, dass viele das aus Verlegenheit taten oder weil man eine derartige Szene aus komischen Filmen kennt, die immer gut ausgehen, aber trotzdem schaute ich recht fassungslos zum Laptop und fragte mich, ob einer dieser Menschen im Publikum einer der Sofasitzer hätte sein können. Da wird eine lebensbedrohliche Situation zur Unterhaltung; Rosenthal erzählt es auch ernst, nicht auf eine erleichternde Pointe aus, aber die Menschen lachen trotzdem.

Ich musste mich selbst daran erinnern, dass ich sehr lange nicht wusste, das Rosenthal jüdischen Glaubens war; das war einfach nie ein Thema. Ich erinnerte mich auch daran, dass die Kulenkampff-Sendung Einer wird gewinnen bei uns Familienprogramm war. Meine Eltern mochten „Kuli“ sehr gerne, ich fand ihn einerseits charmant und andererseits total übergriffig und schleimig den weiblichen Kandidatinnen gegenüber. Beide Seiten kommen in den vielen Ausschnitten aus EWG im Film auch gut zur Geltung. Bis gestern hatte ich noch nie darüber nachgedacht, was eigentlich Kulenkampff zur NS-Zeit so gemacht hatte, er war für mich, so gut wird es im Film ausgedrückt, „ein Mann ohne Vergangenheit“ – wie es vermutlich die Mehrheit der Deutschen war, um irgendwie miteinander arbeiten zu können. Ich zitiere mal eine Fußnote aus meiner Masterarbeit, an die ich sofort denken musste: „Hermann Lübbe nennt dieses bewusste Beschweigen eine „nicht-symmetrische Diskretion“ zwischen NS-Tätern und Mitläufern sowie NS-Opfern. Für ihn war diese „Diskretion“ die einzige Möglichkeit, einen neuen, funktionierenden Staat zu errichten, in dem auch Tätern die Möglichkeit gegeben wurde, ihn aktiv mitzugestalten, vgl. Lübbe, Hermann: Vom Parteigenossen zum Bundesbürger. Über beschwiegene und historisierte Vergangenheiten, Paderborn 2007, S. 22. Diese Auslegung Lübbes ist bis heute umstritten, meint auch Norbert Frei, der in dieser Praxis eine „aktive Begünstigung der Täter“ sieht, vgl. Frei, Norbert: 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewusstsein der Deutschen, München 2005, S. 33.“

Auch über Peter Alexander hatte ich nie nachgedacht, der war für mich immer der Kellner aus dem Weißen Rößl, einen Film, den ich noch heute gerne sehe (und bei dem ich mitsinge). In der Dokumentation kommt er ein wenig zu kurz und dient fast nur als musikalische Einlage, die belegt, dass man auch über schreckliche Zeiten schwungvolle Lieder machen konnte. Ich frage mich seitdem, ob das Absicht oder Ignoranz war.

Die Autorin des Films Regina Schilling verknüpft diese Unterhaltungssendungen mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Ihr Vater war in etwa der gleiche Jahrgang wie die drei Entertainer, die zu ihren Ersatzvätern wurden, als ihr Vater früh verstarb. Manchmal waren es mir zuviele alte Familienaufnahmen, wo ich lieber noch mehr über die Gesamtgesellschaft erfahren hätte, aber ich mochte diese persönliche Verknüpfung gerne. Genau wie die Schilderung ihrer kindlichen Unschuld, mit der Schilling diese Sendungen sah, bis sie auf einmal Andeutungen verstand, die ihr vorher durchgerutscht waren, und auch ihr klar wurde, dass Unterhaltung keine Auseinandersetzung ist. Oder sogar ihr Gegner.

Ich habe durch den Film wieder an meine eigene Kindheit denken müssen, an meine Eltern, an gemeinsame Fernsehabende, an das allmähliche Verstehen, dass meine Großeltern Teil der NS-Generation waren. Daran, dass ich trotz meiner Beschäftigung mit dieser Zeit über so viele Aspekte eben nicht nachdenke. Dass ich bis letzten Dezember nicht wusste, dass mein Opa bereits 1935 in der Wehrmacht war. Dass die fehlende Auseinandersetzung noch bis in meine Generation weitergeht – und heute von bestimmten politischen Parteien bewusst zurückgedrängt wird. Ich habe durch den Film auch Dinge über Horst Tappert, Robert Lembke und Kulis „Butler“ Martin Jente gelernt, die für mich auch Männer ohne Vergangenheit waren. Das hört anscheinend nicht auf.

Tagebuch, Sonntag bis Dienstag, 5. bis 7. August 2018 – Yay, nay, Serienkonsum

Derzeit treibe ich auch durch die Hitze sehr behäbig durch meine Tage. Am Samstag passierte aber etwas, das mich das ganze Wochenende elektrisierte und mich am Montag um eine Minute nach neun bei jemandem anrufen ließ, bevor viele andere es tun. Das war ein sehr vielversprechendes Telefonat und ihr müsst jetzt mal blind die Daumen drücken.

Gestern führte ich dann leider ein weitaus weniger erfreuliches Gespräch: Die Erb*innen von Carl Grossberg möchten sich nicht so gerne in die Karten bzw. mich in den Nachlass gucken lassen. Ich gehe auch hier nicht weiter ins Detail, aber ich bin nicht die erste, die eine Absage kriegt. Mein Gesprächspartner in einer Galerie, über die ich den Kontakt herzustellen versucht habe, wird nochmal nachfragen, machte mir aber nicht viel Hoffnung auf ein besseres Ergebnis.

Daher schrieb ich zügig eine Mail an den Doktorvater mit der Bitte um ein Gespräch, denn meine ursprüngliche Idee ist ohne einen Einblick in den Nachlass eher doof. Der Mann ist aber gerade in den wohlverdienten Sommerferien wie irgendwie die halbe Stadt. München im August ist fast so seltsam wie Paris im August – keiner mehr da. (Die kommen alle erst zum Oktoberfest wieder.)

Zurück zur Diss: Klar kann ich mich auch bei den bisherigen Quellen über Grossberg bedienen – gerade die eine Diss von 1990 beschreibt viele Dinge und Werke, die ich noch nicht kannte –, aber das kann’s ja auch nicht sein, da nur abzuschreiben. Aber: Ich kann meine Protzen-Recherchen auch in andere Zusammenhänge bringen, was mir bei der Referatsvorbereitung für die Korrekturfee aufgefallen ist. Aber wenn ich ehrlich sein darf, hatte ich mich des Öfteren nur deshalb so diszipliniert durch den banalen Protzen gewühlt, weil ich Naivling dachte, dass irgendwann mein geliebter Grossberg kommt.

(Habe ich jetzt etwa umsonst zwei Stunden lang gescannt? Für über 30 Euro? Ja, Anke, genau *das* ist jetzt dein Problem.)

Gestern regnete es in der Maxvorstadt für ungefähr eine Viertelstunde und ich behaupte, es kühlte sich auf 30 Grad ab.

Und wir hatten Stromausfall! Total aufregend! Ich wunderte mich ein paar Minuten, dass mein Handy, an dem ich gerade rumdaddelte, von W-LAN auf LTE umschaltete, dachte mir aber nichts dabei. (Das Internet. Ein ewiges Rätsel.) Erst als ich mir frische Eiswürfel holen wollte, fiel mir das fehlende Licht im Kühlschrank auf und dann die schwarze Routerbox. Ich guckte in meinen Sicherungskasten – jeder Schalter da, wo er sein sollte. Ich ging ins Treppenhaus und versuchte, das Licht anzuknipsen – nichts. Aha. Es ist also nicht nur meine Wohnung. Dann ging ich tapfer fünf Stockwerke nach unten – wegen des Stromausfalls wusste ich, dass ich sie auch wieder hochgehen musste anstatt den Fahrstuhl zu nehmen und wir wissen ja, wie doof Treppensteigen für meinen kleinen Klumpfuß ist – und guckte, wie es der Leuchtreklame des Getränkemarkts gegenüber ging. Die war auch aus, im Laden war kein Licht, die Jungs standen vor dem Laden und meinten, der Ekeda fünf Häuser weiter sei auch schon dicht, hier hätte gerade niemand Strom. Ich kletterte wieder nach oben und wollte gerade die Stadtwerke anrufen, als meine Routerbox lustig klickte und der Strom wieder da war.

Da habe ich dann auch sofort meine Powerbank wieder aufgeladen, die total leer war, und ich will mir jetzt eine Taschenlampe kaufen. (Den Sicherungskasten konnte ich noch mit der iPhone-Lampe beleuchten.)

Die neue Staffel von Orange is the New Black gefiel mir in ihrer Hoffnungslosigkeit und ihrem Zynismus, aber auch mit ihren teils neuen Allianzen sehr gut und ließ mich die beknackte letzte fast vergessen. Wobei ich Badison dauernd eine reinhauen wollte.

Die neue Folge von The Affair hat mich fertiggemacht. Hier eine wirklich gute Rezension, die aber komplett alles spoilert. Ich weise auf den dritt- und vorletzten Absatz hin, die für mich die Faszination für diese Serie sehr gut zusammenfassen.

Die neue Staffel von Better Call Saul fängt so gut an wie bisher alle Folgen waren, und ich weiß, ich wiederhole mich, aber von mir aus kann es noch fünf Staffeln dauern, bis aus Jimmy Saul wird. Ich mag das Tempo dieser Serie sehr gern.

Frischkäsetorte mit Blaubeeren und weißer Schokolade

Ich ahne, dass eh jede*r von euch schon ein Rezept für die legendäre Philadelphia-Torte parat hat, aber ich hatte noch keins. Bis jetzt. Ich orientierte mich am Original, warf aber noch ein bisschen Schokolade dazu. Weil alles besser mit Schokolade ist.

Eine 26er-Springform mit Backpapier auslegen.

6 Blatt weiße Gelatine in kaltem Wasser einweichen.

125 g Butter schmelzen.

80 g weiße Schokolade hacken, den Rest der 100-g-Tafel für die Deko beiseite legen.

150 g Löffelbiskuits in einen Gefrierbeutel legen und mit einem Nudelholz zerkleinern. Ich habe es nicht ganz puderfein gemacht, sondern ein paar erkennbare Stückchen so belassen. Die Biskuitbrösel mit der Butter und der gehackten Schokolade vermischen und fest in die Springform drücken, um einen gleichmäßigen Boden zu bekommen. Ich mache das nur mit den Fingern, Buzzfeed Tasty benutzt immer gerne ein metallenes Cup-Maß, um alles schön glatt zu kriegen. Nur so als Tipp.

525 g Frischkäse (Doppelrahmstufe) aka drei Packungen Philadelphia mit
300 g Jogurt (3,5% Fett) und
3 EL Zitronensaft mischen.
300 g Blaubeeren unterheben. Ich habe sie ganz gelassen, man kann sie aber auch dekorativ etwas zerdrücken, dann bekommt die Torte im Idealfall lustige Farbverläufe beim Aufschneiden.

70 g Zucker in einen kleinen Topf geben. Die Gelatine leicht ausdrücken und mit dem Zucker erwärmen. Dabei umrühren, so dass sich Zucker und Gelatine auflösen. Wenn das passiert ist, Topf vom Herd nehmen und einen dicken Klecks der Frischkäsemischung einrühren (Temperaturangleich). Danach die Zuckergelatine zügig unter den Rest der Frischkäsemischung rühren und alles in die Springform geben.

Für mindestens drei Stunden im Kühlschrank festwerden lassen. Zum Servieren mit Blaubeeren und weißen Schokoraspeln bewerfen.

Tagebuch, Samstag, 4. August 2018 – Immer noch hitzefrei

Dass es hier im Blog so ruhig ist, liegt nicht daran, dass ich zu faul zum Schreiben wäre – es gibt nur gerade nichts, worüber ich schreiben könnte. Mein Kopf ist anscheinend seit Lindau im Sommerferienmodus und ich mag das eigentlich recht gern. Dann gönne ich mir halt mal richtig Urlaub. Aka ich leide still und bewegungslos in meiner Wohnung vor mich hin oder gehe bzw. schleiche auf den Nordfriedhof, weil es da unter den Bäumen gefühlt zwei Grad kühler ist und manchmal sogar ein leichter Wind geht. Dann sitze ich da mit einem Buch und dem Smartphone und habe Urlaub.

So ähnlich sitze ich auch abends und frühmorgens in meiner Wohnung. Dann reiße ich alle Fenster auf und versuche, mit meinem Ventilator und der geöffneten Wohnungstür eine Art Durchzug zu produzieren. Zwischen Tür und Zarge steht der riesige Karton, in dem meine Espressomaschine verpackt war und sorgt dafür, dass die Tür nicht zufällt. Ich sitze sinnlos im fensterlosen Flur rum, wo mich dieser winzige Durchzug immerhin ein bisschen erreicht. Morgens ist es hell, da könnte ich theoretisch Zeitung oder Papierbücher lesen, aber abends will ich kein Licht einschalten. Daher nehme ich immer mein iPad mit und lese neuerdings wieder verstärkt eBooks, weil die eben kein Licht brauchen. (Wieviel Wärme meine guten alten, gelblichweißen Nicht-Energiesparbirnen abgeben, habe ich auch erst in den letzten Tagen gemerkt.)

Derzeit lese ich Tram 83 und mag es bisher sehr. Wie ich schon auf Instagram, wo mir in den Kommentaren noch weitere Literatur empfohlen wurde, schrieb: Seit ich das sehr beeindruckende Kongo: eine Geschichte von David van Reybrouck gelesen habe, achte ich verstärkt auf Nachrichten aus dem Kongo – die kommen meist in den Wirtschaftsteilen vor, Stichwort Coltan – oder auf kulturelle Dinge aus diesem Land, wie eben Romane. Van Reybrouck schrieb sehr eindringlich über die Musikszene in den 1970er Jahren im Kongo, und so ungefähr fühlt sich das Buch stilistisch an, wenn es auch eher in der heutigen Zeit spielt.

The Useless French Language and Why We Learn It

Ich mochte den Teaser, den Arts & Letters Daily, in deren Twitter-Feed ich diesen Link fand, dem Artikel vorausgestellt haben: „Learning French has been likened to joining a gang. Both involve “a long and intensive period of hazing.” Why bother? It forces you to rethink your approach to language itself.“

Der Artikel rezensiert mehrere Bücher, in denen verschiedene Autor*innen beschreiben, wie sie Französisch gelernt haben – oder auch nicht. Ich habe bis heute gefühlt fünf oder sechs Anläufe genommen, bin aber nie auf ein nennenswertes Niveau gelangt. Trotzdem mag ich die französische Sprache sehr gerne, erkämpfe mir ab und zu Graphic Novels oder versuche, Harry Potter zu lesen. Ich muss mir leider eingestehen, dass ich schlicht zu faul bin, diese Sprache jemals vernünftig zu lernen, und bleibe vermutlich daher bis an mein Lebensende zwei-, aber nicht dreisprachig. Immerhin kann ich so englische Artikel über Französisch lesen. Ist ja auch was. (Merde.)

„Students of the English language who come to the United States must prepare themselves for just how badly Americans have debased its words: great, awesome, and even perfect, to name just three, now carry no particular connotation there but of a vague, undifferentiated, and often surprisingly mild positivity. (The list of what Collins says she “loves” runs to include “the woman who gives me extra guacamole at Chipotle, hydrangeas, podcasts, clean sheets.”) English speakers, write Julie Barlow and Jean-Benoît Nadeau in The Bonjour Effect: The Secret Codes of French Conversation Revealed (2016),

think of their language as “open,” “flexible,” and “accommodating.” The French story is exactly the opposite. In French minds, their language is a particularly complex and nuanced tongue with no gray zones and little, if any, à peu près (approximation). Words are right or words are wrong. Every word has a precise meaning distinguishing it from other words. […]

Asked what he loves, Sedaris (who, also an American, presumably has no fear of using that verb recklessly) names “IBM typewriters, the French word for ‘bruise,’ and my electric floor waxer. It was a short list, but still I managed to mispronounce IBM and afford the wrong gender to both the floor waxer and the typewriter.” His teacher reacts as if “these mistakes were capital crimes in the country of France. ‘Were you always this palicmkrexjs?’ she asked. ‘Even a fiuscrzsws tociwegixp knows that a typewriter is feminine.’” Several of these writers underscore the French word for a language error, faute: it “doesn’t mean just ‘fault’ or ‘mistake,’” writes Alexander, “but carries a moral or judgmental stigma, unlike a mere erreur.” Coates puts a more positive spin on the corrections he receives, everywhere and often, from the French public: “The woman at the café who is sure to tell me that it is ‘une baguette’ not ‘un baguette’ is telling me something about herself, her people and her nation.”

Though some aspects of the French language may technically challenge the English speakers more than its gendered nouns, none have inspired more complaints. “Imagine everyone you’ve ever met looking exactly alike, and then, four decades into your acquaintanceship, having to go back and try to figure out who’s a man and who’s a woman,” writes Collins in an attempt to communicate the frustration. “And then, to make matters more complicated, some of the men are women and some of the women are men.”“

Tagebuch, Donnerstag/Freitag, 2./3. August 2018 – Hitzefrei

A Family’s 400-Year-Old Musical Secret Still Rings True

Wir waren ja alle mal irgendwann in einer Band (ich ungefähr für fünf Minuten) und kennen daher den Namen „Zildjian“, wenn wir den Drummer anschmachteten (okay, ich eher den Basser). Zildjian ist ein Hersteller von Becken – und wie ich seit der Lektüre dieses Artikels weiß, das bereits schon seit 400 Jahren und in der 14. Generation. Im Artikel wird beschrieben, woher das Instrument kommt und wie es sich über 3000 Jahre verändert hat.

„Zildjian was incorporated in the United States in 1929. But the company’s relationship with drummers, and drumming itself, dates back much further: 400 years to be precise, to 1618, when a secret casting process resulted in the creation of a new bronze alloy for the court of Sultan Osman II, the ruler of the Ottoman Empire.

“My father always said that the name is bigger than any one person in the family,” said Craigie Zildjian, the company’s chief executive officer (the first woman to have the job), a member of the family’s 14th generation of cymbal makers. “In other words, you have this little piece of 400 years. Don’t screw it up.” […]

Touring the factory, which now sits in a leafy industrial park in Norwell, Mass., is the drummer’s equivalent of stumbling into Willy Wonka’s chocolate factory. “We are the music makers, and we are the dreamers of dreams,” Mr. Francis, the director of research and development, said, quoting the movie, as he led the way on a recent visit.

A line of Gen16 products attempts to create an electronic cymbal that looks and feels like a real cymbal instead of a drum pad. A low-volume practice cymbal that looks like mesh is selling well among drummers in Asia who live in apartments with thin walls.

The lobby has the feel of a show room, with kits on display that belonged to Travis Barker (Blink-182), Tré Cool (Green Day) and Ginger Baker (Cream), along with a replica of Ringo Starr’s. “We all know what happened in 1964,” Mr. Francis said, referring to the British Invasion. “We had 90,000 cymbals on back order.”“

Tagebuchbloggen, Donnerstag, 2. August

Die liebe Nessy hat Gründe, auch als Selbständige gesetzlich und nicht privat krankenversichert zu sein. Das sind auch genau meine: Ich finde das Solidaritätsprinzip gut, und ich zahle gerne mehr, weil ich auch mehr abgeben kann. Ganz einfach.

Wenn ich aber irgendwann mal ins Krankenhaus muss, würde ich mir ein Einzelzimmer erkaufen, sonst werde ich noch kränker. Meine Mutter hat mal allen Ernstes mit akutem Tinnitus in einem Sechsbettzimmer gelegen. WTF?

Cheer up, Deutschland

Der Economist wundert sich, warum wir alle so schlechte Laune haben. Ich mich auch. (DIESE HITZE!)

„Pessimism comes easily to Germans. Gloom stalked their literature even before the traumas of the 20th century. “Simplicius Simplicissimus,” the first great German novel, describes a peasant wandering the devastated Holy Roman Empire after the Thirty Years War; Goethe and his contemporaries imagined love-struck romantics killing themselves in dark forests; Wagner’s Ring Cycle ends with Valhalla in flames. Few Germans ever quite believe that calamity is not just around the corner, reckons John Kornblum, a former American ambassador. He relays a tale of a woman who came up to him in the street unbidden and warned him that he would trip over and die if he failed to tie his shoelace. […]

This is all getting out of hand. Pessimism, and the associated perfectionism, may be a German strength—but in moderation. And that moderation risks succumbing to the latest bout of hyperventilating self-denigration, along with basic facts about the state of the country. Germany’s economy, for example, is powering ahead. Unemployment is at a record low, and exports are booming. Its infrastructure is among the best in the world. Inequality remains lower than in most other rich countries and the quality of life higher (the fourth best in the world, according to the UN’s Human Development Index). German politics, it is true, is fragmenting, as in other European countries, but Mrs Merkel remains a sensible and decent leader, and moderate forces still dominate.“