Was schön war, Mittwoch, 18. April 2018 – Eichhörnchenpinsel

Die dritte Vorlesung, die ich mir in diesem Semester gönne, solange es die Arbeit für Geld und die an der Diss zulassen, hat den verheißungsvollen Titel „Turners Lappen, Courbets Spachtel, Pollocks Eimer – die Utensilien der modernen Malerei“, wobei der Dozent die Moderne nach der Französischen Revolution anfangen lässt. Als Einstieg zeigte er eine Karikatur von Richard Doyle, der sich über die Werkzeuge von William Turner lustig macht und über die ich mich seit gestern freue. (Ich mag Turner, aber ich fand das Bild trotzdem sehr passend.)


Joseph Mallord William Turner by Richard Doyle, woodcut, 1846, NPG D6996
© National Portrait Gallery, London
CC BY-NC-ND 3.0

Auch dieser Dozent hatte gleich nach wenigen Sätzen gewonnen, so wie die Dame am Dienstag, als er meinte, dass er die Klausur am Ende der Vorlesungsreihe sehr dämlich fände (BA- und MA-Quatsch halt, die Kritik hörte ich zum wiederholten Male), aber nicht weil es mehr Arbeit für ihn ist, sondern weil wir als Studis dann dauernd mitschreiben anstatt zuzuhören. Da hat der Mann recht, das habe ich auch zehn Semester lang gemacht: bei jedem Satz überlegt, ob das jetzt klausurrelevant sein könnte. Völliger Blödsinn. Ich hatte eine Dozentin, die am Ende jeder Stunde in fünf Minuten zusammengefasst hat, was sie für wichtig hält; da konnte man hervorragend zuhören, weil man wusste, dass man am Ende nochmal auf dem Silbertablett serviert bekam, was man auf die Lernkärtchen schreiben musste. Allerdings ist es natürlich auch beknackt für die Dozierenden, sich sowas ausdenken zu müssen.

Wie der Titel der Vorlesung schon sagt, geht es um das Instrumentarium, mit dem Kunst hergestellt wird. Klingt erstmal seltsam, aber ich weiß inzwischen, dass solche Wundertütenvorlesungen für mich ideal sind. So schön das war, sich zum Beispiel ein Semester lang exklusiv mit Cézanne zu befassen oder mit romanischer Architektur in Nordfrankreich, so viel habe ich aus Vorlesungen mitgenommen, die erstmal gefühlt ein irre großes Fass aufmachen. Meine bis heute liebste und die, bei der mir dauernd irgendwas wieder ins Hirn fällt, wenn ich irgendwo was angucke, ging über wichtige Ausstellungen des 20. Jahrhunderts – und da war alles dabei: fotografische Ausstellungen, Gemälde, koloniale Objekte und wie sich die Diskussionen darüber verschoben haben, die erste documenta oder grundlegende Ausstellungen wie When Attitudes Become Form (1969), die neue Präsentationsformen für Kunst erarbeitete. An jeder dieser Ausstellungen hing ein Rattenschwanz an Künstler*innen, Ideen, Denkweisen und Theorien, so dass ich viel mehr mitnahm als ich jemals erwartet hatte.

Ich ahne, dass diese Vorlesung eine ähnliche werden könnte, denn wenn man mit dem Werkzeug beginnt, kann man daran auch an vielem weiterdenken. Gestern sprachen wir ganz grundlegend über den Unterschied zwischen Werkzeugen und Instrumenten. Der Dozent begann mit Ernst Kapp, dessen Organprojektion davon ausging, dass die gesamte Welt um uns herum sich am menschlichen Körper orientiert bzw. eine Verlängerung oder Analogie zu ihm sei (Hammer – Hand, Fernrohr – Auge etc.). Eine Lexikon-Definion beschrieb den Unterschied zwischen Werkzeug und Instrument: Ein Werkzeug hinterlässt Spuren (Meißel), ein Instrument nicht (Lupe), wobei der Dozent meinte, bei einem Skalpell stoße diese Definition vielleicht an ihre Grenzen.

Wir hangelten uns ein bisschen durch die Geschichte von Werkzeugen und hörten, dass einige mittelalterliche Zünfte sich einmal beim Magistrat beschwert hätten, dass Maler ihre Werkzeuge, also die der Küfer oder Wagner, benutzten; anscheinend definierten sich Handwerke auch über ihre mechanischen Hilfsmittel und nicht nur über ihre Tätigkeit. Wir sprachen über den Konflikt der Renaissance zwischen disegno und colore, den ich schon im ersten Semester gelernt hatte, also dem Konflikt zwischen der Umrisszeichung, die dem Geist des Künstlers/der Künstlerin entspringt und damit einen höheren Wert habe als die olle Farbe, die von Gehilfen eingepinselt werden könnte. (Wolfgang Kemp hat das ganze etwas ausführlicher aufgedröselt. Herrn Kemp hatte ich euch gestern schon empfohlen, von dem Mann kann man halt auch alles lesen.) Dieser Konflikt zog sich bis in die Moderne; der Dozent zeigte uns eine weitere Karikatur, bei der sich Delacroix und Ingres duellieren, jeweils mit Pinsel oder Zeichenfeder bewaffnet.

(Ich habe keine Quelle gefunden. Böses Internet.)

Dieser grundlegende Konflikt spiegelte sich auch in der Ausbildung von Künstler*innen wider: In Frankreich war man für die theoretischen Grundlagen an der Akademie eingeschrieben und lernte das praktische Malen bei einem Künstler selbst im Atelier. Ingres war der Meinung, Malen ließe sich in wenigen Tagen lernen, das Wichtige sei die Zeichnung bzw. vor allem die Idee dahinter. (Ich verkürze hier alles sträflich. Bitte gehen Sie in die nächstgelegene Bibliothek und vertiefen das selbständig.)

Von der Ausbildung kamen wir auf die technischen Grundlagen der Werkzeuge. Hier veränderte die industrielle Revolution so einiges. Bei der Pinselherstellung merkte ich mir den völlig sinnlosen Fakt, dass im Italien des 15. Jahrhundert acht Eichhörnchen ihre Schwänze für einen Pinsel lassen mussten. Das war natürlich perfektes Twitter-Material, und ich glaube, das wird mein erfolgreichster Tweet in zehn Jahren, wenn man Likes und Retweets zugrunde legt. Social-Media-Managerinnen und lehrende Kunsthistorikerinnen aufgemerkt: Mit schrägem Quatsch kriegt man alle.

Zurück zur industriellen Fertigung: Nun konnten Borsten und Haare maschinell hergestellt werden. Die lustige Metallklammer, die man heute von Pinseln kennt, die die Haare festhält, stammt auch aus dem 19. Jahrhundert. Und: Auch Leinwände, Farbkästen und Paletten wurden nun Massenware, was auch dazu führte, dass viele Laien sich auf einmal in die Landschaft stellten und malten. Malen wurde bürgerliche Unterhaltung und Entspannung und verlor viel von ihrem Nimbus als geniale Meisterschaft. Wir sahen ein Bild eines englischen Herstellers, der zur Leinwand auf der Staffelei auch gleich den Sonnenschirm dazu anbot, der an der Staffelei befestigt werden konnte.

Auch Farben mussten nun nicht mehr mühselig angemischt werden. Farben, die chemische Elemente im Namen tragen, wie Chromgelb oder Kadmiumrot, sind Kinder des 19. Jahrhunderts. Marcel Duchamp, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts für seine Readymades rechtfertigen sollte, meinte spöttisch, da Farben und Leinwand auch schon „ready-made“ seien, also vorgefertigt und nicht mehr handgemacht, sei Ölmalerei eigentlich auch nur eine Assemblage von Readymades.

Ich saß zum Schluss mit glücklich-roten Bäckchen im Hörsaal, denn alle diese wunderbaren Geschichten waren genau das, was ich mir erhofft hatte: ein wilder Ritt durch verschiedene Themen, die mich alle zum Weiterdenken animieren. Nächste Woche: Paletten! Übernächste Woche: Pinsel! Ich bin sehr gespannt und habe hoffentlich noch ein paar Eichhörnchenfakten parat.

Was schön war, Dienstag, 17. April 2018 – Über Fotografie nachdenken

Gestern fand die Vorlesung statt, die letzte Woche ausfiel. Beim erneuten Betreten des Gebäudes fiel mir auf, dass ich mich bei der Schrift über dem Eingang arg verlesen hatte – da steht nicht Geisteswissenschaften, sondern Geowissenschaften, und schon machen die ganzen Geodenschaukästen deutlich mehr Sinn. Ähem.

Die Dozentin hatte gleich mit ihren ersten Sätzen bei mir gewonnen: „Diese Vorlesung heißt ‚Theorie und Geschichte der Fotografie‘ und das ist natürlich größenwahnsinnig.“ Auch wenn die Fotografie noch eine recht junge Kunstrichtung ist – und ob sie überhaupt Kunst ist, wurde auch recht lange diskutiert –, ist es nicht möglich, alle theoretischen Fragen zu ihr in elf Sitzungen abzuhandeln. Genau deswegen interessierte ich mich aber für diese Stunden, denn mit Bildtheorie habe ich mich nicht so oft beschäftigt. Mit den Akteuren und Akteurinnen anscheinend aber doch mehr als ich dachte, denn in der zweistündigen Übersicht über die kommenden Sitzungen kamen keine Namen vor, die ich noch nicht kannte. Das überraschte mich dann doch.

Zunächst sprach die Dozentin aber davon, dass Fotografie für sie auch deshalb interessant ist, weil sie keine „Meistererzählung großer Männer“ ist, was die Kunstgeschichte sonst gerne für sinnvoll hält (das ändert sich netterweise gerade). Außerdem ist die Fotografie ein Medium, mit dem sich auch andere Wissenschaften befassen, zum Beispiel die Politik- oder Naturwissenschaften sowie die Technikgeschichte. Überhaupt sei Fotografie eben nicht die Abfolge von Motiven und Stilen, die ich sonst aus der Kunstgeschichte kenne, sondern eher eine Entwicklung von Techniken und Möglichkeiten, die sich durchaus an aktuellen Zeitströmungen orientiert, manchmal aber auch bewusst von ihnen weggeht.

Sie zitierte Oliver Wendell Holmes, den Erfinder des Stereoskops, der bereits 1859 (!) davon sprach, dass es nur ein Kolosseum gebe, aber eine Billion Aufnahmen davon. Ihm war die Form dieses Bauwerks wichtiger als die Materie; er träumte davon, alle weltlichen Dinge abzulichten und so ihre Form zu erhalten, wenn auch nicht ihr stoffliches Dasein, denn das sei vernachlässigenswert. Bildagenturen entstanden sehr schnell; was wir heute mit einer Suche bei Google Images machen, gab es quasi schon Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das Zitat von Holmes, das wir auf der Folie sahen, stammt aus dem Buch Theorie der Fotografie von Wolfgang Kemp, den ich persönlich sehr gerne lese; ich gebe den Buchtipp einfach mal weiter. Ein etwas günstigerer Tipp wäre Peter Geimers Theorien der Fotografie von 2009, aus dem der schöne Begriff „Bilder durch Berührung“ stammt, mit dem er Fotografie von zum Beispiel Malerei abgrenzt.

In den kommenden Wochen beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Fotografie, über die ich so auch noch nicht nachgedacht habe. Wir beginnen mit der Fotografie als politisches Instrument, angefangen von Kriegsfotografie (der erste fotografisch festgehaltene Krieg war der Krimkrieg) bis hin zu heutigen Bildern des sogenannten Islamischen Staats, die nur produziert werden, um Schrecken zu verbreiten. (Susan Sontag: Das Leiden anderer betrachten.) Dann sprechen wir über den wissenschaftlichen Einsatz von Fotografie; wir sahen die bekannten Aufnahmen des galoppierenden Pferdes, die erstmals zeigen konnten, dass die Tiere bei dieser Gangart wirklich in einigen Augenblicken kein Bein am Boden mehr haben, was auch auf die malerische Darstellung von Pferden abstrahlte. Dass die Fotografie auch dazu genutzt wurde, angeblich wissenschaftliche Theorien zu bestätigen, lernten wir anhand von Aufnahmen aus einem französischen (oder englischen, ich habe nicht mitgeschrieben) Hospital, wo irgendein Arzt das Krankheitsbild der hysterischen Frau fotografisch belegen wollte.

Von da war es nur noch ein kurzer Weg zur Fotografie zur aufklärerischen Zwecken. Wir sahen die ersten Polizeifotos, die damals schon das heute bekannte Schema von Frontal- und Seitenansicht abbildeten (kurz vor der Jahrhundertwende, wenn ich mir das richtig gemerkt habe). Es gibt auch Aufnahmen von Ohren und Nasen der Kriminellen, was mich sofort an die Rasseklassifizierungen der Nationalsozialisten denken ließ.

Ich hatte mir aus einer anderen Vorlesung mal gemerkt, dass die Fotografie gerade im Weimar der 1920er Jahre eine recht weibliche Kunst war, was ich gestern ebenfalls hörte. Gerade weil die Fotografie eben nicht die erwähnte Meisterzählung der Kerle war, waren viele Fotokünstler weiblich. (Ausstellungskatalog Fotografieren hieß teilnehmen, das Inhaltsverzeichnis ist unten auf der Seite abrufbar.)

Dann ging es im Schnelldurchlauf durch die 1970er und 1980er Jahre, wo natürlich Richard Prince und Cindy Sherman erwähnt wurden sowie die Bechers und ihre diversen Schüler. Die Dozentin zitierte einen der vermutlich bekanntesten Becher-Schüler (und den teuersten), Andreas Gursky, der über die Bechers meinte, sie würden die Fotografie genau nicht so nutzen wie sie eigentlich zu nutzen wäre. Die Fotografie rühmt sich gerne, den einen besonderen Augenblick festhalten zu können, und genau so arbeiteten die Bechers mit ihren kühlen, stillen, minimalistischen Ansichten für die Ewigkeit gerade nicht.

Den Abschluss, und das fand ich bemerkenswert, werden dann Social Media und Selfies bilden. Bemerkenswert, weil sehr aktuell und noch nicht so recht kunsthistorisch eingeordnet und abgehakt. Das klang alles sehr spannend und ich freue mich auf die nächsten Wochen.

Schneller Apfelkuchen

Im Bild zu sehen ist der kleine Apfelkuchen (18-cm-Backform), den ich am Sonntag aus dem Ärmel gezaubert habe. Meine Apfelkuchenrezepte, die ich bisher hier gesammelt habe, dauern länger (Hefe) bzw. brauchen Zutaten, die ich nicht im Haus hatte (Marzipan), also googelte ich nach schnellem Apfelkuchen und landete beim Grandmaster Dr. Oetker. Ich habe das Rezept leicht verändert (frische Zitrone statt Aroma, hallo?!?), bin aber sonst sehr zufrieden mit diesen Vorgaben.

Die untenstehenden Mengenangaben passen für eine 26-cm-Springform; für die 18-cm-Form habe ich alles halbiert bzw. angepasst (ein Ei, ein Eigelb sowie zweieinhalb Äpfel).

750 g Äpfel (circa 4 Stück) schälen, vierteln, entkernen und die Stücke längs einschneiden. Das darf ruhig etwas gleichmäßiger sein als auf meinem Foto.

In einer Schüssel
125 g Zucker mit
125 g weicher Butter schaumig rühren. Nach und nach
3 Eier unterrühren.

200 g Weizenmehl, Type 405,
2 TL Backpulver und
1 Prise Salz unterrühren. Optional:
1 Päckchen Vanillin-Zucker. Ich habe das stattdessen in die Sahne geworfen, die nach dem Backen auf dem Kuchen landete.

Zum Schluss noch die
geriebene Schale von einer Bio-Zitrone sowie
2–3 EL Milch unterrühren.

Den Teig in eine gebutterte Springform füllen und die Äpfel möglichst dicht nebeneinander leicht in den Teig drücken. Im auf 175 Grad vorgeheizten Ofen für ca. 45 Minuten backen. Den 18-cm-Kuchen habe ich nach 40 Minuten rausnehmen können; die Stäbchenprobe hilft.

Zum Servieren mit Zimt und Zucker oder Puderzucker bestreuen. Ich will außerdem grundsätzlich Sahne zu Obstkuchen. Mir hat an dem Kuchen die gute Teig-Äpfel-Ratio gefallen, der hauchfeine Zitronengeschmack und dass der Teig kein trockenes Bett für die Früchte war, sondern eine lockere Ergänzung.

Was schön war, Freitag bis Sonntag, 13. bis 15. April 2018 – Nichts müssen

Über meinen Freitagvormittag im Kaffeeparadies bloggte ich bereits. Freitag nachmittag dachte ich, ich hätte einen Kundentermin, aber das habe ich anscheinend falsch verstanden, jedenfalls meldete der Kunde sich gegen 14.30 Uhr und wir verabredeten einen Termin für heute, womit ich Freitag extrem früh Feierabend hatte, denn alle anderen Kunden wollten auch nichts von mir.

Den Freitagabend verbrachte ich dann in äußerst angenehmer Gesellschaft von neun netten Leuten im Georgenhof und ließ mir mein kleines Schnitzel schmecken, auf das ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte. Das fotografierte Stückchen Fleisch ist wirklich die kleine Portion, die normale schaffe ich nie.

Nebenbei: Das Bierglas auf dem Bild stellte mir der Kellner so hin, das musste ich nicht mal drehen. Sympathiepunkte!

Die Gespräche waren unterhaltsam, spannend, lehrreich und lustig, das Augustiner vom Holzfass mundete ganz hervorragend, und so fiel ich erst gegen ein Uhr ins Bettchen. Am nächsten Morgen hatte ich ein winziges bisschen Kopfweh und war heiser – der Laden ist doch recht laut –, aber das war’s sehr wert.

Samstag morgen kaufte ich pflichtschuldig ein und lungerte dann den ganzen Tag auf der Couch rum. Ich las, döste wie immer bei der Bundesliga-Konferenz weg, guckte ein paar Serien und war abends zu faul zum Kochen (Avocado, Pimientos, Tomaten, Brot).

Gestern hatten F. und ich uns eigentlich zum Kunstgucken verabredet. Er hatte noch seinen Übernachtungsbesuch der letzten Tage zum Bahnhof gebracht und war dann zu mir gekommen. Wir redeten ein halbes Stündchen, bevor dem Herrn die schönen Äuglein zufielen, woraufhin ich ihn ins Bettchen steckte und auf dem Sofa Zeitung las. Irgendwann wurde ich hungrig, machte mir in der Küche ein Sandwich und dachte, ach, wenn ich eh schon am Herd rumstehe, um Bacon zu braten, kann ich auch gleich einen kleinen Apfelkuchen backen, über den sich F., seines Zeichens Apfelkuchenfan galore, eventuell freuen würde. Ich rührte Teig an, schnitt Äpfel, schob den Kuchen in den Ofen – F. schlief immer noch. Ich setzte mich an den Schreibtisch und las ein paar Aufsätze zu Technikbildern in der NS-Zeit – F. schlief immer noch. Ich daddelte ein bisschen Hay Day und Candy Crush, holte den Kuchen aus dem Ofen, instagrammte ihn – und in dem Moment trudelte eine DM von nebenan ein. Perfektes Timing.

Weil guter Kuchen auf schönen Geschirr noch besser schmeckt, holte ich Omis Geschirr aus dem Schrank, kochte F. einen Tee und mir selber eine Kanne Kaffee in der French Press, schlug Sahne und wir ließen es uns gut gehen.

Der Mann ging dann noch kurz ins Theater, ich guckte Serien und trank leichtsinnigerweise die ganze Kanne Kaffee. Daher wurde aus dem gemeinsamen Einschlafen auch eher: F. schlief und ich döste mit wirren Träumen bis gegen 2 Uhr, bis ich dann auch endlich wegnickte. Gelernt: Espresso kann mir gar nichts, Kaffee nach 16 Uhr vielleicht doch nur noch als Aeropress-Tassenportion und keinen Dreiviertelliter!

Aber: drei Espresso

Ich habe endlich im Duden nachgeschlagen, ob es Espressos oder Espressi heißt. Ich bin mir weiterhin nicht sicher, siehe Link.

Sebastian Baden: Das Image des Terrorismus im Kunstsystem

Der Sehepunkte-Newsletter verwies mich auf ein Buch, das interessant klingt. Die Rezension stammt von Verena Straub (FU Berlin).

„Unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden Stimmen laut, die eine Nähe zwischen den Terrortaten und der Avantgardekunst beschworen, deren Vertreter mitunter als Wegbereiter des modernen Terrorismus gehandelt wurden. Angefeuert wurde diese Debatte vor allem durch den Kommentar des Komponisten Karlheinz Stockhausen, der die Flugzeugeinstürze auf die Türme des World Trade Centers in New York als „das größte Kunstwerk“ bezeichnete „das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos.“ Diese viel kritisierte Aussage Stockhausens bildet auch den Ausgang und wiederkehrenden Fixpunkt in Sebastian Badens Monografie Das Image des Terrorismus im Kunstsystem (2017), das als überarbeitete Fassung seiner Dissertation erschien. Eine Motivation seiner Untersuchung bestand darin, so schreibt der Kunsthistoriker in seiner Einleitung, „nachvollziehbar zu machen, welche dem Kunstsystem immanenten Beweggründe den Komponisten – und nicht nur ihn – zu seiner künstlerischen Eifersucht auf den Terrorismus veranlassten“ (44). Herausgekommen ist eine umfangreiche Studie, die das komplexe Verhältnis zwischen politischem Terrorismus und Kunstsystem multiperspektivisch aufarbeitet.“

Mein Roboter und ich

Eine Redakteurin des SZ-Magazins begleitet einen kleinen Lieferroboter. Ich mochte vor allem die Filme, denn sie spielen in meiner ehemaligen Nachbarschaft in Hamburg. Ich hätte mir Pizza vom Roboter liefern lassen können!

„Auf unserem Planeten ist das Ziel nun, dass Roboter wie 6D88 bald eigenständig Dinge transportieren: Sushi vom Restaurant ins Büro, Medikamente von der Apotheke zum Grippekranken, Chardonnay vom Weinhändler zum Abendessen daheim, Pakete von der Post zum Besteller. Das letzte Stück, die letzte Meile bis zum Endkunden, soll die erste werden, auf der Maschinen Menschen ablösen. Starship Technologies ist nicht das einzige Unternehmen mit diesem Vorhaben, aber das größte. Mittlerweile arbeiten rund 200 Mitarbeiter und genauso viele Roboter in Deutschland, Estland, England und den USA auf diese Vision hin, gemeinsam haben die Roboter weltweit schon mehr als 100.000 Kilometer zurückgelegt. Weil sie das zumindest in Deutschland gesetzlich noch nicht allein dürfen, müssen Menschen sie begleiten. Menschen wie ich. Ich bin gewissermaßen ein Zwischenschritt Richtung Zukunft, ein Steigbügelhalter der Robotisierung.“

Frühlingszwiebel-Fladen (Cong you bing)

Das Rezept hatte ich bereits einmal vom Blog Delicious Days nachgekocht, aber so richtig gut habe ich die Pfannküchlein nicht hinbekommen. Keine Ahnung, warum es mit dem Rezept aus Immer schon vegan – Traditionelle Rezepte aus aller Welt. Echter Geschmack ohne Ersatzprodukte! besser geklappt hat, aber ich beschwere mich nicht. Ich verlinke Delicious Days trotzdem noch mal, weil dort die Phasenfotos so schön erklärbärig sind. Und weil die Verfasserin wirklich gut kochen kann; das lag natürlich an mir und nicht an ihrem Rezept, dass der erste Versuch eher so meh war.

Ich habe statt des Grüns von Frühlingszwiebeln Bärlauch verwendet, der gerade Saison hat.

200 ml Wasser aufkochen.
300 g Mehl, Type 550 (ich Blindfisch habe aus Routine zum 405er gegriffen, das ging auch) mit
1 TL Salz vermischen. Dazu
150 ml kochendes Wasser geben und schnell vermischen (zum Beispiel mit den Teighaken des Mixers), dann die restlichen 50 ml hinterherkippen und einarbeiten. In gut fünf Minuten einen glatten Teig kneten, der nicht mehr an den Händen klebt. Zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie einwickeln und 30 Minuten lang bei Raumtemperatur rumliegen lassen.

1 Bund Bärlauch (oder das Grün von vier Frühlingszwiebeln) waschen, trockentupfen und in sehr feine Streifen schneiden. Ich habe erstmal ein halbes Bund gehackt, weil es so aussah, als würde es locker reichen. Überraschung: tut es nicht.

Für den Dip
2 EL helle Sojasauce mit
2 TL hellem Reisessig und
2 EL Wasser verrühren. Dann
frischen Ingwer nach Geschmack reinreiben; im Buch wird ein halber Teelöffel empfohlen, bei mir war’s ein ganzer.

Die Teigkugel in acht gleiche Teile teilen, zu Kugeln formen, flachdrücken und dünn und rund auf eine Größe von circa 12 bis 15 Zentimeter ausrollen. Die Größenangaben fand ich sehr hilfreich, ich glaube, daran bin ich letztes Mal gescheitert; meine ersten Pfannkuchen waren zu dick.

Wer mag, bepinselt die Fladen nun dünn mit
geröstetem Sesamöl. Ich habe den Schritt übersprungen, denn ich hatte beim letzten Mal das Gefühl, dass ich dadurch den nun glitschigen Teig nicht mehr so gut formen konnte. (Könnte auch Einbildung gewesen sein.) Wer den Sesamölgeschmack vermisst, kann ein bisschen davon ins Dressing geben; das habe ich gemacht.

Ob geölt oder nicht: Nun das Frühlingszwiebelgrün oder den Bärlauch auf den Pfannkuchen geben. Den Teigfladen eng zu einer Zigarre zusammenrollen und aus ihr eine Schnecke formen. Das Ende unter die Schnecke stopfen; auch das war ein guter Tipp im Buch, denn dadurch kriegt man die Fladen beim jetzigen erneuten Ausrollen besser rund hin. Ja, klingt wie ein Idiotentipp, aber manchmal brauche ich halt Idiotentipps. Dieses Mal nur circa 8 bis 10 Zentimeter breit ausrollen. Ach ja, und die Arbeitsfläche sollte sehr gut bemehlt sein, immerhin das merke ich meist selber.

In einer Pfanne bodenbedeckt
neutrales Öl erhitzen (bei mir helles Sesamöl) und die Fladen darin bei mittlerer Hitze von jeder Seite für ungefähr zwei Minuten ausbacken. Dabei gerne mal die Pfanne schwenken und rütteln. Auf Küchenpapier abtropfen lassen, neues Öl in die Pfanne, weiterbacken.

Zum Servieren die Fladen übereinander legen und vierteln. Noch heiß mit dem Dip genießen.

Was schön war, Freitag, 13. April 2018 –
I want to thank the Academy

Auf den gestrigen Vormittag hatte ich mich schon länger gefreut, denn die Dallmayr Academy hatte mich auf eine kurze Schulung eingeladen. Anders ausgedrückt: Ich habe zwei Stunden lang Espresso getrunken, weil’s so lecker war und ich werde nie wieder schlafen.

Wir tranken den Espresso Barista, der fieserweise nur für die Gastronomie angeboten wird, wie der Schulungsleiter erzählte. Der Mann kam ansonsten zunächst kaum zu Wort, weil ich dauernd total wichtige Fragen hatte, die sich mir stellten, seit ich selber wieder an einer Siebträgermaschine stehe, wenn auch nur für den Hausgebrauch: Warum ändert der Mahlgrad den Geschmack? Wie sieht die perfekte Crema aus? Wie hoch sollte der Druck beim Tampern sein? Und wie, verdammt, kriege ich diesen fiesen Milchschaum hin, um endlich ein Herz auf meinen Flat White zu malen? Wobei ich gestern auch lernte, dass ich die ganze Zeit Cappuccino mache und keinen Flat White. Ein Flat White besteht aus zwei Espressos, der Cappucchino nur aus einem. Plus Milch und Schaum und Zeug halt. Ich lernte außerdem, dass der Cappuccino, den ich vor 25 Jahre in der Gastro zubereitet habe, heute eher nicht mehr serviert wird – also mit der heißen Milch, dem riesigen fluffigen Schaumball oben drauf und womöglich noch mit Kakaopulver. Ein Cappuccino sieht fast so aus wie ein Flat White, hat aber nicht so viel Wums.

Aber erstmal wurde mir ein Espresso gereicht, der hervorragend schmeckte. Dann änderte der Schulungsleiter den Mahlgrad und wir guckten, was passierte. Zunächst wurden die Kaffeebohnen gröber gemahlen, was zur Folge hatte, dass der Espresso viel schneller durchlief als vorher und wässrig nach kaffeeartigem Nichts schmeckte. Feiner gemahlen schien er total widerwillig und fast schwarz in der Tasse zu landen und war bitter und fies. Als Regel für guten Espresso nahm ich mit: 8 Gramm Kaffeemehl für einen Espresso, 16 bis 18 Gramm für zwei, 90 bis 92 Grad heißes Wasser, das mit 9 bar Druck in 20 bis 25 Sekunden ein Getränk zaubert. Druck und Brühzeit kann ich an meiner Maschine nicht einstellen, bei der Wassertemperatur bin ich mir nicht sicher, womit ich eigentlich schon verloren habe, aber ich werde mal die Stoppuhr mitlaufen lassen, wie lange mein Maschinchen eigentlich so arbeitet.

Ich lernte, wie eine gute Crema aussieht (geschlossen, haselnussbraun) und dass zu frischer Kaffee nicht schmeckt, denn direkt nach der Röstung enthalten die Bohnen noch zu viel Kohlendioxid, das erst entweichen muss. Ich lernte, was die Unterschiede zwischen Arabica (fruchtiger) und Robusta (erdiger) sind und dass Robusta gerne als Würze dazugegeben wird, weil diese Sorte dem Kaffee mehr Körper verleiht. Ich lernte, was Kaffee-Varietäten sind. Neben diesen ganzen Perlen der Weisheit wurden 20 Tässchen Espresso und Cappuccino zubereitet und ich nippte und kostete und trank schließlich ganze Tassen, denn wozu bin ich sonst hier. *hibbel*


Gerade beim Milchschäumen schaute ich natürlich ganz genau hin und ahne jetzt, wo mein Problem liegt. Ich produziere seit 500 Espressos immer Milch mit Schaum obendrauf, aber ich brauche quasi dickflüssige Milch. Also eine Konsistenz, nicht zwei. Vollmilch statt H-Milch ist klar; der Schulungsleiter meinte, H-Milch schmecke wie entzündeter Kuheuter, was ich nicht ganz so abnicken würde, aber jetzt will ich nie wieder H-Milch trinken. Was ich in meinen letzten Probewochen schon festgestellt habe, meinte der Herr ebenfalls: Die Milchsüße reicht völlig aus, man braucht wirklich keinen Zucker mehr. Für diese Süße darf die Milch aber nicht zu heiß sein, was übrigens auch für die Konsistenz wichtig ist. Da habe ich instinktiv (aka nach dem Anschauen von 50 YouTube-Videos) schon viel richtig gemacht: Beim Aufschäumen dauert die Ziehphase nur ganz kurz – also die Phase, wo man mit der Dampflanze im Edelstahlkännchen lustige Geräusche macht –, während die Rollphase nur so lange dauern sollte, bis die Milch höchstens 70 Grad heiß wird; das Kännchen kann man noch so gerade mit der Hand anfassen, es ist aber schon spürbar heiß. All das kriege ich zuhause auch hin, aber trotzdem: Diese Fluffigkeit, die ich gestern anschauen und genießen durfte, scheint für mich noch in weiter Ferne zu sein. Ich glaube, ich muss dringend die Barista-Schulung buchen. Oder ernsthaft in eine andere Maschine für zuhause investieren, aber dagegen sträube ich mich noch etwas. Die ist doch erst zwei Monate alt! Ich gebe mir noch weitere 500 Espressos und dann denke ich nochmal drüber nach.

Ich hatte viel Spaß und habe viel gelernt, auch wenn mir das Herz dabei geblutet hat, wieviel Kaffee wir gemahlen und verwendet haben, der teilweise als schlechtes Beispiel dienen musste wie bei dem falschen Mahlgrad. Außerdem habe ich natürlich beim Latte-Art-Machen dem Schulungsleiter nie auf die Finger geguckt, sondern total fasziniert dem Bild auf der Crema, ich Hirn. So lerne ich das natürlich nicht. Das war für gestern aber auch gar nicht der Plan, ich durfte einfach gucken und Fragen stellen. Hab ich gemacht. Ich habe seit den vielen guten Espressos vor Ort aber noch keinen weiteren zuhause angesetzt. Ich trau mich jetzt gerade nicht mehr. (Gebt mir noch einen Tag.)

Was mir auch viel bedeutet hat: dass wir über Nahrungsmittel als Genuss gesprochen haben. Klar ist eine Siebträgermaschine aufwendig, aber man wird für seine Arbeit, die ja eher ein Ritual ist, belohnt, man schmeckt, was man in der Tasse hat. Das ist ein anderer Schnack als das Gebräu aus der 20-Euro-Büro-Kaffeemaschine. Aber wenn einem das reicht, ist das völlig in Ordnung. Wem das nicht reicht, der rüstet halt ein bisschen auf. Selbst eine Billo-French-Press macht schon guten Kaffee, wenn man sich ein bisschen Mühe bei der Zubereitung gibt. Es muss nicht die 10.000-Euro-Maschine sein, ein bisschen Sorgfalt und Beschäftigung mit dem Produkt bringen einen schon sehr viel weiter. Das habe ich in den letzten Monaten selbst erfahren, aber ich fand es schön, mit einem Kaffeeprofi darüber zu sprechen, was für ein Genuss es immer wieder ist, genau das zu tun: Beschäftigung mit dem Produkt. Selbst mit so etwas Alltäglichem wie dem Morgenkaffee. Es geht immer besser und es lohnt sich immer wieder.

Ich füge hier wie immer bei sentimentalen Futter-Blogposts meinen Hinweis auf das Foodcoaching von vor jetzt schon fast zehn Jahren ein, das mein Leben verändert hat und es immer noch weiter verändert. Ich habe noch so viel zu entdecken, und genau wie ich Donnerstag so begeistert davon war, dass mich jemand an seinen kunsthistorischen Erkenntnissen teilhaben lässt, so war ich es gestern, als es um den Mahlgrad von Kaffeebohnen ging. Es braucht echt nicht viel für einen guten Tag, habe ich mal wieder gemerkt. Schlaue Menschen, gute Produkte. Und irgendwas, das nach Schokolade schmeckt, okay.

PS: @DonnerBella fragte neulich nach persönlichen Macken und ich antwortete, dass ich damals in der Gastro gelernt hatte, dass das Etikett (auf Flaschen, Gläsern, dings) immer zum Gast zeigen sollte, damit der sieht, dass er auch das richtige Bier vor sich stehen hat. Diese Art, Biergläser oder Weinflaschen auf Tische zu stellen, habe ich mir auch im Privatleben angewöhnt; wenn ich ausgehe, drehe ich mein Glas immer so, dass ich aufs Label schaue. Gucken Sie beim letzten Foto mal, wo der Firmenname steht und von wo man das Bild auf der Crema am besten sieht. Spontane Zuneigung!

PPS: Am späten Nachmittag ein Nickerchen gemacht. Ten espressos got nothing on me.

PPPS: Diesen Blogeintrag schrieb ich bereits gestern nachmittag. Eben habe ich mir meinen üblichen Morgenkaffee zubereitet. … Ich kaufe jetzt eine neue Siebträgermaschine. Und eine elektrische Kaffeemühle (sorry, Opa). Verdammt.

Was schön war, Donnerstag, 12. April 2018 – Endlich wieder Uni!

Morgens hatte ich beim Espressokochen einen Gast in der Küche: die erste Wespe der Saison hatte sich an meine Fensterfront verirrt und fand trotz vieler guter Worte nicht wieder hinaus. Ich weiß nicht, was an meinem Kommando „Flieg nach rechts, du Honk!“ so unverständlich ist, aber es brauchte zusätzlich die Hilfe von zitternd wedelndem FAZ-Altpapier, um das Tier lebend wieder nach draußen zu kriegen. Ich stellte befriedigt fest, dass meine sinnlose Panik vor Wespen mit dem Alter abnimmt. Wo ich mit 20 die Küche verlassen und sie erst nach Wochen wieder betreten hätte und mit 40 die Viecher panisch mit Telefonbüchern zerquetschte (erinneren Sie sich noch? Telefonbücher! Die konnte man werfen), kann ich heute total entspannt … äh … okay, im Biergarten bin ich immer noch schissig. Aber auch da bin ich inzwischen zu einer Art widerwilliger Toleranzhaltung übergegangen und habe immer ein billiges Taschenbuch dabei, mit dem ich meine Maß abdecke anstatt den Tisch schreiend zu verlassen.

Der Tag ging dann nicht ganz so gut weiter, denn ich hatte mich auf einen Vormittag in der Stabi gefreut, aber ein Kunde brauchte dringend noch ergänzende Websitetexte (die Site soll heute online gehen), daher musste ich das verschieben. Trotzdem war ich trauriger als ich dachte, was mich noch trauriger machte. Aber ich hatte ja etwas, auf das ich mich vorfreuen konnte: eine Vorlesung an der Uni, schön im Hauptgebäude, noch schöner in einem Hörsaal im Erdgeschoss, so dass ich keine acht Millionen Stufen aus dem 19. Jahrhundert hochsteigen muss.

Da ich den Dozenten und seine Anhänger*innenschar im Seniorenalter schon kannte, war ich für die Vorlesung um 12.15 Uhr um 11.45 im Saal – der schon zu einem Drittel von Menschen mit weißen und grauen Haaren gefüllt war. Alles wie immer also. So laut (innerlich!) lästern wie sonst konnte ich jetzt aber nicht mehr, denn ich war nun quasi eine von ihnen. Ich bin nicht angemeldet, ich brauche keine ECTS-Punkte mehr, ich sitze hier nur, weil ich immatrikuliert bin und verdammt noch mal was lernen will. Aber eventuell muss jemand auf den Stufen sitzen, weil ich schön bequem um 11.45 von zuhause anradeln kann und nicht durch die halbe Stadt hetzen musste, um überhaupt pünktlich von einer Veranstaltung zu nächsten zu kommen. Die Vorlesung war aber dann doch nicht so grenzwertig ausgebucht wie ich es von diesem Dozenten gewöhnt bin, weswegen ich kein schlechtes Gewissen mehr haben musste und mich ohne Klausurenstress entspannt zurücklehnen konnte.

Das Thema: Landschaftsmalerei vom 14. bis zum 19. Jahrhundert. Dass die Landschaftsdarstellung aber schon früher losging, war das Thema der ersten Sitzung. Wir sahen ägyptische Papyrii mit Abbildungen von Flussufern, hörten einen der Briefe des Plinius, in dem er sein eigenes Anwesen und dessen ländliche Schönheit beschreibt, und bewunderten das Palestrina-Mosaik sowie das Mosaik des Apollinaris in Sant’Apollinare in Classe bei Ravenna. Die beiden letzten waren die einzigen Werke, die ich mir notierte, ansonsten hörte ich einfach zu und freute mich darüber, einfach zuhören zu können. Das war so herrlich, den Kopf wieder mit schönen Dingen vollzupacken und jemanden vor sich zu haben, der einen mal eben so 90 Minuten lang an seinem Wissen teilhaben lässt. Wie sehr ich das vermisst hatte, merkte ich erst, als die Vorlesung anfing und ich vermutlich ähnlich gespannt da saß wie in meiner allerersten Studiumsstunde.

Wobei ich ergänzen möchte: Ich kann auch in der Werbung meinen Kopf mit schönen Dingen vollpacken. Klar arbeite ich teilweise auf Kunden oder für Branchen, die ich kenne und die mich daher nicht so irre herausfordern. Aber es kommen immer neue Kunden dazu, für die ich über Dinge nachdenke, die ich vorher nicht kannte. Davon habe ich netterweise auch gerade ein paar, und bei dieser Art Text oder Konzeption bin ich ähnlich freudig wie bei Kunstgeschichte. Weil es eben neu ist und spannend und ich was lerne.

Den geplanten Stabi-Besuch erledigte ich statt wie geplant vor der Vorlesung danach. Ich musste ein Buch zurückbringen und hatte mir weitere Bücher im Lesesaal zurücklegen lassen. Nicht für die Diss, sondern: für mein Patenkind. Das wird demnächst konfirmiert und ich möchte ihr etwas schenken, das einen Bezug zu Gott oder den biblischen Geschichten hat, aber auch etwas mit mir zu tun hat. Da liegen künstlerische Darstellungen von Bibelinhalten ja doch recht nahe. F. schlug die Bibel von Chagall vor, aber den Herrn mag ich nur so halb, also googelte ich wild in der Gegend herum und stieß auf Bild und Botschaft – eine Reihe von Vorträgen, die zu Werken gehalten werden, die hier in München in den Pinakotheken hängen und die es teilweise als Buch gibt. Bisher sind drei Bände erschienen, die ich mir alle in die Stabi bestellte, um zu gucken, ob die was taugen. Tun sie, wie ich seit gestern weiß. Im ersten Band geht es um das Leben Jesu, wenn ich mich richtig erinnere, und es ist unter anderem der Columba-Altar von Rogier von der Weyden zu sehen, den ich dringend mal wieder angucken muss (werd endlich fertig mit dem Umbau, Alte Pinakothek!). Im zweiten Band geht es um biblische Geschichten und Gleichnisse (hier freute ich mich über Raphaels Heilige Familie) und im dritten um Heilige oder biblische Persönlichkeiten. Dort findet sich auch Dürers Selbstporträt, das bewusst (und für damalige Verhältnisse recht großkotzig) an Jesus-Darstellungen erinnert. Mein geliebter Lotto kommt leider nirgends vor, aber mit den drei genannten, die zu meinen Favoriten gehören, war ich auch zufrieden.

Die Texte sind recht kurz und erläutern einmal die betreffende Bibelstelle oder die historisch-kirchliche Erzählung – ich gebe zu, das habe ich alles nur überflogen, denn ich wollte wissen, ob die Dinger einen kunsthistorisch weiterbringen. Ich glaube, sie regen mindestens zum genauen Hinschauen an, und das ist schon sehr viel, wie ich finde.

Ich las noch in zwei Büchern zur Diss, war im Kopf aber schon im Buchladen, wo ich die drei Bücher bestellen wollte. Die Dame an der Kasse suchte sie beim Großhändler und fand sie nicht. Auf meinen zarten Hinweis, dass ich sie bei Amazon gesehen habe und sie daher noch lieferbar sein müssten, googelte sie und landete beim Verlag. Dort rief sie kurzerhand an und fragte, ob sie die Bücher bestellen könne. Konnte sie, und ich kann sie vermutlich übermorgen abholen.

Aus der Packstation holte ich mir noch ein Kleidungsstück, das ich auch für die Konfirmation brauchte und freute mich zuhause sehr, dass es passte. Derart gut gelaunt begann ich mir eine kleine *hust* Mahlzeit zuzubereiten. Die wunderbaren Frühlingszwiebel-Pfannkuchen aus Immer schon vegan waren bei mir mit Bärlauch, ich verblogge das Rezept noch.

Ich arbeitete noch ein bisschen vor mich hin, und den Abend verbrachte ich mit Zeitung und Buch auf der Couch. Mir ging es viel besser als morgens, was mich sehr freute. Fehlt nur noch ein F., aber der war unterwegs und konnte meinem Quengeln nach Kuscheln nicht nachkommen. Dann halt heute.

Was schön war, Mittwoch, 11. April 2018 – Stromzählerwechsel

Auf der Morgenrunde wird es spürbar voller – der Frühling ist da. Mir ist gestern aufgefallen, dass ich vermutlich total motivierend für andere bin, denn mich überholen alle. Alle! Ich habe noch nie jemanden überholt, aber ich ahne, dass das den eigenen sportlichen Fähigkeiten immer einen kleinen Schubs gibt. Geht mir jedenfalls so, wenn ich auf dem Radweg jemanden rechts liegen lasse. (Wenigstens da bin ich manchmal schneller als andere.)

Nach dem Duschen und Bloggen ging ich wieder aus: zum Bäcker, wo ich frisches Brot und zwei Brioche kaufte, auf die ich spontan Lust hatte. Dazu wollte ich mir endlich meinen Morgenkaffee zubereiten, auf den ich nun seit über zwei Stunden wartete. Ganz wach war ich aber anscheinend doch noch nicht.

Nach dem Sofa-Frühstück ging ich an den Schreibtisch, wo mehrere Kunden etwas von mir wollten. Ich textete vor mich hin, dachte über andere Texte nach und malte lustig mit Bleistiften in Kundenunterlagen rum, bis es kurz vor 11 war.

Mein Stromversorger hatte mir vor Wochen per Brief angekündigt, dass sie meinen Zähler auswechseln würden. Falls sich der nicht in meiner Wohnung befände, könnte mir das egal sein, aber falls ich dabei sein wollte – hier ist der Termin: 11. April, zwischen 11 und 13 Uhr. Vielleicht könnte ich den Jungs (oder Mädels) wenigstens die Haustür aufsummen, ansonsten bitte neuen Termin vereinbaren. Ach ja, und der Strom wäre in der Zeit weg, ist klar, gell?

Ich las den Brief, ging davon aus, zuhause zu sein und stellte mir dann die entscheidende Frage: Wo ist eigentlich mein Stromzähler? Ich schaute in meine Abstellkammer als einzig möglichen Ort, sah aber nur den Sicherungskasten. Vorsichtshalber guckte ich noch hinter die Berge an Kleidung und Ikeaboxen, aber nein, kein Stromzähler. Dann ging ich im Geist unsere diversen Kellerräume durch, konnte mich aber an keinen Zähler erinnern.

Womöglich ist er in meinem eigenen Kellerabteil? Dazu muss man wissen, dass ich das Pech habe, in diesem Mehrfamilienhaus das Kellerabteil zugeteilt bekommen zu haben, in dem sich der Hauptwasseranschluss befindet (und, wenn ich den Kasten richtig interpretiere, auch der Kabelanschluss). Das heißt, der Hausmeister und die Verwaltung haben einen Schlüssel zu meinem Abteil, damit sie notfalls Handwerkerinnen reinlassen können. Damit habe ich kein Problem, aber ich muss meinen Kram halt so stapeln oder anordnen, dass man an die Anschlüsse rankommt. Damit habe ich ein Problem, denn in meiner Wohnung ist schlicht nicht so viel Platz. Ich habe zwar vor dem Umzug aus Hamburg recht gut kalkuliert, wofür ich Platz habe und wofür nicht, aber ein paar Kisten stehen jetzt halt doch im Keller rum. Und mein gelieber grauer Ikea-Ohrensessel. Und meine Weinregale. *seufz* Dass die Handwerkerinnen keine Lust haben, Dinge kurz zu verschieben, je nachdem, an welchen Anschluss sie müssen, habe ich neulich gemerkt, als ich auf meinem Sessel einen staubigen Fußabdruck entdeckte. *knurr*

Daher ging ich zur Sicherheit noch einmal in mein Abteil und guckte, ob ich vielleicht auch den Stromzähler zugebaut hatte. Hatte ich nicht, weil er nicht in meinem Abteil war. Ich ging durch alle mir bekannten Räume – kein Zähler. Dann schloss ich einfach mal ein paar Türen auf, zu denen mein Kellerschlüssel passte und guckte in unserem Kellerlabyrinth rum – kein Zähler. Ich war hochgradig verwirrt, schloss die Kellertür hinter mir – und zum ersten Mal fiel mir eine weitere Tür neben der Kellertür auf, auf der praktischerweise ein Schild angebracht war: Zählerraum. Okay then.

Ich saß also am Schreibtisch und bereitete mich auf schreckliche zwei Stunden ohne Strom vor. Mein Rechner war voll aufgeladen, es war nichts Lebenswichtiges im Kühlschrank, aber ich musste mir dringend noch einen Kaffee kochen, denn auch der Wasserkocher war nun EWIG nicht einsetzbar. Dafür benutzte ich mal wieder meine neue Aeropress, wog keine Bohnen mehr ab (die Menge habe ich inzwischen drauf), wog auch kein Wasser mehr ab (ich fülle das Wasser immer in ein kleines Kännchen, wodurch es sich auch etwas abkühlt, was es soll, und das Kännchen hat eine Einbuchtung, bis zu der es ungefähr 200 ml sind), überprüfte kurz die Temperatur (passt) und goss den Kaffee auf. Und dann passierte etwas, auf das ich seit Wochen warte: Ich schmeckte Schokolade raus.

Seitdem ich mich länger und intensiver mit den Produkten Kaffee und Espresso befasse, warte ich darauf, mal etwas anderes als Frucht zu schmecken, wenn ich ihn trinke (oder schnuffiges Milcharoma beim Flat White). Ich kaufe immer die Packungen, auf denen was von Schokolade steht, denn … nee, das muss ich nicht erklären, oder? Schokolade! Das beste Aroma von allen! Unverzichtbar für mein Seelenheil! Aber: Ich hatte sie noch nie wirklich rausgeschmeckt. Bis gestern, als ich am Schreibtisch saß, um mich herum Werbezeug, vor mir das elektrische Armageddon, gerade noch den Kaffeepuck aus der Aeropress in den Abfall geploppt, kaum aufmerksam für mein Getränk, das ich auch schon dutzende Male zubereitet hatte – und da schmeckte ich Schokolade. Das war so toll! Vielleicht muss man sich an Kaffee genauso rantrinken wie an Wein, keine Ahnung. Ich freute mich sehr, spürte der Schokolade noch nach, wollte gerade eine triumphierende DM an F. schreiben – als meine Schreibtischlampe ausging.

An die hatte ich natürlich bei meinen Vorbereitungen auf die Endzeit nicht gedacht. Es ist nicht so, dass ich an meinem Schreib-/Küchentisch tagsüber sonst nichts sehe, aber ich arbeite gerne bei Licht. Also schrieb ich das an F., überdachte die Möglichkeit von meinen silbernen Kerzenleuchtern als Ersatz, legte mich im Geist aber eher für zwei Stunden Pause auf die Couch – als die Schreibtischlampe wieder anging. Der Zählerwechsel hatte augenscheinlich keine zwei Minuten gedauert. Also keine Pause, sondern weiter im Text. Auch gut. MEHR KAFFEE!

Nachmittags ging ich zur Packstation, um, äh, also, ich weiß auch nicht, wer das bestellt hat, aber, Espressobohnen abzuholen. Natürlich musste ich die sofort antesten und stellte erfreut fest, dass die Packung gleich eine Art Verschluss mitbrachte. Nur einen Draht-Papier-Bügel, um sie überhaupt zu verschließen, aber besser als nichts. Meine anderen Kaffeepackungen sind mit fies bunten Klipsverschlüssen abgedichtet, die ich nicht wirklich mag, die aber da waren (Leihgabe von F.), und ich denke über eine Batterie an formschönen Dosen nach. Ist klar.

Der Espresso wird unter anderem mit dem Aroma „Nougat“ beschrieben, weswegen ich ihn orderte; so ganz glaubte ich aber nicht daran. Vielleicht war aber der Schokokaffee vom Nachmittag der Durchbruch, jedenfalls konnte ich einen Hauch Nougat schmecken oder bildete mir das wenigstens ein. Ich zwang mich, nicht sofort noch einen Flat White anzusetzen, denn irgendwann wollte ich auch noch schlafen.

Das tat ich während des Champions-League-Viertelfinales zwischen Bayern und Sevilla, in dessen 80. Minute ich langsam wegdöste. Ich wechselte ins Bett und schlief brav durch.

Tagebuch, Dienstag, 10. April 2018 – Pseudostudentin

Da mein Gehirn bei Werbung relativ schnell mit den Augen rollt, ich aber nicht dauernd in Archiven rumsitzen kann, um meinen grauen Klumpen glücklich zu machen, möchte ich in diesem Semester wieder ein paar Vorlesungen besuchen. Das wird großartig: Ich muss nichts mitschreiben, ich muss keine Lernkärtchen basteln, ich muss theoretisch nicht mal mitdenken, ich kann da wie bei einem Diavortrag sitzen und mich berieseln lassen, denn ich muss keine beknackte Klausur mehr am Semesterende über den Stoff schreiben, den ich, wie ich nach elf Semestern weiß, sowieso sofort wieder vergesse, sobald ich den Prüfungsbogen abgegeben habe. Leider. Aber mal sehen – vielleicht bleibt ja was hängen, wenn ich weiß, dass eigentlich nichts hängen bleiben muss.

So radelte ich gestern frohgemut in die Luisenstraße in ein für mich neues Gebäude, wo, soweit ich weiß, schon seit letztem Semester Vorlesungen für uns Geistis stattfinden. In den Schaukästen neben den Hörsälen liegen aber immer noch lauter Geoden und Zeug; so ganz sind die Geologinnen wohl doch noch nicht umgezogen. Vielleicht teilen wir uns das Gebäude auch, aber es steht was von Geisteswissenschaften über dem Eingang. Egal. Ich radelte dort also hin, fand auch dank LMU-Raumfinder online den Hörsaal sofort, öffnete die Tür – und sah niemanden. Okay, es war fünf vor zehn, die Vorlesungen gehen mit akademischem Viertel los, aber das Thema ist so anfängerinnen-kompatibel, dass ich auf einen recht vollen Hörsaal getippt hatte. Hm.

Ich ging wieder vor die Tür, wo noch andere Studis warteten und fragte, ob sie eine Mail bekommen hätten, dass die Vorlesung ausfalle. Ich hätte sie auf keinen Fall bekommen, denn ich hatte mich schließlich gar nicht angemeldet. Alle verneinten. Ich guckte im Blog des Instituts nach – nichts. Ich schaute noch einmal bei LSF, dem elektronischen Vorlesungsverzeichnis, nach – nichts. Also setzte ich mich in den Hörsaal und zückte mein Buch, andere taten es mir gleich, und bis 10.25 Uhr saßen mit uns noch ungefähr 30 weitere Leute sinnlos rum, bis eine junge Dame vor mir meinte, sie hätte noch gar nicht in ihre Mails geguckt … ah ja, da ist ja die Absage, schon gestern abend, hihi. (Augenrollen bei der alten Frau hinter ihr, die sich zum wiederholten Male fragte, warum niemand seine Mails checkt.)

So radelte ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause und hatte nichts über Fotografie gelernt. Auch heute werde ich nichts lernen, denn die Vorlesung, die ich mir für Mittwoch rausgesucht hatte, beginnt erst nächste Woche. Das steht immerhin schon im LSF, sonst wäre ich heute nochmal umsonst zur Uni gefahren.

Why Scientists Are Battling Over Pleasure

Verschafft es eine andere Art von Befriedigung, Kunst anzuschauen oder ist dieses Glücksgefühl vergleichbar mit gutem Essen oder Sex? Die Neurowissenschaft diskutiert.

„The arguments over Dr. Christensen’s paper pointed to disputes within the emerging field of neuroaesthetics, or the study of the neural processes underlying our appreciation and the production of beautiful objects and artworks:

– On Team 1 you’ll find the argument that the experience of pleasure from art is neurobiologically identical to the experience of pleasure from candy or sex.

– Team 2 believes that both making and appreciating art can offer unique neurobiological rewards.

– Team 3 asks, “Who knows?!” (“Who cares?!” seems to be a subset of this group.)

Given that pleasure is known to be a powerful motivator of human behavior, it’s a dispute with implications far beyond art — at least according to Team 1 and Team 2.“

Wenn ihr keine Lust auf Neurologie habt, dann vielleicht auf dieses Video, das auch im Artikel verlinkt ist: Christie’s filmte die Menschen, die sich Salvator Mundi anschauten, bevor er verkauft wurde. Das ist zwar fies kalkulierter PR-Kram, aber so ganz kann ich mich den Bildern nicht entziehen. Ich bin jedenfalls froh zu sehen, dass ich nicht die einzige bin, die manchmal mit offenem Mund vor Kunstwerken steht.

Ich gebe zu, einige Male, wenn ich morgens vor dem Walken die herrlich bequemen Lauftights angezogen hatte, dachte ich eine Millisekunde darüber nach, mich mit ihnen wieder ins Bett zu legen. Damit bin ich anscheinend nicht alleine. Die Nike Pro Chiller Leggings sind mein liebster Clip aus der letzten Saturday-Night-Live-Sendung. (Gibt’s natürlich auch bei NBC, aber nicht für mich, weil ich kein VPN uswusf.)

Black-Pepper-Tofu mit Gurkensalat

Ein Rezept der charmanten Chestnut and Sage, auf das ich spontan Lust hatte, als ich im Supermarkt Koriander erblickte. Das Tolle an Koriander ist ja: Wenn man sich den schön gegessen hat, kann man gar nicht mehr verstehen, wie man ihn jemals eklig finden konnte. Insofern: Mehr Koriander an alles! Vor allen Dingen an dieses Rezept, denn es ist eine schöne Alltagsküche.

Für eine Esserin.

200 g Tofu (bei mir Räuchtertofu, der war halt da) in Scheiben schneiden und in
2 EL Sojasauce so lange wie möglich marinieren. Ich war hungrig, ich habe es nur eine Stunde ausgehalten.

1/2 Salatgurke mit dem Sparschäler in dünne Streifen schneiden, mit
Salz bestreuen und circa 30 Minuten in einem Sieb rumstehen lassen, um sie zu entwässern. Bei Julia steht was von „einer kleinen Gurke“, was ich grundsätzlich ignorieren würde. Mehr Gurke an alles!

Aus
1 TL Zucker,
1 EL Reisessig,
1/2 rote Chili, fein gehackt (bei mir Chiliflocken), und
1 TL geröstetem Sesamöl ein Dressing herstellen. Dabei darauf achten, dass sich der Zucker auflöst. Kurz vor dem Servieren die Gurken aus dem Sieb nehmen und mit dem Dressing vermischen.

2 EL Speisestärke mit
1–2 TL schwarzem Pfeffer und
1 TL Szechuan-Pfeffer vermischen. Die Tofuscheiben aus der Marinade nehmen, abtrocken, in der Stärkemischung wenden und in
neutralem Öl (bei mir Sesam) knusprig braten. (Szechuanpfeffer duftet so herrlich!)

Mit bergeweise frischem Koriander und einer Handvoll Erdnüsse, bei mir ungesalzen, servieren. Wer noch etwas mehr Schärfe mag, kleckst etwas Sriracha darüber. Mir war die Schärfe egal, ich wollte bloß Koriander. Daher habe ich ihn auch nicht feingehackt wie drüben bei Julia beschrieben, sondern ihn einfach von den Stängeln gezupft und über alles geworfen. Außerdem habe ich die restliche Sojasauce, die vom Marinieren übrig war, über den Tofu getropft, sonst wäre er mir etwas zu trocken gewesen.

Was schön war, Sonntag, 8. April 2018 – Sonntagsruhe

Rumgelegen, viel Kaffee gekocht (und genossen), viel Käse auf Zeug geworfen und überbacken (und genossen), viel gelesen. Zum Beispiel das hier:

„Bisschen mausig, bisschen bieder“

Ich zitiere einfach mal den Teaser der SZ gleich mit der Überschrift: „Der Augsburger Autor und Dramatiker Michel Decar über den FCA und den Charme von gepflegtem Umschaltfußball.“ Ich stimme nicht mit allem überein, was der Mann sagt, aber einige Male musste ich sehr grinsen.

„[SZ:] Als Einziger der 18 Bundesligisten durfte Augsburg seit der Saison 2015/2016 kein sogenanntes Top-Spiel zur 18.30-Uhr-Sendezeit am Samstagabend bestreiten.

[Decar:] Der FCA hat ja sogar graue Trikots! Welcher Verein macht sich freiwillig graue Trikots? Das fällt einem doch nur ein, wenn man das Hannover des Südens sein will. Bisschen mausig, bisschen bieder, unter dem Radar fliegen als Überlebensstrategie, so würde ich das nennen. Andererseits muss es diese mausigen Vereine auch geben im Welttheater Bundesliga. Was sollen sie schon machen mit dem fast kleinsten Budget der Liga, außer sich durchzufuchsen? Man wundert sich jedes Jahr aufs Neue, wie sie es wieder geschafft haben.“

„Hannover des Südens.“ Kchkch.

In ihrem Stück „Philipp Lahm“ lassen Sie den Protagonisten auf der Bühne sagen: “Manche sagen, ich bin so langweilig, dass es weh tut. Ist doch geil!”

Ja, das ist das Grundprinzip der Augsburger Identität. Wenn es ein Vereinsmotto geben würde, dann wäre es, in einer Reihe mit dem „Mia san mia“ des FC Bayern oder der „echten Liebe“ bei Borussia Dortmund: „FC Augsburg – schon ganz okay“.“

Das hatte ich beim gestrigen Blogeintrag vergessen: Ich habe in Augsburg beim Bayernspiel zum ersten Mal jemanden gesehen, der eine Karte verkaufen wollte. Das ist so niedlich! Beim FCA gibt es immer Karten – gut, gegen Bayern und Dortmund war es eventuell etwas schwieriger, aber das ging alles. Das sieht in der Allianz-Arena ganz anders aus. Man klettert die Treppen von der U-Bahn Fröttmaning hoch und biegt nach rechts auf die Brücke ab, die über die Gleise führt und zur Esplanade, die den langen Aufstieg zur Arena bildet (hübsch, aber für Fußlahme wie mich latent anstrengend. Dafür ist der Rückweg super). Schon an der Brücke stehen die ersten Menschentrauben, die entweder Karten loswerden wollen oder suchen, und diese Menschen tauchen bis zu den Eingangstoren der Arena immer wieder auf. Der charmante Mitbewohner hatte mal für mich eine Karte quasi direkt am Stadion erworben, weil ihm alles davor zu teuer war.

In Augsburg steht nie jemand. Wirklich nie. Das fand ich sehr putzig, diese einzelne Gestalt, die ihre Karte nicht mehr haben wollte. Danke, aber wir waren alle versorgt.

What About “The Breakfast Club”? Revisiting the movies of my youth in the age of #MeToo

Molly Ringwald schreibt für den New Yorker über ihre eigenen Filme. Das Denkmal von John Hughes bekommt ein paar Kratzer.

„I made three movies with John Hughes; when they were released, they made enough of a cultural impact to land me on the cover of Time magazine and to get Hughes hailed as a genius. His critical reputation has only grown since he died, in 2009, at the age of fifty-nine. Hughes’s films play constantly on television and are even taught in schools. There is still so much that I love in them, but lately I have felt the need to examine the role that these movies have played in our cultural life: where they came from, and what they might mean now. When my daughter proposed watching “The Breakfast Club” together, I had hesitated, not knowing how she would react: if she would understand the film or if she would even like it. I worried that she would find aspects of it troubling, but I hadn’t anticipated that it would ultimately be most troubling to me.

It can be hard to remember how scarce art for and about teen-agers was before John Hughes arrived. Young-adult novels had not yet exploded as a genre. Onscreen, the big issues that affected teens seemed to belong largely to the world of ABC Afterschool Specials, which premièred in 1972 and were still around as I came of age, in the eighties. All the teens I knew would rather have died than watch one. The films had the whiff of sanctimony, the dialogue was obviously written by adults, the music was corny.

Portrayals of teen-agers in movies were even worse. The actors cast in teen roles tended to be much older than their characters—they had to be, since the films were so frequently exploitative. The teen horror flicks that flourished in the seventies and eighties had them getting murdered: if you were young, attractive, and sexually active, your chances of making it to the end were basically nil (a trope spoofed, years later, by the “Scream” franchise). The successful teen comedies of the period, such as “Animal House” and “Porky’s,” were written by men for boys; the few women in them were either nymphomaniacs or battleaxes. (The stout female coach in “Porky’s” is named Balbricker.) The boys are perverts, as one-dimensional as their female counterparts, but with more screen time. In 1982, “Fast Times at Ridgemont High,” which had the rare distinction of being directed by a woman, Amy Heckerling, got closer to an authentic depiction of adolescence. But it still made room for a young male’s fantasy of the actress Phoebe Cates striding topless in a soft-porny sprinkler mist.“

Ich hänge immer noch in Fantasyland, das sich so nett bröckchenweise lesen lässt, denn es geht zeitlich schön chronologisch vor. Im Moment bin ich bei Reagan in den 80er Jahren, aber ich wollte euch ein Zitat aus den 1970er Jahren von Philip K. Dick empfehlen. Im Buch geht es generell um die – laut Autor – amerikanische Eigenart, alles glauben zu dürfen, was man will, ganz gleich, ob Fakten oder die blöde Realität dagegensprechen. Er arbeitet heraus, und ich fasse hier etwas verkürzend zusammen, dass Dinge wie amerikanisches Fernsehen (Reality TV, das bekanntermaßen immer noch gescriptet ist), Themenrestaurants, die eine Welt aufmachen, die über Essen hinausgeht, Malls, die quasi eine eigene Welt begründen, Reenactments, gerade vom Bürgerkrieg, die latent revisionistisch sind und auch Dinge wie Disneyland und Colonial Williamsburg Realität und Fantasie bewusst verschwimmen lassen – und dass es die Besucher, Nutzer, Konsumenten nicht einmal stört. Ich zitiere S. 234 aus der Hardcoverausgabe, London 2017:

„In den 1970s, not long before he died, the sci-fi writer Phil Dick moved into an apartment in Orange County a few miles from Disneyland, an irony not lost on him. There he wrote a perfect summary of his dread about the transformation of American society and culture as the real and unreal became indistinguishable. “We have fiction mimicking truth, and truth mimicking fiction. We have a dangerous overlap, a dangerous blur. And in all probability it is not deliberate. In fact, that is part of the problem.” I can’t do better, so I’ll quote him at length.

„The problem is a real one, not a mere intellectual game. Because today we live in a society in which spurious realities are manufactured by the media, by governments, by big corporations, by religious groups, political groups – and the electronic hardware exists by which to deliver these pseudo-worlds right into the heads of the reader, the viewer, the listener. …

And it is an astonishing power: that of creating whole universes, universes of the mind. I ought to know. I do the same thing. It is my job to create universes. …

I consider that the matter of defining what is real – that is a serious topic, even a vital topic. And in there somewhere is the other topic, the definition of the authentic human. Because the bombardment of pseudo-realities begins to produce inauthentic humans very quickly, spurious humans – as fake as the data pressing at them from all sides. … Fake realities will create fake humans. Or, fake humans will generate fake realities and then sell them to other humans, turning them, eventually, into forgeries of themselves. So we wind up with fake humans inventing fake realities and then peddling them to other fake humans. It is just a very large version of Disneyland.“

(The Shifting Realities of Philip K. Dick: Selected Literary and Philosophical Writings, 1995.)“

In other news: Ich ignoriere Twitter auch weiterhin bis auf das Checken von Replys und DMs und finde mein Leben damit deutlich angenehmer als mich ständig dem Kommentarsturm auszusetzen. Auch wenn ich Katzenbilder vermisse.

Was schön war, Samstag, 7. April 2018 – Vorletztes Heimspiel für mich

Lange ausgeschlafen, ohne Wecker wachgeworden, unalleine (hach!). So lange im Bett rumgequatscht, dass ich danach keinen morgendlichen Flat-White-Durst mehr hatte, sondern richtigen Hunger. Da der Rest des Tages ein Stadiontag war, gönnte ich mir eine halbe Packung Pizzafertigteig, den ich großzügig mit Zwiebeln, Tomätchen, ein bisschen Salami, ein paar Chilischoten und Mozzarella belegte. Dazu gab es wieder Aeropress-Kaffee, der wirklich richtig gut ist. Und so schnell fertig! Und nur eine Tasse! Grandioses Teil.

Die Zeit reichte so gerade zum Pizzabelegen, backen und essen, zum Bloggen und zum stadionfein machen, dann fuhr ich schon zum Bahnhof. Bei der Klamottenwahl musste ich sehr darüber grinsen, dass ich vor drei Wochen noch drei Schichten Kleidung übereinander trug und Handschuhe, Mütze und Decke dabei hatte, während ich gestern mein Frühlingshoodie über mein Finnbogason-Trikot streifte und mir Sonnenbrille und Sonnencreme ins Stadiontäschchen packte. Wir nahmen heute den früheren Zug, denn F. und ich wurden von zwei Bayernfans begleitet, die noch am Stadion ihre Karten holen mussten; der FC Augsburg spielte gegen den FCB.

Normalerweise freue ich mich, wenn auch Fans der gegnerischen Mannschaft in München in den Zug steigen, aber gestern war der halbe Zug voll mit FCB-Fans – und leider auch das Stadion. Die Tore für den Gegner wurden fast ebenso laut bejubelt wie für die Heimmannschaft und das war ein bisschen irritierend. Mir fiel auch auf, dass ich, im Gegensatz zur letzten Saison, eindeutig auf der Seite von Augsburg war und den Gegner und seine Marotten so richtig scheiße fand. Ich hatte ganz vergessen, wie anstrengend Bayern ist, wenn man dieser Mannschaft mal nicht die Daumen drückt (wie vor wenigen Tagen in der Champions League gegen Sevilla). 25 Minuten lang ließen sie Augsburg machen und sogar ein Tor schießen, dann erinnerten sie sich wieder daran, dass sie Bayern München sind und von da an hatte Augsburg keine Chance mehr. Die vier Bayern-Tore fielen quasi mit Ansage, denn der FCB war sichtbar schneller, präziser, konzentrierter, besser eben. Und auch wenn ich wegen der Heimniederlage theoretisch hätte nölig sein müssen, wurde mir doch wieder klar, wieviel Spaß es macht, dieser Mannschaft zuzuschauen – das ist schon ein toller Fußball, den sie selbst mit der sogenannten B-Elf spielen. Auch Augsburg spielte sichtlich besser als in den letzten Heimspielen, und so konnten wir halbwegs gut gelaunt nach Hause fahren. Die Niederlage war zu erwarten gewesen, daher waren wir höchstens ein winziges bisschen enttäuscht.

Abends ging F. noch auf eine Party, die ich ohne zu überlegen abgesagt hatte. Ich fand es nett, eingeladen zu werden, aber ich bin inzwischen wirklich in einem Alter angekommen, wo ich weiß, dass ich auf diese Massenveranstaltungen nie Lust habe. So war es auch gestern; ich hatte in keinem Augenblick das Gefühl, diese Entscheidung vielleicht doch hinterfragen zu müssen. Ich weiß, dass da nur nette Leute gewesen wären, aber es wären eben 30 von ihnen auf einem Haufen gewesen, und das ist einfach nicht mein Ding. So verbrachte ich den Abend alleine und zufrieden mit The West Wing und dem Aktuellen Sportstudio auf dem Sofa und knipste das Licht aus, als mir beim Lesen im Bett mein Buch auf die Nase fiel.

Besuch in der Hölle

Eine der beiden Mitfahrer*innen gestern war eine Bekannte (mit doppelter Staatsbürgerschaft), mit der ich öfter in der Allianz-Arena war. Die Dame schreibt auch ein Blog, und vor Kurzem fanden sich darin zwei Einträge, die überhaupt keine gute Laune machen, die ich euch aber trotzdem verlinken möchte. Sie und ihr Mann haben an einer Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz teilgenommen, die von Erinnerung vereint organisiert wurde, ein Projekt, das unter anderem vom FCB und vom TSV 1860 München unterstützt wird, also von zwei Vereinen, die sich alles andere als grün sind. Ihren Bericht habe ich oben in der Überschrift verlinkt, hier ist der Blogeintrag zum ersten Teil des Programms, in dem die Gruppe eine Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum sowie die Gedenkstätte Dachau besuchte. Auch die SZ berichtete über das Projekt. Auf der FCB-Seite findet sich ebenfalls ein Artikel.

„Völlig erschüttert steht man zum Schluß vor dem Book of Names, in dem alle Opfer der Shoah namentlich aufgeführt sind. Ein unwirkliches Zeugnis, so bedeutend, so schmerzhaft und so brutal. Umso wichtiger ist der letzte Raum, der mit seinen Bänken dazu auffordert, sich kurz niederzulassen und durchzuschnaufen, um das Gesehene kurz sacken zu lassen. Hier wirkt das Zitat des Überlebenden Primo Levi, das an der Wand zu lesen ist, besonders stark:

„It happened, therefore it can happen again: this is the core of what we have to say.“

Und auch der Hinweis des Guide, wie wichtig es ist, darauf zu achten, dass so etwas nie wieder passieren darf und auch Schweigen letztlich Zustimmung sei, wirkte hier ganz besonders.“

Was richtig schön war, Freitag, 6. April 2018 – Ein ganz normaler Tag

Gemeinsam aufgewacht, geklönt, irgendwann aus dem Bett geschält.

Den Tag verbrachte ich mit Schreibtischarbeit auf verschiedenen Kunden und kam sehr gut voran. Abends las ich noch einmal über alles rüber und war zufrieden. Es gibt ja so Tage, an denen tippt man acht Stunden vor sich hin, liest sich das durch und weiß, jo, das mach ich morgen alles nochmal. Und dann gibt es Tage, da liest man sich die eigenen Texte durch und denkt, ich würde das so drucken. Gestern war so ein Tag, und ich hoffe, der Kunde denkt das auch.

In der Mittagspause pumpte ich mein Rad auf, setzte die Sonnenbrille auf die Nase und radelte zur Unibibliothek, um mir ein Buch abzuholen. Schon dabei dachte ich, dass es so wenig braucht, um mich glücklich zu machen: Rad, Sonnenbrille, Buch. Aber dann setzte ich dem ganzen noch die Krone auf und radelte zu Ballabeni, um als ausgewogene Mittagsmahlzeit eine Kugel Haselnuss und eine Kugel Amarenakirsche zu genießen. Aber: Das war immer noch nicht alles, denn danach fuhr ich zum Deli in der Amalienstraße und brachte mir zwei Bagels mit, die ich im Laufe des Nachmittags mit a) Frischkäse und Erdbeermarmelade und b) Frischkäse mit süßem Senf, Salat, Putenbrust und Gurke verspeiste.

Auf dem Rückweg erstand ich noch die SZ und freute mich über das Magazin; ich hatte irgendwie verdrängt, dass Freitag war, wo immer das Magazin dabei ist.

Am späten Nachmittag sorgte ich für ein winziges bisschen Bewegung, indem ich zur Packstation ging, wo die Aeropress auf mich wartete. Ja, der Kaffeekram eskaliert weiterhin. Ich musste auch dringend Espressobohnen bestellen, vielleicht gibt’s die morgen nicht mehr. (Done.)

Für den angeblich irre gut schmeckenden Aeropress-Kaffee, den man sich vor allem als Tassenportion zubereiten kann und keinen Liter kochen muss, mahlte ich 16 Gramm meines derzeitigen Lieblingskaffees, wartete brav, bis das ehemals kochende Wasser nur noch 80 Grad heiß war, drückte den Presskolben durch den Brühzylinder, bis er lustige Pffffft-Geräusche machte und ploppte dann in einer äußerst befriedigenden Handlung den Kaffeesatz, der wie ein Hockeypuck aussah, in den Abfalleimer. Und dann war ich gespannt, ob der Kaffee wirklich besser war als aus einer French Press oder Mamas Handfilter. Was soll ich sagen? War er. Überhaupt keine Säure, ein ganz klarer, gefühlt ursprünglicher Geschmack, nicht ganz so vollmundig wie aus der French Press (was an den Ölen liegt, die bei einer Zubereitungszeit von 30 Sekunden keine Chance zur Entfaltung haben), aber dementsprechend auch irgendwie knackiger, schlichter, mehr geradeaus. Das war ein sehr guter Kaffee!

Abends kam F. vorbei und brachte einen serbischen Rotwein aus seinem Probierpaket mit, der ein sehr guter Alltagswein war, aber nicht so spektakulär wie der, den wir bei Fehlfarben hatten oder der tolle Rosé von neulich. Irgendwann waren wie beide mundfaul und saßen am Küchentisch, er mit der SZ, ich mit der FAZ, beide mit Rotwein und zufrieden.

Gemeinsam eingeschlafen.

Das war ein total normaler Tag, ich habe gearbeitet, Dinge erledigt, Zeug gegessen und getrunken und hatte Besuch. Aber in der Summe war das ein richtig guter Tag, weil eben auch die normalen Dinge richtig gut waren.

Tagebuch, Donnerstag, 5. April 2018 – Schreibtisch statt Bibliothek

Da ich auf einigen Baustellen noch auf Feedback wartete, überlegte ich morgens, den Vormittag in der Stabi zu verbringen; einerseits kunsthistorisch, andererseits, weil ich dort Bücher liegen habe, aus denen ich mich für einen Kunden bediene. Dann klingelte aber um 8.40 Uhr mein Handy, was mich sehr irritierte. Meine Geschäftszeiten sind von 9 bis 18 Uhr und außerhalb dieser Zeit ignoriere ich alle unbekannten Nummern und gehe nur sehr selektiv an bekannte ran. Die hier kannte ich, und ich wartete genau von diesem Kunden auf eine Ansage zum weiteren Vorgehen, die ich auch bekam. Ich hatte doch noch weitaus mehr zu tun als gedacht und das ganze auch noch in einem engeren Timing als gedacht, weswegen die Stabi ohne mich und mein sehnsuchtsvolles Wimmern auskommen musste. Stattdessen kochte ich meine übliche Kanne Arbeitstee und ging tippen.

In der Mittagspause wollte ich mir die SZ kaufen, weil mir die doppelte Zeitungslektüre vorgestern so gut gefallen hatte. Außerdem überlegte ich, auf den Markt zu gehen, von dem ich mir irgendwie falsch gemerkt hatte, dass er Donnerstag war. Zeitung gekauft, zum Marktplatz vor der Kirche gegangen bzw. in die Richtung geguckt, aber keine Marktstände gesehen. In diesem Moment fuhr ein Bus vor, in den ich kurzerhand sprang – dann fahre ich halt zum ständigen Markt am Elisabethplatz und gehe zu Fuß zurück: Zeitung, Gemüse, Bewegung, ein perfekter Plan.

An der Schellingstraße musste ich dafür in die Tram umsteigen, sah aber, dass die nächste noch acht Minuten auf sich warten ließ. Direkt an der Haltestelle ist eine Drogerie, und da München den Frühling übersprungen und gleich von Winter- auf Sommersonne umgeschaltet hat, was meine alabasterweiße, zarte Memmenhaut richtig doof findet, ging ich noch schnell hinein und erstand Sonnencreme in der üblichen Packungsgröße und eine kleine Tube, die in die Stadiontasche passt (mein Platz liegt in der zweiten Halbzeit immer in der Sonne, was ich stark anprangern möchte).

Als ich wieder vor die Tür trat, war die Tram natürlich genau vor meiner Nase abgefahren. Also ging ich in den Edeka an der Ecke, von dem ich weiß, dass sein Gemüse einen Hauch besser ist als das meines Stamm-Edekas, der durch die Bank eher miesen Matsch hat, weswegen ich inzwischen sogar beim Lidl oder Netto einkaufe, obwohl ich Discountern irgendwie misstrauisch gegenüber stehe – das wird eventuell einen Grund haben, dass alles so billig ist (Personalkosten, anyone?). Im Edeka fand ich schöne Kartoffeln, die ich abends in die Pfanne werfen wollte plus Thymian, Knoblauch hatte ich noch. Auf dem Weg zur Kasse entdeckte ich reduzierte Osterhasen und erstand spontan zwei, von denen ich einen F. auf den Esstisch stellen wollte, denn der Herr wohnt recht nah an dieser Ecke.

Als ich frohgemut seine Wohnungstür öffnete, ahnte ich anhand der Schuhe und Jacken, dass der Mann heute überraschend im Home Office arbeitete. Immer wenn ich ihm eine Kleinigkeit da lassen will, ist er selbst da! Meine Überraschungen sind nie Überraschungen! Dafür konnte ich kurz kuscheln und plaudern, musste dann aber dringend wieder nach Hause, denn um 14 Uhr erwartete ich einen Telefonanruf eines eventuellen Neukunden, und bis dahin wollte ich wenigstens ein Scheibchen Brot gegessen haben, um das Telefonat nicht durch Magenknurren zu stören.

Wieder zuhause angekommen, per Bus, ohne Bewegung, stellte ich fest, dass die Entscheidung, die SZ zu kaufen, eine sehr gute gewesen war, denn die FAZ war mal wieder nicht im Briefkasten. Ich überlege, mein Abo zu kündigen, denn ich rege mich über die zwei, drei Exemplare, die pro Monat fehlen, sinnloserweise mehr auf als mich über die ca. 20 Exemplare zu freuen, die hübsch gefaltet und pünktlich bei mir ankommen.

Avocadobrot, Kundentelefonat (unter anderem mit einem Blog-Leser, huhu!), Tippen, weiteres Kundentelefonat, Kundenmails, Tippen, Feierabend. Für F. und mich Fondant Potatoes und Pimientos de Padrón gemacht, danach spanische Süßigkeiten verkostet (und nach drei Bissen sehr satt gewesen). Als Absacker Espresso für ihn, Flat White für mich. Erstmals eine Schaumkonsistenz produziert, die der wenigstens ähnelt, die man für Latte Art braucht. Ich behaupte, ein chinesisches Schriftzeichen gegossen zu haben.

Danach auf dem Sofa tausend Fotos aus Sevilla, Madrid und den dortigen Museen angeschaut und über Kunst geredet. Von einem Jesus sehr beeindruckt gewesen. Gemeinsam eingeschlafen.

Was schön war, Mittwoch, 4. April 2018 – Zeitunglesen

Vormittags stand ein Pflichttermin an: die Gabriele-Münter-Ausstellung im Lenbachhaus, die nur noch diese Woche läuft und die ich mir angucken musste. Musste, nicht wollte, denn, es tut mir leid, aber: Ich kann mit Frau Münter nichts anfangen. Konnte ich vor der Ausstellung nicht, konnte ich auch nachher nicht, obwohl natürlich trotzdem was an den Wänden hing, was ich spannend fand. Aber generell ging ich an den Bildern vorbei, vor denen sehr viele Menschen standen und sich offensichtlich über sie freuten oder sich für sie interessierten, während ich die ganze Zeit dachte: „Mir egal, mir egal, mir auch egal, okay, das gucke ich mir beim zweiten Rundgang näher an, mir egal, mir egal, mir egal.“ Ich blieb nur vor wenigen Werken länger stehen, vor einigen pflichtschuldig, vor anderen gar nicht („im Vorbeigehen lernen“).

Für mich neu und interessant war Münters Beschäftigung mit Technik bzw. ihre Bilder von Arbeit, die in der Zeit des Nationalsozialismus entstanden. Da ich mich in der Diss mit genau diesem Sujet und dieser Zeit herumschlage, waren das Bilder, die ich im Kopf abspeicherte, aber gleichzeitig über sie mit den Augen rollte, weil sie mir, genau, egal waren.

Ebenfalls interessant waren ihre Fotos, aber nicht, weil sie von Münter waren, sondern weil sie mir die USA um die Jahrhundertwende zeigten. Auf ein Foto von drei schwarzen Frauen hatte mich F. im Vorfeld aufmerksam gemacht, es ist hier in der Bildergalerie zu sehen und heißt dort wie auch in der Ausstellung „Drei Frauen im Sonntagsstaat“. In früheren Veröffentlichungen wurde statt „Frauen“ das N-Wort benutzt; diese Namensänderung wurde nirgends kenntlich gemacht. Ich stolperte nur darüber, weil mir das Thema gerade vor wenigen Tagen im Bucerius-Kunstforum in Hamburg bei der Schmidt-Rottluff-Ausstellung aufgefallen war. Dort fotografierte ich folgenden Wandtext:

Ich dachte wieder einmal darüber nach, wie man mit diesem Begriff umgehen soll. Bei Pippi Langstrumpf kann ich mit dem „Südseekönig“ statt des N-Worts sehr gut leben, in Hamburg fand ich den Hinweistext erstmal richtig und schlau (wobei ich das „nicht wertend“ vorsichtig anzweifeln würde), im Lenbachhaus hätte ich es nicht mal gemerkt, wenn F. mir nicht einen Katalog gezeigt hätte, in dem eben noch der alte Name steht. Verändert sich Münters Foto durch den Titel? Natürlich nicht, aber da für sie schwarze Menschen vermutlich kein gewohnter Anblick waren, zeigt auch die Benennung das „Andersartige“. Wobei wir wieder bei der Diskussion sind, dass „Weiß“ der Normalzustand ist und Schwarz eben „das andere“, was natürlich auch totaler Quatsch ist. Außerdem weiß ich nicht mal, ob der Bildtitel von Münter selbst stammt oder nachträglich von der Kunstgeschichte angebracht wurde, die nicht gerade eine progressive Wissenschaft war.

Ich habe bei Noah Sow nachgeschlagen, die in ihrem Buch Deutschland Schwarz Weiss: Der alltägliche Rassismus einen Briefwechsel zwischen Langenscheidt und dem Braunen Mob abbildet. Letztere wollten 2006 darauf aufmerksam machen, dass es für ein Lexikon seltsam sei, Beleidigungen aufzuführen („Zigeuner“ wurde auch erwähnt). Der Verlag schrieb damals sinngemäß, dass sie ja erwähnten, dass es eine Beleidigung sei, aber von vielen älteren Menschen nicht als eine solche empfunden wurde. So ähnlich lese ich das Schmidt-Rottluff-Schild oben: war damals gängig, lassen wir so, erklären es aber. Im Rijksmuseum in Amsterdam – und anscheinend im Lenbachhaus – hat man sich für einen anderen Umgang entschieden und prüft „abfällige Begriffe“ bei seinen Bildtiteln. Die SZ schrieb 2015 dazu:

„Das Museum zeigt 8000 Werke und Objekte in seiner ständigen Sammlung. Mehr als eine Million weitere Stücke befinden sich im Depot, werden aber nach und nach im Internet nachzuschlagen sein. Auch deren Angaben werden nun auf abwertende Klischees hin geprüft und dann geändert. […]

Was jetzt geändert wird, sind also zumeist Formulierungen späterer Kunsthistoriker oder, im Fall der Schriftstücke und der anderen Objekte, Historiker. Die früheren Bezeichnungen werden im Archiv bewahrt, als Quellen für historische Recherchen. Es gibt keinen Grund, heute in einem international geprägten Land wie den Niederlanden noch an kolonialen Bildbeschreibungen in Museumssälen festzuhalten. Die Kunst im Museum gehört schließlich allen Niederländern, gleichgültig, wo ihre Urgroßeltern geboren wurden. Und Gäste aus dem Ausland sollte man auch nicht unnötig beleidigen. Ebenso wenig muss sich eine dunkelhäutige Hausangestellte in schmierigem Ton nachsagen lassen, sie sei “exotisch” gewesen.“

Inzwischen bin ich ganz simpel bei dem Schluss angelangt: Wenn schwarze Menschen das Wort ablehnen und nicht damit bezeichnet werden wollen, dann sollte eine weiße Kunsthistorikerin das annehmen und Bildtitel ändern, fertig. Ich schwanke aber immer noch bei Titeln, die die Künstler*innen selbst ihren Werken gegeben haben. Da kann ich persönlich – als Weiße – mit Erklärtäfelchen wie in Hamburg gut leben. Ich weiß aber nicht, ob Schwarze das auch können. Auf der Braune-Mob-Seite habe ich nichts zu diesem recht speziellen Thema gefunden, lese mich aber gerade durch die Rubrik „Sprachliches“.

Wie schon am Dienstag ignorierte ich Twitter bewusst, guckte morgens und abends rein, beantwortete eine Reply und musste mich kurz aufregen, ich komme darauf zurück. Tagsüber hatte ich keine Zeit, denn neben der FAZ lag gestern auch die Süddeutsche auf meinem Sofa und wollte gelesen werden. Ich brauchte für beide jeweils eine Stunde, wobei die SZ ungefähr dreimal so dick ist wie die FAZ, sich aber deutlich einfacher lesen lässt. Das hatte ich ganz vergessen, dass sie nicht ganz so hochgestochen wie die FAZ ist. Las sich sehr schön, vor allem der München- und der Stadtteil-Teil, den die FAZ natürlich nicht hat. Das mache ich heute wieder.

Zu Twitter: Abends im Bett, vom Tag entspannt, antwortete ich Idiotin nicht nur auf die Reply, sondern scrollte auch zehn Tweets durch. Jetzt weiß ich, dass wieder irgendein armer Mann in der Zeit darüber geschrieben hat, dass er mit Frauen nicht mehr klarkommt. Und schon war der Blutdruck wieder oben, wo er nicht gewesen wäre, hätte ich diese blöde App nicht geöffnet. Langsam glaube ich wirklich, dass ich entweder 500 Leute entfolgen oder die App löschen muss.

Abends machte ich aus Bratkartoffeln Pseudo-Fondant-Potatoes, die bei Masterchef irre gerne gekocht werden. Dafür brät man recht dicke Kartoffelscheiben – eher Klötze – in viel Butter von beiden Seiten an, gießt dann Hühnerbrühe in die Pfanne, wirft Knoblauch und Thymian dazu und lässt alles simmern, bis die Kartoffeln weich sind. Thymian hatte ich nicht, und meine Klötze sind Scheiben, weil ich ja Bratkartoffeln machen wollte, aber gerade, als ich eine Zwiebeln schneiden und den Speck aus dem Kühlschrank holen wollte, dachte ich, nee, ich gieße da jetzt Hühnerbrühe rein. Dazu gab’s Bohnen im Speckmantel, denn für meinen Salat von vorgestern hatte ich nicht alle Bohnen verbraucht. Ebenfalls dazu: einen Riesling, den ich wegen der fancy Flasche gekauft hatte. War nicht ganz so der Bringer, aber trinkbar.

Apropos Masterchef: die australische (und einzig wahre Ausgabe) soll angeblich schon Ende April wieder losgehen, wo-hoo! Dann schaffe ich auf keinen Fall mehr zwei Zeitungen am Tag.

Wie mein Medienkonsum ist auch mein Essen gerade sehr unspektakulär. Passt.