Tagebuch, Donnerstag, 16. August 2018 – Innerer Jekyll und Hyde

Morgens einen Text abgegeben, mit dem ich eigentlich zufrieden war. Der Kontakt zum Kunden leider nicht so, ich korrigierte, hatte aber anscheinend einige Korrekturwünsche fehlinterpretiert, weswegen ich noch weitere Schleifen drehen musste. Erst um kurz vor 21 Uhr war Feierabend und ich ein bisschen konsterniert.

Generell den Tag über entweder traurig oder schlecht gelaunt gewesen. Diverse Entscheidungen angezweifelt. Oder wie es F. ausdrückte: „Du machst dir wieder selbst einen Knoten ins Hirn.“ Ja, das klingt nach mir.

In der Mittagspause bei 27 Grad ein paar Besorgungen gemacht. Bei diesen Temperaturen hätte ich im letzten Sommer alles online geordert und wäre nicht vor dem Ventilator weggegangen. Nach den vergangenen Wochen kamen mir die 27 Grad fast lauschig vor und ich stutzte über mich selber, als ich dachte, ach, das ist ja recht angenehm draußen. Hat die Hitze doch ihr Gutes gehabt: Sie hat meine derzeitige Temperaturtoleranzgrenze ein bisschen nach oben verschoben. Muss ich trotzdem nicht weiter haben. Bitte Wetter auf 20 Grad runterfahren, danke.

Den durchwachsenen Tag bei F. auf dem Balkon äußerst undurchwachsen ausklingen lassen. Das ist immer nett da, mit dem weiten Ausblick über Münchens Kirchtürme und meist einer schönen Flasche Wein auf dem Tisch. Der einzige Nachteil ist das benachbarte italienische Restaurant, von dem es stets herrlich hochduftet, weswegen ich immer zu viele Chips essen muss. Logisch.

Tagebuch, Mittwoch, 15. August 2018 – Kein Feiertag

Im Gegensatz zum Dienstag, wo ich was zu feiern hatte und wo dementsprechend persönlicher Feiertag war, war gestern offizieller Feiertag in den katholischen Gegenden in Bayern (also auch in München), aber ich saß am Schreibtisch und tippte für Geld, weil jemand im Norden auf meine Texte wartet anstatt frei zu haben. Also eher weniger Feier-, sondern ein normaler Arbeitstag. Auch gut.

In den letzten Jahren hat sich mein Portfolio etwas erweitert. Wo ich früher ziemlich ausschließlich für die Autoindustrie tätig war, habe ich heute vermehrt Kunden aus anderen Branchen. Das ist lustig, weil ich mich so dauernd mit Themen beschäftige, über die ich manchmal noch nie nachgedacht habe. Manchmal sind es netterweise auch Themen, über die ich dauernd nachdenke wie Kaffee oder Tee, und ich will so dringend einmal für Schokolade Werbung machen, aber das hat bisher noch nicht geklappt. Außerdem kommen neuerdings eher kleinere Firmen oder Auftraggeber auf mich zu, was mir auch sehr gut gefällt, weil die linke Hand meist weiß, was die rechte tut. Das ist bei riesigen Kunden manchmal eher nicht der Fall. Oder es gibt zu viele Menschen, die eine Meinung zum Text haben. Abstimmungen gehen schneller, weil eben nicht fünf Abteilungen drei Sätze abnicken müssen, Korrekturschleifen sind kleiner, der Job eher erledigt.

Was mir bei meinen geistigen Ausflügen in die Welt der Kommunalverwaltung, der Windenergie oder der Dachziegelproduktion aufgefallen ist: Auch hier lege ich gerne Wissensbröckchen an Wissensbröckchen. Das kannte ich etwas anders aus der Automobilbranche, wo mein neues Wissen (aus einem neuen Briefing) mein altes Wissen (die tausend Kataloge, die ich schon geschrieben hatte) ergänzte. Hier kommt bei jedem Job ein neuer Aspekt dazu, der aber, warum auch immer, meine geistige Landkarte von Deutschland und seiner Industrie, seinem Handwerk, seiner Firmenkultur in kleinen Schritten vervollständigt. Ich lerne viel über interne Abläufe, bekomme aber auch mit, wer eigentlich was so macht an unserem Industriestandort. Ich lerne Branchen kennen, von denen ich vorher noch nie gehört hatte, und manchmal ergeben sich Überschneidungen – in der Arbeitsweise, in der Auftragsvergabe, in der Zusammenarbeit mit anderen Branchen. Es fühlt sich alles praktischer an, obwohl ich genau das gleiche mache wie früher – ich sitze an meinem Schreibtisch und tippe, ich schreinere weder Küchenzeilen noch erschließe ich Neubaugebiete. Aber irgendwie fühlt es sich mehr nach sinnvoller Arbeit an als früher, weil ich über Produkte schreibe, deren Nutzen sich mir inzwischen besser erschließt als der Nutzen eines Autos, das dringend 250 fahren muss, drei Tonnen wiegt und so groß ist wie früher ein Kleinbus.

Ich ahne inzwischen auch, warum mir die Wissenschaft so viel Spaß gemacht hat: weil ich auch hier die innere Landkarte der Kunstgeschichte mit jedem Seminar vervollständige. Klar ist feministische Performancekunst der 1970er Jahre was anderes als altniederländische Malerei, aber beides bewegt sich in einem bestimmten Bezugsrahmen. Und je mehr ich über das eine weiß, desto mehr fällt mir auch beim anderen auf.

Weiterhin Dissertationsmotivationsloch. Verdammt.

Die innere Anspannung der letzten Woche fiel gestern völlig ab, ich war um 22 Uhr komplett bettschwer. Mein Kopf aber noch nicht, und auf einmal hinterfragte ich wieder alles. Erst gegen 2 (glaube ich) eingeschlafen.

Tagebuch, Dienstag, 14. August 2018 – Feiertag

Gleich am Morgen eine Nachricht bekommen, die meinen Bauch jubeln ließ, was mich sehr beruhigte, denn dem Kopf war das schon klar, aber der Bauch musste noch nachziehen. Das Luftschloss ist kein Luftschloss mehr, aber bis ich das nächste Woche schriftlich habe, halte ich noch meine Klappe.

Den ganzen Tag am Schreibtisch verbracht. In der Mittagspause die neue Folge von Better Call Saul geguckt. Das Vorstellungsgespräch im Kopierladen! So großartiges … ich wollte gerade „Fernsehen“ schreiben, aber das ist es ja gar nicht. Großartiger Streaming-Inhalt?

Die morgendliche Nachricht musste gebührend gefeiert werden. F. und ich gingen ins Walter & Benjamin, dessen Name der tollste Name für eine Weinbar überhaupt ist. Ich war bis jetzt zwei- oder dreimal da, aber so richtig, ganz, vollständig, total hatte mich der Laden nie überzeugt. Er war immer nett, aber eben nicht so nett, dass ich dringend wieder hinwollen würde. Gestern war aber alles richtig, ganz, vollständig, total in Ordnung. Wir saßen draußen, schauten im Gärtnerplatzviertel rum, ich freute mich über jede Tram, die vorbeifuhr, wir genossen vier Gänge, von denen zwei richtig toll, einer sehr gut und einer okay war, aber der okaye war nur deshalb okay, weil ich Kalbsnierchen nicht so richtig spannend finde. Dazu hatten wir drei Weißweine und zum Dessert einen blubberigen Lambrusco, den ich bisher nur aus der korbumwickelten Literflasche kannte. Der hier war fast ein Schaumwein und passte ganz hervorragend zum Nachtisch aus Kürbiskernbiskuit, -creme und halt Kürbiskernen plus einer Nocke Brombeereis. Das würde ich gerne nachbasteln, das war toll.

Wir saßen gut, unterhielten uns gut, das Essen war gut, die Temperaturen genau richtig, ich mochte den Anblick aus kleinen Holztischchen, vielen Gläsern, schönem Geschirr und steifen Servietten, die Gespräche von den Nachbartischen, die man nicht verstand, die aber eine schöne Atmosphäre zauberten, die Stadt machte Feierabend und wurde langsamer und ruhiger, und wenn der Typ nebenan nicht irgendwann einen Zigarillo entzündet hätte, wäre alles perfekt gewesen. Das hatte ich völlig verdrängt, dass man in Lokalen draußen noch rauchen darf. In meinem Kopf gehen Essen und Rauchen gar nicht mehr zusammen, obwohl ich immer noch, trotz inzwischen jahrelangem Nichtraucherdasein, manchmal beim abendlichen Espresso denke, ach, jetzt ne Kippe. Kaffee und Zigarette zusammen sind nämlich super.

Gemeinsam eingeschlafen. Ich freue mich darüber immer noch sehr. Jedesmal.

Tagebuch, Montag, 13. August 2018 – Ein Herz für Hamburch

Jetzt wo der Espresso langsam wird, verlassen mich meine Milchschäumfähigkeiten. Irgendwas ist ja immer.

Update zu einem Job gekriegt. „Hast du dafür in den nächsten Tagen Zeit?“

„Mittwoch ist eh Feiertag, da habe ich bergeweise Zeit.“

„Wasn fürn Feiertag?“

„Irgendwas bayerisches.“

„Hä? Wo bist du denn?“

„München.“

„Haha, ich dachte, du säßest in Hamburg.“

Luftschlossbesichtigung ging in die nächste Runde und schickte mein Gehirn auf viel zu viele Reisen auf einmal. Wie gut, dass es Freundinnen in Hamburg gibt, die Stichworte wie „Ich bin nicht super, aber ich bin okay“ und „Tinder“ in den Raum werfen, um das Gehirn wieder auf Spur zu kriegen. (Nein, das hat alles nichts mit den Herren der Schöpfung zu tun, aber das passte wirklich gut.) Also auf in die nächste Runde.

Aus mehlig kochenden Kartoffeln kann man keine guten Bratkartoffeln machen. Wer hätte es gedacht. (Wieder blind eingekauft.)

„Hier gilt: Jeder für sich, Scheiße für alle. Das hier ist der Dschungel.“

(Fiston Mwanza Mujila (Katharina Meyer/Lena Müller (Übers.): Tram 83, Wien 2016, S. 105 von 190, eBook.)

Tagebuch, Sonntag, 12. August 2018 – Riesenzopf

Kopf und Bauch streiten sich um das Luftschloss. Vorgestern hatte der Kopf recht, gestern der Bauch, heute morgen weiß ich gar nichts mehr.

Gelesen, am Handy und iPad rumgedaddelt, mir überlegt, mit F. nach Augsburg zum Testspiel des FCA zu fahren, mich aber dagegen entschieden; Testspiele sind mir egal. Auf der Website nachgeguckt, wann die Damen des FCB anfangen zu spielen – ich habe noch nie Frauenbundesliga geguckt, kann man ja auch mal machen, wenn man es schon vor der Haustür hat.

Wieder zwei Folgen Chef’s Table geguckt und totale Lust auf Rumköcheln bekommen. In meinem Lieblingskochbuch gelesen und mir vorgenommen, daraus endlich mal mehr zu machen als die üblichen Klassiker. Vielleicht mal gnadenlos zehn Post-its blind im Buch verteilen und ebenso gnadenlos nachkochen? Abends mit diesem Gedanken nochmal den Film Julie & Julia begonnen; kannte ich natürlich, kann man aber auch mehrfach schauen.

Einen Hefezopf angesetzt, den ich erstmals mit der Hand geknetet habe. Das war aber keine Absicht, sondern das Ergebnis meines hitzegeplagten Spatzenhirns. Ich habe keine Küchenmaschine, weswegen ich vor schweren Teigen noch zurückschrecke. Den Teig für den Zopf schaffe ich aber so gerade mit den Rührstäben meines Handmixers. Gestern griff ich wie üblich ohne nachzudenken in meine Schublade, in der der Mixer und seine Aufsätze liegen, schraubte ebenso gedankenlos die Stäbe ein und begann zu mixen. Im Nu hatte sich der Teig bis zum Mixer emporgefressen und ich konnte diesen gerade noch abschalten, bevor der Teig ins Mixerinnere vordringen konnte. Hm. Das war mir noch nie passiert, und den Zopf habe ich schon sehr oft gebacken (weil äußerst wohlschmeckend). Stäbe wieder reingeschraubt, Mixer angeschaltet – der gleiche Effekt. Weil mir die Butter allmählich wegzulaufen drohte, griff ich einfach mit den Händen in die Schüssel und knetete, bis mir der Teig so vorkam, wie ich ihn kenne. Ich bedeckte die Schüssel mit einem Tuch und ließ den Teig gehen. In der Zeit wusch ich die bereits benutzten Gegenstände ab und verräumte sie auch gleich wieder. Und erst als ich die Rührstäbe wieder in die Schublade legen wollte, fiel mir auf: Ich hatte gar nicht mit den Rührstäben gearbeitet! Die lagen nämlich in der Lade, während ich die Quirle in der Hand hatte. (Augenrollemoji.)

Nach der Ruhezeit teilte ich den Teig in drei Teile und ließ auch diese kurz ruhen. Danach rollte ich aus ihnen Stränge, die ich zum Zopf flechten wollte. Ich weiß nicht, ob es an meinem derzeitigen Netflix-Konsum liegt, aber ich behandelte den Teig deutlich vorsichtiger als sonst, wo ich eher rustikal mit ihm umgehe. Das scheint ein ungewollter Nebeneffekt davon zu sein, wenn man ständig Menschen zuschaut, die mit Pinzetten winzige Zutaten in Zeitlupe verarbeiten und daraus wunderschönes Essen zaubern.

Mein Zopf war nicht unbedingt wunderschön, aber dafür größer als jeder, den ich bisher produziert hatte. Gleiche Mengen wie sonst, gefühlt ein Drittel mehr Endprodukt. Ist mir recht. *mampf*

Abends mit F. den Supercup zwischen Bayern und Frankfurt geguckt. Endlich wieder anständiger Fußball nach dem ollen WM-Geholze! Bundesliga kann dann gerne losgehen. (Noch fast zwei Wochen!)

Tagebuch Freitag/Samstag, 10./11. August 2018 – Drinnen und draußen

Freitag hockte ich in einem tiefen Motivationsloch, das mich sehr überraschte, aber Menschen mit Doktortitel in meiner Umgebung so gar nicht. Nach der doofen Nachricht, dass ich keinen Einblick in den Grossberg-Nachlass bekomme, hatte ich das Mittwoch total motiviert umschifft, indem ich meine bisherige Forschung neu strukturierte (immerhin im Kopf). Auch Donnerstag war ich noch der Meinung, alles kein Thema, sehr schade, ja, aber nichts zu machen, dann eben ein anderes Ziel. Aber Freitag saß ich nur noch mutlos vor meinen Dokumenten und war sehr traurig darüber, dass ich mich zwar hobbymäßig weiter mit Grossberg beschäftigen könne, die Wissenschaft aber gerade von den Erben ausgesperrt wird. Das hat der Herr nicht verdient, ganz im Gegenteil. Von mir aus könnte jedes Jahr über ihn eine Diss erscheinen, so toll ist sein Zeug. Leider nicht von mir, und daran knabberte ich jetzt doch.

(Feuchtgebiete-Triggerwarnung für den nächsten Absatz:)

Abends ging ich zu F. und merkte beim Fußweg, dass er mir sehr schwer fiel. Die Hitze, die Ozonbelastung, weiß ich alles, aber trotzdem bin ich immer sofort sehr besorgt, wenn ich das Gefühl habe, dass meine brav erworbene Alltagskondition wieder nachlässt. Beim letzten Badaufenthalt vor der Nachtruhe wurde mir immerhin klar, warum ich den ganzen Tag so traurig und körperlich so matschig gewesen war: Die Tage kamen mal wieder. Die letzte Periode war herrliche 67 Tage her gewesen, und ich war daher auf diese überhaupt nicht vorbereitet, die kam aus dem Nichts, wo sie sich jahrelang immer brav drei Tage vorher angekündigt hatte. Mein Zyklus ist in den letzten zwei Jahren unregelmäßiger geworden, es vergehen durchaus zwei, drei Mal im Jahr zwei Monate, bis ich mal wieder rumblute. Ich ahne langsam, dass sich hier eine körperliche Veränderung abspielt, gegen die ich so gar nichts einzuwenden habe.

Die innerliche Reaktion ist allerdings nach über 35 Jahren Menstruation und sexueller Aktivität bei nicht-vorhandenem Kinderwunsch immer noch die gleiche: „Yay, meine Tage sind da! … Nerv, meine Tage sind da.“

Endlich mal wieder gemeinsam eingeschlafen, weil es endlich mal wieder Temperaturen gab, bei denen man einen warmen Menschen neben sich dulden will.

Samstagmorgen gemeinsam gefrühstückt, was wir sehr selten machen, weil unsere morgendlichen Vorlieben etwas auseinandergehen und auch die jeweilige Küchenausstattung sehr auf unsere individuellen Neigungen zugeschnitten ist. F. besorgte vom Lieblingsfranzosen Milchkaffee für mich und Brioche für uns beide, dazu noch herrliche Blätterteigkleinigkeiten, die Frau Mama hatte Sohnemann frische Brombeermarmelade mitgegeben, und so spachtelten wir uns in ein ausgiebiges Vormittagskoma.

(Alleine für diese Zwischenüberschrift auf der Website – und die Tüten – ist Dompierre eben der Lieblingsfranzose.)

Gegen 13 Uhr sahen wir uns schon wieder, als wir uns in den Bus setzten, um Espressobohnen zu kaufen. F. hatte mir vor einiger Zeit zwei Kaffeesorten aus einer örtlichen Rösterei geschenkt, von denen eine meine absolute Lieblingssorte geworden ist. Von der war nur noch ein guter Esslöffel in der Tüte, und bevor ich den Sonntagmorgen weinend in der Küche stehen müsste, wollten wir Nachschub besorgen.

Das Caffé Fausto liegt in meiner Auffassung am Arsch der Heide, und es hat quasi keine Laufkundschaft. Trotzdem war recht gut besucht, obwohl jetzt am Wochenende nicht die üblichen Büromenschen der Krämermühle, in der sich das Café befindet, da waren. Wir saßen draußen und guckten eine Stunde lang einem stetigen Strom von Menschen zu, der zu Fuß, per Rad oder Auto kam, um Kaffeebohnen zu kaufen. Die meisten hatten die Kilotüten im Arm, als sie wieder gingen. Das fand ich schon spannend, dass hier anscheinend ein Produkt hergestellt wird, für das Leute Umwege in Kauf nehmen, denn hier ist nichts nebenan, wo man noch die üblichen Erledigungen abfiedeln könnte, Supermarkt, Post, Apotheke, Zeug halt, zu dem man öfter muss. Hierher fährt oder geht man nur für den Kaffee. If you build it, they will come.

Und abends sahen wir uns dann zum dritten Mal, denn wir wollten ins Takumi, um Ramen zu essen. Draußen herrschten 23 Grad, die selbst ich Wärme-Meckerliese als angenehm empfand nach den zwei Wochen 30 Grad. Im kleinen Lokal selbst waren es dann gefühlt aber wieder 30, die Luft stand, und die Belegschaft gab Fächer aus, die auch flächendeckend genutzt wurden. Mir lief der Schweiß schon ohne Mahlzeit den Nacken herunter, aber als dann die heiße Nudelsuppe vor mir stand, war alles vorbei. Es schmeckte großartig, aber ich sah nach dem Essen wie nach einem Saunabesuch aus. Aber das war’s natürlich wert.

Auf dem Nachhauseweg kamen mir wieder die Luftschlösser ins Gehege, über die ich seit letztem Montag nachdenke und belasteten mich kurz, aber das löste sich im Laufe der Nacht wieder auf. Mal sehen, wie es auf dieser Baustelle weitergeht, über die ich hier weiterhin nur kryptische – und damit für die geneigte Leserin total nervige – Andeutungen machen möchte.

Gestern war der Todestag von Hans Memling, und der schöne Rubens-Twitter-Account würdigte das natürlich. Wir sprachen gerade im Podcast über den Herrn, über den ich meine erste Hausarbeit im Studium geschrieben habe, unter anderem über dieses Bild.

Tagebuch, Donnerstag, 9. August 2018 – Keine Angst mehr vor Wespen!

Wie schon seit Tagen oder gefühlten Wochen morgens irgendwann zwischen 5 und 6 aufgewacht, weil da auf einmal ein kühler Luftzug durchs Fenster kam. Sofort aufgestanden, alle Fenster aufgerissen, wieder ins Bett gegangen und das Internet leergelesen anstatt was Vernünftiges zu machen.

Das Einersieb bei meiner Espressomaschine ausprobiert und komplett miese Brühe produziert. Wo ich doch vorgestern erstmals, trotz wirklich mangelhafter Mühle, mit dem Zweiersieb etwas erschaffen hatte, was meinen Geschmacksvorlieben schon äußerst nah kam. Aber da ist noch eine Menge Spielraum. Erstmal zwanzig Kilo Bohnen kaufen für die weiteren Versuchsreihen.

Die Maschine ist so wunderschön, ich freue mich jeden Morgen, wenn ich sie einschalte. Sie ist aber gleichzeitig wie die Raumkapsel in Gravity mit der russischen Bedienungsanleitung – im Prinzip weiß ich, was ich machen muss, aber es fühlt sich trotzdem nach totalem Trial and Error an. Aber weil die Maschine so schön ist, macht jeder Versuch Spaß. Und ich habe endlich wieder anständig vorgewärmte Tassen! #diekleinendinge

Vormittags vor der ganz großen Hitze (34 Grad abends) zur Post gegangen und ein Päckchen abgeholt. Dann auf den alten Nordfriedhof gegangen, mich auf eine Bank gesetzt und gelesen. Vielleicht lag es an meinem pinkfarbenen Shirt, vielleicht an meiner Schweißproduktion, vielleich auch am Buch, aber eine Wespe schien großes Interesse an mir zu haben.

Vor Jahren war ich eine der Nervensägen, die sofort hysterisch vom Café- oder Biergartentisch aufsprangen, wenn sich eine Wespe näherte. Ich bin immer noch kein Fan von ihnen, aber inzwischen schaffe ich es, meine Maß mit einem Buch abzudecken und die Viecher irgendwie zu ignorieren. Beim Essen nerven sie mich allerdings immer noch, daher mache ich das wirklich lieber in Innenräumen. Vor kurzem las ich irgendwo (Quelle: Internet), dass einen Wespen nur so nah umkreisen, weil sie so schlecht sehen. Die wollen einen nur kennenlernen und haben dazu noch ihre Brille vergessen! Damit kann ich lustigerweise viel besser umgehen als wenn ich davon ausgehe, dass die fiesen Möpps nichts besseres zu tun haben als mich zu stechen. Und so saß ich gestern halbwegs (immerhin) entspannt weiter beim Lesen, als eine Wespe um mich herumflog und sich schließlich sogar auf mein Bein setzte. Früher wäre es bis dahin gar nicht gekommen, weil ich längst schreiend und ärmchenwedelnd 500 Meter weiter weg gewesen wäre. Ich war ein bisschen stolz auf mich, so erwachsen und so.

Ein Tweet, über den ich seit vier Wochen grinse:

Wieder eine Folge Chef’s Table geguckt (ja, ich bin spät dran, ich weiß), dieses Mal über die drei Jungs von El Celler de Can Roca in Girona, genauer gesagt über Jordi Roca, den Patisseriechef. Relativ zu Anfang der Sendung konnte man ihm dabei zuschauen, wie er ein Dessert namens „Blumen aus Girona“ zubereitete, das mich ernsthaft zu Tränen rührte – und ich habe es nicht einmal gegessen! Ich habe leider kein Foto gefunden, daher hier ein Screenshot aus der Folge. Eine Skyline aus Zucker, mit Blumen und Pulver verziert, dahinter nochmal die Skyline als Schatten aus Schokolade, wenn ich das richtig gesehen habe. Ein kleines Wunderwerk.

Nach den schon angesprochenen 34 Grad fielen die Temperaturen endlich mal wieder auf ein menschenwürdiges Maß. Dazu begann es gestern anständig zu regnen und ich riss alle Fenster auf, warf eine Decke auf mein weißes Sofa, damit es nicht nass wurde und genoss mit F. eine Portion Nudelsalat, die ich eigentlich für den Biergarten vorbereitet hatte. Dazu tranken wir zwei Augustiner, die im Februar und Mai abgelaufen waren. Ich scheine echt nicht mehr viel Bier zu trinken. Waren auch meine letzten beiden Flaschen in der Wohnung.

Was schön war, Mittwoch, 8. August 2018 – Erinnerungen

Tagsüber in Wolkenschlössern rumgehangen. Sollte ich nicht, weiß ich auch, konnte ich meinem Kopf aber nicht klarmachen. Also habe ich ihm nachgegeben und viel Spaß gehabt. Mal sehen, ob der bleibt.

Viel gelesen, allerdings nichts für die Diss. Ein bisschen pflichtschuldig rumbibliografiert, aber eigentlich habe ich mir innerlich immer noch Urlaub gegeben, bis diese verdammte Hitze endlich aufhört. Also bis morgen.

Abends ein Buch in die Unibibliothek gebracht und zwar mit dem Fahrrad. Eigentlich mag ich die klimatisierten Busse ja sehr, aber ich dachte, Fahrtwind wäre vermutlich noch besser. War er auch. Und wenn ich eh schon auf dem Rad war, konnte ich beim liebsten Burgerladen vorbeifahren und mir was Nettes zum Abendessen mitnehmen (kalt wird das Zeug derzeit ja nicht, selbst mit Fahrtwind). Ich genoss zuhause vor dem Ventilator einen Giggly Burger mit leckeren Balsamicozwiebeln sowie Pommes mit Limettenmajo. Dabei sah ich eine Folge von Chef’s Table über Nancy Silverton, die sich an ihren Auftritt bei Julia Child erinnerte. Sie servierte ihr ein heißes Dessert, bei dem Child zu weinen begann – und Silverton dachte: „I burned Julia Child!“ Die Szene finde ich nicht online, aber immerhin den Clip zur Child-Sendung. Hashtag Futterglück.

Und zu später Stunde saß ich dann quasi mal wieder vor dem Fernseher, den ich ja nicht habe, weil ich kaum noch deutsches Fernsehen schaue; ich saß also vor dem Laptop und genoss den Dokumentarfilm Kulenkampffs Schuhe, der auch in der Mediathek zu finden ist. Im Tagesspiegel steht eine sehr gute Besprechung.

Es geht in der Dokumentation um die Zeit der 50er bis 70er Jahre, in denen sich das deutsche Publikum unter anderem von den Herren Kulenkampff, Rosenthal und Alexander unterhalten lässt und erstmal das Wirtschaftswunder genießt, anstatt sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eine Szene, die so nebenbei abgehandelt wird, führt diese Verdrängung recht deutlich vor Augen: Hans Rosenthal sitzt bei Joachim Fuchsberger in dessen Talkshow und erzählt, wie er sich zur NS-Zeit in einer Berliner Laube versteckt hatte. Er bechreibt, wie er unter einem Sofa lag, während darauf Menschen saßen, die ihn das Leben hätten kosten können, und wie er einen Hustenreiz zu unterdrücken versucht. Die Kamera schwenkt ins Publikum, wo Menschen über diesen Satz lachen. Ich bin mir sicher, dass viele das aus Verlegenheit taten oder weil man eine derartige Szene aus komischen Filmen kennt, die immer gut ausgehen, aber trotzdem schaute ich recht fassungslos zum Laptop und fragte mich, ob einer dieser Menschen im Publikum einer der Sofasitzer hätte sein können. Da wird eine lebensbedrohliche Situation zur Unterhaltung; Rosenthal erzählt es auch ernst, nicht auf eine erleichternde Pointe aus, aber die Menschen lachen trotzdem.

Ich musste mich selbst daran erinnern, dass ich sehr lange nicht wusste, das Rosenthal jüdischen Glaubens war; das war einfach nie ein Thema. Ich erinnerte mich auch daran, dass die Kulenkampff-Sendung Einer wird gewinnen bei uns Familienprogramm war. Meine Eltern mochten „Kuli“ sehr gerne, ich fand ihn einerseits charmant und andererseits total übergriffig und schleimig den weiblichen Kandidatinnen gegenüber. Beide Seiten kommen in den vielen Ausschnitten aus EWG im Film auch gut zur Geltung. Bis gestern hatte ich noch nie darüber nachgedacht, was eigentlich Kulenkampff zur NS-Zeit so gemacht hatte, er war für mich, so gut wird es im Film ausgedrückt, „ein Mann ohne Vergangenheit“ – wie es vermutlich die Mehrheit der Deutschen war, um irgendwie miteinander arbeiten zu können. Ich zitiere mal eine Fußnote aus meiner Masterarbeit, an die ich sofort denken musste: „Hermann Lübbe nennt dieses bewusste Beschweigen eine „nicht-symmetrische Diskretion“ zwischen NS-Tätern und Mitläufern sowie NS-Opfern. Für ihn war diese „Diskretion“ die einzige Möglichkeit, einen neuen, funktionierenden Staat zu errichten, in dem auch Tätern die Möglichkeit gegeben wurde, ihn aktiv mitzugestalten, vgl. Lübbe, Hermann: Vom Parteigenossen zum Bundesbürger. Über beschwiegene und historisierte Vergangenheiten, Paderborn 2007, S. 22. Diese Auslegung Lübbes ist bis heute umstritten, meint auch Norbert Frei, der in dieser Praxis eine „aktive Begünstigung der Täter“ sieht, vgl. Frei, Norbert: 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewusstsein der Deutschen, München 2005, S. 33.“

Auch über Peter Alexander hatte ich nie nachgedacht, der war für mich immer der Kellner aus dem Weißen Rößl, einen Film, den ich noch heute gerne sehe (und bei dem ich mitsinge). In der Dokumentation kommt er ein wenig zu kurz und dient fast nur als musikalische Einlage, die belegt, dass man auch über schreckliche Zeiten schwungvolle Lieder machen konnte. Ich frage mich seitdem, ob das Absicht oder Ignoranz war.

Die Autorin des Films Regina Schilling verknüpft diese Unterhaltungssendungen mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Ihr Vater war in etwa der gleiche Jahrgang wie die drei Entertainer, die zu ihren Ersatzvätern wurden, als ihr Vater früh verstarb. Manchmal waren es mir zuviele alte Familienaufnahmen, wo ich lieber noch mehr über die Gesamtgesellschaft erfahren hätte, aber ich mochte diese persönliche Verknüpfung gerne. Genau wie die Schilderung ihrer kindlichen Unschuld, mit der Schilling diese Sendungen sah, bis sie auf einmal Andeutungen verstand, die ihr vorher durchgerutscht waren, und auch ihr klar wurde, dass Unterhaltung keine Auseinandersetzung ist. Oder sogar ihr Gegner.

Ich habe durch den Film wieder an meine eigene Kindheit denken müssen, an meine Eltern, an gemeinsame Fernsehabende, an das allmähliche Verstehen, dass meine Großeltern Teil der NS-Generation waren. Daran, dass ich trotz meiner Beschäftigung mit dieser Zeit über so viele Aspekte eben nicht nachdenke. Dass ich bis letzten Dezember nicht wusste, dass mein Opa bereits 1935 in der Wehrmacht war. Dass die fehlende Auseinandersetzung noch bis in meine Generation weitergeht – und heute von bestimmten politischen Parteien bewusst zurückgedrängt wird. Ich habe durch den Film auch Dinge über Horst Tappert, Robert Lembke und Kulis „Butler“ Martin Jente gelernt, die für mich auch Männer ohne Vergangenheit waren. Das hört anscheinend nicht auf.

Tagebuch, Sonntag bis Dienstag, 5. bis 7. August 2018 – Yay, nay, Serienkonsum

Derzeit treibe ich auch durch die Hitze sehr behäbig durch meine Tage. Am Samstag passierte aber etwas, das mich das ganze Wochenende elektrisierte und mich am Montag um eine Minute nach neun bei jemandem anrufen ließ, bevor viele andere es tun. Das war ein sehr vielversprechendes Telefonat und ihr müsst jetzt mal blind die Daumen drücken.

Gestern führte ich dann leider ein weitaus weniger erfreuliches Gespräch: Die Erb*innen von Carl Grossberg möchten sich nicht so gerne in die Karten bzw. mich in den Nachlass gucken lassen. Ich gehe auch hier nicht weiter ins Detail, aber ich bin nicht die erste, die eine Absage kriegt. Mein Gesprächspartner in einer Galerie, über die ich den Kontakt herzustellen versucht habe, wird nochmal nachfragen, machte mir aber nicht viel Hoffnung auf ein besseres Ergebnis.

Daher schrieb ich zügig eine Mail an den Doktorvater mit der Bitte um ein Gespräch, denn meine ursprüngliche Idee ist ohne einen Einblick in den Nachlass eher doof. Der Mann ist aber gerade in den wohlverdienten Sommerferien wie irgendwie die halbe Stadt. München im August ist fast so seltsam wie Paris im August – keiner mehr da. (Die kommen alle erst zum Oktoberfest wieder.)

Zurück zur Diss: Klar kann ich mich auch bei den bisherigen Quellen über Grossberg bedienen – gerade die eine Diss von 1990 beschreibt viele Dinge und Werke, die ich noch nicht kannte –, aber das kann’s ja auch nicht sein, da nur abzuschreiben. Aber: Ich kann meine Protzen-Recherchen auch in andere Zusammenhänge bringen, was mir bei der Referatsvorbereitung für die Korrekturfee aufgefallen ist. Aber wenn ich ehrlich sein darf, hatte ich mich des Öfteren nur deshalb so diszipliniert durch den banalen Protzen gewühlt, weil ich Naivling dachte, dass irgendwann mein geliebter Grossberg kommt.

(Habe ich jetzt etwa umsonst zwei Stunden lang gescannt? Für über 30 Euro? Ja, Anke, genau *das* ist jetzt dein Problem.)

Gestern regnete es in der Maxvorstadt für ungefähr eine Viertelstunde und ich behaupte, es kühlte sich auf 30 Grad ab.

Und wir hatten Stromausfall! Total aufregend! Ich wunderte mich ein paar Minuten, dass mein Handy, an dem ich gerade rumdaddelte, von W-LAN auf LTE umschaltete, dachte mir aber nichts dabei. (Das Internet. Ein ewiges Rätsel.) Erst als ich mir frische Eiswürfel holen wollte, fiel mir das fehlende Licht im Kühlschrank auf und dann die schwarze Routerbox. Ich guckte in meinen Sicherungskasten – jeder Schalter da, wo er sein sollte. Ich ging ins Treppenhaus und versuchte, das Licht anzuknipsen – nichts. Aha. Es ist also nicht nur meine Wohnung. Dann ging ich tapfer fünf Stockwerke nach unten – wegen des Stromausfalls wusste ich, dass ich sie auch wieder hochgehen musste anstatt den Fahrstuhl zu nehmen und wir wissen ja, wie doof Treppensteigen für meinen kleinen Klumpfuß ist – und guckte, wie es der Leuchtreklame des Getränkemarkts gegenüber ging. Die war auch aus, im Laden war kein Licht, die Jungs standen vor dem Laden und meinten, der Ekeda fünf Häuser weiter sei auch schon dicht, hier hätte gerade niemand Strom. Ich kletterte wieder nach oben und wollte gerade die Stadtwerke anrufen, als meine Routerbox lustig klickte und der Strom wieder da war.

Da habe ich dann auch sofort meine Powerbank wieder aufgeladen, die total leer war, und ich will mir jetzt eine Taschenlampe kaufen. (Den Sicherungskasten konnte ich noch mit der iPhone-Lampe beleuchten.)

Die neue Staffel von Orange is the New Black gefiel mir in ihrer Hoffnungslosigkeit und ihrem Zynismus, aber auch mit ihren teils neuen Allianzen sehr gut und ließ mich die beknackte letzte fast vergessen. Wobei ich Badison dauernd eine reinhauen wollte.

Die neue Folge von The Affair hat mich fertiggemacht. Hier eine wirklich gute Rezension, die aber komplett alles spoilert. Ich weise auf den dritt- und vorletzten Absatz hin, die für mich die Faszination für diese Serie sehr gut zusammenfassen.

Die neue Staffel von Better Call Saul fängt so gut an wie bisher alle Folgen waren, und ich weiß, ich wiederhole mich, aber von mir aus kann es noch fünf Staffeln dauern, bis aus Jimmy Saul wird. Ich mag das Tempo dieser Serie sehr gern.

Frischkäsetorte mit Blaubeeren und weißer Schokolade

Ich ahne, dass eh jede*r von euch schon ein Rezept für die legendäre Philadelphia-Torte parat hat, aber ich hatte noch keins. Bis jetzt. Ich orientierte mich am Original, warf aber noch ein bisschen Schokolade dazu. Weil alles besser mit Schokolade ist.

Eine 26er-Springform mit Backpapier auslegen.

6 Blatt weiße Gelatine in kaltem Wasser einweichen.

125 g Butter schmelzen.

80 g weiße Schokolade hacken, den Rest der 100-g-Tafel für die Deko beiseite legen.

150 g Löffelbiskuits in einen Gefrierbeutel legen und mit einem Nudelholz zerkleinern. Ich habe es nicht ganz puderfein gemacht, sondern ein paar erkennbare Stückchen so belassen. Die Biskuitbrösel mit der Butter und der gehackten Schokolade vermischen und fest in die Springform drücken, um einen gleichmäßigen Boden zu bekommen. Ich mache das nur mit den Fingern, Buzzfeed Tasty benutzt immer gerne ein metallenes Cup-Maß, um alles schön glatt zu kriegen. Nur so als Tipp.

525 g Frischkäse (Doppelrahmstufe) aka drei Packungen Philadelphia mit
300 g Jogurt (3,5% Fett) und
3 EL Zitronensaft mischen.
300 g Blaubeeren unterheben. Ich habe sie ganz gelassen, man kann sie aber auch dekorativ etwas zerdrücken, dann bekommt die Torte im Idealfall lustige Farbverläufe beim Aufschneiden.

70 g Zucker in einen kleinen Topf geben. Die Gelatine leicht ausdrücken und mit dem Zucker erwärmen. Dabei umrühren, so dass sich Zucker und Gelatine auflösen. Wenn das passiert ist, Topf vom Herd nehmen und einen dicken Klecks der Frischkäsemischung einrühren (Temperaturangleich). Danach die Zuckergelatine zügig unter den Rest der Frischkäsemischung rühren und alles in die Springform geben.

Für mindestens drei Stunden im Kühlschrank festwerden lassen. Zum Servieren mit Blaubeeren und weißen Schokoraspeln bewerfen.

Tagebuch, Samstag, 4. August 2018 – Immer noch hitzefrei

Dass es hier im Blog so ruhig ist, liegt nicht daran, dass ich zu faul zum Schreiben wäre – es gibt nur gerade nichts, worüber ich schreiben könnte. Mein Kopf ist anscheinend seit Lindau im Sommerferienmodus und ich mag das eigentlich recht gern. Dann gönne ich mir halt mal richtig Urlaub. Aka ich leide still und bewegungslos in meiner Wohnung vor mich hin oder gehe bzw. schleiche auf den Nordfriedhof, weil es da unter den Bäumen gefühlt zwei Grad kühler ist und manchmal sogar ein leichter Wind geht. Dann sitze ich da mit einem Buch und dem Smartphone und habe Urlaub.

So ähnlich sitze ich auch abends und frühmorgens in meiner Wohnung. Dann reiße ich alle Fenster auf und versuche, mit meinem Ventilator und der geöffneten Wohnungstür eine Art Durchzug zu produzieren. Zwischen Tür und Zarge steht der riesige Karton, in dem meine Espressomaschine verpackt war und sorgt dafür, dass die Tür nicht zufällt. Ich sitze sinnlos im fensterlosen Flur rum, wo mich dieser winzige Durchzug immerhin ein bisschen erreicht. Morgens ist es hell, da könnte ich theoretisch Zeitung oder Papierbücher lesen, aber abends will ich kein Licht einschalten. Daher nehme ich immer mein iPad mit und lese neuerdings wieder verstärkt eBooks, weil die eben kein Licht brauchen. (Wieviel Wärme meine guten alten, gelblichweißen Nicht-Energiesparbirnen abgeben, habe ich auch erst in den letzten Tagen gemerkt.)

Derzeit lese ich Tram 83 und mag es bisher sehr. Wie ich schon auf Instagram, wo mir in den Kommentaren noch weitere Literatur empfohlen wurde, schrieb: Seit ich das sehr beeindruckende Kongo: eine Geschichte von David van Reybrouck gelesen habe, achte ich verstärkt auf Nachrichten aus dem Kongo – die kommen meist in den Wirtschaftsteilen vor, Stichwort Coltan – oder auf kulturelle Dinge aus diesem Land, wie eben Romane. Van Reybrouck schrieb sehr eindringlich über die Musikszene in den 1970er Jahren im Kongo, und so ungefähr fühlt sich das Buch stilistisch an, wenn es auch eher in der heutigen Zeit spielt.

The Useless French Language and Why We Learn It

Ich mochte den Teaser, den Arts & Letters Daily, in deren Twitter-Feed ich diesen Link fand, dem Artikel vorausgestellt haben: „Learning French has been likened to joining a gang. Both involve “a long and intensive period of hazing.” Why bother? It forces you to rethink your approach to language itself.“

Der Artikel rezensiert mehrere Bücher, in denen verschiedene Autor*innen beschreiben, wie sie Französisch gelernt haben – oder auch nicht. Ich habe bis heute gefühlt fünf oder sechs Anläufe genommen, bin aber nie auf ein nennenswertes Niveau gelangt. Trotzdem mag ich die französische Sprache sehr gerne, erkämpfe mir ab und zu Graphic Novels oder versuche, Harry Potter zu lesen. Ich muss mir leider eingestehen, dass ich schlicht zu faul bin, diese Sprache jemals vernünftig zu lernen, und bleibe vermutlich daher bis an mein Lebensende zwei-, aber nicht dreisprachig. Immerhin kann ich so englische Artikel über Französisch lesen. Ist ja auch was. (Merde.)

„Students of the English language who come to the United States must prepare themselves for just how badly Americans have debased its words: great, awesome, and even perfect, to name just three, now carry no particular connotation there but of a vague, undifferentiated, and often surprisingly mild positivity. (The list of what Collins says she “loves” runs to include “the woman who gives me extra guacamole at Chipotle, hydrangeas, podcasts, clean sheets.”) English speakers, write Julie Barlow and Jean-Benoît Nadeau in The Bonjour Effect: The Secret Codes of French Conversation Revealed (2016),

think of their language as “open,” “flexible,” and “accommodating.” The French story is exactly the opposite. In French minds, their language is a particularly complex and nuanced tongue with no gray zones and little, if any, à peu près (approximation). Words are right or words are wrong. Every word has a precise meaning distinguishing it from other words. […]

Asked what he loves, Sedaris (who, also an American, presumably has no fear of using that verb recklessly) names “IBM typewriters, the French word for ‘bruise,’ and my electric floor waxer. It was a short list, but still I managed to mispronounce IBM and afford the wrong gender to both the floor waxer and the typewriter.” His teacher reacts as if “these mistakes were capital crimes in the country of France. ‘Were you always this palicmkrexjs?’ she asked. ‘Even a fiuscrzsws tociwegixp knows that a typewriter is feminine.’” Several of these writers underscore the French word for a language error, faute: it “doesn’t mean just ‘fault’ or ‘mistake,’” writes Alexander, “but carries a moral or judgmental stigma, unlike a mere erreur.” Coates puts a more positive spin on the corrections he receives, everywhere and often, from the French public: “The woman at the café who is sure to tell me that it is ‘une baguette’ not ‘un baguette’ is telling me something about herself, her people and her nation.”

Though some aspects of the French language may technically challenge the English speakers more than its gendered nouns, none have inspired more complaints. “Imagine everyone you’ve ever met looking exactly alike, and then, four decades into your acquaintanceship, having to go back and try to figure out who’s a man and who’s a woman,” writes Collins in an attempt to communicate the frustration. “And then, to make matters more complicated, some of the men are women and some of the women are men.”“

Tagebuch, Donnerstag/Freitag, 2./3. August 2018 – Hitzefrei

A Family’s 400-Year-Old Musical Secret Still Rings True

Wir waren ja alle mal irgendwann in einer Band (ich ungefähr für fünf Minuten) und kennen daher den Namen „Zildjian“, wenn wir den Drummer anschmachteten (okay, ich eher den Basser). Zildjian ist ein Hersteller von Becken – und wie ich seit der Lektüre dieses Artikels weiß, das bereits schon seit 400 Jahren und in der 14. Generation. Im Artikel wird beschrieben, woher das Instrument kommt und wie es sich über 3000 Jahre verändert hat.

„Zildjian was incorporated in the United States in 1929. But the company’s relationship with drummers, and drumming itself, dates back much further: 400 years to be precise, to 1618, when a secret casting process resulted in the creation of a new bronze alloy for the court of Sultan Osman II, the ruler of the Ottoman Empire.

“My father always said that the name is bigger than any one person in the family,” said Craigie Zildjian, the company’s chief executive officer (the first woman to have the job), a member of the family’s 14th generation of cymbal makers. “In other words, you have this little piece of 400 years. Don’t screw it up.” […]

Touring the factory, which now sits in a leafy industrial park in Norwell, Mass., is the drummer’s equivalent of stumbling into Willy Wonka’s chocolate factory. “We are the music makers, and we are the dreamers of dreams,” Mr. Francis, the director of research and development, said, quoting the movie, as he led the way on a recent visit.

A line of Gen16 products attempts to create an electronic cymbal that looks and feels like a real cymbal instead of a drum pad. A low-volume practice cymbal that looks like mesh is selling well among drummers in Asia who live in apartments with thin walls.

The lobby has the feel of a show room, with kits on display that belonged to Travis Barker (Blink-182), Tré Cool (Green Day) and Ginger Baker (Cream), along with a replica of Ringo Starr’s. “We all know what happened in 1964,” Mr. Francis said, referring to the British Invasion. “We had 90,000 cymbals on back order.”“

Tagebuchbloggen, Donnerstag, 2. August

Die liebe Nessy hat Gründe, auch als Selbständige gesetzlich und nicht privat krankenversichert zu sein. Das sind auch genau meine: Ich finde das Solidaritätsprinzip gut, und ich zahle gerne mehr, weil ich auch mehr abgeben kann. Ganz einfach.

Wenn ich aber irgendwann mal ins Krankenhaus muss, würde ich mir ein Einzelzimmer erkaufen, sonst werde ich noch kränker. Meine Mutter hat mal allen Ernstes mit akutem Tinnitus in einem Sechsbettzimmer gelegen. WTF?

Cheer up, Deutschland

Der Economist wundert sich, warum wir alle so schlechte Laune haben. Ich mich auch. (DIESE HITZE!)

„Pessimism comes easily to Germans. Gloom stalked their literature even before the traumas of the 20th century. “Simplicius Simplicissimus,” the first great German novel, describes a peasant wandering the devastated Holy Roman Empire after the Thirty Years War; Goethe and his contemporaries imagined love-struck romantics killing themselves in dark forests; Wagner’s Ring Cycle ends with Valhalla in flames. Few Germans ever quite believe that calamity is not just around the corner, reckons John Kornblum, a former American ambassador. He relays a tale of a woman who came up to him in the street unbidden and warned him that he would trip over and die if he failed to tie his shoelace. […]

This is all getting out of hand. Pessimism, and the associated perfectionism, may be a German strength—but in moderation. And that moderation risks succumbing to the latest bout of hyperventilating self-denigration, along with basic facts about the state of the country. Germany’s economy, for example, is powering ahead. Unemployment is at a record low, and exports are booming. Its infrastructure is among the best in the world. Inequality remains lower than in most other rich countries and the quality of life higher (the fourth best in the world, according to the UN’s Human Development Index). German politics, it is true, is fragmenting, as in other European countries, but Mrs Merkel remains a sensible and decent leader, and moderate forces still dominate.“

Was schön war, Dienstag/Mittwoch, 31. Juli/1. August 2018 – NICHT DIE HITZE!

Ich erwähnte es in diesem Blog vermutlich schon eine Million Mal: Ich bin kein Sommertyp und werde es auch nicht mehr. Seit ich Frieden mit meinem Körper geschlossen habe, ist es mir immerhin egaler, wie ich im Sommer bzw. bei Hitze von anderen Menschen wahrgenommen werde, denn sie schwitzen ähnlich wie ich und sehen oft genauso rotgesichtig aus, ha! Generell finde ich Hitze aber unangenehm, weil ich nichts gegen sie machen kann – außer ständig einen nassen Waschlappen zur Hand zu haben oder den Ventilator im Dauerbetrieb, was ich aber beides nach wenigen Stunden sehr nervig finde. Hitze kann ich nur aussitzen, während ich gegen Kälte was machen kann; es gibt immer noch ein paar Socken und einen Pulli und eine Mütze mehr, während ich bei Hitze leider nur zuhause in äußerst spärlicher Bekleidung rumlaufen kann.

Daher bin ich im Moment eher unwillig, irgendetwas Vernünftiges zu machen, auch nicht für eine schöne Dissertation. Die meiste Zeit verbringe ich möglichst bewegungslos auf dem Sofa bei heruntergelassenen Rolläden, was nach über einer Woche großer Hitze allerdings auch nichts mehr bringt. Meine Wohnung ist zu klein, um sie wirklich wieder kühl zu kriegen, auch nicht nachts – gestern ging ich um kurz vor 23 Uhr ins Bett, als es draußen noch lauschige 26 Grad hatte. Mit nur einem Zimmer, einer immerhin halbwegs großen Küche und Bad ist auch nicht wirklich Durchzug zu machen, weswegen ich neuerdings abends immer einen Stuhl in den Rahmen meiner geöffneten Wohnungstür stelle, damit sie nicht zufällt. Darauf setze ich mich dann und lese und hoffe, dass die Türöffnung zum Treppenhaus wenigstens ein bisschen Durchzug bringt. Ich behaupte, manchmal ein Lüftchen zu spüren.

Dienstag musste ich aber doch vor die Tür, denn eine grundlegende Dissertation für meine Dissertation musste wieder zurück in die Bibliothek, wo ich sie per Fernleihe herhatte. Ich durfte sie nicht verlängern, was mich wunderte, aber egal. Ich hatte die 500 Seiten zwar halbwegs ordentlich gelesen und mir auch das Wichtigste notiert, ahnte aber, dass ich da noch öfter reingucken wollen würde. Also schlich ich gaaanz laaangsam in die Stabi, wo ein Overheadscanner auf mich wartete – wie im ZI auch –, aber vor allem ein Beratungsservice, den ich in Anspruch nehmen wollte. Die Diss war nämlich nur einseitig bedruckt, und weil ich nicht wusste, wie ich das einstelle, nicht 500 sinnlose leere Seiten zu meinen 500 mit Text und Bildern im PDF zu haben, wollte ich jemanden fragen, der sich damit auskennt. Das tat ich dann auch, ging alles, man half mir auch bei der Einstellung der Graustufen für den Abbildungsteil, die aber auch nichts mehr rausholen konnten. Die Diss ist von 1990, wo man anscheinend Dinge kopierte, um sie dann nochmal zu kopieren und davon noch eine Kopie zu machen, die dann als Abbildungsteil in einer Diss landen. Ich erkannte die meisten Bilder zwar, aber es gibt viele, die ich noch nicht kenne und die noch nirgends publiziert sind – aber jetzt habe ich wenigstens ein schwarzweißmieses PDF, mit dem ich vergleichen kann, falls ich jemals das Original vor Augen habe. (Ich habe immer noch keinen Kontakt zu den Erben Grossbergs, womit meine ganze Diss steht und fällt.)

Ich stand knapp zwei Stunden am Scanner und blätterte und scannte und blätterte und scannte. Aus mir wäre vermutlich kein guter Hiwi geworden; ich war so gelangweilt, dass ich alle 50 Seiten dachte, scheiß drauf, du promovierst jetzt einfach über was anderes anstatt hier noch weiter rumzuscannen.

Und gestern ging ich dann in einen Laden, der unter anderem Espressomaschinen verkauft.

Ich hatte mir im März eine winzige Siebträgermaschine gekauft, mit der ich auch ein paar Wochen halbwegs zufrieden war, bis ich bei einer Kaffeeschulung vorgeführt bekam, wie vernünftiger Espresso schmecken kann. Seitdem bereitete ich mir meine morgendliche Koffeindosis in der Bialetti zu oder trank gleich Cold Brew, rührte die olle DeLonghi aber nicht mehr an. Manchmal ging ich sogar zu anderen Menschen, weil ich endlich mal wieder was Anständiges trinken wollte.

Ich wollte eigentlich in diesem Jahr nichts Größeres mehr kaufen. Meine selbständige Arbeit läuft im Moment zwar gut, könnte aber natürlich noch besser sein; ganz so entspannt wie vor dem Studium bin ich noch nicht wieder. Die ungeplanten Ausgaben für den Urlaub habe ich eingesehen, das war eine Investition in meine Gesundheit, aber brauche ich wirklich eine teure Espressomaschine? Ich schlich seit Wochen in diversen Kaffeeforen rum, verglich Maschinen und wehrte mich innerlich gegen diese Ausgabe, wurde aber trotzdem jeden Morgen nölig, wenn ich an meine jetzt gerade nicht getrunkenen Cappuccinos dachte. Ich war kurz davor, die Nespressomaschine von F. zurückzuholen, die ich nach dem Kauf der DeLonghi bei ihm deponiert hatte, aber das brachte ich einfach nicht mehr übers Herz. Und F. war schließlich auch Schuld, dass ich gestern einkaufen ging, weil er total unschuldig fragte, ob es mich glücklich machen würde, eine gute Maschine zu benutzen.

Ja gut dann.

Ich wurde sehr freundlich beraten, bekam einen Probeespresso und einen Probecappuccino serviert, man zeigte mir die Bedienung des Maschinchens, das ich mir im Vorfeld ausgesucht hatte, ganz genau, ich bekam an einer weiteren Maschine, die mich interessierte, einen weiteren Espresso zum Vergleich, aber wie es eben so ist, wenn man sich in ein Ding verliebt hat, sind alle anderen egal. Ich kaufte die Maschine, die ich haben wollte, nahm mir ein Taxi nach Hause, weil sie für die Öffis doch etwas zu schwer gewesen wäre und räumte ein bisschen meine Küche um, damit sie genug Platz hat.

Dann fitzelte ich gefühlt eine Stunde alle Schutzfolien von allen Teilen ab und fragte mich, warum Italien ausgerechnet diese Sichthüllenmentalität von Deutschland übernehmen musste; früher hätte man das Ding in Packpapier eingeschlagen und gut wär’s gewesen. (Behaupte ich jetzt mal kenntnislos und vom Fitzeln genervt.) Aber als dann alle Folien abgezogen waren, stand ein glitzerndes Schmuckstück vor mir, das ich kaum anzufassen wagte. Ich füllte den ollen Plastiktank (der netterweise von einem Chromdeckel aufgehübscht und versteckt wird) mit Mineralwasser, wie mir geraten wurde und schaltete ehrfürchtig die Maschine ein. Sie schien sich wachzuschütteln, brummte ein bisschen vor sich hin, zischte kurz und wärmte dann lustig auf, während ich sie einfach nur verliebt anschaute.

Noch glücklicher war ich dann später mit dem ersten Espresso. Die Dame im Laden hatte mich natürlich gefragt, ob ich alles Zubehör habe, vor allem den Tamper. Ich bejahte – und stellte zuhause fest, dass der Tamper zu klein für den Durchmesser meines neuen Siebträgers war. Ich habe auch immer noch keine anständige Mühle – die schenkt mir demnächst ein unglaublich netter Leser, der sich etwas Neues zulegt –, weswegen ich gestern also weiterhin Opas fiesen Bohnenzerhacker nutzte (IT’S SO PRETTY!) und nur so halbwegs vernünftig tampern konnte. Der Maschine liegt ein Plastiktamper vor, aber mit dem kann man natürlich nicht richtig arbeiten. Und trotz dieser eher miesen Voraussetzungen schmeckte der Espresso schon um Klassen besser als alles, was ich bisher in dieser Küche zubereitet hatte.

Ja, das Ding war teuer, aber das mit dem Glücklichmachen scheint geklappt zu haben.

Hühnchen-Fajitas

Ich kriege es nicht hin, die blöde Facebook-App von meinem Handy zu werfen, denn ich gucke so gerne die Buzzfeed-Tasty-Rezepte bzw. lese gerne ihre Sammelartikel von lustigen Rezeptzusammenstellungen („30 vegane Rezepte in unter 20 Minuten mit nur drei Zutaten“. Ich vereinfache stark). Vor einigen Tagen landete der Artikel „16 Tasty Dinners You Can Make Your Family After Work“ in meiner Timeline, und dort lächelte mich ein buntes Foto aus dem Rezept „Sheet Pan Chicken Fajitas“ an. Die musste ich sofort nachbasteln. Was eine gute Idee war, denn die Fajitas schmecken sehr gut und durch die Zubereitung auf dem Blech ist das Rezept auch für 30 Grad geeignet – man steht nicht so lange am Herd rum.

Mein Foto ist nicht so hübsch wie das im Originalrezept, was aber wie immer daran liegt, dass ich den Kram essen und nicht knipsen möchte.

Für sechs bis acht Fajitas, je nachdem, wieviel Füllung ihr in die Wraps haut.

600 g Hühnerbrust in schmale Streifen schneiden.
3 Paprika (rot, grün, gelb, weil hübsch) in ebensolche Streifen schneiden.
1 mittelgroße Zwiebel halbieren und in noch schmalere Streifen schneiden. Alles in eine Schüssel geben.

2 TL Chilipulver,
1,5 TL gemahlenen Kreuzkümmel,
1 TL Paprikapulver,
0,5 TL gemahlenen Koriander sowie
Salz und schwarzen Pfeffer miteinander vermischen. Zum Fleisch und Gemüse geben, mit
Olivenöl nach Gusto übergießen, alles gut mischen und auf einem Backblech verteilen. Darauf achten, dass sich das Hühnchenfleisch nicht überlappt.

Fun fact: Ich hatte mich gestern beim Rezeptlesen verguckt und in alles Esslöffel statt Teelöffel gegeben und mir hat es sehr gut geschmeckt, gerade weil es deutlich würziger war als meine üblichen Hähnchenzubereitungsarten. Insofern: Vielleicht einfach mal die doppelte Menge von dem, was oben angegeben ist, ausprobieren und selbst gucken, was euch besser schmeckt.

2 Knoblauchzehen, fein gehackt, über das bunte Backblech streuen und für 20 bis 25 Minuten im auf 200 Grad vorgeheizten Backofen backen. Danach alles mit
3 EL Limettensaft beträufeln und in
Weizentortillas mit
Sour Creme oder Crème fraîche,
ordentlich frischem Koriander und eventuell
Cheddar servieren.

Tagebuch, Montag, 30. Juli 2018 – Hitzematt

Mich morgens vor die Tür gewagt, um mich dann über eine kaputte Packstation aufzuregen. Danach aber doch irgendwie gute Laune gehabt, weil ich spazierengehen konnte und immer ein leichter Wind wehte, so dass es nicht unerträglich heiß wurde. Trotzdem war ich, auch wegen der unruhigen Nacht, etwas matschig, verschob den Stabibesuch auf heute, schrieb eine Rechnung und hielt lange Siesta. Das Halbfinale von Masterchef Australia guckte ich schon nur noch mit halbem Auge, diese Staffel ist nicht meine, und gestern schied mein allerletzter Liebling aus, so dass ich das Finale heute vermutlich eher nur mitlaufen lassen werde, während ich abwasche oder so.

Ein fast unproduktiver Tag (hallo, Kapitalismus!), aber ich las immerhin Michel Decars Tausend deutsche Diskotheken durch und fand es okay, aber nicht umwerfend (schöne Sprache, noch weniger Handlung, als ich erwartet hatte, müdes Ende, aber trotzdem: gern gelesen) und las dann Joshua Groß’ Flauschkontraste, um es nach 29 Seiten ins Altpapier zu werfen. Eine Story, die noch weniger ihren Namen verdient als die in Decars Buch, ständig Metaphern und Vergleiche, die nur mies und nicht irgendwie doppelbödig waren und sowieso immer ein Hinweis darauf, dass der Herr selbst nicht so genau wusste, was er mir eigentlich sagen will, und dann eine derartig dämliche halbpornografische Stelle, dass ich schlicht keine Lust mehr hatte, auch nur noch eine weitere Seite zu lesen.

Abends F. verabschiedet, der sich heute auf dieses laute Festival im Norden aufmacht. Eigentlich wollten wir noch zusammen essen, aber sein Tagesplan hatte sich immer weiter nach hinten verschoben, so dass es zu spät für alles Vernünftige wurde und wir so total unvernünftig, aber dann doch sehr lecker bei McDonald’s am Stachus landeten. Das habe ich auch schon lange nicht mehr gemacht.

The Queer Art of Failing Better

Ein interessanter Artikel von Laurie Penny, der sehr gut beschreibt, warum vielen heterosexuellen Frauen Queer Eye so gut gefällt. Ich weiß nicht, ob alles auf mich zutrifft – ich gucke es als gnadenlosen Eskapismus und weil die Herren alle so adrett aussehen und ich Bobby gerne mal auf einen Eiskaffee einladen wollen würde –, aber ich denke seit gestern darüber nach, ob eben doch alles auf mich zutrifft.

Das wird ein längeres Zitat, weil so viele Gedanken im Artikel stecken – und noch ein paar mehr, bitte mal kurz rüberhuschen und lesen, wenn ihr diese Show mögt:

„It’s not about queerness at all. It’s actually about the disaster of heterosexuality—and what, if anything, can be salvaged from its ruins. […]

People on this show are extremely sweet to one another. That is rare enough within the reality TV genre, where “reality” is usually flattened into an exaggerated Hobbesian melee of shark-eyed competition and high-stakes back-stabbing. Most reality shows replicate the ruthless dogma of the age whereby life is made up of winners and losers and the trick is to hammer the other guy into the ground before he can do the same to you. On this show, men do not compete with each other. They touch each other, a lot, and seeing that brings home just how horrifyingly rare that is in untelevised reality. They cry and admit to one other how much it hurts to be alive while a handsome stranger teaches them how to make guacamole. There are no winners on Queer Eye—just better losers. […]

Unfortunately, when offered the chance to do literally anything else with the years they’ve been given, an alarming number of women now choose not to spend them servicing and polishing the silverware and tarnished self-esteem of the more privileged half of the human race. Women and queer people have one advantage in the adulthood stakes: they have never been raised to believe that at some point someone would come along and clean under the sofas. Now, apparently, straight guys have to learn how to do that, too. Enter, stage left: the Male Gays. […]

One curious repeating bridge of the show’s format is that there’s almost always a woman the hapless straight-dude subjects have to shape up for: a female friend, a potential love interest, a parent or another family member who is involved in this man’s life whose approval of the transformation must be courted and won. Sometimes it’ll be the wife, but most often these men are single. This canny reversal of cultural power is cathartic to watch if you’re a woman who dates men: here are men gleefully doing for one another what some women and girls have spent our lives being pressured or cajoled into doing for them. Here, at last, are a corps of men going through the rigors of top-to-bottom self-invention for our approval. We still have to do it for them, of course, and we don’t get a fanfare and a free kitchen remodel out of it, but hey, every little bit helps. […]

The work that the Fab Five are doing for the luckless, loveless men of Georgia is girlfriend work. It is emotional labor, domestic labor, the work that anyone who has ever dated a straight man will recognize.

Inevitably, when men take on work traditionally performed by women thanklessly and for free—from cooking to prizing open the calcified clamshell of the male heterosexual emotional mindscape—it is regarded as art, rather than duty. The trajectory of Queer Eye would be almost identical if you substituted the Twink Upgrade Action Team for any five randomly selected women on the street, but it wouldn’t work as entertainment; that’s just life. That’s just what women do; we don’t get a cookie for it, let alone our own show. I’m happy to let that go, though, because it’s just so damn satisfying watching men sort one another out for once.“

Via Retweet von @emilynussbaum, einer meiner liebsten TV- und Filmkriterinnen. Und als Rausschmeißer noch einen Tweet eines meiner liebsten Architekturkritiker: