Süßkartoffel-Erdnuss-Gratin

Ein Rezept aus Täglich vegetarisch: Die schönsten Rezepte aus dem River Cottage, für das ich euch gleich mehrere Bilder anbieten kann. Das liegt daran, dass ich gestern, als das Gratin im Ofen war, wie ein kopfloses Huhn durch die neue Wohnung gerannt bin, um den besten Ort für Futterfotos ausfindig zu machen. Hier ist ja auf einmal so viel Platz! So viele Möglichkeiten, einen Teller dekorativ ins Licht zu stellen! Es ist dann für Instagram, total langweilig, die Küchenzeile geworden, wo das Licht von rechts kommt, wie oben in der Wohnung auch. Die Jalousien sind runtergelassen, denn hier bekomme ich jetzt Südlicht statt wie oben Nordlicht. Gestern fand ich das Bild okay, heute nervt mich der fehlende Kontrast. Daher gibt’s nach dem Rezept lustige Experimente von heute morgen, auch für mich als Gedächtnisstütze, damit ich mit dem nächsten heißen Teller nicht wieder sinnlos rumlaufen muss.

Für vier Personen. Ich habe die untenstehende Menge halbiert, aber trotzdem die ganze Limette verarbeitet (nix mit einem Teelöffel Saft oder so) und kann das sehr empfehlen.

1 kg Süßkartoffeln schälen und in Scheiben schneiden oder hobeln. In einer Schüssel mit
250 ml Schlagsahne,
1 rote Chili, entkernt und fein gehackt, oder wie bei mir 1 TL Chiliflocken,
1 EL Sonnenblumenöl,
3 Knoblauchzehen, gehackt, sowie
Salz und
schwarzem Pfeffer vermischen.

150 g ungesüßte stückige Erdnussbutter mit
Schale und 2 TL Saft von 1 Limette sowie
1 EL Sonnenblumenöl vermischen.

Eine Auflaufform leicht ölen und die Hälfte der Kartoffeln flach in sie schichten. Darauf Kleckse der Erdnussbuttermischung verteilen, je mehr, desto besser (also eher viele kleine als drei dicke). Danach den Rest der Kartoffeln aufschichten und die restliche Sahne aus der Schüssel über alles gießen.

Die Form mit Alufolie locker abdecken und im auf 190 Grad vorgeheizten Ofen etwa 20 Minuten backen. Danach noch 30 Minuten unbedeckt backen. Wer mag, stellt das ganze dann noch kurz unter den Grill, damit die obere Schicht etwas knuspriger wird (ich habe mir das geschenkt). Sofort servieren.

Das Buch möchte dazu einen knackigen Blattsalat, ich habe Pimientos gemacht, glaube aber, der Tipp mit dem Salat ist ein guter. Das Gratin ist mauschelig süßlich (bis auf die superfrische Limette), und ich stelle mir den Kontrast zu einem kühlen, vielleicht sogar leicht bitteren Salat ziemlich gut vor.

Jetzt kommt der Schwung Spontanfotos von heute morgen, da müsst ihr jetzt durch, denn ich muss da auch durch, anstrengendes Rumköchelbloggerinnendasein, anstrengendes. Die Sonne scheint übrigens gerade nicht in München, aber alleine das Tageslicht macht nach Süden raus ganz schön Stimmung.

Schlafzimmerkommode nach Norden, aufsichtig, offensichtlich noch nicht der beste Ausschnitt, denn ich habe den Fußboden mitgenommen, was ich erst im Photoshop gesehen habe, wo ich meist nur die Bilder beschneide und sonst nichts mit ihnen mache (manchmal etwas mehr Kontrast). Gefällt mir sowohl von der Lichtstimmung (Licht von links) als auch von der absolut neutralen Unterlage gut.

Nochmal Schlafzimmer; ich wollte die Kartoffellagen abbilden. Die Wand im Hintergrund ist eigentlich viel dunkler. Ich mag das Licht ganz gerne, es sieht undramatisch, aber trotzdem lebendig aus, und durch den kleinen Lichtverlauf im Hintergrund wirkt alles weniger statisch. Ich fotografiere übrigens nur mit dem iPhone, die Kamera liegt total vernachlässigt rum. So viel zum Titel „Foodbloggerin“, genau deswegen nehme ich den für mich niemals an. Vielleicht kapieren das auch irgendwann die ganzen PR-Agenturen, die mich zu Kochevents einladen, die mich nicht interessieren. Vor allem die in Hamburg nicht, Pappköpfe.

Arbeitszimmer nach Süden vor meinen geliebten blauen Wänden, die jetzt gerade pudrig aussehen und heute nachmittag wieder leuchten, wenn mehr Licht drauffällt. In Wirklichkeit doppelt so dunkel. Auch hier offensichtlich nicht die beste Perspektive, nicht aufsichtig genug, das zu fotografierende Objekt verliert sich total in der Umgebung, aber ich behalte das mal als Gedächtnisstütze. (Schöner Lichtverlauf im Hintergrund, Licht von rechts.)

Ebenfalls Arbeitszimmer, die gleiche Location. Die Unterlage ist meine Stadiondecke, die momentan, wo man noch ohne Decke ins Stadion gehen kann, auf dem Schlafsofa liegt, auf dem ich normalerweise mein morgendliches koffeinhaltiges Getränk zu mir nehme. Netterweise ist der Cappuccino aus der wieder aufgebauten Superdupermaschine lange genug heiß, um spontan vier Fotos vom kaltem Gratin zu machen. Gefällt mir vom Licht sehr gut, ist nachmittags wahrscheinlich nicht möglich, weil dann die Sonne reinknallt. Finde ich aber schon spannend zu sehen, wieviel die Himmelsrichtung ausmacht. (Das ist für euch vermutlich weit weniger aufregend als für mich.)

Wollte eigentlich noch ein Bonusbild meiner Cappuccinotasse auf dem Schreibtisch posten, aber das brauche selbst ich nicht.

Tagebuch Freitag, 5. Oktober 2018 – Erste Male

Morgens die Espressomaschine angeschaltet, die zwei Wochen lang in ihrer Kiste stehen musste und gestern wieder an ihren Stammplatz kam, den sie auch schon in der oberen Wohnung hatte, aber der musste hier unten erstmal hergerichtet werden. Jetzt steht sie wieder repräsentativ in der Gegend rum. Laut Bedienungsanleitung soll sie 12 Stunden (oder sogar den ganzen Tag, vergessen) vorheizen, wenn man sie das erste Mal anstellt bzw. wenn sie längere Zeit nicht angeschaltet war. Im Laden, wo ich sie gekauft habe, meinte man, ein, zwei Stündchen reichten auch. Also schaltete ich sie morgens ein, um zur Mittagszeit einen Cappuccino trinken zu können und behaupte, damit irgendwie richtig zu liegen.

Alle restlichen Umzugskartons in den Keller gebracht. Eigentlich hatte ich mir angewöhnt, bei jedem Gang außer Haus zehn mit in den Fahrstuhl zu zerren und sie unten abzustellen, aber die letzten 26 gingen mir jetzt doch auf den Zeiger, so dass ich sie in zwei Gängen in fünf Minuten nach unten schaffte (und sie mir dabei nur einmal aus der Hand rutschten). Sie standen bis jetzt in der Bibliothek, von der ich dachte, sie wäre der einfachste Raum von allen: Regale an die eine Wand, das große Ecksofa an zwei andere, den kleinen Rolltisch, den ich seit Mitte der 90er Jahre mit mir rumschleppe, irgendwo in die Mitte, damit auf ihm die ungelesenen Bücher rumliegen können, bevor sie vom Nachtisch oder meinem Rucksack ins Regal wandern, fertig. Genau dieser Raum entpuppte sich aber als komplizierter als gedacht.

Der Grundriss der Verwaltung bestand mehr aus Annäherungswerten, so dass ich am Umzugstag feststelle, dass mein Sofa fast die gesamte Fensterbreite einnahm, was es nicht sollte, weil ich nicht mehr, wie in der oberen Wohnung, aufs Sofa klettern will, um die Fenster zu öffnen oder den Rolladen herunterzulassen. Das Sofa besteht aus drei Teilen, von denen ein breiter Hocker nicht mit den Eckdingern verbunden ist, so dass ich ihn hinschieben kann, wo ich will. Bisher war er einfach eine Verlängerung einer Sofaseite, so dass ich notfalls darauf schlafen konnte, wenn mich das eigentliche Schlafsofa zu sehr nervte. Diese Verlängerung sah jetzt aber komisch aus und versperrte mir den bequemen Weg ans Fenster. Also stellte ich den Hocker gestern in die Ecke, in der bisher die Umzugskartons gestanden hatten. Im Zimmer steht außerdem noch ein Stuhl, auf dem bisher die ungelesenen Bücher gestapelt sind, denn mein Rolltisch hat es sich seit dem Moment, an dem ihn einer der Umzugsengel neben Multy ins Arbeitszimmer gestellt hat, genau da gemütlich gemacht, und ich habe mich schon daran gewöhnt, auf ihm meine morgendliche Kaffeetasse abzustellen, verdammt! Jetzt sieht es in der Bibliothek aber genau so aus, wie ich Räume nicht mag: alle Möbel einfach an der Wand lang. Daher schob ich gestern noch Sessel und Stühle aus anderen Räumen rein, schob sie wieder zurück, schob Dinge irgendwie mittig oder schräg, und jetzt lasse ich das mal ein paar Tage sacken und gucke.

Aber ansonsten ist es toll, eine Bibliothek zu haben! Auch wenn man in ihr eher Serien guckt anstatt endlich den Stapel auf dem Stuhl abzuarbeiten.

Apropos Bibliothek: Genau in eine solche, nämlich die der Uni, ging ich in der Mittagspause, denn ich musste ein letztes geliehenes Buch zurückbringen (die Diss döst momentan etwas erschöpft vor sich hin). In den letzten Monaten hatte die Bib umgebaut, weswegen man immer in den zweiten Stock musste, um Bücher abzuholen oder zurückzubringen. Seit Kurzem hat aber die schicke neue Ausleihe geöffnet, in der man alles selbst verbuchen kann. Auch die Rückgabe ist kein Schalter mehr, hinter dem ein Studi sitzt, der mehr oder minder motiviert durch alle Bücher blättert, die man ihm hinlegt, um pseudomäßig zu überprüfen, ob man auch ja keine Seite rausgerissen oder 200 von ihnen markiert hat. Das dauerte immer ewig, und hat uns, glaube ich, alle genervt. Der Schalter ist noch da, aber jetzt besteht er aus einer Replikator-großen Box, in die man sein Buch hineinlegt, es wird gescannt und abtransportiert und man muss auch keine doofe Quittung mehr mitnehmen, die man eh sofort in den nächsten Papiermülleimer wirft. (Man kann aber, wenn man will.) Der ganze Vorgang dauert gefühlt zwei Sekunden, und seitdem frage ich mich, ob jetzt hinter den Kulissen arme Studis sitzen, die trotzdem noch alle Bücher durchblättern und überprüfen müssen, ob wir Ausleihenden nett zu ihnen gewesen sind.

Auf dem Rückweg nach Hause kaufte ich Kirschkuchen und schmiss die Espressomaschine an. Gleichzeitig heizte ich den Backofen vor, denn ich hatte vorgestern Brotteig angesetzt. Nebenbei lief die Geschirrspülmaschine, und so saß ich irgendwann in der Küche am gedeckten Küchentisch, der nur noch ein Esstisch ist und kein Schreibtisch mehr, freute mich über den Abwaschhelfer und genoss meinen ersten Cappuccino in dieser Wohnung plus Kirschkuchen, während im Ofen mein erstes Brot in dieser Wohnung vor sich hinbuk.

Im Bus zurück hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, zwei Studentinnen zuzuhören, die anscheinend alles scheiße fanden, was „diese angebliche Exzellenzuni“ ihnen so bietet. Ich habe nicht verstanden, ob sie jetzt gerade erst anfangen zu studieren oder schon im höheren Semester sind, aber anscheinend ist alles eine Zumutung, Arbeitsaufwand, Dozenten, Unterrichtsniveau und vermutlich auch die Mensa, aber da habe ich schon nicht mehr zugehört.

Ich bin bei solchen Tiraden immer versucht, die Betreffenden entweder liebevoll zu umarmen oder ihnen eine Kopfnuss zu verpassen und ihnen zuzuflüstern: „An der Uni herrscht Holschuld, nicht Bringschuld. Das ist DEIN Studium, also mach auch DEINS draus.“ Dir passt der Kurs nicht? Wähl einen anderen. Dir geht eine Dozentin auf den Keks? Mach nie wieder ein Seminar bei ihr. Bei Pflicht- und Einführungskursen herrschen andere Regeln, ist klar, aber dafür sind das auch Pflicht- und Einführungskurse, da müssen wir alle durch, ich nehme an, in jedem Studiengang. Aber danach ist es selbst bei dem fies verschulten BA oder MA möglich, das zu studieren, was dich interessiert, denn, hey, genau dafür bist du hier.

Um Rainald Goetz zu zitieren: Don’t cry, work.

Oder um Anke zu zitieren: Wenn du in genug sinnlosen Meetings gesessen hast, ist jeder Einführungskurs bei einem nuschelnden Professor das Paradies.

Den neuen Stundenplan zusammengestellt. Drittes Promotionssemester, here I come.

Tagebuch Donnerstag, 4. Oktober 2018 – Ablage

Den ganzen Tag auf den Anruf einer Kollegin gewartet für einen gemeinsamen Job. Währenddessen Ablage gemacht, die ich einfach aus der oberen Wohnung nach unten getragen hatte, ohne sie vorher zu erledigen. Jetzt ist der Papierstapel verschwunden. Steuer fürs Quartal 3/2018 erledigt. Termin von Hermes mitgeteilt bekommen, wann der neue Kühlschrank zu erwarten ist (yay!). Eingekauft, Mittag gemacht, noch ein bisschen offiziell am Schreibtisch gewartet und dann halt auf dem Sofa mit der Zeitung vor der Nase.

Abends mit F. am Küchentisch rumgelungert, nachdem der Herr mir ein Regalbrett angedübelt hatte. Das betreffende Regal hatte ich oben in der Küche selbst mal angebracht, aber wenn sich jemand anbietet, mit Wasserwaage und Bohrmaschine für mich rumzuhantieren, sage ich ja nicht nein. Beim Bohren haben wir beide festgestellt, wie unglaublich schmal die Wand zwischen Küche und Flur ist. Ähem. Da muss ich jetzt ein kleines Stück Wand überstreichen, denn da kam der erste Dübel doch glatt im Flur raus, von dem wir dachten, er wäre tief in der Wand verschwunden, woraufhin wir noch einen nachschoben.

Wegen Winzkühlschrank und daraus resultierender mieser Vorratshaltung nichts Vernünftiges im Haus gehabt, was ich dem Herrn hätte kochen können, woraufhin der gute Mann Pizza vom Italiener nebenan holte. Die esse ich dann heute, denn ich war noch von mittags satt, aber hey, wenn jemand Pizza holt, sage ich auch dazu nicht nein.

Gemeinsam eingeschlafen, erst zum dritten Mal in dieser Wohnung.

The Ultimate Sitcom

Langer Bericht in der NYT, der sehr gut aufzeigt, warum The Good Place so viel Spaß macht – und warum diese Serie etwas ganz Besonderes ist. Ohne Spoiler.

„The premise of “The Good Place” is absurdly high concept. It sounds less like the basis of a prime-time sitcom than an experimental puppet show conducted, without a permit, on the woodsy edge of a large public park. The show’s action begins in a candy-colored heaven in which new residents are welcomed to find their perfect soul mate, an ideal home and an eternal supply of frozen yogurt. (Flavors include Double Rainbow, Four-Day Weekend, Full Cellphone Battery, Panoply of Exuberance and Beyoncé Compliments Your Hair.) There is just one problem: Eleanor Shellstrop, our foulmouthed protagonist, does not belong anywhere near any kind of paradise. Eleanor is a comically awful person — in flashbacks, we see her refusing to be a designated driver, ruining a stranger’s quinceañera and selling fake medicine to the elderly. Her arrival at the Good Place seems to be a result of some kind of existential clerical error. Eleanor is understandably reluctant to confess this, particularly when she learns about the many horrors of the Bad Place: bees with teeth, four-headed bears, volcanoes full of scorpions and — unfortunately — “butthole spiders.” Out of sheer desperation, she decides to try something drastic: to improve herself. Eleanor manages to persuade her alleged soul mate, a Senegalese professor of ethics and moral philosophy named Chidi, to teach her how to be good. “How do we do it?” she asks. “Is there a pill I can take or something I can vape?”

This is the trick of “The Good Place.” Ethics is not some kind of moralistic byproduct; it’s baked into the very premise. The show is entirely life lessons. Every episode is Very Special. It synthesizes those old contradictory impulses — jester vs. guru — so completely that they cease to be in tension. If “Seinfeld” was a show about nothing, “The Good Place” is a show about everything — including, and especially, growing and learning. By all rights, it should probably be awful — preachy, awkward, tedious, wooden, labored and out of touch. Instead, it is excellent: a work of popular art that hits on many levels at once. It has been not only critically acclaimed but also widely watched, especially on streaming services, where its twists and intricate jokes lend themselves to bingeing and rebingeing. The modern world, perhaps, is hungrier for ethics than we have been led to believe.“

Der Artikel beschreibt auch, warum sich die Serie so viel dichter anfühlt als der übliche Lachfluff (der auch super ist).

„One day out of the blue, Pamela Hieronymi, a professor at U.C.L.A., got an email from [showrunner Michael] Schur, asking if she would speak to him about ethics. Hieronymi is not a TV watcher and had no idea who Schur was, but she agreed, and they ended up talking for three hours, largely about whether it is possible to become a good person by trying — about how intention and motivation color our moral behavior. Hieronymi was impressed by Schur’s earnestness and curiosity. It was clear that he didn’t just want to make jokes about philosophy; he wanted to actually understand the ideas. Eventually, Schur asked Hieronymi to join the show as a “consulting philosopher” — surely a first in sitcom history. Later he brought on Todd May, the author of that slim book about death. The consultants spoke not only to Schur but also to the writers’ room, giving lectures on existentialism and the famous thought experiment known as the Trolley Problem, ideas which were later woven into the show. All of which is to say “The Good Place” is not about philosophy in the way that “The Big Bang Theory” is about science — as a set of clichés to tap for silly jokes. A sitcom is not a grad school seminar, obviously, so the philosophy is highly abridged. But it is not insubstantial, and philosophical ideas actually determine and shape the plot.

At the beginning of Episode 6, Chidi holds up a book: a thick academic paperback with one of those devastatingly quiet covers (earth tones, Morandi still-life) that make you feel as if you will never be allowed to leave the library again.

Eleanor reads its title aloud — “What We Owe to Each Other” — and gasps.

“I saw this movie!” she says. “Laura Linney cries in a lake house because Jude Law left her for his ex-wife’s ghost.”

This synopsis, of course, is incorrect. The book is actually a dense work of philosophy by the Harvard emeritus professor T.M. Scanlon. It introduces an idea called “contractualism.” As Chidi explains it to Eleanor: “Imagine a group of reasonable people are coming up with the rules for a new society. … But anyone can veto any rule that they think is unfair.” (“Well, my first rule would be that no one can veto my rules,” Eleanor responds, to which Chidi counters, “That’s called tyranny, and it’s generally frowned upon.”)“ […]

Schur loved not only the central thesis of “What We Owe to Each Other” but also the book’s title. “It assumes that we owe things to each other,” he told me. “It starts from that place. It’s not like: Do we owe anything to each other? It’s like: Given that we owe things to each other, let’s try to figure out what they are. It’s a very quietly subversive idea.”

It is, in a way, deeply un-American — an affront to our central mythology of individual rights, self-interest and the sanctity of the free market. As an over-the-top avatar of all our worst impulses, Eleanor is severely allergic to any notion of community. And yet her salvation will turn out to depend on the people around her, all of whom will in turn depend on her. What makes us good, Chidi tells her, is “our bonds to other people and our innate desire to treat them with dignity.” As the show progresses, “What We Owe to Each Other” becomes a recurring character, popping up onscreen at several crucial plot points. This amazed Hieronymi — the last thing she had expected to see was her dissertation adviser’s book featured prominently on a network sitcom.

Tagebuch Mittwoch, 3. Oktober 2018 – Ausruhen galore und mit Ausrufezeichen

Na gut, fast. Ich habe die Betten neu bezogen – ICH HABE WIEDER EIN BETT, ES IST SO GROSSARTIG –, Wäsche gemacht – MEINE WASCHMASCHINE FUNKTIONIERT –, ein bisschen was weggearbeitet – AM SCHREIBTISCH IM ARBEITSZIMMER – und dann ein, zwei Stünchen versucht, meine zwei Wandschränke zu organisieren – WHERE ART THOU, BEST ABSTELLKAMMER EVER?!? Das Aufräumen hat auch das winzige Bad in Mitleidenschaft gezogen, weil ich immer noch nicht so recht weiß, wo ich was hinräumen soll und weil mir dort vor allem ein kleiner Schrank fehlt. Die Inhalte sind jetzt ein bisschen struktuierter als vorher, aber final fühlt sich das noch nicht an. Außerdem tauchen vor meinem inneren Auge weitere Bretter oder Haken auf, die man irgendwo in den Schränken andübeln könnte für NOCH MEHR STAURAUM. Mal sehen.

Zwischendurch, egal was ich tue, schaue ich mich in meiner neuen Wohnung um und finde alles großartig. Ich bleibe kurz im Flur stehen und denke, hey, guck mal, der geht noch drei Meter weiter, da kommt nicht sofort die Wohnungstür. Dann stehe ich im Arbeitszimmer und bewundere mein Rijksmuseumblau an den Wänden und sehe die große Fensterfront zum Balkon und denke, hey, guck mal, du kannst den Blick richtig schweifen lassen, nicht nur bis zu den Häusern auf der anderen Straßenseite. Dann stehe ich in der Küche und sehe den Tisch und denke, hey, guck mal, den kannst du jetzt ganz ausziehen, und da passen, wie du seit gestern weißt, acht Leute dran, und bald ist der neue Kühlschrank da und du hast jetzt eine anständige Arbeitsfläche, dann kannst du mal wieder Leute einladen, so wie früher, als dein Flur mehr als drei Meter lang war und du den Blick schweifen lassen konntest. Und dann gehe ich ins Schlafzimmer, das relativ leer ist und deswegen sehr beruhigend und finde alles erst recht großartig. Dann denke ich kurz an die Miete, mein Blutdruck steigt, ich atme mich wieder runter und freue mich einfach weiter.

Ansonsten habe ich den Tag damit verbracht, weiter Jane the Virgin zu gucken. Ja, ich bin extrem spät dran, aber ich hatte vor Ewigkeiten mal die erste Folge versucht und nach wenigen Minuten abgeschaltet. Ich Idiot, denn seit einigen Wochen bin ich total verknallt in den ganzen überkandidelten Zuckerguss und finde alles irre putzig und äußerst entspannend. Dazu die neue Folge Better Call Saul, ein, zwei Spezi (die Umzugsspezi sind dann jetzt fast alle), Salamibrot und vor allem die Kuchenreste vom Vortag, als meine Familie zum Kaffeeklatsch da war. Eine schöne Kanne Nilgiri dazu, den ich meiner Mama, Darjeeling-Fan, leider nicht so schmackhaft machen konnte, aber egal, mehr für mich.

Beim Fertigmachen für die Nacht im Bad ein bisschen B5 gehört, wie immer; ich höre seit Jahren keine Musik mehr im Bad, sondern nur noch Nachrichten. Gestern kam eine kurze Reportage darüber, wie die Inflation in Venezuela für Papierknappheit sorgt, was die Pressefreiheit empfindlich beschneidet. Über diesen Zusammenhang hatte ich auch noch nie nachgedacht. Ein Redakteur erzählte, dass seine Zeitung inzwischen per Twitter, Facebook und Instagram publiziert. Ich finde die Sendung leider nicht online, daher kann ich euch nur diese Bruchstücke zum Selberweiterdenken anbieten.

Im Bett weiter Fear von Bob Woodward gelesen. Kennt man ja eigentlich alles, aber es liest sich dann doch ziemlich unwiderstehlich. Wenn’s nicht so fürchterlich wäre. Vermutlich gucke ich deshalb gerade so gerne Jane the Virgin.

Tagebuch Dienstag, 2. Oktober 2018 – Familienausflug, zweiter Teil

F. und ich führten vorgestern die Familie auf meiner Seite durch Augsburg, gestern war dann natürlich München dran, wenn man schon mal in der Gegend ist. Ich hatte eigentlich einen kleinen Stadtspaziergang geplant, eventuell ein Museum (die Damen waren daran sehr interessiert), aber die Gang wollte etwas länger ausschlafen und kam daher erst um 11 in der Landeshauptstadt an. Deswegen zogen wir den eigentlich zweiten Tagesordnungspunkt vor: die Mittagswiesn. Bei unserem Seniorentempo hätte der Spaziergang zu lange gedauert, um noch ein halbwegs entspanntes Oktoberfesterlebnis zu genießen, denn der Übergang von der schnuffigen Mittagswiesn zum üblichen Trubel geht recht schnell. Meine Schwiegerschwägerin (oder wie immer das korrekte Verwandschaftsverhältnis lautet) freute sich total: „Alle meine Freundinnen kriegen immer Postkarten von mir von Schlössern und Museen und Kunst – und jetzt bekommen sie eine vom Oktoberfest! Das hätten die mir nie zugetraut!“

Beim letzten Elternbesuch hatte ich festgestellt, dass man mit manchen Senioren etwas anders durch die Stadt gehen muss, daher war ich ein bisschen nervös vor der U-Bahn-Haltestelle Theresienwiese, weil die in den 16 Tagen Festzeit immer und dauernd und gnadenlos überfüllt ist. Die Damen und Herren meisterten das aber alles prima, und so konnten wir fast durch den Haupteingang gehen, den ich natürlich wie immer verfehlte, weil ich sonst von der U-Bahn-Station Goethestraße komme, um eben nicht durch den Haupteingang zu müssen. Wir erwischten den Eingang, der 100 Meter vom großen Torbogen und dem Denkmal für das Attentat entfernt ist, aber ich konnte ihn immerhin noch zeigen, als wir von der Schaustellerstraße in die Wirtsbudenstraße wechselten. Alleine dass es mehrere Straßen gibt, war schon beeindruckend für die Gang, genau wie die Größe der Zelte sowie die Dauer des Aufbaus. Wir fanden auch sofort einen Andenkenstand, der Postkarten und Briefmarken hatte – darauf hatte ich noch nie geachtet, kann jetzt aber sagen: Gibt es.

Eigentlich wollten wir einmal über das ganze Gelände bummeln, um dann zur Oidn Wiesn zu gehen, wo ich es etwas ruhiger finde, aber ich hatte wohl einmal zu oft das Augustinerzelt erwähnt, denn da wollten jetzt alle rein. Wir verteilten uns auf zwei Tische, hatten auch nur ein ausgesprochenes Arschloch am Tisch, über das ich mich den ganzen Tag sinnlos ärgerte, aber der Rest der Oktifestneulinge fand das alles äußerst spannend, guckte sozialforschend in der Gegend rum, orderte Brezn und Weißwurst und war anscheinend zufrieden. Die älteren Herrschaften kamen mit einem bayerischen Ehepaar ins Gespräch und tranken auch brav eine Maß (also zwei zu viert, glaube ich), meine Schwester blieb alkoholfrei, während ihr Mann, F. und ich jeder eine Maß genossen. Sanft angebiert schlenderten wir nach zwei Stunden über den Rest des Geländes, zeigten Brauereipferde, sprachen über die sechs Münchner Brauereien, die auf der Festwiese ausschenken dürfen und brachten auch sonst noch diverse Oktoberfesttrivia an.

Meine Eltern wollten gerne meine neue Wohnung sehen, ich protestierte sinnlos, dass ich gerade erst eingezogen sei, noch nicht eine Lampe hinge und es auch überhaupt nicht aufgeräumt sei, aber das war natürlich allen egal. F. holte Kuchen bei Hildegard (die Dame ist, glaube ich, inzwischen verstorben, aber mindestens pensioniert, aber man geht halt immer noch zu Hildegard), während ich Kaffee in der French Press zubereitete und Tee in Omis Teekanne. Ich wusste, wo alles war! Ich hatte Kaffee und Tee im Haus! Aber nur sechs Stühle, weswegen ich meinen Bürodrehstuhl in die Küche schob und F. sich einen Thron aus Spezikisten bastelte. F. so: „Das sind die meisten Menschen in deiner Wohnung, seit du in München lebst.“ Und damit hatte der Mann sogar recht, ich Einsiedlerkrebs.

Entspannt und gestärkt brachen wir dann endlich zum Stadtbummel auf, der im Prinzip der gleiche war, den ich Papa, Schwesterherz und ihrem Mann vor anderthalb Jahren schon einmal erzählt hatte. Dieses Mal blieben wir etwas länger in der Abgusssammlung, die wir uns letztes Mal geschenkt hatten; durch das Ding renne ich immer durch, wenn ich in die Bibliothek im ZI will. Mein Schwager konnte sich noch an den Sitz des israelischen Konsulats erinnern, über den ich mich ja bekanntlich dauernd und anscheinend auch im Beisein von Verwandten freue, denn das Konsulat liegt souverän in Sichtweite des ehemaligen Führerbaus. Wir gingen auch kurz in die Alte Pinakothek, in der ich das herrliche Treppenhaus von Hans Döllgast vorzeigen konnte, was letztes Jahr noch Baustelle war bzw. wegen der Sanierung nur zur Hälfte geöffnet.

Und dann war es schon wieder Zeit zum Essen, wie das nur immer passiert. Wir kehrten natürlich in den Georgenhof ein, denn auch an den konnte sich die Familie noch als „äußerst wohlschmeckend“ erinnern. Die älteren Herren fochten kurz das Bezahlen aus, wie das halt so ist, dann machte sich F. auf den Weg in die Allianz-Arena, wo Bayern Champions League spielte, während ich die Bande wieder zum Bahnhof begleitete und sie mit Hilfe des Schwagers auch in den richtigen Zug bekam. Die Herrschaften fanden alles ganz toll, wie sie uns mehrfach versicherten, was mich sehr freute, weil es mir alles total improvisiert und zerstückelt vorgekommen war, aber wenn man Gast ist, nimmt man ja eh alles anders auf als als Gastgeber*in.

Ich ließ den Abwasch für heute stehen, schlief beim Stream des Fußballspiels schon auf dem Sofa ein und wechselte in der Halbzeit ins Bett.

Tagebuch Montag, 1. Oktober 2018 – Familienausflug

Morgens vom Lieblingsgeräusch aufgewacht: Dauerregen. Es gibt nichts Entspannenderes als Dauerregen. Also wenn man im Bett oder auf dem Sofa bleiben kann und genug Schokolade im Haus hat. Gestern stand aber der Familienausflug nach Augsburg an, und so googelte ich spaßeshalber morgens noch nach „Augsburg bei Regen“, um vielleicht tolle Aktivitäten oder Sehenwürdigkeiten zu finden, die auch bei Dauerregen Spaß machen. Museen sind ja leider Montags fast alle geschlossen, daher fielen die schon mal weg. Weswegen ich es ziemlich klasse finde, dass es in Hamburg bewusst Museen gibt, die eben gerade Montags geöffnet sind. Hier in München fällt mir nur die Neue Pinakothek ein, von der selbst einige unser Dozenten sagen, dass man in die ja nur aus Pflichtgefühl reingeht.

Beim Googeln kamen nur für unsere Gruppe äußerst ungeeignete Dinge wie Lasertag oder Bouldern raus, daher kletterten F. und ich ohne Alternative in den Regionalzug nach Augsburg und begannen planmäßig mit dem Rathaus und dem Goldenen Saal. Bis dahin hatte es auch aufgehört zu regnen, es war allerdings fies kalt geworden. Wir erzählten trotzdem auf dem zugigen Rathausvorplatz Dinge über die Stadtgeschichte und das kommunale Selbstbewusstsein der freien Reichsstadt, das sich extrem unübersehbar in diesem monstergroßen herrlichen Bau niedergeschlagen hatte.

Ich weiß noch, als ich das erste Mal auf dem Augsburger Christkindlesmarkt war und kaum glauben konnte, dass dieser Wolkenkratzer da ein Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert sein sollte. Er beeindruckt mich jedes Mal, und gestern war ich auch endlich mal drinnen und konnte den Goldenen Saal bestaunen, der nicht weniger beeindruckend ist.

Im Erdgeschoss fasst eine winzige Ausstellung (ein Raum) die 2000-jährige Stadtgeschichte vom Römerlager bis heute zusammen und das ziemlich gut. Danach schlenderten wir zum Perlachturm nebenan, der aber nicht ganz so eindrucksvoll war (zumindest von innen). Außen wurde gerade noch die Blumendekoration abgenommen, die für das Turamichele am Wochenende angebracht worden war.

Da der Dom in fußläufiger Entfernung – auch für unsere in Teilen äußerst fußlahme Gruppe – lag, nahmen wir den auch gleich mit. Ich war vom Baukörper verwirrt, der innen so schön ordentlich aussieht, aber von außen irgendwie krumm und schief – jedenfalls von meiner Sichtposition. Außerdem freute ich mich darüber, dass meine lange verschütteten Lateinkenntnisse ausreichten, um eine Gedenktafel für Papst Pius VI. zu entziffern, der hier anscheinend mal eine Messe abgehalten hatte. Vielleicht habe ich aber auch Quatsch entziffert.

Es war Zeit für eine Kaffeepause, die wir im Café Dichtl abhielten, wo ich auch endlich mal eine heiße Schokolade bekam, die ich am Sonntag schmerzlich vermisst hatte. Dazu gab’s für mich gnadenlos Toast Hawaii, weil ich keine Lust auf Torte hatte und so ohne Frühstück (außer Bialetti-Milchkaffee) um 12 dann doch allmählich hungrig war.

Den Nachmittag verbrachten wir in der Fuggerei, über deren Besuch ich mich sehr gefreut habe. Ich hatte als Kind mal einen Bericht über die Fugger im Fernsehen angeschaut und war seitdem fasziniert von dieser Familiengeschichte. Auch die Idee einer Sozialsiedlung, die seit 500 Jahren besteht und für die die bedürftigen Bewohner bis heute eine Jahresmiete im Gegenwert eines Rheinischen Gulden zahlen müssen, finde ich spannend (das sind zurzeit 88 Cent. Plus drei Gebete täglich). Auf der Rückfahrt unterhielten F. und ich uns darüber, dass Reichtum eine moralische Verpflichtung sein sollte, ob sie nun aus Angst vor der Hölle entsteht oder einfach aus dem Bewusstsein heraus, dass man selbst so viel mehr besitzt als der überwiegende Teil der Bevölkerung. Den Ansatz von Bill Gates mag ich gerne (seine Kinder bekommen einen eher kleinen Teil seines großen Vermögens, der Rest geht in die Stiftung), während ich bei Interviews mit Jeff Bezos manchmal verzweifele („Was soll ich mit meinem ganzen Geld machen? Klar, in den Weltraum fliegen.“ Bezahl doch erstmal die Amazon-Angestellten besser, du Nase).

Als letzter Tagespunkt stand noch St. Anna mit der Lutherstiege auf dem Programm, aber unsere zwei älteren Herren wollten bitte nicht mehr rumlaufen. Da ich auch nichts gegen ein kleines Kaltgetränk hatte, setzten wir uns gemeinsam in den Bauerntanz und tranken uns warm, bis die anderen gegen 17 Uhr aufliefen und wir entspannt zu Abend aßen.

Ereignislose Rückfahrt, kaum Wiesnirre in der U-Bahn. Noch schnell die Saturday-Night-Live-Folge vom Samstag nachgeholt und früh ins Bett gegangen.

Tagebuch Sonntag, 30. September 2018 – Keine Schokolade

Seit zwei Wochen erstmals fast durchgeschlafen. Zwar wachte ich nachts irgendwann auf, ich widerstand aber der Versuchung, auf die Uhr zu sehen; in den letzten zehn, zwölf Tagen war es immer halb fünf oder etwas in der Ecke gewesen, danach lag ich über eine Stunde wach, um dann meist nochmal für ein bis zwei Stündchen zu schlafen, bis mich der Wecker fies aus den Träumen bzw. den inneren To-Do-Listen riss. Gestern erwachte ich, wie gesagt, drehte mich aber einfach wieder um und konnte auch wieder einschlafen, bis ich gegen halb sieben recht normal erwachte. Ich hoffe, damit ist die Umzugsschlafstörung endlich vorbei.

Weiterhin ein bisschen in der Wohnung rumgepuschelt, für einiges einen neuen Platz gefunden, für anderes noch nicht, oberflächliches Aufräumen für eventuellen Besuch am Dienstag, aber eigentlich lag ich nur auf der Couch und wartete auf eine WhatsApp von meiner Schwester. Denn: Wir hatten unseren Eltern und Quasi-Schwiegereltern einen gemeinsamen Urlaub geschenkt. Schwesterherz und ihr Mann überraschten die Bande mit einer Fahrt nach Quedlinburg und Erfurt, wo sie auch übernachteten. Danach ging es weiter an ein für sie unbekanntes Ziel, was sich als Augsburg entpuppte. Dort bleibt die Rotte weitere drei Nächte, bevor sie dann wieder mit einem weiteren Abstecher zurück in den Norden fahren.

In Augsburg wollten wir uns zum Kaffee treffen; mehr war für F. und mich nicht drin, denn um 18 Uhr hatte der FCA ein Heimspiel. Meine Schwester behauptete, sie wären um 15 Uhr vor Ort, ich reservierte in einer plüschigen Traditionskonditorei acht Plätze, F. und ich waren fünf nach drei da – und der Rest kam, wie von mir erwartet, gegen viertel vor vier. Es reichte trotzdem noch für leckere Torte (Himbeersahne für mich, wenn es irgendwo Himbeersahne gibt, lese ich die Speisekarte gar nicht weiter, TEAM HIMBEERSAHNE FOR LIFE) und einen Cappuccino. Eigentlich wollte ich eine heiße Schokolade, aber die war leider aus.

Wir versuchten noch, Papa zum Stadionbesuch zu überreden, aber er wollte nicht mit; fünf Stunden im Auto hatten ihn doch geschafft. Mit dem Rest hatten wir eh nicht gerechnet, und daher fuhren F. und ich alleine ins Stadion.

Dort sah es leerer aus als gewöhnlich. Ein 18-Uhr-Spiel am Sonntag passt eben nicht jedem; auch der gegnerische Fanblock war deutlich leerer als gewohnt, denn bis nach Freiburg zurück ist es auch eine ganze Ecke. Die beiden Fanblöcke stellten nach gut 20 Minuten für uns überraschend ihren Support ein. Wir rätselten: Hatten wir einen angekündigten Fanprotest nicht mitbekommen? Erst auf Twitter erfuhr ich, dass es in einem der Fanblöcke einen ärztlichen Notfall gegeben hatte, weswegen die Fans aus Pietät schwiegen.

Eine derartige Aktion hatte ich bisher nur als Fernsehzuschauerin bei einem Spiel in Dortmund mitbekommen und fand es damals respektvoll und sehr in Ordnung. Jetzt im Stadion fühlte sich das allerdings seltsam an. Vor allem, als Freiburg nach dem 2:0 von Augsburg wieder zurückkam, der FCA ein dusseliges Eigentor produzierte – und eben keine Kurve da war, die Krach machte. Scheiß auf Zurückhaltung – der Rest des Stadions begann zaghaft, etwas Stimmung zu machen, was auch halbwegs funktionierte (im Gegensatz zur Allianz-Arena, wo alles einfach in der riesigen Einöde versandet). Auch ich klatschte mit, weil dem FCA das Spiel zu entgleiten drohte. Dann wurde aber in der FCA-Fankurve eine Durchsage gemacht, die ich nicht verstehen konnte, und beide Kurven begannen wieder, ihre Mannschaften lautstark zu unterstützen. Jetzt konnte ich ohne schlechtes Gewissen anfeuern und freute mich über einen verdienten 4:1-Endstand. Das hatte wirklich Spaß gemacht! (Ja, bis auf den Zwischenfall, schon klar.)


(Halbzeit mit leerem Kuchenblock und einer Wolkenformation, die in der Realität viel hübscher aussah.)

Weil das Stadion nicht so voll war, ging der Weg zum Zug zurück nach München irre schnell. Keine Schlange auf dem Damenklo! Das hatte ich noch nie. Ohne Hindernisse zur Tram und dort gleich in die erste reingekommen, die vor uns einfuhr. Wir hatten sogar noch Zeit für den üblichen Absacker an der Schwarzen Kiste, wo ich wieder eine heiße Schokolade orderte, weil ich mich heute Nachmittag so auf eine gefreut hatte. Aber auch dort bekam ich eine bedauernde Absage. Die Zitronenlimo konnte mich nicht versöhnen, und so steht hier gerade neben mir, während ich den Blogeintrag schreibe, eine verdammte heiße Schokolade. Wohl dem, der immer Kakao im Haus hat. (Und Kekse!)

Tagebuch Samstag, 29. September 2018 – Moleskine und Kühlschrank

In der neuen Wohnung steht ein nagelneuer Kühlschrank. Das Dumme ist: Er ist winzig. Und er ist nicht in Augenhöhe, sondern unterhalb der Arbeitsplatte, weswegen ich quasi auf die Knie gehen muss, um im Gemüsefach rumzuwühlen, in das ungefähr zwei Paprika und zwei Möhren passen. In den ersten Tagen hier nahm ich das noch hin, es gab Wichtigeres, was erledigt werden musste (Badezimmer von grün auf hellblau umdekorieren, den ganzen Alkohol alphabetisch ordnen, damit ich nicht immer durch zwei Fächer wühlen muss, Kerzenhalter von Wachs befreien, damit die Teelichter heller leuchten in den Räumen, wo die Lampensituation noch work in progress ist).

Gestern war ich aber endgültig genervt von diesem Winzding. Ich hatte sowieso vor, mir eine kleine Eistruhe zu kaufen, denn das Kühlschränkchen hat nur ein Drei-Sterne-Fach, aber jetzt überlegte ich: Warum nicht gleich was Anständiges! Also klickte ich mich durch die Angebote von einigen Elektrohändlern und fuhr gestern morgen zu Saturn am Stachus, um mir selbst anzuschauen, wie breit sich 60 Zentimeter anfühlen und wie hoch einsachtzig (perfekt) oder sogar zweizehn (zu hoch). Ich entschied mich im Prinzip schon für ein Gerät, wollte aber zuhause nochmal vergleichen und kaufte es daher nicht sofort. Aber ja, demnächst werde ich dann wohl auch einer von jenen Menschen mit einem Standkühlschrank sein. Netterweise ist die Küche groß genug dafür, und es löst gleichzeitig mein Problem mit einer der vier Wände, die mir noch unstrukturiert vorkam. Jetzt wird der Tisch mit der Schmalseite an ihr stehen, darüber kommt vermutlich Kunst oder Krempel auf ein Regalbrett und schon ist da ein Fokus in der Küche, den sie bis jetzt noch nicht hatte. Nein, ich will nicht, dass ein Kühlschrank der Fokus ist. Vielleicht kann ich ihn umhäkeln.

Am Kaufhof am Stachus kaufte ich ein neues Moleskine. Normalerweise habe ich immer ein leeres im Haus, denn vielleicht muss ich in einer Vorlesung ja mal total überraschend 60 Seiten mitschreiben, und ehe ich dann UMGOTTESWILLEN kein Schreibpapier mehr im Haus habe, ich kann den Satz gar nicht ausschreiben. Beim Einpacken der alten Wohnung stellte ich fest, dass ich kein unbeschriebenes mehr hatte, also kam das auf die Einkaufsliste. Außerdem erstanden: mein neues Lieblingsbrot, das leider nicht vom Bäcker bei mir vor der Haustür stammt. Aber jetzt kann ich ja allmählich wieder selber backen.

Wobei mich das momentan nicht so reizt. Den Backofen der Vorbesitzerin hatte ich mit Backofenspray, Stahlwolle und zum Schluss akoPads bearbeitet und so richtig, RICHTIG sauber kommt er mir immer noch nicht vor. Der Rost, der zum Backofen gehört, war schwarz, als ich ihn aus dem Ofen zog. Keine Übertreibung. Da waren ungefähr fünf Lagen eingebackene verkohlte Lebensmittel drauf, aber jetzt sieht man immerhin wieder das Silber darunter. Aber auch hier: So richtig glücklich bin ich noch nicht.

Auch das Auswischen der Schränke hat die Dame sich anscheinend erspart, was mir erst gestern auffiel, als ich eine Dose Tomaten in einen Schrank stellte, dabei eine Reihe dort schon eingeräumte Dosen nach hinten schob – und es gläsern klang. Ich kletterte auf die Leiter und fand eine dicke Glasscherbe im Schrank. Vielleicht hätte ich vor dem Einräumen mal nachgucken sollen, aber ich bin nicht mal auf die Idee gekommen, dass man die Schränke beim Auszug nicht auswischt.

Bei der Bundesliga-Konferenz auf dem Sofa eingeschlafen, neue US-Serienfolgen der letzten Woche nachgeholt, Dominosteine gegessen. Alles wie immer. Fühlt sich schon sehr nach Zuhause an. Und mein Blog ist wieder auf dem aktuellen Stand, yay!

Nachtrag: Tagebuch Freitag, 28. September 2018 – Alle Kisten ausgepackt

Freitag war der Nachholtermin für meinen Internetanschluss; der Techniker sollte wieder zwischen 8 und 13 Uhr kommen. Er war netterweise bereits um 9 Uhr vor Ort, das Anschließen dauerte fünf Minuten, und nach weiteren 20 ging mein geliebtes Internet auch wieder. Jetzt bin ich zuhause.

Den Rest des Tages verbrachte ich damit, insgesamt 42 Bücherkisten auszupacken und die Inhalte in Regale zu ordnen. Wie immer stehen die deutschsprachigen Romane ganz links, dann kommen die englischsprachigen. In den restlichen drei Regalen stehen die Sachbücher, nicht nach Sprache, aber nach Gebiet getrennt, wobei ich mich bei einigen Werken nie entscheiden kann, ob es jetzt Soziologie, Psychologie oder einfach aktuelle Gesellschaftsanalyse ist, weswegen dieser Bereich intern bei mir „alles andere“ heißt. Film ist so gar nicht mehr meins, die Bücher wanderten ganz nach unten, wo sie in der oberen Wohnung noch ein paar Regalbretter drüber gestanden hatten. Auch das Thema Essen und Körper wollte ich weniger präsent haben. Dafür sieht man die Comics und Graphic Novels jetzt besser, weil sie nicht mehr in die Ecke gequetscht wurden. Meine historischen Bücher sind so halbwegs chronologisch geordnet, aber das klappt natürlich auch nicht immer. Ich mag es aber sehr, wie dicht 1812 und 1913 nebeneinander stehen.

Ein paar Bücher landeten, wie immer beim Auf- und Umräumen, auf dem Altpapierstapel. Und ich fasste nach sechs Stunden Büchereinräumen auch endlich den Entschluss: Immer wenn ein neues Buch ins Regal kommt, fliegt ein altes raus. Ich glaube, ich habe jetzt wirklich genug Bücher.

Und damit waren meine knapp zwei Wochen Vorbereitungs-, Umzugs- und Nachbereitungswochen vorbei. Am Samstag morgen war der erste Tag seit zwölf Tagen, an dem ich nichts machen musste, an dem niemand was von mir wollte, an dem ich keinen Termin hatte. Deswegen wollte ich den Freitagabend auch alleine verbringen und alleine schlafen: endlich mal wieder ohne irgendwas im Hinterkopf einschlafen und aufwachen.

Ich wohne dann jetzt hier. Hier ist es nett. Mein Arbeitszimmer ist blau und ich habe einen Balkon.

Nachtrag: Tagebuch Donnerstag, 27. September 2018 – Wahlhelferschulung

Ich mache bei der bayerischen Landtagswahl Wahldienst, genau wie bei der letzten Bundestagswahl. Auch dort gab es auch bereits eine Schulung, vor allem, weil München damals zum ersten Mal mit Rechnerunterstützung Stimmen auszählte. Ich fand das sehr hilfreich; anstatt dutzende von Schmierzetteln zusammenfügen zu müssen, fragt der Rechner einfach in einer bestimmten Reihenfolge Dinge ab und die arbeitet man dann halt runter. Das läuft dieses Mal wieder so, aber auch dieses Mal saßen in der Schulung wieder Menschen, die irgendwie Angst vor diesen Geräten hatten. „Also, ich MUSS den gar nicht benutzen?“ Die Angst wurde ihnen vermutlich auch nicht groß genommen, denn wir beschäftigten uns kaum mit dem Rechner – „den kennen Sie ja alle vom letzten Mal.“ Ja, ich schon, danke, aber: hm.

Generell fand ich die Auffrischung aber wieder sehr hilfreich und die Auszählübung spannend. Wir hatten wie beim letzten Mal diverse Stimmzettel, die aus unterschiedlichen Gründen gültig oder ungültig waren und auch einige, bei denen beides möglich war. Wir sollten das Abstimmen über die Gültigkeit üben und bekamen generell Tipps für den Wahltag. Wir wurden auch darauf hingewiesen, dass gewisse Gruppen sich als Wahlbeobachter angekündigt hätten. Die Beobachter der OSZE trügen Armbinden und würden nur stumm rumgucken, aber es gebe durchaus Gruppen, die uns vielleicht genauer auf die Finger gucken wollten (der Schulungsleiter nannte keine Namen, aber ich ahne, dass es um eine bestimmte rechtsgerichtete Partei geht). Wir sollten darauf achten, dass diese Beobachter keinen Einblick ins Wählerverzeichnis bekämen (personenbezogene Daten) und wir sollten sie bitten, Abstand zu halten und uns arbeiten zu lassen. Zugucken ist natürlich erlaubt, die Wahl und auch die Stimmauszählung sind öffentlich. „Bieten Sie ihnen einen Stuhl an der Tür an und lassen Sie sich nicht einschüchtern. Ansonsten: 110 wählen.“ Das klingt ja sehr hoffnungsvoll, bestärkt mich aber in meiner Entscheidung, wieder Wahlhilfe zu leisten: Ehe die AfD Stimmen zählt (oder auch nicht, traue ich diesen Antidemokraten durchaus zu), mache ich das lieber selbst.

Nachmittags noch ein paar Bücherkisten ausgepackt, aber nicht mit der Bibliothek fertig geworden. Abends den ersten richtigen gemeinsamen Abend mit F. in der neuen Wohnung verbracht. Brotzeit mit Le 7 begleitet und sehr zufrieden gewesen, weil ich auch hier merkte, wie anders Dinge sind: Ich musste nicht wie oben den Küchentisch abräumen, um ihn von einem Schreibtisch in einen Essplatz zu verwandeln. Ich konnte ihn einfach decken und danach abräumen (und Geschirr in die von der Vormieterin überlassene Geschirrspülmaschine räumen, wo-hoo!), und ich musste nicht wieder meinen Laptop und meine externen Festplatten aufstellen, um am nächsten Morgen sofort losarbeiten zu können. Das war schön. Ja, klingt nach einer Kleinigkeit, aber für mich war das schön.

Nachtrag: Tagebuch Mittwoch, 26. September 2018 – Bye-bye, Studibutze

Vormittags ging ich ein weiteres Mal durch die alte Wohnung und guckte, ob ich auch nichts vergessen hatte. Ich meinte nicht und nahm den letzten Teil des Abschieds vor: den Umzug meines Kellerinhalts. Dort fand ich noch eine Kiste T-Shirts, von denen ich dachte, ich hätte sie schon längst in die Altkleidersammlung getan. Hatte ich anscheinend nicht. (To do: wegbringen. Oder noch drei Jahre im neuen Keller liegen lassen und dann einfach wegschmeißen.)

In der neuen Wohnung stand dann das Arbeitszimmer an. Die Möbel hatten die Umzugshelferlein schon dorthin getragen, wo sie sein sollten. Nun räumte ich Büromaterial aus Kisten aus und in meinen Container wieder ein, ordnete Aktenordner nach Datum, stellte meine aktuellen „Jobs“- und „Diss“-Ordner in meine Nähe und begann, das kleine Kallax mit Kunstbüchern zu füllen. Bisher hatten alle meine Bücher in den sechs Billys gestanden; nun wollte ich aber die Kunstbücher im Arbeitszimmer haben, denn die Diss ist Arbeit. Ein Teil der Bücher lag in den Kisten hier im Arbeitszimmer, die anderen vermutlich in den Kisten in der Bibliothek. (Ich habe hier kein Wohnzimmer, ich habe hier eine Bibliothek. Ja genau.)

Im Arbeitszimmer steht außerdem mein altes Schlafsofa gegenüber vom Schreibtisch. Vom Schreibtisch aus gucke ich nach rechts in den Innenhof bzw. auf lauter grüne Balkons und ansonsten auf meine leere dunkelblaue Wand, was ich sehr beruhigend finde. Davor knallt das weiße Sofa natürlich richtig. Es hat sich schon in den ersten Tagen in dieser Wohnung eingebürgert, dass ich meinen Morgenkaffee genau dort trinke. Nicht wie sonst mit dem Rechner auf dem Schoß auf dem Sofa, das nun in der Bibliothek steht, sondern höchstens mit dem Handy, meist nicht mal damit, nur mit meinem Kaffee auf dem Schlafsofa. Das ist übrigens das hier, und obwohl ich es eher unbequem finde, kann ich mich nicht von ihm trennen, weil es so hübsch ist! Das tragen mir arme Menschen seit 1999 von Wohnung zu Wohnung. Auf ihm gucke ich frisch geduscht und halbwegs wach einfach über den Balkon in den Innenhof bzw. darüber hinaus und bin selbst erstaunt darüber, wie schön und entspannend das ist.

Nach links gucke ich vom Schreibtisch übrigens auf Luise, und das ist ebenfalls schön und entspannend. Das Arbeitszimmer ist genau so geworden, wie ich es erhofft habe, und das freut mich sehr. (To do: Lampen aussuchen. Lampen andübeln. Oder demnächst bei Kerzenlicht arbeiten.)

Nachmittags war dann Wohnungsübergabe. Die Verwaltung hatte das vereinfacht: Anstatt zuerst mit mir durch das Übergabeprotokoll zu gehen und dann nochmal mit dem Nachmieter, waren wir einfach alle gleichzeitig vor Ort. Das ging auch problemlos, aber ich merkte, dass mein Kloß im Hals immer dicker wurde. Total beknackt, ich habe ja jetzt eine viel tollere Wohnung! Aber ich hing wohl doch mehr an der Studibutze auf Zeit, dem Zweitwohnsitz, dem Provisorium, der Übergangswohnung, als ich dachte.

Abends briet ich mir Frikadellen, weil comfort food. Mein Metzger wolft Hackfleisch frisch durch, da liegt keine Wanne stundenlang in der Theke. Vermutlich schmeckt’s auch deshalb so gut. Bye-bye, Wohnung, ein Klops auf dich! Du warst sehr gut zu mir.

Und jetzt fangen wir ein neues Kapitel an. Keine Übergangswohnung mehr oder irgendeine, in die ich rein muss, weil ich sonst noch Monate auf dem Sofa des ehemaligen Mitbewohners hätte zubringen müssen, sondern eine, die ich mir ausgesucht habe, weil es ging. Eine, in die wieder alle meine Habseligkeiten reinpassen. Eine, in der ich wieder mehr als Texterin wohne denn als Studentin. Eine, in der ich noch eine Weile in Ruhe älter werden möchte.

Nachtrag: Tagebuch Dienstag, 25. September 2018 – 1000 Liter Wasser

Dienstag hatte ich noch ein Zimmer zu streichen und wollte danach nochmal alles anständig durchputzen: den Backofen reinigen, alle Schränke auswischen, Kühlschrank abtauen, endlich mal auf der Dunstabzugshaube wischen, Fenster putzen usw. Ich klebte also zum gefühlt hundertsten Mal in den letzten zwei Wochen Fußleisten und Türkanten ab, entfernte Steckdosen und Lichtschalter und rührte in Farbtöpfen rum. Eigentlich hatte ich erwartet, total davon genervt zu sein, mich nochmal so intensiv um eine Wohnung zu kümmern, die in einem Tag nicht mehr meine sein würde. Ich war selbst davon überrascht, dass dem nicht so war. Es war eher so wie ein schönes Geschenk einzupacken, damit sich jemand anders darüber freuen kann.

Ich mochte die kleine Wohnung sehr. Ich weiß, dafür kann die Wohnung nichts, dass ich in den letzten Jahren zwei Studiengänge abgeschlossen habe, eine Beziehung beendet und eine neue begonnen habe, viele neue Menschen kennen- und eine neue Stadt liebengelernt habe. Aber sie war eben der Fels in der Brandung. Wann immer irgendwas nervte und störte, konnte ich mich in meine kleine Höhle zurückziehen. Dass sie nur eine kleine Höhle war, wurde ihr irgendwann zum Verhängnis, aber, ich glaube, ich schrieb es schon mal, wenn hier im Haus nichts anderes frei geworden wäre, würde ich dort noch wohnen. Ich zog dort nicht aus, weil es so fürchterlich war. Deswegen hoffe ich ein bisschen darauf, dass der Nachmieter auch eine gute Zeit in ihr hat – und für einen guten Start konnte ich das kleine Ding nochmal richtig rausputzen.

Als die Farbe im Zimmer trocknete, begann ich damit, das Bad zu putzen. Spiegel, Waschbecken, dann die Badewanne und die Wände. Ich feudelte lustig an den Haltestangen und Seifenschalen rum, begann den Wasserhahn zu polieren – und stieß an das Ventil, an dem bisher die Waschmaschine gehangen hatte. Es öffnete sich, genau wie Samstag, sofort und literweise Wasser sprudelte auf den Wannenrand. Als meine Versuche, den Hahn zu schließen, fehlschlugen, baute ich einen Damm aus drei Handtüchern, damit das Wasser wenigstens in die Wanne lief. Dann drehte ich besinnungslos und mit aller Kraft, die ich hatte, am Hahn. Egal in welche Richtung ich schraubte – er ließ sich nicht schließen, das Wasser schoss in jeder Position ungehindert in Richtung Handtücher. Ich rannte in den dritten Stock, wo unser Hausmeister wohnt – aber niemand öffnete. Ich rief die Verwaltung an, die ich ja schon gestern hatte anrufen wollen und die dann vermutlich auch gestern schon jemand geschickt hätten, BEVOR ICH VERDAMMT NOCHMAL an das blöde Ventil komme, aber egal. Sie rief den Klempner an, der rief mich an – „kann aber nachmittags werden“ –, ich drehte hilflos und sinnlos weiter am Hahn, als es klingelte. Ein Antennentechniker sollte eine veraltete Dose ersetzen. Er schraubte vor sich hin, fragte irgendwann: „Läuft bei Ihnen Wasser?“, ich erzählte die ganze Geschichte, er schraubte weiter, ich putzte währenddessen die Küche, wo keine lockeren Ventile gemein zu mir waren, das Wasser im Bad lief lustig weiter in die Wanne, und als der Techniker fertig war, meinte er, er könne sich das ja mal anschauen. Ging ins Bad, guckte – und drehte den Hahn einfach zu.

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. In meinem Kopf tauchte eine Wasserrechnung über EINE MILLION LITER WASSER auf, und ich habe jetzt die offizielle Bestätigung, dass ich totale Puddingarme habe.

Ich bedankte mich, meinte, hey, damit hätten wir anfangen sollen, er grinste und winkte freundlich ab, als ich ihm anbot, aus der anderen Wohnung eine Runde Trinkgeld zu holen. Eine halbe Stunde später klingelte dann der Klempner, ich erzählte die Geschichte nochmal, er drehte den Hahn auf – und problemlos wieder zu. Ich weiß nicht, ob er nett zu mir sein wollte, aber er meinte, wenn der Hahn immer geöffnet war – ich hatte so einen komischen Wasserstopp an der Maschine, musste ihn also nie zudrehen –, dann setze sich da manchmal Dreck ab, dann ließe sich der auch echt schwer wieder zudrehen. Ich nickte memmig und schwor mir, ab sofort mit kleinen Hanteln auf dem Sofa zu arbeiten, während ich Serien schaue.

Dann beendete ich das Putzen, schaute mich nochmal in der ganzen Wohnung um, befand sie für gut und nahm innerlich Abschied.

Abends hatte ich noch was vor: der FC Augschburg war in der Allianz-Arena zum Auswärtsspiel geladen. Die Sitznachbarin von F. konnte nicht, ich bekam ihre Karte und ging mit FCA-Schal in die Arena. Seit ich nur noch in der WWK-Arena sitze, sind mir Größenverhältnisse völlig abhanden gekommen. Mir war schon klar, dass die Allianz-Arena groß ist – da gehen immerhin 75.000 Leute rein –, aber erst, seitdem ich immer in einem Stadion für 30.000 Besucher*innen bin, weiß ich, WIE GROSS sie ist. Es war nett, mal wieder vor Ort zu sein, ich sah erstmals die neuen roten Sitze, die vorher neutral grau gewesen waren, weil bis letzte Saison auch die Blauen im Stadion gespielt hatten, sah die rot gestrichenen Aufgänge, die teilweise rot gestrichenen Treppenstufen in den Oberrang und fand das alles sehr schick. Trotzdem vermisste ich das kleine, linkische Augschburg mit dem Kids Club und fand die Lightshow zur Spielervorstellung doch arg überkandidelt. Ich fragte mich spontan, welche Art Agenturen dafür zuständig ist, Sportereignisse zu EVENTS hochzujazzen. Ich nehme an, Eventagenturen. (Ich brauche manchmal auch Hanteln fürs Gehirn.)

Gegen die übermächtigen Bayern wäre ich mit einem 0:2 oder sogar 0:3 zufrieden gewesen, aber irrwitzigerweise gelang Augsburg kurz vor Schluss der Ausgleichstreffer zum 1:1-Endstand, und so fuhr ich sehr gut gelaunt nach Hause. Auch wenn ich schmerzende Knie hatte. Irgendwann lerne ich das auch noch: Im Stadion IMMER lieber eine Lage zu viel an als eine zu wenig. Ich hatte die Thermotights unter der Jeans vergessen und war deshalb nach ungefähr einer Stunde etwas unentspannt gewesen. Scheißegal. Unentschieden auswärts, wo-hoo!

Nachtrag: Tagebuch Montag, 24. September 2018 – NO INTERNET!

Als ich die Telekom-Hotline anrief, um mein Internet umzumelden, hatte ich alles parat: Kundennummer, Festnetznummer (die ich nie benutze, weswegen ich sie nicht weiß), Name der Vormieterin und was weiß ich noch. Was ich nicht parat hatte, war der Wunschtermin für den Techniker, weswegen der nicht vergangenen Freitag stattgefunden hatte, sondern eben erst zwei Tage nach dem Umzug, weil ich bei der betreffenden Frage des Kundendienstes total überfordert war. Aber egal. Ich saß also frisch und fröhlich am neuen Schreibtisch, tippte die ersten Blog-Nachträge in ein Word-Dokument und wartete, denn irgendwann zwischen 8 und 13 Uhr sollten die Telekomelfen meinen Anschluss freischalten. Um 11 kam stattdessen eine SMS, die mir das Gegenteil sagte: Techniker kommt nicht, bitte bei uns anrufen. Schnaubend rief ich an, hatte fieserweise eine unerschütterlich EXTREM GUT GELAUNTE Mitarbeiterin am anderen Ende, die mir als Ersatztermin den folgenden Freitag anbot, nein, früher ginge leider nicht. Ich nahm an, was blieb mir auch anderes übrig, legte auf und tippte einen wütenden Tweet.

Eigentlich wollte ich keine wütenden Tweets mehr absetzen über die Bahn oder das Wetter oder Leute vor mir in der Postschlange, weil das die Welt keinen Deut besser macht und irgendwann ist auch mal gut mit dem ewigen Gemecker. Aber wenn man noch fünf Tage kein Internet hat, ist das natürlich was ganz anderes! (Nein, ist es nicht.)

Mit drei Stunden Verspätung begann ich daher knurrend, die obere Wohnung rauszuputzen. Ich fegte und staubsaugte, damit ich danach streichen könnte. Ich war überrascht, wieviel Staub sich hinter meinen Regalen und dem Sofa angesammelt hatte und schreckte ein wenig vor dem Bad zurück, wo bisher die Waschmaschine gestanden hatte. Jetzt war dort ein feuchtdreckiger Boden, ein Dutzend nasse Handtücher und viel, viel Staub an der Wand. Das kam erstmal alles weg, und danach ging es mir gleich besser.

Ich sah auch das noch leicht tropfende Ventil am Badewannenhahn, an dem bisher die Waschmaschine angeschlossen gewesen war. Beim Abnehmen hatten die Jungs es so fest wie möglich zugedreht, aber ein bisschen tropfte immer noch in die Wanne. Ich war am Samstag beim Umzug irgendwie kurz dagegengekommen, woraufhin es sich sofort gelöst und literweise Wasser von sich gespuckt hatte. Netterweise waren noch zwei kräftige Jungs oben, die es sofort wieder zudrehten. Ich wollte dazu eigentlich die Verwaltung anrufen, aber stattdessen rief diese mich an, was mich völlig verwirrte. Sie wollte den Klempnertermin durchgeben für meinen neuen Wasserhahn unten in der Küche, aber den hatte ich ja bereits. Und über diesem Gespräch vergaß ich das Ventil total. (An diesen Moment erinnerte ich mich einen Tag später sehr genau.)

Nach dem Putzen begann ich zu streichen. Vor allem in der Küche war ich erstaunt darüber, wie gelb die Tapete schon aussah, jetzt, wo ich mit frischem Weiß ankam. Meine graugestrichene Ecke musste ich zweimal bearbeiten, genau wie meine rote im Flur, aber ich glaube, ich habe fast die ganze Küche in Teilen dreimal gestrichen, weil immer wieder Stellen gelblich aussahen – bis mir auffiel, dass die gelben Häuser gegenüber eventuell ein bisschen fieses Licht reflektierten. Einen Tag später am Morgen sah auch alles prima und streifenfrei weiß aus, da habe ich anscheinend keine Stelle vergessen.

Am frühen Abend fuhr ich bei F. und seinem Internet vorbei, um eine Kundenmail bzw. deren Anhang auf den Rechner zu kriegen, die ich im Laufe des Tages nur auf dem iPhone hatte sehen, aber nicht lesen können. Außerdem wollte ich mir ein paar Serienfolgen von Netflix aufs iPad ziehen – ich hatte in den letzten Tagen gemerkt, dass ich abends ganz gut runterkommen konnte, wenn ich mit einer Wärmflasche im Rücken und zwei Liter Getränken einfach stumpf Serien guckte. F. erwähnte Tethering, an das ich noch gar nicht gedacht hatte. Ich zog es kurz in Erwägung, wollte jetzt aber keine fünf Tagespässe buchen, sondern die internetlose Zeit bockig aussitzen.

Als ich nach Hause kam, sah ich aber, dass die Social-Media-Menschen von @telekom_hilft anscheinend meinen Brasstweet vom Morgen entdeckt hatten (ich hatte sie nicht getaggt, ich wollte ja gar nichts, nur rummeckern). Sie boten mir 10 GB zur Überbrückung an, die ich dankend annahm und lustig lostetherte. Außerdem entschuldigte ich mich für meine etwas unflätige Wortwahl an Morgen, woraufhin ich einen Smiley per DM zurückbekam.

Nachtrag: Tagebuch Sonntag, 23. September 2018 – Kisten auspacken

Gemeinsam in einer neuen Wohnung aufgewacht. Das war schön, auch wenn wir in einem Zimmer aufwachten, in dem eine Kommode noch mit Folie umwickelt war und in dem zehn Kisten und Körbe rumstanden sowie fünf Kilo Werkzeug.

Es haben uns viele Leute gefragt, warum wir nicht zusammenziehen. Wir haben durchaus darüber nachgedacht, aber dann dachten wir daran, dass wir gerne mindestens vier Zimmer haben möchten und beide nicht aus der Maxvorstadt rauswollen, dann dachten wir an den Münchner Mietmarkt, dann haben wir beide herzlich gelacht und jede*r blieb da, wo er oder sie war. Und als sich jetzt eine Drei-Zimmer-Wohnung für mich alleine anbot, sprachen wir nochmals darüber, blieben aber eigentlich dabei: Wir wohnen gerne alleine, aber praktischerweise nur 800 Meter auseinander, das geht schon. Ich mache außerdem wirklich gerne Witze darüber, dass wir nur deshalb nicht zusammenziehen, weil unsere jeweilige Kunst an den Wänden nicht zusammenpasst.

Die morgendliche Dusche war nicht die erste in dieser Wohnung, aber sie hat ein Detail, das ich bisher vergessen habe zu verbloggen. Als ich das erste Mal, vermutlich nach einem weiteren Streich- und Putzmarathon nicht mehr oben, sondern hier unten duschte, prüfte ich wie immer mit der Hand die Temperatur des Wassers, das aus der Brause kam – und dabei wurde meine Hand bunt. Meine Vormieterin hatte einen dieser komplett sinnfreien Duschköpfe eingebaut, die bunt leuchten und damit auch ein bisschen das Wasser optisch färben. Eigentlich finde ich sowas total beknackt, aber in dem Moment, als ich körperlich fertig und stinkend und vermutlich mit schmerzenden Armen in der Dusche stand, musste ich so lachen, dass ich den Duschkopf so lasse. Bis jetzt erinnere ich mich jeden Morgen daran, wie spontan gute Laune ich beim ersten Mal mit dieser Dusche hatte, dass ich mich jedesmal wieder freue. (NATÜRLICH hat das Impressionistenbad eine bunte Dusche. F. so: „Farbverläufe überall!“)

Danach räumte ich den ganzen Tag in der Küche herum, damit wenigstens ein Raum halbwegs bewohnbar wurde. Ich packte alle Kisten aus, die dort standen, räumte alles in die Küchenschränke und die, die im Flur stehen und brachte Zeug in die eingebauten Wandschränke, die immer noch nicht perfekt befüllt sind, weil ich erstmal alles irgendwie aus den Kisten kriegen wollte.

Irgendwann lag eine Decke auf dem Küchentisch, meine Nachbarin hatte mir zum Einzug Blumen vorbeigebracht, die kamen jetzt von der Fensterbank runter, Gewürze und Messer hatten ihren vorläufigen Platz gefunden (den ich seitdem an meine Handgriffe beim Kochen angepasst habe), ich hatte ein paar Haken an die Wände geklebt, denn ich brauche immer mehrere Handtücher um mich rum. Die teure Espressomaschine steht bis heute in ihrer Kiste, denn über ihrem Standort, der der gleiche ist wie oben, muss noch ein Regalbrett angedübelt werden, worauf irgendwie noch niemand Lust hatte.

Eigentlich wollte ich gleich am Tag nach dem Umzug damit anfangen, die obere Wohnung für den Nachmieter zu streichen und zu putzen, denn die Übergabe war auf Mittwoch angesetzt. Ich begann am Sonntag vorsichtig damit, Decken und Fußleisten mit einem Besen abzufegen, aber selbst das machte in einer leeren Wohnung so viel Lärm und störte eventuell die Sonntagsruhe, dass ich das lieber sein ließ und unten weiterarbeitete.

Dort testete ich eine neue Methode zum Shirtfalten an. Meine Oberbekleidung hatte bisher in Stapeln auf Regalböden gelegen, wo man prima erkennen konnte, welches Motiv auf einem der siebzehn blauen Shirts vorne drauf war. Jetzt sollten die Shirts in Schubladen – also brauchte ich eine neue Methode, um nicht immer siebzehn Shirts auffalten zu müssen, bis ich das mit Calvin und Hobbes vorne drauf gefunden hatte. Ich erinnerte mich an Frau Kondo und brachte zwei Stunden damit zu, Dinge zum sweet spot zu falten (das kapiert ihr, wenn ihr das Video seht). Danach war auch das Schlafzimmer schon fast komplett aufgeräumt.

Abends kochte ich das erste Mal in der neuen Wohnung, auch wenn es eher Resteaufbereitung war. Für die Umzugshelferlein hatte ich Gurken und Tomaten in mundgerechte Häppchen geschnitten (bzw. gleich Cherry-Tomaten gekauft). Die warf ich jetzt in Salat, rührte ein Honig-Senf-Dressing an und briet dazu eine zerrupfte Brezn (auch Umzugsfutter) in Knoblauchbutter zu Croutons.

Nachtrag: Tagebuch Samstag 22. September 2018 – Umzugstag

Für den Umzug ab 10 Uhr morgens hatten sich insgesamt sechs Helferlein angeboten, mit F. und mir tummelten sich acht motivierte Leute in der WhatsApp-Gruppe, die über die genaue Adresse informierte und darüber, bitte am leeren Klingelschild zu läuten, denn ich war natürlich oben im fünften Stock und hibbelte vor mich hin.

Alle Billy-Regale waren von Einlegeböden befreit, die Nupsis, die sie hielten, lagen in einer kleinen Tüte schon unten auf der Fensterbank des betreffenden Raums. In meinem einzigen Zimmer oben stapelten sich Umzugskartons, Ikeakörbe und Einkaufskisten aus Plastik, dazu der übliche Quatsch, den man nicht einpacken kann: meine riesigen Sofakissen zum Beispiel. Beim letzten Umzug aus Hamburg hatte ich bei den Profis zugeguckt: Sie schlugen die Kissen in meterlange Folie ein und brachten sie so sauber und sicher nach München. Das machte ich für ein Stockwerk auch und war danach versucht, ALLES in Folie einzuschlagen, weil das großen Spaß machte. Ich wickelte meine hohe Kommode im Flur mit Folie ein und die zwei großen Ikearegale (Bonde – gibt’s schon ewig nicht mehr), die jeweils zwei Glastüren haben. Auch die sollten schließlich heile nach unten und möglichst nicht mitten im Treppenhaus aufgehen.

In der WhatsApp-Gruppe wurde gefragt, ob noch Werkzeug benötigt würde; nein, meinte ich, alles da, alles auseinandergebaut, was geht, alles eingepackt, ihr müsst nur schleppen. Eine Dame meldete sich mit zu spät gestelltem Wecker, sie käme erst gegen halb 11. Und ich meinte launig: Um halb 11 sind wir schon fertig.

Zur Erläuterung: Frau Donnerhall hatte im Vorfeld erwähnt, dass sie bitte nur Kisten tragen möchte, keine Möbel. Kann ich verstehen, will ich auch nicht. Und als sie um halb 11 kam, waren halt wirklich schon alle Kisten unten und auch diverse Möbel. Die schleppenden Jungs und meine Nachbarin, die spontan Hilfe angeboten hatte, waren ernsthaft in einer Stunde mit allem durch. Ich fiepste nur noch vor Dankbarkeit, bekam fünfmal gesagt, dass aber auch alles tiptop vorbereitet gewesen war und das Treppenhaus irre breit und umzugsfreundlich sei und überhaupt, alles kein Ding.

Ich begann darüber nachzudenken, vielleicht doch noch den Zug um 13 Uhr nach Augsburg zu nehmen, wo der FCA ein Heimspiel gegen Bremen hatte, andere dachten über die heute zu eröffnende Wiesn nach, wir machten die ersten Biere auf und lungerten auf dem Balkon rum. Bis auf zwei von uns, F. und sein bester Freund C., denn die hatten sich für die Waschmaschine zuständig erklärt, die oben abgenommen und unten wieder angeschlossen werden sollte. Aber das hatte C. schon tausendmal gemacht, hier unten war ein Anschluss vorhanden, alles super.

Haha.

Um es kurz zu machen: Zunächst gingen F. und C. zu Suckfüll, einem „Wir haben alles“-Laden in Uninähe, weil irgendein Verbindungsschlauch schon arg schrottig aussah. Dann fuhren F. und ich zu einem Baumarkt, weil wir eine Weiche brauchten, vielleicht noch einen Winkel, noch ein paar Ventile und Zeug, von dem ich nicht weiß, was es macht. Ein paar Tage vor dem Umzug hatte mir die Verwaltung schon einen Klempner vorbeigeschickt, denn meine charmante Vormieterin hatte ernsthaft einen Schlauch, der zur Geschirrspülmaschine führte, mit Panzerband geklebt anstatt ein neues Ventil einzusetzen. Ich wunderte mich bei meinen Renovierungsarbeiten über die große Plastikunterlage vor der Spüle, die ich in einer anderen Funktion kannte: als Parkettschutz bei Schreibtischstühlen. Die lag halt in der Küche und unter der Spüle stand ein kleiner blauer Eimer, den ich als Mülleimer fehlinterpretierte. Als ich das erste Mal meine Pinsel und Farbrollen auswusch, erkannte ich, was der wahre Zweck der beiden Gegenstände war: Das bunte Wasser lief am Panzerband vorbei in den Eimer, und aus irgendeiner anderen Ecke tropfte Zeug auf die Plastikunterlage. Das meldete ich natürlich sofort der Verwaltung, es kam jemand vorbei, der brachte einen neuen Schlauch an, meinte aber, der wäre gar nicht nötig, ließ mir ein Blindventil da, das wir anschrauben sollten, wenn die Waschmaschine dran sei – und dann guckte er noch auf den Wasserhahn, der lustig von unten vor sich hinrostete. Der müsste auch mal ersetzt werden, er würde sich wieder melden.

Das tat er aber nicht, und so kaufte ich am Samstag im Baumarkt gleich mal einen anständigen Wasserhahn, mit dem ich arbeiten kann. Die Hähne hier im Haus sind so flach über der Spüle angebracht, dass ich nicht mal meinen Wasserkocher aufrecht darunterkriege geschweige denn einen großen Topf für Pasta. In meiner oberen Wohnung ging das bis vor Kurzem noch, bis ich neue Armaturen bekam, und ich ahnte, dass ich auch hier unten wieder so einen flachen Quatschhahn kriegen würde. Also kaufte ich selbst ein und habe jetzt einen Hahn, unter dem Philipp Lahm stepptanzen könnte, so hoch ist er. (Diese Art, nur billiger.)

Aber erstmal musste er eingebaut werden. Als C. den alten Hahn entfernte, sah ich, dass die Dichtungsringe quasi weggerottet waren; kein Wunder, dass da alles lustig rumtropfte. Interessanter Lösungsansatz mit Eimer und Matte, aber COME ON! Egal. Jetzt nur noch die Waschmaschine anschließen. Ein Helfer und meine Nachbarin hatten sich schon verabschiedet, die anderen lagerten auf dem Balkon, nachdem sie vom Getränkemarkt gegenüber eine Runde Oktoberfestbier besorgt hatten. C. verschwand unter der Spüle, ich saß mit den anderen auf dem Balkon, als es hieß, ich solle doch mal kurz kommen.

Ich mach’s wieder kurz: Es fehlte immer noch irgendwas, weil sich beim Einbau immer neue Hindernisse auftaten. Wir mussten das Loch in der Holzverkleidung für den Schlauch vergrößern, was lustig mit Holzbohrern und Schmirgelpapier passierte, weil niemand eine Säge oder eine Feile besaß. (Ich hatte mal zwei Sägen. Ich ahne, dass die beim letzten Umzug in der alten Wohnung verblieben und nun Hamburger Sperrmüll sind.) Dann mussten wir die Trennwand zum Kühlschrank entfernen, die eh nur Deko war, weil die Maschine ernsthaft zu breit für die Öffnung war (ich hatte nicht nachgemessen – wenn mir die Verwaltung sagt, dass da ne Maschine hinpasst, dann gehe ich davon aus, dass das stimmt). Und schließlich musste noch der Deckel der Maschine weichen, weil sie sonst nicht unter die Arbeitsplatte gepasst hätte. Mir war alles recht, Hauptsache, ich konnte irgendwann wieder waschen.

In der oberen Wohnung stand dann allerdings doch noch etwas, das runtermusste: Luise. Eigentlich wollten F. und ich das alleine machen, wenn alle anderen wegwaren und niemand in das Bild stolpern konnte. Aber da F. mit C. unter der Spüle hing, boten sich zwei Herren an, die zwar schon fünf Bier intus hatten, aber absolut der Meinung waren, noch ein arschteures Ölgemälde an die Wand zimmern zu können. Konnten sie. Bündig mit dem Türrahmen, mittig zwischen Fenster und Tür und perfekt ausgerichtet. Ich war beeindruckt.

Worüber ich mich freute: dass irgendwie keiner gehen wollte, weil’s grad so nett war. Ich hatte inzwischen den vorbestellten Leberkäse besorgt, wir mampften vor uns hin und ließen es uns gut gehen. Und: Ich mochte die kurze andächtige Stille, als Luise an der Wand hing und alle einfach aufs Bild guckten. Ich weiß nicht, ob es das freundliche Motiv ist oder die Faszination eines großen Gemäldes im schweren Goldrahmen, aber ich fand das sehr schön, dass ich anscheinend nicht die einzige bin, die es mag.

Irgendwann gegen 16 Uhr, wenn ich mich richtig erinnere, war dann auch die Waschmaschine angeschlossen, für die F. noch ein zweites Mal zum Baumarkt fahren musste. Die Küche sah aus wie ein Schlachtfeld, ich hatte kein sauberes Handtuch mehr, überall lag Werkzeug und es standen dazu natürlich auch noch Kisten rum. Aber: Wir waren fertig und obwohl unter der Spüle alles anders aussah als vorher, saß das kleine Blindventil auch irgendwo rum. Nach und nach gingen alle bis auf F. und Alex, denn wir überlegten kurz, ob wir noch ein Absackerbierchen auf der Wiesn nehmen sollten. F. hatte eine Reservierung für 17 Uhr auf der Oidn Wiesn und den Tisch eigentlich an einige seiner Freunde aus England und den USA abgegeben, aber es waren noch zwei Plätzchen am Tisch frei, und die schnappten Alex und ich uns jetzt. Verschwitzt, aber glücklich schnatterten wir mit wildfremden Menschen, aßen Rostbratwürstchen und tranken ein winziges bisschen Alkohol.

Auf dem Rückweg erstand ich die traditionellen gebrannten Mandeln, schwankte mit F. zu mir in die neue Wohnung, manövrierte uns an allen Kisten vorbei und konnte endlich mal wieder eine Nacht durchschlafen. Bester Umzug ever!