Samstag, 10. Januar 2026 – Diözesanmuseum

Wir nutzten den vorletzten Tag der Ausstellung „Göttlich!“ MIT AUSRUFEZEICHEN im Diözesanmuseum Freising, um mal wieder Kunst im Vorbeischlendern zu lernen: „Im Gehen verstehen.“ In der Sonderausstellung mochte ich natürlich die drei Memlings. Zu Hans Memling habe ich ein besonderes Verhältnis, weil er bzw. eins seiner Werke das Sujet meines ersten Referats im Bachelorstudium war sowie Thema meiner ersten Hausarbeit. Die verlinke ich um Gottes willen nicht, aber die Referatsnotizen sind noch okay, glaube ich. (Aww, November 2012!)

Länger gestanden habe ich vor diesem Werk, das netterweise auf Wikipedia zu finden ist. Wenn ich nicht ständig in der Ausstellung gelesen hätte, dass es hier um die Renaissance geht, hätte ich auch auf 1924 tippen können.

Antonio de Saliba: Annunziata (Maria der Verkündigung), Venedig zwischen 1480 und 1497 laut Schild in der Ausstellung, Galleria dell’Accademia Venedig.
Bildquelle: Burkhard Mücke, November 2025, veröffentlicht in der Wikipedia unter CC BY-SA 4.0.

Danach bestaunten wir die Dauerausstellung („is scho zahlt“), entdeckten schöne Rosenkränze und lustige Totenköpfe und begingen dann noch die Licht-Installation von James Turrell, bei der mir ein wenig schwummerig wurde, als ich drin war, und F., als wir rausgingen. Licht, ein Teufelszeug.

Freitag, 9. Januar 2026 – Nana für zuhause

F. und ich waren kurz vor Weihnachten in Hannover im Sprengelmuseum, um uns unter anderem Love you for infinity anzuschauen, eine Gemeinschaftsausstellung mit Yayoi Kusama, Niki de Saint Phalle und Takashi Murakami. Große Empfehlung: Die Ausstellung zeigt sehr deutlich, wie wegweisend Kusama und Saint Phalle schon in den 1960er Jahren waren und dass ihre Werke immer noch zeitgemäß sind.

Unsere Lieblingsbeschäftigung nach dem Ausstellungsgucken in Museen: den Museumsshop nach Schätzen durchsuchen. Hier war der übliche Marketingquatsch wie „Alles mit dem Ausstellungslogo bedrucken“ zu finden, aber auch das tollste Merch, das ich je erworben habe: ein Nana-Ballon.

Es gab ihn in drei Ausfertigungen, wenn ich mich richtig erinnere, aber ich wollte auf jeden Fall den pinkfarbenen. Nach dem etwas mühseligen Aufpumpen (aufblasen hat null funktioniert) stand der Ballon zunächst hinter mir, wenn ich am Schreibtisch saß, aber inzwischen hängt er unter der Flurdecke, wo er auf mich herabschaut und mir weiterhin extrem gute Laune macht.

Das lustige Blümchenkissen von Murakami hätte ich auch gerne mitgenommen, aber das war mir ein Hauch zu hochpreisig. Wir rechnen neuerdings Dinge gerne in den Gegenwert von Weinflaschen um und da gewinnt meistens der Wein, den wir uns kaufen können, wenn wir Objekt X eben nicht erwerben. Aber der Ballon war bezahlbar und fühlt sich für mich schon nach wenigen Tagen fast unbezahlbar an, weil ich wirklich immer grinse, wenn ich unter ihm durchlaufe. Darauf einen Billo-Wein.

Donnerstag, 8. Januar 2026 – Mokum

Ich habe noch bis Sonntag Urlaub, weswegen ich weiterhin Urlaubsdinge mache. Gestern waren F. und ich zum wiederholten Mal in unserer Lieblings-Tagesbar, dem Mokum. Julia Kolbeck, Florian Rottensteiner und Tim Meier haben den kleinen Laden im letzten Jahr eröffnet. Julia kennen wir als Sommelière von Tohru und Jan, Florian und Tim haben im Werneckhof, damals noch unter der Leitung von Tohru Nakamura, gemeinsam gekocht. Mehr über den wirklich schönen Laden erfahrt ihr zum Beispiel im Podcast Kalk & Kegel (Spotify-Link).

Wir hatten gemütlich um 15 Uhr reserviert und blieben gnadenlos bis kurz vor Schluss, weswegen wir uns drei Flaschen Wein gönnen bzw. uns richtig Zeit lassen konnten und trotzdem höchstens latent angeschwipst in Richtung U-Bahn stapften, sehr satt und wie immer sehr zufrieden.

Uns erwartete beim Ankommen eine handgeschriebene Karte mit unseren Namen und ein paar Grüßen vom ganzen Team. Wir begannen mit einem weißen Burgunder von Arnaud Ente, bei dessen Namen ich immer grinsen muss, aber no jokes with names, wissen wir ja. Danach genossen wir zwei Weine von unserem Liebling Michel Lafarge, von dem wir noch keinen einzigen getrunken haben, der belanglos war. Auch deswegen gehen wir gerne in Läden wie das Mokum, das eine kleine, aber äußerst feine Weinkarte hat: Man bekommt dort auch Weine, die für den schnöden Endverbraucher eher schwer zu kriegen sind.

Zu essen gab’s natürlich auch was, denn wie andeutungsweise erwähnt waren wir sieben Stunden vor Ort, da wird man ein bisschen hungrig.

„Bites for bubbles“ steht auf der Karte und das ist es dann auch. Hervorragende Idee, wenn man nur für ein, zwei Gläschen reinschaut oder als Start für mehr. Und weil ich es nicht mehr gewohnt bin zu bloggen und dafür zu fotografieren, waren zwei der Bites schon angeknabbert, bevor ich mich an mein iPhone erinnerte.

Forelle nach Matjes-Art mit Buttermilch, Apfel und Dill. Im Hintergrund diverse Olivenkerne, Beleg für einen weiteren guten Snack.

Rindertatar mit Trüffelmayonnaise und gebeiztem Eigelb. Wir nahmen bei beiden Gängen noch einen Hauch Kaviar dazu.

Schlutzkrapfen mit Pilzen, Ricotta und Beurre blanc. Totales Glücklichmacheressen. Im Hintergrund selbstgebackenes Brot, von dem ich auch den ganzen Abend naschte, plus Salzbutter.

Blutorangensorbet mit anderen Dingen, die ich schon wieder vergessen habe, die aber so lecker waren, dass ich davon eine zweite Portion orderte.

Auf der Homepage vom Mokum steht der Leitspruch für den Laden: „Home away from home.“ Genauso hat sich der gestrige Tag angefühlt. Das war alles ganz hervorragend, gut gelaunt und total entspannt.

Mittwoch, 7. Januar 2026 – Diamanten

Die Doku Diamanten. Mythos und Marketing auf arte hatte ich schon vor ein paar Tagen gesehen und auf Bluesky empfohlen, aber ich mache das hier gerne nochmal. Es ist eine schicke Mischung aus Werbungshistorie („A diamond is forever”), Geschichte des Handels (ich war über Kuba überrascht) und der heutigen Möglichkeit, Diamanten im Labor herzustellen, die sich chemisch null von denen unterscheiden, die mit Riesenaufwand und Umweltschäden aus der Erde geholt werden. Der einzige Unterschied ist das Gefühl, wenn man sein Schätzchen im Ring anschaut: Hast du Millionen von Jahren Erdgeschichte in dir oder bist du zwei Monate alt? Und was macht das mit dem Träger oder der Trägerin? Ich war dummerweise selbst davon überrascht, dass ich zu einem geschürften Steinchen neigen würde, eben wegen des Alters. Man sollte keine Dokus schauen. Okay, vergesst den Eintrag, klickt lieber auf Insta rum.

Dienstag, 6. Januar 2026 – Neue CD

Ich erwähnte bereits, dass F. mir drei CDs zu Weihnachten geschenkt hatte; die eine mit sämtlichen Werken für Cello und Klavier von Bohuslav Martinů hörte ich gestern erstmals aufmerksam durch. Ich lege euch hiermit die Cello-Sonate Nr. 3 (1952) ans Herz und frage alle Musikexpert*innen an den Empfangsgeräten: Gibt es einen Begriff für den Übergang aus weiß der Geier welchen Tonarten zu diesem satten Akkord, wie es hier bei Nummer 1 und knapp vor Nummer 2 auf dem Notenblatt zu hören ist? Oder hier im zweiten Satz meines Lieblingsstücks, dem Cello-Konzert Nr. 1, zum Beispiel bei Minute 15:51? Ich meine, es ist kein reiner C-Dur-Akkord, aber meine Notenlesekenntnisse sind gefühlt alle von vor Jahrzehnten.

Ich verbinde mit Martinů immer diese dramatische Auflösung, in der alles zusammenkommt und sich einig ist und alles gut wird. Diese bestimmte Klangfarbe, die gefühlt mehr ist als ein simpler Dur-Akkord, kriegt er warum auch immer in meinen Ohren unnachahmlich hin, und sobald einer dieser Akkorde erklingt, stellen sich meine Nackenhaare auf und es fühlt sich an, als ob mir die Welt den Kopf tätschelt.

Der zweite Satz des 1. Cello-Konzerts ist mein Favorit für die Tage, an denen ich und alles um mich rum mal runterkommen muss; er steckt voller dieser Akkorde. Der Satz fängt hier an und dauert gute zehn Minuten. Vielleicht habt ihr ja heute dooferweise so einen Tag. Aber keine Bange, Martinů ist für euch da.

Montag, 5. Januar 2026 – Gräber

F. nahm mich auf den Nordfriedhof mit, auf dem seine Großeltern bestattet sind. Wir spazierten auf dem ruhigen Areal herum, lasen Inschriften auf Steinen und Stelen und besprachen erstmals, wie unser Grabstein mal aussehen sollte. Das ist ja auch schön, dass man nach über zehn Jahren noch neue Themen findet.

Auf dem Geländeplan entdeckte ich eine Anmerkung, die ich noch nicht kannte: „Auf Münchner Friedhöfen befinden sich Gedenkgräber für die Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Attentate und Anschläge.“ Auf dem Nordfriedhof ist Guiliano Kollmann bestattet, der 2016 beim, Zitat Geländeplan, „rechtsterroristischen rassistischen Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum“ ermordet wurde. Die Lage des Grabs war als einziges im Plan vermerkt, wir gingen später zufällig daran vorbei. Ebenfalls beim Schlendern entdeckt: das Familiengrab der Defreggers, wo ich den Maler Franz kannte, oder die Gedenkstele von Ernst Mach, auf die mich F. hinwies.

Eigentlich waren wir auf der Suche nach einem anderen Grab, fanden es aber nicht. Auf dem Weg zum Ausgang entdeckte ich allerdings eine weitere Grabstätte, was den Kreis schön schloss in dieser Stadt, in der Rechtsextremismus leider zu lange und zu oft zuhause war und ist.

Paul Ludwig Troost (1878–1934) entwarf die NS-Parteibauten am Königsplatz, also zum einen den sogenannten „Führerbau“, in dem sich Hitlers Arbeitszimmer befand und 1938 das Münchner Abkommen unterzeichnet wurde. Heute ist dort die Musikhochschule untergebracht. Der zweite Bau ist das NS-Verwaltungsgebäude, das heute Haus der Kulturinstitute heißt; unter anderem befindet sich hier das Zentralinstitut für Kunstgeschichte mit seiner wunderbaren Bibliothek. Ich weiß immer, wo ich sitze, wenn ich über den NS forsche. Der dritte von Troost geplante Bau in München ist das Haus der (deutschen) Kunst.

Seine Frau Gerdy (1904–2003) übernahm nach Ludwigs frühen Tod sein Architekturbüro und auch Funktionen im NS-Staat. Sie gab 1938 das zweibändige Werk Das Bauen im Neuen Reich heraus, in dessen Neuauflage 1942 sie auch über die neuen Reichsautobahnen schrieb. Daher zitierte ich sie natürlich in meiner Diss. Eine Kostprobe von vielen, die belegen, dass die ollen Straßen nicht nur olle Straßen waren:

„Über Weichsel, Warthe und Rhein greifen die Reichsautobahnen hinüber in alte deutsche Kulturlandschaften, die von den Kriegsentscheidungen ins Reich zurückgeführt wurden. Der Gedanke, Tore nach Osten und Westen, Tore in die große deutsche Heimat öffnen, hat in den Entwürfen für die großen Strombrücken sinnvoll Gestalt gewonnen. Mit symbolischer Macht sprechen diese Brücken von der glückhaften Vollendung Deutschlands, dessen Lebensadern sie hinüberleiten in das heimgekehrte Land.“

(Quelle: Gerdy Troost: Das Bauen im Neuen Reich, 2 Bd., Bayreuth 1942, Bd. 2, S. 6.)

Sonntag, 4. Januar 2026 – Was schön war

Lange geschlafen. Gemeinsam gefrühstückt. Avocado mit Chili und Schnittlauch. Scrabble gespielt und wie immer gegen F. haushoch verloren, was einen Hauch an meiner Ehre kratzt. Aber immerhin in zwei Etappen das Wort „Hurenkind“ untergebracht. Leider keine Kopf- oder Filzläuse legen gekonnt, ich blieb bis zum Schluss auf meinem Z sitzen. Bei „Junis“ mussten wir den Duden fragen, ob es gilt: gilt. Es ist ein Genitiv und selbst als Plural wäre es okay, wenn auch sehr selten.

Gelesen, rumgesessen, geplaudert, geschwiegen, als spätes Mittagessen die Samstag erworbenen Croissants vom Lieblingsbäcker genossen.

Abends mit netten Menschen Käse, Schinken, Wein und Whisky verzehrt. Die schöne neue Handtasche zum zweiten Mal ausgeführt; sie durfte Samstag schon zum Bäcker. Sie ist eigentlich eine Abendhandtasche, in die nichts reinpassen muss, aber mir fiel auf: Wenn ich Brot und ähnliches einkaufe, brauche ich ja nur meine EC-Karte und eine Einkaufstasche. Das passt beides rein.

Ansonsten sieht das gute Stück von Furla mit den unterschiedlichen Abendklamotten wie in den folgenden Bildern aus. Das mittlere Outfit ist der Hauptgrund, warum ich sie in orange wollte. Seit ich sie das erste Mal online gesehen (und dann brav auf den Sale gewartet) habe, fand ich die Farbe irre. Zuerst dachte ich, ich habe überhaupt nichts orangefarbenes im Schrank, die passt ja zu gar nichts, bis mir auffiel: Deswegen passt sie zu allem.

Samstag, 3. Januar 2026 – Reading

Aus dem Atlantic, Geschenkartikel: „Reading Is a Vice“ von Adam Kirsch. Der Autor beschreibt, wie viele weitere vor ihm, dass zu viele Menschen nicht mehr oder kaum noch Bücher lesen. Es kommt aber ein Argument vor, das ich noch nicht kannte:

„If people won’t read books because they enjoy it, perhaps they can be persuaded to do it to save democracy. The International Publishers Association, which represents publishers in 84 countries, has spent the past year promoting the slogan “Democracy depends on reading,” arguing that “ambitious, critical, reflective reading remains one of the few spaces where citizens can rehearse complexity, recover attention and cultivate the inner freedoms that public freedoms require.”“

Kirsch entkräftet das in seinen Augen unsinnige Argument aber gleich wieder:

„The problem with these kinds of arguments isn’t that they are wrong; it’s that they don’t actually persuade anyone to read more, because they misunderstand why people become readers in the first place. Telling someone to love literature because reading is good for society is like telling someone to believe in God because religion is good for society. It’s a utilitarian argument for what should be a personal passion.“

Der Autor beschreibt im Folgenden seine eigenen Leseerfahrungen, von denen vermutlich jede*r Leser*in genügend aufzählen kann: warum lese ich, warum lese ich gerne, was und wann lese ich gerne usw. Aber diese Beschreibung fand ich sehr schön:

„Being a reader means cultivating a relationship with the world that, by most standards, can seem pointless and counterproductive. Reading is not profitable; it doesn’t teach you any transferable skills or offer any networking opportunities. On the contrary, it is an antisocial activity in the most concrete sense: To do it you have to be alone, or else pretend you’re alone by tuning out other people. Reading teaches you to be more interested in what’s going on inside your head than in the real world.“

Aus dem letztgenannten Grund funktioniert auch das Argument nicht, mit Lesen die Demokratie zu retten. Mit Geschichtsbüchern ganz eventuell, aber im Artikel geht es genau um die nicht, sondern um Romane, in denen Welten erfunden werden, die uns aus der bereits bestehenden herausreißen. Kirsch schließt mit einem Bild, das mir persönlich sehr bekannt ist:

„If we want to keep reading from going extinct, then the best thing we could do is tell young people what so many great writers readily admit: Literature doesn’t make you a better citizen or a more successful person. A passion for reading can even make life more difficult. And you don’t cultivate a passion for the sake of democracy. You do it for the thrill of staying up late to read under the covers by flashlight, unable to stop and hoping no one finds out.“

Unter der Bettdecke lese ich meine derzeitige Lektüre, ein Geschichtsbuch, natürlich, nicht, dafür ist sie zu unhandlich. Aber von den knapp 2000 Seiten Ulbricht-Biografie habe ich nun immerhin schon 250 hinter mir und kann das Buch (bzw. die ein, zwei Bücher) bisher sehr weiterempfehlen. Ich besitze die nur 12 Euro günstige Gesamtausgabe der BPB, aber die scheint schon vergriffen zu sein. Sie ist wirklich umständlich zu halten (bräuchte ein Lesepult), aber: 12 Euro sind deutlich weniger als *checks Verlagswebsite* 116.

Freitag, 2. Januar 2026 – Abgeschmückt

Im letzten November erwarb ich erstmals einen Weihnachtsbaum aus Plastik.

2024 hatte mich das nämlich etwas traurig gemacht, dass ich weder in Passau noch in München so ganz bin und deswegen meiner Lieblingsbeschäftigung im Dezember – den geschmückten und mit funkelnden Lichterketten geschmückten Weihnachtsbaum anstarren – an keinem Ort genügend frönen konnte. Ich hatte auch keinen Adventskranz, denn an den Wochenenden war ich zwar immer in München, aber eben nur an den Wochenenden, weswegen sich der Kranz dort gar nicht lohnen würde, weil ich die Kerzen quasi dauerbrennen lassen müsste, damit sich das an den zwei Tagen lohnt, und ja, ich kann mir über so einen Firlefanz tagelang Gedanken machen. Also, 2024 keinen Adventskranz. Deswegen lohnte sich auch die Anschaffung des Baums am üblichen Monatsanfang nicht, denn ich war ja nur zwei Tage von sieben in der Woche da, um starren zu können. Also kaufte ich den Baum in München wahnsinnig spät, schmückte eilig, baute ihn gefühlt fünf Minuten später wieder ab und entsorgte ihn nach dem 6. Januar, hatte in Passau gar keinen Weihnachtsschmuck und war mit der Gesamtsituation äußerst unzufrieden gewesen.

Daher dachte ich 2025 darüber nach, zwei Bäumchen anzuschaffen, was mir aber selbst nach wenigen Sekunden schon sehr albern vorkam. Außerdem hätte ich dann noch einen zweiten Weihnachtsbaumständer erwerben müssen und wo entsorge ich überhaupt in Passau einen Baum? Plan verworfen. Netterweise sprachen wir in der Mittagspause über Christbaumkauf (as the cool people hier unten call it), und meine Kollegin meinte, sie habe sich gerade nach dem Umzug einen Plastikbaum gekauft, der stünde auch jetzt schon im November, weil schön. Ich fühlte mich total verstanden, fuhr nach Feierabend schnurstracks ein paar Baumärkte ab, besah mir die Dinger mal von nahem im Original und erwarb schließlich diesen hier in 150 cm. Er sieht nicht ganz so füllig aus wie auf dem Foto, aber sonst passt die Abbildung.

Es gibt übrigens ganz schlimm aussehende Plastikbäume und welche, die wirklich gut sind. Klar sieht man, wenn man direkt davor steht, dass es keine echten Nadeln sind, aber ganz ehrlich: Ich brauche schlicht irgendwas grünes Pyramidenartiges, an das ich Kugeln und Lichter basteln kann.

Mein Plan war nun nach dem Erwerb des Baums: Ich bringe mir am Wochenende aus München ein paar Kugeln mit, dann baue ich den Baum in Passau auf, schmücke ihn, finde alles toll, und am letzten Tag in Passau vor dem dringend nötigen dreiwöchigen Weihnachtsurlaub baue ich alles ab, verstaue es im Auto, gondele nach München, baue den Baum erneut auf und finde weiterhin alles toll.

Der Plan hat immerhin so halb funktioniert, denn natürlich habe ich es nicht mal einen Tag ausgehalten, den Baum nicht aufzubauen. Ich musste schließlich gucken, ob auch alle Teile da sind, logisch, Verbraucherschutz geht mir ja über alles. Also öffnete ich den Karton, baute Ständer, zwei Stangen und eine lustige Spitze zusammen und steckte dann jeweils sechs mal sechs Äste in derselben Länge an die mittigen Stangen, nachdem ich sie etwas aufgefächert hatte. Es war alles im Paket, was drin sein sollte, aber nun stand ein ungeschmückter Baum bei mir im Zimmer, und das hielt ich erneut genau einen Tag aus, bevor ich in einem lustig-bunten Einrichtungsgeschäft in Passau formschöne Kugeln und eine lange Lichterkette erwarb. Dann wurde geschmückt und alles war gut.

Der Rest vom Plan ging auf; ich hatte in Passau wochenlang einen Baum zum Anstarren, baute ihn am 18. Dezember ab, fuhr mit ihm am 19. nach München, baute ihn dort sofort wieder auf, ballerte ihn erneut mit Kugeln voll und starrte weiter. Und auch wenn ich es 2024 für sinnlos gehalten habe: In München wurde ein preisgünstiger Supermarkt-Adventskranz erworben, an dem an den Wochenenden die kleinen Stümpfchenkerzen brannten, und das hat gereicht und mich erfreut.

Gestern entschmückte ich den Baum, wie es sich für mich nach Silvester gehört, baute ihn wieder auseinander, verstaute ihn erneut im Karton und trug ihn auch gleich in den Keller. Damit ist 2025 für mich offiziell rum. Und in nur elf Monaten hole ich den Karton wieder hoch und habe dann eine noch größere Auswahl an Kugeln als im letzten Jahr, ich Schlaumeierchen.

Donnerstag, 1. Januar 2026 – Champagner-Galopp

Es gab das Neujahrskonzert aus Wien, das ich auch wegen des wunderhübschen Blumenschmucks anschaue. Netterweise steht das Programm immer online, das heißt, ich muss nicht sofort bei jedem Stück den oder die mir unbekannte Komponist*in ergoogeln, sondern kann das nachher erledigen.

Gestern erfreute mich der Københavns Jernbane-Damp-Galop von Hans Christian Lumbye, den die englische Wikipedia Copenhagen Steam Railway Galop nennt. Dort stand auch zu lesen, dass der Herr Komponist einen Champagne Galop geschrieben hatte, den wir natürlich direkt nach dem Ende des wirklich schönen Konzerts auf YouTube genossen. Dringend bis zum Ende bleiben, es sind nur zwei Minuten. Und wie beim Radetzkymarsch in Wien weiß das dänische Publikum anscheinend, wann genau es mitklatschen darf.

Mittwoch, 31. Dezember 2025 – Was schön war

Flädlesuppe mit ordentlich Schnittlauch, die Flädle mit brauner Butter, ganze Küche duftet.

Sauer eingelegter Saibling mit Salätchen drunter. Rezept stammt aus dem Allgäu-Kochbuch und wird beibehalten, aber nächstes Mal gibt’s das Fischchen ohne Haut. Die Textur war nicht so meins.

Rosa gebratene Entenbrust (danke, Fleischthermometer) mit herrlichen maple roasted carrots und simplem Kartoffelbrei, weil wir es halt simpel halten wollten und ich außerdem zu viel Zeug im Ofen hatte, um auch noch ein Gratin unterzubringen (Entenbrust, Karotten, ich brauche mehr Gitter und Bleche, was denn noch).

Angel Food Cake mit Himbeersahne, weil meine blöde Créme brûlée nicht festgeworden war und ich armes Häschen mit fünf Eiweißen da stand. War auch sehr schmackhaft.

Und ein bisschen was getrunken haben wir auch. Wenn ich Ihnen mal wieder die Champagner von Piollot ans Herz legen darf? Noch toller: die Produkte seiner Frau Marie Courtin.