Donnerstag, 17. November 2022 – Kein Tagebucheintrag

Twitter war heute nacht kurz vor dem Exitus, wenn man dem Down-Monitor glauben darf. Auch in meiner Timeline hörte ich ab und zu Dinge wie „Meine Replys gehen nicht mehr“ oder ähnliches. Musks dusseligste E-Mail bisher an die Angestellten – mehr arbeiten, weniger schlafen, hört ihr die Peitsche knallen – führte dazu, dass auch der Großteil der bisher nicht Gekündigten jetzt von sich aus sagten, na gut, das war’s dann mit mir und diesem Laden. Ein spontaner Crash & Burn wird es aber wohl nicht werden, wie „The Atlantic“ meint:

„Musk seems to have picked the worst time possible for his ultimatum: On Sunday, the 2022 FIFA World Cup kicks off, an event that, according to the former Twitter employees, historically produces the site’s highest global traffic. All three individuals I spoke with said the World Cup is a major stress test for the platform in the best of circumstances, requiring careful coordination from the site-reliability-engineering team to ensure that crucial services stay up.

I initially wanted to write about how Twitter might be quickly snuffed out. But most people with any understanding of how the platform works say Twitter is unlikely to just cough, sputter, and go dark forever. Those I spoke with all described a slow rot of systems that get more load than expected and “just fail silently,” as one recent employee put it. “And then other services are just waiting for those to respond [and] you start to see things just not work.” That former employee described what was happening to Twitter as similar to plaque building up inside a person’s arteries for years before a heart attack.“

Bisher dachte ich, dass der Dienst schon irgendwie weiterlaufen wird, weil ich gerne vergessen, dass hinter jedem Dienst Menschen stecken, die dafür sorgen, dass dieser Dienst funktioniert. Momentan befasse ich mich daher erstmals mit der Möglichkeit, dass Twitter in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr da sein wird – oder nicht mehr der Dienst sein wird, der mir launiges Geplapper, gemeinsames ESC-Gucken und visuelle Stimulation durch dutzende von ArtBots beschert. Diese zwei Tweets fassen ganz gut zusammen, wie seltsam die Gemeinschaft ist, die man sich in Jahren zusammengefolgt hat:

„There are too many people I’m like… we’re not close enough to dm or know where to find each other off platform but I’d feel the emptiness of not getting to passively follow their lives when Twitter dies. That’s gonna suck.“

„Was trying to explain this to my husb & he doesn’t get it. He’s like why don’t you just message people & exchange info & I’m like bro it’s hundreds of people that I have a weird relationship with that I’m not close enough to DM but get sad when I think of never seeing them again.“

Noch sage ich nicht Auf Wiedersehen, aber innerlich wimmere ich schon ein bisschen.

Vielleicht wird das Blog wieder das, womit es im Juli 2002 angefangen hat: eine Sammlung von Dingen, die mir auffallen, Sätze, die ich spannend finde, Fotos, über die ich stolpere und die ich teilen will. Also all das, was irgendwann auf Twitter landete, weil man nicht so viele Worte dafür brauchte.

Mittwoch, 16. November 2022 – Produkthinweise

Gestern begann bei Motel a Miio der Black Sale, also der vergünstigte Verkauf, auf den ich persönlich gerade dringend bei Kitchen Aid warte und hoffe und dafür bete. Von Motel a Miio besitze ich inzwischen sechs Teller, die ersten vier, zwei flache graue, zwei tiefe dunkelblaue, kaufte ich mir vor knapp fünf Jahren, nachdem ich sie ein Jahr lang bewundert hatte, im Februar diesen Jahres kamen dann noch zwei grüne Pastateller hinzu, aus denen ich noch nie Pasta gegessen habe, aber dafür jedes einzelne Curry in diesem Jahr, siehe Instagram, wo quasi nur diese Teller zu sehen sind. Und weil ich sie so liebe, wollte ich sie noch in einer anderen Farbe haben.

Ich musste dafür nicht mal online ordern, sondern nur ein bisschen zu Fuß gehen. Eigentlich wollte ich die rosefarbenen sowie die fast schwarzen haben, aber die ersten sahen doof aus und die zweiten gab es nicht in diesem Store und für einen zweiten hatte ich keine Zeit mehr. Also wurden es Teller in hellblau, die ich wunderschön fand.

Sie sehen allerdings auf Insta genauso wie die grünen aus.

Oben im Bild zu sehen sind noch sechs kleine Dip-Schälchen in zwei Stilen und Farben, da habe ich mir einen kleinen Spontan-Haul gegönnt. Gerade beim Curry-Kochen bereite ich so viele einzelne Zutaten vor, die in meinen uralten Glasschüsselchen liegen oder in Dip-Schalen von Butlers oder ähnlichen Einrichteläden. Die hier sind deutlich schöner und ich habe sie gestern schon freudig beim Kochen benutzt.

Die Tasche gab’s gratis dazu.

Wo wir gerade bei Produktempfehlungen sind (der Kram hier ist übrigens selbst bezahlt). Als ich im Sommer begann, meine vertrockneten Make-up-Vorräte wieder aufzustocken, ließ ich mir eine Hautcreme empfehlen. Über die jammerte ich eigentlich, seit ich irrwitzige 80 Euro für sie bezahlt hatte, eben weil ich irrwitzige 80 Euro bezahlt hatte. Und weil die Verkäuferin den Quatsch von der Verzuckerung der Haut, die diese Creme behebt, vermutlich wegen meines Körperumfangs ausgepackt hat. Und weil der Packungstext Rechtschreibfehler hat, Alter, bezahlt für den Verkaufspreis bitte mal eine Lektorin. Ich muss allerdings nach vier Monaten Benutzung, nach denen der Tiegel noch mehr als halb voll ist, sagen: Meine Haut fühlt sich tatsächlich besser an, nicht mehr so trocken, auch abends noch. Manchmal überlege ich vor dem Auftragen der Nachtcreme (ja, ich benutze Nachtcreme, ich bin alt und wir dürfen darüber sprechen, it’s fine), ob sie überhaupt nötig ist, weil meine Haut sich noch nicht so anfühlt, als bräuchte sie Feuchtigkeit.

Was die Creme allerdings (noch?) nicht hinbekommen hat: meine geröteten Wangen weniger rot zu kriegen. Dafür erstand ich vor kurzem einen Primer, bei dem ich nicht viel Hoffnung hatte, dass er funktioniert, denn ein anderes Douglas-Produkt war der totale Quatsch gewesen. Aber: funktioniert. Nach der Tagescreme den Primer auftragen, Foundation drüber, abpudern – und ich sehe abends noch fast so aus wie frisch geschminkt. Jedenfalls ohne rote Bäckchen. Kostet auch deutlich weniger, nämlich 14 Euro.

Und eine letzte Empfehlung, die wieder etwas teuer wird: das Handtuch, auf dem die beiden Produkte liegen. Als ich 1999 nach Hamburg zog, gönnte ich mir zwei riesige Badetücher, in die selbst ich dicker Mensch ganz eingewickelt werden kann. Diese zwei Handtücher sind bis heute meine liebsten Badetücher und ja, ich habe Unmengen von billigen getestet. Sie haben dieselbe Farbe wie damals, sie fusseln nicht, sie trocken mich vernünftig ab – es gibt durchaus Handtücher, die das nicht hinkriegen, looking at you, Ikea – und sie halten anscheinend ewig. Sie haben ihren Preis, aber nachdem ich in diesem Jahr 80 Euro für Creme ausgegeben habe, gönnte ich mir noch zwei Handtücher von Christian Fischbacher, hell- und dunkelgrau. Das dunkelgraue ist im Bild, auf meiner Handtuchstange im Bad hängt gerade eins von 1999 in dunkelgrün. Ich habe die Tücher bei Wäsche-Kultur in Köln bestellt (einfach ergoogelt), die einem sogar Stoffproben schicken; jedes Badetuch hat knapp 90 Euro gekostet. Wie Oma sagen würde: gut angelegtes Geld.

Diese herrlich warmen Schuhe sind auch aus den 1990ern, davon kann ich euch aber leider keinen Link anbieten. Die hat mir mein bester Freund im ollen UCI-Kino in Hamburg gekauft und ich liebe den Herbst auch deshalb, weil ich endlich am Schreibtisch wieder diese Schuhe tragen kann. So wie gestern.

Dienstag, 15. November 2022

Ich lese gerade „Butcher’s Crossing“ von John Williams, von dem ich gerade eben … mal im eigenen Blog nachgeschaut … vor acht Jahren (ähem) bereits „Stoner“ mit Genuss gelesen hatte. „Butcher’s Crossing“ ist ähnlich wortkarg und ich habe es auch noch nicht durchgelesen, aber dieser Absatz fasst das generelle Tempo im Buch gut zusammen. Und so klingt es auch seit über 100 Seiten. Wir sind gerade Ende des 19. Jahrhunderts mit vier Männern in der amerikanischen Prärie unterwegs, drei zu Pferd, einer im Planwagen, die auf der Suche nach einer Büffelherde sind, die einer der Herren vor mehreren Jahren mal gesehen haben will. Ich habe den Wiki-Link oben nicht durchgelesen, ich weiß noch nicht, wie das Buch ausgeht, psst.

„But as their journey progressed such interruptions came to seem more and more unreal to Andrews. The reality of their journey lay in the routine detail of bedding down at night, arising in the morning, drinking black coffee from hot tin cups, packing bedrolls upon gradually wearying horses, the monotonous and numbing movement over the prairie that never changed its aspect, the watering of the horses and oxen at noon, the eating of hard biscuit and dried fruit, the resumption of the journey, the fumbling setting up of camp in the darkness, the tasteless quantities of beans and bacon gulped savagely in the flickering darkness, the coffee again, and the bedding down. This came to be a ritual which nevertheless gave his life the only shape it now had. It seemed to him that he moved forward laboriously, inch by inch, over the space of the vast prairie; but it seemed that he did not move through time at all, that rather time moved with him, an invisible cloud that hovered about him and clung to him as he went forward.“

John Williams: „Butcher’s Crossing“, London 2014 (Erstausgabe 1960), S. 96.

Montag, 14. November 2022

Gearbeitet. Xing-Profil gelöscht. Avocadotoast gegessen. Wäsche gewaschen. Staubgesaugt. Die Tiffany-Dornenkrone von Kendrick Lamar in der „Vogue“ bewundert. Die ersten drei Folgen der neuen Staffel „The Crown“ geguckt. Mit Mama telefoniert und ihr Zugverbindungen rausgesucht. Und für sie ergoogelt, wie man Koffer aufgibt. Und ab wann ihr Reisebüro vor Ort heute geöffnet ist. Und um wieviel teurer die 1. Klasse im Zug denn wäre. Und wie dieses Buch hieß, über das es im Deutschlandfunk letzte Woche einen Bericht gab.

Sonntag, 13. November 2022 – Die Stadt knirscht und atmet

F. hat die klassischen Konzerte der Stadt stets besser im Blick als ich, und so fragte er irgendwann, ob ich Lust auf die Münchner Philharmoniker hätte, die neben Rachmaninoff und Rimski-Korsakow auch ein Stück von Anna Thorvaldsdottir geben würden: „Archora“, eine deutsche Uraufführung, Samstag abend das erste Mal, Sonntag morgen das zweite. Wir entschieden uns für den Sonntag um 11 Uhr und ich saß zum ersten Mal in der Isarphilharmonie.

Wir kannten die Komponistin aus einem spannenden Abend in der Pinakothek der Moderne, der mir noch lange im Gedächtnis geblieben ist, vor allem der Gesang von der Rotunde und ihre wunderbare Antwort aus dem Einführungsgespräch, wo sie beknackterweise gefragt wurde, wie sie als Frau das denn hinkriegte mit dem Komponieren und dem Rest des Lebens, man müsse ja auch mal einkaufen: „Send husband to the supermarket.“

Die weltweite Uraufführung von „Archora“ fand im August diesen Jahres statt, weswegen es noch keine Einspielung gibt, aber die Komponistin verlinkt auf ihrer Website netterweise eben diese Aufführung im Rahmen der Night of the Proms. Dänisches Radio, geht ab Minute 4 los.

Das Stück hatte mich sofort und ließ mich auch die ganzen 18 Minuten nicht mehr los. Zunächst folgte ich einfach den Instrumenten willenlos und ließ mich ziehen, ohne groß nachzudenken, aber irgendwann kamen dann, wie immer bei Musik, die Bilder im Kopf wieder. Ich verdrängte die isländische Landschaft, die meine erste Assoziation war, weil ich das als zu klischeeig empfand, und landete bei einer Stadt, einer Großstadt, komischerweise bei Los Angeles, obwohl ich da noch nie war. Für mich klang das Stück im besten Sinne nicht menschengemacht, sondern so, als ob mir Flächen, Gebäude und Straßen, eher Asphalt und Beton als grüne Hügel, etwas sagen wollten. Auch jetzt beim Aufschreiben und zweiten Hören sehe ich eher Highways und menschenleere, zerfallende Gegenden als lauschiges Moos und Moor.

F. musste bei Thorvaldsdottir an einen unserer Lieblingskünstler denken, Hans op de Beeck und sein Werk „Staging Silence 2″ mit der zerfallenden Stadt aus Zuckerwürfeln, das wir mal in der Sammlung Goetz erlebt hatten, hier zu sehen. Da waren wir anscheinend nicht ganz so weit voneinander entfernt. Rachmaninoff war schön, Rimski-Korsakow dann totaler Romantikplüsch, auch schön, aber meine Aufmerksamkeit wanderte. Der SZ-Kritiker empfand den Abend/den Morgen genau andersherum, jeder wie er mag.

Nachmittags die Bagels gebacken, die ich Samstag abend angesetzt hatte, zum Mittag gab’s ein Schockschwerenot nicht fotografiertes Rösti mit Ei und Salat, den Nachmittag verbrachte ich vor dem Football-Stream, denn die NFL gastierte hier in München, abends gab es dann Trash-TV auf Netflix („Dubai Bling“, kann man sich eher schenken). Ein schöner bunter Tag.

Samstag, 12. November 2022 – Kuchenschlacht

Okay, der Vorlauf der Kuchenschlacht fand bereits am Freitag statt, als ich nicht nur einen, sondern gleich zwei kleine Kuchen buk, weil die Arbeit mit der KitchenAid sich nicht wie Arbeit anfühlt. Zuerst buk ich einen 18-Zentimeter-Apfelkuchen nach diesem bewährten Rezept, wobei ich dem ganzen einen weihnachtlichen Touch gab und die Äpfelviertel vor dem Zerkleinern in Lebkuchengewürz und braunem Zucker wälzte. Die Zitrone ließ ich weg, das war nicht so gut, die fehlte mir dann doch. Ansonsten aber: guter Kuchen. Und weil ich so schön dabei war, buk ich gleich noch die Hälfte des Kentucky Butter Cakes in der 20-Zentimeter-Kastenform nach. Der wurde so richtig schön boozy aka: auch guter Kuchen.

Abends kam F. vorbei, wir tranken die üblichen Date-Night-Rotweine in guter Qualität, klönten und quatschten und fielen recht spät ins Bett. Ich setzte den ebenfalls üblichen Rotweintröt ab, weiterhin in die Twitter-Timeline, so lange sie noch da ist. Wie twitterte ich so elegant am Freitag: „Auch wenn ich wüsste, dass Twitter morgen untergeht, würde ich heute noch einen Apfelkuchen backen.“ Im Thread sind die Phasenfotos meiner Backschlacht zu sehen.

Gestern gab es dann Apfelkuchen zum Frühstück. Das war schön.

Danach holte ich den geweiteten Bling-Ring vom Juwelier ab und anschließend eine neue Hose aus der Packstation und damit ist das Klamottenbudget in diesem Jahr wirklich mal aufgebraucht. Das habe ich eh fürchterlich überzogen, aber es hat auch fürchterlich glücklich gemacht. Ich glaube, ich habe in diesem Jahr mehr Kleidung gekauft als in den letzten fünf Jahren zusammen, das behauptet jedenfalls mein inneres Milchmädchen, um vom Kontostand abzulenken.

In diesem Zusammenhang: Die neue Hose ist von Tom Tailor, die auch große Größen haben, was ich vor der in meiner Insta-Timeline gelandeten Anzeige nicht wusste. Und sie haben anscheinend ein gutes Kundenmanagement: Ich kaufte die Hose zunächst eine Größe zu groß (das war ungewohnt) und schickte sie zurück. Im Paket für mich lag aber noch ein Rabattcode über 15 Prozent auf die nächste Bestellung. Den Code gab ich natürlich ein, als ich die Hose eine Nummer kleiner orderte, aber die Website zickte und buchte den vollen Betrag ab. Ich schrieb also eine freundliche Mail an die Firma und fragte, ob man den Code noch nachträglich anrechnen könne, wobei ich damit rechnete, die übliche Mail à la „Sorry, geht nicht, die teuflische Technik, Sie kennen das“ zurückzubekommen, aber: Stattdessen kam eine Mail zurück à la „Ja, natürlich geht das, sorry für die Umstände, hier ist Ihr Geld“. Das war auch schön.

Den Rest des Tages verbrachte ich unter zwei Decken und mit zwei Pullis auf dem Sofa und las „Schöner Wohnen“, die „Vogue“ und den „Spiegel“ und knickte irgendwann ein und drehte die Heizung zum ersten Mal auf. Es scheint Herbst zu werden.

Veganes Auberginen-Spinat-Curry

In der letzten Biokiste lag eine Aubergine, mein Endgegner, und eine riesige Tüte Spinat, weil ich mal wieder vergessen hatte, auf die Mengenangaben zu gucken. Daher googelte ich nach Rezepten mit diesen zwei Zutaten und stieß auf dieses kurze YouTube-Video. Das Rezept gefiel mir so gut, dass ich es seitdem dreimal mit jeweils anderem Gemüse gemacht habe, hat immer geschmeckt. Und die 400 Gramm Spinat sind jetzt auch endlich aufgegessen.

Für zwei Personen. Mengen sind aber lustig skalierbar.

In einem größeren Topf
1/2 TL Senfkörner,
1/4 TL Fenchelsamen und
1 Lorbeerblatt in
1 EL Pflanzenöl, bei mir Sonnenblume, anrösten, bis die Gewürze duften.

300 g Aubergine, in mundgerechte Stücke zerteilt, dazugeben, sowie
1 EL gemahlenden Koriander,
1 TL Chilipulver,
1/2 TL Kurkuma,
2 EL Zwiebelpaste (bei mir eine fein gehackte, kleine Zwiebel) sowie
2 EL Tomatenmark. Alles kurz anbraten, dann mit
2–3 EL Wasser ablöschen und ca. fünf Minuten köcheln lassen.

100 g frischen Spinat, zerzupft, in der Flüssigkeit zerfallen lassen. (TK geht vermutlich auch.)

Mit
120 ml Kokosmilch (eine halbe kleine Dose) und
360 ml Wasser aufgießen und mit
1/2 TL Salz würzen. Alles kurz aufkochen und mit
Jasminreis servieren. Das Rezept möchte Dill als Deko, ich habe lieber Koriander genommen. (Lorbeerblatt irgendwann mal entfernen.)

Ich habe beim zweiten Kochen längst nicht so viel Wassser dazugeben und einen Teil davon auch mit passierten Tomaten aus der Dose ersetzt, das sah dann alles nicht mehr so wässrig aus wie hier auf dem Bild. Außerdem gab’s bei mir gnadenlos 200 g Spinat, was mir auch gut gefallen hat. Beim zweiten Kochen hatte ich neben dem Spinat Mohrrüben, Kartoffeln und Paprika im Topf, danach gab’s das ganze auch noch mit Zucchini und Kartoffeln. Geht anscheinend alles, solange die Gewürzmischung stimmt.

Donnerstag, 10. November 2022 – Post aus Ramersdorf

Morgens Zahnarzt, ansonsten Arbeit, mittags ließ ich die KitchenAid Möhren und Rotkohl schreddern (heute mittag probiere ich die Schneidetrommel, die scheint mir für Rotkohl besser geeignet zu sein, und dann habe ich alle drei Reiben erfolgreich benutzt), zum Feierabend versackte ich vor „Buying Beverly Hills“ auf Netflix, gebt mir Real-Estate-Reality-Shows, ich gucke die alle weg, und dann kam noch Post, über die ich mich sehr gefreut habe.

Ein Bewohner der ehemaligen Mustersiedlung Ramersdorf, heute nur noch Ramersdorf, war bei der Suche nach historischen Dokumenten über die Siedlung auf meinen Blogeintrag vom August 2019 gestoßen, wo ich über meine Suche nach vier Wandfresken von Protzen in eben diesem Münchner Stadtteil schrieb. In seiner Mail kam dieser Satz vor: „Darin beschreiben Sie Ihre erfolglose Suche nach Protzens Fresken, die Sie offensichtlich zu den Akten gelegt haben, da wir nie einen Brief von Ihnen im Kasten hatten ;-)“ Den Satz verstand ich zunächst gar nicht, weil ich den Herrn ja gar nicht kannte, bis ich meinen eigenen Eintrag nochmal las, der mit den Sätzen endete: „Nix gefunden also. Aber immerhin an der frischen Luft gewesen, wie meine Oma immer so schön sagte. Ein bisschen nölig wieder nach Hause gefahren. Ich lege Ramersdorf jetzt vorerst zu den Akten. Und irgendwann werfe ich jedem Einwohner der Siedlung einen Brief in den Kasten: „KENNEN SIE DIESES HAUS? HABEN SIE DIESES BILD SCHON MAL GESEHEN? RUFEN SIE MICH AN!“ Darüber musste ich selbst sehr lachen.

In der Druckfassung der Diss kürzte ich den Ramersdorf-Teil noch etwas runter im Vergleich zur eingereichten Diss, denn das war für mich zwar eine spannende Sache, aber so richtig was mit den Autobahngemälden hatte es dann doch nicht zu tun. Und ich hatte kein einziges Fresko wiederfinden können, und es war für den Gesamtzusammenhang irgendwann egal, ob die noch da waren oder nicht. Kill your darlings oder: Treib dich nicht zu lange auf Nebenschauplätzen rum. Aber ich wagte anhand von Google Maps, den alten Zeichnungen in den Bauzeitschriften und den Fotos aus dem Nachlass eine Vermutung, in welcher Straße die Fresken gewesen sein könnten, ich zitiere mich mal selbst, brav mit Fußnoten:

„Die Kunst an den Häuserwänden wurde größtenteils erst während der Ausstellungszeit angefertigt,[28] weswegen Protzens Werke in keiner mir bekannten Publikation, die meist Bilder von vor der Eröffnung nutzen, zu sehen sind. Auf einem Foto im Stadtarchiv München von 1936 sind drei von ihnen aber mit etwas Mühe zu erkennen (Baumpflanzen, Heuwagen, Äpfel). [29] Nimmt man die Häuserzüge als optische Orientierung, könnten die Fresken in der heutigen Bernauer Straße angebracht worden sein; sie sind sehr wahrscheinlich nicht mehr vorhanden. Das oben erwähnte Fresko von Albert Burkhart ist hingegen noch am Haus in der Stephanskirchener Straße 22 zu sehen. Möglicherweise war Burkart die Verbindung von Protzen zu Harbers, der ihm den Auftrag für die Fresken oder sogar den für die zeitgleich stattfindende Ausstellung „Die Straße“ verschafft hatte.[30] Der Name Burkarts findet sich in einem undatierten Eintrag zwischen 1930 und 1932 in Protzens Gästebuch.[31]“

28 „Um eine besonders enge und nachwirkende Berührung des Besuchers mit der Kunst herbeizuführen, werden die Bilder in und an den Häusern der Siedlung erst während der Besuchszeit der Ausstellung durchgeführt.“ Harbers, Guido: „Die neue Einfamilienhaussiedlung München-Ramersdorf“, in: Das Bayerland 45 (1934), S. 499–502, hier S. 502.
29 StdA München, FS-KULA-115, Bild KR/15–16/IV 19: „Reichskleinsiedlung Ramersdorf 1936“.
30 Ulrich Christoffel erwähnt Graßmann im Artikel „Jüngere Münchner Maler 1“ auch als „Wandmaler“, der „in München an der Hl.-Blut-Kirche in Bogenhausen die Engel mit dem Schweißtuch und eine Sonnenuhr“ gemalt habe, vgl. Christoffel, Ulrich: „Jüngere Münchener Maler 1“, in: Die Kunst für alle 8 (1937), S. 196–200, hier S. 200. Im zweiten Teil des Artikels wird auch Albert Burkhart erwähnt: „In den letzten Jahren hat er hauptsächlich religiöse Bilder und Fresken gemalt und sich mit der Übertragung der Zeichnung auf die Bildgestaltung beschäftigt“, vgl. Christoffel, Ulrich: „Jüngere Münchener Maler 2“, in: Die Kunst für alle 9 (1937), S. 215–218, hier S. 218. Burkart und Graßmann werden auch in einem Artikel in Kunst und Volk erwähnt, in dem unter anderem „gute Arbeiten an Siedlungen und Privatbauten“ aufgeführt werden, vgl. Schindler, Edgar: „München als Pflegestätte monumentaler Malerei“, in: Kunst und Volk 7 (1937), S. 206–213, hier S. 211. Protzen wird nicht erwähnt. [AAAAAH, ich habe den vierten Fehler im gedruckten Buch gefunden. Das S vor 211 ist kleingeschrieben. AAAAAH!]
31 DKA, NL Protzen, Mappe 9, vorl. Sign. 30: Gästebuch o. S.

Der freundliche Mailschreiber schickte mir ein Foto mit, in dem eins der Fresken von Protzen zu sehen ist – in der Bernauer Straße. HA! Ein kleiner Triumph. Und wie ich jetzt weiß, ist das Fresko wirklich nicht mehr vorhanden, es wurde inzwischen übermalt.

Mittwoch, 9. November 2022 – Küchenhilfe

Seit dem äußerst entspannten Backen in der alten Heimat, wofür mir das Schwesterlein ihre Küchenmaschine geliehen hatte, dachte ich über die Anschaffung einer solchen nach. Ich schwankte ewig zwischen der Bosch MUM 5 und – natürlich – der schicken KitchenAid, las Testberichte, fragte Leute und schließlich wurde es die KitchenAid. Die gab es gerade in einem Bundle mit dem Gemüseschneideraufsatz und dazu auch noch in einer der zwei Farben, über die ich nachdachte, und für weniger Geld als erwartet und daher wurde sie gekauft.

(Seit ich das Foto gesehen habe, denke ich darüber nach, die eine Kiste vom unteren Brett wieder auf das obere zu stellen. Ich wollte die Reihe bewusst auflockern, aber auf dem Foto sieht es total nervig aus. Andererseits sehen hier auch die gestreiften Stoffbezüge der Kisten irrwitzig schief aus, was sie in der Realität nicht ganz so sind. Hier kunsthistorische Überlegungen zu Selbstbild und Abbild einfügen.)

Ich hatte mir den gestrigen Vormittag freigenommen, der kleine Luxus der Selbständigkeit, um mit dem Maschinchen rumzuspielen und vor allem erstmal die Bedienungsanleitung durchzulesen. Ja, ich bin Bedienungsanleitungsleserin (und innere, meist entnervt schnaufende Bedienungsanleitungslektorin). Als erstes wurde die Maschine fürs Foto drapiert, denn eigentlich wollte ich sie dort stehenlassen. Das hat sich im Laufe des Tages aber schon wieder geändert, ihr Platz ist jetzt das schwarze, aufrechte Kallax, das am rechten Bildrand noch zu erahnen ist. Sie thront jetzt über der Küche und sieht dabei wunderschön aus.

Meine Schwester schickt mir seit Wochen Tipps, wo man ihre Maschine gerade günstig kaufen kann – sie hat eine ganz kleine Bosch-Maschine –, und ja, die wäre deutlich günstiger gewesen als die KitchenAid, aber einer meiner Kaufgründe war ehrlich gesagt auch die Optik. Die Vernunft und der Geldbeutel drängten zur MUM, aber persönliche Tipps und mein Herz, das derzeit sehr viel Hübschizität um sich braucht, drängten zur KitchenAid. Das Arbeiten selbst fand ich dann bis auf eine Kleinigkeit deutlich angenehmer als das mit der kleinen Bosch, die ruckelte und hakelte dann doch ab und zu, während der schwere KA-Trumm einfach nur bossig in der Küche steht und vor sich hinarbeitet.

Ich hatte mir als Rezept einen Carrot Cake rausgesucht, den ich so noch nicht gebacken hatte (vermutlich Paywall); ich habe nur ein uraltes, verlässliches Rezept im Blog, aber ich wollte ein neues ausprobieren. Erfreut stellte ich fest, dass das Anschrauben des Aufsatzes ein Klacks war und kein Studium der Ingenieurswissenschaften erforderte (das hatte ich so auch in einigen Rezensionen gelesen). Das Raspeln der Möhren war ebenfalls entspannt, was mich freute, denn das ist, warum auch immer, eine der Tätigkeiten, die mich in der Küche sehr nerven. Ich habe eine anständige Standreibe, aber ich benutze sie nicht gerne. Gerade esse ich recht oft lustige Bowls mit geriebenem Rotkohl und eben Möhren, und ich brauche immer einen inneren Pep Talk darüber, wie lecker das wird, bevor ich nörgelnd und lamentierend Gemüse reibe. Jetzt kann ich höchstens über das Abwaschen nörgeln, denn der weiße Aufsatz im Bild darf nicht in die Spülmaschine, die Reibtrommeln und die Stopfer schon. Abwaschen nervt mich allerdings weitaus weniger als Raspeln, das ist abends immer mein Zen-Signal für den Körper, dass es jetzt langsam ins Bett geht, noch schnell die Küche hübsch machen und dann Bubu.

Ich hatte allerdings auch gelesen, dass sich das weiße Teil verfärbt und ja, das tat es. Momentan ist es innen orange und heute mittag wird es vermutlich lila. Damit kann ich leben, solange es außen hübsch bleibt.

Das Verrühren von Zucker und Eiern war genau der Traum, den ich haben wollte, weil ich nebenbei die anderen Zutaten bereitstellen konnte. Ich hätte auch gar nicht an der Maschine bleiben müssen, das ist ja der Witz an ihr, aber ich erwischte mich selbst dabei, wie ich versonnen in die Schüssel guckte, wo gearbeitet wurde, während meine linke Hand auf dem rundlichen Ende der Maschine ruhte, weil es sich so gut anfühlte. Ähem.

Die einzige, oben erwähnte Kleinigkeit, über die ich im Vorfeld nicht nachgedacht hatte, war der Transport des Teigs von der Schüssel in die Backform. Bisher hatte ich mit Mamas alten quietschorangenen oder 70er-Jahre-beigefarbenen Plastikschüsseln gearbeitet, die einen Griffrand haben, so dass man die Schüssel entspannt hoch und schräg halten kann, während man mit dem Teigschaber den Teig in die Form bugsiert. Die Schüssel, die mit der KitchenAid zusammen kam, hat keinen Rand und keinen Griff, was mir erst auffiel, als ich eins von beiden greifen wollte. Ich hadere noch damit, mir eine zweite Schüssel anzuschaffen, denn eigentlich verarbeite ich keine wirklich schweren Teige und mit der ARSCHTEUREN zweiten Schüssel wäre dann auch der Schnäppcheneffekt ziemlich dahin. Der gestrige Teig hatte zwar durchaus Gewicht, aber das Umschaufeln ging halbwegs okay. Allerdings eben auch nicht so geschmeidig wie ich es gerne habe, denn ich musste die Schüssel halt irgendwie festkrallen, um sie zu halten. Hm.

Die zweite Kleinigkeit, die aber vermutlich eher Gewöhnungssache ist: Normalerweise stelle ich die Schüssel, in der arbeite, auf die Waage, kippe die entsprechende Menge Mehl, Zucker etc. nach und nach rein und mixe dann weiter. Die KA-Schüssel muss unarretiert werden und ich muss den Motorarm hochklappen, um sie zu lösen. Vermutlich werde ich in Zukunft in einer zweiten Schüssel Zeug abwiegen und dann in die KA-Schüssel kippen, damit ich mir diese zwei Schritte sparen kann, aber wie gesagt, das wird die Gewöhnung zeigen, was mir im Endeffekt leichter fällt.

Ich hatte jedenfalls viel Freude bei der Arbeit und, Zauberei, dazu auch noch tollen Kuchen. Hach!

Dienstag, 8. November 2022 – Spontanfußball

F. fragte mich, ob ich die Dauerkarte seiner gewohnten Sitznachbarin in der Allianz-Arena übernehmen wollte für das Abendspiel gegen Bremen. Wollte ich.

Der FCB ist mir in den letzten Jahren eher egaler geworden, aber ich war seit über einem Jahr nicht mehr in der Arena und vor allem nicht abends. Daher kannte ich die tolle Lightshow noch nicht, die kurz vor Spielbeginn bzw. beim Einlaufen der Mannschaften abgefackelt wird. Eigentlich wollte ich alles doof und übertrieben finden, aber mit hochgezogener Augenbraue beim Sport zu sitzen, ist auch albern. daher fand ich alles toll und bunt und aufregend und brüllte auch brav die Namen der Spieler bei der Aufstellung mit. Dann drückte ich aber Bremen die Daumen, was leider nicht viel geholfen hat. Zur Halbzeit stand es bereits 4:1, danach kam bis kurz vor Schluss nichts mehr, was F. im Chat mit der eigentlichen Karteninhaberin ausdrückte. Über ihre Antwort musste ich sehr lachen.

Ab Minute 72 leerte sich das Stadion und ich muss zugeben: Wenn ich alleine gewesen wäre, wäre ich auch gegangen, das war schon arg langweilig. Aber wir wissen ja alle, wer vor dem Schlusspfiff geht, ist ein fieser Möp und KEIN ECHTER FAN. Mir inzwischen auch egal. Vielleicht müssen die Leute die letzte Bahn kriegen, vielleicht hat der Babysitter angerufen oder sie denken sich halt, puh, langweilig, ich geh jetzt und mach mir eine bessere Zeit. Ich bin auch im Theater oder der Oper schon in der Pause gegangen; warum soll ich mir das antun, wenn ich’s doof finde?

Ruhige Rückfahrt, gut nach Hause gekommen, geht in München doch alles etwas schneller als wenn man sich bis nach Augsburg aufraffen muss. Das war mal wieder nett. Und das Stadion sieht halt doch schick aus, weswegen ich es immer wieder fotografieren muss.

Montag, 7. November 2022 – Druckerquatsch

Morgens eine Runde Werbetexte abgegeben, ich warte nun auf Feedback, und texte für den Kunden auf einer anderen Baustelle weiter.

Aber vorher wollte ich noch in den guten alten Einzelhandel. Seit einem Jahr, als ich mein neues MacBook erwarb, hadere ich mit meinem Drucker. Er druckt und kopiert noch, erkennt aber das MacBook nicht mehr zum Scannen. Und ab und zu muss ich dann doch mal was scannen – meistens Verträge für freie Tätigkeiten, die unterschrieben werden müssen – und so suchte ich seit ungefähr einem Jahr mehr oder weniger motiviert einen Drucker. Mal setzte ich mich an Testberichte und ähnliches, mal googelte ich einfach, mal schaute ich entnervt bei Amazon vorbei, aber irgendwie fand ich nie einen Drucker, der kein Tintenabo von mir wollte, halbwegs attraktiv aussah oder bei dem ich mir sicher war, dass er mit dem „neuen“ OS klarkommt. Gestern dachte ich mir naiv und doof, ach, gehste doch da mal in den Saturn, da sind bestimmt nette Menschen, die dir helfen.

Ich erspare mir die genauen Beschreibungen, ihr kennt den Einzelhandel ja auch. Jetzt wo ich so gute Erfahrungen mit Kleidung und Schmuck gemacht hatte, dachte ich, das muss doch bei Technikquatsch auch gehen. Geht es nicht. Mehr als Kartons umdrehen und mit mir gemeinsam die Systemanforderungen durchzulesen war nicht möglich und so richtig sicher war sich der junge Herr auch nicht, ob mein ausgefallener und irre seltener Rechner wohl mit diesem bestimmten Canon-Klotz klarkommt.

Also fuhr ich wieder nach Hause (immerhin mit ein paar anderen gesuchten Kleinigkeiten im Rucksack, wenn auch nicht mit allen) und fragte auf Twitter. Dort bekam ich Hilfe, nämlich eine sinnvolle Liste, die ich mir offensichtlich nicht selbst hatte ergoogeln können, warum auch immer, und den Hinweis, dass die Files-App, die auf dem iPhone vorinstalliert ist, auch scannen kann. Auch das wusste ich nicht, ich benutze mein Handy nur für Fotos, Fahrkarten und Twitter und um in Augschburg Wurst im Stadion zu bezahlen. Daher behalte ich meinen alten Drucker und scanne jetzt per Handy und hasse Musk noch mehr, wenn er mir diesen herrlichen, hilfsbereiten und stets höflichen Dienst kaputtmacht.

Covid ist erneut ein Stückchen näher herangerückt: Nachdem F. seine Infektion im August überstanden hatte, laborierte meine Schwester seit vorletzter Woche damit herum, und am Wochenende hat es dann auch den Schwager erwischt. Er hat starke Schluckbeschwerden und ist für zwei Wochen krankgeschrieben. Grippe my ass.

Abends im Bad gab’s wieder Deutschlandfunk, wo ich César Francks Violinsonate in A Dur, FWV 8, kennenlernte, die mir sehr gefiel. (Komisches Vorschaubild ignorieren, Link funktioniert.)

Sonntag, 6. November 2022 – Bügelbrett

Warum auch immer um 5 Uhr wachgewesen. Zwei Stunden lang TikTok-Aufräumvideos angeschaut; wenn Twitter den Bach runtergeht, wird das meine neue Plattform, allerdings nur passiv. Ich hadere weiterhin mit Mastodon, setze dort pflichtbewusst ab und zu einen Tröt ab, aber eigentlich ist mir dort drüben alles egal. Frau Catatonique twitterte gestern so passend: „Ich hoffe, alle die Kunst-, Fotografie-, Architektur-, Random-Restaurants- und Wasweißich-Retweet-Accounts, die ich aus alltagstherapeutischen Gründen brauche, ziehen auch nach Mastodon um, oder verschwinden jedenfalls nicht; ich brauch die. Manche sogar ganz innig.“ Genau das. Meine Timeline ist voller Bots, die mir schlicht Schönheit und Ästhetik in die Timeline spülen und das fehlt auf Mastodon total. (Okay, der Kochbuchbot ist da, aber der versorgt mich nur mit schönen Texten.)

Hackr dazu:

„twitter ist ein einhorn, das im zoo unserer webdienste/plattformen einen singulären charakter hat. viele gängige techniken aus den playbooks (von startups und usern) für social media greifen bei twitter nicht und sind öfter als nicht eher kontraproduktiv. […] für mich ist es völlig unerklärlich, dass mehr oder weniger überhaupt keine interpretation der ereignisse nach musk das soziale objekt der jeweiligen plattform auch nur im ansatz berücksichtigt. alle tun so, als wäre überhaupt jedes soziale netzwerk austauschbar gleich, social graph baby!, als könnte und sollte man jetzt halt genausogut auf tiktok (das ist ja eh die zukunft, dort sind doch die jungen) oder ins fediverse oder in die blockchain oder sonstwohin gehen, dabei geht es überall um was völlig anderes.“

Den Rest des Tages eher ruhig verbracht. Bisschen Wohnung geputzt, bisschen Zeug vom Wäscheständer geräumt, keine Lust zum Bügeln gehabt. Doofer Nebeneffekt meines hauchdünn veränderten Kleidungsstils – weniger bunte Shirts, mehr dunkelblaue Blusen, auch alltags zur Jeans, wenn ich ins Museum gehe, dazu ein bisschen Farbe ins Gesicht, wie früher, aww –, also doofer Nebeneffekt: Ich muss mehr bügeln. Das nervt noch ein bisschen, weil mein geschätzt 30 Jahre altes, winziges, mit einem arg hässlichen Bezug bestücktes Bügelbrett nervt. Das mag im großen Zusammenhang mit Weltkrisen und Klimascheiß sehr lächerlich klingen, aber ich habe in über 50 Lebensjahren gelernt: Wenn ich Dinge nicht schön finde, benutze ich sie nicht oder mindestens ungern und mache mir das Leben damit sinnlos schwer. Ich habe gelernt, nicht mehr das erstbeste Küchengerät oder Brett, Messer, Schlumpf zu kaufen, weil es da und günstig ist, sondern auf die Variante zu warten, wo mein kleines Herzchen hüpft und sich denkt, ach, das habe ich doch gerne in der Hand und im Blickfeld. Daher denke ich über ein neues Bügelbrett nach. Vielleicht war ich daher um 5 wach.

Samstag, 5. November 2022 – Juwelierbesuch

Ich erwähnte gestern den Granatschmuck von Omi, den ich zum Fine Dining ausführte. Beim Anlegen fiel mir auf, dass ich keine passenden Ohrringe habe – nämlich nichts goldenes. Ich trage ausschließlich Silberschmuck und weiß gar nicht mehr so genau warum. Ich bin mir sicher, dass ich vor dreißig Jahren oder so, als ich begann, mich von Plastikmodeschmuck und Nickel zu verabschieden, bestimmt mal Gold ausprobiert habe; vielleicht war es auch schlicht eine Kostenfrage, sich für Silber entschieden zu haben, keine Ahnung. Jedenfalls stand ich Freitag abend vor dem Spiegel und löste meine kleinen Alltagssilberstecker aus den Ohren und ging mit ungeschmückten Läppchen aus dem Haus, weil ich ernsthaft nichts hatte, was passte.

Mir gefiel der Schmuck aber so gut, dass ich spontan die Entscheidung traf, mich um goldenen Ohrringe zu kümmern. Klein, schlicht, soll zu allem passen, muss also kein Granat sein. Eigentlich hatte ich mir ein paar Juweliere und Goldschmiedinnen aus meiner Insta-Timeline gefischt (Scheytt-Galerie, Melanie Lang), aber auf dem Weg zum Bus, den ich zur ersten Location nehmen wollte, ging ich – wie so ziemlich an jedem Morgen – am Juwelier am Josephsplatz vorbei, in dessen Schaufenster ich seit zehn Jahren reingucke. Und gestern dachte ich mir, schauste doch erstmal hier rein.

Kurze Fassung: Ich besitze nun winzige goldenen Creolen, der Ring von Omi, den ich als Muster mitgenommen hatte, wurde für lau poliert und strahlt nun ganz wundervoll, und ein weiterer Ring vom Mütterchen, den ich gerne Bling-Ring nenne, wird für mich geweitet, denn der passt mir nur auf den kleinen Finger, was ich eher doof finde.

Ich schrieb über den Ring schon mal (mit Foto), den hatte ich nämlich bei unserem letzten Sterneessen am Finger. Der Juwelier zuckte kurz zusammen, als ich den präsentierte (Bling halt), untersuchte ihn dann und stellte verwundert fest: „Das ist 18-karätiges Gold, das beste, was es gibt.“ Kleine Pause. „Die Steine eher nicht so.“ Ich musste lachen, das wusste ich ja vorher, das Mütterchen hatte den mal bei einem Juwelier begutachten und schätzen lassen. Den Preis fürs Weiten ist er mir trotzdem wert, weil er so schön knackig-grell ist. Gegen ihn werden die Ohrläppchen total abstinken, aber das ist ja auch der Plan.

Von wann Omis Ring ist, konnte er mir nicht sagen; vom Stil her tippe ich auf 1960er oder eher 1970er Jahre. Die Kette könnte noch jünger sein, ist aber eigentlich egal. Ich denke an Omi, wenn ich den Schmuck trage, genau wie ich an sie denke, wenn ich aus ihren Teetassen trinke. Und mit dem Bling-Ring denke ich jetzt an Mama und Papa gleichzeitig; Papa, wie er von Geschäftspartnern Zeug aufgedrängt bekommt, und Mama, die dieses Zeug ungetragen im Bankschließfach liegen ließ. Jetzt ist es an einem willigen Finger gelandet.

Freitag, 4. November 2022 – Festessen im Festaufzug

F. führte mich ins Alois aus, das Fine-Dining-Restaurant vom Dallmayr. Ich habe genau ein Foto gemacht, das kommt jetzt.

Ansonsten habe ich 18 Gänge lang geschwelgt, genossen, gestaunt und war glücklich. Los ging’s mit einer Gemüse-Consommé, die man in drei Schlückchen getrunken hatte. Davon hätte ich gerne ein paar Liter für zuhause mitgenommen, und schon dieser Reinkommer hat den roten Faden gelegt zum Rest des Abends. Tiefes Umami, ein herrlich fettiges, aber nicht schweres Mundgefühl, alles einfach rund und gut.

Und so ging’s dann auch weiter. Ein kleines Stückchen Forelle kam mit Wasabi und Meerrettich, und ich fand es irre, zunächst den Wasabi zu schmecken, dann den Fisch und im Abgang dann den Meerrettich. Dann kam eine (eingelegte?) Tomate mit Sahne und einem Hauch Trüffel, und ich schwelge immer noch von diesem einen perfekten Bissen, frisch, säuerlich, wieder umami, dann die weiche Sahne, die einen Hauch Milchsüße mitbrachte, und zum Schluss die kleine erdige Trüffelspitze. Das Bild oben ist Forellenkaviar (aus Hamburch!) mit Nori und Dill, und das Häppchen war derart frisch, dass F. jetzt über eine Kaviarbestellung für Silvester nachdenkt. „So als Vorspeise?“ (Kann also eher keine Pizza zu Silvester machen.)

Ich möchte nicht alle Gänge aufzählen, aber meinen ersten Seeigel notieren. Den gab es mit Kürbis, Sanddorn und Safran und es schmeckte so unglaublich gut wie das Foto aussieht.


(Foto von Annette Sandner, von ihrer Instaseite gescreenshottet, ich hoffe, das war okay.)

Ich musste an einen Gang aus dem Jante denken, wo wir vor einem Jahr gewesen waren; dort gab es Jakobsmuschel mit Johannisbeere, also auch Meer mit Frucht, und mit dem Gang habe ich eher gehadert – ihn aber bis heute nicht vergessen.

Zum Rib-Eye, das in einer (erneut) Umamibombe Zwiebelsauce lag, gab es nicht den erwarteten Rotwein, sondern: Sherry. Und was für einen. Ich kenne Sherrys eher als rosinig, der hier war quasi pure Walnuss (Website behauptet Mandel, natürlich Quatsch), was so unglaublich gut passte, dass der Rotwein nicht vermisst wurde. Grandiose Idee. Und das letzte Dessert von zweien war warmes Fujisan Bread mit einer kalten, festen Kokoscreme. Das Brot (aka luftiges Brioche mit ordentlich Zucker drauf) sollte man mit den Händen zerzupfen und dazu die kalte Creme löffeln. Mit den Fingern zu essen liebe ich sehr, daher war das für mich ein perfekter Abschluss eines perfekten Abends.

Der übrigens für mich auch deshalb perfekt war, weil ich mich in meiner Kleidung so wohl fühlte. Ich saß mal wieder in etwas von Frau Rinaldi gewandet da (blaue Hose, herrlich luftige blaue Bluse) und trug dazu Granatschmuck von Omi. Omi hat nicht viel Schmuck besessen oder getragen, aber den Granatschmuck verbinde ich immer mit ihr. Ich habe ihn vor kurzem aus dem Norden mitnehmen dürfen und freue mich sehr, dass mir der Ring perfekt gepasst hat.

Donnerstag, 3. November 2022

Ich war in der Mittagspause in der Alten Pinakothek, wo einiges umgehängt wurde. Eigentlich wollte ich das verbloggen, aber irgendwie hat die Arbeit mich heute zu sehr im Griff. Ich verweise auf meinen kurzen Thread drüben bei Twitter. Mit schönen Bildern!