Putzhilfe mit Rädern unten dran

Vor Kurzem gab’s ein grandioses Geschenk des Hausherren: einen sauberen Fußboden. Da wir beide zu paranoid für eine menschliche Putzhilfe sind („Jemand in unsere Wohnung lassen? Geht’s noch?“) und wir ebenfalls beide keine Lust zum Staubsaugen haben, hat sich der schlaue Kerl mal im Internet umgeguckt – und wurde fündig. Bei iRobot, einer Firma, die wir nicht nur wegen des Namens lieben, sondern wegen ihres Produkts: dem Roomba.

Der Roomba ist ein kleiner, runder Roboter, der nichts anderes macht als staubzusaugen. Er läuft auf kleinen Legorädern durch die Gegend, saust unterm Sofa durch und wuselt sich so von Zimmer zu Zimmer. Er erkennt Hindernisse, die vor ihm auftauchen und bremst vorsichtig ab. Meistens jedenfalls. Manchmal glaube ich, er ist geistig kurz woanders und denkt an die Robotertante aus der Saturn-Werbung, denn dann rumpelt er so richtig schön an Tischbeine ran. Da er aber aus knuffigem Weichplastik besteht, hinterlässt er immerhin keine Kratzer. Man kann ihn auf der Stelle saugen lassen; dann dreht er sich im Kreis und fährt schließlich in immer größeren Kreisen weiter, bis er lustig piepsend verkündet: reicht jetzt, ist sauber. Das ist es zwar manchmal dann doch noch nicht, aber blöderweise habe ich mich auf Anhieb in das kleine Monster verliebt und verzeihe ihm, wenn er in fiesen Ecken oder vor kleinen Stufen den Staub anhäuft anstatt ihn wegzusaugen.

In manche Ecken unserer verschachtelten Altbauwohnung kommt er eh nicht hin, da müssen wir wohl oder übel noch selber saugen. Aber das dauert dann eben nur zehn Minuten und keine Stunde. Außerdem ist es herrlich entspannend, dem kleinen Plastiktrottel schadenfroh dabei zuzugucken, wie er versucht, unter dem Esstisch mit den vier Stühlen durchzukommen, wo sich ihm insgesamt 20 Holzbeine in den Weg stellen. Das ist dann auch der einzige echte Nachteil von Robotron, wie wir ihn getauft haben: Man muss seine Wohnung vor dem Saugen robotersicher machen. Heißt: die Möbel so hinstellen, dass er überall rankommt – was okay ist, weil bis auf den Esstisch eh alles recht weitläufig steht. Heißt aber auch: das fitzeldünne Wii-Kabel nicht auf dem Boden liegen lassen, denn das wickelt sich ruckzuck um seine Rädchen, er fährt nur noch im Kreis und wickelt sich und das Kabel dabei um das Bein vom Schreibtisch, um dann schließlich die komplette Wii vom Tisch runterzureißen, weil das Kabel irgendwann ein Ende hat. Hab ich einmal hingekriegt; seitdem räume ich alles weg, an was der Depp hängenbleiben könnte.

Man entdeckt allerdings immer wieder neues Zeug, mit dem er Blödsinn macht, weswegen ich ihn wahrscheinlich so knuffig finde. Es ist, als ob man einem Kleinkind dabei zuguckt, seine Welt zu entdecken. Okay, einem brummenden Kleinkind auf Rädern, aber egal. Jedenfalls hat Robotron es geschafft, meine Bodenlampe zum Leuchten zu bringen, indem er über den auf dem Boden liegenden Schalter gefahren ist. Und er kann im Vorbeifahren meinen Ventilator einschalten, der auch auf dem Boden steht. Wenn so was passiert, grinse ich mütterlich und schubse den kleinen Idioten in eine andere Richtung, wo er klaglos weiter vor sich hinbrummt.

Seit gestern liebe ich ihn noch mehr. Das Haus, in dem sich unsere Wohnung befindet, ist in den 20er Jahren erbaut und der Holzfußboden seitdem weißdergeier wie oft abgeschliffen worden. Jedenfalls befindet sich zwischen dem Fußboden und den hölzernen Fenster- und Türeinfassungen ein fast zentimetergroßer Spalt. Robotron arbeitet unter anderem mit einem rotierenden Bürstchen, mit dem er an Kanten langfährt und sich so quasi den Staub vor die eigene Nase schleudert. Und gestern schleuderte er im Schlafzimmer noch etwas anderes unter dem Türrahmen hervor: einen ziemlich rostigen Reichspfennig von 1921. Meine erste Reaktion: Oh, toll, Historie! Meine zweite: HIER WURDE SEIT 1921 NICHT MEHR GESAUGT!

PS: Roomba ist auch für Tierfreunde geeignet.

Entourage

Ich stelle gerade mit Entsetzen fest, dass ich noch nie meine Liebe zu Entourage im Blog festgehalten habe – bis auf den kleinen musikalischen Einwurf hier. Die Serie geht demnächst in die 6. Staffel, und die ersten vier sind bereits auf DVD zu haben.

Entourage beruht ein bisschen auf den Erfahrungen Mark Wahlbergs, als er nach Hollywood kam; genau wie der fiktive Star Vincent Chase in der Serie hat auch Wahlberg seine Kumpels, seine Entourage eben, aus der Bostoner Heimat mitgebracht. Hier sind es Johnny Drama, Vincents Bruder und eher erfolgloser Schauspieler, Turtle, der sich als der Fahrer der Gang selbstbeschäftigt, und Eric, genannt E, der im Laufe der Serie Vincents Manager wird. Zu den vier eingeschworenen Freunden kommt noch mein persönlicher Liebling und Augenschmaus Jeremy Piven als Agent Ari Gold, dessen Rolle sich daran erschöpft, zu enge Anzüge zu tragen, seinen schwulen Assistenten zu beleidigen und in seinen Blackberry zu brüllen – das ganze aber so großartig, dass mir die anderen Jungs ziemlich egal sind. Einen seiner vielen rausgehauenen Sätze – “Hug it out, bitches!” – müssen sich angeblich inzwischen alle Emsemble-Mitglieder dauernd von ihren Fans anhören.

Die Serie beschäftigt sich mit dem Werdegang von Vince, aber auch den Karrieren der Freunde, und natürlich mit dem durchgeknallten Kosmos Hollywood und Los Angeles. Das Besondere an der Serie ist erstens, dass sie in den USA auf HBO läuft, was bedeutet: es wird geflucht, was das Zeug hält, und es gibt in so ziemlich jeder Folge nackte Haut zu sehen. Zweitens gibt es großartige Gastauftritte von – im Gegensatz zu Vince – „echten“ Hollywoodstars, die teilweise Rollen spielen, sich teilweise aber auch selbst darstellen. Und das gerne mal richtig gegen den Strich gebürstet. Das kennt man inzwischen auch aus Extras, aber Entourage war ein bisschen früher mit der Idee dran, und deswegen hat die Serie einen etwas größeren Platz in meinem Herzen. Und drittens spielen die meisten Szenen nicht in einem abgeschotteten Studio, sondern an den jeweiligen Originalschauplätzen, weswegen man die Jungs auch mal bei den Lakers sieht oder beim U2-Konzert.

Die Episoden sind leider jeweils nur gut 20 Minuten lang, weswegen das Tempo immer schön hochgehalten wird, was den Storylines stets sehr gut tut. Denn während sich andere Dramen mit Weltpolitik befassen oder große Beziehungskisten erklären, beschäftigen sich die Kerle in Entourage eben lieber mit Mädels, kiffen oder Drehbücher querlesen. Hört sich erstmal nach nix an, macht aber nach drei Folgen extrem süchtig. Absolute Empfehlung.

Mamma Mia!

Ein Film, der eigentlich gar kein Film ist, sondern ein Mitschnitt einer Party im Urlaub, mit bunten Cocktails, den besten Freunden, viel Musik, Geknutsche am Strand und so dermaßen viel guter Laune, dass man sich nach dem Film fühlt, als hätte man in Alkopops gebadet. Mamma Mia! ist die Zelluloidversion des Erfolgsmusicals von Abba, und der Funke der blödsinnigen Seligkeit springt sogar von der DVD im Macbook mit seinen schraddeligen Lautsprechern über, so gut ist er gemacht. Ich sitze jedenfalls selten beim Filmgucken auf dem Sofa vor dem Computer und gröle lauthals Does your mother know vor mich hin. Diesmal schon. Das liegt zum einen an den Liedern, die man eben auch nach 30 Jahren noch hören kann, zum anderen an der extrem gutgelaunten Farbigkeit des Films, die einen erschlägt mit ihrem sonnigen Türkis und Blau und Glitzergold. Und natürlich ist Mamma Mia! teilweise absoluter camp, zum Beispiel wenn bei der Junggesellenparty die Kerle in Schwimmflossen auf dem Bootssteg tanzen oder wenn bei Dancing Queen die gesamte weibliche Bevölkerung der griechischen Fantasieinsel, auf der die Geschichte spielt, singend durchs Dorf rennt.

So hat sich auch schon die Bühnenversion angefühlt – aber der Film setzt dem ganzen noch eins drauf. Denn diesmal haben wir keine Musicaldarsteller vor uns, die überzogen agieren müssen, damit auch die letzte Reihe alles mitkriegt, sondern Schauspieler. Und die locken aus den Liedzeilen die echten Gefühle und eben nicht die überzogenen. Ich wette, jeder von uns hat ein Lied, das ihm wahrer erscheint als jedes Gedicht, jeder große Roman; ein Lied, das immer passt und immer tröstet und immer alles auf den Punkt bringt. So fühlen sich auf einmal die bunten Abba-Songs an, wie echte Sätze, wie gute Dialoge. Und wenn Meryl Streep The winner takes it all singt, bricht einem fast das Herz dabei, soviel Gefühl liegt plötzlich in dem Schmachtfetzen. Mamma Mia! hat kein Problem damit, kompletter Blödsinn zu sein. Aber man merkt ihm an, dass jeder der Beteiligten nicht einfach nur eine Party feiern, sondern eine Geschichte erzählen wollte: eine Geschichte von Freundschaft, Familie, Verantwortung, Erwachsenwerden. Das geht auf der Bühne leider verloren. Aber auf der Leinwand funktioniert es ganz hervorragend.

W.

Ein belangloses filmisches Nachtreten auf Expräsident George W. Bush. Ich hatte kein Problem mit den Vignetten, in denen die Geschichte erzählt wird, ich hatte auch kein Problem damit, dass man ständig in der Zeit vor- und zurückspringt. Womit ich allerdings ein Problem hatte – und deswegen habe ich dem Film nach einer Stunde auch adieu gesagt –, war die unglaublich langweilige Art, diese Vignetten zu präsentieren.

Besonders die Szenen im Weißen Haus, im Situation Room, im Oval Office, wo sich sonst gute Schauspieler bemühen, Rollen zu spielen von Menschen, die wir gerade noch täglich in den Nachrichten gesehen haben, sahen eher nach Kaspertheater aus als wie eine mitreißende Story. Und die hätte es doch gegeben: Die Biografie von Bush gibt so viel her – der verzogene Schnösel, der zunächst dem Alkohol und dann Gott zuspricht, die ewige Suche nach sich selbst, der überraschende Wahlsieg, der Typ von nebenan, der mal eben Präsident wird, ohne zu wissen, warum … das hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können.

Vielleicht hätte Regisseur Oliver Stone, anstatt Bush auf seinen letzten Tagen mit diesem Schnarchfilm noch einen reinzuwürgen, zehn Jahre warten sollen. Dann wären die Bilder und die Biografie uns nicht mehr ganz so präsent gewesen und der Filminhalt deshalb vielleicht weniger langweilig. So aber habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was der Streifen eigentlich soll, an wen er sich richtet und was er mir sagen will. Dass Bush nicht unbedingt der klügste Präsident ist/war, hab ich mitgekriegt; warum soll ich mir die gleichen Peinlichkeiten und Patzer nochmal mit Josh Brolin angucken?

Ghost Town

Die millionste Variante von „Jemand sieht tote Menschen, die noch was zu erledigen haben und ihn deswegen im Diesseits nerven“. Ghost Town (Wen die Geister lieben) ist trotzdem recht hübsch geworden, was erstens Ricky Gervais in der Hauptrolle als nöligem Misantropen zu verdanken ist und zweitens der Tatsache, dass der Film so gerade die Balance hält zwischen Komik und Herzschmerz und ein bisschen Botschaft. Der Film ist nicht kracherlustig – kann er auch nicht sein, wenn es um einen Zahnarzt geht, der keine Freunde hat und sich in die Frau eines Toten verliebt. Aber er ist skurril, und wie alles, was Gervais anfasst, wird er noch skurriler durch seine ganz bestimmte Art, Dialoge zu führen und Pointen rauszuhauen, die sich erstmal setzen müssen, bevor sie komisch sind. Ich habe ihn auch selten so beherrscht gesehen; er darf, soweit ich mich erinnere, gerade einmal richtig im Film lachen. Und wenn er zum Schluss erkennt, was für ein Leben er eigentlich führt, hat er mich sogar fast zu Tränen rühren können. Hätte ich nicht von ihm erwartet.

Burn After Reading

Entspanntes Idiotengucken mit den Coens. Immer gut. Diesmal geht es um einen CIA-Angestellten (John Malkovich), dessen Frau (Tilda Swinton) ein Verhältnis mit George Clooney hat und die zur Scheidungsvorbereitung ein paar Daten vom Computer des Gatten zieht. Diese CD landet in einem Fitnessstudio und da ausgerechnet in den Händen von Brad Pitt und Frances McDormand, die für eine Schönheits-OP Geld braucht. Wie die beiden versuchen, die Daten zu versilbern, was der Erpresste davon hält und wie das Paarungsverhalten in Langley, West Virginia, generell so ist, davon erzählt Burn After Reading.

Die Story könnte hektisch und atemlos sein, aber wie immer vertrauen die Coens auf ihre Akteure und was sie ihnen so für Unglaublichkeiten auf den Leib schreiben. Und so lebt der Film dann auch eher von der miesen Frisur Brad Pitts, den zu hoch sitzenden Jeans von Clooney, der brüllenden Wut von Malkovich, der fiebrigen Besessenheit von McDormand und der eiskalten Beherrschtheit von Swinton als von balleriger Action oder lautem Soundtrack. Aber um die ganz großen Pointen drückt sich Burn After Reading dann doch rum, und genau das macht ihn so großartig. Anstatt das Coen-typische Blutbad auch zu zeigen, wird uns mal eben von graumäusigen CIA-Angestellten erzählt, wer von der Deppenclique das Massaker überlebt hat oder was aus ihnen sonst so geworden ist. Ganz so, als wäre das alles keine Aufregung wert. Ist es ja auch nicht. Hat ja jeder gekriegt, was er verdient hat. Abheften, weitermachen.

Revolutionary Road

USA, in den 50er Jahren. Zwei Menschen begegnen sich auf einer Party das erste Mal und finden sich augenscheinlich sympathisch. Sie will Schauspielerin werden, er weiß noch nicht so genau, wo sein Leben hingehen soll. Ein Zeitsprung. Die beiden sind inzwischen offensichtlich verheiratet und können sich nur noch mit Mühe ertragen. Revolutionary Road (Zeiten des Aufruhrs) erzählt von einigen Monaten im Leben dieses Paares.

Der Film beginnt so schön beschwingt, und man freut sich mit den beiden Frischverliebten, nur um zehn Minuten später fassungslos dabei zuzusehen, wie sie sich kleine und große Gemeinheiten um die Ohren hauen. Dieses Hin und Her hört nicht auf: Mal glaubt man, jetzt die letzte Lieblosigkeit gesehen zu haben und man ist sich sicher, das war’s jetzt, das kann niemand mehr ertragen – aber dann flackert doch noch einmal Zuneigung auf, Hoffnung darauf, dass die Beziehung und die Familie gerettet werden können. Das Ende erwischt einen dann doppelt böse, denn es hätte genug Gelegenheiten gegeben, die Geschichte anders enden zu lassen; jeder der Beteiligten hat immer die Wahl, das Richtige zu tun, und erst als der Abspann beginnt, wird klar, dass jeder sich einmal zu oft für das Falsche entschieden hat.

Kate Winslet und Leonardo diCaprio spielen das Paar sehr eindringlich, und man nimmt beiden sowohl die jugendliche Liebe als auch den ständigen familiären Stress ab. Beide sind in diesem Film Opfer ihrer Zeit, und das war dann auch das einzige kleine Problem, das ich mit dem Film hatte. Ich glaube, dass es auch heute noch genug Frauen auf der Welt gibt, die ungewollt schwanger werden und ihre eigenen Vorstellungen plötzlich denen des Partners unterordnen müssen; dass die angeblich so kuscheligen Vorstädte teilweise grausamer sein können als das anonyme Großstadtleben und dass viele Paare sich arrangieren müssen, wenn die Wunschvorstellungen beider aufeinanderprallen. Wieso das ganze also in den 50er Jahren erzählen?

Bullshit Science.

5

:-*

Jon Stewart spricht mit einem Gefangenen aus Guantanamo. And I peed my pants laughing.

Twilight

Twilight (Twilight – Biss zum Morgengrauen, USA 2008, 122 min)

Darsteller: Kristin Stewart, Robert Pattinson, Billy Burke, Peter Facinelli, Ashley Greene, Taylor Lautner, Anna Kendrick, Michael Welch
Musik: Carter Burwell
Kamera: Elliot Davis
Drehbuch: Melissa Rosenberg, nach dem Roman von Stephenie Meyer
Regie: Catherine Hartwicke

Trailer

Offizielle Seite

Es ist sehr einfach, sich über Twilight lustig zu machen. Junges Mädchen verliebt sich in jugendlichen Vampir, der sich selbst als Vegetarier bezeichnet, weil er nur Tiere isst anstatt Menschen anzuknabbern und der nebenbei seit 80 Jahren die High School besucht. Bebende Lippen, miese Dialoge, Küssen statt Sex – alles Steilvorlagen für Verrisse. Das „Problem“ an Twilight ist aber: Er ist auf eine ganz spezielle Zielgruppe zugeschnitten, nämlich pubertierende Mädchen. Und wenn man keinen objektiv guten Film sehen will, sondern mal wieder 13 sein möchte, dann ist Twilight der perfekte Schmachtfetzen für einen Abend mit den besten Freundinnen, viel Eis und noch mehr sehnsuchtsvollen Seufzern.

Was mich an Twilight so fasziniert hat, war die konsequente Wunscherfüllung: Alles, was ich (und ich spreche jetzt einfach mal für alle kleinen Mädchen dieser Welt) mit 13 im Kino hätte sehen wollen, habe ich gekriegt. Eine leicht ungelenke Heldin, Bella, mit der man sich sofort identifizieren kann, weil sie zwar hübsch, aber nicht supermodelmäßig toll aussieht. Der erste Tag an einer fremden Schule, der ihr nicht wirklich schwergemacht wird, weil sofort ein paar Mädels und Jungs da sind, die nett zu ihr sind. Eltern, die kaum in Erscheinung treten und wenn, dann so, wie man es gerne hätte: keine Verbote, keine Vorschriften, aber immer da, wenn man sie braucht. Und auf einmal der Traumtyp, der einen zuerst anscheinend total doof findet, einem dann aber offenbart, unsterblich (haha) in einen verliebt zu sein.

Gerade der Traumtyp, Edward, unser junggebliebener Blutsauger, ist so dermaßen zielgruppenkompatibel, dass es schon weh tut. Unglaublich eindrucksvolle Augen (angeblich gucken Mädels ja immer zuerst auf die Augen), schüchtern, geheimnisvoll, Haare, bei denen man sich selbst als Kinozuschauer extrem zusammenreißen muss, um sie nicht dauernd liebevoll durchwuscheln zu wollen – und: ein Beschützer, wie er im Buche steht. Er rettet Bella durch seine speziellen Kräfte das Leben, woraufhin sie natürlich mehr über diesen seltsamen Kerl wissen will. Und zack! geht die Liebesgeschichte ihren Gang, zielstrebig mit ein paar Pseudohindernissen dem geordneten und jugendfreien Ende entgegen. Und selbst das habe ich Twilight verzeihen können, weil ich ihn einfach so konsequent gemacht fand.

Der Film nervt trotzdem und zwar ohne Pause. Gerade die Darsteller der Vampire, Schnuffel Robert Pattinson als Edward eingeschlossen, agieren so hölzern, dass man ihnen ihr Untotsein mit Kusshand abnimmt. Die Dialoge sind größtenteils grausam, denn Twilight will auch hier seinem Publikum alles recht machen. So werden Dinge, die geschultere Zuschauer vielleicht auch durch Andeutungen oder Interpretationen mitgekriegt hätte, lieber nochmal laut erzählt, wie zum Beispiel in der Szene, in der Bellas Freundin sich beklagt, dass ihr Herzbube sie noch nicht zur Prom eingeladen habe. Bella sagt daraufhin: „Lad ihn doch selber ein.“ Hätte gereicht, um klarzumachen: aha, die Kleine wartet nicht veilchenmäßig im Moose, sondern nimmt sich, was ihr gefällt. Aber falls die Kinder das doch noch nicht kapieren, muss sie bräsig hinterherschieben: “You are a strong woman. Be in control.” Mal abgesehen davon, dass ich es sehr lustig fand, dass eine 17-Jährige eine Klassenkameradin als strong woman bezeichnet, war das einer der Millionen Sätze im Film, die schlicht zu viel waren. Oder die Szene, in der Edward Bella das Leben rettet. Haben wir gesehen, auch aus verschiedenen Perspektiven, gerne auch nochmal im Flashback, ham’s jetzt alle, ja? Gut. Aber: Auch das kann man nochmal verbalisieren: Edward, du hast mir das Leben gerettet. Ja, Bella, das habe ich wohl. Edward, wie hast du das gemacht? Bella, das würdest du wohl gerne wissen? Und so weiter und so fort. Ein Festival des erzählten Films. Oder die Szene, in der Bella gerade röchelnd verendet (oder auch nicht) und Edward ihr heldenhaft beistehen will – wenn er denn nur wüsste wie. Da muss Papa Vampir ihm erstmal mündlich die Gebrauchsanweisung liefern, bis er was tut. Qualvolle Sekunden, in denen die arme Kristin Stewart nur alberne Geräusche von sich geben darf, bis die Jungs ausdiskutiert habe, wie man das wohl abstellen könnte. Anstatt einfach zu machen, zu zeigen, mich mit Bildern zu beeindrucken und – wenn’s sein muss – mir nachher zu sagen, was da eigentlich passiert ist.

Und obwohl ich innerlich alle zwei Minuten zusammengezuckt bin wegen des schlechten Scripts, habe ich es gleichzeitig bewundert, denn der Film schafft es, die Irrungen und Wirrungen der Pubertät subtil mitschwingen zu lassen. Gerade Bella ist eine sehr clever gezeichnete Figur, die alles mit sich rumschleppt, was wahrscheinlich jedes Mädchen mit sich rumschleppt. Sie zeigt durchaus einen eigenen Kopf, indem sie sich den Kerl aussucht, der ihr gefällt anstatt darauf zu warten, dass jemand sie erwählt. Sie gibt ihren Freundinnen Tipps, sie kann gut mit Jungs umgehen, sie fährt einen Pick-up-Truck anstatt eines mädchenhaften Kleinwagens (den fährt lustigerweise Edward – einen braven Volvo, als ob Vampire sich um Unfallfolgen Gedanken machen müssten), und sie trägt Chucks zum Abendkleid. Sie ist eine sehr moderne Heldin, die aber trotzdem noch ein paar angeblich weibliche Werte in sich trägt. Sie lässt sich von Edward beschützen, achtet auf vernünftiges Essen und muss zum Schluss eben doch von Männe gerettet werden. Und das ist mir nicht mal übel aufgestoßen, weil ich es passend fand, dass sie stark und schwach sein kann. Genau wie Edward übrigens, der mir eh als „das Mädchen“ in der Story erschien, so zimperlich wie er anfangs um Bella rumdruckst. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass Bella gerne wüsste, wer sie ist, wie sie sein soll und ob ihr das so recht ist, wie sie sein soll. So ist sie mal eloquent, mal stumm, mal das kleine Töchterchen, mal die erwachende Frau. Und alles nimmt man ihr ab, weil man als Mädchen nun mal alles in sich trägt.

Mich haben auch die sexuellen Anspielungen des Films noch länger beschäftigt. Gerade in Vampirfilmen ist es ja gerne der Kerl, der sich der holden Maid bis an die Halsschlagader nähert, was immer eine erotische Komponente hat (entblößter Hals, look it up). In Twilight ist es umgekehrt, hier ist Bella diejenige, die etwas von Edward will, was er ihr verweigert, verweigern muss, weil er sich sonst angeblich nicht beherrschen und ihr wehtun könnte. Anstatt dass sie sich nun zurückzieht und brav vor sich hinschmachtet, fordert sie ihn weiter heraus, und er muss mit ihren Wünschen klarkommen und selbst ein wenig zurückstecken. Ich fand es sehr spannend, eine jugendliche Heldin zu sehen, die klar ihre Vorstellungen kommunizieren kann, ohne altbackene Moralvorstellungen oder Ansagen, wie man als Mädchen nun mal zu sein habe. Und genauso spannend fand ich es, einen jugendlichen Helden zu sehen, der damit klarkommt, ohne dass seine heilige Männlichkeit darunter leidet. Und dass sie zu nicht mehr als zum Küssen kommen, dürfte dann wieder zielgruppengerecht sein, denn ich behaupte einfach mal (und vielleicht unterschätze ich die Jugend gerade ganz übel), dass Mädels mit 13 eher ans Küssen denken als an alles, was danach noch kommen könnte. Und so dürfen Bella und Edward weiterhin im dunkelgrünen, blümchengeschmückten Gras liegen, in den düstergrauen, verregneten Himmel gucken und sich so richtig schön emo fühlen – bis zur unvermeidlichen Fortsetzung, die ich mir wahrscheinlich genauso leidend und mitfühlend anschauen werde wie diesen Teil.

Die Oscar-Nominierungen sind draußen.

Mach’s jut, Balin

Was ich nicht vermissen werde:

– die doofe Wochenendbeziehung. Ich bin doch verpuschelter als ich dachte.

– die zwei Haushalte. Ich wusste nie, was ich wo im Kühlschrank hatte, und ich hab alles doppelt, was man so für Schönheitspflege und persönliche Hygiene braucht, damit ich nicht dauernd alles hin- und herschleppen musste. Wenn jetzt das Klimakterium über mich hereinbricht, bin ich total gearscht. Tamponvorräte bis 2012. Mindestens.

– dass ich am Wochenende Zeit mit dem Kerl nachholen „musste“ und deshalb meine Videothek sträflichst vernachlässigt habe. Ab jetzt gibt’s wieder den traditionellen Samstags-Trip (edit: Je länger ich auf dieses Wort gucke, desto mehr bin ich der Meinung, dass da ein Bindestrich rein sollte), von dem ich mit mindestens vier bis fünf Filmen oder einer Serienstaffel aufs Sofa zurückkehre. Hach. Heißt auch: wieder mehr Filmcontent fürs Blog.

– den Dreck. Da hilft auch kein aalglatter Potsdamer Platz und keine glitzernde Friedrichstraße – Berlin ist dreckig und runtergekommen und verranzt. Hat seinen Charme, würde mich aber nach längerer Zeit garantiert wahnsinnig machen.

– die ständige Frage, ob ich anders bin, wenn ich woanders bin. Bin ich nicht. Egal wohin ich gehe, ich nehme mich und meine Macken und Marotten und Müdigkeiten mit.

– eine Wohnung, in der nur ich wohne.

– die Sehnsucht nach einer Fahrt in der U3 am erleuchteten Hafen lang. Die Sehnsucht nach einem Elbspaziergang im Sommer. Die Sehnsucht nach der Binnenalster. Hab ich jetzt alles wieder.

Was ich vermissen werde:

– die Tram. Ja, ich weiß, Hamburg hat dafür die lustigen Hafenfähren, aber die Tram ist toll. Und gelb. Und sie bimmelt, wenn sie über den Alexanderplatz fährt.

– den Fernsehturm. Weiß nicht warum. Ich war nicht oben, ich wollte auch gar nicht nach oben, und beim Festival of Lights war er auch eher hässlich à la Großraumdisse angeleuchtet, aber immer wenn ich ihn gesehen habe, dachte ich, ich fühl mich gut, ich steh auf Berlin. (Den Song hab ich seltsamerweise nicht einmal in der ganzen Zeit vom iPhone gespielt bekommen. Blödes patriotisches Teil.)

– Starbucks und Balzac in unmittelbarer Agenturnähe. Heißt: Wenn ich morgens lieber ne halbe Stunde länger im Bett bleiben wollte anstatt mir Kaffee zu kochen und Obst für die Cornflakes zu schneiden und in Ruhe zu frühstücken, wusste ich, ich hab zwei wunderbare Alternativen. Für *hust* quasi das gleiche Geld wie Obst und Cornflakes.

– zwei dicke Opernhäuser. Vorher noch laut drüber gelästert, keine Stadt brauche zwei Opernhäuser, aber hier dann schön großkotzig im einen Spielplan nachgeguckt, was läuft, um dann ins andere Haus zu gehen. Schnafte.

– den Berliner Dialekt. Als gebürtige Hannoveranerin bin ich ja eher eine Freundin des Hochdeutschen, aber Balinerisch mag ick, wa?

– das Brandenburger Tor, das Regierungsviertel, selbst das hässliche Bundeskanzleramt. Fühlt sich einfach beeindruckend an, in der Hauptstadt rumzulaufen. Vielleicht hab ich auch nur zu oft West Wing geguckt, um mich von Gebäuden und Lokalitäten beeindrucken zu lassen.

– die ganzen Namen der S-Bahn-Haltestellen. Die kennt man irgendwie, selbst wenn man nicht in Berlin wohnt. Aus Linie 1. Aus diversen Filmen. Aus der Geschichtsunterricht. Übt alles auf mich eine seltsame Melancholie aus. Wahrscheinlich wegen des Geschichtsunterrichts.

– das Gefühl jeden Morgen, nicht zur Arbeit zu fahren, sondern etwas Besonderes zu erleben. Einfach weil’s eine fremde Stadt ist, die ich mir jede Minute anders angeguckt habe als „meine Stadt“ zuhause. Ständige Urlaubsaufmerksamkeit. Natürlich nur, wenn ich nicht auf dem Sofa vor den DVDs im Macbook eingeschlafen bin.

– die Millionen OVs im Sony Center. Auch wenn ich sie nie wirklich ausgenutzt habe, ich blöder, müder, fauler Idiot.

– meine Mittagsdates mit Ix und dem Nuf. Die netteste Konstante aller Zeiten.

– eine Wohnung, in der nur ich wohne.

– das Gefühl, nie underdressed zu sein, nie zu ungekämmt, nie irgendwie nicht richtig. Das Gefühl, hier hinpassen zu können, weil hier jeder hinpasst. Come as you are.

Changefest 09 – Jon Stewarts Daily Show über die Vereidigung Obamas.

Habe gerade meinen letzten Vanilla Latte in meinem Haus-und-Hof-und-liebster-Mittagspausenaufenthaltsort-Starbucks am Hackeschen Markt gekauft.

Fühlt sich an, als würde ich mit einer Stadt Schluss machen.