„Some of these actor-director teams have a history together – remember Ron Howard and Tom Hanks’s breakthrough, Splash, a quarter-century ago? – while others produced their first mind-melds in 2008. Sam Mendes and Kate Winslet even brought marriage and kids to the Revolutionary Road set. But in each case the chemistry was profound, the effect exponential. From Gus Van Sant and Sean Penn to John Patrick Shanley and Meryl Streep, Annie Leibovitz photographs 10 partnerships that helped generate more than four dozen Oscar nominations this season.“

(via Annika)

Musiker, die twittern. Via MatthiasGezwitscher.

„KRISTEN STEWART
You really are a vampire! Does that mean that garlic, stakes, and sunlight kill you?

ROBERT PATTINSON
Don’t be stupid. All of that lore is far too interesting for this movie. Being a vampire just means I get superpowers. It’s like being Spiderman, but sexier. Also, I sparkle in the sunlight.

KRISTEN STEWART
So that’s why why your family moved here, because it’s always overcast!

ROBERT PATTINSON
That’s right everyone, this whole movie is a 2-hour-long setup for a joke about the Pacific Northwest.

KRISTEN STEWART
So if you’re immortal, how old are you anyway?

ROBERT PATTINSON
Over a hundred, but to be fair I’ve spent most of that time working on my hair.

The two of them GAZE into each other’s eyes with UNCOMFORTABLY HUGE CLOSEUPS for 80% of the rest of the movie.“

Das alternative Script zu Twilight, via Kein Blut, Rot!

Nein, ich sollte dem Impuls nie wieder nachgeben, Songs auf YouTube zu suchen, die ich auf meiner ersten selbstaufgenommenen Kassette hatte. Damit ich nicht alleine leiden muss: Heartache Avenue von den Maisonettes, das auf meinem Tape allerdings Heartake Avenue heißt. Als 13-Jährige wusste ich noch nicht, wie man Herzschmerz schreibt. (Hier bitte total deprimierende Folgefloskel vorstellen.)

Spaß haben mit dem eigenen Archiv.

Happy-Go-Lucky

Mike Leighs Filme kriegen bei mir immer einen kleinen Vorsprung, weil ich weiß, dass ich etwas geduldiger sein muss als bei dem ganzen amerikanischen Kram, den ich mir sonst reinziehe. Ich weiß, dass die Charaktere sperriger sind und dass es etwas länger dauert, bis ich weiß, worum’s geht. So auch bei Happy-Go-Lucky, den ich normalerweise nach zehn Minuten aus dem MacBook gerissen hätte, weil mir die extremst gut gelaunte Hauptfigur Poppy (Sally Hawkins) extremst auf die Nerven gegangen ist. Wer selbst bei Rückenschmerzen noch lacht und als einzige Reaktion auf ein geklautes Fahrrad “I didn’t get to say good-bye” rausbringt, hat bei mir Teilzeitmisanthrop aber so richtig verloren.

Aber wie immer bei Herrn Leigh entpuppen sich die Figuren dann doch als weitaus mehr als man ihnen zuerst zugetraut hat. Und so habe ich mich nach und nach in diese fürchterliche Nervensäge verliebt und habe ihr zum Schluss wehmütig zurufen wollen: Hab weiter so gute Laune! Gib uns Rest der Welt nicht auf! Und überzeug vor allem deine miesepetrige, spießige Schwester davon, ihren armen Gatten PlayStation spielen zu lassen. Und kümmer dich weiter um Menschen, um die sich sonst niemand kümmert. Und hab weiter Respekt vor denen, die so ganz anders sind als du, denn ich krieg das nicht hin. Und die meisten anderen auch nicht.

Happy-Go-Lucky ist anstrengend – aber auf die Art anstrengend wie freiwillig eine Stunde aufs Laufband zu gehen, weil man weiß, dass man das für sich tut. Oder zu den Eltern zu fahren, wo man von vornherein weiß, dass sie die immer gleichen Fragen stellen, das Essen nie so schmeckt, als ob man es selbst gekocht hätte und man immer noch in seinem Kinderzimmer schlafen muss, aber man weiß, dass es gut ist, was man macht. Nach dem Film fühlt man sich, als hätte man dafür gesorgt, dass es auch dem Rest der Welt etwas besser geht. Und man nimmt sich vor, morgen genau dasselbe zu machen. Immer einen kleinen Schritt Karma nach dem anderen.

Iron Man

Die nächste Comicbuchadaption, bei der ich nicht weiß, wie der Comic ist. Ich hab noch nicht mal Batman gelesen, und ich wusste bis gestern auch nicht, dass es einen Superhelden namens Iron Man gibt. Wenn man sich die ersten 20 Minuten des gleichnamigen Films angeguckt hat, weiß man das immer noch nicht, und genau das fand ich sehr nett.

Wir lernen den leicht schmierigen Waffenproduzenten Tony Stark kennen (Robert Downey Jr., dem ich endgültig verfallen bin), wie er in Afghanistan tolles neues Sprengzeug vorführt. Dummerweise haben auch die Gegner der Amerikaner Interesse an den Knallbonbons und entführen Stark, damit er ihnen was Hübsches zusammenschweißt. Bei der Entführung gerät Stark ins Kreuzfeuer seiner eigenen Waffen und verliert sein Herz – aber glücklicherweise sitzt in seiner Gefängnishöhle noch ein weiterer Ingenieur, Arzt, keine Ahnung, der ihm mal eben eine Art Batterie dafür einbaut. Ein hübsches Gimmick, das im Folgenden bläulich-fotogen unter Robbis engem Shirt leuchtet. Die beiden sollen den Fieslingen nun also Waffen schmieden, aber stattdessen bauen die beiden einen eisernen Anzug, mit dem sich immerhin einer von ihnen den Weg freikämpft. Die Szenen bis zum Ausbruch fand ich ewig lang – und vor allem fehlte ihnen die Zutat, die den Rest des Films so herrlich entspannt gemacht hat: der Mal-eben-so-nebenbei-Humor von Downey Jr., der jeden Satz so raushaut, dass man ihm den größten Quatsch abkauft, sich aber trotzdem bewusst ist, dass es Quatsch ist.

Iron Man macht einfach Spaß, denn wir sehen keinen fertigen Superhelden, sondern einen im Entstehen. So muss er sich nicht nur mit unfertigen Heldenanzügen abplagen, sondern auch noch mit sprechendem oder zumindest surrendem technischen Gedöns, das genauso schlagfertig ist wie er, und seiner extrem charmanten Assistentin, die von Gwyneth Paltrow gar zauberhaft interpretiert wird. Der Film fühlt sich meisten schön altmodisch an; man wartet die ganze Zeit darauf, dass Robert Gwyneth einen Mantel in die Pfütze schmeißt, damit sie trockenen Fußes über die Straße kommt, aber stattdessen bricht wieder die Neuzeit ein, und wir sehen wiederholt Gadgets, das Apple-Logo und den Audi R8. Was ja auch okay ist. Die Story an sich – Gut gegen Böse, what else is new – lässt sich in drei Sätzen erzählen, und ich fand das völlig in Ordnung, denn der Film lebt viel eher von seiner Atmosphäre und den extrem gut gelaunten Darstellern. Davon hätt ich gerne noch nen Nachschlag. Solange der Held jetzt nicht plötzlich total schlecht draufkommt.

Forgetting Sarah Marshall

Schnuffelnase Jason Segel spielt Musiker Peter, der am liebsten den ganzen Tag auf der Couch rumliegen und bunte Fruit Loops essen würde, anstatt ab und zu pseudo-dämonische Musik zu einer Fernsehsendung schreiben zu müssen, in der seine Freundin Sarah (Kristen Bell) die Hauptrolle spielt. Dazu bekommt er jetzt die Chance, denn Sarah macht Schluss mit ihm, er leidet wochenlang vor sich hin, bis ihn sein Stiefbruder nach Hawaii jagt, damit er mal auf andere Gedanken kommt. Auf Hawaii trifft er allerdings ausgerechnet Sarah – und dazu ihren neuen zotteligen Gespielen (Russell Brand), den er sympathischer findet als er möchte.

Forgetting Sarah Marshall (Nie wieder Sex mit der Ex – ich krieg Ausschlag, wenn ich noch öfter solche Titel tippen muss) vereint ein knuffiges Ensemble mit einer relativ überraschungsfreien Story, was ihn besser werden lässt, als man vermutet. Die Gags sind noch nicht tausendmal gehört, die Charaktere allesamt schön schräg, und alleine für den Spaß, den harmosen Marshall (jetzt kapier ich auch den Witz mit Sarahs Nachnamen) aus How I Met Your Mother das F-Wort benutzen zu hören, lohnt sich der Film. Und natürlich für die wunderbare Szene, in der Peter seine Sarah, als sie noch seine Sarah war, mit einem geräuschvoll schwingenden Penis begrüßt.

Wanted

Es gibt Ballerfilme, die mir fürchterlich auf den Keks gehen – und es gibt welche, bei denen ich ganz großartig entspannen kann, auch wenn total unchristlich literweise, ach was, hektoliterweise Blut fließt, Logik und Schwerkraft mal ne Pause machen und die Story auf eine Streichholzschachtel passt. Wanted ist ein Film der zweiten Kategorie.

James McAvoy wird vom Nobody zur Killermaschine und soll im Auftrag der geheimnisvollen Fraternity den Mann töten, der seinen Vater auf dem Gewissen hat. Ob die Fraternity wirklich nur aus netten Jungs (und dem einzigen Mädel Angelina Jolie) besteht und ob young blue eyes McAvoy seinen Job gebacken kriegt, ist fast egal. Der einzige Grund, Wanted zu gucken, sind die irrsinnigen Spezialeffekte, die man hier im Sekundentakt um die Augen gehauen kriegt. Die beschäftigen sich zwar zu 90 Prozent damit, uns in Zeitlupe zu zeigen, wie Leute ihr Leben aushauchen, aber das ist blöderweise genau das Tolle am Film. Während viele Actionfilme mit besinnungslosen Schnitten arbeiten, um Tempo vorzutäuschen, macht Wanted das genaue Gegenteil. Klar gibt es auch hier die unvermeidliche Autojagd, aber es kommen immerhin noch ein Schnellzug, ein Tunnel und eine Schlucht hinzu. Wobei „Auto“ auch ein Kompliment ist für den beigefarbenen Lada, in dem sich Frau Jolie auf die Socken macht – ein charmanter Gegensatz zum Q7 und der Corvette eine halbe Stunde (gefühlt: zehn Sekunden) früher. Oder eine weitere Fahrt knapp über der Geschwindigkeitsbegrenzung, in der fantastisch vorgeführt wird, wie man jemanden erschießt, der in einer kugelsicheren Limousine sitzt. Ach, eigentlich lohnt sich der Film alleine für die feine Szene, in der McAvoy dem Kerl, der seine Freundin auf dem Ikea-Küchentisch flachlegt, mit seinem Computerkeyboard die Nase plättet, denn es fliegen nicht nur fotogen Zähne durch die Gegend, sondern auch folgende Buchstaben aus der Tastatur: F-U-C-K-Y-O.

(Diese Kritik ist für das Nuf und Felix, die sich darüber in die Haare gekriegt haben, ob der Film toll oder doof ist. Das Nuf redet jetzt nicht mehr mit mir.)

The Visitor

The Visitor zeigt uns zunächst in kurzen Szenen das Leben von Professor Walter Vale – wie er versucht, Klavier zu lernen und dabei die fünfte Lehrerin feuert, wie er uralte Uni-Vorlesungen neu aufwärmt, indem er nur das Datum ändert, wie er alleine in der Cafeteria sitzt, wie er teilnahmslos in Besprechungen auf deren Ende wartet. Für eine Konferenz muss er von Connecticut nach New York fahren, wo er eine weitere Wohnung besitzt – in der sich aber zu seiner und ihrer Überraschung zwei junge Ausländer aufhalten: Tarek aus Syrien und seine Freundin Zainab aus dem Senegal. Erst vertreibt Walter die beiden, um sie dann doch in einem ihm fast fremden Anflug von Sozialverhalten bei sich wohnen zu lassen, bis sie etwas Neues gefunden haben. Tarek trommelt in einer Band, und eines Tages setzt sich Walter einfach an sein Instrument und fängt an zu spielen.

Der Film scheint nur zu beobachten anstatt uns etwas erzählen zu wollen. Das vorsichtige Auftauen von Walter seiner Umwelt gegenüber. Die Liebe zur Musik, die sich in ganz unerwarteter Weise manifestiert. Freundschaften, die so unwahrscheinlich sind, dass sie umso ehrlicher ausfallen. Und nebenbei noch die Botschaft, dass die USA groß genug für eine Menge Leute sind, die dort vielleicht nicht geboren wurden. Schönes Buch, gute Darsteller, keine Holzhämmer als Botschaft. Feiner Film.

Eagle Eye

Haha, über eine Stunde Verwirrung und Action und Rumgehetze und Technikschnickschnack für eine Auflösung, die so dermaßen von einem Klassiker geklaut ist, dass es schon nicht mehr feierlich ist. In Eagle Eye (Außer Kontrolle) wird Milchbart Shia LaBeouf von einer säuseligen Frauenstimme auf dem Handy angerufen, dass das FBI gleich vor seiner Tür stände – nur, falls er sich wundern sollte, warum sein Winzappartement auf einmal mit Sprengstoff, Waffen und Geheimdokumenten vollgepackt ist. Der Kleine wird daraufhin verhaftet, kann aber mit Hilfe der Dame vom Amt wieder fliehen und muss in der nächsten, bereits erwähnten Stunde, hauptsächlich Sachen machen, die anscheinend einen bösen Hintergrund haben, uns aber logisch nicht wirklich weiterbringen. Ist auch egal, denn sobald die wahnwitzig überraschende Pointe kommt, möchte man eigentlich gar nicht mehr weiter zugucken. Dauert dann auch nicht mehr lange, bis das rührselige Finale kommt, und dann darf man endlich einen vernünftigen Film gucken.

Man on Wire


© Magnolia Pictures

Man on Wire (Man on Wire – Der Drahtseilakt, UK/USA 2008, 94 min)

Mitwirkende: Philippe Petit, Jean-Louis Blondeau, Annie Allix, Barry Greenhouse, Jean François Heckel, Alan Welner, David Forman
Musik: J. Ralph
Kamera: Igor Martinovic
Regie: James Marsh

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Manche Geschichten sind zu irrsinnig, als dass sie sich jemand ausdenken könnte. So auch die von Man on Wire: Der Drahtseilartist Philippe Petit entdeckt in einer Zeitschrift im Wartezimmer seines Zahnarztes einen Bericht über die Bauarbeiten am World Trade Center in New York, das einmal das höchste Gebäude der Welt sein soll. Sobald er die Skizzen gesehen hat, ist ihm klar: Wenn die Türme stehen, spanne ich ein Drahtseil zwischen ihnen und laufe drüber. 450 Meter über der Erde, auf dem Dach der Welt. Wozu sind Türme sonst da?

Der Film ist eine Mischung aus Spielszenen und Originalaufnahmen aus den 70er Jahren, die die Gruppe um Petit von sich selbst angefertigt hat. Wie Petit das Gehen auf dem Seil beherrscht, wie er sich sogar darauf hinlegen kann, knien, wippen, winken. Und was er da gerade auf einer grünen Wiese in Frankreich macht, knapp drei Meter über dem Boden, wiederholt er später, am 7. August 1974, eines Morgens in New York. Unwesentlich höher, aber mit der gleichen Konzentration – und dem gleichen seligen Gesichtsausdruck. Den durfte seine Umwelt bereits vor dem weltberühmten Akt in Amerika kennenlernen: Erstmals spannten seine Freunde und er heimlich ein Seil zwischen den Türmen der Notre Dame, auf dem er minutenlang spazierenging, bis er sich anstandslos von der Polizei abführen ließ. Der Film erzählt auch von seiner Motivation: Gibt es einen schöneren Anblick als jemand, der zwischen zwei Türmen entlangläuft?

Genau dieses Motiv zieht sich auch durch die unglaublich spannend aufbereitete Story rund um das World Trade Center. Petit erzählt sie uns selbst, daher wissen wir einerseits, dass er es geschafft hat, seinen Traum umzusetzen, und wir wissen auch, dass er da lebend wieder runtergekommen ist. Trotzdem hält man dauernd den Atem an, weil das Ganze wie ein Krimi inszeniert ist. Vor allem bei den Szenen kurz vor dem coup, wie die Gruppe ihr Vorhaben nennt, in denen sich die Wachleute nachts vergewissern, dass auch niemand mehr im fast vollendeten Trade Center ist, während die vier Männer – zwei im Nord-, zwei im Südturm – sich mehr oder weniger geschickt eingeschleust und sich nun versteckt haben, um einen Pfeil von einem Turm zum anderen zu schießen, an dem eine Angelleine hängt. An der ein Seil hängt. An dem das Drahtseil hängt. Und schließlich müssen noch vier weitere Seile gespannt werden, die das Hauptseil davor bewahren, sich in sich selbst zu drehen. Wie wird das Wetter? Wie fühlt sich Petit nach der stundenlangen Schufterei, im Dunkeln und möglichst leise ein 60 Meter langes Seil zwischen zwei Türme zu spannen, einen knappen halben Kilometer über der Erde? Und hier kommt wieder das Motiv, und ich habe im Kino gesessen und angefangen zu weinen, vor Glück, vor Rührung, vor Anspannung, als ich einen der Freunde über Philippe sprechen hörte: wie er die ersten vorsichtigen Schritte machte … und wie dann auf einmal der Moment da war, an dem klar war, das Seil ist sicher, das Wetter ist gut, alles ist in Ordnung, und Philippe geht draußen einfach mal 45 Minuten auf einem Seil spazieren, legt sich hin, spricht mit einer Möwe, winkt den winzigkleinen Menschen weit da unten zu und weiß: Alles ist gut. Gibt es einen schöneren Anblick als jemand, der zwischen zwei Türmen entlangläuft?

Der Film macht diesen absolut einzigartigen Moment sehr greifbar, holt etwas, das vor 35 Jahren passiert ist, nochmal ganz nah heran, und obwohl man weiß, was passiert ist, schüttelt man nur staunend den Kopf über diesen Mann, der einfach etwas Einmaliges schaffen wollte. Das Staunen und die Freude mit Petit ist allerdings nicht das einzige, was der Film transportiert. Er zeigt auch, wie sehr sich die Gruppe dem Traum eines Einzelnen unterordnen musste und wie sich die Dynamik zwischen den Beteiligten ändert.

Dass der erwähnte einzigartige Moment nicht wiederholbar ist, liegt natürlich nicht nur an Petit, sondern auch an der Tatsache, dass die Zwillingstürme nicht mehr stehen. Seltsamerweise vergisst man das irgendwann; anfangs gibt es Originalmaterial von den Bauarbeiten zu sehen, und es hat sich sehr schmerzhaft angefühlt, die charakteristischen Fassadenteile zu sehen, wie sie neu und stolz in die Höhe gehievt werden, weil wir inzwischen wissen, wie sie wieder zur Erde zurückgekehrt sind. Und die Grube, in der das Fundament gelegt wird, sieht Ground Zero von 2001 gespenstisch ähnlich. Aber diese Gedanken schieben sich irgendwann in den Hinterkopf und man folgt wieder dem irrsinnigen Plan, auf dem Dach der Welt zu tanzen. Vielleicht vergisst man es auch irgendwann, weil inzwischen ein anderer Ort das Dach der Welt geworden ist. Was man aber nicht vergisst, ist der Anblick des lächelnden Mannes im Nebel, schlicht in schwarz gekleidet auf dem Seil über der Tiefe. Und seine Motivation: jeden Tag als Chance zu begreifen. Jeden Tag am Abgrund zu leben. Jeden Tag Schönheit zu schaffen. Und jeden Tag einen unvergesslichen Moment zu finden. Petit hat seinen auf dem Drahtseil gefunden. Man on Wire hat ihn mir geschenkt.

The Curious Case of Benjamin Button


© Warner Bros./Paramount Pictures

The Curious Case of Benjamin Button (Der seltsame Fall des Benjamin Button, USA 2008, 166 min)

Darsteller: Brad Pitt, Cate Blanchett, Julia Ormond, Taraji P. Henson, Jason Flemying, Mahershalalhashbaz Ali, Rampai Mohadi, Jared Harris, Tilda Swinton
Musik: Alexandre Desplat
Kamera: Claudio Miranda
Drehbuch: Eric Roth & Robin Swicord, nach einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald
Regie: David Fincher

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The Curious Case of Benjamin Button ist gespickt mit Sätzen, die so gedrechselt sind, dass man sie sich offensichtlich merken soll. You never know what’s comin’ for ya. Some things last. Our lives are defined by opportunitites, even the ones we miss. Das Thema des Films – Vergänglichkeit, Festhalten, Dinge, die uns zustoßen und Dinge, die wir ändern können – wird einem gefühlt alle zehn Minuten nochmal unter die Nase gerieben, als ob man vergessen könnte, worum es in der Geschichte geht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer das vergessen könnte, der einmal dabei zugesehen hat, wie Brad Pitt jünger und Cate Blanchett gleichzeitig älter wird.

Die Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald dient nur als Ausgangspunkt. In ihr wird relativ schlicht beschrieben, wie ein Baby zu Welt kommt, das aussieht wie ein 80jähriger Greis, aber dabei ein Kind ist, es optisch immer jünger, innerlich aber immer älter wird, bis es als Baby stirbt, aber sein ganzes Leben dement vergessen hat. Der Film erfindet eine Rahmenhandlung dazu, die mir zuerst ziemlich auf die Nerven gegangen ist, weil ich sie als unnötig empfunden habe, mich aber zum Schluss fast demütig im Kino hat sitzen lassen, weil auf einmal alles gepasst hat. In ihr liegt eine kaum zu erkennende Cate Blanchett in New Orleans im Sterben, und ihre Tochter (Julia Ormond) liest ihr aus einem alten Tagebuch vor: dem von Benjamin.

Sie beginnt zu lesen, und das Film verabschiedet sich vom Krankenbett und führt uns in das New Orleans der 20er Jahre, in denen Benjamin in einem Altersheim aufwächst. Sein Vater hatte ihn auf den Stufen ausgesetzt, und eine Angestellte des Heims hat ihn zu sich genommen. Hier beginnt der visuelle Kontrast, der den Film durch die Jahrzehnte hindurch auszeichnet: das ständige Aufeinanderprallen von Alt und Jung. Benjamins „Mutter“ ist anscheinend Mitte 20, und ihr „Sohn“ sitzt klein und faltig im Rollstuhl neben den anderen alten Männern und Frauen, die ihre letzten Tage gemeinsam erleben. Hier beginnt auch das erzählerische Grundmuster des Films: Die Szenen im Krankenhaus und die vorlesende Julia wechseln sich ab mit Spielszenen, in denen eine untergegangene Welt lebendig wird. Anfangs bin ich jedesmal zusammengezuckt, wenn ich aus der weichbeleuchteten Vergangenheit ins Neonlicht des Krankenhauses geholt wurde und war innerlich wütend auf Regie und Drehbuch, weil ich es mir gerade so schön gemütlich gemacht hatte mit den warmen Bildern, die wie aus einem Familienalbum aussehen, das man Sonntagnachmittag durchblättert. Aber nach und nach nähern sich die beiden Zeiten einander an, und zum Schluss war schlicht und ergreifend keine Vergangenheit mehr da, in die man zurückkehren bzw. an die man sich erinnern konnte. Stattdessen zitiert der Film zum Schluss eine Szene, die ganz am Anfang stattfand, bei der ich mich den ganzen Film lang gefragt habe, was sie sollte, bis sie mir noch einmal kurz vor Augen geführt wurde – und ich innerlich bei Regie und Drehbuch um Verzeihung gebeten habe.

Benjamin lernt mit circa zehn Jahren die gleichaltrige Daisy kennen und verliebt sich in sie. Der Film erzählt die Geschichte der beiden – wie Daisys Großmutter Benjamin anfaucht, er solle sich schämen, als sie den Greis mit ihrer kleinen Nichte des Nachts in einer Höhle aus Decken und Tischen findet. Wie sich die gut 20-Jährige dem optisch 30 älteren Mann an den Hals wirft und er sie abweist. Wie er dann in ihre noch jugendliche Welt einbricht und sie ihn wiederum abweist. Und wie sie sich schließlich in der Mitte treffen, als alles passt, als alles so sein soll. Das hätte eigentlich schon gereicht, aber leider muss der Film noch ein paar kleine Umwege machen, die ihn auf zweieinhalb Stunden Spielzeit bringen, von denen ich auf mindestens eine halbe hätte verzichten können. Vor allem die Szenen an Bord des Schleppers, auf dem Benjamin seinen ersten Job hat und mit dem er den 2. Weltkrieg miterlebt, haben den Rhythmus meiner Meinung nach unnötig gestört, einfach, weil Daisy nichts mit diesem Teil von Benjamins Leben zu tun hat. Einiges war nötig – seine ersten Erfahrungen mit Alkohol und Frauen zum Beispiel –, aber in der epischen Breite musste ich das nicht alles sehen.

Und so hat mich Benjamin Button auch erst richtig erwischt, als Daisy und Benjamin sich finden. Davor kann man schon mal die Gedanken schweifen lassen und das Make-Up bewundern, das die beiden nicht nur älter macht – das ist ja schon fast nichts Besonders mehr –, sondern auch glaubwürdig jünger. Cate Blanchett sieht in ihren Zwanzigern aus, als ob sie von innen leuchten würde, und ich glaube, gerade in dem Alter tut man das auch: Man geht die ersten Schritte in ein selbstbestimmtes Leben, verliert sein Herz zum ersten Mal so sehr, dass es nachhallt, man verdient das erste Geld, man erwacht, man wird zu dem, der man sein will. Und so sehen wir Cate auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit, begleiten sie auf einer großen Karriere – nur um dann dabeizusein, wenn sie langsam erlischt, der Körper nicht mehr mitspielt und sich ihr Leben dem Ende zuneigt. Das ist eigentlich nicht der Rede wert, denn wir alle wissen, dass es uns genauso gehen wird. Was es so schmerzhaft macht, ist, direkt daneben ausgerechnet Brad Pitt zu sehen, dessen Schönheit bereits zu ahnen ist, wenn man ihn in der Maske des alten bzw. älteren Mannes sieht. In dem Moment, in dem er zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen ist in dem Alter, in dem Daisy und Benjamin füreinander bestimmt sind, strahlt er all das aus, was ihn nicht nur für Daisy so attraktiv macht: alles, was er erlebt hat, steht ihm genauso ins Gesicht geschrieben wie ihr, und deswegen ist diese kurze Zeitspanne so perfekt. Und während sie von immer mehr Leben zerfurcht wird, scheint seines ausradiert zu werden – die Falten auf der Stirn verschwinden, die Wangen werden voller, die kleine Narbe am Auge ist das einzige, was davon zeugt, dass er schon Jahrzehnte hinter sich hat. Es ist nicht nur ergreifend, dabei zuzusehen, wie sich ihrer beider Leben wieder trennen muss, sondern grausam. Wenn die alte Frau sich schließlich um das Kleinkind kümmert, das einmal ihr Liebhaber gewesen ist, zerreißt es einem fast das Herz: Er hat vergessen, während sie sich an alles erinnern muss.

The Curious Case of Benjamin Button entschädigt mit wunderbaren Schauspielern für seine kleinen Längen, er bezaubert mit einer liebevollen Ausstattung, die die Zeitsprünge klug bebildert anstatt bunte Kulisse zu sein, und er ist sich nicht zu schade, teilweise die ganz großen Gefühle auszupacken. Wie gesagt, auf die Kalendersprüche hätte ich verzichten können, denn die braucht der Film überhaupt nicht. Die Gesichter der beiden Hauptdarsteller tragen die ganze Geschichte, und viele Dialoge erzählen nur noch mal, was wir gefühlt schon begriffen haben. Dass wir alle nur eine begrenzte Zeit haben und dass wir sie so gut nutzen sollten, wie es eben geht. Und wenn wir sie auch noch teilen können, passt alles, weil alles so sein soll.

“In cyberspace, no one wants to hear you unless you scream.”

Meine Rede – ich kann’s nur nicht so schön ausdrücken. Und dann auch noch mit West-Wing-Referenz! Paul Carr vom Guardian über den angespuckten Arrington und seine persönliche Konsequenz:

„And that is precicely where the internet has a problem. What we read on the web is shaped almost entirely by what our friends recommend to us or what other people have decided is popular. And because what’s popular is meanness, that almost all that we read – page after page of cynicism, meanness, ranting and rage. Don’t believe me? My negative Second Life column attracted 42 comments. My bitchy Le Web one, 28. Last week, by contrast, I wrote about how inspired I was by Barack Obama’s inauguration. Number of comments: none. Both the Second Life and Le Web columns made it to the top of the “top technology stories of the last 24 hours” list on guardian.co.uk. I’d be surprised if the Obama column even troubled the top 50. In cyberspace, no one wants to hear you unless you scream.

Which brings me back to Arrington and my lack of surprise at the vile incident at DLD, or at some of the other hideous threats he’s received.

Having been repeatedly hailed for being a bastard and entirely ignored for being nice; having read the vile abuse aimed at Sarah and Julia and countless other women who dare to showcase their abilities online; having seen the glee with which sites like Valleywag tear apart the personal lives of internet personalities – and having seen no popular positive counterbalance to any of it – I am absolutely unsurprised that the hate has finally spilled over into real life.

You simply can’t have a system which rewards nastiness over niceness and which offers no consequences for those who commit cowardly anonymous attacks and then act surprised when people don’t know where to draw the line. And if it carries on, someone is going to get seriously hurt, unless we all say – as Arrington has on Techcrunch today – enough is enough.“

Vielen Dank an Daniela für Krabat. Unsere Kunstlehrerin, die auch meine Deutschlehrerin war, hat uns in der 5. oder 6. Klasse beim Zeichnen das gesamte Buch vorgelesen, was für mich eine der schönsten Schulzeiterinnerungen ist. Daher habe ich mich auch komplett um den Film im letzten Jahr rumgedrückt, aber endlich das Buch auf den Wunschzettel gepackt. Und jetzt lese ich es zum ersten Mal selber. Nochmals ein ganz herzliches Dankeschön.