Metacritics 100 beste Filme der vergangenen Dekade. Und die miesesten.

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Zehn Dinge, die (teilweise neuerdings) immer bei uns zuhause vorrätig sein müssen:

– Milch. Was sie vorher auch schon, ist sie jetzt in Bioqualität.

– Brot mit viel Körnerzeug drin. Ersetzt das fluffige Weißbrot. Schmeckt toll – aber mein Sandwichmaker ist seitdem arbeitslos. Meine ungetoasteten Körnerbrot-Biogouda-Gurke-Tomate-Basilikum–körnigerSenf–wennvorhandenParmaschinken-Sandwiches sind aber auch recht lecker.

– Zitronen. Ungespritzt. Haue neuerdings gerne Zitronenschale in alles rein. Kerl hat das Experiment „Orangensaft in Nesquik, um Balzac-Getränke nachzuahmen“ deutlich wohlschmeckender mit Orangenschale und holländischem, entöltem Kakao wiederholt.

– frische Kräuter. Auf der Fensterbank haben es sich Basilikum, Rosmarin und Zitronenmelisse gemütlich gemacht, der Rest der grünen Bande wird nach Bedarf sträußchenweise gekauft. Warenkunde für Deppen: Wenn man einen Teil des Sträußchens auf einen Teller legt und ihn auf die Fensterbank stellt und dann vergisst, trocknet das Ding ganz von alleine aus und kann dann ins Essen gebröselt werden. Schmeckt viel intensiver als die Verwandten aus der Dose. Und klingt am Abendbrottisch toll: „Reichst du mir mal nen Zweig Thymian?“

– Butter. Jahrelang Lätta und Konsorten im Schrank gehabt und alles nur mit Öl angebraten. Wie bov so schön twitterte: Butter ist das Olivenöl des kleines Mannes. Ja, für die Ablagerungen in den Venen (oder wo auch immer) sind pflanzliche Fette natürlich besser (ein bisschen ist von Weight Watchers ja doch hängengeblieben), aber meine Güte! ist Butter lecker. So um Karotten rum oder grüne Bohnen oder eben auf Körnerbrot.

– Frischkäse. Frühstückt der Kerl immer. Bei mir ist es weiterhin

– Müsli. Immer von MyMuesli.de, immer mit Obst drin. Neuerdings an den Jahreszeitenkalender angepasst, was bedeutet: nicht immer Granny Smith, sondern zum Beispiel zurzeit Birnen.

– Zucchini. War früher eher so ein Ausweichgemüse, wenn uns wirklich nix mehr eingefallen ist. Jetzt schmurgeln die Scheibchen gerne mal mit Knoblauch und Rosmarin in der Pfanne oder werden kurz mit gelber Paprika und Cherrytomaten in Öl durchgeschwenkt, weil der Teller dann so schön bunt ist.

– Meersalz. Habe ich früher für blödes Poserzeug gehalten. Hauen wir inzwischen in alles rein, weil’s schicker aussieht und auf der Zunge schöner knackt.

– Wein. Ebenfalls Lus Schuld. Bisher war Wein nur da, wenn ich wusste, dass Besuch kommt. Jetzt ist immer Wein da, und der Vorrat wird nicht kleiner, sondern größer. Denn momentan probiere ich jedes Wochenende ein, manchmal zwei Rezepte aus meinem Lieblingskochbuch aus – und versuche dazu auch gerne mal, einen passenden Wein zu finden. Ist zwar eher blindes-Huhn-Einkaufen, macht aber Spaß.

(via esskultur, die momentan ne Menge Listen erstellt)

Was vom Biere übrig blieb

Vor der Lesung hatte ich fiese Flashbacks in die Zeiten, in denen ich als armes Kind bei Akkordeonkonzerten auftreten musste; da hat sich mein Magen ähnlich angefühlt. Das legte sich netterweise sehr schnell, weil Gerhard und Richard die Ruhe in Person waren, schon mal an Scotch und Wein nippten, während ich mein erstes Bier aufmachte. Dann wurde kurz festgelegt, wer wann was liest, wer wann was singt (ja, liebe Leute, die nicht da waren, wir/ich habe/n gesungen) und wie oft wir uns verbeugen, und das war die ganze Vorbereitung.

Da hat meine Textauswahl deutlich länger gedauert. Ich habe viermal gelesen, und um mich rum hat Richard was von Teddy Hecht gelesen, Gerhard hat sich an französischen Zungenbrechern versucht, dann gab’s noch den Brief eines Kriegsdienstverweigerers, ein aufrüttelndes Interview mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Kastanienmännchen, einen YouTube-Clip mit Andy Kaufman und dann war der Abend im Prinzip schon rum; dann haben wir nur noch gesungen, Bob Dylan und John Lennon. Ich war deutlich weniger angespannt als ich dachte, sobald’s losging, und das Publikum war äußerst freundlich und freigiebig mit Lachern und Applaus. Firma dankt nachträglich.

Nach reiflicher Überlegung, Alles-nochmal-umschmeißen und dem konsequenten Nen-Teil-wieder-reinnehmen war das meine Textauswahl für den Abend: Von Dienstleiser zu Dienstleister, Lady Marmalade und Eh, du, „Chris“, weil der so gut zu nörgelnden Mailschreibern wie den aus Marmalade gepasst hat.

Mein zweiter Block bestand aus einem weiteren Dienstleister und meinen liebsten Filmfestspielhauserinnerungen, angefangen bei meinem dämlichsten Fehler. Der Text hat, soweit ich das hinter den Lichtern und der Aufregung beurteilen kann, am zweitbesten gefallen.

Der dritte Block war nur ein Text, aber dafür der längste (iPhone-gestoppt auf dem heimischen Sofa: 7 Minuten. Ich hoffe, auf der Bühne hab ich mir etwas mehr Zeit gelassen): mein Babysitting von Emilia. Das war meiner Einschätzung nach der Text, der am besten angekommen ist. Im Nachhinein – und den ganzen kurzen Dingern – ahne ich auch warum: weil man endlich mal ein bisschen Zeit hatte für eine Geschichte. Bei den kurzen Stücken hatte ich gerade angefangen, eine Stimmung aufzubauen, da war sie schon wieder dahin, weil der Text eben nur 20 Zeilen lang war. Merke ich mir fürs nächste Mal, so es denn eines gibt.

Im vierten Teil, bei dem ich schon so entspannt war, dass ich wahrscheinlich wieder gerast bin: Kerlegucken, Ikea-Bettwäsche (runterscrollen bis 3.2.) und Mittagspause, mit dem ich das Dienstleistergenörgel beendet habe (runterscrollen bis 25.4).

Ich habe mich sehr über die bekannten Nasen gefreut, die da waren, über die, die ich nach sieben Jahren Bloglesens endlich kennenlernen durfte und im Nachhinein über diejenigen, die da waren und mir dann per Twitter oder Mail Bescheid gesagt haben, dass sie da waren. SAGT DOCH WAS, WENN IHR NEBEN MIR STEHT!

Eigentlich wollte ich von der Bühne runter twitpicen, aber erstens hab ich’s vergessen und zweitens hätten die Scheinwerfer eh geblendet. Daher nur im Vorfeld: Aufbau, Richard, Gerhard. Vielen Dank an die beiden Herren für die Einladung. Der nächste Tote Salon findet am 14. Januar statt, und dann sitzt Wiglaf Droste auf dem Stuhl in der Mitte.

„Letzter Aufruf für die Passagiere …“

… und letzte Erinnerung an die Lesung heute abend mit Richard Christian Kähler, Gerhard Henschel und mir im Toten Salon. Soweit ich das anhand der Vorstellung im November beurteilen kann, wird das ein sehr entspannter Abend mit launigen Texten, Herr Henschel wird wahrscheinlich ein paar Zungenbrecher auf Englisch aufsagen, Herr Kähler seine Gitarre rausholen, ich werde mir nervös an den Ohrläppchen rumzupfen und nebenbei versuchen, nicht zu oft aufs Manuskript zu sabbern, wenn ich einen Schluck Bier (für die Stimmbänder) nehme. In der Pause signieren wir gerne Dekolletees oder Bizepse und stoßen mit dem geneigten Publikum an, das uns auch freigiebig mit Zigaretten versorgen darf. Danach lassen die Herren den Abend an der Bar ausklingen, während ich wahrscheinlich irgendwo auf der Bühne einschlafe, weil es Stunden nach meiner normalen Zubettgehzeit ist. Wird also toll. Kommt alle, 20.30 Uhr geht’s los, wir freuen uns.

mel_gibson

Das Empire Magazin (das übrigens auch sehr unterhaltsam twittert) hat sich zum 20jährigen Bestehen ein besonders Fotoshooting gegönnt. Hintergründe und Teaser hier, (fast) alle Fotos hier und hier.

(via Jens Scholz)

What do you do when nobody’s watching?

– bloggen. Siehe Header. Stimmt zwar nicht (hier guckt ja doch der/die eine oder andere vorbei), aber das blende ich beim Schreiben aus. Bei den guten Einträgen jedenfalls.

– heiraten. Im Kopf. Zurzeit Jeremy Piven.

– in der Nase bohren. Come on, you can tell me.

– mit mir selber französisch reden. Wird aber meistens englisch draus.

– “I sing the body electric” aus Fame vor mich hinsingen, bis mir einfällt, dass die Nachbarn alles hören.

– mein MacBook Pro umarmen.

– mit meinem Teddy reden und mich bei ihm entschuldigen, wenn er umgefallen ist und unbequem auf der Seite liegen musste.

– meine Hand küssen, wenn der Kerl nicht da ist.

– mir vorstellen, ich wäre dünner. Hätte keine Rückenschmerzen. Könnte wieder golfen. Würde total mondän in Paris wohnen, viel zu viel Geld haben und mit Jeremy Piven golfen, während ich dünn bin und keine Rückenschmerzen habe. Dann kommt der Kerl rein und macht nen Hitlerwitz und ich scheiß auf Jeremy Piven und aufs Dünnsein. Und muss nicht mehr meine Hand küssen.

(via Liz)

Ein kleiner Verbraucherhinweis: Eine mir bekannte Dame hat auf Dawanda einen neuen Shop eingerichtet. Von der Qualität der Seifen durfte ich mich bereits überzeugen und kann sie auch jedem Lush-Junkie ans Herz legen. Deutlich weniger geruchsintensiv, aber genauso bunt. Was will man mehr? (Ich nix.)

Hach, ich mag Mittagspausen, in denen mir Kollegen Amazonpäckchen auf den Tisch legen. So wie eben: Vielen Dank an Karin, die mich mit Jiro Taniguchis Die Sicht der Dinge überrascht hat. Dankeschön, ich habe mich sehr gefreut.

(Nach und nach schenken LeserInnen Frau Gröner das Gesamtwerk von Taniguchi. Gleich mal das nächste auf den Wunschzettel packen, harhar.)

„Brauchnwanich“

Sehr lesenswert: Kathrin Passigs „Standardsituationen der Technologiekritik“:

„Die Reaktion auf technische Neuerungen folgt in Medien und Privatleben ähnlich vorgezeichneten Bahnen. Das erste, noch ganz reflexhafte Zusammenzucken ist das »What the hell is it good for?« (Argument eins), mit dem der IBM-Ingenieur Robert Lloyd 1968 den Mikroprozessor willkommen hieß. Schon Praktiken und Techniken, die nur eine Variante des Bekannten darstellen – wie die elektrische Schreibmaschine als Nachfolgerin der mechanischen –, stoßen in der Kulturkritikbranche auf Widerwillen. Noch schwerer haben es Neuerungen, die wie das Telefon oder das Internet ein weitgehend neues Feld eröffnen. Wenn es zum Zeitpunkt der Entstehung des Lebens schon Kulturkritiker gegeben hätte, hätten sie missmutig in ihre Magazine geschrieben: »Leben – what is it good for? Es ging doch bisher auch so.« (…)

Wenn sich herausstellt, dass das neue Ding nicht so überflüssig ist wie zunächst angenommen, folgt das kurze Interregnum von Argument zwei: »Wer will denn so was?« »That’s an amazing invention«, lobte US-Präsident Rutherford B. Hayes 1876 das Telefon, »but who would ever want to use one of them?« Und von Filmstudiochef Harry M. Warner ist die um 1927 gestellte Frage überliefert: »Who the hell wants to hear actors talk?«“

(via jawls Gezwitscher)

redribbon

Ich bin ein Erinnerungsposting

Gell, Sie erinnern sich: Nächste Woche Donnerstag abend um 20.30 Uhr sehen wir uns im Toten Salon, gell? Ja? Rechtzeitig Karten bestellen oder vorbeikommen, der Laden ist klein und gemütlich. (Und etwas fußkalt, aber wir sind ja keine Memmen, GELL?)

Things

Sechs Namen, auf die du hörst:

1. Anke
2. Frau Gröner
3. Tante Anke. Unter Protest. Aber Emilia darf ja alles, auch wenn der Kindsvater dabei thriumphierend grinst.
4. The Brain. So nennt mich der Kerl, wenn ich redend und dabei wild gestikulierend meine Ärmchen an Türklinken blauhaue oder in Schreibtischkanten reinrenne.
5. „He, Sie, junge Frau.“ Eher ungern, geht aber.
6. „He, Sie, junger Mann.“ Nur bei blinden Rentnern.

Drei Dinge, die du gerade trägst:

Da es abends ist und ich auf dem Sofa rumschlumpfe: bequeme Hose, Lieblingswinterringelpulli, kein Make-up mehr.

Drei Dinge, die du dir wünscht:

Gesundheit. Rest hab ich alles, ich kleiner happy camper gerade mal.

Drei Dinge, die du gestern, gestern Nacht und heute getan hast:

Gestern: Wohnung nach Dinnerbesuch in den Normalzustand zurückversetzt (Geschirrspülen und Berge von Essen wegtuppern). Gestern nacht: gelesen und geschlafen. Heute: gearbeitet, DVD geguckt, Kerl geknutscht und Farmville gespielt.

Zwei Dinge, die du heute gegessen hast:

Müsli mit Birne zum Frühstück. Lamm mit Kürbis und grünen Bohnen zum Mittag. (Lecker Käsesandwich abends.)

Zwei Leute, mit denen du zuletzt telefoniert hast:

Kollegin und Kollegin.

Zwei Dinge, die du morgen tun wirst:

Arbeiten, DVD gucken, Kerl knutschen, Farmville spielen. (Fünf, zwei, what’s the difference, I kill all the rules for a Textmechanik.)

Drei Lieblingsgetränke:

Milchkaffee, Coke Zero, neuerdings Wein in allen Variationen, eher weiß als rot.

(via überall)

Bücher 2009 – November

Daniel Clowes – Ghost World

Ich klaue für die Inhaltsangabe mal die Wikipedia leer –

Ghost World follows the day-to-day lives of best friends Enid Coleslaw (formerly “Cohn”) and Rebecca Doppelmeyer, two cynical, pseudo-intellectual and intermittently witty teenage girls recently graduated from high school in the early 1990s. They spend their days wandering aimlessly around their unnamed American town, criticizing popular culture and the people they encounter while wondering what they will do for the rest of their days. As the comic progresses and Enid and Rebecca make the transition into adulthood, the two develop tensions and drift apart.”

– weil es die perfekte Inhaltsangabe ist. Und weil einige der benutzten Worte genau ausdrücken, warum mir Ghost World so gut gefallen hat: cynical, witty, tension, pseudo-intellectual, popular culture. Die beiden Mädchen schlendern durch eine Geschichte, die ein bisschen schwieriger zu erfassen war als sie es in „geschriebener“ Form gewesen wäre. Mir ist selten der gutter, der Raum zwischen den Panels, größer vorgekommen als hier. Sehr viel bleibt unausgesprochen, aber genau das macht das schmale Büchlein so gut.

Garth Ennis/Steve Dillon – Preacher Vol. 1: Gone to Texas

Jau. Satter Aufschlag. Die Preacher-Serie war ein freundlicher Lesertipp (ich weiß leider nicht mehr, ob per Twitter, Mail oder sonstwie), und auf diesem Wege möchte ich dem Leser ärgstens dafür danken, denn ich bin völlig hingerissen. Preacher erzählt die völlig absurde Geschichte von Jesse, einem Priester, der von einem Wesen namens Genesis besessen ist. Genesis ist das Ergebnis einer heißen Nacht zwischen einem himmlischen und einem höllischen Wesen. Und weil Genesis Jesse ganz schön nervt und nebenbei seine gesamte Kirche in Schutt und Asche gelegt hat, macht sich Jesse jetzt auf die Suche nach Gott, um ihm mal die Meinung über seinen Saustall da oben zu sagen. Ihm zur Seite stehen Cassidy, ein Vampir, und Tulip, seine Ex, die von Cassidy gerne Turnip genannt wird und ständig eine Knarre in der Handtasche hat. Ich könnte jetzt noch 30 Zeilen weitere hirnrissige Plotpoints aufzählen, aber stattdessen möchte ich euch Preacher einfach ans Herz legen. Die Zeichnungen sind eher naja, die zahlreichen Metzeleien gerade noch im erträglichen Bereich, aber dafür sind die Dialoge schön krachledern, und in die Hauptfigur würde ich mich, wenn sie auf einer Leinwand wäre, sofort verknallen.

Bill Watterson – The Complete Calvin & Hobbes

Wie Tim und Struppi – alle paar Jahre muss ich das einfach durchlesen. Denn “in the end, all our games turn into Calvinball.”

Garth Ennis/Steve Dillon – Preacher Vol. 2: Until the end of the world

Weiter geht’s mit dem Pastor und seiner Suche nach Gott. In diesem Sammelband erfahren wir mehr (als wir wissen wollen) über die Kindheit von Jesse Custer, wer sich hinter dem schicken Namen Jesus de Sade verbirgt und dass es eine Organisation namens grail gibt, die ganz eigene Pläne für die Welt hat, wenn Armageddon kommt und die Erde einen Erlöser braucht. Genauso wie der erste Band: Ich hab ihn atemlos verschlungen, aber glücklicherweise den dritten schon griffbereit neben mir gehabt.

Garth Ennis/Steve Dillon – Preacher Vol. 3: Proud Americans

Allmählich verstehe ich die Faszination von Comicserien: Genau wie Fernsehserien bieten sie die Möglichkeit, mal eben aus der Handlung auszusteigen und sich etwas näher mit der einen oder der anderen Figur zu beschäftigen, ihr mehr Hintergrund zu geben und so ihre Aktionen in der Gegenwart zu erklären. In Band 3 erfahren wir mehr über Jesses Vater und seine Zeit in Vietnam, wie Cassidy zum Vampir geworden ist und kriegen es weiterhin mit den Verschwörern vom grail zu tun. Weiterhin hohes Tempo und viel Blut – kurz: derbe Unterhaltung.

Garth Ennis/Steve Pugh, Carlos Ezquerra, Richard Case – Preacher Vol. 4: Ancient History

Hach, endlich andere Zeichner! Die Zeichnungen von Dillon sind, mit Verlaub, relativ eindimensional, weswegen ich es sehr genossen habe, hier endlich mal was zum Gucken zu haben. Die erste Geschichte in Ancient History, The Saint of Killers, befasst sich mit eben diesem, dem Saint of Killers, der von den Engeln auf Jesse angesetzt wurde. Hier erfahren wir, warum er so viel Hass in sich trägt und wie er zum Job des himmlischen Rächers gekommen ist. Die Bilder von Pugh und Ezquerra haben weitaus mehr Tiefe und vielfältigere Bildkompositionen von Dillon, weswegen mir dieser Band auch bisher am besten gefallen hat.

Richard Case darf sich dann in The Story of You-Know-Who an der Geschichte mit Arseface austoben, dem armen Kerl, der sich nach dem Tod von Kurt Cobain das Hirn rauspusten wollte, allerdings scheiterte und jetzt mit einem Gesicht wie ein Arsch rumläuft. Arseface ist ein sehr eigenwilliger comic relief, der sich von Anfang bis Ende durch die Preacher-Saga zieht und mir sehr ans Herz gewachsen ist. (Der Band nennt Arseface You-Know-Who, weil der Verlag das Wort arse nicht auf einem Titel sehen wollte. Meine ich jedenfalls irgendwo gelesen zu haben.)

In The Good Old Boys, dem dritten Teil des Bandes, darf nochmal Ezquerra ran und mit Dennis die fiesen Verwandten von Jesse wiederbesuchen, mit denen wir doch eigentlich schon abgeschlossen hatten. Auf den Teil hätte ich locker verzichten können, denn er hat so gar nichts mit der Priester-Handlung zu tun.

Garth Ennis/Steve Dillon – Preacher Vol. 5: Dixie Fried

Dieser Band spielt fast ausschließlich in New Orleans, es geht um Voodoo und wie Jesse endlich Genesis loswerden will, und nebenbei um Cassidy und eine Truppe von Vampirgroupies. Alles ein bisschen hektisch und seltsam – nicht ganz so mein Ding. Immer noch okay, aber hier hatte ich mehr und mehr das Gefühl, dass Ennis selbst nicht mehr wusste, wo die Reise hingehen soll. Deswegen wahrscheinlich auch die Liebeserklärung von Cassidy, die so gar nicht zu ihm passt und ihn allmählich zu einer Nervensäge macht, die er vorher absolut nicht war – was ich den Autoren ziemlich übel nehme.

Garth Ennis/Steve Dillon, Peter Snejbjerg – Preacher Vol. 6: War in the sun

Geht gut los, mal wieder mit einem anderen Zeichner, der uns mehr Hintergrund über Herrn Starr verrät, der den grail anführt und ein dickes Huhn mit Jesse zu rupfen hat. Dann darf wieder Dillon ran; jetzt scheint es zum Showdown zwischen dem grail und Jesse zu kommen – natürlich geht alles ganz anders aus als geplant, einer unserer Helden stirbt … oder nicht? und der Band endet mit einem riesigen Fragezeichen. Verdammte Cliffhanger.

Garth Ennis/Steve Dillon – Preacher Vol. 7: Salvation

Wieder ein langer Einschub, der Jesse zu einem Sheriff in einem Kaff in Texas macht. Er findet jemanden aus seiner Vergangenheit wieder, und endlich trifft er Gott, um sich endgültig mit ihm anzulegen.

Garth Ennis/Steve Dillon, John McCrea – Preacher Vol. 8: All hell’s a-coming

Nach acht Bänden endlich mal mehr zu Tulips Vergangenheit. Und allmählich steuert dann doch alles auf ein Ende zu. Reicht jetzt auch.

Garth Ennis/Steve Dillon – Preacher Vol. 9: Alamo

Yep, Ende. Ein bisschen zu viel krude Bibelkunde zum Schluss, aber immerhin ein Ende, das zur Serie passt, sowohl zum Tonfall als auch zu den Figuren. Wenn ich es den Jungs auch immer noch übelnehme, aus Cassidy ein Arschloch gemacht zu haben. Jetzt, wo ich alle Bände durchgelesen habe, kann ich eine recht warme, wenn auch keine jubelnde Emfehlung abgeben; dafür war zwischendurch dann doch viel Füllmaterial, das mich ab und zu etwas genervt hat.

(Und so klingt das, wenn ich zwischendurch keine Lust habe, direkt nach dem Zuklappen des Buchs darüber zu schreiben, sondern erst sechs Bände lese und dann nochmal nachblättern muss, was in den einzelnen Dingern passiert ist.)

Gerard Way/Gabriel Bá – The Umbrella Academy: Apocalypse Suite

Hmja. Tolle Zeichnungen, keine Frage. Alleine wegen würde ich mir den zweiten Band, Dallas, auch noch kaufen – aber nur, wenn der eine etwas besser Story hat. The Umbrella Academy handelt von sieben Kindern, die alle von verschiedenen Frauen ohne jede Vorwarnung geboren und dann von einem außerirdischen Professor adoptiert werden, der sie zu Superhelden heranzieht. Jedenfalls teilweise. Hört sich krude an, macht aber erstmal Spaß, weil man völlig ahnungslos in die Geschichte geworfen wird. Die vielen, kleinen Storys, die als Einzelhefte erschienen sind, fügen sich auch zu einem großen Gesamtbild zusammen, aber in sich waren sie mir zu fahrig, zu wenig ausformuliert, zu sehr auf die Show aus als auf eine Handlung. Ich habe Umbrella gerne gelesen … nein, ich habe Umbrella gerne angeschaut, aber so richtig umgehauen hat es mich nicht. Eher etwas ratlos zurückgelassen.

(Nein, ich lese gerade nicht nur Comics – mich begleitet seit Wochen ein Buch über die Reconstruction, aber das ist zu dick und teilweise zu zäh, um es in vier Wochen durchzuackern. Leider.)

“When asked by the nurse filling out the hospital accident report “Cause of accident?” I stated ‘time travel attempt’ but she wrote down ‘stupidity’.”

Eigentlich geht’s in dem Eintrag um unser aller Lieblingsthema – bitte arbeite umsonst für mich –, aber der Satz ist so toll.

Ein schöner Nachklapp zum Ausdruck: Das Werk kann man jetzt auch, jaha, gedruckt bekommen. Jeriko hat genauere Anweisungen, wie’s geht.