Moon


© Sony Pictures

Moon (Moon, UK 2009, 97 min)

Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario
Musik: Clint Mansell
Kamera: Gary Shaw
Drehbuch: Nathan Parker & Duncan Jones
Regie: Duncan Jones

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Offizielle Seite

In Moon ist Sam (Sam Rockwell) seit fast drei Jahren einziger Bewohner einer Raumstation auf dem Mond. Er überwacht den Abbau von Helium-3, der zurzeit wichtigsten Energiequelle der Erde. Dafür muss er täglich mit seinem Rover zu einem riesigen Abbaugerät fahren, das sich im Schritttempo über den Mond fräst, und die Ausbeute zur Erde schicken. Sein einziger „Kumpel“ auf der Station ist ein sprechender Computer, Gerty, der in mehreren Ausführungen um ihn herumfährt, von der Decke hängt, ihm das Essen wärmt und ihn mit sonor-beruhigender Stimme fragt, wie’s ihm so gehe und ob er über etwas reden möchte: “It might help to talk about it.”

Sam hat noch zwei Wochen vor sich, bis er endlich seine Frau und seine junge Tochter wiedersehen kann, mit denen er seit dem Beginn seines Jobs nicht gesprochen hat. Die direkte Funkverbindung zur Erde ist gestört, und er bekommt daher nur aufgezeichnete Botschaften, die er ebenso nur als Aufzeichnung beantworten kann.

Das Leben auf der Station geht seit Jahren seinen Gang: Sam macht seinen Job, joggt auf dem Laufband, bastelt an einem Modell einer Kleinstadt, redet mit den Pflanzen, die er gleichzeitig liebevoll beprüht und die mit klassischer Musik beschallt werden, lässt sich von Gerty per Flowbee die Haare schneiden und zählt die Tage, bis der Job rum ist. Es wird Zeit, dass er nach Hause kommt, denn seit einer kleinen Weile sieht er seine Frau bei sich im Quartier, eine andere unbekannte Frau auf der Station, die Botschaften seiner Frau scheinen auf einmal zusammengeschnitten zu sein – kurz: Er ahnt, dass es seiner geistigen Gesundheit zuträglich wäre, endlich auf die Erde zurückzukehren.

Bei seinem nächsten Ausflug zum Abbaugerät sieht er wieder die junge Frau, diesmal mitten auf dem Mond, er konzentriert sich, starrt – und kracht mit seinem Rover in das Abbaugerät. Es wird dunkel. Er verliert das Bewusstsein. Und wacht auf der Krankenstation wieder auf. Seltsamerweise ohne das Pflaster, das er sich vor ein paar Tagen nach einer Brandwunde draufgeklebt hatte. Seine Beine wollen ihn nicht tragen, auch wenn Gerty ihm versichert, er sei nur ganz kurze Zeit krank gewesen. Und er kann sich partout nicht an den Unfall erinnern, der ihm angeblich zugestoßen sein soll.

Um es kurz zu machen: Sam ahnt, dass irgendwas faul ist, schnappt sich den zweiten Rover und fährt zum Abbaugerät, wo er den ersten Rover unberührt vorfindet. Und in ihm – findet er sich selbst. Ist der zweite Sam sein Klon? Ist er selbst ein Klon? Der Zuschauer weiß genauso wenig, was er von den beiden Sams halten soll, die sich gegenüberstehen und beide behaupten, seit drei Jahren hier zu sein. Komisch nur, dass der eine Sam weitaus verbrauchter aussieht als der andere.

Moon nimmt sich eine ganze Weile Zeit, die seltsame Situation zu etablieren. Aber genau das macht den Film so dicht: Man „kennt“ Sam einfach und weiß, dass der zweite nicht der echte sein kann. Oder etwa doch? Genau wie Sam auf der Station fragen wir uns, was zum Teufel dort oben los ist. Und bis wir die Auflösung serviert bekommen, dürfen wir Sam Rockwell bei einer sehr ordentlichen Schauspielleistung zusehen.

Obwohl er den gleichen Menschen spielt, fühlt sich jeder Sam anders an. Der eine, jüngere, ist recht jähzornig, was der „alte“ Sam wissend kommentiert: “I used to be like you.” Was der jüngere natürlich nicht versteht, denn er ist ja schließlich der echte Sam und das Wrack da drüben nur ein alter Klon. Make-up und Kostüme lassen die beiden auch anders aussehen, aber ich behaupte, man hätte die beiden auch unterscheiden können, wenn sie genau gleich ausgesehen hätten, so überzeugend stellt Rockwell seine beiden Sams dar.

Der fürsorgliche Computer wird im Original von Kevin Spacey gesprochen, dessen samtige Stimme immer gerne einen beängstigenden Unterton hat, wenn er will, was die Enge der Station und die Einsamkeit noch bedrohlicher macht. Zusätzlich kommuniziert Gerty per Smileys auf seinem Display, die die ganze Lächerlichkeit dieser Situation – ein Rechner, der menschlichen Kontakt ersetzen soll – wunderbar auf den Punkt bringen.

Die Frage, die sich schon nach wenigen Minuten stellt und die immer bohrender im Hinterkopf wird, je länger der Film dauert: Wieso tut sich ein einzelner Mensch das an? Und welches Unternehmen verlangt dieses Opfer von einem Menschen? Auch das wird Sam und Sam irgendwann klar, und auf einmal sind beide nicht mehr nur ausführende Werkzeuge, die zufällig gebraucht werden, sondern sie entscheiden aktiv über ihr Schicksal.

Mir hat Moon sehr gut gefallen. Anfangs habe ich wirklich dauernd verglichen – ist das Weiß der Station das gleiche wie bei 2001? Die Work-out-Szene durch das Fenster kenne ich doch aus Lost? Und die Schrift der Displays aus Star Trek? –, aber das legt sich netterweise recht schnell, auch wenn gerade Gerty beim Vergleich mit 2001 richtig schlecht abschneidet. Da hätte ich mir doch eine andere Drehbuchidee gewünscht, denn ich glaube, sprechende Rechner auf Raumstationen können einfach nur HAL sein. Danach kann nichts mehr kommen. (Nein, auch Otto bei WALL-E nicht.) Vielleicht ist Gerty aber auch nur eine kleine Verbeugung in Richtung Kubrick, denn – das vergesse ich manchmal gerne selbst – 2001 ist schließlich schon neun Jahre her. Wenn wir den Film als reale Blaupause ansehen, ist Gerty vielleicht die logische Konsequenz daraus.

Neben Rockwells Glanzleistung fand ich die Ausstattung sehr ordentlich, keine blöden Special-Effects oder wirre futuristische Gerätschaften, die von der Story ablenken. Ich ahne, dass man als Set-Designer bei Science-Fiction-Filmen immer ganz fies juckende Finger hat, aber hier war alles wohltuend stimmig und überhaupt nicht aufgesetzt. Was die Geschichte mit den zwei Sams noch eindringlicher wirken lässt, weil sich der Rest eben so normal anfühlt.

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Bechdel-Test bestanden?

1. Es müssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die
2. miteinander reden
3. und zwar über etwas anderes als Männer.

Es spielen zwei Frauen mit: die Tochter und die Ehefrau von Sam, die aber beide nur ein paar Sätze haben. Gerade bei Moon ist mir wieder einmal aufgefallen, dass die Hauptrolle locker auch von einer Frau hätte gespielt werden können, ohne dass die Story großartig anders wird. Und ehe jetzt wieder der Einwand kommt, der gerne von den Studios gebracht wird: Aber mit einer Frau in der Hauptrolle können sich die ganzen Kerle nicht identifizieren – als weibliche Zuschauerin wird von mir ja auch dauernd erwartet, mich mit den männlichen Hauptrollen zu identifizieren, einfach weil ich keine Alternative habe. Warum sollen Männer das nicht auch hinkriegen? Ich behaupte mal, dass sie das schaffen könnten. Ging mit Sigourney Weaver und Alien ja auch.

Was mir außerdem aufgefallen ist: die uralte Rollenverteilung. Daran knabbere ich, seit ich in der Uni vor ungefähr 15 Jahren mal ein Seminar zu Science-Fiction-Romanen belegt hatte. Wir haben die ganzen Klassiker von Asimov bis Heinlein gelesen, und in jedem verdammten Buch war die Technik so ausgefeilt wie nie, die politischen Welt- und Planetenordnungen visionär und supi, die Menschen konnten fliegen und beamen und hatten telepathische Fähigkeiten – aber Mama steht zuhause am Herd und Papa verdient im All die Kohle. Bah.

Bechdel-Test bestanden? Nope.

Leserpost

Montag abend in meinem Postfach:

„Ich lese dein Blog nun bestimmt schon seit 2-3 Jahren, und finde es schade, dass es sich in letzter Zeit zu einem “Koch- bzw. Rezepte-Blog” entwickelt. Vermisse die Zeit, in der du noch über Filme, Bücher, Serien, deinen Job und allgemeine Tagesbeobachtungen geschrieben hast.“

Zuerst wollte ich die Mail persönlich beantworten, aber dann dachte ich, machste das doch mal hier.

Ich habe das selber auch schon mitgekriegt, dass das Blog immer futterlastiger wird, und an manchen Tagen geht es mir auch auf den (haha) Keks. Aber: Das beschäftigt mich nun mal zurzeit. Oder seit ein paar Monaten. Und das geht mir wiederum so gar nicht auf den Keks, weil ich es eben jahrelang vermieden habe, mich großartig mit Essen zu beschäftigen, weil Essen ja doof war. Jetzt ist Essen toll, und deswegen schreibe ich so viel darüber.

Dass das nicht jedem (haha) schmeckt, ist mir auch klar. Aber die Futtereinträge sind im Prinzip nichts anderes als meine Tagesbeobachtungen. Ich könnte jetzt um die Rezepte noch wilde Geschichten stricken, was mir alles beim Einkaufen passiert ist oder wer neben mir im Bus gesessen hat, als ich mit den drei Tüten voller Leckereien gekämpft habe, aber wenn ich ehrlich sein darf: Das geht mir in anderen Fressblogs absolut auf die Nerven. Ich will nicht erst 100 Zeilen Blabla lesen, bevor ich weiß, wie man dieses Rezept jetzt zubereitet. Wenn es passt, lasse ich mir das gerne gefallen, aber auf Krampf eine Alltagsbeobachtung aus einem Schokokuchen zu machen, finde ich doof. Sowohl bei mir als auch bei anderen.

Aber darum geht’s ja gar nicht. Ich schreibe in dieses Blog seit Jahren rein, was mich beschäftigt. (Seit über acht Jahren, um genau zu sein. Hatte am 1. Juli Bloggeburtstag, den ich mal wieder verschlafen habe.) Im Moment beschäftigt mich Essen. Davor waren es Serien. Die beschäftigen mich immer noch, aber dafür muss ich erstmal zehn, zwanzig Folgen gucken, bevor ich was darüber schreiben möchte. Und da ich im Moment viel Zeit in der Küche verbringe oder auf Märkten oder im Internet bei Weinhandlungen, kann und will ich gerade nicht so lange vor dem DVD-Player rumlungern.

Vor den Serien waren es Filme, und da erlebe ich leider schon seit längerer Zeit eine leichte Müdigkeit. Ab und zu finde ich auf iTunes einen Film, den ich sehen und besprechen möchte, aber das wird immer weniger. Mich ins Kino aufzuraffen, fällt mir immer schwerer – auch wenn ich heute um 14.50 Uhr einen Termin mit einem Lichtspielhaus geplant habe. Ob ich ihn einhalte, seht ihr dann morgen. Jetzt schließt auch noch meine Lieblingsvideothek mit den schönen amerikanischen und englischen Filmen, die hier noch nicht im Kino waren, weil sich anscheinend der Rest Hamburgs auch nicht mehr aufraffen kann oder will … ach, ein Elend. Aber solche Filmmüdigkeiten kenne ich von mir, auch wenn sie noch nie so lange gedauert haben wie momentan.

Mittendrin gab’s dann noch die Golfphase, für die ich stapelweise nölige Mails bekommen habe, wenn ich sie mir ausgedruckt hätte. Mein Rücken findet seit einigen Jahren die Abschlagsbewegung leider richtig doof, sonst könnte ich jetzt noch mehr Leser_innen vergrätzen, indem ich weiterhin meine Stunden auf der Range oder den hoppeligen Grüns in Moorfleet beschreibe. (Und danach mach ich Fotos von den Sandwiches im Clubrestaurant, haha.)

Und dann gab’s ganz am Anfang meine deprimierte Singlephase, die in eine fies verknallte Pärchenphase mündete (die netterweise noch anhält). Auch da gab’s Beschwerden: Zuerst die „Stell dich nicht so an“-Mails und dann die „Mann, wir waren alle schon mal verliebt“-Mails, die weniger Zuckerguss im Blog wollten.

Um nochmal auf die Leserpost zurückzukommen, die übrigens mit Anrede und Rausschmeißerfloskeln wirklich freundlich und okay klang und über die ich auch nicht böse bin, ABER: Ich setze mich nicht alle sechs Monate hin und überlege mir, wie ich meine Leserschichten umkrempeln kann. Ich fange nicht an zu kochen, um mir neue Follower zu ergaunern oder meinen Counter in die Höhe zu jagen (oder auf Null zu kriegen). Ich koche, weil es mir jetzt gerade Spaß macht. Genau wie mir Golf Spaß gemacht hat und der eine oder andere Film. Und deswegen schreibe ich drüber. Da steckt kein Plan dahinter. Das ist mein Leben. Und ihr dürft dabei zugucken.

Und wenn ich was mache, was euch langweilt, gibt’s direkt nebenan Blogs ohne Rezepte.

Aber wenn ich in einem Jahr mit Snooker anfange und ihr das nicht mitkriegt, weil ihr lieber woanders lest, dann nölt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Edit 17.30 Uhr, noch mehr Leserpost: „Ich lese gerne Kochrezepte, aber dennoch: Fang bitte mit Snooker an!“ Hehe.

The Damned United


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The Damned United (The Damned United – Der ewige Gegner, UK/USA 2009, 98 min)

Darsteller: Michael Sheen, Colm Meany, Timothy Spall, Jim Broadbent, Maurice Roëves, Stephen Graham, Peter McDonald
Musik: Robert Lane
Kamera: Ben Smithard
Drehbuch: Peter Morgan, nach einem Roman von David Peace
Regie: Tom Hooper

Trailer

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In The Damned United geht es um Brian Clough, “the best manager England never had”. Cloughs Biografie kann man auf der Wikipedia nachlesen; er galt als einer der besten Trainer, der in der englischen Liga gearbeitet hat, und sein zweifacher Gewinn des Europapokals der Landesmeister hintereinander (heute Champions League) mit Nottingham Forest 1979 und 1980 ist bis heute nicht erst einmal wiederholt worden. Gleichzeitig galt Clough aber auch als absoluter Egomane, der nie ein Blatt vor den Mund nahm und für den Erfolg wahrscheinlich seine tote Mutter verkauft hätte. Für seine Spieler war er allerdings ein Held: ein erfolgreicher Jugendspieler, der nur durch eine Verletzung an der ganz großen Karriere gehindert wurde, und ein Motivator sondergleichen.

Im Film spielt der wie immer wundervolle Michael Sheen die Hauptrolle, und wenn man sich Originalaufnahmen anschaut, ist es gespenstisch, wie nah er Clough kommt, in seiner Mimik, Gestik, den Akzent, selbst die Sprachmelodie kann er imitieren, ohne dabei wie eine schlechte Kopie auszusehen. The Damned United beruht auf dem gleichnamigen Buch von David Peace, das sich relativ viele Freiheiten bei der Geschichte nahm (sagen jedenfalls Angehörige und Menschen, die im Buch vorkommen). Der Film bleibt etwas näher an der Realität, überspitzt aber natürlich auch.

Er konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1969 und 1974; 1969 war Clough Trainer bei Derby County, das am Ende der zweiten Liga herumkrebste. Zusammen mit seinem Freund und Assistenten Peter Taylor brachte er den Verein in wenigen Jahren an die Spitze der ersten Liga – aber soweit sind wir noch nicht. Es ist 1969, und im Rahmen eines Pokalspiels erwartet Derby einen der Spitzenvereine: Leeds United, das damals von Don Revie trainiert wurde (die Jahre von Revie in Leeds werden heute als die „Glory Years“ bezeichnet). Clough bereitet nicht nur die Mannschaft auf diese Ehre und das große Spiel vor, nein, er putzt eigenhändig das „Visitors“-Schild an der Gästekabine, legt dort selbst die Handtücher raus und stellt sogar jedem Spieler liebevoll eine Orange samt Kristallschälchen für die Schalen an den Platz. Dann geht er in sein Büro, holt die guten Gläser aus dem Schrank und dreht die Flasche französischen Weins mit dem Etikett zu dem Stuhl, auf den er Revie einladen möchte. Bei jedem Handgriff wird klar, wie sehr sich Clough auf die Begegnung mit dem Meistertrainer und dem großen Verein freut, und der Film zelebriert diese Vorfreude in sehr liebevollen, ruhigen Einstellungen, die ganz ohne Musik auskommen.

Dann ist der Tag da, der Mannschaftsbus von Leeds rollt an, traditionell steigen die Spieler 100 Yards vor dem Stadion aus und gehen den Rest des Wegs zu Fuß – und gruß- und wortlos an Clough und Taylor vorbei. Revie (Colm Meany) nickt ihm nicht einmal zu, sondern schaut durch ihn, den kleinen Zweitligavereintrainer, hindurch. Leeds gewinnt und fährt wieder ab. Die Flasche Wein bleibt ungeöffnet.

Der Film nimmt diesen Moment als Ausgangspunkt für die Motivation Cloughs, es Don Revie zu zeigen. Dabei arbeitet er mit einem simplen Kniff, der The Damned United ganz einfach sehr spannend macht: Er beginnt 1974, als Clough es scheinbar geschafft hat. Er ist gerade Trainer bei Leeds geworden und gibt schon großspurige Fernsehinterviews, bevor er überhaupt mit der Mannschaft geredet hat. Dann springen wir zurück ins Jahr 1969, wo der Grundstein für diesen scheinbaren Erfolg gelegt wurde. Und wieder zurück ins Jahr 1974, wo Clough feststellen muss, dass er bei Leeds alles andere als willkommen ist.

Um die Pointe vorwegzunehmen: Clough konnte sich gerade 44 Tage bei Leeds halten. Seine Mannschaft spielte von Anfang an gegen ihn, was man ihr aber nicht einmal verübeln kann. Cloughs Antrittsrede lautete (laut Film) folgendermaßen: “The first thing you can do for me is to chuck all your medals and all your caps and all your pots and all your pans into the biggest fucking dustbin you can find, because you’ve never won any of them fairly. You’ve done it all by bloody cheating.” Ab sofort wehe ein neuer Wind, man werde jetzt schönen Fußball spielen, ehrlichen Fußball, the beautiful game eben. Das Resultat, wenn ich mich richtig erinnere: sechs Niederlagen, der schlechteste Saisonstart seit 20 Jahren und der vorletzte Platz in der Tabelle. Auch hier wieder eine schöne Idee, die Niederlagen zu zeigen, ohne dauernd Spielszenen einbauen zu müssen: Wir sehen die Spieler, wie sie von Clough angefeuert werden, mit frisch-dynamischer Musik den Gang zum Stadion antreten, Clough ballt die Faust, alles wird gut – und in diesem Moment erscheint am unteren Bildrand trocken das Endergebnis: Leeds 0, Gegnerteam 1.

Das Besondere an The Damned United: Er ist ein Sportfilm, der mit sehr wenig Sport auskommt. Die wenigen Momente auf dem Platz verdeutlichen die ruppige Spielweise von Leeds oder Cloughs Treffsicherheit, die auch nach zehn Jahren auf der Trainerbank noch funktioniert. Ansonsten bleibt der Film in den Kabinen, hinter den Kulissen und in Fernsehstudios, wo wir Clough dabei zusehen, vom ambitionierten Trainer zum Großmaul zum kleinlauten Arbeitslosen zu werden. Ebenfalls bemerkenswert: die gelungene Mischung aus Original- und Spielszenen. Man hat sich netterweise ziemlich zurückgehalten, was reinmontierte Gesichter in altes TV-Material angeht, aber die wenigen Bilder, die nachgestellt wurden, funktionieren.

Mir hat neben den wirklich großartigen schauspielerischen Leistungen die Ausstattung und Farbigkeit gefallen. Klar sind Filme, die in den 70ern spielen, immer ein bisschen schwerverdaulich, gerade wenn Tapeten oder „elegante“ Oberbekleidung im Bild sind, aber The Damned United hat für mich ein ganzes Jahrzehnt korrekt bebildert. Ich verbinde mit den 70ern immer eine ganz bestimmte Atmosphäre, alle Bilder aus der Zeit sehen für mich zu dunkel und zu grün aus, die Gesichter immer zu rot und großporig, und alles wirkt schwer und muffig. Genau diese Farbigkeit hat der Film – und schafft es trotzdem, wunderbare Einstellungen zu finden.

Viele Bilder sehen aus wie Studien für Gemälde; wenn Peter und Brian sich über den Verein unterhalten, könnte man einfach nur ihre Gesichter zeigen. Man könnte aber auch die sehr grafisch aussehenden, mehrstöckigen Häuser im Hintergrund mitnehmen, die die beiden Menschen ganz einfach in eine Arbeiterumgebung stellen, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Oder der harte Kontrast zwischen dem düsteren Yorkshire und Cloughs nächstem Arbeitsplatz Brighton: Auf einmal hat der Film Sonne und Strand und Meer und blauen statt grauen Himmel – und alles, was Clough dazu sagt, ist: “We’re nearly in fucking France.” Wie sehr sich die Dynamik ändert, zeigen kleine Details: Wo wir in Derby jubelndes Publikum haben, durch die Straßen rennende Fans, Clough beim Rumwirbeln in den Gängen des Stadions, haben wir in Brighton ein älteres Ehepaar, das eine Gehhilfe vor sich herschubst.

Meine Lieblingsszene – die garantiert pure Fiktion ist – spielt im Büro von Clough, genau dem Büro, in dem er vergeblich die Flasche Wein platziert hat. Nur wenige Jahre später spielt Derby in der 1. Liga gegen den Erzfeind – und Clough erlebt das Spiel nicht draußen auf der Trainerbank, sondern in seinem Büro, das unterhalb der Fankurve liegt. Von draußen sickert Licht in seinen dunklen, holzgetäfelten Raum, und sobald das 1:0 fällt, springen die Zuschauer auf und zerteilen das Licht durch ihre Beine in ein flirrendes, vibrierendes Leuchten. Und Clough scheint darin zu baden.

Trotz der schönen Bilder ist der Film ein harter Brocken: Clough ist alles andere als „der nette Herr Trainer von nebenan“. Schon in den ersten Einstellungen wird er einem so richtig schön unsympathisch, und mit seinen noch nicht fersehtauglich rundgetrimmten Gesten kommt er im TV-Interview wie ein kleiner, blöder Sonnenkönig rüber. Nach 90 Minuten Männergezicke war ich mir ziemlich sicher, dass auch Kriege aus persönlichen Eitelkeiten begonnen werden, wenn man sich schon in sowas Nebensächliches wie Fußball so reinsteigern kann. Aber seltsamerweise hat mir genau das so gut an The Damned United gefallen: einen Helden zu haben, der absolut keiner ist und dem man zunächst wünscht, so richtig auf die Fresse zu fliegen. Und wenn er das dann tut, möchte man ihm sofort wieder hochhelfen.

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Bechdel-Test bestanden?

1. Es müssen mindestens zwei Frauen mitspielen, die
2. miteinander reden
3. und zwar über etwas anderes als Männer.

Es spielen, wenn ich richtig hingeschaut habe, genau zwei Frauen mit, die etwas sagen dürfen, nämlich die beiden Ehefrauen von Clough und Taylor. Die eine ist drei, die andere 30 Sekunden zu sehen. Das war’s. Sonst nur Kerle. Nicht mal im Fußballpublikum habe ich Frauen gesehen. Beängstigend.

Bechdel-Test bestanden? Aber sowas von überhaupt nicht.

Banana Bread

Dieses Rezept [nicht mehr online] ist der Hammer. Das Bananenbrot ist sehr saftig und das nicht nur fünf Minuten, nachdem es aus dem Ofen kommt. Und durch den Espresso und das Stöffschen drin bekommt es einen ganz feinen Beigeschmack, ohne dass man wirklich Kaffee oder Alkohol durchschmeckt.

350 g überreife Bananen (bei mir waren das genau zwei)

in einer Schüssel zermatschen.

1 Ei und
1 Esslöffel Sour Cream oder Jogurt unterrühren. Anschließend

75 g geschmolzene Butter,
1 Schnapsglas Espresso,
2 EL Whisky unterrühren. Zum Schluss

150 g Zucker,
1 TL Backpulver,
1 TL Salz und
175 g Mehl, Type 405 unterrühren.

Alles in einer Schüssel, alles ohne Mixer. Den wundervollen Schlotz in eine kleine Kastenform geben (eine 30-Zentimeter-Form wird nur halbvoll, wie man auf dem Bild sieht) und im auf 175° vorgeheizten Ofen ungefähr eine Stunde backen.

Seelachs in Persillade mit Essigkartoffeln

Zwei Rezepte auf einmal ausprobiert – und dazu noch einen meiner beiden neuen Lieblingsweine getrunken. Verdammtes Delinat-Degustierpaket.

Die Essigkartoffeln stammen, wie viele Rezepte neuerdings, von 101 Cookbooks, der Persilladenfisch mal wieder aus dem ad-hoc-Kochbuch. Ich mochte die Kombination sehr gerne, und sie wurde wunderbar ergänzt durch diesen Wein, einen Viña Llopis aus Valencia, den ich seit einer Woche zu allem trinke und der mit allem klarkommt: säurehaltige Dressings, milder Mozzarella, Knoblauchbrot, alles egal, das Weinchen passt sich allem an. Pur schmeckt er recht herb, das Fruchtige kommt durch, aber ich finde ihn sehr mineralisch. Sobald allerdings ein würziges Essen dazukommt, wird er deutlich milder, ohne seinen Charakter zu verlieren – und seine Fruchtigkeit ist auf einmal süßlicher, ohne lieblich zu werden. Großartig.

Der andere Wein im Degustierpaket war übrigens noch besser: Der alr Vinho Verde hat mich davon überzeugt, dass nicht jeder Vinho Verde nach Luft und Wasser schmeckt. Der hier siedelt sich zwischen meinem bisherigen Lieblingswein, dem Gelben Muskateller vom Pollerhof, und so ziemlich jedem Soave an, den ich in letzter Zeit getrunken habe. Er ist sehr fruchtig und mild und eher zum Nebenbeitrinken geeignet. Im Zusammenspiel mit würzigem Essen wird er noch milder und geht ein winziges bisschen unter. Aber wirklich nur ein winziges bisschen. Ich werde mir von beiden Weinen ein kleines Kistchen bestellen. (Ich brauche mehr Freunde mit mehr Zeit, sonst kriege ich die ganzen Schätze nie alle, die schon in meiner Speisekammer lagern.)

Aber jetzt endlich zum Essen. Die Essigkartoffeln sollen eigentlich gegrillt werden, was bei uns nicht geht, weil nix Grill und nix Grillpfanne. Es waren dementsprechend eher nach Essig schmeckende Bratkartoffeln, aber trotzdem lecker.

Kartoffeln schälen und in circa 0,3 bis 0,5 Zentimeter dicke Scheiben schneiden. In einen Topf umsiedeln und mit Essig (ich habe Weißweinessig genommen) auffüllen, bis alle Kartoffeln bedeckt sind. Zum Kochen bringen, kurz aufkochen, bei mittlerer Hitze noch fünf Minuten weiterköcheln lassen und dann vom Feuer nehmen. Die Kartoffeln circa 30 Minuten im Essig auskühlen lassen und in eine Schüssel umsiedeln. Dort ganz vorsichtig mit Olivenöl, schwarzem Pfeffer und Meersalz marinieren – deswegen die relativ kurze Kochzeit: Wenn man sie schon durchgart, könnten sie beim Marinieren auseinanderfallen. So sind sie erst halbgar und bekommen nun auf dem Grill – oder eben in einer Pfanne – noch Farbe.

Den Seelachs (oder Dorsch) waschen, trockentupfen und mit Meersalz würzen. In einer kleinen Schüssel ein wenig kaltes Wasser bereitstellen, in einer zweiten einen Teelöffel Dijonsenf. In einem tiefen Teller Brotkrumen (bei uns waren es fertige Semmelbrösel) mit fein gehackter Petersilie vermischen. Einen Pinsel im Wasserschüsselchen befeuchten und durch den Senf ziehen; dadurch wird er streichfähiger. Eine dünne Schicht Senf auf den Fisch streichen und die bestrichene Seite in die Brotkrumen-Petersilie-Mischung tauchen.

Pflanzenöl in einer ofenfesten Pfanne heiß werden lassen; die Hitze auf mittlere Stärke zurückdrehen und dann den Fisch mit der Brotseite nach unten kurz anbraten, bis die Persillade gebräunt ist (circa ein bis zwei Minuten). Dann die Pfanne in den auf 180° vorgeheizten Ofen geben und den Fisch fertiggaren, circa acht bis neun Minuten.

Mir persönlich waren die Kartoffeln deutlich zu essiglastig; beim nächsten Mal werde ich 2/3 Essig auf 1/3 Wasser ausprobieren. Ich mochte die Säure sehr gerne, aber ich hätte sie gerne etwas milder gehabt; hier kommt sie sehr selbstbewusst reingepoltert und setzt sich erstmal breitbeinig auf die guten Stühlchen. Der Fisch dagegen war toll: Von der Persillade habe ich leider so gut wie nichts geschmeckt, aber die Konsistenz des Seelachs’ war perfekt. Ich bilde mir ein, inzwischen halbwegs okayen Fisch hinzukriegen, aber so zart und saftig war er noch nie. Beim nächsten Mal werde ich „echte“ Brotkrumen nehmen statt des Fertigzeugs (vielleicht wäre Panko auch eine Idee) und etwas frischere Petersilie; dieses Sträußchen stand auch schon ein paar Tage bei uns rum. Und mehr Senf, von dem habe ich gar nichts geschmeckt.

Beides zusammen war eine wunderbare Kombination: die sehr würzigen Kartoffeln mit dem eleganten Fisch haben prima zusammengepasst. Und der Wein, ach der Wein, ich mach jetzt die Flasche leer und hör auf zu bloggen.

“Where have all the sphinxes gone?”

Die NYT über moderne Stars, die sich selbst jener geheimnisvollen Aura berauben, die zum Beispiel Greta Garbo unsterblich gemacht hat:

“The world, you see, no longer has any tolerance for – let alone fascination with – people who aren’t willing to publicize themselves. Figures swathed in shadows are démodé in a culture in which the watchword is transparency.

Increasingly, the perception is that everyone is knowable, everyone is accessible and that everyone is potentially a star. Facebook, YouTube, Twitter, blogs, personal Web sites with open-door chat rooms, the endlessly proliferating television reality shows are now commonplace forums for the famous who want to seem like ordinary people and for ordinary people who want to seem famous. Us magazine’s rubric “Stars, they’re just like us!” has now been inverted to “Us, we’re just like stars.””

Weder Fisch noch Fleisch?

„Um herauszufinden, wie viel Fleisch ich eigentlich zu mir nahm, habe ich vor einem Monat mit dem Nichtessen von Fleisch begonnen. Ich dachte nämlich, ich äße wenig davon. So wie jeder, mit dem ich darüber gesprochen hatte.

Tatsächlich war Fleisch häufig Bestandteil meiner Nahrung, wenngleich nicht unbedingt in großen Mengen: Auf dem Bagel, in der Sauce, im Salat, auf dem Flammkuchen, mit den Pommes, zum Gemüse, überm Reis. Ich war überrascht.“

In Maikes Eintrag versteckt sich auch ein Beitrag von World Press Photo aus einem italienischen Schlachthof.

Ich behaupte auch, nur wenig Fleisch zu essen, und seit dem Foodcoaching nur noch welches von glücklichen Tieren (heißt: Bio-Zertifikat oder vom Metzger, der sein Fleisch aus der Hamburger Umgebung bezieht). Aber: Wo meine Pastrami aus der leckeren Theke bei Edeka herkommt, weiß ich nicht. Also nur fast „von glücklichen Tieren“. Hm.

Wenn ich mich recht an diese Woche erinnere, gab’s bei uns kein einziges Mal Fleisch, eben bis auf den Aufschnitt. Nudeln mit frischer Tomatensauce, Zucchinisalat, haufenweise anderen Salat, Caprese – aber bei den Temperaturen hatte ich auch einfach keine Lust auf Schweinebraten. Heute abend gibt’s Fisch, den ich tiefgefroren gekauft habe, und da habe ich endlich mal auf das MSC-Siegel geachtet. Deswegen gibt’s Seelachs – das war die einzige Packung bei diesem speziellen Edeka, die das Siegel trug.

Limetten-Frischkäse-Eis

Die Titanic hatte vor Jahren mal das wunderbare Titelblatt „Frauen können keine Quadrate zeichnen“. Daran muss ich immer denken, wenn ich versuche, Eiskugeln zu machen, denn: Ich kann keine Eiskugeln machen. Wir haben zwei Kugelformer mit zwei unterschiedlich-raffinierten Mechaniken, und ich kriege bei beiden keine Formen raus, die auch nur annähernd wie eine Kugel aussehen. Ach, und Nocken kann ich auch nicht abstechen. Und meine Serviervorschläge auf meinen Futterfotos sind auch eher Mitropa, aber ich möchte euch dieses Eis trotzdem ans Herz legen, weil es einfach so toll ist. Auch wenn’s nicht toll aussieht.

Das Originalrezept steht hier, und ich habe es halbiert. Dann reicht es für zwei sehr ordentliche Portionen (wenn ich Kugeln hinkriegen würde, würde ich sagen, sechs bis acht Kugeln). Beim Ostwestwind steht übrigens auch, wie man den Schlotz ohne Eismaschine produzieren kann.

100 ml Schlagsahne

halbsteif schlagen. („Halbsteif“ ist übrigens mein Gnihihi-Wort. Wo andere sich über Kaká freuen, freue ich mich über „halbsteif“. Gnihihi.)

In einer zweiten Schüssel

65 ml frisch gepressten Limettensaft mit
250 g Frischkäse und
100 g Puderzucker vermischen.

Die Gourmets nehmen Mascarpone, wir hatten halt Frischkäse im Haus. Und keine 100 g Puderzucker mehr, sondern nur 80, was aber toll war, weil so das Eis noch säuerlicher geschmeckt hat.

Die Sahne unter die Frischkäsecreme heben und alles in der Eismaschine verarbeiten. Das Eis schmelzt äußerst cremig und frisch vor sich hin und erinnert sehr an Frozen Yogurt. Ach ja, ich brauch dann mal ein Frozen-Yogurt-Rezept.

Pseudo-Panzanella mit Knoblauchcroutons

Nathalie von Cucina Casalinga wies mich neulich per Twitter auf Panzanella hin, einen schnell gemachten Salat – an dem sich aber die Geister der Traditionalisten scheiden. Eigentlich gehört in den Salat nämlich angematschtes Weißbrot, was ich so gar nicht mag. Ist das Brot noch als Brot erkennbar, ist der Salat kein Panzanella. Bei uns gibt’s dementsprechend Pseudo-Panzanella, aber dafür mit Croutons à la ad hoc.

Für den Salat Tomaten, Gurken, rote Zwiebeln und Basilikum mischen und mit Essig und Olivenöl anmachen. Und ich werfe seit Tagen diese Croutons darüber, die aus dem bereits angepriesenen ad-hoc-Kochbuch stammen.

Herr Keller nennt die Köstlichkeit torn croutons. Für eine satte Portion

5 Knoblauchzehen, geschält und angedrückt, in neutralem Öl bei mittlerer Hitze braun werden lassen, bis das Öl den Knoblauchgeschmack angenommen hat. Laut Buch liegt die Ölmenge bei 1/8 inch, aber leider wird nicht gesagt, wie groß die Pfanne denn sein soll. Also nach Augenmaß.

In das Knoblauchöl nun ein, zwei Handvoll mundgerechte Weißbrotstücke geben, die man von einem Baguette oder Ciabatta gezupft hat. Laut Rezept ohne Kruste, aber ich mag Kruste. Die Brotstücke sollten alle bequem in der Pfanne Platz haben. Circa zwei Esslöffel ungesalzene Butter dazugeben und erhitzen: “The oil and the butter should be bubbling, but if you hear sizzling, the heat is too high.” Notfalls die Hitze nachjustieren, die Croutons oft wenden und ungefähr 15 bis 20 Minuten braten, bis sie goldbraun und knusprig sind. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, sind sie innen noch zart und saftig. Und voller Öl und Butter, aber das ignoriere ich seit Tagen, weil die Dinger einfach so, so lecker sind. Vor allem mit total untraditionellen italienischen Salaten.

What the fuck should I make for dinner?

Kochbloggen cut to the chase: What the fuck should I make for dinner? Via Nickys Gezwitscher.

Ananas-Kokos-Konfitüre

Welche Qualen ich bei der Zubereitung der Konfitüre erleiden musste, habe ich ja bereits aufgeschrieben. Glücklicherweise haben sich die Schmerzen gelohnt, denn das Zeug ist nicht nur hübsch, sondern auch lecker, und geht ratzfatz zu machen. Wenn man auf korrekte Oberbekleidung achtet.

Das Originalrezept steht hier und ich habe es halbiert; bei mir sind knapp drei Gläser damit vollgeworden.

400 g frische Ananas

teilen. Die eine Hälfte in kleine Stücke schneiden, die andere pürieren. Beides mit

50 g Kokosraspeln,
35 ml Kokossirup (z.B. von Monin),
1 Prise Salz und
500 g Gelierzucker 1:1

in einem großen Topf vermischen. Die Mischung ein paar Stunden ziehen lassen, dann aufkochen, circa drei Minuten bis zur Gelierprobe* kochen und bei Gelingen in ausgekochte Gläser füllen.

* Die musste ich erstmal ergoogeln: Einen Teelöffel Marmelade auf einen Teller füllen, am besten in den Kühlschrank damit und kurz warten. Wenn die Probe fest wird, ist die Marmelade fertig, wenn nicht, muss sie noch etwas kochen. Nicht zu lange: Bei meinem Gelierzucker stand auf der Packung, dass er nicht länger als acht Minuten kochen sollte.

Die Marmelade im Bild ruht übrigens auf selbstgebackenen Milchbrötchen, deren Rezept ihr hier findet. Ich glaube, mein Teig war etwas zu fest, denn bei Milchbrötchen denke ich an das fluffig-süße Zeug vom Kettenbäcker, das ich sehr gerne mag. Diese Brötcher hier waren eher, und das meine ich nicht böse, sondern historisch-korrekt, DDR-Qualität. Mit DDR-Brötchen verbinde ich eine sehr feste Konsistenz und weitaus weniger Süße. So haben die geschmeckt. War nicht das, was ich haben wollte, war aber trotzdem lecker.

Abgebrannt

Hat sich ja bei Twitter und in einigen Blogs schon rumgesprochen: Melody/Carola Heine, eine der ältesten Bloggerinnen Deutschlands, ist mit Mann und Tochter über Nacht obdachlos geworden, als ihre Wohnung abbrannte. Jetzt kann „offiziell“ gespendet werden und zwar hier.

Ich habe zwar geschrieben, dass ich das Flattr-Geld vom letzten Monat dem Deutschen Roten Kreuz spenden wollte, aber ich hoffe, ihr seid damit einverstanden, dass ich das lieber für diesen Zweck einsetze. (Das Geld war ab dem 10. Juli abrufbar, und ich habe es bräsigerweise noch nicht gemacht, nur falls sich jemand wundert, dass ich am 2. Juli groß vom Spenden rede und bis heute nix passiert ist.)

Ich wünsche der ganzen Familie die Kraft, die sie jetzt braucht – und von euch wünsche ich mir, dass ihr die fünf bis zehn Euro, die ihr heute vielleicht in der Mittagspause verbraten hättet, spenden würdet. Danke.

Pfefferminzeis mit Schokostückchen

Der Herr Siepert und ich waren am Donnerstag im Kochkontor, einer extrem verführerischen Kombination aus Kochbuchladen und Restaurant. Zur Mittagszeit werden zwei Gerichte angeboten, die aus bereitliegenden Büchern zubereitet werden. Wir hatten beide den leckeren Caesar’s Salad à la Jamie Oliver, und ich war versucht, mir gleich das Buch dazu zu kaufen, aber Herr Siepert schwärmte dann so sehr von einem anderen Buch, dass ich eben das durch die Hitze nach Hause wuchtete.

ad hoc ad home ist mal wieder ein Buch zur Location: French-Laundry-Chef Thomas Keller hat 2006 das ad hoc eröffnet, das eigentlich nur eine temporäre Angelegenheit sein sollte, inzwischen aber eine ständige Einrichtung geworden ist. Dort wird täglich nur ein Menü für 49 Dollar serviert, iss es oder lass es. Das Restaurant ist eher family style, kein prätentiöser Michelin-Schnack, sondern „einfach“ gutes Essen. Das Kochbuch dazu wiegt ungefähr fünf Kilo, und Florian meinte, die Rezepte seien jetzt nichts unfassbar Neues, aber es schmeckt eben alles ein bisschen besser als sonst.

Mich lachte ja sofort die Blumenkohlsuppe mit Rote-Bete-Chips und Knoblauchcroutons an, aber der Jahreszeit entsprechend habe ich als erstes Rezept aus dem Wälzer lieber ein bisschen Eis angerührt.

(Bei den derzeitigen Temperaturen war das Eis schon stark angeschmolzen, bevor ich überhaupt die Digiknipse angeschaltet hatte.)

Immerhin weiß ich jetzt, warum Sterneküchen teurer sind als die Kneipe nebenan – die brauchen einfach mehr Material. Für das Rezept braucht man, wenn man sich gnadenlos ans Buch hält, drei große Töpfe bzw. tiefe Pfannen, zwei Schüsseln, ein bis drei Siebe, je nachdem, ob man’s zwischendurch mal abwäscht oder nicht, eine riesige Tupperdose und natürlich die Eismaschine. Bei den Rezepten aus dem Ben & Jerry’s-Buch habe ich nie mehr als zwei Töpfchen gebraucht, aber ich muss zugeben: Der Geschmack ist bei den Jungs auch eher mitten durch die Brust ins Auge und nicht so wie hier, eher subtil und elegant.

Für knapp 1,4 Liter Eis braucht man:

480 ml Vollmilch
480 ml Sahne
15 bis 20 g frische Minze
320 g Zucker
10 Eigelbe (mit den 10 Eiweißen kann man prima diesen Kuchen backen)
100 g dunkle Schokolade, mindestens 55% Kakaogehalt. Ich habe die 70%ige von Lindt genommen, in kleine Stückchen gehackt

1. Topf. Sahne, Milch und Minze in einen großen Topf oder eine tiefe Pfanne geben und zum Kochen bringen. Kurz aufkochen, von der Flamme nehmen und 20 Minuten stehenlassen, damit das Minzaroma in die Flüssigkeit übergeht.

2. Topf. Die Sahnemilch durch ein Sieb in einen weiteren, ebenso großen Topf umgießen. Ungefähr ein Drittel des Zuckers dazugeben und erwärmen, bis kurz vor dem Zeitpunkt, an dem die Flüssigkeit zu kochen beginnt. Ständig rühren, damit sich der Zucker auflöst.

1. Schüssel. In einer Schüssel die zehn Eigelbe mit dem restlichen Zucker zu einer hellen, cremigen Masse verschlagen. Eine gute Kelle der heißen Sahnemilch dazugeben, immer schön weiterschlagen, noch ne Kelle Milch, weiterschlagen, und so weiter, bis die ganze Milch bei den Eiern angekommen ist.

2. Schüssel. Eine große Schüssel in ein Eisbad stellen.

3. Topf. Die Eiersahnemilch in einen weiteren, größeren Topf sieben und stark erwärmen. Dabei stetig mit einem Holzlöffel umrühren, den Boden und die Seitenwände nicht vergessen, bis die Masse dickflüssiger wird und Dampf aufzusteigen beginnt. Die Masse sollte nicht mehr flüssig sein, sondern den Löffel ummanteln (“coat the spoon“). Alles in die Schüssel im Eisbad geben und auskühlen lassen, ab und zu umrühren.

Die Masse dann in einem geeigneten Behälter im Kühlschrank kalt werden lassen, am besten über Nacht. Das habe ich nicht ausgehalten; ich habe die Masse morgens zubereitet und abends in die Eismaschine geworfen.

Die Eiersahnemilch in der Eismaschine nach Herstellerangaben zubereiten; kurz bevor die Masse fertig ist, die kleingehackten Schokostückchen dazugeben.

Meine Eismaschine fasst nur einen Liter, daher werden wir von dem Eis gleich zwei Tage etwas haben. Angeblich hält sich die Masse auch, laut Buch, “several days“. Das will ich sehen, dass jemand an diesem Eis “several days” vorbeirennt, denn es ist sehr, sehr cremig, kein einziges Eiskriställchen drin, der Minzgeschmack sehr frisch und natürlich im Gegensatz zu dem After-Eight-Geschmack, den man sonst so von Pfefferminzeis kennt. Bei der Schokolade würde ich nächstes Mal allerdings zur 50%igen Lindt greifen; die 70er war mir im Kontrast zur frisch-süßen Creme etwas zu herb.

Angel Food Cake

Ich habe keine Ahnung, warum dieser Kuchen diesen seltsamen Namen hat*, und ich habe online viele verschiedene Varianten gefunden. Meine ist mal wieder auf möglichst wenig Gehässl runtergedummt und schmeckt ziemlich simpel und gut.

In einer Schüssel

300 g Zucker mit
200 g Mehl vermischen.

In einer weiteren Schüssel

10 Eiweiße mit
1 Prise Salz

zu fast steifem Eischnee schlagen. (Mit den 10 Eigelben kann man prima dieses Eis machen.) Der Eischnee sollte nicht bretthart sein, sondern beim Durchziehen mit dem Schneebesen oder dem Mixer kleine Zipfelmützchen hinterlassen, die wieder einsinken, wenn der Schneebesen weg ist. Den Eischnee dann unter Zucker und Mehl heben, noch

2 TL Vanillesirup

dazugeben und den zähflüssigen Teig in eine gebutterte Kastenform geben. Im auf 160° vorgeheizten Backofen 50 bis 60 Minuten backen. Der Kuchen hat eine schwammartige Konsistenz, die eindeutig leckerer ist als sie sich anhört. Der Kerl meinte: „Wie ne Schaumgummimatratze“, hat aber natürlich trotzdem alles aufgegessen.

* Edit: Aber Papa Scott weiß Bescheid, danke für den Tweet. “Angel Food Cake is named because it’s lighter than Devil’s Food Cake. And out of the tube-pan it is halo-shaped.”

Initiationsriten

Seitdem die Damen hinter Delicious Days und Cucina Casalinga mich in ihren RSS-Feeds unter „Foodblogger“ einsortiert haben, trage ich mein Näschen ein kleines bisschen höher. Auch wenn ich mich selber eher unter „Bemühte Rumköchelblogger mit Nachholbedarf“ einsortieren würde, aber ich möchte ja niemandem seine oder ihre RSS-Feed-Ordner vorschreiben, neinnein. Seit 30 Minuten trage ich die Nase jetzt aber ganz weit oben, denn ich habe es geschafft, mir meine erste Verletzung zu erkochen. Meiner Meinung nach ein Top-Deluxe-Aufnahmeritual.

Ich habe aber nicht so was Banales wie „halbe Fingerkuppe mit dem neuen japanischen, 120mal gefalteten Gemüsemesser abgetrennt“ hingekriegt oder „Augenbrauen am Original-amerikanischen-Gasflammenofen im Format 2 x 2 m versengt“. Nein, ich habe es geschafft, mich am Rücken zu verbrühen.

Eins der drei Rezepte, die ich mir für diesen Samstag vorgenommen hatte (alle drei schon erledigt, was mach ich denn jetzt?), war diese wundervoll klingende Ananas-Kokos-Konfitüre. Marmeladekochen habe ich als Kind immer bei Mama mitgekriegt und dabei einen ordentlichen Respekt vor der harmlos-obstig-bunten, aber fies heißen Masse eingeimpft bekommen. Die war schon mal nicht schuld, der habe ich mich tunlichst nur mit Teelöffel und Tellerchen für die Gelierprobe genähert. (Nachdem ich gegoogelt hatte, was diese seltsame Gelierprobe überhaupt ist.) Ich wusste von damals auch noch, dass die Gläser ausgekocht sein sollten, in die man die Marmelade füllt. Wir hatten zuhause einen riesigen Kessel, der gefühlt 30 Gläser fasste. Den habe ich natürlich nicht, und in meinem größten Topf kochte ja auch schon die Marmelade. Also habe ich zum größten Topf vom Kerl gegriffen, mit dem ich sonst nie koche, weil der aus Gusseisen ist und somit viel zu schwer für meine zarten Ärmchen.

In diesem eisernen Topf kochten also lustig meine Gläschen, die Gelierprobe war vielversprechend, ich wollte den Gläsertopf vom Herd ziehen, um die Gläser rauszuheben, ohne dauernd kochend-heißes Wasser abzukriegen, das auf der Flamme vor sich hinblubbern würde, griff also beherzt an die Topfgriffe – und merkte in dem Moment, ach ja, die sind ja nicht isoliert, NOCH EIN GRUND, WARUM DU NIE MIT DIESEM VERF***TEN TOPF KOCHST.

Ich habe beim Kochen immer ein Geschirrhandtuch über der Schulter hängen. Ich hatte mal versucht, mit Schürze zu kochen, aber das ging mir auf den Zeiger, dass ich immer dieses Band im Nacken hatte. Ich brauche aber trotzdem irgendwas, an dem ich dauernd meine Finger saubermachen kann. Lu hatte mir beim Coaching gezeigt, dass sie ihr Handtuch immer in den Hosenbund klemmt, aber das fand ich auch eher unkommod für mich. (Damit meine ich nicht, dass ich für meinen Hosenbund ein Badetuch brauche, sondern einfach, dass ich es doof fand.) Also hängt mein Tuch eben über der Schulter. Von dort habe ich es runtergezogen, damit die Griffe umfasst und den Topf verschoben und es mir dann wieder schwungvoll über die Schulter geworfen.

Blöderweise war das Handtuch von mir unbemerkt ins Wasser geraten.

Und blöderweise sind es gerade 35 Grad und ich koche im ziemlich rückenfreien Trägertop.

Nach dem ersten Schreck dachte ich, najut, machste mal weiter, aber da war anscheinend ne Menge Wasser auf meine arme, zarte Haut gelangt. Per Hand- und Badezimmerspiegel konnte ich einen gut 20 Zentimeter langen roten Streifen erkennen, der sich – ganz toll – vom Nackentattoo abwärts die Wirbelsäule runterringelte. Und nach den wenigen Schrecksekunden fing das dann auch richtig schön an zu zwirbeln.

Die nächsten 20 Sekunden habe ich gegoogelt, was man da wohl so machen kann, und die nächsten 20 Minuten habe ich mir ne kühle Dusche über die Schulter laufen lassen. Dann durfte mich der Kerl noch ein bisschen eincremen und sich mein Gejammer anhören. Und wenn jetzt die Marmelade nicht schmeckt, bin ich SCHLECHT GELAUNT.

Aber ich bin jetzt im Club. Und weiß außerdem, warum Köche und Köchinnen immer diese langärmeligen Jacken tragen.