Linksschleudern mit Bonustrack

Frau Zwilobit schreibt genau das auf, weswegen Franzi und ich was zum Thema Frauenbloggen sagen wollten. Dankeschön.

Liz hat zu dem Thema den für mich besten Kommentar abgegeben:

Die Frage „Wieso schreiben so wenig Frauen politische Blogs?“ steht jetzt im Raum. Ich würde auch gern fragen: “Wieso schreiben so wenig Männer über ihre Gefühle?”

Der nächste Blogger darf sich geehrt fühlen, denn er wurde von Katia geknetet. Meine Anke hab ich natürlich sofort käuflich erworben, und sie steht direkt in meinem Blickfeld vom Lieblingsplatz, vom Sofa aus in Richtung Fenster. Übrigens trage ich als Knetfigur keine Yankees-Mütze mehr, sondern inzwischen eine der Boston Red Sox. Das nenn ich Kundenservice.

Die Bilder vom Earth Day, bei denen man Las Vegas ausknipsen kann, habt ihr bestimmt schon alle gesehen, oder? Nicht? Jetzt aber.

Ich möchte mich mit 20 Jahren Verspätung bei einem Pärchen entschuldigen, über das ich ewig gelästert habe. Damals, mit knapp 20, waren die beiden zusammengezogen, und als ich die weibliche Pärchenhälfte mal fragte, wie’s ihr grad geht, meinte sie, ach, der männlichen Pärchenhälfte ginge es grad scheiße. Jahrzehntelang war das mein Beispiel für miese Symbiose, für „Frauen, hängt euch nicht so an die Kerle!“

Vor ein paar Tagen fragte mich ein Bekannter, mit dem ich derzeit beruflich viel zu tun habe, wie’s mir denn grad so ginge, wir redeten ja nur noch über den Job. Und ich so: „Ach, der Kerl erholt sich grad von einer OP.“

Anja, Dominik – ich bin doof, und ich nehme alles zurück, was ich in den letzten 20 Jahren über euch gesagt habe.

„Inman did not consider himself to be a superstitious person, but he did believe that there is a world invisible to us. He no longer thought of that world as heaven, nor did he still think that we get to go there when we die. Those teachings had been burned away. But he could not abide by a universe composed only of what he could see, especially when it was so frequently foul. So he held to the idea of another world, a better place, and he figured he might as well consider Cold Mountain to be the location of it as anywhere.“

Cold Mountain, Charles Frazier

Bücher 2009, Januar bis März

The Economist: The Book of Obituaries

Vom Kerl zu Weihnachten geschenkt bekommen und hier schon mal erwähnt. Ich kann das nicht an einem Stück durchlesen; es fühlt sich an, als ob man 200 Minibiografien auf einem Haufen hat. Sobald man sich in ein Leben vertieft, ist es schon wieder vorbei – was logisch ist bei Nachrufen, es aber eben nicht einfach macht, das Buch so wegzulesen. Auf jeden Fall spannend, für welchen Aspekt der jeweiligen Person sich die Nachrufer entscheiden. Mein bisheriger Favorit ist der Abgesang auf Alex the African Grey, den vielleicht intelligentesten Papagei der Welt. Der letzte Absatz sagt viel über den besonderen Stil der Nachrufe:

„There are still a few researchers who think Alex’s skills were the result of rote learning rather than abstract thought. Alex, though, convinced most in the field that birds as well as mammals can evolve complex and sophisticated cognition, and communicate the results to others. A shame, then, that he is now, in the words of Monty Python, an ex-parrot.“

Otfried Preußler – Krabat

Ein Geschenk einer Leserin, wie ich hier schon schrieb. Las sich selber viel zu schnell weg. Ich glaube, ich lass mir das nochmal vorlesen.

Daniel Kehlmann – Ruhm

Hm. Ich mag die Art von Kehlmann, Geschichten zu erzählen. Ich mochte Ruhm aber trotzdem nicht, weil ich arg das Gefühl hatte, dass hier aus neun kleinen Storys ohne großen Sinn und Zweck ein Roman geklöppelt werden sollte, weil „Roman“ besser auf dem Einband aussieht als „Kurzgeschichten“. Ruhm liest sich sehr entspannt weg, aber je länger das Buch dauerte, desto mehr gingen mir die Figuren auf die Nerven, die alle einfach so da sind und mir nichts erzählen, mich nicht an sie rankommen lassen, mir auch nach dem Ende der Geschichte nichts bedeuten. Ruhm ist der erste Kehlmann, der mir nicht gefallen hat, obwohl ich ihn gern gelesen habe. Hm.

flix – Mädchen

Anders schön als die tägliche Dosis Comic, mit der mich flix online versorgt. Eine längere Geschichte, die erstmal uralt klingt, Boy meets Girl eben, aber dann ganz neu passiert und die mich gleichzeitig zum Lachen gebracht und mir das Herz gebrochen hat.

Alan Moore/Dave Gibbons – Watchmen (Die Wächter)

Fantastisch. Genaueres habe ich hier aufgeschrieben.

Neil Gaiman/Chris Bachalo, Mark Buckingham – Death: The High Cost of Living

Durch die Watchmen angefixt, hat mir der Kerl Death empfohlen. Eine junge Frau taucht im Leben vom suizidgefährdeten Sexton auf und behauptet, der Tod zu sein. Zusammen durchstreifen sie eine Stadt, wodurch sich Sextons Einstellung zu Leben und Tod ändert. Dass der Tod eine hippe Gothicbraut ist, fand ich zwar ein bisschen sehr Altherrenfantastisch, aber mir haben der Zeichenstil und der Tonfall der Story sehr gut gefallen.

Heather Cocks/Jessica Morgan – The Fug Awards

Viele seltsame Klamotten und viele grandiose Rezensionen derselben, die nie einfach nur Geläster sind, sondern vor popkulturellen Anspielungen nur so überquellen, Filme zitieren, miese Serien, Klatsch und Tratsch. Go Fug Yourself ist eins meiner Lieblingsblogs, weil es so wunderbar geschrieben ist, und deshalb macht es als Buch genauso viel Spaß.

Frank Miller/Klaus Janson – Dark Knight Returns

So langsam werd ich warm mit Comics. Dark Knight Returns hat das (laut Kerl) langweilige Image von Batman gehörig auf den Kopf gestellt. Mir hat der Zeichenstil nicht ganz so gut gefallen wie die Watchmen, an denen ich jetzt blöderweise alles messe, aber ich mochte auch hier die Düsternis, das deprimierende Setting und die intelligente Art des Storytellings.

Michael Farr – Auf den Spuren von Tim und Struppi

Sehr schönes Buch, das sich mit der Entstehungsgeschichte der einzelnen Tim-und-Struppi-Bände beschäftigt, auf Korrekturen im Laufe der Zeit hinweist (wie z.B. bei Tim im Kongo, wo Tim eine Schulklasse übernimmt und in der Erstausgabe noch was über die Kolonialmacht Belgien erzählt, während er heute eine Matheaufgabe an die Tafel schreibt) und mit Fotomaterial belegt, wo Hergé seine Inspirationen herholte bzw. wie exakt seine Zeichungen von Autos, Gebäuden und Gebrauchsgegenständen der Zeit waren. Wer wie ich eine besondere Beziehung zu Tim hat und noch heute Käpt’n Haddocks Schimpfkanonaden auswendig kann, wird dieses Buch genauso gerne lesen wie ich.

Claire Keegan – Antarctica

Antarctica ist eine Kurzgeschichtensammlung, die mich so in ihren Bann gezogen hat, dass ich mehrmals meine Bushaltestelle verpasst bzw. das Ende meiner Mittagspause im Starbucks vergessen habe. Jede Story kann ich mir auch als abendfüllenden Spielfilm vorstellen, so viel schwingt in den präzisen, intensiven Zeilen mit. Ich habe mich sofort in Keegans eher beobachtenden Stil verliebt, der es mir selbst überlässt, was ich von den Protagonisten halte. Auch wenn diese Distanz zum Schluss jeder Geschichte so richtig schön die Keule rausholt. Wenn ich das Buch nochmal lese, habe ich für jede Geschichte ein anderes Gefäß eisgekühlten Alkohols neben mir stehen. Große Empfehlung. (Und danke an Merlix für die Inspiration.)

In eigener Sache: Ich bin nicht auf der re:publica. Leider. Eigentlich wollte ich mit Franziska und Verstärkung etwas über Frauenblogs erzählen. Wegen gewisser Ereignisse, die ich gestern schon erwähnt habe, klappt das leider nicht. Aber die Damen rocken das Haus bestimmt auch ohne mich. Danke für die Aufmerksamkeit.

Hier ist es gerade etwas ruhiger, weil mein liebster Lieblingskerl vor kurzem sehr überraschend sehr krank geworden ist. Er ist schon auf dem Weg der Besserung, wie es so schön heißt (und sich so leicht sagen lässt), aber deswegen bin ich grad eher mit Krankenpflege und Sorgenfaltenglattbügeln beschäftigt als mit Bloggen.

Darüber möchte ich es aber nicht versäumen, den letzten Gratulanten zu meinem Geburtstag ein dickes Dankeschön zu schreiben. Einmal Hauke, der mich mit Antarctica beglückt hat. Und dann Herrn Lobo, dessen Kreditkarte anscheinend momentan recht locker sitzt, worüber ich kleines Jammerwürmchen mich gerade jetzt sehr freue (materielle Gaben machen DOCH glücklich). Sein winziges Päckchen umfasste The King of Madison Avenue, Cold Mountain, Taxi, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, Das bin doch ich, What’s it all about? und Wie der Soldat das Grammofon repariert.

Ich bin für dieses Jahr bestens mit Unterhaltung versorgt. Danke an alle Schenkenden und ihre lieben Widmungen. Ich geh jetzt wieder Schonkost kochen.

„Er hat mir um kurz nach 11 ne SMS geschickt mit dem Text: ‘Es ist jetzt übrigens kurz nach 11.’ Und ich denk noch, ach wie nett, ein Hinweis auf die Sommerzeit, dreh mich um und schlaf weiter.“

File under: Warum unser Meeting gestern um 11 ausgefallen ist.

Brothers & Sisters

Brothers & Sisters fühlt sich an, als ob die Gilmore Girls ihre gesamte Verwandtschaft eingeladen hätten. In der Serie geht es um eine recht üppige Familie: Mama, Papa – jedenfalls kurz –, fünf Kinder, deren Partner und Kinder oder Partner, die es mal werden wollen oder schon mal waren und Kinder, die demnächst unterwegs sein könnten und und und … Die ganze Rotte muss sich um einen Familienbetrieb kümmern und trifft sich gerne am stilvoll gedeckten Riesentisch von Mama (Sally Field), um sich hemmungslos zu streiten, zu versöhnen, über einander zu lästern und jedes, aber auch wirklich jedes Geheimnis, das ihnen anvertraut wurde, sofort auszuplaudern.

Die Rollen klingen erstmal total nach Reißbrett – ein Sohn (Matthew Rhys) ist schwul, ein anderer (Dave Annable) das schwarze Schaf, der dritte (Balthazar Getty) frisch verheiratet, die ältere Tochter (Rachel Griffiths) muss Kinder und Karriere verbinden und die jüngere (Calista Flockhart) ist waschechte Republikanerin und liegt deswegen politisch im Dauerclinch mit allen anderen. Aber lustigerweise funktioniert das alles, wenn man nach zwei bis drei Folgen endlich durchschaut hat, wer wer ist und worum’s überhaupt geht. Die Dialoge schwanken sehr schön zwischen familiärem Irrsinn, großen Gefühlen und unterhaltsamem Spackentum und machen aus den vielen Zutaten eine sehr stimmige Serie. Natürlich ist die Grenze zum Kitsch bzw. zur Soap teilweise überschritten, und ich sehe nie jemanden die Millionen von Weingläser abwaschen oder die hach so heimeligen Lichterketten im Garten aufhängen, aber das macht Brothers & Sisters eben so schnuffelig und leicht konsumierbar.

Die erste Staffel lief, soweit ich weiß, auch schon in Deutschland; die ersten beiden gibt’s bereits auf DVD.

Mein bester Freund ist ein Identitätsdieb. Ich bin der rechte und einzig wahre Mike.

Dankeschön, Teil 2: Vielen Dank an Andrea für Chart Throb, über das ich mich genauso gefreut habe wie über White House Chef: Eleven Years, Two Presidents, One Kitchen von Lyssa. Und noch ein Danke geht an Marc für Love Actually – einen Film, den ich beim ersten Sehen eher so naja fand, beim zweiten dann besser, und inzwischen leihe ich ihn mir jedes Jahr zu Weihnachten aus. Dieses Jahr nicht. Ha!

(Die Empfangsdame redet noch mit mir, und ich hab ihr inzwischen erklärt, was ein Weblog ist.)

Frozen River

Ich mag Filme, die mir eine Welt zeigen, die ich so noch nicht kannte. Und damit meine ich keine Fantasygebirge oder Weltraumkreuzer, sondern eine Welt, die neben meiner eigenen existiert und über die ich nichts weiß oder über die ich nicht nachdenke. Vielleicht nicht nachdenken will. In Frozen River geht es um eine Frau, deren Mann mit so ziemlich ihren gesamten Ersparnissen abgehauen ist. Wahrscheinlich um sie zu vertrinken. Oder sie zu verspielen. Ray weiß es selbst nicht genau, und ihre beiden Söhne wissen es auch nicht. Auf der Suche nach ihm findet sie sein Auto, das gerade von einer Indianerin weggefahren wird. Sie folgt ihr, versucht ihr das Auto wieder abzunehmen, lässt sich auf einen Deal ein – und ist plötzlich dabei, illegale Einwanderer aus Kanada im Kofferraum über einen zugefrorenen Fluss in die USA zu schmuggeln.

Frozen River beeindruckt durch eine Geschichte, die durch jede Wendung Konsequenzen hervorbringt, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Er zeigt in zwei Stunden zwei ganze Leben – das von Ray und das der Indianerin Lila Littlewolf – mit all seinen Schwierigkeiten und all seinen schönen Momenten. Alles wird nur angerissen, aber alles hinterlässt einen tiefen Eindruck. Beide Frauen sind durch ihre Männer in eine besondere Situation gebracht worden, und beide werden aktiv, um damit fertigzuwerden. Der Film zeigt ihre Stärke, ob gewollt oder erzwungen, und ihre jeweilige eigene Hartnäckigkeit, um an ihr Ziel zu gelangen. Der Film ist von einer Frau geschrieben und gedreht worden (Courtney Hunt), und vielleicht hat er deshalb so hervorragende Frauenfiguren, an denen mal alles stimmt und an denen sich nichts anfühlt wie irgendwie grad hingeschrieben, weil’s halt passt. Große Empfehlung, wenn auch nicht unbedingt für einen Jungsabend mit Popcorn und Bier.

Madagascar: Escape 2 Africa

Madagascar hat mir damals ja nicht so richtig gut gefallen, und daher war ich von der Fortsetzung Madagascar: Escape 2 Africa (Madagascar 2) positiv überrascht. Gut, die vier Hauptpersonen sind immer noch nicht so lustig wie die Pinguine oder der Lemurenkönig, aber immerhin hat dieses Mal jede einen vernünftigen Handlungsstrang. Löwe Alex trifft seine Familie wieder, Zebra Marty, der sich immer eine Herde gewünscht hat, stellt fest, dass er alleine auch prima klarkommt, Nilpferd Gloria findet ihre große Liebe und Giraffe Melman entdeckt, was alles in ihm steckt. Und, ja, damit habe ich quasi den ganzen Film erzählt, aber wie auch im ersten Teil ist die Story eher zu vernachlässigen – außer wenn die Pinguine im Bild sind. Die dürfen wieder herrlich sinnlos sein und viel spannendere Sachen erleben als Papi oder Herzblatt zu finden. Zum Beispiel ein Flugzeug notlanden und es mit einer Affenherde wieder startklar zu kriegen, aber erst, nachdem man sich über Mutterschaftsurlaub und Arbeitsteilung klargeworden ist. Außerdem haben sie keine pseudowichtigen Dialoge, sondern machen einfach ihr Ding. Genau wie der verwöhnte Lemurenkönig, der sich selbst am wichtigsten ist und daher kein Problem damit hat, andere Leute (bzw. Tiere) in Vulkanen zu opfern, damit es wieder regnet. (“Does this work?” – “I’d say fifty-fifty.”) Madagascar 2 ist kein Riesenfilm geworden, aber diesmal haben die richtig guten Viecher mehr Zeit auf der Leinwand als die klassischen Zeichentrickschnuffels, und daher fand ich ihn besser als seinen Vorgänger. Reicht jetzt aber auch. Ich will jetzt einen Film nur mit den Pinguinen.

Changeling

Changeling (Der fremde Sohn) spielt Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Christine Collins (Angelina Jolie) ist alleinerziehende Mutter eines neunjährigen Jungen und übernimmt eines Tages eine ungeplante Schicht einer Kollegin. Als sie wieder nach Hause kommt, fehlt von ihrem daheimgebliebenen Sohn jede Spur. Die Polizei, die als äußerst korrupt und brutal bekannt ist, teilt ihr Monate später mit, dass ihr Sohn gefunden wurde. Schon bei der ersten Begegnung mit ihm sagt Christine, dass dieses Kind nicht ihr Sohn sei, was ihr die Polizei aber nicht glaubt. Als sie schließlich an die Öffentlichkeit geht, um die Polizei dazu zu bringen, weiter nach ihrem immer noch verschwundenen Sohn zu suchen, wird sie wegen Wahnvorstellungen in die Psychiatrie eingewiesen.

Der Film erzählt eine leider wahre Geschichte sehr altmodisch: keine großen Aufregungen oder filmische Sperenzchen, die Story entfaltet sich einfach so vor unseren Augen und nimmt uns mit, ohne uns herumzuzerren oder auf falsche Fährten zu locken. Aber gerade diese Gradlinigkeit hat mir sehr gut gefallen, weil dadurch das unglaubliche Geschehen noch stärker wirken konnte. Ich fand den Film sehr beängstigend, und das Gefühl hat auch nicht nachgelassen, nachdem sich das meiste wieder zum Guten gewendet hatte. Denn der Film hört nicht damit auf, dass Christine wieder frei kommt, sondern es passiert noch etwas und dann noch etwas, und obwohl ich zunächst dachte, ist gut jetzt, Abspann, das muss ich doch alles gar nicht mehr wissen, haben gerade diese nachgestellten Ereignisse den Film so rund gemacht. Eine so beklemmende Geschichte hört nie ganz auf und diese hier schon gar nicht.

Das einzige, was ich an Changeling zu bemäkeln habe, ist seine zu perfekte Ausstattung. Selbst wenn Jolie morgens aus dem Bett steigt, sitzt ihre Frisur wie nach zwei Stunden Coiffeur, der Lippenstift verschmiert nicht mal, wenn sie sich die Seele aus dem Leib weint, und auf ihrem Hütchen ist nie ein Fussel. Die Ausstattung ist wahnsinnig akribisch, und obwohl das einen schönen Kontrast gab zur hingeschluderten Polizeiarbeit, hat mich dieser Hochglanz doch ein bisschen von der Story abgelenkt.

Dankeschön, darling, dankeschön … für die vielen Glückwunschmails, SMS, Tweets, Anrufe – und Amazonpakete. Die Empfangsdame meines derzeitigen Arbeitgebers guckt seit Freitag ein bisschen säuerlich, wenn ich vorbeikomme, aber das ist es wert. Danke an mona_lisa für Things the Grandchildren Should Know und The Fug Awards; letzteres habe ich natürlich schon am Wochenende gelesen, noch bevor ich das Päckchen hätte aufmachen dürfen. Dankeschön an den Herrn von Screwtape’s, der mich regelmäßig mit Buchtipps versorgt und sie mir netterweise gleich schenkt. Diesmal war’s A Fine and Private Place, über das ich mich sehr gefreut habe. Und dann kam gestern noch ein Päckchen von der lieben Lu, in der sich Dear Fatty, die Autobiografie von Dawn French, befand. Auch dafür ein fettes (haha) Dankeschön.

Und wenn ich mir das Menü „Gekauft“ von meinem Wunschzettel angucke, ahne ich, dass die Empfangstante am Ende der Woche nicht mehr mit mir redet. Das ist alles eure Schuld! (Loveyou)

40

<10. Detlev und Christiane wohnen nebenan, und genau wie ihre Eltern mit meinen Eltern befreundet sind, bin ich mit ihnen befreundet. Wir gehen alle in eine Klasse. Ich lerne lesen. Hanni und Nanni, Dolly, Putzi, Bummi, Burg Schreckenstein. Ich esse gerne das weiße Fleisch vom Sonntagshühnchen, Erbsen aus der Dose und Apfelmus. Meine Omi hat eine kleine Truhe voller Schokolade, an die darf ich ran, wenn ich nachmittags bei ihr bin, wenn Mama arbeiten geht. Ich habe gefühlt eine Million Stofftiere, und Teddy schläft immer neben mir. Meine kleine Schwester ist da, ohne dass es mich stört oder mich freut. Sie ist halt da. Eines Tages gehe ich nach der Schule mit zu Nicole, deren Mutter ich vorlüge, dass meine Omi Bescheid weiß. Als ich Stunden später nach Hause komme, versohlt mir Omi mit einem Kochlöffel den Hintern. Ich lerne fahrradfahren und rollschuhlaufen. Ich klettere gerne auf die Trauerweide hinten im Garten, weil man mich dann nicht mehr sehen kann. Mein Lieblingsbaum ist die Birke neben der Trauerweide, aber auf die kann man nicht klettern. Ich lerne Akkordeonspielen, gehe zur musikalischen Früherziehung und zum Aquarellmalen. Auf meinem „Schreibtisch“, ein alter Terrassentisch, liegt eine Rolle Tapete, die ich vollmalen darf, bis Papa die Rolle ein Stück weiterzieht, damit ich weitermalen kann. Ich breche mir den kleinen Finger der linken Hand beim Ballspielen, und schaue völlig fasziniert der Röntgenaufnahme meiner Hand zu. Selbst als die Betäubungsspritze sich der Hand nähert, bestaune ich weiter meine Knochen. Auf dem Weg zur Schule laufe ich einmal bei Rot über die Ampel, und ein LKW kann gerade noch bremsen. Ich weiß nicht mehr, ob ich schon irgendwas werden wollte.

<20. Ich komme aufs Gymnasium. Ich lerne Latein statt Französisch. Ich bin weiterhin mit Christiane befreundet. Ich lerne Anja kennen und bin eifersüchtig, wenn Anja mehr mit Christiane unternimmt als mit mir. Ich sage ihr das, was sie nicht versteht. Sie schenkt mir ihren Teddybär, und ich habe wegen ihr Liebeskummer, auch wenn ich das noch nicht so bezeichnen kann. Meine Mutter setzt mich mit 12 das erste Mal auf Diät. Ich beginne, mich an meine Lebensabschnitte in Gewicht zu erinnern anstatt in Jahreszahlen oder Ereignissen. Ich werde Dritte bei den Kreismeisterschaften im Judo und höre kurz vor der Grüngurtprüfung mit dem Sport auf, weil ich unseren neuen Gruppenleiter nicht mag. Ich werde 1,67 groß und wiege 56 Kilo. Ich lerne, dass es Jungs gibt, mit denen man einfach befreundet sein kann und dass es welche gibt, mit denen ich irgendwelche Sachen machen möchte, über die mich die BRAVO informiert. Meine Omi hat weiterhin ihre Schokoladentruhe, und sie kauft mir die BRAVO und MAD-Hefte. Ich trage weiße Adidas-Turnschuhe und habe einen grünen Benetton-Beutel. Ich trage außerdem die Klamotten meiner älteren Cousine auf und finde es fürchterlich. Ich bin verliebt in Carsten, Thomas, Markus, Dominik und Peter. Meine Schwester hat eher einen Freund als ich, und ich bin neidisch und traurig. Ich kriege mit 13 das erste Mal meine Tage. Meine erste Zigarette ist eine Camel ohne Filter. Als ich 16 bin, bekomme ich im Monat 13,50 Mark Taschengeld, was nicht mal für eine LP reicht. Omi versorgt mich mit Pink Floyd und den Stray Cats. Mit 17 lerne ich einen Jungen kennen, den ich mich nur traue anzusprechen, weil er dicker ist als ich, obwohl ich überhaupt nicht dick bin. Auf einer Party knutschen wir zu Shine on you crazy diamond 14 Minuten lang und sind danach neun Jahre zusammen. Er bringt mir Lungenzüge bei und ich rauche Benson & Hedges. Ich bemale meine Federmäppchen im Unterricht, bekomme Einsen in Deutsch und Englisch und Fünfen in Biologie und Physik. Die Chemiestunden verbringe ich damit, meine ersten drei Romane zu schreiben (Ponyhof, Jugendgang, große Liebe). Ich arbeite bei zwei Schülerzeitungen mit, werde Klassensprecherin und Schülersprecherin. Für den Filmclub der Schule mache ich einen Filmvorführerschein für 8- und 16-Millimeter-Projektoren. Ich wiederhole die 9. Klasse, sprühe mir jeden Morgen eine halbe Dose Haarlack in die Haare und lasse mir die Nase piercen, weil der Basser von Kajagoogoo auch einen Nasenring hat. Ich höre mit Akkordeon auf und fange mit Geigenunterricht an. Ich zeichne nicht mehr auf Tapeten, sondern auf stapelweise altem Geschäftspapier, das Papa aus dem Büro mitbringt. Ich zeichne Millionen von Menschen in seltsamen Klamotten. Ich stelle mir vor, Sängerin in einer Band zu sein. Ich erfinde meine Band, gebe den Jungs Namen und Eigenschaften, denke mir ihre Biografien aus, zeichne sie und verliebe mich in drei von den sechsen. Ich schreibe Songs in schlechtem Englisch, glaube daran, dass der dritte Weltkrieg vor der Tür steht, streiche mein Zimmer schwarz und spanne blaue Wollfäden durch den Raum, so dass sich alle bücken müssen, die in mein Zimmer möchten. Ich mache den Führerschein und kaufe mir eine grüne Ente. Mama will mir für jedes Kilo, das ich abnehme, 100 Mark zum Führerschein spendieren. Ich nehme kein einziges Gramm ab und wiege beim Abitur 69 Kilo. Ich will Modedesignerin werden.

<30. Ich lerne, dass man ein Schneiderpraktikum machen muss, wenn man Modedesign studieren will. Ich will nicht um 7 in einer Schneiderei sein, mache aber trotzdem meine Mappen zur Bewerbung an den Hochschulen fertig. In Hamburg und Bremen werde ich abgelehnt, in Hannover fragt man mich, ob ich nicht lieber Industriedesign studieren will und lehnt mich dann ab. Ich jobbe bei McDonald’s und höre irgendwelchen Halbwüchsigen zu, wie sie meine Figur mit der großen Mülltüte vergleichen, die ich gerade zum Shredder bringe. Ich immatrikuliere mich in Bremen für Deutsch und Geschichte für das höhere Lehramt und mache im ersten Semester ein Schulpraktikum in einer 7. Klasse, die sich überraschenderweise nicht für den Zauberlehrling interessiert. Ich bleibe immatrikuliert, gehe aber nicht mehr zur Uni, sondern verbringe die Tage essenderweise vor dem Fernseher und nehme in einem Jahr 25 Kilo zu. Die Mauer fällt. Meine Oma stirbt an Krebs. Meine Omi stirbt an Krebs. Mein Opa stirbt bei einem Autounfall. Ich bin meinem Freund dreimal untreu. Ich bin eifersüchtig auf eine Schulkameradin, mit der er viel Zeit verbringt und verbiete ihm, sie zu sehen. Er bricht den Kontakt zu ihr ab. Sie schreibt mir einen wütenden Brief, in dem sie mir meine Unsicherheit an den Kopf wirft und mir sagt, dass sie nichts von ihm will. Ich rufe sie an und lade sie zum Geburtstag meines Freundes ein. Wir sind zehn Jahre lang unzertrennlich. Ich reise nach Ägypten, China, Israel und in die USA. Ich fahre drei verschiedene Fiat Unos. Ich exmatrikuliere mich in Bremen und schreibe mich in Hannover für Geschichte und Germanistik ein. Ich halte es bei den Germanisten zwei Semester aus und wechsele zu Anglistik. Ich belege am liebsten Seminare zu Frauenthemen und die, in denen Filme geguckt werden. Ich bin insgesamt 24 Semester immatrikuliert, von denen ich gefühlt in fünf wirklich studiert habe. Ich kaufe einen PC. Ich arbeite bei drei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen. Ich fange an, im Kino zu jobben. Ich beginne mit dem Kartenabreißen und ende als Theaterleiterassistentin. Ich arbeite ohne Vorführerschein an 35-Millimeter-Projektoren. Ich bin verliebt in Dirk und Martin. Mein Freund studiert in Leipzig, und ich hasse unsere Wochenendbeziehung. Als ich 26 bin, trennen wir uns im Guten. Eine Woche später hat er eine neue Freundin. Ich fange an, Wodka zu trinken und Sekt und Martini. Ich rauche Marlboro und nehme 15 Kilo ab. Ich ziehe von zuhause aus und lasse mir von meinen Eltern eine Eigentumswohnung kaufen, die ich komplett zumülle. Ich bewerbe mich bei den Filmhochschulen in München, Ludwigsburg und Berlin für den Studiengang Drehbuch. Ich werde in Berlin zur Prüfung eingeladen, die ich knapp verhaue. Ich lerne Karl kennen und verliebe mich in ihn. Ich verliebe mich auch in Kai, Matthias, Volker, Martin und Jochen. Ich lasse mir den Oberarm tätowieren und die Zunge piercen. Ich färbe meine Haare blau und gehe kellnern, nachdem mich alle Filmhochschulen abgelehnt haben. Ich mache den Motorradführerschein und kaufe mir eine 500er Virago. Ich merke, dass ich Kinder nicht leiden kann. Ich entdecke das Internet und verliebe mich in Devin aus South Carolina, mit dem ich monatelang E-Mail-Kontakt habe. Wir telefonieren, tauschen Bilder aus und treffen uns schließlich in Budapest, wo wir uns abgrundtief fürchterlich finden, aber prima Sex haben. Karl sagt „You’re only fat because it pisses off your Mum.“ Ich trinke viel zu viel Wein und werde immer trauriger. Ich beschimpfe meine Freunde, die Partner haben, dass mir ihr Pärchenscheiß auf den Sack geht. Meine Freunde waschen mir den Kopf und schleifen mich zur Therapie. Der Therapeut hat ein Ledersofa und redet lieber über sich als über mich. Ich lasse mir die Unterlippe piercen, das Dekollete und die Augenbraue. Ich entrümpele meine Wohnung und schleppe 30 Müllsäcke auf die Deponie. Papa fällt meine Birke im Garten. Ich ziehe nach Hamburg und mache ein Textpraktikum in einer Werbeagentur. Karl stirbt bei einem Autounfall.

<40. Ich bin Juniortexterin in einer Werbeagentur. Eines Tages gehe ich aus einem Meeting aufs Klo und kann eine halbe Stunde nicht mehr aufhören zu weinen. Ich mache einen Termin bei der Therapeutin, an deren Praxisschild ich jeden Morgen auf dem Weg zur U-Bahn vorbeilaufe. In der Therapie treffe ich meine imaginäre Band von früher wieder und fühle mich sicher. Ich stelle meine Ernährung um und fange an Sport zu treiben. Meine jahrelangen Rückenschmerzen werden immer schlimmer. Eines Tages ist mein linkes Bein nicht mehr da, und ich muss operiert werden. Danach funktioniert mein rechter Fuß nicht mehr, und ich habe viel Gefühl in der unteren Körperregion verloren. Ich bin Texterin in einer anderen Agentur, und auf der Fahrt zur Weihnachtsfeier, während um mich herum alle Spaß haben, fange ich an zu heulen. Ich besuche meine Therapeutin ein zweites Mal. Ich fange an zu bloggen. Ich nehme 25 Kilo ab und wieder zu. Ich bin verliebt in Alexander, Gerhard und Tobias. Ich weiß, dass ich nie wieder eine Beziehung haben werde und arrangiere mich damit. Sobald ich mich damit arrangiert habe, lerne ich den Kerl kennen. Ich fahre einen BMW. Ich entferne alle Piercings außer dem Nasenring und lasse meinen Nacken tätowieren. Ich verkaufe mein Motorrad. Ich entwickle mich zum Partyraucher, und drei Schachteln Zigaretten halten ein ganzes Jahr, weil ich nie auf Partys gehe. Ich gucke Filme und Serien nur noch im Original. Ich spiele kein Instrument mehr. Ich beginne dreimal damit, Französisch zu lernen. Ich zeichne nicht mehr. Ich bin Texterin. Ich bin Seniortexterin. Ich bin Head of Copy. Ich mache mich selbständig. Ich bin dick und ahne, dass ich das auch bleiben werde. Ich werde Patentante der ersten Tochter meines ersten Freundes. Ich habe in allen Lebensbereichen das Entrümpeln beibehalten. Ich bin gern zuhause. Ich kaufe zwei Macs, einen iPod und ein iPhone. Ich verreise gerne. Ich rege mich über laute Nachbarn auf. Ich trenne keinen Müll. Ich fahre nicht mehr schwarz. Ich bin wieder in die Kirche eingetreten, aus der ich mit 18 ausgetreten bin. Mein Blog war in einem Museum zu sehen, und Texte von mir sind in einem Buch veröffentlich worden (kein Ponyhof, keine Jugendgang, ein bisschen große Liebe). Ich denke oft an die Filmhochschulen und an Karl. Ich habe Christiane neulich bei unserer Silbernen Konfirmation wiedergesehen und mich mit dem Satz „Wir sehen uns in 25 Jahren“ verabschiedet.

<50 Seit heute in Arbeit.

Countdown to Brawl Street

Alles begann am 4. März, als Jon Stewart dem Wirtschaftssender CNBC so richtig schön einschenkte: CNBC gives financial advice.

Am 9. März sendete die Daily Show einen Beitrag, in dem sich besonders Jim Cramer, der im vorherigen Beitrag nicht wirklich gut weggekommen war, darüber erregte, dass er und seine miesen Vorhersagen für den Finanzmarkt nicht wirklich gut weggekommen wären: In Cramer we trust.

Am 10. März wunderte sich Stewart darüber, dass der Schlagabtausch weitere Kreise zieht: Basic Cable Personality Clash Skirmish ’09.

Am 11. März kündigt Stewart an, dass Cramer sich in die Daily Show wagt: Jim Cramer Battle.

Und gestern abend ging dann der Showdown zwischen Cramer und Stewart über die Bühne. Spiel, Satz und Sieg für Comedy Central. Link zur Full Episode.

Auf der Daily-Show-Webseite gibt es neben dem programmtauglichen 22-Minüter auch die ungekürzte Fassung zu sehen, wo Stewart dem kleinlauten Cramer etwas ausführlicher die Meinung sagt. (Teil 1, Teil 2, Teil 3)