Veganer Zitronenkuchen

Ich schrieb bereits darüber: Für mein Esskulturen-Seminar wollte ich in der letzten Stunde einen Kuchen mitbringen, weil der Dozent Kaffee, Tee und wilde Süßigkeiten angekündigt hatte. Es wurden französische Kekse – „Die habe ich wie ein schlechter Vater am Bahnhof in Paris gekauft, weil ich es vorher nicht geschafft hatte“ – und russisches Konfekt, das wie ein flacher, zäher Schokokuss schmeckte, ganz hervorragend.

Da wir eine Veganerin im Kurs hatten, wollte ich einen dementsprechenden Kuchen backen. Ich testete insgesamt drei Rezepte, von denen das untenstehende mein Favorit war. Runner-up, wirklich nur knapp abgeschlagen, war dieser Schoko-Nuss-Kuchen, der mir etwas zu kokoslastig war und bei dem ich keine Lust auf einen zweiten Versuch nur mit Mandeln und Nüssen hatte, sowie dieser Zitronenkuchen, der mir aber zu backpulverig schmeckte. Dafür ist dieser Zitronenkuchen klasse und deswegen wird er verbloggt. Leider mit einem nicht so guten Foto, denn den Kuchen konnte ich nicht vor dem Seminar anschneiden und hatte daher danach nur noch einen Rest zum Fotografieren eines Einzelstücks, der dazu auch schon zweimal in einem Fahrradkorb durch München transportiert wurde.

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Den Backofen auf 175° vorheizen.

In einer Schüssel
375 g Mehl, Type 405,
2 TL Backpulver,
eine ordentliche Prise Salz,
180 g Zucker,
1 Tütchen Vanillezucker sowie die
Schale von 2 Bio-Zitronen vermischen.

Im Originalrezept steht noch 1 TL Natron; beim ersten Backen habe ich das Löffelchen dazugegeben, beim zweiten habe ich es weggelassen, weil es hieß, das Natron mildere die Säure. Ich will aber Säure in einem Zitronenkuchen. Mein Kuchen ging wunderbar auf und schmeckte keinen Deut anders, aber eine Leserin schrieb mir, bei ihr sei der Kuchen nicht aufgegangen. Entscheidet ihr.

Dazu noch

120 ml Sonnenblumenöl,
120 g Apfelmus,
120 ml Zitronensaft (das waren bei mir drei große Zitronen) sowie
240 ml Hafermilch oder ähnliches geben. Bei mir war es ein veganer Kokosdrink, der netterweise nicht durchgeschmeckt hat. Im Originalrezept steht, dass man auf keinen Fall Sojamilch nehmen sollte, weil sie ausflockt. Kann ich nicht beurteilen, gebe ich einfach mal weiter.

Die Zutaten nur kurz mit dem Schneebesen verrühren, nicht zu lange, einfach so, dass alles vermischt ist. Kleine Klümpchen einfach ignorieren. Den Teig in eine Gugelhupfform füllen und 60 bis 70 Minuten backen.

Für den Zuckerguss
150 g Puderzucker mit
1 EL Zitronensaft mischen und auf den komplett abgekühlten Kuchen auftragen. An die Menge habe ich mich gehalten; beim nächsten Mal würde ich sie verdoppeln.

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Die Veganerin im Kurs hat sich sehr darüber gefreut, dass sie mitessen konnte und meinte auch, der Kuchen wäre klasse. Ich als Omnivore bin nur kurz vor glücklich über das Backwerk, denn so ganz kann er nicht mithalten mit den Kuchen, in denen Butter und Eier für herrliche Geschmeidigkeit sorgen. Er ist mir ein winziges bisschen zu krümelig, wie man am Foto erkennen kann, aber dafür immerhin schön saftig und zitronig.

Ein sich sehr lange angebahntes Dankeschön …

… an Frank, der mich mit David van Reybroucks Kongo überraschte. Auf das Buch hat mich ein Dozent im ersten Semester Geschichte aufmerksam gemacht – ja, es liegt seit drei Jahren auf meinem Wunschzettel, aber zunächst lag es da als Hardcover, dann als Taschenbuch, und gerade erst vorgestern (echt jetzt!) musste ich wieder an das Buch denken, als wir im Esskulturenseminar über Zucker sprachen und im Zuge dessen über Zuckerrohrernte und Sklaverei (es gab zur Zeit des Civil War mehr Sklaven auf Zuckerrohr- als auf Baumwollfeldern) sowie über Länder, die von Sklaverei profitierten. Dabei wurde auch Belgien erwähnt, das Kolonialmacht im Kongo war. Das Buch wurde uns damals von einer Kommilitonin sehr überzeugend vorgestellt und seitdem möchte ich es lesen. Kann ich jetzt, yay! Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

#12von12 im Juli 2016

Die anderen 12von12er gibt’s wie immer bei Caro.

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Nachdem es Montag noch über 30 Grad waren, freute ich mich sehr über eine starke Abkühlung.

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Zu zweit aufgewacht. Mich darüber gefreut.

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Gestern war die letzte Sitzung im Esskulturenseminar, bei dem der Dozent Kaffee und Tee anschleppen wollte und ich mich bereit erklärt hatte, etwas zu backen. Da wir eine Veganerin im Kurs haben, testete ich in der letzten Woche drei Rezepte an und entschied mich für einen Zitronenkuchen. Den will ich noch verbloggen, weswegen ich den Kuchen fotografieren musste, bevor ich ihn in die Uni trug. In meiner Wohnung gibt es gerade mal ein Plätzchen, wo Abstellfläche und Licht für halbwegs anständige Fotos ausreichen, und das ist die kleine Arbeitsfläche neben meinem Herd. Auf die Öl- und Kochweinflaschen hänge ich gerne Zeug als Bildhintergrund, und normalerweise sieht man auch meine Messer und die anderen Werkzeuge nicht. Und vor allem nicht diese irrsinnig hässliche gesprenkelte Arbeitsplatte. Wer hat sich sowas jemals ausgedacht? Soll man auf dem anstrengenden Muster den Dreck nicht so sehr sehen oder was? Grauenhaft. Ich will eine schlichte hölzerne Arbeitsfläche oder von mir aus einfarbigen Kunststoff, aber dieses Muster macht mich jedesmal irre, wenn ich auf ihm arbeite.

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Nachdem der Kuchen fotografiert und transportsicher verpackt wurde, setzte ich mich aufs Sofa, um zu frühstücken.

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Dabei verbloggte ich das seltsame Gespräch, das ich Montag in der Stabi hatte. Sascha Lobo hatte dazu einen schönen Kommentar auf Facebook; da mein Account dort nicht öffentlich ist, copypaste ich das mal, denn diese Erklärung für das Verhalten der fragenden Dame kam mir sehr überzeugend vor:

„Vielleicht eine passende, angrenzende Beobachtung. Seit einiger Zeit bemerke ich, wie oft Menschen ein scheinbar konfrontatives oder zumindest überraschend offenes Gespräch suchen – die in Wahrheit immer die gleiche Bitte haben: Hilf mir auszubrechen. Überzeuge mich von etwas, was ich zwar erahne, wo aber noch nicht schaffe, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Man könnte das “Bekehrungsanfrage” nennen. (In meinem Kontext ist es meistens die Selbständigkeit, übrigens, weil meine Frisur visuell sagt: “Der kann unmöglich festangestellt sein.”)

Der Gesprächsverlauf, den Du skizzierst, passt exakt in das Muster derjenigen Leute, die sich jemanden suchen, um doch bitte endlich “bekehrt” zu werden zu genau der Überzeugung, die sie sich einfach noch nicht trauen umzusetzen, obwohl sie längst in ihnen schlummert. Ein superinteressantes Phänomen, muss ich mal weiter beobachten, danke für Deine Beobachtung.“

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In die Uni geradelt und mit meinen Kommiliton*innen den Selbstbedienungstisch eingedeckt. Wir futterten russisches Konfekt, französische Kekse und meinen Zitronenkuchen, für den sich die Veganerin bedankte. Alles richtig gemacht.

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Danach bei bewölktem Himmel ins Zentralinstitut für Kunstgeschichte geradelt. (My favorite Nazibau.)

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Dort vor mich hingelesen – „instagrammable“ in einer Kritik über eine Ausstellung zu van Gogh und Munch fand ich sehr schön. Leider las ich sehr zerstückelt, denn es kamen diverse Mails, die ich schnell beantworten wollte, mein bester Freund rief an, und so brach ich dieses eher unproduktive Arbeiten nach drei Stunden ab.

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Als ich vom ersten Stock (Bibliothek des ZI) ins Erdgeschoss (Abgusssammlung) kam, sah ich einen Besucher des öffentlich zugänglichen Gebäudes, dessen Körperkonturen sehr schön zu den Skulpturen passten. Ich habe leider nicht ganz den perfekten Moment erwischt. Man sieht im Hintergrund aber schön die Gruppe an Gipsmenschen, die sich zu unterhalten scheint. Ich glaube, die Angestellten der Sammlung haben richtig Spaß dabei, die Skulpturen ständig umzuschieben und neu zu gruppieren, und ich freue mich auch immer wieder über wilde Kombinationen.

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Im Nieselregen nach Hause geradelt (Königsplatz FTW!). Dort vergessen, mein Käsebrot zu fotografieren. Stattdessen einen Schnipsel aus dem Buch abgelichtet, das ich gerade mit großem Vergnügen lese.

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Abends bei F. einen serbischen Rotwein genossen, viel über F.s Großvater gelernt und in alten Dokumenten rumgewühlt. Das war sehr schön.

Was seltsam war, Montag, 11. Juli 2016 – Stabigespräch

Ich saß morgens ab kurz nach 8 im Lesesaal der Stabi und wälzte Architekturbücher, bevor ich um 11 im Historicum sein musste. Mit den schönen Häuschen war ich schon gegen 10 fertig, danach suchte ich im Zeitschriftenlesesaal noch ein Heft, das im ZI gerade nicht im Regal war – war es hier leider auch nicht, muss ich doch bestellen. Es war kurz nach halb 11, aber ich wollte noch nicht ins unklimatisierte Historicum, wo die letzte Sitzung des Biografiekurses auf mich wartete. Also zerrte ich meine ganzen Klamotten aus dem Schließfach und setzte mich in die große Eingangshalle der Stabi, deren Türen geöffnet waren und wo ein schöner Luftzug herrschte, der bei 30 Grad Außentemperatur sehr willkommen war. Ich zog ein Buch aus dem Rucksack und begann zu lesen, als sich eine Frau neben mich setzte. Sie holte mehrere Bögen Papier aus ihrer Tasche, raschelte damit rum und fragte mich schließlich, ob ich eine Schere dabei hätte. Ich verneinte bedauernd und guckte wieder ins Buch. Und da meinte die Frau freundlich zu mir:

„Entschuldigung, wenn ich das so sage, aber wieso sind Sie so dick, wo Sie doch so hübsch sind?“

Mein erster Gedanke, den ich nicht aussprach, war BITTE WAS?!?, kombiniert mit der kurzen Überlegung, der Dame mein Buch auf die Nase zu hauen. Stattdessen sagte ich:

„Ich finde nicht, dass sich dick und hübsch ausschließen.“

„Nein, natürlich nicht, da haben Sie recht. Ich wundere mich nur – Sie gehen so selbstbewusst durch die Gegend, obwohl Sie so dick sind. Darf ich fragen, warum Sie so dick sind?“

Wieder ein Gedanke, den ich nicht aussprach: Das ist jetzt was ganz anderes als das, was zu zuerst gesagt hast, Hase. Der erste Satz lag schön auf der Linie von dem, was meine Oma mir erzählt hat, seit ich 13 war: „Du könntest so hübsch sein, wenn …“, was ich damals schon, noch Jahre vor dem bewussten Reflektieren über meinen Körper und was er anscheinend über mich aussagt, als total unangemessen empfunden habe.

Was jetzt kam, war die erstaunte Bemerkung darüber, dass dicke Menschen anscheinend selbstbewusst sein können, was in einer Gesellschaft, die Fatshaming als Diätmotivierung ansieht, zugegebenermaßen nicht ganz einfach ist. Ich fühlte mich an Mindy Kaling erinnert, die das in ihrer Autobiografie schön aufgeschrieben hatte:

„When an adult white man asks me “Where do you get your confidence?” the tacit assumption behind it is: “Because you don’t look like a person who should have any confidence. You’re not white, you’re not a man, and you’re not thin or conventionally attractive. How were you able to overlook these obvious shortcomings to feel confident?”“

Diesen Quatsch hatte die Dame sich anscheinend auch gut gemerkt und nicht mehr angezweifelt. Aber zurück zur Frage, warum ich dick bin:

„Ich esse gerne.“

Sie lachte, ja, stimmt, das täte sie auch, aber sie hadere seit Jahrzehnten mit ihrem Gewicht, sie sei jetzt fast 50 und Diäten seien seit ihrer Jugend ein Thema und sie würde das toll finden, dass ich mit meinem Körper so locker umgehe.

Vielleicht sollte ich hier erwähnen, dass die Dame natürlich gertenschlank war. Mich macht es so wahnsinnig, dass nicht nur dicke Menschen sich diesen Selbsthass anerziehen, dieses Kleinermachen, dieses Verschwindenwollen, sondern auch Menschen, denen unsere Gesellschaft nicht dauernd sagt, dass sie sie unattraktiv und bäh findet. Wobei: Frauen mit 50 sind vermutlich auch schon raus, und ich weiß das nur noch nicht. Fragt mich in drei Jahren noch mal.

Ich wusste immer noch nicht, was dieses Gespräch sollte und vermutlich habe ich auch etwas entgeistert geguckt, aber ich dachte, hey, vielleicht kann ich hier positiv auf jemanden einwirken und beantwortete daher brav weiter ihre Fragen, wie ich denn zu dieser Lockerheit und diesem Selbstbewusstsein gekommen sei. Ehrlich gesagt, war mir das bis gestern gar nicht bewusst, dass ich anscheinend diese Ausstrahlung habe, vor allem nicht bei 30 Grad mit meiner üblichen „Ich muss gleich in die Uni!“-Grundhektik und Sonnencreme im Gesicht. Aber schön zu wissen.

Ich erzählte also vom Foodcoaching, das damals den Zweck hatte, mich dünner zu machen, aber stattdessen dafür gesorgt habe, dass ich seitdem Rezepte verblogge statt Filmkritiken. Ich erzählte davon, wie schön es sich angefühlt hat, für meinen Körper zu sorgen anstatt ihn scheiße zu finden und dass dadurch ganz unwillkürlich und ohne dass ich es darauf angelegt hatte, auch das Bewusstsein seiner Stärke und seiner ganz individuellen Attraktivität bei mir im Kopf angekommen sei. Seitdem denke ich nicht mehr darüber nach, dass ich dick bin. Ich weiß, dass ich es bin, aber es ist kein Thema mehr, das mich täglich belastet. Ich brachte auch meinen Standardsatz „Dicksein ist eine Körperform, keine Charaktereigenschaft“ und der gefiel ihr gefühlt sehr. Der schien auch die Frage nach dem Selbstbewusstsein zu beantworten, denn wieso soll mich eine Körperform davon abhalten, selbstbewusst zu sein?

Die Frau bedankte sich für das Gespräch und entschuldigte sich, falls sie zu aufdringlich gewesen war. Ich kann das, ehrlich gesagt, bis heute nicht beantworten, ob sie aufdringlich war. Einerseits habe ich mich gefreut, vielleicht ein paar Vorurteile abbauen zu können, andererseits war die Einstiegsfrage selten dämlich. Ich habe aber auch erfreut gemerkt, dass mein Puls nicht sofort auf 180 war, wie er das früher war, wenn ich auf der Straße doofe Bemerkungen abgekriegt habe (seit Jahren nicht mehr) oder wie das heute noch so ist, wenn ich in Onlinediskussionen die ganzen ekligen Vorurteile über dicke Menschen lese (weswegen ich mich tunlichst aus solchen Diskussionen raushalte). Ich habe ihren ersten Satz anscheinend nicht als Angriff gewertet, sondern als dusselig formuliertes Interesse. Ich war auch während des Geprächs ganz ruhig, wo ich sonst gerne hektisch werde, um ja alle Fakten unterzubringen, die ich in Bezug auf Fatshaming, Diäten und Körperbildern seit Jahren drauf habe, damit ein weiterer Mensch auf diesem Planeten erfährt, dass Dicksein okay ist und nicht die höllische Strafe und Widerlichkeit, zu der es manche Leute machen.

Ich denke immer noch über dieses Gespräch nach und weiß noch nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Im Laufe des Tages kamen immer wieder Satzfetzen hoch und ich wollte diese Geschichte auch abends F. gar nicht erzählen, weil sie sich so persönlich angefühlt hat und ich sie noch nicht fertig durchgedacht hatte. Ich bemerkte, dass den gestrigen Tag über keine Wut hochkam auf unsere beknackten Schönheitsnormen oder die Annahme, dass Frauen überhaupt schön sein müssen. Es kam auch keine Traurigkeit hoch, die mich manchmal noch erwischt, wenn ich darüber nachdenke, wieviel Zeit ich in meinem Leben damit verschwendet habe, mit meinem Körper oder meinen Essgewohnheiten unglücklich zu sein anstatt sie anzunehmen und mich mit ihnen zu arrangieren oder sogar anzufreunden. Es kam stattdessen eher eine Anteilnahme hoch mit all den Frauen, die noch genau da sind, wo ich vor sechs, sieben Jahren auch war: gefangen in Ansprüchen, denen ich eh nie gerecht werden kann und einem Selbstbild, das nicht von mir, sondern von anderen gestaltet wurde. Und dann doch ein bisschen Wut, dass fremde Körper überhaupt Diskussionsstoff sind. Die Dame meinte auch zwischendurch, dass sie sich freue, dass ich ihr nicht gleich an die Gurgel gegangen bin, woraufhin ich sagte, vor zehn Jahren wäre ich das. Und danach hätte ich geweint und viel gegessen, um den Schmerz loszuwerden und mir perfiderweise neuen zuzufügen, alles in einem Aufwasch, wie praktisch.

Heute genieße ich Essen als das, was es ist: Nahrung, Freude, Lust, Entspannung. Und ich genieße meinen Körper als das, was er ist: ein Teil von mir, der mich trägt und schützt, der mich aber nicht mehr definiert. Ich bin so viel mehr als er. Aber ich freue mich sehr darüber, dass man mir und meinem Körper anscheinend inzwischen ansieht, dass wir gut miteinander klarkommen.

Was schön war, Sonntag, 10. Juli 2016 – Werkzeug

Ich besitze seit ein paar Tagen einen Gemüsehobel, den ich gestern mit einem Kartoffelcarpaccio einweihte. Dazu schnitt ich völlig fasziniert von der Geschwindigkeit, mit der das auf einmal geht, drei Kartoffeln in ein Millimeter dünne Scheibchen (OMG 1 MM!), legte sie ziegelförmig auf ein Blech mit Backpapier, bestrich alles mit flüssiger Butter, salzte, pfefferte und schob es unter den Grill.

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Zwei Minuten zu lange, wie unschwer zu erkennen ist. Außerdem ist der Fotoausschnitt so gewählt, dass man nicht sieht, dass ich das fast kreisrunde Zauberwerk nicht ganz heile vom Blech auf den Teller gekriegt habe. Ebenfalls nicht im Bild: ein Millimeter dünne Gurkenscheibchen, die ich einfach so gegessen habe, weil Gurke für mich nichts braucht an Gewürzen, die ist perfekt so, wie sie ist. Ein Tomätchen war schon zu weich für den Hobel bzw. da war ein Millimeter etwas zu optimistisch; auf dem Teller liegt also noch ein Häufchen Tomatenmatsch – mit Pfeffer sehr schmackhaft, trotz komplett unfotogenem Aussehen. Dafür im Bild: ein schnell zusammengerührtes Walnuss-Petersilienpesto mit Knoblauch und Sonnenblumenöl, dessen Reste ich heute über Nudeln werfen werfe. Oder nochmal über Kartoffeln.

Außerdem muss ich nun schnellstmöglich in den nächsten Supermarkt eilen, um Kohlrabi und Blumenkohl nachzukaufen und zu verhobeln. Und Möhren. Zucchini! Auberginen!

Was schön war, Samstag, 9. Juli 2016 – Allein sein, zu zweit sein

Ausgeschlafen. Im Getränkemarkt nebenan zwar nicht meinen neuen Liebling Tanqueray Rangpur bekommen, aber dafür war der gute Duke wieder da. Schöne Erdbeeren im Supermarkt gefunden, wo in den letzten Tagen immer nur Matsch rumlag.

Gelesen, bibliografiert, keine Lust auf die Bibliothek gehabt, ein paar Folgen Gilmore Girls geguckt, gebacken.

Freitag buk ich bereits diesen veganen Zitronenkuchen, fand ihn aber sehr unspektakulär und vor allem zu backpulverig. Mein Problem mit veganem Backwerk ist meistens, dass ihm diese schöne Geschmeidigkeit von Buttern und Eiern fehlt, aber, wie ich bereits bloggte, möchte ich im Esskulturenseminar, in dem halt auch eine Veganerin sitzt, einen Kuchen backen, den alle mitessen können. Auch einen Tag später schmeckte mir der Kuchen nicht so recht, und daher probierte ich noch ein zweites Rezept aus. Das klang von den Zutaten her auch schon etwas schmackiger, und was soll ich sagen – das wurde er dann auch. Ich mag Kuchen gerne klietschig, deswegen backe ich sie so kurz wie irgend möglich. Der hier konnte auch schon nach knapp 60 Minuten raus; die Stäbchenprobe zeigte mir an, der Kuchen sei durch, innen war er aber noch schön saftig. Auch hier kommt leider das Backpulver ein winziges bisschen durch, wird aber von der Zitrone schön in Schach gehalten. Ich habe den Kuchen gestern nicht glasiert, das werde ich aber für den Dienstagskuchen machen, und dann sollte wirklich genug Zucker und Zitrone am Kuchen sein, so dass man das blöde Backpulver nicht mehr so rausschmeckt. Dieses Mal lasse ich auch das Natron weg, das laut Rezept eh dafür sorgen soll, dass der Kuchen nicht so sauer wird. Ich hab nix gegen saure Kuchen, und da muss das Seminar jetzt durch. Wir sprechen in der Sitzung über Zucker, das passt dann auch ganz gut.

Abends bei F. auf dem Balkon gesessen, erst Käse und Rosé-Champagner, dann Gin & Tonic genossen und der Sonne beim Untergehen zugeguckt.

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Sehr gut geschlafen, aber viel wirres Zeug geträumt von modernen Sammlungen, durch die ich die Besucher*innen nicht führen wollte, weil ich die Moderne doof fand, und Wohnungen, bei denen die Farbe von den Wänden bröselte und es keine Tapete mehr gab, die Küche wurde auch irgendwie entfernt und ich hatte nur noch einen wackeligen Schrank und machte mir Sorgen darüber, wo mein schönes Geschirr war. Zum Schluss kam eine Putzfrau vorbei und fegte die Farbbröckchen von einer Zimmerecke in die andere, und ich sagte ihr, dass ich sie nicht mehr bezahlen kann, weil ich nicht mehr in der Werbeagentur arbeite.

Vielleicht sollte ich doch weniger Gin trinken.

Was schön war, Freitag, 8. Juli 2016 – Spontanurlaub zuhause

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München, Biergarten, große Gläser, gute Gesellschaft.

Was schön war, Donnerstag, 7. Juli 2016 – Klausurenschreiben

Mies geschlafen, trotzdem brav um kurz nach 6 aus dem Bettchen geschält, weil ich wusste, wie spannend das Rosenheim-Seminar werden würde, weil es immer spannend ist. Wurde es natürlich auch.

Danach hatte ich eine Stunde Pause, in der ich nochmal im Zeitraffer alle Texte des Kindheitsseminars überflog … also nicht wirklich, eigentlich blätterte ich nur noch mal sinnlos den kompletten schmalen Leitzordner durch, denn um 11 wartete meine einzige Klausur in diesem Semester. Ich schrieb bereits letzte Woche, dass ich nicht so recht wusste, was ich lernen sollte, weil ich das irritierende Gefühl hatte, alles zu wissen, was ich wissen müsste. Ich musste nicht wie in den Kunstgeschichtsvorlesungen dutzende von Bauwerken mit ihren Architekt*innen oder Kunstwerke mit den dazugehörigen Künstler*innen sowie Entstehungsdaten auswendig lernen, ich musste nicht wie in den Basiskursen nochmal die wichtigsten Journale und Datenbanken pauken, die man als Geschichtsstudi so kennen sollte, ich las einfach alle Texte nochmal, schrieb mir die Fakten, die ich dann doch vergessen hatte, auf Lernkärtchen, blätterte die mehrfach durch und sagte mir gestern, so, reicht.

Gestern war mir dann aber doch erstmals vor einer Klausur flau im Magen, weil ich schlicht nicht wusste, was der Dozent fragen würde. Er hatte angedeutet, dass er sehen möchte, dass wir Zusammenhänge erkennen, nicht, dass wir toll Zahlen und Daten auswendig lernen könnten (sehr sympathisch). Das brachte mich aber auch nicht weiter in meiner Vorbereitung. Ich versuchte mir selber Fragen zu stellen wie „Wie sieht ein typischer Tag eines großbürgerlichen Kindes im 19. Jahrhundert wohl aus im Gegensatz zu einem Kind aus der Arbeiterklasse?“, so dass ich mir selber was von Bildungschancen, Kinderarbeit, Spielzeug, Literatur, Beziehung zu den Eltern und Räumlichkeiten wie dem Kinderzimmer erzählen konnte. Aber mehr fiel mir nicht ein.

Das erste, was meine Nachbarin mir im Seminarraum sagte, als ich mich um kurz nach 11 setzte, war dann „Wie hast du gelernt? Ich wusste gar nicht genau, was ich lernen sollte“, was mich ziemlich erleichterte. Ich hörte den anderen Kursteilnehmer*innen kurz bei ihren Gesprächen zu – sie hatten sich bereits um 10 getroffen, um gemeinsam noch mal über ein paar Themen zu gehen, aber sowas macht mich bloß nervös –, legte meine Stifte bereit und wartete.

Ich mach’s mal kurz: Das war okay. Alles besser als 2,3 würde mich sehr freuen, weil ich inzwischen weiß, dass der Herr die Einser nicht so raushaut und ich mich seelisch mit der ersten 2 Komma irgendwas bei der Kursendnote in meinem Transcript of Records angefreundet habe (außer die Hausarbeit wird jetzt eine 1,0, wovon ich auch nicht so recht ausgehe). Ich werde hier keine Fragen ausplaudern, aber ich fand sie schön gestellt und man konnte sie gut beantworten. Ich habe allerdings auch bis eine Minute vor Abgabezeitpunkt geschrieben; ein so flüchtig korrigiertes Dokument habe ich noch nie abgegeben. Außerdem bin ich es schlicht nicht mehr gewohnt, so lange und vor allem für andere lesbar mit der Hand zu schreiben. Ich ahne, dass die letzte Seite eher nach Hieroglyphen aussieht. Sorry, Dozent!

Der Klassiker ist mir natürlich auch passiert: Es wurde auch nach Forschungspositionen gefragt, ich setzte schwungvoll den Stift an, denn das Buch, was ich nennen wollte, hatte ich nicht nur, wie üblich, quergelesen, sondern von vorne bis hinten und quasi jeden zweiten Satz im Referat zitiert … ich setzte also den Stift an … und setzte noch mal an … und stellte fassungslos fest, dass mir mein am häufigsten benutztes Buch partout nicht einfallen wollte. Die ganze verdammte Stunde lang brummelte es im Hinterkopf rum, ich hoffte auf eine Eingebung in letzter Minute, aber sie kam nicht. Normalerweise fallen mir Dinge, nach denen ich in Klausuren mein Hirn vergeblich durchwühle, in dem Moment ein, in dem ich die Hörsaaltür schließe, aber dieses Mal war das nicht so.

Eigentlich wollte ich nach der Klausur noch brav ins ZI fahren und weiter für Geld schreiben, aber ich war auf einmal so fürchterlich müde, dass ich nach Hause radelte. Ich brachte mein Fahrrad in den Keller, drückte auf den Fahrstuhlknopf, betrat den Fahrstuhl, die Tür schloss sich – und ich sagte laut zu mir: „Susan Baumert.“

Verdammte Axt.

Ein italienisches Dankeschön …

… an Annette, die mich mit Jan Brandts Tod in Turin überraschte. Von Brandt las ich vor gefühlt tausend Jahren in einem anderen Leben in einer anderen Stadt Gegen die Welt und wartete seitdem auf sein neues Buch. Durch die Unileserei vergaß ich ihn aber wieder, bis er mir auf Twitter wieder in die Timeline gespült wurde. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, spätestens in den Semesterferien endlich mal wieder einen Roman zu lesen. Oder Weihnachten. Oder nach der Masterarbeit. Es wird! Jedenfalls habe ich jetzt noch ein Buch für den Stapel. Vielen Dank für das Geschenk und die schöne Widmung, ich habe mich sehr gefreut.

Was schön war, Dienstag, 5. Juli 2016 – Veganes Backen

Morgens hatten wir die vorletzte Sitzung im Esskulturenseminar. Der Dozent kündigte an, nächstes Mal Kaffee und Tee mitzubringen – ob irgendjemand was dazu backen würde? Ich meldete mich sofort, und in dem Moment, wo meine Hand oben war, fiel mir ein, dass wir eine Veganerin im Kurs hatten. Mein geliebter (und Uni-erprobter) Orangenkuchen würde es also nicht werden. Aber was dann?

Ich erinnerte mich an Kathas Essperiment, sich 21 Tage lang vegan zu ernähren (dabei ist ein herrliches Kochbuch rausgekommen), und besonders an den Tag, an dem sie einen Schokokuchen bäckt, der sie verzweifeln lässt. Die ganzen 21 Tage habe ich bei ihr gerne gelesen, vor allem ihre reflektierte Herangehensweise an das Thema. Für mich selbst ist vegane Ernährung ausgeschlossen; ich habe 25 Jahre meines Lebens mit Restriktionen vergeudet, was ich essen darf und was nicht – damit bin ich durch. Ich esse seit dem Foodcoaching vor jetzt schon fast sieben Jahren, was ich will, wann ich will und wieviel ich will, und es geht mir seitdem psychisch und physisch deutlich besser als in den Jahrzehnten davor. For the record: Ich halte seitdem auch mein Gewicht, was ich davor knapp 30 Jahre lang nicht geschafft habe. Ich habe zwar keine Waage mehr, aber Kleidung, an der ich es merke, wenn ich plötzlich mehr oder weniger wiegen würde. Ja, ich bin immer noch dick. Nein, das ist nicht schlimm.

Zurück zum veganen Backen. Natürlich habe ich genug Foodblogs in den Lesezeichen, durch die ich mich wühlen könnte und ich kann auch googeln, aber wozu hat man eine Twittertimeline mit lauter Menschen, die man fragen kann und die im besten Falle den Kuchen auch schon mal gemacht und gegessen haben, den sie mir hoffentlich empfehlen können. Die Antworten kamen schnell, allerdings auch die kurze Diskussion, warum ich mir für eine Dame im Kurs die Mühe machen würde und muss das denn sein und womöglich will sie an dem Tag gar nichts essen und wenn doch, könnte ich ihr ja auch was vom veganen Bäcker kaufen und die anderen kriegen den guten Tierkuchen und bla. Das hat mich nicht mal wirklich geärgert, weil ich schon damit gerechnet habe, dass diese Diskussion wieder kommt, aber ich fand es schade, dass sie kommt. Wenn ich mein Seminar bebacke, dann sollen gefälligst alle die Möglichkeit haben, am gemeinsamen Mahl teilzunehmen. Gerade weil wir ausführlich über die soziale Funktion von geteiltem Essen gesprochen habe, fände ich es sehr doof, von dieser schönen Sitte eine Ausnahme zu machen. Und bei den vielen Kochblogger*innen, die brav alles aufschreiben, was schmeckt, wird es ja wohl verdammt doch mal einen Kuchen geben, den man auch als Omnivore*r genießen kann?

Seit gestern weiß ich: jau. Gibt es.

Ich habe mich sehr gefreut, dass der erste Tipp, den ich nachgebacken habe, ausgerechnet aus meiner Fußballtimeline kam – ich weiß gar nicht, ob der Herr vegan lebt oder nicht (edit: nein) – und dazu noch auf Chefkoch verlinkte. Ist aber beides egal, denn der Kuchen schmeckt sehr gut.

Ich habe das Rezept halbiert und musste gerade mal Margarine und irgendwas aus der Reihe Hafer- oder Sojadrink kaufen, den Rest der Zutaten hatte ich im Haus. Es ist dann ein Kokosdrink geworden, auf dem schön groß „vegan“ stand. Ich habe die Hälfte Kokosraspeln sowie Haselnusskerne verwendet und den Kuchen in einer kleinen Kastenform gebacken. Das ist auch der Grund, warum ich ihn nochmal backe, und zwar in einer Brownieform, und erst dann verbloggen werde: Er ist ein bisschen krümeliger als meine geliebten klietschigen Kuchen, aber wenn ich ihn flacher backe statt aufrechter, müsste das egal sein. Heute morgen ist er auch feuchter als gestern, wo er mir zu bröselig vorkam. Mir ist ein bisschen zu viel Kokos im Teig, daran werde ich etwas schrauben und stattdessen Mandeln nehmen. Aber ansonsten ist das ein wirklich schmackhafter Kuchen. Ich bin überrascht und erfreut.

Und am Wochenende, wenn meine Geschichtsklausur durch ist und das ZI geschlossen hat, backe ich noch diesen und diesen Kuchen. Nur aus Neugier.

Was schön war, Montag, 4. Juli 2016 – Lesen, schreiben, diskutieren

Früh in der Stabi gewesen, ein gutes Buch für mein Auftragstexten gefunden, begeistert mehrere Autobiografien von Frauen durchgeblättert, die im 19. Jahrhundert gelebt haben, damit ich vernünftiges Quellenmaterial für die Kindheitshausarbeit habe. Habe ich jetzt.

Um 11 ins Historicum geradelt (die 300 Meter halt), dort die vorletzte Sitzung im Biografiekurs gehabt. Zur Vorbereitung mussten wir den Aufsatz Die biographische Illusion von Bourdieu lesen (in Frankreich erstmals 1986 erschienen, auf deutsch 1990), der sich an Biografien abarbeitet; ein Standardtext der Biografieforschung. Bourdieu meint, dass Biografien eigentlich Kappes sind, denn sie gehen von einem Leben aus, das in einer Bahn verläuft, vielleicht mit Abweichungen und Kreuzungen, aber schon irgendwie so, dass sich am Ende eine Sinneinheit ergibt – oder zumindest sei das eine Herangehensweise von Biograf*innen an ihre Subjekte: eine retrospektive Sinnsuche. Kann ich nachvollziehen, mach ich quasi jede Woche, und ich ahne, dass viele von uns sich rote Fäden basteln, um in unserem Leben eine Richtung zu finden, die sich erst in der Rückschau ergibt. Eine Biographie wäre laut Bourdieu auch noch Quatsch, weil man sich als Akteur in so vielen unterschiedlichen sozialen Feldern bewege, dass man gar keinen roten Faden mehr sehen könne bzw. man sei eben so viele Menschen mit so vielen Eigenschaften, dass man keinen einzelnen rausschälen kann.

Wir wurden im Seminar in zwei Gruppen eingeteilt, und die eine musste für den Text argumentieren, die andere logischerweise gegen ihn. Ich landete blöderweise in der Gegen-Gruppe, denn eigentlich fand ich den Text recht einleuchtend. Nicht alles, Bourdieu halt, aber im Großen und Ganzen konnte ich das abnicken, was ich gelesen hatte. Nun war ich aber in der für mich neuen Situation, Argumente gegen etwas zu finden, was ich eigentlich gut fand. Das war eine spannende Übung, und wir schlugen uns ganz wacker, denke ich.

Nach der Diskussion durften wir wieder wir selbst sein, und ich merkte zu meiner eigenen Überraschung, dass ich noch minutenlang bei jedem Pro-Argument – das ja auch mein eigenes war – sofort ein „Ja, aber“ im Kopf hatte, weil ich mich eben 30 Minuten lang darauf gedrillt hatte, ein „Ja, aber“ zu finden.

Ich überlegte nach der Stunde, ob mir diese Technik irgendwie beim wissenschaftlichen Argumentieren helfen könnte. Ich hatte zwar bisher selten das Problem, für meine Hausarbeiten oder Referate Argumente zu finden, wenn ich erstmal den Punkt hatte, den ich machen wollte, aber vielleicht bringt mich das noch auf andere Gedanken, Quellen, Aussagen, wenn ich mich bockig vor meine eigene Arbeit stelle und sage, das ist doch Quatsch.

Dann fiel mir allerdings ein, dass ich das in der Werbung ewig gemacht hatte. Wenn man lange genug auf einem Kunden arbeitet, weiß man irgendwann, welche Worte der Kunde nicht gerne in einer Headline liest, welche Looks er doof findet, welche Art Humor gerade noch so geht und welche nicht. Irgendwann hat man beim Texten die Berater*innen- oder Kundenschere im Kopf, die einem selbst schöne Headlines versaut, weil man schon beim Schreiben denkt, nee, das mag der Kunde nicht und das mag er nicht und das auch nicht. Anstatt erstmal alles rauszuhauen, was dem Kopf einfällt. Es ist sehr anstrengend, diese Schere wieder loszuwerden. Junior*innen der Welt – trainiert sie euch gar nicht erst an. Rotzt erstmal schön 200 Headlines raus, bevor ihr die Schere zückt. Aber das wisst ihr ja eigentlich auch.

Nach der Uni ins Zentralinstitut für Kunstgeschichte gefahren und wieder am Auftragstext geschraubt. Das geht immer besser und ich bin sehr zufrieden. Außerdem merke ich bei jeder Objektbeschreibung, dass mein Hirn unwillkürlich Dinge ausspuckt, die ich mir in den letzten vier Jahren angelesen habe. Das ist immer noch der Effekt, der mich am Studium am meisten begeistert – zu sehen, dass ich eben doch schon viel weiß, auch wenn ich bei jedem neuen Thema erstmal denke, ich hätte keine Ahnung.

Eben aus den Twitterlinks gefischt und für wichtig befunden: Quellenangaben im digitalen Zeitalter.

The Last Laugh (Regie: Ferne Pearlstein, USA 2016, 89 min.)

Im Rahmen des diesjährigen Filmfests München sah ich gerade mal einen einzigen Film, aber der war dafür sehr gut. The Last Laugh, ein Dokumentarfilm von Ferne Pearlstein, fragt, ob man über Nazis und den Holocaust lachen darf – und hat keine eindeutige Antwort darauf.

Im Film kommen diverse, ich glaube ausschließlich jüdische, Komiker*innen zu Wort, die sich mit dem Thema Judenverfolgung, Nationalsozialismus, der Figur Hitler und dem Holocaust auseinandersetzen. Er fängt schon damit an, dass einige von ihnen Witze zu diesem Thema erzählen, und ich habe lange mit mir gerungen, ob ich sie aufschreiben sollte, denn sie waren so gut wie alle schöne Schenkelklopfer. Ich ahne aber, dass sie geschrieben längst nicht solche Kracher sind, daher fragt mich einfach beim nächsten Twittertreffen danach, ich habe jetzt ein paar im Repertoire. Und ja, die darf ich auch als nichtjüdische Deutsche erzählen.

Auch das war eine Frage: Wer darf Witze über dieses Thema machen? Ich persönlich würde mich sehr schwer damit tun, Witze über jüdische Menschen oder den Holocaust zu machen. Witze über Nazis und Hitler dagegen – immer her damit. Aber selbst das mag eine Frage des Abstands sein. Der Film sagt klar, dass jedes Thema seine Zeit brauche. Über 9/11 konnte man auch nicht schon direkt danach Scherze machen, wenn man mal von Rudy Giuliani und dem Emsemble von Saturday Night Live absieht, von dem Giuliani Ende September 2011 gefragt wurde, ob man so kurz nach den Attacken schon wieder lustig sein dürfe, und er trocken meinte: „Why start now?“ Weitere Einspieler zeigten Chris Rock, der sich über die neuen Türme am Ground Zero aufregt und sie die Never-go-in-there-towers nennt, „because I’m never going in there.“ Der Scherz funktioniert aber auch erst jetzt und wäre zwei, drei, vier Jahre nach 2001 vermutlich böse versandet.

Was ich bei mir festgestellt habe: Meine Sichtweise – oder Toleranz? – gegenüber Themen oder Menschen, die diese Themen auf ihre Art anfassen, hat sich anscheinend geändert. Ich hatte immer Schwierigkeiten mit Sarah Silvermann; ich fand sie stets einen Fußbreit zu sehr über meiner persönlichen Schmerzgrenze, aber im Film fand ich sie großartig, reflektiert – und vor allem witzig. Eine ähnliche Frage kam beim Q&A nach dem Film mit der Regisseurin, die über 20 Jahre an diesem Thema rumgeknetet hat, bis dann in den letzten Jahren The Last Laugh daraus wurde. Sie wurde gefragt, ob sie im Laufe der Dreharbeiten Witze gehört habe, die über ihre Schmerzgrenze hinausgingen, und sie meinte, ja, da wäre einer dabei gewesen, den hätte sie geschnitten. Netterweise erzählte sie uns den Scherz im Kino und auch im Saal hielten sich, glaube ich, die Reaktionen „lautes Lachen“ und „scharf die Luft einziehen“ die Waage. (Bei mir war’s beides auf einmal.)

Pearlstein hatte überlegt, den Witz trotzdem drinzulassen, denn ihre Referenzhörerin für Scherze war die Auschwitz-Überlebende Renee Firestone, die mit ihrer Tochter Klara den zweiten roten Faden im Film bildet; der erste sind die Komiker*innen. Erst kurz vor Schluss fasst sie zusammen, was wir 90 Minuten lang sehen durften: gut zu leben, glücklich zu leben, fröhlich zu sein – das ist ihre beste Rache für das, was ihr angetan wurde. Und selbst wenn sie über ihre KZ-Zeit spricht, macht sie Witze und erzählt die Geschichte, dass Josef Mengele sie und ihre Schwester untersucht habe, ob sie für Experimente in Frage kämen, und während er an ihr rumdrückte, meinte er, falls sie den Krieg überleben sollte, sollte sie sich bitte die Mandeln rausnehmen lassen, sie hätte wirklich große Mandeln. Da steht diese kleine Dame in ihrer Küche in den USA und findet es lustig, was Mengele zu ihr im KZ gesagt hat, und man sitzt im Publikum und kann sich, gerade wenn man in Deutschland ist, nicht so richtig mit ihr darüber freuen, dass sie gerade eine so gute Punchline hatte.

Überhaupt ist der Film ein ständiges Hin und Her zwischen sehr guter Komik und Szenen, in denen man als Deutsche*r einfach nur seinen Hut nehmen nöchte. Wenn einem alle 20 Sekunden lang das Wort Holocaust unterkommt, kann man nicht so recht entspannt mitlachen. Irgendwann macht man es natürlich doch, denn wer könnte schon Mel Brooks widerstehen oder eben Frau Silverman, Larry David oder Harry Shearer. Und dann erzählt Renee, dass sie in Auschwitz ihre Schwester Klara verlor und davon, dass sie erst vor wenigen Jahren herausgefunden hatte, dass sie nicht bei Experimenten gestorben sei, sie den Mann ausfindig machen konnte, der an ihrer Ermordung beteiligt war und der gemeint hatte, man hätte Klara ja nicht überleben lassen können, nach dem, was sie mitgemacht habe, und der Mann hätte in München gelebt. Und man sitzt platt im Publikum und bemüht sich, möglichst leise in sein Taschentuch zu weinen.

Renee fand den Witz, den Pearlstein schlussendlich schnitt, „hilarious“, aber auch das machte Pearlstein klar: Es hat jede*r seine eigene Schmerzgrenze, und dieser Witz war ihre. Auch Mel Brooks meint, dass er nie Witze über den Holocaust machen würde, und mir ist erst in diesem Film aufgefallen, dass der Mann Witze über so ziemlich alles macht, auch über seine eigene Religion und Nazis sowieso, aber stimmt, den Holocaust fasst er nicht an. Er findet auch Filme wie Das Leben ist schön furchtbar, andere Komiker*innen im Film äußern sich ähnlich, Schnitt, ein Herr der Anti-Defamation League tritt auf und sagt, Das Leben ist schön sei einer der besten Filme, die je gedreht wurden. Er bezog sich auf das generelle Thema, dass Eltern alles für ihre Kinder tun und deswegen sei der Film großartig, während die anderen Stimmen meinten, der Film verharmlose den Holocaust. Eigene Schmerzgrenze, eigene Definitionen.

Renee und Klara nehmen an einer Convention in Las Vegas teil, in der sich Holocaust-Überlebende treffen. Eine der skurrilsten Szenen im Film ist eine Gondelfahrt von Renee und einer weiteren Überlebenden, die im nachgebauten Venedig stattfindet; die beiden sprechen über die Ermordung von sechs Millionen Juden, und hinter den beiden alten Damen schmettert ein amerikanischer Gondoliere O sole mio. Man denkt 30 Minuten lang, das ist jetzt echt ein albernes Setting, aber kurz vor Schluss des Films erzählt Renee, dass sie kurz vor ihrer Verhaftung im Strandbad war, einen neuen Badeanzug trug und die ganze Zeit dieses Lied über Lautsprecher schallte. Sie stieg mit dem Badeanzug unter ihrer Kleidung in den Viehwagen, der sie nach Auschwitz brachte, und hatte O sole mio im Ohr.

Ja, genau. Taschentuch.

Ich mochte es sehr, dass The Last Laugh viele Menschen zu Wort kommen ließ und selbst keine eigene Meinung zu haben scheint. Was man mitnimmt, sind viele persönliche Auseinandersetzungen mit diesem Thema, nicht nur die der Komiker*innen, sondern zum Beispiel eben auch die der Dame in der Gondel, die Witze über ihr Schicksal niemals lustig findet, weil es einfach nicht lustig war, was ihr passiert ist. Darüber sind sich auch alle Komiker*innen einig: Wenn du schon einen Witz über ein solches Thema machst, dann muss er wirklich verdammt gut sein. Der Film bietet einige an, hat aber auch durchaus welche im Angebot, bei denen ich mir gerne die Ohren mit Seife ausgewaschen hätte. Aber auch hier wieder: eigene Schmerzgrenze.

Mich persönlich hat der Film noch etwas länger beschäftigt, weil ich mich, total neu für euch, ich weiß, gerade intensiv mit der Kunst der NS-Zeit auseinandersetze. Ich ahne, dass da ein Promotionsthema drin sein könnte und ich finde alles, was ich darüber lese, spannend und lehrreich. Ich weiß auch, dass gerade die deutsche Kunstgeschichte sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, wenn es um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema geht; das passiert quasi erst seit gut 20 Jahren, davor galt die bequeme Position, das ist alles keine Kunst, das geht uns nichts an. Dass es aber natürlich Kontinuitäten gab, die vor 1933 begannen und sich nach 1945 fortsetzten, heißt, dass es uns eben doch etwas angeht. Wir buddeln gerade nach Spuren, die vor 70 Jahren noch dagewesen wären, aber damals wollte ja niemand was mit diesem Thema zu tun haben.

Ich frage mich nach solchen Filmen aber: Will ich mit diesem Thema zu tun haben? Werte ich im Nachhinein eine Kunst auf, die es vielleicht nicht verdient hat? Wäre es vielleicht wirklich besser, alles als Schrott zu deklarieren und gut ist? Ich weiß natürlich, dass ich persönlich keinem Opfer schade, wenn ich mich mit den Bildern beschäftige, die Hitler gefallen haben. Ich weiß auch, dass es wichtig ist, Dinge festzuhalten, bevor sie in der Geschichte verschwinden oder zu Dämonen werden, die sie nicht sind. Ich zitiere immer gerne Julia Voss, die über die Website der Großen deutschen Kunstausstellung schrieb, die erstmals den Zugang zu den Werken ermöglichte: „Wer im Internet die Ausstellungsräume durchschreitet, fühlt sich wie jemand, der eine Höhle betritt, von der es hieß, sie sei von Drachen bewohnt, und darin auf Eidechsen, Molche und Lurche trifft.“ (Hier ein Artikel von ihr, der vollständig online ist, in dem aber das schöne Zitat fehlt.)

Ich bin mit meinem Denkprozess noch nicht am Ende – wann bin ich das schon –, aber es fällt schwerer, unbefangen an die ganzen blöden Landschaften und Stillleben zu gehen, wenn man Holocaust-Überlebenden zuhört. Vermutlich soll das genau so sein.

Tagebuch, Donnerstag/Freitag, 30. Juni/
1. Juli, 2016

Am Donnerstag mal wieder den schönen Kindheitskurs gehabt, wie immer viel gelernt. Nächste Woche ist die Klausur – und ich habe erstmals das Gefühl, gar nicht so groß lernen zu müssen. Ich habe alle Texte brav gelesen und mich im Unterricht beteiligt, wobei ich das eigentlich immer mache. Trotzdem ist eben dieses Gefühl da, gut Bescheid zu wissen, und ich weiß jetzt gerade selber nicht, ob das die fieseste Täuschung meiner Unizeit ist oder ich wirklich gut Bescheid weiß. Zur Sicherheit bastele ich mir Lernkärtchen und lese die Texte nochmal, aber meistens merke ich beim Lesen, ja, weiß ich doch alles. Hm.

Nachmittags einen Kommerztextauftrag bekommen, der ziemlich gut von der Hand ging. Das war schön zu sehen, dass ich das Werben noch nicht verlernt habe. Es hat eine gute Stunde Anlauf gekostet, aber dann kamen Headlines, mit denen man arbeiten konnte. Die davor waren zum Warmschreiben. Freitag bekam ich bereits Feedback, und für Montag muss ich noch einen Schwung machen. Irritierenderweise freue ich mich darüber.

Am Freitag den ganzen Tag im ZI gesessen und gelesen und geschrieben. Mein Kunsttextauftrag besteht aus 15 Werkbeschreibungen; die Objekte sehen alle völlig unterschiedlich aus, haben aber eine gemeinsame Klammer. Bei den ersten Texten merkte ich meine neue Stimme, die mich sehr gefreut hat. Je länger ich an dem Job sitze, desto mehr koche ich den Überschwang wieder runter, werde wieder wissenschaftlicher, behalte aber trotzdem das Grönersche in den Beschreibungen. Jetzt, bei Nummer 7 und 8, die ich gestern fertiggstellte, merke ich schon eine Art Routine – im positiven Sinn. Allmählich sehe ich die Klammer besser; ich kann mich auf das Einzigartige der Objekte konzentrieren und die Klammer im Hintergrund mitschwingen lassen.

(Ja, ich weiß, das ist alles Geraune für euch, aber ich darf noch nicht konkreter werden. Für mich ist es wichtig, die Veränderungen im Schreibprozess nachzuvollziehen.)

Was schön war, Mittwoch, 29. Juni 2016

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Psst, der Film läuft heute nochmal um 17.30 Uhr. Große Empfehlung. Man hat danach allerdings einen fiesen Ohrwurm. (Aus diesem Film natürlich.)

Referatsnotizen zur Frankfurter Küche (1926)

Letzte Woche hielt ich im Esskulturenseminar mein Referat zur Frankfurter Küche. Ich schreibe hier mal die Dinge runter, die ich spannend fand bzw. die mir bei der Recherche aufgefallen sind; alles weitere steht ja in der Wikipedia.

Als Einleitung zum Referat stellte ich die Diskussion um Arbeits- oder Wohnküchen vor. Dafür recherchierte ich erstmal, wie Küchen überhaupt so aussahen. Bis ins 16. Jahrhundert spielte sich, vor allem im bäuerlichen Bereich, fast das ganze Leben in einem Raum statt: Um die Feuerstelle herum, wenn’s einem richtig gut ging, war sie ummauert, wurde geschlafen und gearbeitet, auf ihr wurde gekocht. Sie war Wärme- und Licht-, allerdings auch Rußquelle. Oft lebte in diesem Raum auch noch Kleinvieh, wurde aufgezogen, geschlachtet und weiterverarbeitet. Erst im 19. Jahrhundert und mit dem Aufkommen des Bürgertums änderte sich am Raum Küche wirklich etwas, was auch den kleineren Familien, den neuen industriellen Errungenschaften und dem neuen Wissen über Hygiene zu verdanken war.

Es entwickelten sich die schon angesprochenen Wohn- und Arbeitsküchen. In der Arbeiterklasse herrschte die Wohnküche vor; wieder wurde in diesem warmen Raum nicht nur gekocht, sondern auch gearbeitet; der Hausherr nutzte die oft vorhandene Küchenbank für ein kleines Schläfchen, generell herrschten Holzmöbel vor, die die Küche klar als Wohnraum auswiesen. Bestickte Handtücher schmückten nicht nur, sondern schützten die noch ungekachelten Wände vor Fettspritzern. Ein Badezimmer gab es nicht; in der Küche stand meist eine Blechsitzwanne. Beim Herd lief Altes neben Neuem: Es gab weiterhin die gemauerten Feuerstellen, weiterhin gab es gekachelte Öfen mit einer Eisenplatte, auf der gekocht wurde, und im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam ein tragbarer Eisenherd, die sogenannte Kochmaschine, in Mode. Seit 1807 war Gas in Städten zur Beleuchtung verwendet worden, zum Kochen wurde es ab den 1880er Jahren verwendet. Für den elektrischen Strom wurde ab den 1890er Jahren geworben, er blieb aber lange Zeit teurer als andere Heiz- und Kochmittel, was auch die Akzeptanz der Frankfurter Küche beeinflussen sollte.

Fließendes Wasser gab es eher in den städtischen Bürgerhäusern; dort war neben der Küche gerne noch eine Spülküche, in der das Geschirr gewaschen wurde, weiterhin befand sich in der Wohnung eine Waschküche. Diese Bürgerhäuser besaßen meist auch schon ein Badezimmer. In anderen Häusern gab es stattdessen eine Wasserzapfstelle im Treppenhaus für mehrere Parteien.

Beim Stöbern in diversen Büchern zur Küchengeschichte fielen mir Gegenstände auf, die ich von meiner Omi kannte. Das war ein sehr seltsames Gefühl, in der Bibliothek zu sitzen und mit einem Wort wieder in der Küche in der Nähe von Hannover zu sein, in der ich als Kind immer gern gespielt hatte. Omi hatte einen Tisch mit einem ausziehbaren Holzeinsatz, weswegen der Tisch sechs statt vier Beine hatte, was mich immer irritierte. In diesen Einsatz konnte man zwei große Emailleschüsseln setzen, die ich als Kind schlicht deswegen toll fand, weil sie so groß waren und so schön in den Tisch passten. Erst durch die Lektüre zu diesem Referat ist mir klargeworden, dass in diesen Schüsseln das Geschirr oder auch kleine Wäschestücke gesäubert wurden; das Wasser dafür kam eben aus dem Treppenhaus. Ich meine mich daran zu erinnern, dass Omi diesen Ausziehtisch und die Schüssel sogar noch verwendet hat, aber ich glaube, eher für riesige Familienfeiern, wo man halt große Schüsseln brauchte, um für 40 Leute Schokoladenpudding anzurühren.

Zurück in die bürgerliche Küche vor dem 1. Weltkrieg. Sie war eine reine Arbeitsküche. Das Bürgertum hatte repräsentative Räume, in denen auch gespeist wurde; in die Küche verirrte sich die Hausfrau höchstens mal, um der Köchin oder dem Dienstmädchen zu sagen, was sie gerne hätte. (Einschub aus dem Rebekka-Habermas-Referat, in dem ich über zwei Generationen des Besitz- und Bildungsbürgertums sprach: Anfang des 19. Jahrhunderts war für die Hausfrau die Nahrungszubereitung genau das: Nahrung, die zubereitet wurde und die wurde dann gegessen, fertig. Eine Generation später legte die Tochter großen Wert darauf, ihrem Gatten mal sein Leibgericht zu servieren und sich daran zu erfreuen, dass er sich freute. Die Rolle der Hausfrau war nun mehr als „nur“ die Verwaltung von Haus und Hof (Stichwort Schüsselgewalt), sondern die liebevolle Verwaltung. Die Frau sollte nun bitteschön darauf achten, dass nicht nur alles lief, sondern dass es auch noch hübsch war und alle glücklich lächelten. Ich übertreibe, aber das hat mich schon wieder wahnsinnig gemacht. Die Mutter im Buch schreibt ihrer Tochter auch wütende Briefe, warum sie jetzt selbst stricke und häkele und nähe, anstatt das gefälligst Leute machen zu lassen, die dafür Geld kriegen, aber das Töchterlein fand das halt so nett, mit ihren Töchtern beisammenzusitzen und etwas Schönes zu produzieren, das keinerlei ökonomischen Wert hatte.

Stoßrichtung des Habermas’schen Buch ist es, die angeblich tradierten Geschlechterrollen neu zu betrachten: Viele Entscheidungen seien den Frauen nicht von den Männern aufgedrückt worden, sondern sie hätten sie selbst gefällt. Das kann sie auch sehr gut begründen, wobei ich ihr, genau wie jede*r andere*n Biograf*in unterstelle, die Quellen so zu interpretieren, wie es passt. Da ich für mein Kindheitsseminar viele andere Texte über das gleiche Thema gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ihr Buch – zusammen mit Trepps Sanfte Männlichkeit und selbstbewusste Weiblichkeit – irgendwie immer die Exotinnenfußnote bildet. Die Forschung scheint anzuerkennen, dass es Gegenstimmen zum gelernten „Mann geht raus und arbeitet für Geld, Frau bleibt im Heim und macht nix“ gibt, aber so richtig niedergeschlagen hat sich das in der weiteren Literatur noch nicht. Einschub Ende.)

Die bürgerliche Küche war ihrer Aufgabe entsprechend eher kleiner als die Arbeiterküche, eher weiß eingerichtet (das kam Anfang des 20. Jahrhunderts in Mode), eher schlicht als wohnlich. Es gab kurz nach dem 1. Weltkrieg Bestrebungen, Familien ganz von der Last des Kochens zu befreien. In Berlin entstanden einige sogenannte Einküchenhäuser; dort war im Erdgeschoss oder Souterrain eine große Küche, in der Bedienstete für das ganze Haus kochten und die Nahrung per Speiseaufzug in die einzelnen Wohnungen schickten. Die Wohnungen selbst hatten höchstens einen kleinen mobilen Gaskocher, falls doch mal etwas erhitzt werden musste. In der jungen Sowjetunion gab es die gleichen Bestrebungen, allerdings eine Nummer größer: Hier wurden Kommunalgebäude geplant, in denen hunderte von Familien von einer Großküche verpflegt wurden. Sie aßen allerdings alle gemeinsam in einem großen Speisesaal. Ich habe das betreffende Buch leider schon zurückgegeben, daher weiß ich nicht mehr genau, ob diese Kommune über das Planungsstadium hinauskam (ich glaube ja). Die Häuser in Berlin (hier weiß ich nicht mehr genau, wo sie waren) besaßen nur wenige Jahre eine Gemeinschaftsküche – schon um 1920 herum wurden die einzelnen Wohnungen mit Küchen nachgerüstet.

In den USA entwickelte sich in den 1880er Jahren das Home Economics Movement, das darauf hinwies, dass gerade in der Küche und ihren Arbeitsabläufen nicht mehr alles zeitgemäß und viel zu umständlich war. Nach 1910 wurden sowohl in den USA als auch in Deutschland die Handgriffe der Hausfrauen vermessen, um festzustellen, wo Arbeit einzusparen war. Das Movement und auch Teile der Frauenbewegung wollten die Frau nicht aus der Küche herausholen, ihr aber einen effizienten und ergonomischen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Küchenarbeit sollte als eben das anerkannt werden: Arbeit.

Schon bei der Ergonomie haperte es: Es gab noch keine einheitlichen Standards für Möbel oder technische Geräte. Meist sahen gerade Arbeiterküchen aus so wie heutige WG-Küchen: Jeder bringt was mit und irgendwie passt das dann halt. Nur in Hotelküchen hatten sich Standards bereits durchgesetzt, denn dort wurde professionell und in größerem Ausmaß gekocht, ähnlich wie sich Effizenzbestrebungen und ergonomische Arbeitsabläufe langsam in der Industrie durchsetzten, um die Produktion zu erhöhen. (Darüber kann man natürlich auch diskutieren, wie toll das für die Arbeiter*innen war, dass sie mehr produzieren konnten.)

Margarete Schütte-Lihotzky, die Architektin der Frankfurter Küche, ließ sich vom Mitropa-Speisewagen inspirieren. Sie stellte fest, dass dort auf 8 qm (eine Küche und ein Raum zum Anrichten der Speisen) in 15 Stunden über 400 Gäste verköstigt werden konnten und fragte sich, wieso eine Familie von fünf Personen, die dreimal am Tag isst, doppelt oder dreifach so viel Platz brauchte.

Kurz zur Wohnungsbausituation. Nach dem 1. Weltkrieg zogen immer mehr Menschen in die Städte. Der Anteil der Stadtbewohner*innen stieg von 1910 bis 1930 von 21 auf 37% der Bevölkerung. 1930 lebte ein Siebtel aller Deutschen im Großraum Berlin. Dort und in Frankfurt (unter der Leitung von Ernst May) wurden als Pilotprojekte große Wohnanlagen in Vorstädten geplant, die die überfüllten Innenstädte entlasten sollten. Aus Kostengründen entschied man sich für die Plattenbauweise und relativ kleine Wohnungen. Zwischen 1920 und 1932 wurden im Deutschen Reich 2,6 Millionen Wohnungen mit fließendem Wasser, Gas und Elektrizität gebaut. In 10.000 dieser Wohnungen in Frankfurt wurde die Frankfurter Küche eingebaut. Einige wenige sind meines Wissens nach noch erhalten, aber auch sie befinden sich nicht mehr komplett im Originalzustand.

(Wenn Sie sich bitte mal das Bild in der Wikipedia angucken? Sie können meine folgenden Ausführungen dann besser nachvollziehen.)

Die Küche war eine reine Arbeitsküche und folgte damit auch der Maxime von Bruno Taut, der 1924 gefordert hatte, nur noch Arbeitsküchen in neue Wohnungen einzubauen. Die Sozialwissenschaftlerin Erna Meyer (die später die Münchner Küche entwarf) vertrat 1926 eher die Wohnküche; sie propagierte eine Kochzeile im Wohnraum, damit die Hausfrau nicht so von ihrer Familie abgeschnitten war. Schütte-Lihotzky entschied sich für eine Arbeitsküche, in der auf 6,5 qm Kochen, Abwaschen und Bügeln möglich war.

Besonders an der Küche war, neben ihrer geringen Größe, zum Beispiel das Abtropfgestell über der Spüle. Effizienzuntersuchungen hatten festgestellt, dass Frauen die schmutzigen Teller meist links von sich liegen hatten; sie mussten aufgenommen und gewaschen werden, wurden dann rechts abgelegt und später verräumt. Mit dem Abtropfgestell erspart man sich einge Handgriffe: Das Geschirr wird aufgenommen, abgewaschen und im links hängenden Gestell deponiert, wo es trocknet und auch seinen endgültigen Aufbewahrungsplatz hat.

Der Drehstuhl vor der Tischplatte ist höhenverstellbar, das Fenster extra etwas höher angebracht, damit man es entspannt öffnen kann, selbst wenn der Tisch mit Nahrung oder Gerätschaften zugestellt ist. In der Tischplatte befindet sich ein Loch, durch das Gemüsereste wie Kartoffelschalen etc. direkt in eine kleine Schublade geschoben werden konnten. Die Schublade wurde später entleert. (Sowas hätte ich gerne! Außer wenn ich Tomatensauce koche, saue ich meine Küche dann am großflächigsten ein, wenn ich Müll von der Arbeitsplatte in den Mülleimer transportiere.)

Neben dem elektischen Herd befindet sich eine Kochkiste, die, wenn ich den Foodblogs glauben darf, gerade eine kleine Renaissance feiert. In ihr garen angekochte Speisen stundenlang einfach weiter, bis sie fertig sind – ganz ohne Strom oder andere Energie. An der linken Wand der Küche befindet sich ein herunterklappbares Bügelbrett, und der Weg ins Esszimmer nebenan soll nicht mehr als drei Meter betragen. Rechts in der Schrankwand, die, auch neu, bewegliche Einlegeböden hatte, befinden sich die Haarer Schütten, die ich auch gerne hätte. Sie ersparen der Hausfrau das ewige Packungsaufreißen und -wiederverschließen; Mehl, Zucker, Hülsenfrüchte etc. werden einfach in die Schütte getan und können von dort aus auch verwendet werden – daher der Name Schütte. Man konnte den Zucker einfach rausschütten und musste nicht noch löffeln oder ähnliches. Und schick sehen sie aus! Mein Lieblingsfeature in der Küche ist allerdings die Deckenlampe, die man genau dahinschieben oder -ziehen konnte, wo man sie gerade brauchte. Okay, heute haben wir drehbare Halogenspots, aber wie clever!

Für die Frankfurter Küche wurde erstmals mit der Industrie zusammengearbeitet, die einheitliche Maße fertigte und das durch die geforderte hohe Stückzahl auch noch halbwegs erschwinglich. Trotzdem wurden die Wohnungen für Arbeiter meist zu teuer, die meisten Bewohner*innen waren kleinbürgerlich – und teilweise nicht ganz glücklich mit der neuen Küche, obwohl sie in Radiospots und Veranstaltungen erklärt wurde und es Informationsmaterial zu ihrer Benutzung gab. Hauptkritikpunkt war, und das freute vermutlich Frau Meyer, dass die Hausfrau sich von ihrer Familie zu sehr abgeschnitten fühlte in ihrem kleinen Arbeitskabinett. Es wurde außerdem bemängelt, dass eigene Möbel keinen Platz mehr hatten, das Loch im Tisch sorgte für Erstaunen, und mit der Elektrizität konnten sich auch viele nicht anfreunden. Teilweise war es eine Preisfrage, teilweise wollten sie schlicht nicht damit kochen. Einige nutzten kleine Gaskocher für ihre Mahlzeiten, andere gaben zu, gar nicht mehr warm zu essen.

Die Frankfurter Küche war auch deshalb so neu, weil sie erstmals im privaten Bereich einen kompletten Raum durchgestaltete. Heute gaukeln uns Einbauküchen und Ikea wenigstens vor, dass wir noch eine Wahl hätten, aber im Prinzip machen wir heute das gleiche: Wir gestalten einen Raum anstatt dass wir wild Möbel in ihm platzieren. Die blauen Oberflächen waren übrigens nicht nur Deko; angeblich hatten Wissenschaftler*innen herausgefunden, dass Fliegen sich nicht auf blaue Flächen setzten.

Die Nationalsozialisten propagierten wieder die gemütliche Wohnküche. Nach 1945, als wie schon in den 1920er Jahren große Wohnungsnot herrschte, entschied man sich wieder für eher kleine Küchen, die inzwischen unter dem Namen Schwedenküche aus den USA in die Bundesrepublik kamen. 1956 hatte eine Sozialwohnung durchschnittlich 57,6 qm (zwei Zimmer, Küche, Bad). Die Küche war meist zwischen 4 und 7 qm groß und mit Herd, Spüle, Speisekammer oder entflüftbarem Speiseschrank ausgerüstet. Ich meine mich zu erinnern, dass Kühlschränke erst in den 1960er Jahren in der Bundesrepublik Standard wurden, aber das weiß ich nicht mehr genau.

In den 1950er Jahren wurden in Westdeutschland erstmals glatte, durchgehende Arbeitsflächen und industriell genormte Geräte, die fugenlos verbunden waren, verbaut. Die Ausstattung und Einrichtung der Küche wurde allerdings nicht mehr vorgegeben, sondern konnte bereits individuell zusammengestellt werden. Seit 1957 gab es DIN-Normen für Elektrogeräte und Schrankteile, in dieser Zeit kamen auch Kunststoffoberflächen in Mode. Küchen wurden cleaner und aseptischer, was in den 1970ern zum Umschwung in Richtung gemütliche Landhausküche führte. 1970 war die durchschnittliche Küche 11 qm groß, nicht nur in Mietwohnungen, auch in Eigenheimen. 1993 hatten dreiviertel aller Küchen eine Größe zwischen 5 bis 15 qm. Meiner Meinung nach hat sich weder die reine Arbeits- noch die reine Wohnküche durchgesetzt.

In der DDR machte man sich nach 1949 Gedanken zum sozialistischen Design, das ähnlich schwer zu definieren war wie die sozialistische Kunst (Formalismusstreit). Man endete ungefähr da, wo auch Westdeutschland war: bei kleinen Küchen mit skandinavisch anmutendem Design. Der Grundgedanke war auch hier: günstige, funktionale Möbel in erschwinglichen und schnell zu bauenden Wohnungen.

Mit der Planung von mehrgeschossigen Wohnbauten wurde Gerhard Kosel beauftragt, der 1954 aus der Sowjetunion in die DDR zurückkehrte. Er war 1932 mit Bruno Taut (wir erinnern uns: Arbeitsküche 1924) in die UdSSR übergesiedelt und hatte unter Ernst May (wir erinnern uns: Frankfurt) am Aufbau eines Kombinats mitgewirkt. Ich gehe stark davon aus, dass seine Kollegen, Lehrmeister und Vorgesetzten seine architektonische Auffassung von Küchen- und Wohnraumgestaltung entscheidend mitgeprägt haben. Außerdem quietsche ich immer glücklich, wenn ich solche Querverbindungen finde, weil man dann einen schönen roten Faden fürs Referat hat. „Auf den Herren komme ich nochmal zurück.“ Zack, Aufmerksamkeit.

Kosel entwickelte zwischen 1960 und 1962 den Plattenbau P2, der bis 1989 verbaut wurde. Das Besondere an ihm war die innenliegende, fensterlose (und kleine) Küche, die nur durch einen Vitrinenschrank mit Durchreiche belichtet wurde, der die Küche vom Wohnraum abtrennte. Ab 1972 gab es zusätzlich den Bautyp WBS 70, dessen Küchen größtenteils außenliegend waren.

Die Frage, die ich zum Beginn des Referats stellte, war: Hat die Frankfurter Küche die Küchenentwicklung in der Bundesrepublik und der DDR nach 1945 beeinflusst? Das würde ich mit einem dicken Ja beantworten. Die Frankfurter Küche hat kleine Küchen zu einem Normalzustand gemacht (das kann man positiv oder negativ sehen), wir setzen heute ergonomische, flexible Möbel in der richtigen Höhe voraus und verlassen uns auf eine standardisierte Fertigung, damit der neue Herd auch ja in die Lücke passt, die der alte hinterlassen hat.

Literatur (Auswahl):

Andritzky, Michael (Hrsg.): Oikos – von der Feuerstelle zur Mikrowelle. Haushalt und Wohnen im Wandel, Gießen 1992.

Däuper, Anne: „Zwischen Kochtopf und Fassade“, in: ach. Ansichten zur Architektur 23/24 (2006), S. 7/8.

Heßler, Martina: „The Frankfurt Kitchen: The Model of Modernity and the ‚Madness‘ of Traditional Users, 1926 to 1933“, in: Oldenziel, Ruth/ Zachmann, Karin (Hrsg.): Cold War Kitchen. Americanization, Technology, and European Users, Cambridge, Mass. 2009, S. 163–184.

Mai, Gunther: Europa 1918–1939. Mentalitäten, Lebensweisen, Politik zwischen den Weltkriegen, Stuttgart 2001.

Miklautz, Elfie/Lachmayer, Herbert/Eisendle, Reinhard (Hrsg.): Die Küche. Zur Geschichte eines architektonischen, sozialen und imaginativen Raums, Wien/Köln/Weimar 1999.

Noever, Peter (Hrsg.): Margarete Schütte-Lihotzky. Soziale Architektur. Zeitzeugin eines Jahrhunderts, Wien 1996.

Palutzki, Joachim: „Der standardisierte Wohnungsbau. Zur Entwicklung der Wohnungsbauprogramme der 1960er und 1970er Jahre in der DDR“, in: Lichtnau, Bernfried (Hrsg.): Architektur und Städtebau im südlichen Ostseeraum zwischen 1936 und 1980, Berlin 2002, S. 409–433.

Pfützner, Katharina: „‚But a home is not a laboratory‘. The Anxieties of Designing for the Socialist Home in the German Democratic Republic 1950–1965“, in: Schuldenfrei, Robin (Hrsg.): Atomic Dwelling. Anxiety, Domesticity, and Postwar Architecture, London 2012, S. 149–168.

Silbermann, Alphons: Die Küche im Wohnerlebnis der Deutschen. Eine soziologische Studie, Opladen 1995.

Surmann, Antonia: Gute Küchen, wenig Arbeit. Deutsches Küchendesign im westeuropäischen Kontext 1909–1989, Berlin 2010.

Das Surmann-Buch ist der Kracher! Das ist eine kunsthistorische Dissertation, laut Einleitung die erste, die sich mit Küchendesign in Westeuropa von 1909 bis 1989 beschäftigt. Die Bilder sind eine einzige Schatztruhe. Alleine damit könnte man einen entspannten Diaabend mit Mettigel und Früchtebowle bestreiten.

Eine Leserin wird sehr über den Noever stöhnen, aber ich fand den recht informativ.