Samstag, 7. Februar 2026 – Furmint und Blaufränkisch
F. und ich feiern unseren Jahrestag traditionsgemäß im schönen Broeding, wo gefühlt jeder Besuch immer ein bisschen besser ist als der letzte. Gestern hatten wir uns im Vorfeld auf Furmint und Blaufränkisch als Weinbegleitung geeinigt und ließen uns dann vor Ort nach einem erneuten Blick in die Weinkarte beraten. Es wurden die beiden Schätzeken im Foto und beide waren großartig.

Beim Furmint schlug der Sommelier zwei Varianten des Homonna vor, eine eher mineralisch, eine eher cremige, und wir entschieden uns für die cremige. So war das gute Stück dann auch: schon die Nase floral-mineralisch, aber gleichzeitig weich, und am Gaumen wurde der Wein dann noch besser. Es gibt Flaschen, bei denen freut man sich auf jeden Schluck, und diese Vorfreude wird dann sogar eingelöst. So ein Wein war das. Er blieb die ganze Zeit lang weich, aber klar und kräftig, ohne zu viel und zu laut zu sein.
Der Blaufränkisch war von Moric, einem unserer liebsten Weingüter, wenn es um Blaufränkisch geht. Der erste Wein, dessen Rebe ich mir vor 100 Jahren mal gemerkt hatte, war ein Blaufränkisch, damals noch von Heinrich oder Kollwentz, über die mein Gaumen inzwischen meist hinausgewachsen ist. Ich trank jahrelang einfach jeden Blaufränkisch, der mich auf einer Weinkarte anlachte, aber dann kamen unsere ersten Ausflüge ins Burgund und schließlich ins Piemont, so dass der Blaufränkisch irgendwann nicht mehr ganz oben auf meiner Liste war. Gut, dass es Läden wie das Broeding oder das Waltz gibt, wo auch etwas ausgefallenere Weine dieser Rebsorte zu haben sind. So fingen wir langsam wieder an, Blaufränkisch zu trinken, dieses Mal eher aus der reifen Ecke. So einer war der gestrige Moric: Ihm fehlten quasi alle Charakterzüge, die ich vor 15 Jahren mit Blaufränkisch verbunden hatte und die ich nicht mehr ganz so mag: das Marmeladige, die relativ süße rote Frucht, das Satte. Der Neckenmarkt Alte Reben war trocken, aber nicht staubig, fruchtig, aber eben nicht wie eine Konfitüre, sondern quasi wie ein Hauch Aufstrich auf einem kühlen Teller, von dem man nur die Nase mitnimmt, aber nicht den Geschmack. Ich fand den Wein sehr komplex und spannend, hätte ihn blind aber vermutlich nie für einen Blaufränkisch gehalten.
Das Essen war, wie im Broeding gewohnt, sehr gut. Für mich war gleich der zweite Gang der Star des Abends: gegrillter Chicoree mit einer herrlichen Bitterkeit, die durch das Röstaroma aber gemildert wurde bzw. eine andere Nuance bekam. Darauf eine schlotzig-fette Lauchmayonnaise, mit Lauch kriegt man mich ja immer, ganz egal, in welcher Form, aber als Majo kannte ich ihn noch nicht, gleich schockverliebt. Dazu ein kühles Buttermilchsößchen mit Lauchöl, wenn ich mich richtig erinnere, und oben drüber wurde ein Käse gerieben, von dem ich Angst hatte, dass er alles zuballern würde, aber stattdessen war er – natürlich – eine cremig-kräftige Würze zum weichwarmen Bitterröstfett. Großartig.
Und dann mussten wir, latent angeheitert und sehr gut gelaunt, nach dem Festmahl nur zwei Minuten auf die Tram warten und die U-Bahn fuhr genau ein, als wir am Bahnsteig ankamen. Perfekter Abend, perfekter Abschluss.