Was schön war, Freitag/Samstag, 9./10. März 2018 – Doktorand*innen-Kolloquium

Die Betreuung von Doktorand*innen an der LMU oder sogar nur am kunsthistorischen Institut ist unterschiedlich, was schon bei der Form der Promotion beginnt: Wenn man sich für eine Promotion am Institut entscheidet, ist man in den Lehrstuhl eingebunden, lehrt meist in geringem Umfang und ist halt wissenschaftliche Angestellte. Der andere Weg ist die klassische Individualpromotion, bei der man nicht an der Uni lehrt oder forscht, sondern irgendwo anders; die meisten meiner Mitstreiter*innen, die ich Freitag erstmals alle in einem Raum kennenlernen konnte, arbeiten bei Museen, Archiven oder kunsthistorischen Einrichtungen wie dem ZI. Einige wenige so wie ich machen etwas ganz anderes und promovieren gezwungenermaßen nebenbei, was dazu führt, dass wir ziemlich raus sind, was fachliche Diskussionen angeht oder auch nur den Austausch mit anderen Menschen, die ein ähnliches Projekt betreuen. Damit auch wir eine Art Anlaufstelle haben, hat mein Doktorvater einfach mal ein Kolloquium ins Leben gerufen, in dem alle seine Schützlinge ihr Thema kurz vortragen und wir dann darüber diskutieren. Nicht jede*r musste vortragen – ich hätte auch noch gar nichts sagen können –, aber es war trotzdem spannend, den anderen zuzuhören. Die Wahl des Doktorvaters bedingte auch eine gewisse thematische und/oder zeitliche Eingrenzung, denn der Mann hat natürlich seine Spezial- und Interessensgebiete, weswegen wir mit ihm arbeiten wollen. Daher hatte ich bei vielen Vorträgen das Gefühl, schon zu wissen, worum es ging, was ziemlich toll war.

Ich kann natürlich die meisten Themen jetzt nicht genauer ausplaudern, aber mir hat jeder Vortrag etwas gebracht. Ich muss gestehen, dass ich sowohl Freitag als auch Samstag den jeweils letzten Vortrag (oder sogar die zwei letzten) geschwänzt habe (Hunger, Arbeit), aber dafür ist man ja erwachsen. Hat das wenigstens einen Vorteil.

Was ich aus den diversen Themen und Methodikdiskussionen für mich mitgenommen habe und hoffentlich nicht wieder vergessen werde: Ich muss keine Enzyklopädie schreiben. Das glaube ich natürlich bei jeder Hausarbeit und meine, versagt zu haben, wenn ich genau das eben nicht erledigt habe, und natürlich weiß ich auch, dass das Quatsch ist, aber ich habe bei mir schon wieder die ungute Tendenz festgestellt, Themen gleich zu verwerfen, weil ich weiß, dass ich sie nicht komplett (was auch immer das heißt) behandeln werde können. Mir haben viele der Vorträge mal wieder vor Augen geführt, dass das auch nicht mein Job ist. Ich muss ein Thema schlaglichtartig beleuchten, kann ein paar lustige Exkurse machen und einiges vertiefend abhandeln, aber ich muss nicht jeden Fetzen Papier oder Leinwand behandeln, der zu diesem Thema existiert. Das soll eine Diss werden und kein zwanzigbändiges Lexikon.

Ebenfalls spannend waren für mich die Diskussionen zur Datenerhebung. Ich meine zwar, davor gefeit zu sein, stapelweise Archivgut digitalisieren oder sogar verschlagworten zu müssen, aber ich fand es trotzdem interessant zu sehen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, Daten zu erheben und zu klassifizieren. Ich habe lustige Programme kennengelernt, die ich vermutlich nie brauche, aber ich weiß jetzt, dass es sie gibt. Was vielleicht interessant für mich wird, wenn ich vor meinem Datenberg sitze und mir selbst überlegen muss, nach was ich den Kram denn überhaupt ordnen will. Bisher hat das ernsthaft mit diversen Word-Dokumenten bei mir funktioniert, weil ich durch meine Arbeit als Katalogtexterin gewöhnt bin, den Überblick über lange Texte zu behalten. Ich ahne aber auch, dass eine Masterarbeit etwas anderes ist als eine Diss und daher sollte ich mir vielleicht jetzt schon Gedanken darüber machen, ob es noch etwas Sinnvolleres gibt als meine Word-Sammlungen.

Ein kleiner Nebenaspekt wurde in diesem Zusammenhang auch angesprochen: die össeligen Lizenzierungsmodelle von Software. Wenn man Glück hat, übernimmt eine Institution wie Uni oder Forschungsstelle die Gebühr für ein Programm, mit dem man dann ewig arbeiten kann. Wenn man Pech hat, beginnt man mit einem Programm zu arbeiten, das mittendrin sein Lizensierungsmodell ändert und nur noch Lizenzen auf Zeit verkauft. Dann tippt man lustig zwei Jahre Daten ein – und kann sich danach eventuell das Programm nicht mehr leisten, weil es plötzlich irre teuer geworden ist. Das ist netterweise niemandem von uns passiert, aber darüber habe ich auch noch nie nachgedacht.

Ich fand es auch mal wieder gut für mich und meine eigene wimmerige Konstitution zu hören, dass eben noch nicht alles ausgeforscht ist. Ich glaube auch nach zehn Semestern, die mir das Gegenteil bewiesen haben, dass alle guten Themen schon weg sind und immer, wenn ich über eins nachdenke, haben schon tausend andere das auch gemacht. Ich weiß, dass das Quatsch ist, aber manchmal falle ich doch wieder in dieses Loch. Am Freitag wurden zwei Dissertationen vorgetragen zu Themen, bei denen ich mir sicher war, dass dazu schon alles gesagt wurde. Ich glaube nicht, dass ich hier Geheimnisse verrate, daher: Sie gingen um Heinrich Hoffmann und den US-Kunstschutz während des Zweiten Weltkriegs. Da hätte ich Wetten angenommen, dass da schon alle Archive leergelesen sind, aber die Wette hätte ich sehr deutlich verloren, wie ich jetzt weiß. Zu hören, dass ein Doktorand im Kunstarchiv Nürnberg noch Kisten öffnen konnte, in die nie jemand reingeguckt hatte, nachdem der Nachlassverwalter den Deckel draufgemacht hatte, fand ich sehr spannend.

Auch wieder wichtig für mich und meinen Hinterkopf: vielleicht mal nicht mit einer festen Frage in die Archive gehen, sondern die Quellen entscheiden lassen, wo es hingehen soll. Das habe ich ja eigentlich bei meiner Arbeit zu Leo von Welden schon gelernt, dass es sehr aufschlussreich sein kann, einfach mal alles durchzuwühlen, was einem freundliche Archiv-Mitarbeiterinnen oder Heimatmuseumsmenschen vor die Nase legen. und dann zu gucken, was man daraus machen kann. Im Kolloquium berichtete eine Doktorandin, dass es ihr bei ihrem Thema genauso ging: Eine Stadtarchiv-Mitarbeiterin aus (Stadt behalte ich mal für mich) meinte so nebenbei zu ihr, dass da ein großes Aktenkonvolut wäre, das sich vielleicht für sie lohnen würde. Und dann stellte die Dame fest, dass dieses Konvolut eine ziemliche Rarität war, was NS-Unterlagen angeht, denn genau diese Art von Akten hatte die betreffende NS-Organisation sehr großflächig vernichtet – bis auf diesen Berg und noch ein paar kleine weitere in sehr wenigen anderen Städten. Aber sowas erfährt man natürlich nicht, wenn man mit einer festen Frage ins Archiv kommt.

Dann ging es auch um Begrifflichkeiten und Definitionen. Was mich an vielen Diskussionen, gerade online und auf Twitter, inzwischen wahnsinig macht, ist, dass kaum noch definiert wird, worüber eigentlich gesprochen wird. Jeder hat einen schwammigen Begriff im Kopf, aber anstatt erstmal klar zu fassen, worum es geht, pöbeln alle auf unterschiedlichen Ebenen herum und kommen so natürlich nie auf einen Nenner. In unserem Fall ging es um eine Diss, die sich mit, auch das ist kein Geheimnis, die Diss kannte ich schon von der Herbsttagung des Arbeitskreises Provenienzforschung, sogenannten (hier werde ich schon vorsichtig) jüdischen Kunsthandlungen in München befasst, die zur NS-Zeit „arisiert“ wurden. Wir sprachen darüber, dass schon diese Klassifizierung – jüdische Kunsthandlung – ein Unding ist, denn damit machen wir uns die NS-Vorgabe zu eigen. Man kann davon ausgehen, dass viele oder sogar alle Kunsthändler*innen jüdischen Glaubens diese Tatsache – ihre Religionszugehörigkeit – nicht als ihren Hauptcharakterzug wahrgenommen haben, vor allem nicht in Bezug auf ihre berufliche Tätigkeit (außer sie handelten exklusiv mit Judaica, aber ich meine mich daran zu erinnern, dass es so ein Geschäft nicht gab). Wir übernehmen hier also als Grundlage der Forschung eine Einteilung aus rassistischen Gründen. Das muss in der Arbeit natürlich dargelegt werden, warum man ausgerechnet eine derartige Abgrenzung nun weiterführt. Unser Doktorvater erinnerte an Ernst Gombrich, der 1996 auf einem Kongress genau zu diesem Thema streitbar sagte: „[]ch bin der Meinung, dass der Begriff der jüdischen Kultur von Hitler und seinen Vor- und Nachläufern erfunden wurde.“ (Quelle)

Insgesamt mochte ich es sehr, mal wieder mit Menschen in einem Raum zu sitzen, die über ähnliche Dinge wie ich nachdenken, wenn auch nicht genau in der gleichen Ecke wie ich. Es war schön, sich mal wieder mit Themen zu beschäftigen, die an meines angrenzen, und es war sehr befriedigend zu merken, wieviel ich dann doch in den letzten Jahren gelernt und gelesen und erfahren habe, wenn es um das Betriebssystem Kunst im Nationalsozialismus geht. Es hat mich sehr motiviert, mich wieder in die Arbeit zu schmeißen, die in den letzten Monaten sehr kurz gekommen ist, weil ich schlicht mit Geldverdienen beschäftigt war. Ich freue mich schon auf unseren nächsten Termin, der vermutlich im Herbst stattfinden wird. Vielleicht kann ich dann immerhin schon grob sagen, was ich eigentlich so mache.

Ein süßes Dankeschön …

… an Uta, die mich mit einem Fresspaket bedachte. In der Packstation lag ein Kuchen des Augsburger Konditorei-Cafés Eber, der mir nach dem Doktorand*innen-Kolloquium gestern, über das ich morgen schreiben werde, weil es heute noch weitergeht, sehr recht kam. Statt brav ein Käsebrot zu essen, gab’s ein Stück Trüffeltorte mit Marzipan zum Abendbrot, was ich sehr in Ordnung fand. Vielen Dank für das Geschenk und die nette Karte, ich habe mich sehr gefreut. Und F. auch, der explizit zum Mitessen aufgefordert wurde. Der Herr muss sich allerdings beeilen, ich genieße gerade Torte zum Frühstück.

Was schön war, Donnerstag, 8. März 2018 – Ruhe

Twitter fast den gesamten Tag lang ignoriert. Das war sehr angenehm.

Kleinkram weggearbeitet, eine Einladung bekommen, für ein paar weitere Texte angefragt worden, von denen ich bereits zwei erstellt hatte, die anscheinend gut beim Kunden angekommen sind.

Endlich mal wieder längere kunsthistorische Texte gelesen. Gleich mal wieder die Diss angezweifelt, herrgottnochmal. (Das war nicht schön.)

Zwei frische Brezn zum Mittag, mit Salami vom Metzger nebenan und fiesem Stinkekäse und Gurken und Tomätchen. Den ganzen Tag davon satt gewesen.

Den zweiten Espresso ausprobiert, den ich vorgestern gekauft hatte – ein Kracher. Den dürft ihr bitte alle mal bestellen. Ganz weich und voll im Geschmack, aber nicht zu puschelig, der hat schon Wums. Ich behaupte, ein leichtes Nussaroma herauszuschmecken und keine Schokolade.

Total erfolglos Latte Art geübt, aber das war okay. Dafür schöne YouTube-Videos geguckt, bei denen Leute das hinkriegen.

Banana Bread gebacken. Und noch einen Flat White zum abendlichen Stück gemacht, schon gut. Trotzdem durchgeschlafen. (Gemeinsam.)

Was schön war, Mittwoch, 7. März 2018 – Alltag

Das war ein angenehmer Arbeitstag: Ich konnte meine Projekte schön nacheinander abarbeiten, keine Mails oder Anrufe rissen mich aus meinem Flow, stattdessen tippte ich konzentriert vor mich hin und bekam nachmittags auch gutes Feedback aus gleich zwei Ecken. Den größten Brocken konnte ich bis abends fertigstellen, der geht heute raus, nachdem er noch eine Nacht vor sich hinsimmern durfte. Pünktlich Feierabend gemacht.

Meine Mittagspause verbrachte ich damit, zu einem Café um die Ecke zu schlendern, von dem ich wusste, dass sie in der Region rösten ließen. Ich bat um zwei Sorten, damit ich vergleichen konnte, möglichst wenig fruchtbetont, gerne kräftiger. Der freundliche junge Mann hinter der Theke fragte, mit was ich die Bohnen denn zubereiten wollte (also Siebträgermaschine oder was anderes), erklärte mir die Aromen von verschiedenen Sorten, wo genau die Bohnen verarbeitet wurden und fragte, ob er mir die mahlen sollte, was ich verneinte. Ich fühlte mich gut beraten, kaufte zwei Sorten – einmal die Bohnen, die das Café als ihren Lieblingskaffee ausschenkt und eine, die nach Schokolade schmecken soll, was ich bisher noch bei keinem Kaffee rausgeschmeckt habe – und bereitete mir zuhause gleich eine Tasse zu. Ich stellte befriedigt fest, dass die Haussorte wirklich kaum nach Säure schmeckte, stattdessen eher angenehm holzig und nach einem starken Körper. Der Schokoladenkaffee wartet noch auf mich.

Die Kitchen-Impossible-Folge vom Sonntag hatte ich bruchstückhaft am Montag und Dienstag nachgeschaut, bis ich sie mittendrin abbrach wegen kompletter Genervtheit von beiden Köchen. Was aber übrig geblieben war: der dringende Wunsch, ein dickes Rösti zuzubereiten. Bisher hatte ich das immer aus rohen Kartoffeln hergestellt und es waren vermutlich auch eher Kartoffelpuffer. Dienstag abend hatte ich Pellkartoffeln aufgesetzt, die ich gestern abend rieb. Ich ließ Zwiebeln in der Pfanne in Butterschmalz glasig werden, gab dann die Kartoffeln hinzu, briet sie ein bisschen an und formte dann einen dicken Berg, den ich so gut es ging, an den Pfannenboden andrückte. Deckel drauf und bei mittlerer Hitze zehn bis fünfzehn Minuten braten. Nach dieser Zeit linste ich vorsichtig in die Pfanne, um zu gucken, ob sich ein schöner braun-knuspriger Boden gebildet hatte. Hatte er – aber ich schaffte es leider trotzdem nicht, den Rösti vernünftig zu wenden, er zerbrach, als ich die Pfanne umdrehte, um ihn auf den Deckel gleiten zu lassen. Ich briet ihn trotzdem brav weiter, salzte und pfefferte, machte noch einen schnellen Gurkensalat dazu und fand ihn auch zerbrochen äußerst schmackhaft. Kartoffeln mit Röstaromen halt. Was soll daran auch nicht schmackhaft sein?

Den Abend mit der FAZ auf dem Sofa verbracht, endlich The Good Fight von Sonntag nachgeschaut, früh schlafen gegangen.

Wo ich gerade meine Zeitung erwähne: die New York Times veröffentlichte gestern einen Artikel, in dem jemand sich zwei Monate lang von seinem Smartphone befreite und nur noch Zeitungen und Zeitschriften las, um sich über Nachrichten zu informieren. Ganz so drastisch praktiziere ich das nicht, aber ich habe mich trotzdem wiedergefunden:

„It has been life changing. Turning off the buzzing breaking-news machine I carry in my pocket was like unshackling myself from a monster who had me on speed dial, always ready to break into my day with half-baked bulletins.

Now I am not just less anxious and less addicted to the news, I am more widely informed (though there are some blind spots). And I’m embarrassed about how much free time I have — in two months, I managed to read half a dozen books, took up pottery and (I think) became a more attentive husband and father.

Most of all, I realized my personal role as a consumer of news in our broken digital news environment.“

Den Zeitfaktor würde ich für mich verneinen: Das Überfliegen meiner Twittertimeline geht weitaus schneller als die Zeitungslektüre. Ich räume mir, seit ich die FAZ abonniert habe, immer eine Stunde am Tag Zeit frei, um sie lesen zu können. Das klappt nicht immer, dann lese ich am nächsten Tag wenigstens das Feuilleton nach und überfliege den Politikteil. Inzwischen lese ich auch auszugsweise den Wirtschaftsteil, während Finanzen immer noch ignoriert werden.

Wo ich dem Autoren aber dringend zustimmen möchte: Ich fühle mich weitaus besser informiert, weil ich das Gefühl habe, Nachrichten zu lesen, Einordnungen, und keine Kommentare. Vor allem keine auf 280 Zeichen. Das ist in letzter Zeit eh ein Problem für mich geworden: das ewige Rummeinen, gerne im blasierten Tonfall, als ob alle anderen Menschen auf der Welt Idioten wären. Ich habe meine Timeline mal wieder durchgekehrt, wobei nicht nur die Rummeinenden rausgeflogen sind, sondern auch viele Accounts, die rein akademisch waren – das betrifft mich einfach nicht mehr. Ich folge weiterhin Menschen, die ich persönlich kenne und verzeihe ihnen, dass ich nicht immer einer Meinung mit ihnen bin, was vermutlich auf Gegenseitigkeit beruht. Ich folge weiterhin Museen und kulturellen Institutionen, weil ich meine Infos zu ihren Sammlungen oder Aktitiväten lieber auf Twitter lese als auf Facebook. Ich bin eh kurz davor, alles aus Facebook rauszuwerfen und nur noch die lustigen Tasty-Videos zu gucken, ansonsten ist mir die Plattform sehr egal geworden. Und auch Twitter strengt mich derzeit mehr an als dass es mir etwas bringt. Jahrelang war das Tweetbot-Fenster links am Bildschirm und ich hatte es immer im Augenwinkel, aber neuerdings erwische ich mich immer öfter dabei, es zu minimieren oder gleich ganz auszuschalten. Es ist so herrlich ruhig auf einmal. Ich öffne das Fenster wieder, wenn ich fünf Minuten Ablenkung brauche, aber dann verschwinden alle Stimmen wieder im Dock. Mal gucken, wie sich das entwickelt.

Was schön war, Dienstag, 6. März 2018 – Klackzischmmhhmmm

Zwischen 2001 und 2007 besaß ich eine kleine Siebträger-Espressomaschine, bevor ich sie gegen eine von Nespresso eintauschte, die ich bis vor Kurzem religiös benutzte. Seit gut einem Jahr beschäftige ich mich aber etwas mehr mit dem Produkt Kaffee und seiner Zubereitung, mahle seitdem meine Bohnen selber (mit der Hand oder mit Opas Maschine), benutze meine French Press, achte auf Wassertemperatur und Mahlgrad und probiere mich durch diverse Sorten Kaffee. Meine bisherige Lieblingssorte gibt es leider nicht mehr, weswegen ich jetzt, nachdem das Internet durchgespielt ist, mal allen Münchner Röstereien Besuche abstatten werde, wozu hat man die denn sonst.

Immer wenn ich länger über Kaffee nachdachte, vermisste ich meine Siebträgermaschine mehr und mehr. Also nicht die von vor 15 Jahren, die machte fürchterlichen Kaffee, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass ich bereits gemahlenes Pulver kaufte und das auch monatelang rumliegen ließ, bevor ich es benutzte, und dass ich dazu auch diese bescheuerte fettarme Milch trank, denn damals war ich noch der Meinung, Vollmilch sei wegen ihrer Kalorien Teufelswerk. Dass dabei nur Plörre rauskommen kann, war fast vorprogrammiert. Auch deswegen mochte ich das System Nespresso so gerne, denn es produziert, trotz aller Kritik, die man an diesem System haben kann, stets sehr guten Kaffee. Aber nach einem Jahr Selbermahlen und Kaffee neu entdecken, ging es mir auf den Zeiger. Ich recherchierte nach erschwinglichen und vor allem kleinformatigen Siebträgermaschinen, für die ich in meine winzigen Küche Platz hätte, fand eine, die mir gefiel und die anscheinend auch guten Espresso produzieren kann, und ging gestern brav im lokalen Einzelhandel einkaufen. (Ich verlinke trotzdem ihrwisstschon.)

Eigentlich wollte ich sie in Silber haben, aber der Elektroladen hatte sie auch in schwarz und überraschenderweise gefiel sie mir in dieser robusteren Farbe etwas besser (man sah schlicht nicht jeden Fingerabdruck). Zuhause probierte ich meinen neuen Liebling natürlich gleich aus. Ich mahlte frisches Pulver, drückte es so fest es ging an, was nicht so richtig ging, weil nur ein Plastiktamper beilag, der nicht viel taugt, also muss ich nochmal einkaufen, dann probierte ich mit der Kaffeemenge ein bisschen rum, bevor mir einfiel, dass ich vielleicht irgendwann noch mal schlafen wollte, also beließ ich es bei drei Flat White als Einstieg, immerhin über den Nachmittag verteilt.

Mein derzeitiger Kaffee (irgendein Fair-Trade-Kram aus dem Supermarkt, Fehlkauf) ist recht säuerlich, was mir bei der French Press etwas aufstößt, mir gestern aber gut gefiel, denn den French-Press-Kaffee trinke ich schwarz, während ich beim Espresso immer Milch dazutrinke. Auf das Aufschäumen derselben hatte ich mich mit am meisten gefreut. Ich mag den Handgriff, den metallisch-schweren Siebträger in die Maschine einzuspannen, ich mag das Einrasten. Ich hatte sofort Flashbacks zu meinen Kellnerzeiten von vor 25 Jahren, wo wir in der Kneipe eine riesige Espressomaschine hatten, an der ich diese Handgriffe tausende Male vollführt hatte: Kaffeepulver andrücken, Siebträger einspannen, während der Espresso läuft, Milch in die Metallkanne gießen und aufschäumen, Cappuccino fertigstellen, Kakaopulver drüber. Was mir bei der kleinen Maschine für den Hausgebrauch fehlt, ist natürlich dieses Klopfbänkchen, an dem man den benutzten Kaffee ausschlägt, aber man muss nicht alles haben. Leider kann man bei der Delonghi den Wasserdampf für die Milch nur an- und ausschalten, also nicht regulieren. Das hatte ich ganz vergessen, wie gerne ich am Dampfhebel rumgespielt habe, damals. Aber auch so ging das Aufschäumen prima und für meinen Geschmack viel zu schnell, ich konnte es gar nicht genießen, da hatte ich schon ein Glas voll Schaum und heißer Milch. Na gut.

Einen etwas unflatten Flat White zusammengebaut – und genossen. Und wo ich bei Nespresso gerne noch Zucker in die Tasse rieseln ließ (immerhin die Sirups habe ich mir schon abgewöhnt), trank ich gestern sehr zufrieden zuckerfrei, die Milchsüße reichte völlig aus. Ich hatte noch ein paar Stücke vom Marmorkuchen, den ich Sonntag gebacken hatte, und genoss daher eine ungeplante, aber äußerst entspannende und wohlschmeckende Kaffeepause, bevor mich der Schreibtisch wieder drängelte. Das mache ich heute gleich nochmal. (Wofür ich in der Mittagspause Kuchen backen müsste, aber hey. Alles für eine gute Kaffeezeit!)

Tagebuch, Montag, 5. März 2018 – Monday, monday, ba-daaa *singt*

*singt immer noch*

Ich habe das Gefühl, dass sich Einträge à la „Gearbeitet, geschlafen“ wiederholen und sie langweilen mich selbst beim Aufschreiben. Was daran liegen könnte, dass meine geldwerte Arbeit leider weitaus weniger spannend ist als das, was ich die letzten fünf Jahre für lau gemacht habe.

Das ist mir in den letzten Tagen verstärkt aufgefallen: wie wenig sich das Lesen und Schreiben in Bibliotheken nach Arbeit angefühlt hat, sondern stattdessen wie ein schlauer Urlaub. Natürlich war ich auch da nach sechs bis acht Stunden angemessen hirntot und brauchte Pausen und Kohlehydrate, aber ich war nie so gefühlt doof wie ich jetzt abends bin, wo ich mich kaum noch zu anständigen Büchern aufraffen kann.

Ich erwähnte bereits, dass sich das teilweise ziellose Rumlesen nie wie verschwendete Zeit angefühlt hat. Derzeit bin ich auf mehreren Kunden gebucht, die manchmal Texte oder Konzepte haben wollen, von denen man schon vorher weiß, dass sie Quatsch sind. Man macht sie aber trotzdem, damit der Kunde was vorgelegt bekommt, dass er dann als „Quatsch“ abtun und sich was Neues wünschen kann. Manchmal muss man Dinge halt ausformuliert oder gestaltet vor sich sehen, um zu wissen, nee, das war eine blöde Idee. Ich bin davor auch nicht gefeit, wie ich weiß, seitdem ich meine Website habe umgestalten lassen. Aber wenn man auf der anderen Seite sitzt und weiß, dass man gerade für den Papierkorb arbeitet, strengt es ungemein an. Deutlich mehr als wenn man in der Bibliothek sitzt und ziellos ein Buch nach dem anderen durchblättert, einfach weil es da ist und man Zeit hat.

Ich merke auch, dass mich meine Arbeit wieder körperlich anstrengt. Dass sie mich geistig anstrengt, ist normal und erwartbar. Auch wenn man gerne über die Dösbaddeligkeit von Werbetexten lästern kann – es kostet Mühe, sie zu schreiben, vor allem, wenn man trotz ihrer inhärenten Sinnlosigkeit möchte, dass sie gut lesbar sind, gut klingen und vielleicht doch ein winziges bisschen was zu sagen haben. Ich merke, dass ich abends wieder körperlich ausgelaugt bin, was ich nach acht Stunden Bibliothek weitaus weniger war. Ich muss mir leider eingestehen, dass ich keine 25 mehr bin und auch keine 35 mehr, wo ich das weitaus besser weggesteckt habe. Ich brauche mehr Zeit für mich selbst, mehr Zeit, den Kopf wieder für mich anzuknipsen, und das kam in letzter Zeit leider zu kurz. Wenn der Schreibtisch eh voll ist und man dann noch angekränkelt an ihm sitzt, fällt alles doppelt schwer. Deswegen passierte im Blog auch in der letzten Woche so wenig; ich hatte nicht mehr die Kraft, Nullnummern wie oben beschrieben – „gearbeitet, geschlafen“ – aufzuschreiben.

Am Freitag und Samstag dieser Woche findet mein erstes Doktorandenkolloquium statt. Ich kann zwar leider selbst noch nicht über meine Arbeit Auskunft geben, weil ich schlicht noch nichts Sinnhaftes vortragen kann außer einem tollen Plan und viel zu wenig gelesenen Seiten, aber ich freue mich wie irre darauf, von den anderen zu hören, was sie machen und worüber sie nachdenken. Seit Tagen sitze ich hier, texte vor mich hin und denke: „Nur noch drei Tage, dann siehst du endlich wieder normale Leute.“ Den Satz habe ich auf der republica zum ersten Mal gehört und ihn als wahr abgenickt. Hier stimmt der Satz jetzt wieder.

Ich freue mich ebenfalls sehr auf den Semesterbeginn im April, wo ich versuchen werde, mich wenigstens in ein paar Vorlesungen zu setzen, um nicht zu verblöden. Ich merke erschrocken, wie sehr meine Unizeit gefühlt schon in der Vergangenheit liegt, obwohl ich erst im Oktober mein Masterzeugnis bekommen habe. Aber seitdem habe ich mich so brutal wieder in Richtung Werbung gepolt, dass sich das schon wie ein anderes Leben anfühlt. War es wohl auch. Merke ich auch erst jetzt so richtig.

Ich möchte daher bewusster versuchen, mir wenigstens Reste dieses schlauen, schönen, selbstbestimmten Lebens ins Werberleben zu retten. Deswegen ja auch die Diss, die ich nicht mehr als Karrierestufe sehe, sondern als roter Faden, an dem ich mich ein bisschen langhangeln kann an schlechten Tagen oder denen, die mich übermäßig anstrengen, weil sie mit Quatsch gefüllt sind. Ich möchte versuchen, sie nicht als Pflicht anzusehen, als Ding, was auch noch erledigt werden muss neben dem ganzen Kram, der auf meinem Tisch liegt. Ich möchte versuchen, sie als großartiges Ding wahrzunehmen, dass dafür sorgt, dass ich ein winziges bisschen weiter Kunsthistorikerin spielen darf, obwohl das auf meiner Visitenkarte erst nach der Werberin kommt. Ich möchte auf meinen Alltag besser aufpassen, damit er nicht zu alltäglich wird. Sonst bin ich in fünf Jahren wieder da, wo ich schon mal war. Andererseits könnte ich dann noch einen Politik-Bachelor hintendranhängen, wär auch spannend.

Tagebuch, Samstag/Sonntag, 3./4. März 2018 – Am Schreibtisch

Die Erkältung ist langsam rum, was total toll passt, denn mein Schreibtisch quillt über, alle Timings sind aus der Hölle, und daher habe ich auch am Wochenende lustig vor mich hingetippt, damit Dinge fertig werden.

Samstag traute ich mich mal wieder auf die Straße und schaffte es zur Packstation und zum Supermarkt, wonach ich mich erstmal ausruhen und duschen musste, weil mein Kreislauf völlig im Eimer war (die Woche über hatte F. mich mit Lebenswichtigem wie Weintrauben, Ibuprofen und dem Allheilmittel Leberkassemmel versorgt; wie krank ich war, merkte ich daran, dass ich von letzterer nur ein Drittel essen mochte). Samstag nachmittag gönnte ich mir eine Fußballpause und guckte das Spiel vom FCA gegen Hoffenheim vom Sofa aus anstatt vom Stadionsitzplatz. Auch das war dem Kreislauf geschuldet; bis ich den Weg von der Tramhaltestelle in die Arena geschafft hätte, wäre die erste Halbzeit um gewesen.

Sonntag trank ich den ersten Kaffee nach einer Woche Pause und weiß seitdem, dass kein Lebensmittel besser schmeckt als Kaffee, wenn man ihn endlich wieder schmecken kann. Ich kochte gleich eine ganze French Press und nippte den ganzen Tag am herrlichen Nektar. Mittendrin buk ich Kuchen, denn Kaffee ohne Kuchen muss ja auch nicht sein, die Welt ist schon schlimm genug. Mit der vorgenommenen Arbeit wurde ich fast fertig, den Rest muss ich heute morgen erledigen, bevor ich ein neues, großes Projekt anfange, das neben den anderen Projekten herläuft. In die Stabi habe ich es nicht mehr geschafft, obwohl ich mir das vorgenommen hatte, aber daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen.

Ein ghanaisch-amerikanisches Dankeschön …

… an Meike, die mich mit Yaa Gyasis Homegoing überraschte. Das Buch tauchte vermutlich im Umfeld von The Underground Railroad auf meinem Radar auf, das eins meiner Lieblingsbücher im vergangen Jahr war. Außerdem hatte ich mir eh vorgenommen, mehr Autorinnen zu lesen, mich interessierte die Geschichte, und so landete es auf meinem Wunschzettel. Das Buch ist im letzten Jahr auch auf Deutsch erschienen; hier die Rezensionsnotizen beim Perlentaucher. Und natürlich die gute Kritik der NYT, auf die ich ja immer höre. Apropos gute Kritik: Ich glaube, das ist das erste Buch, bei dem es keine Ein-Sterne-Rezension bei amazon.de gibt. (Okay, noch.) Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

Ein doppeltes Dankeschön …

… an Susanne, die mich mit gleich zwei Büchern überraschte, nämlich J. D. Vances Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis und Hans Rudolf Vagets »Wehvolles Erbe«: Richard Wagner in Deutschland. Hitler, Knappertsbusch, Mann. Oder wie F. mit Blick auf die Werke meinte: „Ah, wieder zwei Feelgood-Bücher.“

Hillbilly Elegy interessierte mich, weil es von Konservativen wie von Liberalen gelobt und verdammt wurde. Ich weiß nicht, warum ich immer noch Bücher lesen will, die mir irgendwie erklären, wie die USA den König der Idioten zum Präsidenten wählen konnte, aber ich mach das einfach. Vielleicht verstehe ich es ja irgendwann, warum man aus Protest das größtmögliche Übel wählt, weil einem irgendwie die Welt gerade nicht passt. In diesem – zugegebenermaßen sehr weiten – Zusammenhang habe ich neulich interessiert ein Feature auf B5 gehört, in dem es um bayerische AfD-Wähler*innen ging. Auch dort kam ein Herr zu Wort, der meinte, er wollte die AfDler auf keinen Fall an der Regierung sehen, aber so aus Protest könnte man die ja super wählen (ich paraphrasiere schlecht gelaunt). Mir wird es nie in den Kopf gehen, wie man Menschen aus Protest wählt, die offensichtlich ein hohes Interesse daran haben, demokratische Errungenschaften zurücknehmen zu wollen.

Und damit elegant zum anderen Gute-Laune-Titel. Über die Verbindung von Thomas Mann zu Richard Wagner bin ich bei der Recherche zur Masterarbeit und dem Komplex Wagner/Anselm Kiefer/Nazikram gestoßen. Ich entdeckte den letzten Vortrag, den Mann in Deutschland hielt, bevor er emigrierte – über Wagner. Ich las über die Reaktionen, vor allem aus der „Richard-Wagner-Stadt“ München. In die Arbeit selbst passte diese Episode nicht, aber ich hatte sie weiter im Hinterkopf, als ich neulich auf eine Rezension des Buchs von Vaget stieß, vermutlich in der FAZ, ich finde aber nichts online. Dann gibt’s eben die aus der SZ:

„Vaget ist der erste, der auf der erheblichen Bedeutung Richard Wagners nicht nur für Hitler, sondern auch für diesen Text Thomas Manns mit guten Gründen insistiert. Nachdem er vor längerer Zeit schon einmal eine Anthologie mit allen wichtigen Äußerungen Thomas Manns zu Wagner herausgegeben hat, fasst er hier seine Erkenntnisse souverän und leserfreundlich zusammen.

Thomas Mann hat seine tief verankerte Wagnerbegeisterung nie verleugnet, aber schon vor Hitler kristallisierten sich in ihm Bedenken gegenüber dem verderblichen Potenzial des Jahrhundertgenies, die er 1948 in dem Satz zusammenfasste: “Es ist immer wieder ein schwieriger, anziehender und abstoßend der Fall”.

Hans Rudolf Vagets Buch ist die krönende Zusammenfassung langer Studien und ebenso intimer wie präziser Kennerschaft. Er ist gegenüber Wagner und seiner Wirkung kritischer als manche der in diesem Bereich publizierenden Kollegen, ohne jedoch in flächendeckende Verwerfung zu verfallen. Bei diesem Thema ist es nicht so einfach, nüchterne Balance zu halten. Hier ist es gelungen.“

Vielen Dank für die Geschenke, ich habe mich sehr gefreut.

Tagebuch, Sonntag, 25. Februar 2018 – Neinneinneinneinnein!

Gemeinsam aufgewacht, Tee getrunken, ich habe gebloggt, während der Herr sein iPhone leerlas. Langsames Verabschieden in den getrennten Tag. Ich verspeiste ein paar Käsereste vom Samstag, las ein bisschen was Kunsthistorisches, ging nochmal über einen meiner Kundentexte rüber und schickte ihn an den Arter, und dann dachte ich, jetzt könnte ich Wochenende machen, als ich spürte, dass meine Gelenke ein bisschen schmerzten, die Lunge sich roh und nölig anfühlte und ich etwas zu fiebern schien.

Ich habe seit den gefühlt fünf Erkältungen seit November gerade in letzter Zeit peinlichst darauf geachtet, nur noch mit Handschuhen unterwegs zu sein, um Haltegriffe in der U-Bahn, Türgriffe beim Bäcker oder überhaupt irgendwas, wo andere Menschen drantatschen, nicht mehr mit bloßen Händen anfassen zu müssen. Beim Display der Packstation ist mir das nicht gelungen, und ich Schlaukopf ziehe mir beim Haustüraufschließen immer die Handschuhe aus, weil ich mit denen unfähig bin, ein Schlüsselbund zu bedienen, woraufhin ich natürlich mit nackten Fingern auf die Fahrstuhlknöpfe im Haus drücke. Hier wohnen bergeweise Kinder und wenn ich den Elternblogs im Internetz trauen darf, sind die immer krank und fassen alles an. Ich ahne daher, woher die eventuell TAUSENDSTE ERKÄLTUNG in diesem Winter kommt und ich bin äußerst quengelig. Gerade jetzt habe ich dafür überhaupt keine Zeit. Aber immerhin stecke ich kein Großraumbüro an, sondern nur meinen Kuschelteddy und meinen Laptop.

*unter der Stadiondecke heraus gesendet, in die man sich auch am Schreibtisch prima einwickeln kann, wie ich gerade festgestellt habe*

Was schön war, Samstag, 24. Februar 2018 – Freizeit

Ich arbeite derzeit auf mehreren Baustellen gleichzeitig, weswegen ich mir den gestrigen Tag bewusst freischaufelte, um den Kopf mal aus allem rauszukriegen. Natürlich denke ich weiter über den Kram nach, für den ich gerade Geld bekomme, aber ich habe bewusst meinen Schreibtisch wieder zum Esstisch umgebaut, alle Unterlagen ins Regal gelegt und den Tag als Freizeit abgespeichert.

Morgens ging ich einkaufen, unter anderem einen Berg Käse für abends. Dann ging ich einen Umweg zurück, um etwas Bewegung zu kriegen. Den Nachmittag verbrachte ich mit Zeitung, Kaffee und der Sky-Konferenz auf dem Sofa, bis ich am frühen Abend den Tisch für meinen Besuch deckte.

F. und ich haben im Februar unseren irgendwie offiziellen Jahrestag. Eigentlich ist der Tag unseres „Wir sind dann jetzt zusammen“-Zeitpunkts im Juni, aber wir hatten uns noch mal getrennt und haben uns im Februar dann wieder zusammengetan, woraufhin ich verwirrt war, welcher Tag denn jetzt „unserer“ war und überhaupt ist alles kompliziert, aber vermutlich egal. Trotzdem wollten wir den Tag irgendwie begehen. F. hatte schon im letzten Jahr online den Wein recherchiert, den wir im Tantris so irre fanden, und nach kurzer Überlegung (weil arschteuer) orderten wir eine einzelne Flasche. Mehr war für mich im letzten Jahr sowieso nicht drin, und schon die eine Flasche tat ein bisschen weh, aber der Wein war so toll, dass wir ihn noch einmal trinken wollten. Seitdem lagerte das Ding bei F. im Keller, wir suchten einen angemessenen Termin, dann verstrich der Jahrestag, weil ich so viel zu tun hatte, aber für gestern abend hatten wir uns verabredet.

Ich stellte vier Sorten Käse auf den Tisch und ein bisschen rohes Gemüse, was aber eine doofe Idee war, das passte überhaupt nicht. Auch die Weintrauben waren eher blöd. Aber immerhin: Mit Käse und Brot schmeckte der Wein nach Wein und nicht nach Wermut oder nach fünf Euro. F. brachte extra seinen eigenen High-Tech-Korkenzieher mit, was meinen armen Ikea-Korkenzieher sehr traurig machte, aber nun gut. Ich hatte Alpträume darüber, dass der Mann auf dem Weg zu mir stolpern könnte, womöglich noch auf den letzten Treppenstufen. Oder dass ich den Wein fallenließe auf den drei Metern vom Flur in die Küche. Es ging aber alles gut, der Wein gelangte problemlos in unsere Gläser, wir hatten dann noch kurz Panik, dass er korkte, aber nein: alles prima.

Die ersten Schlucke waren irritierend, weil der Wein noch etwas zu kalt war und anscheinend noch ein bisschen Luft brauchte. Nach ein paar Minuten und den ersten Käsehäppchen tranken wir uns dann langsam drei Stunden lang an das Ding ran. Wir hatten im Tantris partout keine Frucht herausschmecken können, aber ich dachte beim zweiten Glas an Fallobst in Omas Garten, kleine Äpfel, die schon fast mit der Vergärung im Gras begonnen hatten. Irgendwann meinte ich, etwas Süße in der Mitte vom Körper zu schmecken und behaupte weiterhin, dass es Banane war, nur ein winziges Bröckchen. Das Internet spricht noch von Birne und Lakritze, was erklären könnte, weswegen wir ihn im Tantris zu einem Gang hatten, in dem eine Sternanissauce vorkam. Als wir unsere Mägen komplett mit Käse ausgekleidet hatten, brachte ich die übliche Zartbitterschokolade auf den Tisch, und mit der zusammen hatte ich dann eine perfekte Birne Helene im Mund.

Ich fand es sehr schön, mich mal wieder länger mit einem Wein zu beschäftigen. Trotzdem sind Flaschen für 200 Euro echt eine Hausnummer zu hoch für mich. Das war ein spezielles Erlebnis und natürlich wimmerten wir, dass wir dringend wieder ins Tantris wollen, aber das darf gerne etwas Besonderes bleiben. Aber das frage ich mich ja schon länger: Wenn man sich so etwas dauernd leisten könnte, wäre es dann auch weiterhin dauernd toll? Wenn man sich irgendwann ans Tantris gewöhnt hat und das als Standard ansieht und nicht wie ich als absolute Ausnahme mit Schlagsahne und Kirsche obendrauf, wo kriegt man dann den Kick her? Nicht dass ich etwas dagegen hätte, so viel Geld zu haben, um dauernd derart hochwertig essen gehen zu können, aber ich fand es auch schön zu bemerken, dass es noch Abstufungen gibt. Und dass ich mich – ernsthaft – über gute Pommes beim Bräter um die Ecke fast genauso freuen kann wie über das Lamm im Sterneladen.

Tagebuch, Freitag, 23. Februar 2018 – Tippeditipp

The Broschürentexterin is back!

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Das da oben ist ein winziger Ausschnitt eines Katalogaufrisses, also einer Seitenabfolge, auf der die Themen farblich unterschiedlich markiert sind, die in einer zu schreibenden Broschüre abgehandelt werden sollen. Obwohl ich seit Anfang Januar auf diversen Langstrecken rumtexte, war das gestern der erste Aufriss seit über fünf Jahren, auf dem ich rumgemalt habe, um mir selbst über Dinge klarzuwerden. Das war schön.

Außerdem kamen gestern meine bestellten Noise-Cancelling-Kopfhörer an. Ich dachte sehr lange Zeit, dass ich sowas nicht brauche, dass ich damit umgehen kann, wenn um mich herum geredet wird, aber anscheinend werde ich alt und wunderlich. Nach zwei meiner letzten Flüge saß ich in der S-Bahn vom Flughafen inmitten von schnatternden Menschen und war irrwitzig genervt. In der Bahn bin ich eh immer schlecht gelaunt, weil es je-des-mal 45 Minuten sind, bevor ich ansatzweise zuhause bin; meist brauche ich über eine Stunde, wo ich in Hamburg nach 15 Minuten mit einem bezahlbaren Taxi an der Wohnungstür ankam. Gut, das war ein anderes Leben, jetzt bin ich in München und da sitzt man eben ewig in der S-Bahn. Ich glaube, das ist ein Ausgleich dafür, dass im Stadtgebiet selbst alle Fahrten für mich nie länger als gefühlt acht Minuten dauern, weil die Stadt so klein ist.

Auf diesen zwei erwähnten Fahrten ging mir alles auf die Nerven, und so laut konnte ich meine Musik gar nicht aufdrehen, um die Leute um mich herum nicht mehr zu hören. Also bat ich meine schlaue Twitter-Timeline um Tipps; wer will, kann alle noch mal hier nachlesen. Für mich kamen nur In-Ear-Kopfhörer in Frage, weil ich nicht mit den großen Klopsen von anderen Kopfhörern rumlaufen will. Bisher hatte ich nur die üblichen Apple-Dinger, daher ist das meine einzige Referenz zum Vergleich. Ich entschied mich für die Bose QuietComfort 20; nochmal danke an @neubauer_maria für den Tipp. Gelernt: bei Akustikfragen immer auf Musikerinnen hören.

Gestern probierte ich die Kopfhörer schon mal in der Wohnung aus und merkte recht schnell, warum die In-Ears funktionieren, noch ehe man das Noise Cancelling aktiviert (das kann man auch abschalten): Die Dinger sitzen wie Ohropax in den Ohrmuscheln und dämpfen daher von vornherein alles. Das heißt auch, dass man sich selber deutlicher hört, jedenfalls geht mir das so, auch mit Ohropax. Ich höre mein Atmen lauter als sonst oder mein Schlucken. Das höre ich allerdings nicht mehr, sobald die Musik an ist, die man übrigens weitaus weniger laut aufdrehen muss als gewohnt.

Heute ging ich dann das erste Mal mit den Schnuckis vor die Tür. Es ist ungewohnt, nicht mehr das leichte weiße Kabel an sich im Blick zu haben, sondern ein schwarzblaues, das unten, kurz vor dem iPhone, auch noch das Noise-Cancelling-Element an sich trägt. Netterweise gehört zu den Kopfhören eine kleine Klammer, mit der man sich die Dinger an die Jacke klemmen kann, so dass die Kopfhörer nicht immer nach unten gezogen werden, denn ein winziges bisschen Gewicht hängt eben doch an ihnen. Oben ist die von Apple gewohnte Schaltung angebracht, also dieses Ding, mit dem man Songs stoppen oder vorskippen bzw. die Lautstärke regeln kann.

Ich habe das Noise Cancelling zum ersten Mal auf dem U-Bahn-Bahnsteig aktiviert, der nicht irre voll war, aber schon da war es ein deutlich spürbarer Unterschied. Sämtliches Grundrauschen, das die Stadt so mitbringt, war auf einmal fast weg. Ich hörte noch ganz leise Stimmen von Menschen, konnte sie aber nicht mehr verstehen, und sobald ich die Musik ein kleines bisschen lauter drehte, waren auch sie verschwunden. Die einfahrende U-Bahn bemerkte ich am Wind und nicht am Geräusch, was ein bisschen unheimlich war. Die Dinger schirmen wirklich sehr von der Außenwelt ab. In der Bahn und im Bus, den ich beim Umsteigen betrat, war das toll, aber draußen, als selbständige Verkehrsteilnehmerin (Fußgängerin) fand ich es sehr irritierend, dass ich kaum noch etwas vom Verkehr hörte. Ich hörte selbst meine Schuhe nicht mehr, obwohl ich sah, dass sie auf knirschenden Schnee traten oder auf die immer Geräusche erzeugenden Metallplatten am Anfang von Rolltreppen.

Ich deaktivierte das Noise Cancelling daher wieder, aber dadurch, dass die In Ears so eng sitzen, meine ich, dass sie immer noch mehr dämpfen als die Apple-Kopfhörer. Die nutze ich nur beim Gehen, niemals beim Radfahren, und das werde ich auch weiter so halten. Ich weiß nicht, ob ich mich immer abschirmen möchte, aber ich ahne, dass die nächsten Zugfahrten oder Flüge deutlich entspannter werden. Oder auch schon das Warten auf den Flieger; die ständige Geräuschkulisse auf Flughäfen macht mich irre. Auch deswegen wusste ich die Lounge so zu schätzen, so lange ich sie noch benutzten durfte (ich bin kein Frequent Traveller mehr): Der Kaffee und die Ledersessel waren mir eher egal, aber die Ruhe! Herrlich. Die habe ich jetzt zum Mitnehmen. Noch herrlicher!

Tagebuch, Donnerstag, 22. Februar 2018 – 😱

Ende März bin ich in Hamburg bei der Texterschmiede, um dem eifrigen Texter*innennachwuchs etwas über Weblogs zu erzählen. So grob weiß ich schon, was ich machen möchte, aber ein paar Fragen hatte ich dann doch noch an den Laden. Also rief ich bei der Studienkoordinatorin an, die mir unter anderem auch erzählte, dass eine Aufgabe der Schüler*innen wäre, die jeweiligen Dozent*innen der Gruppe vorzustellen. Also sinngemäß: Eine*r von denen stalkt mich und erzählt den anderen, wer ich so bin.

Seitdem ist mir mal wieder klargeworden, dass Leute den Kram lesen, den ich hier seit Jahren ins gefühlte Nichts reinplaudere. (Und dass ich mein schönes Angeber-Chart, mit dem ich eigentlich anfangen wollte, wieder löschen kann.) Ich werde in den nächsten vier Wochen jetzt nur noch kryptischen Kram posten, schwermütige Emo-Poesie oder Artikel aus der New York Times, aber nichts mehr über mein gestriges Abendessen oder fiepsigen Pärchenkram. Oder wie erspielt man sich heute bei 24-Jährigen Respekt?

Mood: weiter im Text (auf diversen Baustellen). Lief gut die letzten Tage.

Abends endlich mal wieder ein Kapitel im Ulysses gelesen: Wandering Rocks. Dabei bummeln wir mit diversen Protagonist*innen durch Dublin. Es war das Kapitel, das mir bisher am modernsten vorkam, es fühlte sich an wie eine filmische Montage, die mehrere Handlungsstränge aufmacht und sie am Ende stimmig wieder zusammenführt.

Und nebenbei kam der schöne Satz „Damn good gin that was“ darin vor. Soll nochmal einer sagen, dass Joyce so unverständlich ist.

Link von Donnerstag, 22. Februar 2018 – „Schweres Herz“

Monika Scheele Knight und ihr Mann Scott haben vor zwei Jahren ihren schwerbehinderten, damals 15-jährigen Sohn John verloren. Seitdem ist ihr Weblog, das ich schon sehr lange lese, immer wieder von Einträgen über Trauer und Friedhofsbesuche durchzogen. In einem Eintrag fragte Monika, wenn ich mich richtig erinnere, ob es Interessierte für ein Buch über ihre Bewältigung dieses tiefen Einschnitts in ihrem Leben gebe. Sie und ihr Mann hatten bereits ein Buch geschrieben, in dem sie über Reisen mit John berichteten, und das habe ich auch gern gelesen. Bei einem Buch über Johns Verlust war ich mir spontan sehr sicher, dass ich es nicht lesen wollen würde.

Gestern veröffentlichte Monika die ersten drei Kapitel des Buchs in ihrem Blog und seitdem habe ich meine Meinung geändert. Ich hatte Angst davor, dieser Situation zu nahe zu kommen, dachte auch, ich würde mich wie ein Eindringling fühlen, aufdringlich vielleicht, ich wollte bewusst weggucken. Nach diesen ersten Kapitel denke ich das nicht mehr, denn Monika schreibt eher darüber, wie die Außenwelt mit ihrer Situation umgegangen ist. Sie erzählt von der Bestatterin, die sie und ihren Mann darauf hinwies, dass Schuhe im Sarg nicht nötig seien (und nicht umweltfreundlich), sie erzählt von einem Nachportier und einem Taxifahrer und vom System der Seelsorge in der Bundesrepublik. Sie erzählte mir vieles, über das ich noch nie nachdenken musste. Und davon würde ich dann doch gerne mehr lesen.

Sie beginnt ihre Kapitel mit einer kleinen Einleitung; sie steht hier.

Tagebuch, Sonntag bis Dienstag, 18. bis 20. Februar 2018 – A little hektisch

Nachdem wir Samstag recht spät aus Frankfurt wiedergekommen waren, überlegte ich kurzfristig, die sonntägliche Fahrt nach Augsburg ins Stadion abzusagen und stattdessen das Spiel gegen Stuttgart unter einer warmen Decke auf dem Sofa zu schauen. Dann hatte ich aber doch Lust auf Arena, denn ich war in diesem Jahr noch überhaupt nicht dort (krank, Oper, irgendwas ist ja immer). Also zog ich mich warm an und schaukelte mit F. gen Augschburg. Schon auf der Hinfahrt fielen mir irre viele Stuttgart-Schals und -Trikots auf; so dermaßen viele Gegnerklamotten hatte ich bisher nur bei den Spielen gegen Dortmund oder die Bayern gesehen.

Auf der Rückfahrt hatten die dann auch alle weitaus bessere Laune als wir, denn der VfB gewann mit 1:0, und ausgerechnet Herr Gomez schoss das Tor, weswegen ich ihm hiermit meine Freundschaft aufkündigen muss. So geht’s nicht, Schnucki! Das Spiel war leider auch unterirdisch schlecht; von der herrlich souveränen und selbstbewussten Leistung gegen Frankfurt war nichts mehr übrig, und obwohl ich selbstverständlich zur Fraktion „MAN GEHT NICHT VOR DEM ABPFIFF“ gehöre, dachte ich hier zum ersten Mal in der 80. Minute darüber nach, dieses Elend hinter mir lassen zu wollen. Immerhin war mir nur an den Fingern kalt, der Rest war perfekt eingepackt. Und wir schafften sogar noch den früheren Zug nach Hause. Und ich konnte mir die tollen Vanillekrapfen vom Bahnhof mitnehmen! Es war also nicht alles schlecht. (Hmpf.)

Dann hatte mich die Werbung wieder gnadenlos im Griff. Montag kam ich weder zu Mittagspause noch abends zum FAZ-Lesen, weil ich zu müde war. Mehr als eine Serienfolge war nicht drin. Ich nahm mir aber brav einen Tagungsband mit ins Bettchen und schaffte immerhin vier oder fünf Seiten, bis mir die Augen zufielen. Eventuell könnte ich mir sogar was gemerkt haben.

Der Dienstag war nicht ganz so stressig, ich konnte pünktlich Feierabend machen und mal wieder kochen, ohne dauernd E-Mails zu checken, ob nicht doch noch was dringend sofort wir werden alle sterben zum Kunden musste. Musste es nicht, sehr schön.

Das ist schon ein paar Tage her, aber ich habe eine kleine Baustelle in meiner Wohnung beseitigt. Mein geliebter Schreibtischstuhl, den ich schon in Hamburg besaß, hat Rollen für Parkett- bzw. Holzfußböden, denn genau sowas hatten wir ja in Hamburg. Hier in München rollt der arme Stuhl auf Teppich rum. Besser gesagt, er rollt nicht, sondern ich schubse ihn durch die Gegend und verzerre dabei immer den Teppich, weswegen ich alle vier Wochen den kompletten Teppich unter dem Tisch hervorreißen und ihn eine Nacht eingerollt rumstehen lassen muss, sonst würde er nur noch aus Falten bestehen.

Natürlich hätte ich längst Ersatzrollen kaufen können, die für Teppichböden geeignet sind, aber das war wieder so eine Ausgabe, von der ich dachte, die müsse nicht sein, ich kann auch so leben. (Ich schon, aber der Teppich nicht, ba-dumm-tsss.) Aber natürlich hat es mich jeden Tag genervt. Die ersten Agenturen haben aber netterweise ihre Rechnungen an mich bezahlt, weswegen ich deutlich entspannter atmen kann als im letzten Jahr, und so waren dann auch ein Tag in Frankfurt zum Kunstgucken drin, ein Katalog und jetzt: neue Rollen für meinen Stuhl. Seitdem gleite ich wieder beschwingt von der Tischkante nach hinten, bevor ich in ein Ikea-Regal dengele und finde es total super. Geld macht doch glücklich.

Russia is simply exploiting our broken politics

Ich habe nie so recht verstanden, wie Russland die amerikanischen Wähler*innen (und vielleicht auch die deutschen) so beeinflussen konnte, wie sie es anscheinend immerhin versucht haben. Dieser Artikel fasst es gut zusammen: Wo wir offline entweder mit Menschen diskutieren, die nicht unserer Meinung sind, oder ihnen einfach aus dem Weg gehen, rotten wir uns online mit immer mehr Leuten zusammen, die genau das gleiche denken wie wir – und stacheln uns gegenseitig an. Autor Hugo Rifkind vergleich das mit Terroristen und liegt vielleicht gar nicht so falsch:

„The key word here is “groups”: themed clubs of like-minded users. Using Facebook’s groups meant that these Russian agents knew that their posts were being seen predominantly by people already likely to agree with them. You do not join a group based on political identity because you want to attack that identity. You join for the fellowship, the consensual self-righteous balm. Alternative views, once thought-provoking, become annoying, then distressing, then contemptible and are then blocked out altogether. Gradually, politics can be hardened, ratcheted up. And all without the group members even having to mention any of this to the people they’re literally next to, whom they are ignoring, while fiddling with their phones.

This is what radicalisation looks like, and I say that observationally rather than pejoratively. Last year The New York Times reported on a pattern whereby handlers, often in Syria or Iraq, would use the messaging app Telegram to virtually accompany terrorists right up until the point of violence. Keep their mind in a virtual world where it all makes sense and they can avoid the nagging complexities of the corporeal one, full of children, blood and bone, where it really does not.

The vital detail of the Mueller indictment, though, is that all these assets of the Russian propaganda machine needed no recruitment. They had already recruited themselves. Habitually, they had already removed themselves intellectually to a place of political like-mindedness.“

(via @niggi)

German Olympians Drink a Lot of (Nonalcoholic) Beer, and Win a Lot of Gold Medals

Aus diesem Artikel habe ich gelernt: Alkoholfreies Bier wurde in der DDR erfunden. Gegoogelt: Es hieß Aubi.

„When Simon Schempp, a biathlete on the German Olympic team, was training for the Pyeongchang Games, he often capped a hard day on the trail with a bottle of nonalcoholic beer. He enjoys the taste of beer like most Germans, who drink more of it per capita than the people of almost any other nation. But he drank the nonalcoholic variety for more than just the flavor.

“It’s a really good drink directly after training or after competition,” said Schempp, who won a silver medal in the 15-kilometer mass start event on Sunday.

Schempp’s sober assessment is popular in Germany. While most people see nonalcoholic beer as a responsible replacement for regular beer, Germans often drink it in place of sports drinks after exercise. Beer or Gatorade? No contest.“