Sonntag, 15. Februar 2026 – Henrike Naumann
Gestern abend erreichte mich auf Bluesky die Nachricht, dass die Künstlerin Henrike Naumann gestorben sei. Das nahm mich etwas mehr mit als erwartet, denn Naumann gehört zu den zeitgenössischen Künstler:innen, die ich sehr schätze und deren Werk ich für wichtig halte. Die Arbeiten, die mich von Naumann am meisten faszinierten, waren Installationen mit Möbeln, in denen sie den Nationalsozialismus und die Neue Rechte verknüpfte, und das meiner Meinung nach überzeugend, stimmig und zukunftsweisend.
Ich bloggte mehrfach über sie. F. und ich sahen 2019 ihre Arbeit „Das Reich“ im Wiener Belvedere. Gleichzeitig lief im Haus der Kunst in München eine Gemeinschaftsausstellung, in der sie vertreten war. Wir sprachen im Podcast vom Januar 2020 über ihre Arbeit „Ruinenwert“ und wie sie in einem NS-Bau einen anderen nachstellte: Im ehemaligen Haus der Deutschen Kunst entstand ein Raum des Berghofs in Obersalzberg. Im März 2020 hätte Naumann uns eigentlich durch die Ausstellung führen sollen, aber März 2020 happened. F. hat die Tickets bis heute aufgehoben.
Ich erwähnte Naumann im Januar 2021 und verlinkte einen Instagram-Beitrag von ihr, in dem sie sich mit der Optik der Neuen Rechten, auch in den USA, befasste. Der letzte Beitrag auf ihrem Kanal stammt vom Mai 2025, in dem sie schreibt, dass sie gemeinsam mit Sung Tieu den Deutschen Pavillon auf der Biennale 2026 gestalten wird. Erneut ein – teilweise – Bau der NS-Zeit; er wurde 1938 großflächig umgebaut. Im Beitrag der Monopol steht über den heutigen Pavillon:
„Henrike Naumann ist am 14. Februar in Berlin verstorben, nach einer viel zu spät diagnostizierten Krebserkrankung. “Bis zuletzt hat sie Objekte arrangiert, um ihr Herzensprojekt, den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig, zu produzieren und umzusetzen. Die Ausstellung in Venedig wurde und wird so umgesetzt, wie ihre Laufbahn begonnen hat: als Gemeinschaftsprojekt, angeleitet durch Henrikes künstlerische Vision”, so heißt es in der von der Familie unterschriebenen Mail.“
Ein weiterer Eintrag zu ihr stammt vom März 2021, wo ich schön im Lockdown per Zoom einen Vortrag von ihr aus Hannover hören konnte. Im August 2021 erwähnte ich die Publikation „Einstürzende Reichsbauten“ von ihr, die hinter mir im Regal steht.
Jetzt bin ich wieder traurig. Ich hätte sehr gerne noch weitere Werke von Henrike Naumann gesehen. Krebs bleibt weiterhin ein Arschloch.