10. Januar 2024 – Dank und Verachtung

Kurz vor Silvester erreichte mich eine Mail einer Verlagsmitarbeiterin, die mich fragte, ob ich das Buch mit dem etwas umständlichen Titel „Der Gauleiter. Das Amt ‚Willkür‘. Adolf Wagner (1890–1944). Eine Biografie“ haben wolle, eine Dissertation von Brigitte Zuber. Ich freute mich sehr und bejahte, denn das Buch liegt seit einigen Wochen als Leihgabe meines ehemaligen Doktorvaters bei mir, was einerseits nett ist, weil es ich lesen kann, andererseits aber doof, weil ich nichts im Buch anstreichen kann. Gestern kam das Werk bei mir an – vielen Dank, ich habe mich sehr über die Nicht-Überraschung gefreut! Und gleich in ihr rumgemalt.

Mitarbeitende aller wissenschaftlichen Verlage – falls bei Ihnen noch ein Buch über München zur NS-Zeit rumliegt, dürfen Sie mir das gerne schicken. Echt! Überhaupt kein Problem!

Besprechung bei der SZ.

Durch mein gestriges Netz ging die Correctiv-Recherche zu einem Treffen der rechtextremen Szene, darunter auch Mitglieder der AfD. Selbst meine sonst unpolitische Insta-Timeline war voll mit Screenshots aus dem Artikel.

Sellner ergreift das Wort. Er erklärt das Konzept im Verlauf des Vortrages so: Es gebe drei Zielgruppen der Migration, die Deutschland verlassen sollten. Oder, wie er sagt, „um die Ansiedlung von Ausländern rückabzuwickeln“. Er zählt auf, wen er meint: Asylbewerber, Ausländer mit Bleiberecht – und „nicht assimilierte Staatsbürger“. Letztere seien aus seiner Sicht das größte „Problem“. Anders gesagt: Sellner spaltet das Volk auf in diejenigen, die unbehelligt in Deutschland leben sollen und diejenigen, für die dieses Grundrecht nicht gelten soll.

Im Grunde laufen die Gedankenspiele an diesem Tag alle auf eines hinaus: Menschen sollen aus Deutschland verdrängt werden können, wenn sie die vermeintlich falsche Hautfarbe oder Herkunft haben – und aus Sicht von Menschen wie Sellner nicht ausreichend „assimiliert“ sind. Auch wenn sie deutsche Staatsbürger sind. Es ist gegen die Existenz von Menschen in diesem Land gerichtet.

Das wäre ein Angriff auf das Grundgesetz – auf das Staatsbürgerrecht und auf den Gleichheitsgrundsatz.“

Oder anders: Die AfD hat sich die nächste Seite aus dem NS-Playbook durchgelesen. „Deutschland den Deutschen, und wer deutsch ist, bestimmen wir“ hat seit den Nürnberger Gesetzen Tradition.

Gegen ein Verbot dieser Partei gibt es ja gerne das Nicht-Argument „Wir lassen die mal regieren, dann entzaubern sie sich schon selbst.“ Jedem, der diesen Quatsch von sich gibt, möchte ich 33 bis 45 Kilo Geschichtsbücher an den Kopf werfen.