Eventuell thailändische Panang-Currypaste

Ich koche jetzt seit gut zehn Jahren. Davor konnte ich Bratkartoffeln und Spaghetti, inzwischen ist das Repertoire etwas größer und vielfältiger geworden. Relativ früh auf meiner Entdeckungsreise stieß ich auf Ottolenghi und war daher lange der Meinung, seine Küche – also die Ecke Libanon und Israel – wäre genau meine. Mit asiatischer Küche – um mal einen ganzen Kontinent unfair in einen, haha, Topf zu werfen – fremdelte ich etwas, keine Ahnung warum. Meine Eindrücke waren: alles zu scharf und viel zu kompliziert. Obwohl ich bei meiner einzigen Asienreise nach China Ende der 1990er-Jahre alles fantastisch fand, was ich aß. Komischerweise dauerte es bis zur diesjährigen Masterchef-Australia-Staffel, bis mich ein Gericht dazu verführte, lustige Zutaten zu kaufen, die ich bisher noch nie verwendet hatte. Seitdem werfe ich dauernd Chili-Öl in Dinge und möchte ganz dringend weitere unbekannte oder von mir bisher wenig genutzte Lebensmittel kaufen, vor allem weil meine Küche auf einmal ganz anders duftet als bei Ottolenghi-Rezepten (oder Bratkartoffeln. Nichts gegen Bratkartoffeln!). Und als letzte oder vorletzte Woche ein Curry hergestellt wurde, wollte ich auf einmal eine Paste selbst zubereiten anstatt wie sonst das Supermarkt-Gläschen aufzuschrauben. Ich ahne, dass diese Fertigpasten jetzt für mich Geschichte sind, auch wenn ich nicht alle untenstehenden Zutaten bekommen habe. Das war schon unverarbeitet im Zerkleinerer alles so frisch und aromatisch, dass ich es eigentlich nur riechen und bewundern wollte. Ist dann aber doch in der Pfanne gelandet. Memo to me: brauche jetzt einen Wok.

Das Rezept ist wie erwähnt von Masterchef Australia (Seite vermutlich nur per VPN erreichbar). Der kochende Herr warf Aubergine und Kürbis in den Topf, bei mir waren es Tofu, Bohnen, Brokkoli und Zucchini.

Für zwei gute Portionen

8 lange rote Chilischoten, grob gehackt,
2 Birds-Eye-Chilis,
1/2 TL gemahlenen Kreuzkümmel,
1 TL gemahlenen Koriander,
1 Stange Zitronengras, grob gehackt,
1 daumengroßes Stück Ingwer, grob gehackt,
die Schale einer Kaffirlimette (bei mir eine gewöhnliche Limette),
2 Kaffirlimettenblätter, fein gehackt (hatte ich nicht),
3 Korianderwurzeln (bei mir 5 Stengel Koriander mit allem),
5 geschälte Knoblauchzehen,
3 Schalotten, grob gehackt,
1/4 Cup Erdnüsse (eine Kinderhand voll) und
4 EL Rapsöl (bei mir Erdnuss) in einen Zerkleinerer geben und alles zu einer Paste hacken. Bei mir war dazu auch noch ein Pürierstab nötig. Ideal wäre ein Mörser, aber meiner ist zu klein für den Berg Zeug. Memo to me: brauche größeren Mörser.

In einem Wok oder einer tiefen Pfanne
1 EL neutrales Öl erwärmen und die Paste bei mittlerer Hitze anbräunen. Im Original heißt es „caramelize, but not burn“, hm, und es wurden 10 bis 12 Minuten erwähnt. Damit kann ich was anfangen. Das duftet übrigens alles ganz hervorragend beim nicht-burnen.

Wenn eure Paste euch richtig vorkommt, das Gemüse dazuwerfen, möglichst nach Garpunkt sortiert. Ich hatte die Bohnen schon halb vorgekocht, der Rest war roh. Alles rein damit, umrühren, damit alles was abkriegt und nun
400 ml Kokosmilch dazugeben. Einmal aufkochen, dann simmern lassen, bis euch die Konsistenz gefällt und das Gemüse durch ist. Mit
1 TL Tamarindenpaste,
1 EL Fischsauce und
1 TL braunem Zucker abschmecken. Mit ordentlich
Thai-Basilikum (bei mir Koriander) servieren.

Dazu gab’s mir bei noch Zitronengras-Reis: Eine Stange Zitronengras mit in den Reistopf geben, normal kochen, fertig ist der Duftreis. Das ganze ist, würde ich als Neu-Asiatisch-Kochende, eher europäisch-scharf. Man merkt die Schärfe eher hinten im Rachen als gleich vorne auf den Lippen, wo alles harmlos-süßlich daherkommt. Aber ich fand sie sehr angenehm.