Tagebuch Montag, 1. Juli 2019 – Wochenende

Da die letzten drei Tage nicht ganz so erholsam waren, nahm ich mir eine Auszeit. War eh zu warm für alles. Gelesen, viel Tee getrunken, Köfferchen endgültig ausgepackt, Wäsche gewaschen.

Nix für die Diss gemacht, zu faul zum bloggen. Stattdessen so genau wie möglich notiert, wie es Papa ging im Vergleich zu vor vier Wochen, weil ich das sonst vergesse: was kann er, was kann er nicht, wie reagiert er auf was.

Und: die neuesten Mitbringsel aus der alten Heimat auf Instagram geworfen. Die kleine Platte und die winzigen Schälchen gehörten mal Omi, keine Ahnung, von wann die sind. Sechziger Jahre? Auf die Schälchen passen ungefähr zehn Erdnüsse, weswegen sie eigentlich total nutzlos sind – aber so hübsch! Auf Insta meinte jemand schlauerweise, dass die hervorragend für Grüße aus der Küche oder ähnliche Kleinigkeiten geeignet wären. Wird beim nächsten F.-Bekochen ausprobiert.

The Man Who Invented Bookselling As We Know It

James Lackington eröffnete 1794 in London „The Temple of Muses“, einen damals ungesehen großen Buchladen.

„Late 18th-century London was a time of great social change. More people were learning to read, and the increase in leisure time among the working and middle classes meant an increased demand for books. But books were still an expensive luxury, and bookstores could be intimidating places. At the time, the typical bookstore did not encourage idle browsing or lounging. Lackington wanted to find a way to make books more affordable and accessible while still turning a profit, and with this in mind, he set about revolutionizing the book trade in at least four ways.“

(via @stabiHH)

Warum politische Talkshows sind, wie sie sind

Ein Artikel aus dem Tagesspiegel von 2018, der Zitate von Mitwirkenden an Talkshows (Gäste, Moderatorin, Produzent, Kritiker) zu einer Art Gespräch montiert.

Damit sind wir schon an dem Punkt, über den wir heute sprechen wollen – nämlich über Talkshows selbst. Die standen selbst in der Kritik: immer die gleichen Themen, immer die gleichen Gäste, dabei zu plump und populistisch. Herr Lobo, warum ist das so?

Lobo: Die Zuschreibung ist aktuell, dass in Talkshows das politische Deutschland verhandelt wird. Eine Art von Ersatz-Show-Parlamentarismus. Ich halte das auch für okay. Die Debatten, die dort stattfinden, finden ja ein ungeheures Echo. Dabei ist nicht unbedingt klar, was eine Talkshow genau soll. Die einen sagen, es sei Diskussion als Selbstzweck, die anderen sagen, es sei Aufklärung und politische Bildung. Sogar die Leute, die dort arbeiten, haben da unterschiedliche Auffassungen.

Hans Hütt: Natürlich sind Talkshows vom Wesen her populistisch, das ist ihre Dramaturgie! Das war übrigens schon so, bevor die AfD überhaupt existiert hat. In Talkshows geht es um Unterhaltung, nicht um Haltung. […]

Küppersbusch: Es gibt eine alte Branchen-Bauernregel: Die Besetzung einer Panel-Talkshow erfolgt nach den Grundregeln des Kasperletheaters: Du brauchst Hänsel, du brauchst Gretel, den Zauberer und das böse Krokodil.

Wer ist da wer?

Küppersbusch: Früher waren Hänsel und Gretel die Volksparteien, das sind zwei Geschmacksrichtungen von “Ja, okay”. Der Wissenschaftler kommt gerne etwa von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, ein radikaler Lobbyist in der Camouflage des weißen Ärztekittels, der seine Weisheiten als Naturwissenschaften verkauft. Und das Krokodil war immer Alice Schwarzer oder der Berliner CDU-Rechtsaußen Heinrich Lummer.

Und heute?

Küppersbusch: Heute haben wir mit der AfD eine komplette Krokodilpartei. Die AfD ist auf der funktionalen Ebene eine Wiedergängerin der frühen Grünen: Die waren ein Castingvorschlag, als der Bundestag als taubengraues Beamtenparlament verschrien war. Bei den Grünen gab es einen Bauern im Folklorekittel, eine Friedensaktivistin, die mit einem Bundeswehrgeneral liiert war, einen Taxifahrer in Turnschuhen und stillende Pfarrerinnen. Nun kommt dasselbe Castingmodell noch mal, mit einer downgegradeten Herzogin, einer gleichgeschlechtlichen Wanderpredigerin gegen die Ehe für alle und einem Frankfurter Cordjanker, der 40 Jahre lang in der CDU war.“

(via den (dem?) Autor @daniel_erk)