One, Two, Three

One, Two, Three
(Eins, zwei, drei, USA 1961)

Darsteller: James Cagney, Horst Buchholz, Lilo Pulver, Pamela Tiffin, Hanns Lothar
Drehbuch: Billy Wilder & I.A.L. Diamond
Kamera: Daniel L. Fapp
Musik: André Previn
Regie: Billy Wilder

Mein Papa ist kein Fan von modernen Kinos. Ihm ist das alles zu laut, es sind zu viele Leute da, und er mag kein Popcorn. Aber immer, wenn One, Two, Three im Programmkino lief, schnappte er sich die ganze Familie und spendierte die Kinokarten. Als Kind hatte ich nicht wirklich den Durchblick über deutsche Geschichte und den kalten Krieg, aber anscheinend klappen Filme mit außergewöhnlich guten Drehbüchern auch ohne profunde Hintergrundbildung.

Es geht um einen Coca-Cola-Vertreter in West-Berlin (James Cagney, der vor jeder seiner Szenen gesteppt hat, um atemlos durch die Dialoge zu hetzen), der versuchen will, Coca-Cola auch in die Sowjetunion zu importieren. Nebenbei muss er noch auf die verwöhnte Göre seines Chefs aus Atlanta aufpassen, die mal kurz für vier Wochen vorbeischneit und keine Ahnung von Weltpolitk hat. Sie verliebt sich in einen Kommunisten aus Ost-Berlin (Horst Buchholz, als er noch gut aussah), heiratet ihn sogar, Cagney versucht, alles wieder rückgängig zu machen, weil er um seine Beförderung fürchtet, scheitert aber, ersinnt Plan B, muss dafür Buchholz einer Gehirnwäsche unterziehen, um aus ihm einen passablen kapitalistischen Schwiegersohn zu machen, nebenbei führt er Verhandlungen mit fiesen Russkis (einer davon ist Ralf Wolter, der gute Sam Hawkins aus den Winnetou-Filmen), hat Stress mit seiner Frau, die ihn immer mit „Mein Führer“ anredet, muss seine außereheliche Affäre mit Fraulein Ingeborg (Lilo Pulver, knackig) managen, die ihm Unterricht in deutschen Umlauten gibt und versucht vergeblich, seinem deutschen Assistenten Schlemmer das militärische Hacken-Zusammenschlagen abzugewöhnen. Das alles passiert in unglaublich kurzweiligen 90 Minuten und beinhaltet Dialogperlen wie: „Ihr Russen könnt gar keine Cola herstellen. Ihr habt’s mal versucht, aber nicht mal die Albaner wollten es trinken. Sie haben ihre Schafwolle damit gefärbt.“

Der Film war 1961 ein Flop, denn dummerweise fiel der Bau der Berliner Mauer mitten in die Dreharbeiten. Regisseur Billy Wilder musste den Film in den Münchener Bavaria-Studios mit einem Brandenburger Tor aus Pappe fertig stellen. Und seltsamerweise wollte Ende 1961 niemand in Deutschland einen Film sehen, der Witze über die DDR macht.

In den 80er Jahren wurde der Film wiederaufgeführt und wurde ein später Erfolg. Immerhin. Wer ihn wider Erwarten noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen. Ich persönlich kenne keinen Film, der so viele Pointen in so hohem Tempo verbrät und sogar in der allerletzten Sekunde des Films noch einen Witz unterbringt.

Wer den Film allerdings schon kennt und vielleicht lieber was anderes als Abschiedsvorstellung für Billy Wilder sehen möchte – hier eine kleine Auswahl seiner besten Filme:

Double Indemnity (Frau ohne Gewissen, 1944): Barbara Stanwyck als eiskalte Mörderin – ein Novum in Hollywood: Frauen als Täter

The Lost Weekend (Das verlorene Wochenende, 1945): Einer der ersten Hollywood-Filme, die Alkoholsucht zum Thema hatten und sie drastisch darstellt

Sunset Boulevard (Boulevard der Dämmerung, 1950): Grandioser Abgesang auf das alte Hollywood, erzählt von einem Drehbuchautor, der tot im Swimming Pool einer Diva schwimmt

Sabrina (Sabrina, 1954): Zuckersüßer Mädchenfilm, in dem alle am Ende die richtigen kriegen (Obwohl: die wunderschöne Audrey Hepburn den Nussknacker Humphrey Bogart? Naja …)

Witness for the Prosecution (Zeugin der Anklage, 1957): Paraderolle für Marlene Dietrich als eiskalte Femme Fatale in diesem spannenden Gerichtsthriller. Oder ist sie etwa nicht die, für die man sie hält …?

The Seven Year Itch (Das verflixte siebte Jahr, 1957): Ich sag nur Marilyn im weißen Kleid über dem U-Bahn-Schacht

The Apartment (Das Appartement, 1960): Bittersüße Love Story mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine

Irma La Douce (Das Mädchen Irma La Douce, 1963): Traumpaar Lemmon/MacLaine wiedervereint, diesmal als Hure und Polizist in kitschiger Paris-Kulisse

The Fortune Cookie (Der Glückspilz, 1966): Walter Matthau und Jack Lemmon als Versicherungsbetrüger

Und wer sich jetzt fragt, wie so ein großer Regisseur, der in seinen Filmen immer alles möglich gemacht hat, seinen eigenen Abspann nicht hat verhindern können, dem hilft vielleicht die unsterbliche letzte Zeile seines besten Films Some Like It Hot (Manche mögen’s heiß, 1959): Nobody is perfect.

Goodbye, Mr Wilder. Mein Papa und ich schauen uns nochmal One, Two, Three an. Vielleicht gucken Sie ja zu.

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