Wie man sich mal eben in München immatrikuliert

Montag, 6. August, Hamburg

Eine Studienplatzzusage aus Dresden! Ich fasse mein Glück kaum, schreibe wie wild Mails und DMs und freue mir einen Wolf. Ich hatte mich in vier Städten beworben und ehrlich gesagt mit keiner einzigen positiven Antwort gerechnet, da mein Abischnitt für die jeweiligen internen NC zu schlecht ist. Völlig egal, ich habe einen Studienplatz! Theoretisch. Denn ich muss neben dem beglaubigten Abiturzeugnis auch meine Exmatrikulation aus Hannover vorlegen; Bremen scheint egal zu sein. Bei den Bewerbungen hatte ich brav angegeben, schon einmal in den beiden Städten studiert zu haben, und das hätte Dresden jetzt gerne belegt. Hm.

Bei meinem letzten Umzug 2004 hatte ich deutlich mehr Zeug als Kisten und so nahm ich brav alles unter die Lupe, was ich einpackte. Darunter auch mein gelbes Studienbuch der Uni Hannover, in das ich schon ewig nicht mehr reingeguckt hatte. Der letzte Schein war wahrscheinlich von ungefähr 1994, danach habe ich die Uni nicht mehr von innen gesehen, die letzte Einheftung war die Exmatrikulation von 2000. Ich wusste nicht, wozu ich den Quatsch noch mal brauchen sollte – und warf es weg. An diesen Augenblick werde ich mich in den nächsten sechs Wochen noch sehr oft erinnern.

Aber so ein Schrieb sollte ja kein Problem sein. Bevor ich die Uni Hannover anrufe, frage ich meine Eltern, die deutlich lieber und länger als ich Zeug aufheben – ob sie noch irgendwas von meiner Unizeit hätten, am besten eine Matrikelnummer? Das würde die Bearbeitung wahrscheinlich deutlich erleichtern. Mein Mütterchen ruft zehn Minuten später wieder an: „Ich habe hier deine Exmatrikulation, da steht deine Matrikelnummer drauf. Warte, ich diktiere …“ Ich so: „Waaaah, großartig, herschicken, dankedankedanke!“ Mama freut sich, wenn Töchterchen sich freut, und zwei Tage später habe ich meine Exmatrikulation im Briefkasten. Dresden, ich komme.

(Im Nachhinein bin ich stolz darauf, nie mein Abiturzeugnis weggeschmissen zu haben. Und: Ich wusste sofort, wo es ist.)

Freitag, 10. August, Hamburg

Ein Brief aus München informiert mich darüber, dass ich auch bei der Ludwig-Maximilians-Universität einen Studienplatz hätte. Aus vielerlei Gründen – über einige schrieb ich schon mal – freut mich das zwar, aber eigentlich hatte ich mich schon für Dresden entschieden. Über das Bayreuth-Wochenende neige ich aber immer mehr zu München und schwanke und grübele hin und her.

Mittwoch, 15. August, Hamburg

Eine Mail der Universität Hamburg sagt mir, dass ich nun noch eine dritte Auswahlmöglichkeit habe. Das ist toll, aber ich neige immer noch sehr stark zu München. Bleibt nur noch ein kleines Problem, nämlich das der Immatrikulation. Für ein Studium in Hamburg oder Dresden hätte meine Exmatrikulationsbescheinigung sowie eine beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses gereicht, um mich einzuschreiben. München nimmt es etwas genauer: Sie würden gerne einen, O-Ton, „vollständigen Studienverlauf“ sehen. Urks.

Ich rufe bei den Unis in Bremen und Hannover an und frage nach einem vollständigen Studienverlauf. Kein Problem, bitte schriftlich anfordern und einen frankierten Rückumschlag dazulegen, ist in drei bis vier Wochen da. Noch mal urks, denn ich habe keine drei bis vier Wochen, sondern nur noch knapp zwei. Meine vorgeschriebene Zeit zur Immatrikulation ist der 24. bis 29. August. Hm. Wird wohl doch Hamburg werden. Ich trauere um einen Studienplatz, den ich noch nie hatte, aber: Ganz aufgegeben habe ich noch nicht.

Donnerstag, 16. August, Hamburg

Mittwoch war Feiertag in München, daher kann ich erst jetzt bei der Uni anrufen und fragen, ob ihnen eine Exmatrikulation als Nachweis reiche. Da stünden ja auch meine Fächer drauf und wie lange ich da war. Der freundliche Mensch am Telefon bejaht, ich fiepse vor Freude, stelle mich seelisch auf München ein und warte auf meinen Immatrikulationstermin. Ich bin zwar etwas nervös, denn ich nehme es schließlich nicht nur mit Bürokratie auf, sondern mit bayerischer Bürokratie, aber wenn der freundliche Mensch am Telefon doch gesagt hat … meine ganze Umgebung ist auch super entspannt. Ich werfe trotzdem zwei Briefe an zwei Unis in den Briefkasten, man weiß ja nie. Auf die Nachfrage, ob Vorbeikommen in Hannover und Bremen nicht auch möglich wäre, heißt es bei beiden Unis, nee, bloß nicht, wir haben gerade Immatrikulation. Ach was. (Um mal die Pointe der Geschichte vorwegzunehmen: JETZT wäre der Zeitpunkt gewesen, trotzdem hinzufahren, auch wenn man vielleicht gerade etwas ungelegen kommt.)

Montag, 27. August, München

Meine Nervosität bestätigt sich leider: Obwohl ich – gefühlt als einzige in der Schlange von 20-Jährigen – alle erforderlichen Kopien von den vorzulegenden Originalen habe, reicht meine Exmatrikulation nicht. Auf ihr sind zwar meine *hust* 21 Hochschulsemester verzeichnet, aber von denen habe ich nur 16 in Hannover zugebracht. Dass ich davor in Bremen war, kann ich nicht nachweisen. Ich könnte auch Kunstgeschichte in München studiert haben und durch zig Prüfungen gefallen sein. Mein zaghafter Einwand, dass es den Bachelor 1989 noch gar nicht gab, zählt nicht. Alle sind sehr nett und verständnisvoll, bleiben aber knallhart bei den Belegen. Ich muss Bremen nachweisen, sonst ist der Platz weg. Aber sie verlängern meine Einschreibefrist bis zum 28. September. Genug Zeit also, um auf die Belege zu warten, die ich ja brav angefordert habe. Der Leiter des Sekretariats meint noch, ich solle mir keine Sorgen machen, der Platz sei mir sicher.

Dienstag, 28. August, Hamburg

Der Platz ist mir sicher, ich lasse die Einschreibefrist für Dresden verstreichen.

Mittwoch, 29. August, Hamburg

Der Platz ist mir sicher, ich lasse die Einschreibefrist für Hamburg verstreichen.

Donnerstag, 30. August, Hamburg

Ein Brief von der Uni München, in dem steht, dass sie meine Immatrikulationsfrist verlängern – bis zum 5. September. … Äh. … WATZEFACK?

Freitag, 31. August, Hamburg

Ich verbringe drei Stunden am Telefon, um die zuständige Sachbearbeiterin ans Telefon zu bekommen, die den Schrieb von gestern unterzeichnet hat. Um kurz nach 12 erfahre ich, dass die Dame heute gar nicht im Haus ist. Ich könne ihr aber gerne ein Fax schicken, auf dem ich mein Anliegen darlege, dann habe sie das Montag schon vorliegen, wenn ich noch mal anrufe. Nein, per Mail ginge das leider nicht. Ich schreibe mein Anliegen auf, drucke es aus, fahre drei Stationen mit dem Bus zum nächsten Copyshop und verschicke ein Fax.

Montag, 3. September, Hamburg

Ich verbringe drei Stunden am Telefon, um die zuständige Sachbearbeiterin ans Telefon zu bekommen. Um kurz nach 12 erfahre ich, dass die Dame heute gar nicht im Haus ist. Ich rufe meine Eltern an und bitte sie, ihr gesamtes Haus auf den Kopf zu stellen, ob sie noch IRGENDWAS aus Bremen finden würden, das ich notfalls in zwei Tagen in München vorlegen könnte. Ich rufe meine alte Krankenkasse an und frage nach den damaligen Belegen, die man ja immer abgeben musste. Antwort: Nix mehr da, wird alles nach zehn Jahren vernichtet.

Gegen 18 Uhr ruft meine Mama an, sie hätte unfassbarerweise noch zwei Immatrikulationsbescheinigungen gefunden – und sie könnte mir ihre Steuererklärungen von 1989 bis 1991 mitgeben, in denen ich als Studentin geführt werde. Dafür mussten meine Eltern damals Bescheinigungen abgeben, die offensichtlich anerkannt wurden. Meine Eltern haben zusätzlich noch ihren alten Steuerberater aus dem Ruhestand gescheucht und ihn nach Unterlagen gefragt. Er meinte, auch das Finanzamt hebe den Kram nur zehn Jahre auf.

Ich eile zum Bahnhof und setze mich in den nächsten Zug nach Hannover, wo mein Vater am Bahnsteig auf mich warten soll, damit ich gleich den nächsten Zug wieder nach Hamburg zurücknehmen kann.

Um 20.33 Uhr hält mein Zug auf Gleis 4. Ich sprinte zu Gleis 7, wo Papa oben am Bahnsteig auf mich warten soll. Erster Treppenaufgang – kein Papa Gröner. Zweiter Treppenaufgang – kein Papa Gröner. Ich rufe ihn an: „WO BIST DU?“ Er so: „UNTEN!“ Ich so: „KOMM RAUF!“ Lautsprecherdurchsage so: „ICE xyz nach Hamburg-Altona, bitte steigen Sie ein …“ Ich schicke flehende Blicke zum Zugpersonal, das schon in den Türen lehnt, renne Papa entgegen, der mit 75 immer noch recht flink ist, aber nicht mehr so flink, entreiße ihm die Dokumente und springe in den Zug. „… die Türen schließen jetzt. Vorsicht bei der Abfahrt.“ Um 20.36 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung und ich bestelle erst mal Alkohol. Vor mir liegen zwei Immatrikulationsbescheinigungen von 1989 und 1990 mit Uni-Bremen-Signet und dem Beweis, dass ich anscheinend nicht Kunstgeschichte studiert habe. Ich möchte allerdings auch nicht mehr auf die Schnapsidee, Deutsch und Geschichte für das höhere Lehramt zu studieren, angesprochen werden.

Dienstag, 4. September, Hamburg

Ich verbringe eine Stunde am Telefon, um die zuständige Sachbearbeiterin ans Telefon zu bekommen. Unfassbarerweise erreiche ich sie irgendwann, und sie ist ziemlich pissig. Warum ich denn dauernd anrufen würde, mir wäre doch mündlich zugesichert worden, bis zum 28. Zeit zu haben. Ich denke so, fuck mündlich baby, frage aber trotzdem noch mal freundlich nach einer erneuten Bestätigung, worauf sie fassungslos meint, der Brief sei doch schon längst korrigiert und unterwegs und ich solle mir doch bitte keine Sorgen machen. Sie wünscht mir alles Gute und legt auf.

Mittwoch, 5. September, Hamburg

Ein Brief von der Uni München, in dem steht, dass sie meine Immatrikulationsfrist bis zum 28. September verlängern. Ich beginne, viel zu trinken.

Donnerstag, 13. September, Hamburg

Ich frage telefonisch in Hannover und in Bremen nach, wie das denn so mit den angeforderten Dokumenten sei. In Hannover behauptet man, irgendwer würde ich da schon drum kümmern, wenn ich alles brav schriftlich angefragt hätte. Nein, bloß nicht vorbeikommen. In Bremen sagt man mir, da kümmert sich zurzeit niemand drum, das Sekretariat für Studierende sei seit Wochen und bis zum 15. nicht besetzt, weil gerade Immatrikulation sei. Nein, bloß nicht vorbeikommen. Aber eine Mail könnte ich zusätzlich noch schicken. Ich schicke eine Mail, trinke viel und schlafe schlecht.

Freitag, 20. September, Hamburg

Ich warte seit fünf Wochen auf Belege und ahne, dass keine mehr kommen werden. Ich kopiere die Steuerunterlagen meiner Eltern und frage auf Twitter, ob irgendjemand irgendjemand an der Uni Bremen kennt. Keine Ahnung, was das bringen soll, aber mir fällt nichts mehr ein. Im Internet suche ich die Öffnungszeiten der jeweiligen Sekretariate heraus. Bremen ist Montag und Mittwoch vormittags für mich da, Hannover quasi immer. Ich kann keine Nacht mehr durchschlafen.

Montag, 24. September, 9.30 Uhr, Bremen

Da ich eine ewig lange Schlange vor dem Sekretariat erwarte – schließlich ist gerade Immatrikulation –, nehme ich einen frühen Zug aus Hamburg und bin um 8.23 in Bremen. Die Tramfahrt zur Uni dauert 15 Minuten, bis ich das Sekretariat gefunden habe, vergehen noch einmal 40. Das Gebäude ist nicht ausge- oder beschildert, die zehnte Person, die ich nach der Richtung frage, hat Recht, und ich entdecke innen im Halbdunkel hinten im Gang ein Schild, auf dem „Sekretariat für Studierende“ steht. Dort wartet mit mir ein einziger junger Mann vor den vier Türen, über denen ein rotes und ein grünes Licht darauf hinweisen, ob man eintreten darf oder nicht. Für den jungen Mann wird es grün, als ich neben ihm Platz nehme, für mich eine Minute später. Im Büro fragt mich die Sachbearbeiterin nach meiner Matrikelnummer, ich zücke die Kopie meiner alten Immatrikulationsbescheinigung – das Original liegt in 17 Sichthüllen verpackt zuhause und ich vergewissere mich jeden Abend, dass es noch da und nicht zu Staub zerfallen ist –, die Dame tippt, druckt und reicht mir nach nicht einmal drei Minuten meinen Studienverlauf, meine Exmatrikulation (kann ja nicht schaden) und als Bonus noch einen Bescheid für die Rentenkasse über den Tisch. Drei. Verdammte. Minuten.

Montag, 24. September, 11.30 Uhr, Hannover

Der IC nach Hannover fährt fünf Minuten, nachdem ich am Bahnhof ankomme. In Hannover gehe ich zum Hauptgebäude durch den Haupteingang und steuere direkt auf ein Riesenschild „Servicecenter“ zu. Dort trage ich mein Begehr vor, bekomme eine Wartemarke, setze mich und gehe nach zehn Minuten ins Nebenzimmer zu dem Schreibtisch, auf dem „Immatrikulationsamt“ steht. Dort sagt man mir, dass ich leider nicht mehr im System erfasst bin, weil meine Studienzeit schon zu lange her sei. Man würde aber im Archiv nach mir suchen und könne mir den Studienverlauf gerne zuschicken, das dauere ein paar Tage. Aber da würde auch nicht mehr draufstehen als jetzt schon auf der Exmatrikulation, und die habe ich ja. Misstrauisch verlasse ich das Sekretariat, und erst im Zug fällt mir ein, ich hätte ja mal nach einer Bescheinigung fragen können, dass ich dagewesen sei und dass das Zeug noch kommt. Zu spät.

Dienstag, 25. September, Hamburg

Ich beginne einen epischen Blogeintrag, in dem ich über meine lustigen Immatrikulationserlebnisse berichte. Ich kann nicht schlafen und glaube, mit dem Blogeintrag die Götter herausgefordert zu haben. Ich werde bestimmt nicht immatrikuliert.

Mittwoch, 26. September, München

Die schon bekannte Strecke, Flughafen, S8, Marienplatz, U3, Station Giselastraße, die Schlange für die Zweiteinschreiber. Ungefähr vier Plakate alle zehn Meter brüllen mir entgegen: „HABEN SIE WIRKLICH ALLE KOPIEN DABEI?“ Ich verneine innerlich und füge mich in mein Schicksal.

Nach zehn Minuten Wartezeit darf ich eintreten und bekomme den gleichen Tisch zugewiesen wie beim letzten Mal. Heute sitzen da aber keine zwei Mädels, von denen die eine ständig die andere fragt, ob das so richtig sei, sondern ein junger Mann, der ein bisschen den Eindruck vermittelt, schon alles gesehen zu haben.

„Ich bräuchte den Online-Immatrikulations-Antrag und den Personalausweis … dann den Nachweis für die Krankenkasse … dann Ihr Abiturzeugnis … dann die Zulassungsbescheide für Haupt- und Nebenfach … Sie haben schon mal studiert, sehe ich gerade … haben Sie ein Abschlusszeugnis? “

Ich so innerlich Nelson-Ha-ha, äußerlich: „Nein, ich habe nicht abgeschlossen.“

Er so: „Okay, dann bräuchte ich die Exmatrikulation aus Hannover … und aus Bremen … hm … in Ihrem Antrag haben Sie fünf Semester Bremen angegeben, ich sehe hier aber nur vier …“

„Da habe ich mich blöderweise verzählt, ist lange her.“

„Stimmt. Gut. Hm. Hier steht, dass Sie Ihr Studium in Bremen im Sommersemester begonnen haben?“

„Nee, da hat sich Bremen verschrieben. Ich hab hier noch eine alte Immatrikulationsbescheinigung, da steht, dass mein erstes Semester das Wintersemester war. Brauchen Sie davon eine Kopie?“

„Nein, ich seh’s ja … Haben Sie einen Studienverlauf aus Bremen dabei? … Danke …“

Und in dem Moment bin ich sicher, ich bin raus, denn jetzt kommt bestimmt die Frage nach dem Studienverlauf in Hannover, und den habe ich nicht und ich bin raus und wieso musste ich diesen Scheißblogeintrag vorschreiben? Aber:

Die Frage kommt nicht.

Der junge Mann greift zum Stapel der grauen Mappen neben sich, auf denen „Studienunterlagen“ steht und auf die ich schon seit Minuten hypnotisiert starre. Er zuzzelt einen Aufkleber aus einer langen Reihe Aufkleber, tippt die Nummer in den Rechner und klebt den dazu passenden Aufkleber auf ein Schriftstück, das er mit mehreren anderen in die Mappe legt. Ich halte inzwischen den Atem an, und da meinte der junge Mann, dem ich eigentlich in wenigen Sekunden einen Heiratsantrag machen wollte:

„Moment … ich muss mal eben was fragen gehen.“

Das war’s. Das waren genau die Worte, die letztes Mal der Anfang vom Ende waren. Der junge Mann geht raus und sucht nach jemandem mit mehr Ahnung, der oder die wird sofort bemerken, dass noch was fehlt und ich darf wieder nach Hause fliegen. Ich sitze stocksteif auf dem Stühlchen vor dem Tischchen mit dem Rechner und werde zum Chamäleon. Bloß nicht auffallen. Ich gehöre hierher, ich bin sowas von Unimaterial München, ich werde eins mit dem verdammten Büro.

Der junge Mann kommt mit einer Dame im Schlepptau wieder, die er mit dem Namen anspricht, der unter dem ersten Brief mit dem falschen Verlängerungsdatum stand. Ich setze mein bestes „Ich liebe euch doch alle“-Gesicht auf. Der junge Mann so: „Die Dame ist schon im Rechner erfasst …“ Die Sachbearbeiterin freundlich: „Ja, weil die Dame schon mal hier war und … (sie wirft einen Blick auf meinen Stapel Unterlagen) … anscheinend eine Verlängerung von uns bekommen hat. Wie schön.“

Ich so (piepsig): „Ja, total schön.“ (Fresse, Gröner.)

Der junge Mann nickt, tippt noch irgendwas ein, die Sachbearbeiterin verschwindet, und dann lehnt sich mein zukünftiger Gatte und Gebieter über den Tisch, reicht mir den Ordner mit den Studienunterlagen, erklärt mir, was da drin ist und begrüßt mich an der Universität München. Ich piepse nur „Dankeschön“ und renne so schnell wie möglich aus dem Gebäude, bevor sie es sich noch mal anders überlegen.

Donnerstag, 27. September, Hamburg

Post aus Hannover: Mein Studienverlauf ist da. Ich glaub, den schmeiß ich weg. Brauch ich garantiert nie wieder.