War of the Worlds

Schrecklich böser und schrecklich guter Science-Fiction-Film von Steven Spielberg. War of the Worlds (Krieg der Welten) erzählt die Geschichte von Papa Ray, der seine zwei Kinder (und sich selbst) vor der Invasion riesiger Außerirdischer retten will. Ray wird von Langweiler Tom Cruise verkörpert, aber das hat kaum gestört, denn was auf der Leinwand passiert, ist viel zu groß und übermächtig, als dass es von den üblichen zwei Gesichtsausdrücken von Herrn Cruise ruiniert hätte werden können. Selbst Kreischkind Dakota Fanning konnte ich einfach ignorieren und mich dafür auf eine wunderbar straighte und perfekt getimte Story einlassen.

Die Bilder, die Spielberg entwirft, sind schlicht überwältigend – selbst auf meinem winzigen Fernseher. War of the Worlds ist der erste Science-Fiction-Film, bei dem ich wirklich alle Hoffnung auf die Rettung der Menschheit aufgegeben hatte (nein, offensichtlich kannte ich die H. G. Wells-Story nicht): Die Außerirdischen sind viel zu perfekt und die Menschheit (meist) viel zu panisch, um gerettet zu werden. Das ist eigentlich auch schon die ganze Geschichte des Films: Wir sehen Cruise und Fanning zwei Stunden dabei zu, wie sie vor den Aliens flüchten, mal allein, mal in Begleitung. Aber was für zwei Stunden das waren! Die Bilder gönnen uns kaum einen Lichtblick – im wahrsten Sinne des Wortes. Alles ist grau und düster, die einzige Farbe entspringt den Aliens, die die ganze Welt mit rotem Gewächs überziehen. Der Soundtrack hält sich bemerkenswert zurück; wenige punktuell gesetzte dramatische Untermalung verstärkt das Gefühl der Angst, das Gefühl, das plötzlich nichts mehr so ist wie noch heute morgen.

Ich persönlich hätte nicht gedacht, dass es einem Film auf so simple Weise gelingt, mich dermaßen in seinen Bann zu ziehen: mit einer ganz schlichten Geschichte, die aber unglaublich erschreckend bebildert wird. Ein paar Szenen haben mich allerdings ein bisschen genervt: die Fotowände mit den Bildern der Vermissten und der mit Staub bedeckte Cruise, nachdem das erste außerirdische Wesen aufgetaucht ist und ein halbes Stadtviertel in Schutt und Asche gelegt hat. Die Szenen hatten für mich einen etwas zu großen Zeigefinger in Richtung 9/11. Sonst aber fühlt sich War of the Worlds sehr zeitlos an – und gleichzeitig fast liebevoll altmodisch. Natürlich sind die Special Effects vom Feinsten, aber sie werden eben nicht so brachial eingesetzt wie in den späteren Alien-Filmen oder so holzhammerlustig wie in Independence Day. Nein, die Effekte fielen mir nicht als Effekte auf, sondern waren schlicht Teil der Story. War of the Worlds ist klassisches Kino: aufregend, packend, menschlich (ein kleines bisschen zu sehr, aber noch erträglich) und mit Bildern ausgestattet, die ich noch nie gesehen habe. 99 von 100 Punkten. Gib mir mehr.

22 Antworten:

  1. Endlich eine Kritik die diesem Film gerecht wird. Mir ging es genauso: Cruise und Fanning sind nicht gerade überragend aber die Story ist wirklich atemberaubend apokalyptisch ins Bild gesetzt! So muss Science Fiction sein. Nervig fand ich einzig diesen (quasi-) religiösen Anklang wo es in etwa hiess: (weiss nicht mehr so genau) “Gnädigerweise hat der Mensch ein Recht zum weiterleben erhalten” oder so, blabla… Und die Kamera zoomt kitschig auf ein Blatt mit einem Wassertropfen.
    Aber über sowas muss man hinwegsehen, wenn das Mainstreamkino eine insgesamt so schön fiese Geschichte liefert.

  2. Das Ende versaut imho fast den ganzen Film … gut, wer die Story kennt (also vermutlich 80% der Kinobesucher) weiß ja eh das und wie die Aliens sterben, aber dieses Ende … *roll* … und dann taucht auch noch der Sohn wieder auf … wahh, zum ausreißen.

    Aber wenigstens mal ne Filmkritik zu nem Film den du auch zu Ende geguckt hast und net nach dem Vorspann schon den ganzen Film bewertet hast ^^

  3. Wenn ich einen Film nur bis nach dem Vorspann durchhalte, ist das auch eine Art von Kritik :-)

  4. Mensch, da sind wir ja mal fast einer Meinung. Mich haben nur die echten Aliens im Keller gestört. Deren Maschinen waren bombastisch und bedrohlich, aber den Viechern habe ich das nicht abgenommen. War m.E. auch absolut überflüssig, die zu zeigen.

  5. Du hast den Film also nicht im Kino gesehen, richtig? Ich stimme Deiner Kritik völlig zu, aber was glaubst Du wie unglaublich das erst im Kino wirkte? Allein durch die gigantische Kraft der Tonkullisse wurde mir Angst und Bange. Vor allem in den ersten Minuten der Invasion…

  6. Bisher kenn ich nur das alte, verrauschte H̦rspiel. Das macht jetzt aber ernstlich Lust Рtrotz meiner Cruisophobie Рauch den Film zu gucken. Danke!

  7. Ich war auch positiv überrascht, denn das letzte Mal, als ich einen Cruise-Film mehr als nur erträglich fand, wars “Magnolia” – und das ist ja nun bereits ein paar Jährchen her ;)

  8. Nur, damit ich das richtig verstehe: Der Film ist dann gut, wenn man beide Hauptrollen ausblendet und immer feste auf die visuellen Effekte stiert?
    Wow. So fokussiert möchte ich mal meditieren können.
    Mir ist es nämlich nicht gelungen, das hanebüchene Happy End, den nervigen Spielbergschen Familien-Fetisch und die haarsträubenden Ungereimtheiten im Drehbuch zu verdrängen.

    @Andi: täusche ich mich, oder stammen die Aliens direkt aus “Independence Day”?

  9. ich fand ihn auch gut. ok, cruise wäre jetzt nicht meine lieblingsbesetzung gewesen aber ok. im kino war er echt sehenswert.

  10. Spielberg ist für mich ein guter Geschichtenerzähler. Mehr aber auch nicht, die Botschaften sind meist schlicht bis platt.

  11. Schlimmer Film, hanebüchene Effekte, unsägliche Schauspieler. Hatte mich so sehr auf den Film gefreut, konnte nicht bis zum Ende im Kino sitzenbleiben. Seitdem ist Spielberg für mich tot.

    (Seltsam, wie verschieden Menschen ein und denselben Film aufnehmen können :)

  12. Warum nicht im Kino? Ansonsten Zustimmung – der Film hat mich auf seltsame Weise gefesselt. Eine Inszenierung des Grauens, wo ich eher Independence Day II erwartet hätte. Achja, weder Cruise noch Fanning sind am Erfolg unbeteiligt.

  13. Aus meiner Sicht hat der Film viel zu viele Logiklöcher. Als überlegene Alienrasse würde ich nicht Maschinen auf der Erde verstecken, noch bevor es überhaupt Menschen gibt, um damit dann jeden Home Sapiens einzeln zu töten.
    Auch sind die Kulissen zwar optisch eindrucksvoll, aber z.B. ein abgestürztes Flugzeug würde niemals auf so kleinem Raum verteilt liegen.
    Der Film ist wirklich altmodisches Popkornkino mit einer perfekten Präsentation, aber das hat bei nicht für einen guten Gesamteindruck gereicht!

  14. Ich mochte den Film überraschenderweise auch, obgleich mich die letzten Spielbergfilme allesamt nicht begeisterten.

    Aber geben wir es zu: Die Story ist doof und macht soviel Sinn wie das Wahlkampfprogramm jeder beliebigen Partei. Warum wollen die Außerirdischen die Erde erobern? Warum machen sie es erst jetzt? Warum hat niemand die Kampfroboter gefunden die seit Ewigkeiten zu tausenden unter der Erde versteckt waren? Warum, wie der geschätzte Herr Ebert fragt, bauen technisch so fortgeschrittene Wesen Roboter die so unglaublich unpraktisch sind? Dreibeinige Dinge sind eben unglaublich instabil. Und haben die Aliens keine effizientere Methode als die Menschen mühsam einzeln zu flambieren? Wie lange soll denn das dauern? Ein paar werden sich immer verstecken. Wären nicht ein paar Bomben wirkungsvoller? Und wozu werden einige Menschen eingesammelt? Als Dünger? Warum werden dann soviele erst umgebracht..? Und wenn die Invasion seit Jahrmillionen geplant wurde, hätte ein bißchen Feldforschung dann nicht viele Umständlichkeiten verhindern können? Zum Beispiel rauskriegen ob die Luft giftig ist? Sorry, aber diese Invasion könnte vom U.S.-Militär geplant worden sein. Sie macht keinen Sinn, sie ist umständlich und scheitert am Ende an vorhersehbaren Problemen.

    Was ist denn jetzt gut am Film, wenn die Handlung doof ist und die Schauspieler durchwachsen? Schlicht, die Inszenierung. Von der fahl-grauen Industrie- Optik zu den realistischen Panik-Szenen gelingt es Spielberg sehr eindringlich den Einbruch des Unfassbaren in den Alltag zu schildern. Was wäre, wenn plötzlich die Welt wie man sie kennt koppheister geht? Wie reagieren Menschen? Sie reagieren dumm, sie reagieren brutal, sie reagieren hilflos und überfordert.
    Dafür findet Spielberg beklemmende Bilder. So idiotisch es sein mag stehen zu bleiben wenn die Erde aufbricht und etwas herauskriecht… es ist anzunehmen das die Menschen wirklich stehenblieben um zu gucken. Selbst im Angesicht der Gefahr ist der Drang “zu sehen was los ist” stärker als die Furcht. Vielleicht auch weil man nicht wahrhaben will, das tatsächlich etwas schlimmes passiert. Das sich die vertraute Umgebung innert Sekunden in ein Inferno verwandeln kann. Zu tief hat jeder von uns im Kopf, das man doch sicher sein muß, dort wo man lebt. Das dort nichts passieren kann. Deswegen bleiben die Menschen stehen und erstarren, wenn sich der erste Kampfroboter aus der Erde emporschiebt… anstatt wegzurennen. Deswegen fährt Cruise mit seinen Kindern nicht weit weg, sondern nur bis zum Haus seiner Frau. Selbst nachdem er das unmögliche erlebt hat, kann und will er nicht begreifen, das dies kein Ausrutscher der Realität war. Wie ein Mantra wiederholt er: “Hier sind wir sicher”. Doch sie sind es nicht. Es wird nie mehr sein wie vorher. (…)

  15. Danke, Anke.
    Tatsächlich führt dieser Film zu einem kurzen Waffenstillstand zwischen mir und Spielberg, denn ich eigentlich immer wieder gern hasse für das, was er tut.

    Fand den Film ebenfalls grossartig. Konsequenter POV, für einmal kaum Erdbeerquark, und wie er den Erzählstrang mit Tim Robbins zu Ende führt, das ist beinahe eine Rückkehr zu New Hollywood.

    Das schnelle Ende ist nur der konsequente Abschluss eines konsequenten Films. Sollte einfach mehr B-Movies machen, der Mann.

  16. dakota fanning hatte einige comments hier gelesen und is gezz am weinen:

    http://www.celebrityscum.com/2005/11/15/Paparazzi/dakota-fanning-cries.html

  17. Bis auf das Ende, über das ich jetzt lieber nichts mehr sage, fand ich den Film auch verdammt gut. Abgesehen von den Soundeffekten, die schlicht und einfach grandios waren, fand ich die Art wie die Story erzählt wurde, sehr angenehm: Nix da mit heldenhaften Kampfszenen, sondern einfach Cruise und Fanning bein panisch herumfliehen folgen. Ballerrei meist im Rücken der beiden oder ausserhalb des Bildes.

    Und Logik im Film, darüber denke ich besser nicht groß nach. Sonst wäre der Film ja so abgelaufen: Alien kommen vor ein paar Millionen Jahren an, buddeln nicht die Maschinen ein, hauen dafür den Vorfahren der Menschen kurz mal einen auf den Kopf. Terraformen die Erde damit’s wohnlich wird und aus die Maus. Netter Kurzfilm wäre das gewesen.

  18. Das ist tatsächlich lustig, die Motivation der Aliens ist völlig unklar. Sie brauchen das Blut. Wie genau haben sie das vorher besorgt? Und wenn sie die Menschen einfach ausrotten und kaputtlasern, da ham sie ja eigentlich auch nich wirklich was von.

    Aber vielleicht wollen sie ja einfach nur böse und ungezogen sein. Ja, vielleicht sind das alles ja ganz junge Aliens, die noch in der Pubertät stecken und die Eltern wissen gar nicht, was sie da treiben.

    Das wirft ein interessantes Licht auf die Tatsache, dass das Motiv des Helden zwar immer ganz klar nachvollziehbar sein muss, der Bösewicht darf sich, wie mehrfach bewiesen, damit begnügen, hohnlachend “die Welt zerstören” zu wollen.

    Da fällt mir ein, dass ich mich schon oft gefragt habe, warum die Kerle eigentlich alle immer so lachen.

  19. Das Motivationsproblem von Aliens wurde aber selten in Detail beleuchtet. “War of the Worlds” macht da keine Ausnahme, es geht nicht um das “Warum” der Aliens sondern um das Ueberleben der Menschen. Und da Aliens nun ein Mal Aliens sind, muessen wir uns nicht den Kopf ueber deren Motivation zerbrechen, wenn wir schon nicht nachvollziehen koennen, warum der Nachbar sich unbedingt einen Hund anschaffen musste, der so laut bellt.

  20. Ach Leute, versucht doch nicht, dem Film mit Logik beizukommen. Ist doch wumpe. Ja, das Ende ist blöd, ja der Famileinfokus auch. Aber zwischendrin wurde ich schon ganz schön in meinen Kinosessel gedrückt. Ab und an will ich genau das und kein bisschen mehr oder weniger.

    @ pest0:
    Die Alien sind für mich sämtliche Spielberg-Alien von den ungalublichen Begegnungen über ET und AI, nur in ein bisserl böse. Von Independence Day steckt auch was drin, oder von anderen Filmen auch. Ich fand sie einfach nur überflüssig. Ein Arm am Ende hätte gereicht.

  21. Krieg der Welten

    Damals™, als Jugendlicher, habe ich sehr gern das Hoerspiel von H. G. Wells “Krieg der Welten” gehoert. Hoer ich heut noch gern.
    Nachdem ich bei Anke gelesen hab die Neuverfilmung des Themas von Steven Spielberg sei durchaus brauchbar, hab ich…

  22. Überlege ernsthaft, beim nächsten Spielberg 15 Minuten vor Filmende aus dem Kino zu gehen, um dem scheinbar unvermeidlichen, alles verderbenden Happy End zu entgehen.