Erdöl
Ich lese gerade eine Biografie über Joseph Roth und lerne seltsame Dinge, wie bei so ziemlich jeder Biografie. Hier: In Ostgalizien, der Heimatregion Roths, wurden um 1900 „immerhin fünf Prozent der Weltproduktion“ an Erdöl erzeugt. Hinter Russland und den USA nahm die Region den dritten Platz der weltweiten Erdöllieferanten ein.
Der Autor Wilhelm von Sternburg zitiert einen passenden Ausschnitt aus Roths Werk, aber über die Endnoten möchte ich mich lautstark beschweren, denn mit der Angabe „Werke 2, S. 944“ kann ich eher wenig anfangen. Hätte es so viel Mühe gemacht, wenigstens den Titel des Buchs, des Aufsatzes, des Zeitungsartikels, ich weiß ja nicht mal, was ich da für eine Textart lese, anzugeben? Grmpf.
Netterweise ist das Werk Roths schon gemeinfrei, weswegen ich aus den Stichworten „roth dreyfus eimer“ einen „Brief aus Polen“ ergoogeln konnte, der Teil einer Textsammlung war, die größtenteils für die Frankfurter Zeitung entstand, für die Roth in den 1920er Jahren schrieb. Hier das neu aufgelegte Buch, hier der Ausschnitt, der mir so gefiel:
„Ein paar arme Leute standen am trüben Wasser und schöpften verirrtes Öl mit Kannen. Sie waren die kleinen Kollegen des großen Pariser Dreyfus. Sie haben nicht Aktien, sondern Eimer. Sie verkaufen das gefundene Öl in ganz winzigen Quantitäten und beleuchten damit ihre provisorischen Bretterbuden. Das ist alles, was ihnen die verschwenderische Natur zugedacht hat. Ihre Hütten standen schief, braun und ergeben im goldenen Sonnenglanz. Es schien, daß sie noch mehr zusammenrückten, kleiner wurden und vollkommen verschwinden wollten.“