#12von12 im September 2016

Die anderen 12von12erinnen gibt’s wie immer bei Caro.

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Alleine geschlafen, kurz nach sieben aufgewacht und anstatt aufzustehen, wie neuerdings immer erstmal eine Stunde auf Twitter rumgelungert und Dinge gelesen. Zum Beispiel diesen schönen Eintrag von Journelle. Lust auf Schwimmen bekommen, genauso wie ich gestern unbedingt Radfahren wollte, seit ich Casey Neistat dauernd dabei zusehe. Sage niemand, das Internet macht einen doof und faul.

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Als ich das Foto aufnahm, dachte ich kurz, hm, TMI? Dann dachte ich aber, über ein Foto von mir unter der Dusche würde ich weniger nachdenken. Mir wäre meine Nacktheit egaler als die Tatsache, dass ich gerade turnusmäßig blute. Was für ein Quatsch. Hiermit also die Ansage: Ich blute gerade. Und ich habe bayerische Quietscheentchen.

Das linke ist aus dem FCB-Fanshop und könnte ein Geschenk vom ehemaligen Mitbewohner gewesen sein, ich bin mir aber blöderweise nicht mehr sicher. Das weibliche Entchen … he, Moment, sind Quietscheentchen teilweise Quietscheerpel? Und die werden einfach so verschwiegen? Wo sind die Maskulisten, wenn man sie braucht? (Obwohl: Die braucht man ja eigentlich nie. Okay. Weiter:) Das Entchen mit dem Dekollete habe ich mir auf dem Oktoberfest im Hippodrom gekauft, dem ich sehr hinterhertrauere, weil es das einzige Zelt war, in dem ich es mal geschafft habe, auf der Empore zu sitzen und auf die Massen unter mir runterzugucken. Und die Klos waren die besten bisher, wobei Klos auf dem Oktoberfest eigentlich – und das überrascht mich immer noch – alle gut sind. Aber auf einer Empore sitzt es sich schon netter als unten. Seitdem jammere ich bei jedem Oktoberfest, dass mir das blöde Schickimickihippodrom fehlt und muss mir vom ehemaligen Mitbewohner immer sein Augenrollen angucken.

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Tägliche Chronistinnenpflicht erledigt, die keine Pflicht ist, sondern eher wie Zähneputzen. Mach ich halt, denke ich nicht mehr drüber nach.

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Auf in den Tag. Mein Rad aus dem völlig überfüllten Fahrradkeller gezerrt und dabei versucht, weder meinen rechten noch meinen linken Nachbar noch mein eigenes Schnucki zu zerkratzen. Gut gelaunt auf die Schleißheimer Straße eingebogen, die seit einiger Zeit beidseitig einen anständigen Radweg hat, für den jeweils eine Autofahrspur geopfert wurde. Interessanterweise kollabiert die Stadt deswegen nicht.

Ein anständiger Radweg führt neben der Autofahrbahn lang, so dass einen die Autofahrer*innen stets sehen können. Er führt eben nicht zwischen Fußweg und parkenden Autos lang, wo man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, auf sich überraschend öffnende Beifahrertüren zu achten, Kinder, Hunde, Fußgänger*innen, abgestellte Räder (werde ich nie verstehen), Mülltonnen und Lieferfahrzeuge. Er ist anständig asphaltiert und besteht nicht aus blöd verlegten und sich gerne mal verschiebenden Steinen, unter denen Baumwurzeln nach oben drängen. Er ist breit genug, dass zwei Leute nebeneinander fahren können und nicht handtuchschmal. Der Abstand zu den parkenden Autos ist größer als drei Millimeter.

Auf Facebook stolperte ich vor einigen Tagen wieder in eine nutzlose Diskussion in einem unglaublich aggressiven Tonfall darüber, wie schlimm Radfahrer sich aufführen und dass die armen Autos so unter ihnen leiden. Ich meine mich daran zu erinnern, dass es vor ewigen Zeiten in den Niederlanden (?) mal ein Experiment gab, alle Straßenbegrenzungen aufzuheben, also die Straße für alle freizugeben, Fußgänger, Radlerinnen, Autos. Jeder wusste, dass alle sich im gleichen Raum bewegen – der Gedanke dahinter war natürlich, dass alle aufeinander Rücksicht nehmen. Ich weiß nicht, wie dieses Experiment ausgegangen ist, aber ich würde das gerne nochmal starten. (Edit: Danke an @v_i_o_l_a für den Hinweis auf Shared Space.)

Ich wünschte mir, Autofahrer*innen würden nie vergessen, dass sie grundsätzlich die Stärksten, Schnellsten und Schwersten sind und daher dementsprechend defensiv fahren sollten. Tempo 30 in der Stadt wäre ein Traum, einspurige Straßen ebenfalls, ein noch besseres ÖPNV-System auch. Ich wünschte mir, Radler*innen würden nie vergessen, dass sie deutlich schneller als Fußgänger*innen sind und dass sie daher auf den Fußwegen rein gar nichts zu suchen haben; auf der Straße fährt sich’s eh besser. Ich wünschte, Fußgänger*innen würden daran denken, dass manchmal blöderweise direkt neben ihrem Weg der Radweg ist, auf dem von hinten jemand angeradelt kommt, und gucken, bevor sie in der Gegend rumrennen, macht man an Straßenrändern ja auch. Ich wünschte mir weniger Aggressivität im Straßenverkehr, sondern mehr Verständnis. Ich wünschte, Radler*innen würden die Verkehrsregeln einhalten, die sie ohne nachzudenken als Autofahrer*innen auch einhalten: nicht bei Rot über die Ampel, nicht in die Gegenrichtung fahren etc. Ich wünschte, Autofahrer*innen würde jemand erklären, dass Radfahrer*innen nur auf dem Radweg fahren müssen, wenn da ein blaues Schild steht. Wenn das da nicht steht, dürfen wir auf der Straße fahren, auch mittig, wo man vor Autotüren sicher ist. Mache ich persönlich nicht, weil ich langsam fahre, aber auch ich halte gehörigen Abstand zu parkenden Autos. Ich wünschte mir, ich würde dafür nicht angebrüllt oder angehupt werden von Autofahrer*innen, die deutlich schneller und mit mehr Knautschzone unterwegs sind als ich.

Ich wünschte generell, wir würden alle besser miteinander klarkommen, und ich weigere mich, diesen Wunsch aufzugeben.

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Ich hatte am Samstag in der Bibliothek rausgefunden, dass man Verluste durch Bombentreffer beim Kriegsschädenamt meldete, dessen Bestände im Stadtarchiv liegen. Mir liegt von von Welden ein dreiseitiger Bericht vor und ich war sehr neugierig, ob sich im Archiv vielleicht die noch fehlende vierte Seite fände – die zweite Seite der Auflistung beginnt mit Bildern von ihm, was für mich ein Traum ist, weil ich so endlich die Forschungslücke füllen kann, die bisher damit begründet wurde: Atelierverlust durch Bombentreffer, keine Ahnung, was der Mann vor 1943 gemalt hat. Ein bisschen was findet sich in seinem Nachlass, darunter auch Zeichnungen, die aus den Trümmern gerettet wurden und leicht mit rotem Ziegelstaub bedeckt sind (in der Mappe habe ich noch vorsichtiger geblättert als in den anderen). Auf der Liste stehen, ich nenne sie mal unverdächtige Gemälde, aber die erste Seite, auf der ich auch Ölgemälde vermute, fehlt. Da könnten jetzt ebenfalls Stillleben drauf sein, da könnten aber auch Porträts von Adolf drauf sein. Daher wollte ich mir die betreffenden Bestände im Archiv ausheben lassen und nachgucken.

Dummerweise wird der Lesesaal gerade umgebaut, weswegen vor dem schönen Archivgebäude auch der hässliche Lieferwagen steht. Der Saal ist für vier Wochen geschlossen – seit gestern. Extrem dusseliges Timing. Es gibt auch keinen Ersatz, aber: In vier Wochen soll man angeblich online die Bestände einsehen können. Das wäre ein Fest!

Mein Tagesplan, die #12von12 schön mit Archivfotos vollzuballern, war allerdings tot.

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Immerhin fand sich auch hier ein Hinweis aufs Histocamp. Schöne Idee; ich ringe immer noch mit mir, ob ich da hin sollte. (Timeline says yes.)

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Ich stieg wieder aufs Rad und überlegte, womit ich denn jetzt meinen Tag bestreiten sollte. Ich dachte kurz über eine Serie von Radwegen in München nach – der hier ist auf der Hohenzollernstraße und sogar farbig markiert –, hatte dann aber keine Lust auf Rumradeln und Fotomotivsuchen. Ich radele lieber, ohne über Fotos davon nachzudenken. Und dann fiel mir auf: He, du hast frei. Dir wurde gerade ein freier Tag geschenkt!

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Den verschwenden wir erstmal beim Einkaufen. Snooze. (Übrigens vielen Dank für die Tipps auf Instagram, wie ich zu Pizzateig komme, der nicht stundenlang gehen muss. Werden alle ausprobiert.)

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Dann habe ich doch was Produktives gemacht und den dicken Aktenordner eingescannt, den mir die Tochter von Weldens überlassen hat. Es hat sich sehr verantwortungsvoll angefühlt, einen Nachlass zu digitalisieren – und gleichzeitig fast sinnlos, denn ich ahne, dass das Papier länger da sein wird als meine Pixel.

Ich sitze gerade an einem Eintrag übers wissenschaftliche Bloggen, aber der grummelt irgendwie noch, der ist noch nicht gut. Kommt aber demnächst. Ich habe da ein paar Fragen.

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Nach ein paar Stunden Arbeit geguckt, was Casey so macht. (Ja, ich habe auch ein Quietscheentchen in meinem Dock.)

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Abends bei F. auf dem Balkon gemeinsam meinen Nudelsalat verspeist, auf den ich mich seit morgens gefreut hatte. Sind bloß Nudeln mit getrockneten Tomaten, Kirschtomaten, Rucola und Parmesan, Olivenöl drüber, fertig. Die Nudeln sind allerdings doof – mein Dealer hatte keine Orecchiette mehr, weswegen ich auf Gnocchi piccoli umgestiegen bin. Die schmiegen sich zwar nach dem Abgießen ästhetisch interessant aneinander, aber man hat immer gleich fünf von ihnen im Mund, vulgo: sehr viel Nudel. Werden nicht noch mal gekauft.

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Zum Nachtisch gab’s weiße Schokolade mit Eierlikör von Widmann. Wird auf jeden Fall noch mal gekauft.

Wir saßen noch länger bei Wein und Mondschein und sprachen über meine Arbeit, deren Abgabetermin übermorgen ist. Ich hasse es, Zeug, auf den letzten Drücker abzugeben, und diese Arbeit liegt hier ja nur noch, weil noch so viele Baustellen offen sind. F., der erprobte Akademiker, legte mir gestern vorsichtig nahe, Baustellen Baustellen sein zu lassen und die Arbeit jetzt abzugeben. Die sei ein Forschungsstand, eine Momentaufnahme meiner Überlegungen, die müsse nicht die definitive Antwort auf alle Fragen sein, die zu von Welden auftreten. Außerdem bin ich ja eh nie zufrieden und deswegen wäre es ziemlich okay, sie jetzt endlich loszulassen.

Das klang sehr gut, vor allem, weil ich in den letzten Tagen mal wieder gemerkt habe, mich selbst zu verfransen in den ganzen neuen Dokumenten und Erkenntnisse. Es fällt mir immer noch schwer, so einen Zwischenstand abzugeben. Ich war es jahrelang gewohnt, Projekte zu bearbeiten, die einen Anfang und ein Ende haben. Wenn ich wusste, der neue Audi XY kommt im März 2000zack raus, dann wurden wir ein Jahr vorher gebrieft, dann bastelten wir am Katalog, und weil der irgendwann gedruckt werden musste, meist in riesiger Stückzahl, hatten wir halt eine Deadline, und dann war das Ding durch. Ich habe mit meinen wissenschaftlichen Arbeiten zwar auch eine Deadline, aber ich weiß, dass ich danach lustig an genau dem gleichen Stoff weiterpuzzeln könnte. Das macht mich manchmal immer noch wahnsinnig.

Was schön war, Sonntag, 11. September 2016 – Biking the blues away

Gestern wollte mein Uterus Drogen und Wärmflaschen, aber der Rest von mir wollte aufs Fahrrad, und wir sind mehr als Ms. Nervensäge, also schleiften wir sie einfach mit, und sobald wir alle unterwegs waren, hatte die Dame sich auch beruhigt. Ich fand den Isarradweg auf der mir entgegengesetzten Seite des Englischen Gartens, was mich sehr gefreut hat, weil ich mich auf unbekannten Strecken sogar beim Geradeausfahren verirren kann. Das tat ich dann auch nach nur gut 20 Minuten auf diesem Radweg, als es nach links über eine gemauerte Brücke ging, aber nur für Fußgänger, während der für Radfahrer*innen ausgeschilderte Weg nach rechts ging, von der Isar weg. Ich fuhr da also einfach lang und plötzlich war ich nicht mehr mitten im Grünen, sondern auf einer dicht befahrenen Straße und dann an einer Autobahnauffahrt und da hielt ich dann doch mal an und guckte auf mein iPhone. Ich drehte um, fand den Aumeister, der der Punkt war, zu dem ich eigentlich radeln wollte, setzte mich aber nicht mit meinem mitgebrachten Buch in den Biergarten, sondern fuhr einfach weiter, weil es so schön war, einfach weiterzufahren. Ich wollte nicht mal für das obligatorische Blogfoto anhalten.

Es ist wundervoll, dass sich eine dichtbesiedelte Großstadt wie München (okay, über den Begriff „Großstadt“ können wir diskutieren) eine so riesige Grünfläche leistet wie den Englischen Garten, durch den man sehr entspannt radeln, laufen, gehen, reiten oder rollerbladen kann. Gut gemacht, Sckell.

Dem FC Augsburg auf Sky zugesehen, wie er Bremen schlug und nach Spielende online ein Ticket für nächsten Sonntag gekauft. Das war letztes Mal so nett im Stadion, da möchte ich gleich nochmal hin. Sogar noch ein Ticket im gleichen Block wie F. gekriegt (weiter oben, wo die blöde Sonne nicht hinkommt). Eat this, ständig ausverkaufte Allianz-Arena.

Dann doch mit Drogen und Wärmflasche auf dem Sofa, bis ich abends Lieblingsbesuch bekam, der mir Tropifrutti mitbrachte, das einzig wahre Weingummi. Mich sehr umsorgt und aufgehoben gefühlt.

Was schön war, Samstag, 10. September 2016 – Worte finden

Gestern konnte man mir auf Twitter beim Denken zuschauen. Ich hatte in den Unterlagen von Weldens einen Bericht gefunden, in dem er seinen Atelierinhalt beschreibt, der bei einem Bombenangriff auf München im Oktober 1943 zerstört wurde. Die erste Seite von vieren fehlte, auf der vielleicht eine Adresse oder ein Empfänger gestanden hätte. Ich wusste nicht, für wen man derartige Berichte verfasst – eine Versicherung schien mir eher unwahrscheinlich. Aber für wen dann? Wieder ein Aspekt der NS-Zeit, mit dem ich mich noch nie beschäftigt hatte – dem Bombenkrieg. Also ab in die schlaue Bibliothek und los mit dem Denken.

Okay, ins Denken musste ich erst langsam reinkommen.

Dann fiel mir eine Floskel auf, die ich dauernd benutze, die mir auf einmal sehr unpassend erschien. Die müsste ich mir in der Werbung angewöhnt haben, wo sonst überhöht man nutzlosen Scheiß bis ins Unermessliche.

Das Buch Als Feuer vom Himmel fiel fand ich, der Titel lässt es schon ahnen, eher populärwissenschaftlich, die Aufsätze waren teilweise eher angerissene Gedanken, Fußnoten gab’s auch kaum. Bombenkrieg gegen Deutschland ist schon recht alt (1990, wenn ich mich richtig erinnere), daher blätterte ich das auch eher durch. Viel Bildmaterial, das ich interessant fand, meine Frage aber nicht beantworten konnte. Neben diesen Büchern stand übrigens David Irving im Regal, der sicher was total Sinnvolles zum Bombenkrieg zu sagen hatte. *hust*

Immerhin fand ich beim Durchblättern das Stichwort „Entschädigung“, und so googelte ich einfach mal nach „bombenschaden entschädigung“ oder ähnlich. Dabei stieß ich auf diesen Spiegel-Artikel, wo das Stichwort „Fliegerschadenstellen“ fiel. Das klang gut, das hätte ich gerne als anständige Quelle. Außerdem fand ich bei Google einen Bund der Fliegergeschädigten; den kannte ich auch noch nicht.

Ich griff zum Buch Fliegerlynchjustiz, eine sehr aktuelle Dissertation, die vielversprechend erschien und sehr lesbar war. Das Buch erwies sich auch in anderer Hinsicht als positiv – ich las, meiner Meinung nach das erste Mal, die Formulierung „Juden und Jüdinnen“, „Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen“ etc. Geschlechtergerechte Sprache in der Wissenschaft. Dass ich das noch erleben darf. Wurde sofort vertwittert, worauf sich das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit aus Berlin meldete:

In diesem Buch fand ich zwar keine „Fliegerschadenstelle“, aber immerhin den Hinweis, dass Fliegerangriffe der Alliierten seit 1942 im offiziellen Sprachgebrauch „Terrorangriffe“ hießen, was sich schnell in der Umgangssprache durchsetzte (S. 114). Damit erklärt sich auch die Überschrift des Berichts von Weldens, der ihn mit „Sachschaden durch den Terrorfliegerangriff München am 2/3. Oktober 1943“ überschrieben hatte.

Für meine Zwecke war dann das ebenfalls gut lesbare Volksgenossinnen an der Heimatfront perfekt; in ihr fand ich den Begriff des „Kriegsschädenamts“, dessen Bestände brav im Münchner Stadtarchiv liegen. Wäre interessant zu sehen, ob der Bericht von Weldens sich dort wiederfindet.

Ich fügte die neuen Erkenntnisse meiner Arbeit hinzu und musste an eine DM denken, die mir F. vor ein paar Tagen geschickt hatte. Er kennt mich so gut.

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Was schön war, Freitag, 9. September 2016 – Stimmen

„Was mich bei den Franzosen immer begeistert ist, daß sie beim kleinsten Format nicht kleinlich werden u. die nötige Haltung wie die grosse Form wie auch Geschmack bewahren. Es wird nicht literarisch, nicht kleinlich-lokal, nicht bloß erzählerisch u. illustrativ, oder nur dem Motiv nachhängend, oder in der farbigen Tönung vernachlässigt, sondern immer zuerst künstlerisch. Da ist die Malerei selbstbewußt u. äußerst [unleserlich. privat?]. Für sie ist der anständigste Mensch ein Maler, nicht ein Literat wie bei uns.“

Leo von Welden auf einer Postkarte an die Familie von Hermann Böcker, 10. Dezember 1936, in der er sie bittet, sich mit ihm eine Ausstellung französischer Maler anzuschauen, die gerade im „Bibliothekbau des Deutschen Museums“ hängen. „[B]in bis 12 – 1/2 13 dort.“

Ich bin immer noch nicht damit fertig, den dicken Ordner durchzugucken, den ich Montag von der Tochter bekommen habe. Zunächst scannte ich die ganzen Ausstellungs- und Auftragsbelege ein und fügte sie meiner Arbeit hinzu, dann saß ich wieder in der Stabi, um noch ein bisschen was zum Reichsarbeitsdienst und den Propagandakompanien zu lernen. Das macht mich seit zwei Wochen irre, dass ich nicht verstehe, wie von Welden Ende 1941 als Kriegsmaler vom Reichsarbeitsdienst eingesetzt werden konnte. War das freiwillig? Konnte er beordert werden? Wieso überhaupt der RAD, wenn es doch besagte Propagandakompanien gab, in denen (meist) pro Kompanie ein Maler und zwei Zeichner unterwegs waren?

Von Welden wurde im November 1944 zur Wehrmacht eingezogen und bat sofort einen Bekannten aus Berlin („Der Presse- und Propagandachef, Sachgebiet: Kunst, Berlin, Schinkelstraße 1–7“), dessen Namen ich blöderweise nicht entziffern kann und den auch die Tochter nicht kennt (Fischer?) um eine Versetzung in eine PK. Auf einer Feldpostkarte aus Ingolstadt (dort war er stationiert) vom Januar 1945 schreibt er seiner zukünftigen zweiten Ehefrau, dass er noch darauf wartet, dass diesem Antrag stattgegeben wird, währenddessen zeichnet er seine Kameraden. Die Zeichnungen habe ich noch nicht im Nachlass gefunden, falls sie überhaupt noch existieren.

Worum es mir geht: War die Arbeit für den RAD vielleicht freiwillig bzw. einfach ein bezahlter Auftrag? Das hätte für mich ein anderes Geschmäckle als ein Pflichtdienst. Über den RAD gibt es recht wenig Literatur und noch weniger, wenn es um kulturelle Leistungen geht, aber falls eine*r der mitlesenden Historiker*innen ein Tipp für mich hätte, bitte gerne her damit. Ich drücke mich in meiner Arbeit um eine definitive Aussage, weil ich sie schlicht nicht habe bzw. werte diese Arbeit nicht, sondern erwähne sie nur, bin aber fürchterlich neugierig.

Die Feldpostkarte war ein Auszug aus seiner Korrespondenz, die ich gestern erstmals las. Bis jetzt war ich schlicht damit beschäftigt, Ausstellungen und Aufträge nachzuweisen, die noch nicht in der Literatur auftauchten, dafür brauchte ich noch keine Briefe oder Postkarten. Aber gestern las ich endlich mal ein bisschen davon. Das hat mich emotional mehr erwischt, als ich dachte, denn zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, seine Stimme zu hören. Ein paar Sätze kannte ich schon aus der Literatur, aber einen längeren Text von ihm, und sei es nur eine Postkarte, kannte ich noch nicht. Und erst recht nicht über Kunst, denn darüber hat er angeblich nie gerne geredet. Umso schöner, dieses Zitat von ihm gefunden zu haben. Ich mag es auch so gerne, weil es zu meinen eigenen Beobachtungen passt. Gerade in den 1920er Jahren hat er irrwitzig kleinformatig gearbeitet, aber trotzdem ebenso irrwitzig detailreich. Ich mag die Formulierung „im kleinsten Format nicht kleinlich werden“ sehr.

Ich muss zugeben, ich hatte einen winzigen Kloß im Hals, je mehr ich von ihm las. Ich sollte mich wieder mit Gebäuden beschäftigen, die nehmen mich nicht so mit.

Tagebuch, Donnerstag, 8. September 2016

Die Arbeit nicht angefasst, aber natürlich im Hinterkopf weiter an ihr oder ihren Einzelteilen rumgepuzzelt. Ich warte noch auf Informationen von zwei Menschen und hoffe, dass sie rechtzeitig zum Abgabetermin nächsten Donnerstag eintreffen; das würde die Arbeit noch um sehr schöne Details erweitern, ich könnte sie aber auch jetzt schon abgeben.

Im Kopf befasse ich mich auch schon mit der Zeit nach 1945, denn die werde ich im nächsten Semester bearbeiten. Unser Seminar geht im WS weiter und endet im Sommersemester mit einer Übung, an der ich schon nicht mehr teilnehmen muss, denn nach dem WS habe ich – bis auf die Masterarbeit – alle ECTS-Punkte, die ich für meinen Abschluss brauche. Trotzdem werde ich vermutlich an ihr teilnehmen, denn dann geht es um die direkte Ausstellungsvorbereitung, also Pressetexte verfassen, Podiumsdiskussionen organisieren etc. Das klingt für mich auch sehr spannend, und wenn ich schon im Katalog stehe und von mir (mit professioneller Hilfe) ausgesuchte Bilder an den Wänden hängen und vermutlich von mir verfasste Texte danebenstehen, möchte ich auch dabei mitmachen, wenn über Fontgröße und Platzierung der Texte geredet wird. (Sag ich jetzt mal so leichtsinnig und habe ewig lange Werbemeetings im Hinterkopf.)

Tagebuch, Mittwoch, 7. September 2016

Die Erkenntnisse des Ordners vom Montag in die Arbeit einfließen lassen, die dadurch dementsprechend natürlich, wie immer, business as ususal, what else is new ZU LANG GEWORDEN IST. Also wieder reihenweise Darlings gekillt, zum Beispiel einen Preisvergleich zwischen Gemälden, die von Welden auf der GDK verkauft hat zu Ankäufen des Lenbachhauses München und der Städtischen Galerie Rosenheim. Das war ein sehr schöner Absatz, ich werde ihn vermissen und habe ihn angemessen betrauert. Weil er aber auch mit Fußnoten vollgeballert war, in denen Gemäldedetails wie Titel, Maße, Technik und Inventarnummern aufgeführt wurden, hat er richtig schön Zeichen gespart. Er ist für einen guten Zweck gestorben. *snif*

Abends mit dem ehemaligen Mitbewohner auf ein Bierchen und eine Pizza unterwegs gewesen und dabei diesen schönen Linktipp bekommen. War has never been funnier. (Ich gucke wegen ihm jetzt auch Casey Neistat, aber damit bin ich vermutlich die letzte auf diesem Planeten.)

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Auf dem Weg zu F. ein Foto in der Schellingstraße gemacht.

Tagebuch, Dienstag, 6. September 2016

Gestern kamen die Unterlagen für das Wintersemester an, Immatrikulationsbescheinigungen, Studiausweis etc.

Liebe Kinder, erinnert ihr euch noch an damals (TM), als Studieren nichts kostete? In diesem Damals lebte ich auch, man nannte es die 1990er Jahre. Ich studierte für ungefähr fünf Semester richtig, bestand auch brav die Zwischenprüfung in Geschichte und Anglistik auf Magister an der Universität Hannover, sah dann aber keinen Sinn mehr im Studium und jobbte stattdessen. Das war mit Studiausweis deutlich einfacher als ohne, die Krankenkasse war günstiger und man kam ermäßigt ins Kino. Deswegen blieb ich einfach weiter immatrikuliert und beendete meine Unilaufbahn, die ihren Namen wirklich nicht verdiente, offiziell erst, als ich 1999 nach Hamburg zog.

Was ich sagen wollte: Meine schönen, neuen, heißgeliebten und lohnenswerten BA- und MA-Semester werden gnadenlos zu den blöden Magister-Semestern ohne Abschluss dazugerechnet. Ich bin jetzt im 30. Semester und das ist mir jetzt doch ein bisschen unangenehm.

Was schön war, Montag, 5. September 2016 – Originale

Am gestrigen Montag fuhr ich ein weiteres Mal zur Tochter Leo von Weldens, denn ich hatte vergessen, eine Radierung anständig abzumessen und so richtig glücklich war ich mit dem Foto davon auch nicht. Außerdem waren mir während der Arbeit noch ein paar Sachen eingefallen, die ich fragen konnte, und ich bat die Dame am Telefon schon, mir bestimmte Dokumente rauszulegen, die sie mal erwähnt hatte.

Dieses Mal erwischte ich den Zug, kam pünktlich an und wurde wieder mit Wasser und Obst empfangen. Mein „Aber bitte machen Sie sich keine Umstände!“ wurde konsequent überhört. Die Dokumente lagen bereit, ich fotografierte, vermaß Bilder, guckte noch weitere Bilder durch, ich erzählte, was ich bisher so rausgefunden hatte, und dann meinte die Tochter, sie hätte da noch einen Ordner mit Unterlagen, vielleicht wäre der von Interesse?

Ich blätterte kurz rein und fing innerlich an zu schwitzen. Ich hatte vor Wochen an das Bundesarchiv in Berlin (ehemals Berlin Document Center) geschrieben und nachgefragt, ob man nachvollziehen könne, ob von Welden Mitglied in der Reichskammer der bildenden Künste gewesen war; in der Forschungsliteratur steht nämlich, dass man ihm die Mitgliedschaft verweigerte. Aus dem Aktenbestand ist herauszulesen, dass von Welden immerhin bekannt war (ich schrieb schon mal über die Karteikarte, die ihn als BeKA = besondere Kulturaufgaben einstufte), eine Mitgliedschaft war aber nicht zu belegen. Außerdem wird in der Literatur ständig ein Brief des Kunstvereins Freiburg zitiert, der ihn im März 1937 nicht ausstellen wollte, weil er sich nicht sicher war, ob von Welden „Untermenschen“ zeichnet; diese Ablehnung soll erstens begründen, dass von Welden keine regimekonforme Kunst produzierte (ein Katalog verstieg sich zur Einschätzung, dass seine Kunst als „entartet“ galt), zweitens belegt sie die inkonsequente NS-Kunstpolitik, bei der die rechte Hand manchmal nicht wusste, was die linke tat, denn von Welden durfte immerhin (laut Literatur) 1943 in Berlin und 1944 in Stuttgart ausstellen. Berlin konnte ich nachweisen, Stuttgart nicht. Ach ja, das Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg hat sich inzwischen gemeldet (dankeschön!): nichts von Leo zu finden aus dem Kunsthaus Schaller/Stuttgart; auch nicht, ob diese Austellung überhaupt stattgefunden hat. Der einzige Beleg in der Literatur ist, ich zitiere zähneknirschend, „Erwin Bareis in einem unbezeichneten Stuttgarter Zeitungsartikel vom Februar 1944“. Ich meine, dass Bareis zu diesem Zeitpunkt für den NS-Kurier geschrieben hat, der netterweise in der Bayerischen Staatsbibliothek liegt. Ich habe den kompletten Februar mehrfach durchgeblättert und dann noch Januar und März, aber ich habe den Artikel nicht gefunden. Das schaffe ich für diese Arbeit nicht mehr, aber aus purer Neugier werde ich wohl mal die Landesbibliothek Baden-Württemberg belästigen, ob sie eine Ahnung hat, wo Herr Bareis sonst noch veröffentlicht haben könnte.

Aber zurück zu Leo: dass ich ihm inzwischen einen Riesenschwung Ausstellungen, Buch- und Zeitschriftenillustrationen nachweisen kann – geschenkt. Aber was unter anderem in diesem unschuldigen Aktenordner zu finden war: ein Anmeldeschein über Bilder, die von Welden an den Kunstverein Freiburg schickte für eine Ausstellung, die im Juli 1937 stattfinden sollte, lausige vier Monate nach der Ablehnung. Kleines Detail am Rande: der Ablehnungsbrief ist mit „Mit besten Grüßen“ unterzeichnet, die mehrfache Korrespondenz zur Ausstellung mit „Heil Hitler“, jeweils vom gleichen Herrn. Da will ich nicht zuviel reinlesen, aber anscheinend war der Kunstverein jetzt auf Linie, nachdem er im März 1937 noch vom Wechsel in der Kreisleitung geschrieben hatte, der das dementsprechende Zögern ausgelöst hatte, was denn jetzt (noch?) ginge an Ausstellungen.

Das beste Detail an diesem Anmeldeschein ist aber: Auf ihm hat von Welden eine Mitgliedsnummer der Reichskammer aufgeführt. Und nicht nur auf diesem: Mir liegen noch zwei weitere Einreichformulare für Hamburg und die GDK 1941 (!) vor, auf denen die gleiche Nummer auftaucht. Die Dokumente scannte ich gestern ein und schickte sie an meinen Kumpel im Berliner Archiv, der mich gebeten hatte, mich nochmal zu melden, falls ich noch was finde. Ich denke, das habe ich.

Aber das war noch nicht alles.

Von Welden verlor 1943 bei einem Bombentreffer sein Atelier, weswegen die bisherige Forschungsliteratur sagen konnte, wir wissen nicht genau, was der Mann vorher gemalt hat. Seit gestern habe ich eine Aufstellung, die vermutlich für das Kriegsschädenamt ausgefüllt wurde, in der der Atelierinhalt beschrieben wird – mit Bildtitel, Technik und Abmessungen. Eine Seite der vier fehlt, aber viele seiner Werke vor 1943 kann ich jetzt benennen. Das ist für mich so spannend, weil es mich ja wahnsinnig macht, dass der Mann extra für die GDK Nazischeiß produziert hat, während er sonst nur lustige Bauern und Kokotten malte. Auch eine persönliche Auseinandersetzung mit seiner Umwelt habe ich bisher nicht gekannt. Jetzt habe ich Bilder, auf denen seine Frau und seine Tochter zu sehen sind sowie weitere Landschafts- und Menschendarstellungen. Kein Nazischeiß, wo-hoo!

Ich habe Verlagskorrespondenz für weitere Buchillustrationen, die ich noch nicht kannte, ich habe noch weitere Ausstellungsbeteiligungen gefunden, ich habe seinen Fremdenpass, der bis September 1945 galt und damit belegt, dass er sich nicht so recht um die deutsche Staatsbürgerschaft bemüht hatte, die eigentlich eine Grundvoraussetzung für die Reichskammermitgliedschaft war. Deswegen weiß ich immer noch nicht, was ich von dieser Nummer halten soll – gehörte die jemand anders? War er Mitglied und wurde im Zuge von verschärften Bedingungen wieder rausgeschmissen? Wieso sollte sich die Gauleitung München-Oberbayern Ende 1938 bei der NSDAP-Ortsgruppe Schwabing nach ihm erkundigen, um ihn in die Kammer aufnehmen zu können, wenn er schon drin war?

Weiterhin habe ich jetzt Belege zum Reichsarbeitsdienst, von dem er als Kriegsmaler Ende 1941 an die russische Front geschickt wurde; das konnte ich bisher nur durch Literatur belegen, aber nicht durch Originaldokumente. Und da ist noch mehr Zeug, aber das breche ich hier jetzt mal ab.

Ich war gestern sehr lange mit Scannen und Lesen und Tiefdurchatmen beschäftigt, denn einiges in meiner Arbeit muss nun mal wieder umgeschrieben werden, aber das mache ich mit Freuden. Mir ging es gestern wie bei meinen Archivbesuchen – dieses herrliche Gefühl, in Originalen zu blättern anstatt in Sekundärliteratur. Klar liebe ich meine ganzen dicken Bücher, aus denen ich so viel lernen durfte, aber wie toll das ist, mit Quellen zu arbeiten, habe ich erst in diesem Semester verstanden. Zunächst in der Geschichtshausarbeit, für die ich Lebenserinnerungen aus dem 19. Jahrhundert las, und dann in dieser Hausarbeit, für die ich in einem Nachlass wühlen darf und durch ein halbes Leben in Korrespondenz blättere. Das ist so viel direkter und nachvollziehbarer als wenn man es in einem Buch präsentiert bekommt. Ich habe die Chance, selber Schlüsse zu ziehen, mir selber ein Bild von Dingen zu machen – eigentlich genau das, was ich auch mit Kunstwerken tue. Ich bastele mir ein Bild eines Malers zusammen, das nicht ganz dem entspricht, was ich durch die Literatur von ihm bekommen habe bzw. es um entscheidende Facetten erweitert. Das ist ziemlich großartig.

Was schön war, Samstag/Sonntag, 3./4. September 2016

Am Samstag hatten F. und ich unseren ersten offiziellen Pärchentermin, denn wir hatten ein weiteres Pärchen zum gemeinsamen Beisammensein (vulgo: Essen, Trinken, Quatschen, vom Balkon gucken) eingeladen. Das ganze fand in F.s Wohnung statt, denn der Mann hat einen Balkon. Ich bin während des Abends mehrfach über Sätze gestolpert wie „Habt ihr noch dingsbums im Kühlschrank?“, denn diese Wohnung wird ja nicht von „wir“ bewohnt. „Wir“ hatten uns aber die Vorarbeit so halb geteilt: F. stellte die Küche bereit und schleppte eine Bierkiste hoch, ich bereitete Lauchkuchen vom Blech, Salat und Mousse au Chocolat vor und brachte das meiste in Einzelteilen vorbei, um es bei ihm zusammenzubauen. Das war schon irgendwie „wir“, aber nicht so, wie ich es aus Hamburg gewohnt war. Deswegen flashte ich innerlich die ganze Zeit back und stand ein bisschen neben mir in meiner neuen Rolle als alleinlebender Pärchenbestandteil. Ist lange her, dass ich das war.

Essen, Trinken, Quatschen und vom Balkon gucken ist sehr schön.

Am Sonntag wollte ich eigentlich Orgakram machen wie E-Mails schreiben. Ich nenne das ganze immer noch „Korrespondenz erledigen“, weil’s hübscher klingt. Nebenbei: Ich habe meinen Füller wiedergefunden, von dem ich dachte, ich hätte ihn eventuell in Hamburg vergessen, denn dort steht immer noch mein uralter Schreibtischbisley voller Briefpapier, das ich zur Konfirmation bekommen habe und einer Box, in der Stifte liegen, die auch schon vor 30 Jahren ausgetrocknet sein müssten. Falls Kai danach fragt, sage ich ihm, er soll das ganze Ding unbesehen in die Tonne kloppen.

Zurück zur geplanten Arbeit: Ich war so müde, dass ich fast den ganzen Tag verschlief. Aber auch dafür ist Jesus gestorben. Schön den Sabbat eingehalten, praise the Lord.

Was schön war, Freitag, 2. August 2016

Eine Übersetzung zu meiner momentanen Zufriedenheit erledigt. Mal sehen, wie sich der Text Sonntag liest.

Für eine nette Agentur in den nächsten Wochen optiert worden.

Das erste Mal einen Fahrradschlauch gewechselt (unter fachkundiger Anleitung). Ich war kurz davor, mir mit den Fäusten auf die Brust zu trommeln und „I! MADE! FIRE!“ zu brüllen.

Am Küchentisch bei Gin & Tonic gemeinsam den winzigen Madridurlaub festgezurrt. Werde jetzt vier Wochen lang „Guernica! Las Meninas! El Escorial!“ vor mich hinwimmern, bis es endlich losgeht.

Was schön war, Donnerstag, 1. September 2016 – Löschen

Morgens am Königsplatz aus der U-Bahn gestiegen (mein Fahrrad ist immer noch nicht repariert), wo ich meine geliebten Propyläen in der Pokémonwelt als gelb erblickte, wo sie doch verdammt noch mal blau sein sollen. Ich habe immer noch kein richtig starkes Pokémon, aber ich dachte, egal, dann werde ich wenigstens die ganzen Tränke mal los, die ich sonst nur wegschmeiße, um Platz für Pokébälle zu haben, und schickte deshalb nacheinander Tauboss, Hypno und Rattikarl in den Ring. Und was soll ich sagen? Den ersten Kampf konnte ich gewinnen! Ich habe noch nie einen Kampf gewonnen, wo-hoo! Den zweiten verlor ich allerdings, weil alle meine Viecher geschwächt in den Seilen hingen. Die Arena blieb rot, und ich schlich wie immer geknickt von dannen. (Aber: meinen ersten Kampf gewonnen, wo-hoo!)

Genauer gesagt, schlich ich ins ZI, wo ich irgendwas nachgucken wollte. Irgendwas will ich ja immer nachgucken und im ZI steht dazu auch so gut wie immer was. Ich saß also zwischen Büchern am Rechner, als die Mail meiner Korrekturfee aufploppte, der ich vorgestern meine Arbeit gemailt hatte. Es ist sehr schön, eine Korrekturfee zu haben, die sich nicht scheut zu sagen: Ich krieg deine Arbeit nicht mit ihrem Titel zusammen. Guck mal hier … und dann zehn Sachen aufzählt, an denen ich selbst auch schon rumgegrübelt habe.

Seit Tagen quengele ich F. voll, dass ich mit meiner Arbeit nicht glücklich bin, aber nicht weiß, warum. Immer wenn ich denke, jetzt hab ich’s, gucke ich einen Tag später drauf und denke, nee, das ist es doch noch nicht. Dann fussele ich an irgendwelche Sätzen, löse aber mein Gesamtproblem nicht.

Jetzt weiß ich, woran es lag. Ich habe – mal wieder, d’oh – zu viel gewusst, zu viel gewollt und von allem ein bisschen in meine vorgegebene Zeichenzahl gequetscht, anstatt irgendwann den Cut zu machen und zu sagen, das klappt nicht, beschränk dich auf einen Aspekt von den fünfen, die du hier zu verargumentieren suchst. Diese simple Lösung kriegte ich einfach nicht hin, weil ich an allem hing und alles wichtig fand. Die Korrekturfee schlug einen Teilbereich vor, der auch den größten Teil der Arbeit einnahm und meinte gnadenlos: Schmeiß den anderen Kram raus.

Das tat ich gestern frohgemut (I SAW THE LIGHT!), saß dazu fast den ganzen Tag im ZI, stapelte Bücher und Bücher um mich rum und fand tollerweise so ziemlich alles, was ich noch wissen wollte, um den Rumpf meiner Recherchen aufzupeppen. Ein bisschen bessere ich noch im Historicum nach, aber im Prinzip ist es das jetzt. Die Arbeit klingt besser, hat einen besseren Lesefluss und fühlt sich schlicht zackiger und mehr auf den Punkt an als vorher. Und dafür musste ich nur ungefähr ein Drittel rauswerfen, neu schreiben und ein paar Kapitel hin- und herschieben.

Montag besuche ich noch mal die Tochter des Künstlers, auch um ein Werk anständig zu fotografieren, das ich beim Erstbesuch nur aus dem Handgelenk mit dem iPhone geknipst hatte. Dessen Beschreibung ist jetzt zwar auch raus, aber als Bildbeleg kann ich es noch im Anhang aufführen. Und dann fotografiere ich noch ein Foto von Weldens, das noch nirgends in der Literatur zu sehen war.

Ich könnte dann jetzt wirklich fertig sein mit diesem Semester.

Was schön war, Dienstag, 30. August 2016

Einen spannenden Aufsatz in der Stabi gelesen. In alten Zeitungen geblättert. Mich über die Ruhe in Bibliotheken gefreut.

Weißwurst mit süßem Senf und Butterbrezn. (Nach 12, weil ich erst um 14 Uhr Hunger hatte. Deal with it, Bayern.)

Den Weg zur weiter weg gelegenen Packstation nicht wie üblich mit dem Rad oder per Bus und Tram zurückgelegt, sondern zu Fuß. Dabei drei neue Pokémon gefangen und viele schöne Häuser angeschaut. Häuser anzuschauen ist ähnlich beruhigend wie in Bibliotheken zu sitzen.

Die letzte Staffel How I Met Your Mother noch mal geschaut (nicht gestern, verteilt über die letzten Tage hinweg). Wenn man sie in einem Rutsch durchguckt, ist sie gar nicht so schlecht. Ich glaube, die wöchentliche Zerstückelung hat schlicht nicht funktioniert, aber wenn zwischen den Folgen weniger Zeit bleibt, kommt sie einem nicht so elendig lang vor und es stört nicht mehr, dass wir uns die ganze Zeit an einem Ort und in einem Zeitraum von 48 Stunden befinden. Das Ende ist allerdings immer noch genauso scheiße wie beim ersten Sehen.

Was weniger schön war: Ich merke, wie meine übliche Semesterendtraurigkeit sich wieder an mich ranschleicht. Das ganze Hausarbeiten-Adrenalin ist weg, die Deadline zur Abgabe halte ich locker ein, und schon wieder ist ein Semester zu Ende. Schon wieder rückt der Zeitpunkt näher, an dem ich aus meiner wissenschaftlichen Blase raus muss. I’d rather not.

Tagebuch, Montag, 29. August 2016

Regen! Es regnete! Wo-hoo!

Ich hatte keine Lust, mit der U-Bahn zu fahren und setzte mich aufs Rad, als es gerade trocken war. Nach drei Stunden im ZI war ich mit der Arbeit fertig und wollte nach Hause. Regen! Es regnete! Wer hätte es gedacht. Gnarf.

Da mir warmer Sommerregen aber ziemlich egal ist, vor allem, wenn ich gerade mal anderthalb Kilometer fahren muss, band ich mir ein Tuch um den Kopf, damit die Brille nicht ganz nass wurde und radelte los. Ich mag das Gefühl von nassen Armen, wenn es warm ist. Ich mag das Gefühl von nassen Hosen nicht ganz so, aber ich war ja schon fast zuhause – als ich merkte, dass mein Fahrrad schlingerte und ich nur sehr schwer geradeaus fahren konnte. Ein Blick nach unten zum Reifen … platt. Von einer Sekunde auf die andere. Ich schob das Rad die letzten 300 Meter und jammerte in mich rein. F. hatte mir beim letzten Platten schon gezeigt, wie ich den Schlauch wechseln könnte, aber damals hatte ich nur zugeguckt. Heute abend versuche ich das mal selbst (unter fachkundiger Anleitung).

Die Leo-von-Welden-Arbeit an die geschätzte Korrekturleserin gemailt. Bis gestern morgen haderte ich und überlegte, Bildbschreibungen rein, Bildbeschreibungen raus … was hätte ich noch für schönen Platz, wenn ich rauswerfe und einfach Bildbeispiele in den Anhang packe, ohne sie groß zu diskutieren … hm … das kam mir aber für eine kunsthistorische Arbeit irgendwie billig vor, daher blieben sie drin, ich kürzte gnadenlos an Einleitung und erstem Kapitel rum und konnte schließlich sogar meinen schon gekillten Darling mit Oskar Maria Graf wieder reinpacken. Mal sehen, was die Korrekturfee sagt.

Ich warte noch auf Feedback vom Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg zum Kunsthaus Schaller, in dem Leo 1944 eine seiner zwei Einzelausstellungen zur NS-Zeit hatte, aber ich weiß nicht, ob da überhaupt was kommt und wenn ja, wann. Abgabetermin für die Arbeit ist am 15. September, und wenn wirklich was zu finden sein sollte, kann ich das hoffentlich noch einfügen.

Ich fühle mich jetzt ganz wohl mit der Arbeit, weil sie Forschungslücken schließt – das konnte ich bisher nicht so oft von mir behaupten, aber hier schon, weil vor mir eben noch keiner an dieser betreffenden Stelle im Archiv gewühlt hat. Das fühlt sich gut an; trotzdem weiß ich, dass ich noch viel mehr zu sagen gehabt hätte, mich aber die olle Zeichenbegrenzung nicht lässt. Aber ich habe ja noch ein Semester lang Zeit, das alles nachzutragen, denn im Zuge der Ausstellungsvorbereitung findet im Wintersemester eine Fortsetzung dieses Seminars statt.


Fat Shaming is Not an Individual Problem, It’s a Cultural One

Lesley Kinzel schreibt über den Scheißsatz „Kurven haben, ja klar, aber dick sollte sie nicht sein“ der neuen Body-Acceptance-Quatscher und was er für uns Dicke bedeutet.

„[W]hen an indubitably average-sized woman is praised for writing about the terrible injustice of being called fat by a stranger, I have a very complicated suite of feelings to go with that. I agree wholeheartedly that it is bullshit that she should have to suffer such nonsense. I validate her ferocious refusal to apologize for her body. And I also feel angry, because I know the same perspective written by an obviously, visibly fat woman, a woman who is not sorry for being fat and who is not attempting to become smaller — in short, a woman who looks like me — would not get anywhere near as much praise and support.

Because I am the woman who should be sorry about my body. I am the woman who doesn’t get to rail against the injustice of being called fat, because that is what I am. I’m actually fat, the kind of fat that makes some people not want to look me in the eye; the kind of fat that makes some people assume I am dying of obesologizing disease, like, right now, dying; the kind of fat that makes me embarrassing, or weird, or gross. It’s my fault, for going too far — I crossed a line I didn’t even see and this is my punishment. Meanwhile, in that other oft-repeated situation, where a woman in a size 10 dress is castigating the establishment that finds her body unacceptable, many of those people who wouldn’t make eye contact with me? They’re cheering for her.“

Was schön war, Sonntag, 28. August 2016

Gemeinsam aufwachen.*
Eiskaffee.
Bei der Bundesliga einschlafen.
Rührei, selbst bei 30 Grad, Rührei, Kinnings!

* Ja, das steht hier neuerdings öfter, auch gerne in der Variante „Gemeinsam einschlafen“. Mir ist in den letzten zwölf Monaten aufgefallen, dass das schlicht das größte Glück ist, für das ich nichts tun kann. Meine anderen Glücksmomente kann ich mir erarbeiten, ich kann lernen und lesen und Ausstellungen angucken oder den Sonnenuntergang, ich kann Wein und Käse kaufen, kochen (RÜHREI!), radfahren oder einfach auf meinem Sofa sitzen, meine Bücherwand anschauen und mich darüber freuen, dass ich gesund bin und ein Dach über dem Kopf habe. Okay, Gesundheit kann ich mir auch nur mittelbar erarbeiten, die ist auch Glückssache. Aber dieses Ding namens Liebe, darauf habe ich keinen Einfluss, ganz egal wie sehr ich mich selbst optimiere und wie oft ich auf Tinder bin. Unter 3,5 Milliarden Männern einen zu finden, der einen toll findet und den man selber toll findet – das ist pures, blödes Glück. Ich glaube, ich habe das in meiner letzten Beziehung manchmal vergessen. Das soll mir nicht noch mal passieren.

Was schön war, Samstag, 27. August 2016 – Ergebnisoffenes Fußballspiel

Eigentlich wollten F. und ich gestern einen längeren Augsburg-Ausflug machen; der Herr kommt aus der Ecke, kennt die Stadt gut und hätte mir bestimmt viel zu erzählen gehabt. Ein Blick auf das Thermometer ließ mich aber alle Pläne streichen – bis auf einen Punkt, auf den ich mich sehr gefreut hatte: das Fußballspiel Augsburg gegen Wolfsburg.

Wolfsburg hatte kurz vor der Saison Herrn Gomez verpflichtet, dessen Name mein Bayerntrikot ziert und so hegte ich die winzige Hoffnung, dass ich ihn mal wieder spielen sehen könnte. Ich ignorierte den Begriff „Trainingsrückstand“ bis eine Stunde vor Spielbeginn, als der VfL die Mannschaftsaufstellung twitterte und Gomez nicht mal auf der Bank saß. Wusste ich eigentlich, klar, aber die irrige Hoffnung stirbt zuletzt. Bei einem Tweet. Mpf.

Machte aber nichts. Wir waren gutgelaunt am Hauptbahnhof in München in einen klimatisierten Zug eingestiegen, knappe 40 Minuten später waren wir in Augsburg, wo uns eine ebenfalls klimatisierte Tram in gefühlt zehn Minuten zum Stadion fuhr. Dort ging es ungefähr 500 Meter bis vor die Tore – allerdings durch die pralle Sonne. Ich hatte mich zwar brav zuhause eingecremt, aber die blöde Sonnencreme nicht eingesteckt. Nach dem Generve mit dem Rucksack in der Allianz-Arena guckte ich dieses Mal lieber auf die Website des FCA, wo aber nichts davon stand, dass man keine Taschen etc. in die Arena mitbringen dürfte. Ich kam auch entspannt durch die Kontrolle, F. lotse mich fürsorglich von einer Schattenecke zur nächsten und besorgte auch erstmal was zu essen. Die Stadionwurst wurde von mir mit „sehr schmackhaft“ bewertet. Zu unseren Füßen stehen Apfelschorle und Radler.

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Dann war ich natürlich erstmal mit Architekturgucken beschäftigt. F. erzählte, dass die Fassade noch verkleidet werden soll, was ich sehr bedauern würde; ich mag es, wenn man Gebäuden ihre Konstruktion ansieht. Gerade bei solchen Kolossen wie Stadien gucke ich Säulen und Streben sehr gerne an. Und Dächer! Ich liebe Dächer. Und so clever ich es finde, dass man in der gewaltigen Allianz-Arena nicht sieht, wie die weite Vorkragung in den Innenraum funktioniert, so sehr mag ich es in kleineren Stadien (in die WWK-Arena gehen 30.000 rein, in die Allianz-Arena 75.000), dass man es sieht.

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Das Spiel selber hat mir gefallen, weil es ergebnisoffen war. Das ist jetzt Jammern auf sehr fiesem Niveau, aber wenn man Bayernspiele in der Liga guckt, fragt man sich eigentlich nur noch, wie hoch der FCB gewinnt und nicht, ob überhaupt. Ich persönlich freue mich immer auf Leverkusen, Gladbach und Dortmund, weil ich den Mannschaften zutraue, gegen die Bayern anzustinken. Bei allen anderen muss die Tagesform schon verdammt gut und bei Bayern verdammt schlecht sein, wenn da was gehen soll. Das Jammern ist: Es ist langweilig, wenn die Mannschaft immer gewinnt. So, jetzt hab ich’s gesagt.

Ich erinnere mich bei derartigen Anwandlungen allerdings immer an Steffi Graf, die nach einem Sieg mit 6:1, 6:1 oder so über die Pfiffe des Publikums irritiert war, das gerne ein längeres Match gesehen hätte: „Was wollt ihr denn?“ Womit sie natürlich recht hatte. Es geht in erster Linie um den Sieg, genau wie im Fußball. Trotzdem ist es allmählich nervig, wenn man sich als Bayernfan eigentlich nur noch auf die K.O.-Phase der Champions League freut, weil da endlich richtige Gegner auflaufen. In der Liga stellen sich so gut wie alle hintenrein, hoffen, nicht allzuviele Tore zu kassieren und dass die 90 Minuten schnell rum sind.

Deswegen hat mir das Spiel gestern wirklich Spaß gemacht, weil beide Mannschaften die Möglichkeit hatten, zu gewinnen. Dass Wolfsburg mit 2:0 nach Hause gegangen ist, war dann natürlich trotzdem doof, weil gerade das erste Tor, so hübsch es auch anzusehen war, total aus dem Nichts kam. Beide Mannschaften hakelten sich gerne im Mittelfeld fest, was ich als Bayernfan ja kaum noch kenne. Überhaupt ist mir erst gestern klar geworden, dass die ganzen Kommentatoren recht haben, wenn sie sagen, dass Bayern in einer anderen Liga spielt. Wie brutal gut sie sind, merkt man erst, wenn man sich andere Mannschaften länger anguckt als in der fünfminütigen Zusammenfassung bei „Alle Spiele, alle Tore“. Ballannahme, Ballbehandlung, Spielübersicht, Passgenauigkeit, das gnadenlose Streben nach vorne, kaum Querpässe und natürlich der eiskalte Abschluss – das ist wirklich ein Klassenunterschied. Das weiß ich jetzt auch zu schätzen. (Trotzdem: Spannung, niggeldi, niggeldi.)

Was mir das Spiel in den letzten 20 Minuten etwas verleidet hat, war die olle Sonne, die nicht brav auf der Fankurve geblieben ist, sondern wanderte, das Mistding. Irgendwann saßen wir in der prallen Sonne und trotz Basecap, Sonnenbrille, langer Hose und Fächer, mit dem ich irgendwann wenigstens einen Unterarm bedeckte anstatt zu fächern, meinte ich meine Haut wimmern zu hören. Direkte Sonneneinstrahlung ist etwas, das ich sehr großflächig vermeide, ich wechsele ohne nachzudenken die Straßenseite, wenn da drüben Schatten ist, und wenn ich im Sommer nicht raus muss, dann mache ich das auch nicht. Ich empfinde Hitze als lästig, und die Sonne direkt abzukriegen, ist für mich wirklich körperlich unangenehm. Die Idee, mich an einen Strand zu legen und stundenlang vor mich hinzubraten, lässt mich nur fassungslos zusammenzucken. Wenn ich mit Leuten unterwegs bin und der unvermeidliche Satz fällt „Ach, lasst uns doch draußen sitzen, es ist so schön“, denke ich immer nur, aber da drinnen ist es dunkel und kühl und man muss nicht dauernd Insekten vom Essen verscheuchen, DAS ist schön. Auch ein Grund, warum ich selten mit Leuten unterwegs bin.

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Aber gut. Jetzt weiß ich, wo in Augsburg die Sonne hinwandert und kann mich mit langärmigen Dingen und einem größeren Hut vorbereiten. Der Rucksack bleibt nächstes Mal auch zuhause, denn die Sitze sind enger als in der Allianz-Arena, die ich auch als dicker Mensch als durchaus bequem empfinde. Ein nächstes Mal wird es bestimmt geben; das hat – bis auf die letzten 20 Minuten – wirklich Spaß gemacht. Natürlich auch wegen der Kleinigkeiten, die den FCA so charmant machen: dass der gegnerische Kapitän keinen blöden Wimpel kriegt, sondern eine Marionette aus der Puppenkiste, die sich von Saison zu Saison ändert – derzeit ist es die Prinzessin Li Si – und dass das Kasperle vor jedem Spiel den Ausgang tippt. (Meist falsch. Egal.)