Links vom 9. März 2015

Stimmen der Kulturwissenschaft

Ein Podcast, den ich jetzt leerhören werde.

Kirchenbau: Bauen für die Ewigkeit

Maik Novotny schreibt über die Kölner Architektenfamilie Böhm, über die es sogar einen Dokumentarfilm gibt, den ich aber anscheinend gerade in den Kinos verpasst habe, und über ihren Bau der Neuapostolischen Kirche in Wien-Penzing. (Den fiesen Kalauer im letzten Satz verzeihe ich Novotny so gerade.)

„Biblisch auch der Beton: Die Idee dafür kam den Architekten, als sie noch während der Wettbewerbsphase einen Gottesdienst besuchten. Als der “Fels, auf dem ich meine Kirche baue”, wird Petrus in Penzing zu Stein in Form von grobporigem Dämmbeton, dessen bauphysikalisch “unsaubere” Optik durchaus gewollt ist: “Es hat dadurch etwas Gewachsenes, Geologisches”, sagt Oliver Aschenbrenner. Mit wenigen, aber präzise verarbeiteten Mitteln – Beton, Holz, und versiegelter Estrichboden – schafften die Architekten ein edel-stilles Interieur, fern von katholischer Frontalüberwältigung. So familiär geht es hier zu, dass dem Hauptraum sogar ein Eltern- und Kinderzimmer in einer verglasten Loge mit Blick in den Kirchenraum beigefügt ist – so lässt sich störungsfrei unten im Stillen beten und oben beim Stillen beten.“

Flake: “Tastenficker”

Peter Richter über die Autobiografie von Christian Lorenz alias Flake alias der Keyboarder von Rammstein.

„Wie eine Punk-Attitüde wirkt das zunächst, wenn Flake bis heute bei jeder Gelegenheit die DDR zum angenehmeren deutschen Staat erklärt. Er sagt aber, das sei sein voller Ernst: „Weil ich vor dem Mauerfall exakt das gemacht habe, was ich machen wollte. Und weil ich mit den Möglichkeiten, die sich danach boten, nichts anfangen konnte. Ich wollte nicht wegfahren, ich wollte mich nicht selbständig machen, es gab nichts, was mir gefehlt hätte.“

Seine Frau rutscht bei dem Thema etwas unruhig auf dem Stuhl herum, sie muss hier nun kurz einhaken. Jenny Rosemeyer also sagt: „Das sehe ich auch so, wenn ich mir deine Biografie anschaue. Andere aber wären an Grenzen gerammelt. Du hattest schon auch viel Glück.“

Flake korrigiert: „Ich hatte früh Einsicht. Ich habe mich leicht abfinden können mit den Gegebenheiten. Ich habe mich dann nicht so aufgeregt wie andere. Wenn da steht, wer weitergeht, wird erschossen, sag ich: Aha, wer weitergeht, wird erschossen, also geh ich da mal nicht weiter. Damit war das für mich abgeschlossen.““

Post-its from Georges

Schreibt mehr auf.

„He used to do one thing in particular that was always sure to make me smile. On days when we didn’t see each other, or if I was going out in the evening, he would leave little post-it notes for me. They might say, “I did this or that today”, or if I had a difficult meeting that evening, there might be one saying something like, “I kiss your lovely smile”.

What I’ve done – because as you can imagine after 47 years of knowing Georges, and now he’s gone, it’s such a difficult time for me – I have placed all these post-it notes, one after another, around my apartment. The last one I see before I go in my bedroom says “Goodnight darling”.“

Orangen-Ingwer-Suppe mit Kräutercrackern

Ach, ich hatte einfach Lust auf Suppe. Irgendwas mit Möhren. Die Kochblogsuche angeworfen, fündig geworden, mich an ein anderes Rezept erinnert, das mich vor einigen Tagen angelächelt hatte – fertig war die Abendessenplanung.

orange_ingwer

Für zwei Personen. Erst den Teig für die Cracker ansetzen; während der ruht, die Suppe machen; während die kocht, die Cracker fertigstellen, und eine gute Stunde später steht alles auf dem Tisch.

Für die Suppe
50 g Schalotten (das waren bei mir zwei),
1 Knoblauchzehe und
20 g Ingwer (vulgo: ein daumengroßes Stück) fein würfeln und in
1 EL Butter andünsten.

100 g Petersilienwurzel (bei mir eine große Pastinake),
1 große Möhre und
1/2 Lauchstange (das Weiße davon) so halbfein würfeln und kurz mitdünsten.

Mit dem
Saft von 3 Orangen (das waren bei mir 450 ml) und
500 ml hellem Geflügelfond (bei mir Gemüsebrühe) ablöschen. Alles für gut 15 Minuten köcheln lassen.

4 EL Sahne aufschlagen. Die Suppe fein pürieren (wer mag, streicht sie noch durch ein Sieb; ich mag das nie) und mit
1 Msp. Anispulver,
Salz und
Pfeffer abschmecken. Die Sahne vor dem Servieren vorsichtig unterheben und noch ne Runde Kerbel drüberstreuen. (Das ist mir erst nach dem Fotografieren eingefallen.)

Im Originalrezept gehören noch Parmaschinken und kandierter Ingwer als Deko aufs Süppchen – das mit dem Schinken stelle ich mir sehr gut vor, denn ohne ist die Suppe anfangs ungewohnt süß, bevor sie ingwerscharf wird. Aber nach ein paar Löffeln hat man sich dran gewöhnt, wobei ich ganz dankbar für den Kerbel war. Und natürlich die Cracker. Die gehen so:

Für ein Blech
120 g Mehl mit
einem knappen TL Meersalz,
1/4 TL Muscovadozucker,
2 TL kalter Butter und
120 ml Sahne mischen. Erstmal alles mit einem Löffel durchrühren und dann kneten; bei mir war der Teig sehr feucht, weswegen ich noch ein bisschen Mehl nachgekippt habe, bis der Teig sich gerade so kneten ließ. Zur einer Kugel formen, in Klarsichtfolie einschlagen und eine halbe Stunde im Kühlschrank parken.

Danach den Teig sehr dünn ausrollen (das habe ich nicht ganz so sklavisch gemacht, sollte man aber tun) und mit
1 Eiweiß bestreichen. Mit allen Kräutern, auf die man Lust hat, belegen, in wilde Formen schneiden, mit Meersalz bestreuen, auf ein Backblech umsiedeln und bei 175° Ober- und Unterhitze 12 Minuten lang backen.

Ich denke, wenn ich den Teig dünner ausgerollt hätte, wäre der Name „Cracker“ besser hingekommen. So war es eher buttrig-mürbes Salzgebäck, aber es sehr gut zur Suppe gepasst.

Ein freundlicher Buchhinweis: Walter Grasskamp, „Die unbewältigte Moderne“

Meine liebste Vorlesung im letzten Semester war Kunst in Deutschland 1925–1960 bei diesem Herrn hier, von dem Sie auch ruhig mal was lesen können, wenn Sie darüber stolpern. (Ich habe mir gerade dieses Buch in der Hamburger Stabi zurücklegen lassen, wo ich Samstag sein werde.) Seine Folien beinhalteten auch gerne mal Buchtipps, die ich jetzt der Reihe nach abarbeite, denn diese Vorlesung hat so ziemlich alles umgepflügt, was ich bisher über die genannte Zeit zu wissen glaubte.

Das erste Buch, das ich mir vornahm, war Walter Grasskamps Die unbewältigte Moderne (München 1994, 2. unveränderte Aufl.) Das Inhaltsverzeichnis ist hier zu finden. Einige Kapitel des Buches sind bereits vorher einzeln veröffentlicht worden; sie wurden zwar für das Werk überarbeitet und ergänzt, aber ein bisschen merkt man dem Buch doch an, dass es nicht aus einem Guss ist. Das ist aber völlig egal, denn die Einzelteile sind spannend genug.

Grasskamp beginnt mit der Gründung von Kunstvereinen in Deutschland; der erste entstand 1817 in Hamburg. Es trafen sich Kunstinteressierte, um in kleiner, privater Runde – der Verein sollte laut Satzung nie mehr als 50 Mitglieder haben – über ihre eigenen Sammlungen von Stichen und Zeichnungen zu sprechen. Bereits 1826 gründete sich in Hamburg ein weiterer Kunstverein, der die Sache anders anging: Es gab keine Beschränkung der Mitgliederzahl, die Teilnehmer zahlten in eine Kasse ein, und von diesem Geld wurden Kunstwerke angekauft, die unter den Mitgliedern verlost wurden. Kunst wurde also nicht bewusst erworben, sondern sie wurde einem durch Zufall zugeteilt. Beide Vereine organisieren Ausstellungen ihrer Werke, bei denen Kunst verkauft anstatt nur bewundert wurde, andere Kunstvereine in anderen Städten zogen nach, es begannen die ersten überregionalen Ausstellungen – in Deutschland war ein Kunstmarkt entstanden. „Der Sieg der Kommerzialisierung der Kunst über die Tradition ihrer Aneignung durch Konversation war der Sieg des neureichen 19. über das gesellige 18. Jahrhundert.“ (S. 18) Die beiden Vereine schlossen sich und ihre Sammlung zusammen, die sie schließlich 1846 ausstellen. „Weitere zehn Jahre später wird mit einer zwangsläufigen Logik die Stadt für den Bau eines öffentlichen Museums gewonnen, das die nunmehr angewachsene Sammlung aufnehmen soll. Dieses Gebäude, die Hamburger Kunsthalle, wird 1868 eröffnet. [...] [Der Verein] bleibt [...] der Kunsthalle als Stifter gewogen, sie erhält 1891 die Bibliothek und die Sammlung und Stiche des Vereins, in der sich auch das Blatt befunden haben muß, um das sich 1817 einige wenige Hamburger zum ersten Mal versammelt haben.“ (S. 20/21)

Mir gefallen solche Zusammenhänge ja immer, vor allem, wenn man selbst mal durch das Museum gegangen ist und nun weiß, warum es da steht. Grasskamp nutzt die Vorgeschichte als Sprungbrett, um über den veränderten Umgang mit Kunst zu schreiben, die Rituale der Versammlung und der Kommunikation, die später dem andächtigen Schweigen vor den Werken wichen. (Eigentlich blöd. Aber dafür gibt es ja jetzt Podcasts.) Er erwähnt auch den neuen Waren- und Fetischcharakter, den Kunst nun innehat und der sich in der Verehrung äußert, die man ihr entgegenbringt. Die Ausstellungsanordnung passt sich dem Flanieren an; die Werke hängen nicht mehr in Petersburger Hängung, sondern vereinzelt auf Augenhöhe. Habermas wird zitiert, der den Übergang vom „kulturräsonierenden zum kulturkonsumierenden Publikum“ beschreibt.

Grasskamp schreibt weiter über die neue Mobilität der Bilder, wobei er die Wege der Wanderausstellungen kurz nachskizziert, das zersplitterte Deutsche Reich dem zentralistischen Frankreich gegenüberstellt und auch die Transportbedingen erwähnt. Bilder, die heute in klimatisierten Kisten hochversichert verreisen, wurden damals vermutlich zusammengerollt per Postkutsche transportiert – oder schlimmer. „[Die Anfänge der modernen Bildzirkulation] müssen dem Bankier Johann Friedrich Städel drastisch genug vor Augen gewesen sein, um die Stiftung seiner Kunststammlung an die Stadt Frankfurt testamentarisch an die Bedingung zu knüpfen, daß kein Gemälde je ausgeliehen werden dürfe.“ (S. 31)

Diese Zirkulation sorgte dafür, dass zeitgenössische Kunst schnell im gesamten Deutschen Reich gesehen wurde. Grasskamp geht auf die Aura des Originals ein, die vor allem Walter Benjamin beschrieb und beschwörte, und beschreibt moderne Kunst und Künstler*innen, die sich der Zirkulation entziehen, wie zum Beispiel die Land Art, die an einen Standpunkt gefesselt bleiben will. Weiterhin beschäftigt sich Grasskamp mit den Kunstmessen, die ein Exzess des Kunstmarkts sind und mit ästhetischen oder Wirkungsansprüchen, die wir der Kunst einschreiben, nichts mehr zu tun haben: „Nirgends wirken Kunstwerke so heimatlos wie auf einer Kunstmesse. Nirgends, selbst im konservativsten Museum nicht, wird ihr Anspruch auf eine gesellschaftlich relevante Aussagekraft gründlicher dementiert als inmitten dieser Fülle.“ (S. 46) Über die Auseinandersetzung mit Galerist*innen und weiteren Playern des modernen Markts findet Grasskamp schließlich zum Schlusskapitel des ersten Teils, Das Elend der Provokation, in dem er heutigen Künstler*innen bescheinigt, durch „Ekeltechniken“ (S. 67) provozieren zu müssen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden – was ihre Kunst allerdings nicht immer besser macht, sondern höchstens marktgerecht.

Der zweite Teil des Buches war der, weswegen ich es lesen wollte (wobei ich den ersten im Nachhinein genauso spannend fand). Es geht um die zeitliche Linie von der Weimarer Republik bis in die bundesrepublikanische Nachkriegszeit. Grasskamp beschäftigt sich ausführlich mit der ersten documenta von 1955, die für ihn in direkter Linie zur Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 steht.

„Als wollten sie jene Hetzausstellung wie eine bedauerliche Entgleisung revidieren, meldeten sich die Gründerväter der documenta mit Vehemenz und Begeisterung in der internationalen Moderne zurück. Sie versäumten es aber, mit ihrer documenta schlüssig und bündig auf die Fragen zu antworten, welche die Ausstellung ‚Entartete Kunst‘ aufgeworfen hatte. [...] Mit der Ausstellung ‚Entartete Kunst‘ ist ja nicht irgendein blödsinniger, vernagelter oder barbarischer Angriff auf die moderne Kunst inszeniert worden. Vielmehr war sie ein suggestiver und raffinierter Versuch, die moderne Kunst auf der Höhe ihrer Mittel und Probleme zu diskreditieren: eine für viele Besucher sicherlich schlüssige Attacke, die auch nach der Befreiung vom Nationalsozialismus ihre Wirkung nicht völlig einbüßte. Mit einem nur oberflächlichen Verständnis der Probleme, Debatten und Tendenzen der Moderne hätte sie nicht inszeniert werden können. Wer sich gegen sie und die von ihr propagierte Ideologie wenden will, hat daher seine Arbeit nicht schon dadurch erledigt, daß er sich vorbehaltlos zu jener Moderne bekennt, die dort am Pranger stand. Vielmehr gilt es, mit der Moderne gleichzeitig auch ihre Fragwürdigkeit, Dissonanz und offensive Arroganz zu begründen, welche die Nationalsozialisten so geschickt gegen sie ins Feld zu führen wußten. Diese historische Aufgabe haben die ersten documentas nicht erfüllt, und so bleiben sie im langen Schatten jener Hetzausstellung auch dort, wo sie sich ins rechte Licht zu rücken suchten.“ (S. 76/77)

Grasskamp weist darauf hin, dass die Deutschen genau durch diese Hetzausstellung gut über die moderne und avantgardistische Kunst informiert waren – die Ausstellung soll über zwei Millionen Besucher gehabt haben, mehr als die ersten sieben documentas zusammen. (S. 120/121) Nachholbedarf bestand also keiner, aber wie im obigen Zitat angesprochen: Die Moderne musste eingeordnet werden. Dass moderne Künstler*innen auf Werke von geistig Behinderten und Kunst der als primitiv geächteten Völker als Inspiration zurückgriffen, hatten nicht nur die Nationalsozialisten zur Diffamierung ausgenutzt. Bereits 1928 hatte Paul Schultze-Naumburg sein Werk Kunst und Rasse veröffentlicht, in dem er Werke der modernen Kunst suggestiv Fotografien von Menschen mit „körperlichen und geistigen Gebrechen“ gegenüberstellte und sie damit diskreditieren wollte (S. 112–119). Die documenta begang, laut Grasskamp, einen schweren Fehler, indem sie ebenfalls mit der Gleichmacherei durch Bilder arbeitete: Im Eingangsbereich der documenta I hingen Bilder von afrikanischer Stammeskunst, die zwar genau das Gegenteil belegen sollten, was Schultze-Naumburg versucht hatte, aber in der gleichen unglücklichen Tradition standen. Auch sie sagten: Die Moderne mit ihrer Formensprache ist nicht neu, sondern uralt und damit nichts, vor dem man sich füchten oder was man verdammen muss. Grasskamp weist auch auf eine Fotostrecke im Magazin der Fotoagentur Magnum hin, die 1959 abstrakte Bilder der Moderne Fotografien von realen Gegenständen gegenüberstellte, die ihnen visuell ähnelten – z. B. Kandinskys Hinauf von 1925 mit einem Raketenstart. Hier lautete der Schluss, dass die Abstraktion vielleicht gar nicht so abstrakt sei, sondern in unserer dinglichen Welt verortet. Beide Aktionen waren nichts Geringeres als die „vollständige Negierung all dessen, was abstrakte Kunst je gewesen war: Nämlich alles andere als realistisch und das erklärtermaßen, weil solche Bilder nicht nur gemalt, sondern von ihren Autoren zum Teil auch begründet worden waren, nicht zuletzt von Kandinsky. Auch in diesem Rückruf der Abstraktion, die in die visuellen Gewohnheiten des Alltags hineingeholt wird, schlägt das Prinzip der documenta durch, die Moderne im deutschen Feindesland um den Preis zu propagieren, ihre zentralen Motive und Leistungen zu verharmlosen: Bewahren durch Preisgeben.“ (S. 101)

Im letzten Teil des Buchs beschreibt Grasskamp die weitere Entwicklung der Ausstellungs- und Kunstpolitik in der Bundesrepublik, wobei er auch noch einmal auf die anfangs erwähnten Kunstvereine zurückkommt und auch einen kurzen Blick auf die DDR wirft. Für mich sehr spannend war die Auseinandersetzung mit der modernen Kunst als „ästhetische Stellvertretung demokratischer Werte“ (S. 135), gerade direkt nach dem Zweiten Weltkrieg und als Kontrast zu dem, was eben noch als Kunst galt.

„Das Demokratische in der modernen Kunst wurde essentiell darin gesehen, daß sie Individualismus, subjektive Freiheit, souveränen Handlungsspielraum und unzensierte Deutungsvielfalt verkörperte. Es sind Eigenschaften, die sie zweifellos auch kultiviert hatte, deren Herkunft jedoch in Sozialmilieus ihrer Entstehungszeit zu suchen ist, deren teilweise undemokratische, auch antidemokratische, durchweg elitäre Haltungen im Zuge einer Neuinterpretation der Moderne in der Nachkriegszeit vernachlässigt und verdrängt wurden. So konnte in den Diskussionen der Nachkriegszeit ein Gegner der modernen Kunst leicht zum Gegner der Demokratie gestempelt werden, weil in Vergessenheit geraten war, wie selten in der Gründungsgeneration der modernen Kunst die Befürworter der Moderne auch Befürworter bürgerlichen Demokratie gewesen waren.“ (S. 135)

Grasskamp erwähnt die Förderer des Blauen Reiter, die sich durch eben diese Förderung gegen ihre eigene, bürgerliche Klasse wehrten. Mir fielen in diesem Zusammenhang noch die Futuristen ein, von denen besonders Marinetti sich den Krieg wünschte: „Dichter, Propagandist des Futurismus, Filippo Marinetti, forderte 1909 die Zerstörung aller Museen. [...] Lauthals pries man auch den Krieg als Reinigung, vor allem aber Geschwindigkeit und Dynamik durch den Fortschritt der Technik. Die ästhetische Schlussfolgerung Marinettis lautete: ‚Ein Rennauto ist schöner als die Nike von Samothrake.‘“ (Peter H. Feist: Figur und Objekt – Plastik im 20. Jahrhundert, Leipzig 1996, S. 41/42. Immer gut, wenn man seine Stoffsammlungen zu alten Hausarbeiten im Kopf hat.)

Ich fand es sehr spannend, viele Facetten zu einem Thema in einem Buch versammelt zu haben, die sich ergänzten, aber in ganz unterschiedliche Richtungen gingen. Daher lege ich euch das schmale Bändchen dringend ans Herz. Lässt sich gut weglesen und macht den Kopf schön auf. (Und ignoriert die lächerliche 1-Stern-Wertung auf Amazon.)

Learning by doing

Die letzten acht Wochen habe ich quasi am Schreibtisch gelebt. Neben mir meine Teekanne, anfangs mit Assam, dann mit Ostfriesentee, neuerdings mit Earl Grey darin, das Milchkännchen, meine japanische Teeschale. (Irgendwann werde ich grünen Tee mögen, aber jetzt gerade findet in der Schale halt ein kleiner culture clash statt. Sie scheint nichts dagegen zu haben.) Eine Vase mit Blumen links von mir. Direkt vor mir mein MacBook Air. Und auf dem kompletten Rest des Tisches: Bücher, Bücher, Bücher, Stifte, Textmarker und Post-its in verschiedenen Farben, mein Moleskine, in das ich während der Vorlesungen und Seminare schreibe, Karteikarten, auf die ich das Geschriebene verkürzt bzw. sortiert übertrage und mit denen ich lerne, noch mehr Bücher, noch mehr Karteikarten. Ende Januar habe ich sieben Klausuren geschrieben, im Januar selbst meine erste Hausarbeit, während ich noch Uni hatte, im Februar und bis gestern in der vorlesungsfreien Zeit zwei weitere Hausarbeiten. Der Abgabetermin ist der 5. bzw. für zwei Arbeiten der 15. März, aber ich bin jetzt mit allem durch und packe gerade den Koffer für Hamburg. Nach acht Wochen habe ich zum ersten Mal Zeit, richtig Luft zu holen und zu gucken, wie es mir geht.

Mir geht es hervorragend.

Die Wochen vor den Klausuren waren sehr anstrengend, aber gleichzeitig fand ich es großartig zu merken, wie ich inzwischen akademisch arbeite. Allmählich ist ein Rhythmus da, allmählich kommt eine gewisse Routine, was den Ablauf von Lernen und Hausarbeitenschreiben angeht. Und nach fünf Semestern kommen auch im Minutentakt die Querverbindungen, die mich von Anfang an so fasziniert haben, dieses „Hey, davon habe ich in Kunstgeschichte schon gehört“, wenn in Geschichte ein Thema aufpoppt und umgekehrt. Allmählich wird aus den vielen Einzelteilen, die ich hier vorgesetzt bekomme, ein Ganzes. Oder wenigstens ein Teil eines Ganzen, den ich überblicken und an den ich einen anderen Teil anlegen kann. Allmählich öffnet sich vor mir die, Achtung, jetzt wird’s pathetisch, aber ich habe sehr viel Tee intus, ganze klare Schönheit von Geschichte und Kunst, von den Verknüpfungen, die sie miteinander und durcheinander entwickeln und denen ich jetzt nachspüren darf. Bei jedem Buch, das ich jetzt lese oder überfliege, bleibt irgendwas hängen, weil inzwischen ein Raster da ist, in dem etwas hängenbleiben kann. Bei jedem neuen Thema ist ein winziger Referenzpunkt da, auf den ich zurückgreifen kann und der mich weiterträgt. In jeder Kirche habe ich andere Kirchen vor Augen, bei jedem Bild, das ich anschaue, tauchen andere auf. Ich sehe Mode anders an, Theaterkostüme, Werbeplakate. Ich schaue teilweise nicht mehr inhaltlich, sondern nach Struktur, Farbe, Aufbau, Bedeutungen, Referenzen, Möglichkeiten, das Gesehene einzuordnen, in mein Raster zu packen, es im Kopf zu behalten, weil ich weiß, dass ich es noch mal brauchen werde. Um mich herum ist auf einmal so viel Schönheit, die ich vorher nicht gesehen habe, weil ich anders auf meine Welt geschaut habe. Und auf meinem Nachtisch stapeln sich Bücher, die ich vor zwei Jahren nicht mal in die Hand genommen hätte.

Mich schrecken wissenschaftliche Texte nicht mehr, sie fordern mich heraus. Und wenn ich einem erliege, greife ich zu einem anderen, den ich erobern kann. Irgendeiner wird mir schon sagen, was ich wissen will, denn ich will so viel mehr wissen als noch vor zweieinhalb Jahren im ersten Semester. Mit jedem Einzelteil, das ich einordne, merke ich, wieviele noch fehlen, und wenn ich genug Tee trinke (und meine neu eingestellte Medikation so gut weiterfunktioniert wie jetzt gerade), werde ich sie alle aufsammeln.

Ich werde weiter Bücher lesen, Texte schreiben, Karteikarten beschriften, Moleskines nachkaufen. Ich will noch nicht, dass das aufhört, was mir in den letzten acht Wochen so unglaublich viel Freude bereitet hat und mir eine ungeheure Befriedigung und einen tiefen Frieden verschafft hat. Zu wissen, ich stehe morgens auf, um nichts anderes zu tun als zu lesen, zu schreiben und zu lernen, davon zu profitieren, was andere vor mir gelesen, geschrieben und gelernt haben, hat mich so glücklich gemacht wie selten etwas anderes. Es ist ein anderes High als Fußballjubel oder Opernglück oder bei Sonnenuntergang auf die Elbe oder die Isar zu gucken oder im Arm des Lieblingsmenschen einzuschlafen. Es ist ein High, das ganz alleine aus mir kommt. Ich alleine sitze hier und lese und schreibe und lerne. Ich alleine gehe in die Bibliothek und fussele wahrscheinlich viel zu lange an Fußnoten rum oder an der richtigen Formulierung für die Kapitelüberschriften der Hausarbeit. Ich alleine mache das. Ich kann das. Und ich will das. Ich will das so sehr, dass ich darüber Treffen mit Freunden vergesse oder Wein nachzukaufen oder mal wieder in die Arena zu gehen. Ich will hier nur sitzen und lesen und schreiben und Tee trinken. Ich habe noch keine Noten für meine drei Arbeiten (ich habe auch erst zwei abgegeben), aber selbst wenn das keine Einsnullen werden, auf die ich natürlich hoffe, weiß ich, dass ich alles dafür getan habe, dass es Einsnullen werden könnten. Ich habe über Fußnoten und Kapitelüberschriften nachgedacht, weil ich das gerne tue und nicht, weil ich es muss. Und so richtig klar ist mir das erst in den letzten Wochen geworden, als ich merkte, wie wenig ich vermisse, wenn ich am Schreibtisch sitze, neben mir die Teekanne und die Blumen. Ja, es wäre perfekt, wenn der Lieblingsmensch und ich in einer Stadt wären, aber was ist schon perfekt. Und dieser Schreibtisch hier mit dem MacBook und den Büchern darauf – das ist schon verdammt nah dran.

Fehlfarben 4: Happiness is a Common Ground

Nach etwas längerer Pause melden wir uns zurück: Wir besuchten zwei Ausstellungen und testeten drei südamerikanische Rotweine.

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00.00:00. Begrüßung und Vorstellungsrunde

00.02:20. Blindverkostung Wein 1.

00.03:45. Unsere erste Ausstellung: Stephan Huber – Weltatlas. Läuft noch bis zum 28. März in der Eres-Stiftung in München. Die Website des Künstlers mit hochauflösenden und scrollbaren Karten findet ihr hier. Wir sprechen unter anderem über Geografie der Liebe & Nervenbahnen der Abenteuer, La Ville Sentimentale vs. AIC (Ambient Informatic City) und Passage durch den Überbau. Die Ausstellung bekam von uns drei Daumen nach oben.

00.29:28. Zwischendurch mal Blindverkostung Wein 2. Dann geht’s weiter mit Herrn Huber, wo wir unter anderem die mappa mundi erwähnen.

00.50:00. Blindverkostung Wein 3.

00.52:20 Unsere zweite Ausstellung: Common Grounds in der Villa Stuck, läuft noch bis zum 17. Mai. Die Ausstellung bekam von uns ebenfalls drei Daumen nach oben.

01:32.00 Auflösung der Weine und Verabschiedung.

Bei den Weinen waren wir uns alle einig, welcher uns am besten geschmeckt hat (wie langweilig). Wir würden alle noch mal kaufen, aber das war unser Siegertreppchen:

Platz 1: Wein 2. Das war ein chilenischer Montes Alpha Carmenère vom Weingut Viña Montes, 2012, 14,5%, 14 Euro.

Platz 2: Wein 1. Das war ein chilenischer Casillero del Diablo Cabernet Sauvignon vom Weingut Concha y Toro, 2013, 13,5%, 8 Euro.

Platz 3: Wein 3. Das war ein argentinischer Passo Doble Malbec/Corvina vom Weingut Masi Tupungato, 2009, 13,5%, 10 Euro.

< quote >

„Die Münchner Universität, die einzige Großstadtuniversität, die bis zum Ersten Weltkrieg Frauen regulär immatrikulierte, hatte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für Studierende geisteswissenschaftlicher Fächer eine hohe Anziehungskraft weit über Bayern hinaus: Heinrich Wölfflins Name leuchtete in der Kunstgeschichte, Karl Vossler galt als führender Romanist seiner Zeit, Geschichtswissenschaft und vor allem Philosophie genossen einen hohen Ruf, in der Deutschen Philologie wurde durch Carl von Kraus, den Lessingspezialisten Franz Muncker, durch Fritz Strich und den unkonventionellen und von den Kollegen mit einigem Argwohn beobachteten Artur Kutscher eine breite Methodenpalette angeboten. (Daß Kutscher sich allerdings so intensiv mit noch lebenden Autoren beschäftigte und über einen Bänkelsänger und Bürgerschreck vom Schlage eines Frank Wedekind eine Monographie vorlegte, ging den Universitätskollegen dann doch zu weit. [21])

Marieluise Fleißers Belegblatt für das erste Semester sieht man den Eifer der Anfängerin an, es dokumentiert einen übervollen, wohl kaum zu bewältigenden Stundenplan: 21 Wochenstunden (+ eine Übung ohne Stundenangabe). [22] Als erstes belegt sie eine fachfremde Veranstaltung eines Privatdozenten der Medizin (Dr. Georg Hohmann) „für Hörer aller Fakultäten“: „Die körperliche Erziehung des wachsenden Menschen (mit Lichtbildern)“, dann „Die Weltanschauung der Romantik“ des nichtplanmäßigen a.o. Professors Christian Janentzky, Franz Munckers Vorlesung „Geschichte der deutschen Literatur von der Blütezeit bis zum 15. Jahrhundert“. Das Studium bei Artur Kutscher beginnt sie mit einer Vorlesung zu den Grundsätzen und einer Übung zur praktischen Theaterkritik. „Dabei wählten wir meist Aufführungen“, erläutert Kutscher in seiner Autobiographie, „über die noch kein Urteil vorlag. Wir gingen oft gemeinsam ins Theater, und die Studenten hatten ihre Kritik entweder in Form eines Telegramms oder eines Zeitungsberichts von vorgeschriebener Länge gleich nach Schluß der Vorstellung zu schreiben und an mich adressiert vor Mitternacht in den Briefkasten zu werfen.“ [23] Ferner setzt Marieluise Fleißer die Beschäftigung mit der französischen Sprache aus ihrer Gymnasialzeit fort und schreibt sich bei Jules Simon, Lektor für Französisch, für Übersetzungs- und Interpretationsübungen ein. Und natürlich läßt sie sich den großen Heinrich Wölfflin nicht entgehen und hört seine Vorlesung „Über den Charakter der deutschen Kunst“.

[21] Artur Kutscher: Der Theaterprofessor. Ein Leben für die Wissenschaft vom Theater, München 1960, S. 144f.
[22] Archiv der Ludwig-Maximilians-Universität, Immatrikulationskarte Fleißer und Belegblätter für das Wintersemester 1920/21 und das Sommersemester 1921.
[23] Kutscher: Der Theaterprofessor, S. 150.

(Hiltrud Häntzschel: Marieluise Fleißer. Eine Biographie, Frankfurt am Main/Leipzig 2007, S. 32/33. Das erste Buch, das nichts mit der Uni zu tun hat, das ich seit Weihnachten in der Hand habe. Okay, neben der Geschichte der O. Bei dem ganzen Grey-Hype dachte ich, lieste doch mal das Original.)

Absätze und Fußnoten, die es wegen Zeichenbeschränkung nicht in die Software-Hausarbeit geschafft haben

Ein weiteres Problem von Softwaregeschichte ist die Vergänglichkeit des Subjekts. Durch die äußerst dynamische Entwicklung des Computers veränderte sich Software sehr oft und sehr schnell; viele der ersten Betriebssysteme und Programme sind für uns heute verloren, und selbst wenn wir sie besitzen, sind sie für uns unzugänglich, weil die Hardware für sie nicht mehr existiert. Emulatoren können die Programme zwar simulieren, aber sie vermitteln nicht das unmittelbare Erlebnis, das ein Computernutzer oder eine -nutzerin vor einem halben oder dreiviertel Jahrhundert hatte.[1] Die Aura des Originals, die gerade der Kunstgeschichte so wichtig ist, bleibt verloren.[2]

[...]

Aber auch wenn über den Computer bzw. über Software noch keine eindeutige Geschichte mit einer definierten Zielrichtung geschrieben werden kann, ist klar, dass beides die Welt verändert hat.[3] Historiker und Historikerinnen sind meist vorsichtig mit dem Begriff der Revolution; auch Michael S. Mahoney nutzte ihn in seinem Essay bewusst nicht.[4] Stattdessen wies er darauf hin, dass der Begriff der Revolution gerne die Kontinuität von Ereignissen ignoriere, bei der eine Entwicklung einer vorausgegangenen folge.[5]

Der Technikjournalist Walter Isaacson schreckte hingegen vor dieser Vokabel nicht zurück. Er beschrieb in The Innovators (2014) ein scheinbares Paradoxon, das für ihn Teil einer digitalen Revolution ist: Ein Arbeitsgerät, das für einen einzelnen User geschaffen wurde, wurde durch das Internet – einer Infrastruktur aus Hard- und vor allem Software – Teil eines weltumspannenden Netzwerks. Dieses machte aus einzelnen viele User und schuf damit erstmals die Möglichkeit, fast unbegrenzt und in sehr kurzer Zeit weltweit kreative Ideen und Wissen auszutauschen.[6]

[...]

Diese Befehle bezeichnen wir heute als Software.[7]

Software ist, im Unterschied zu Hardware, ein nicht-physischer Funktionsbestandteil eines Computers.[8] Nicht nur das Betriebssystem, auch die Programme werden als Software bezeichnet (System- bzw. Anwendungssoftware).[9] Beide Arten von Software liegen hauptsächlich in zwei Versionen vor: als Quellcode (source code) sowie als Binärcode (binary code). Der Quellcode wird in Programmiersprachen geschrieben und ist für Menschen verständlich und lesbar. Durch einen Compiler[10] wird er für den Rechner in Binärcode übersetzt, der von Menschen kaum mehr lesbar ist, dafür aber vom Computer verstanden wird.[11]

Für eine der ersten Programmiersprachen (FORTRAN, 1957 entwickelt) hatte der Compiler vor allem eine Aufgabe: einem bestimmten Rechner möglichst viele Informationen möglichst effizient zu vermitteln. Im Laufe der folgenden Jahre änderte sich diese Stoßrichtung: Bereits zu Anfang der 1960er Jahre lag der Schwerpunkt von Compilern darauf, maschinenübergreifend Informationen lesbar zu machen. Das heißt, ein Programm konnte auf unterschiedlichen Rechnern laufen und war nicht mehr an einen bestimmten Hardwaretyp gebunden.[12]

In den 1960er und 1970er Jahren entstanden verschiedene Arten von Programmiersprachen und Systemsoftware, die das gleiche Ziel hatten: rechnerübergreifend zu arbeiten. Sie kamen vor allem aus der Universität von Berkeley, Kalifornien, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie den kommerziellen Forschungszentren von AT&T in New Jersey (Bell Laboratories bzw. Bell Labs) und Xerox in Kalifornien (Palo Alto Research Center bzw. Xerox PARC).[13] In den Bell Labs entstanden sowohl die Programmiersprache C als auch das Betriebssystem UNIX, das in C programmiert wurde.[14]

1. Vgl. zu diesem Absatz Mahoney, Michael Sean: „What Makes the History of Software Hard“, in: IEEE Annals of the History of Computing 30, Ausgabe 3 (2008), S. 8–18, hier S. 14.
2. Vgl. Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Berlin 2010, S. 15/16.
3. Selbst die Teile der Welt, in denen Computer noch kein gängiges Arbeits- oder Unterhaltungsmittel sind. So schreibt Thomas J. Misa: „In today‘s global economy, a country or region that might entirely lack access to computing still has a relationship with the computer-mediated global economy through trade and travel, even if it is entirely frozen out of such trade.“ Vgl. Misa, Thomas J.: „Unterstanding ‚How Computing Has Changed the World‘“, in: IEEE Annals of the History of Computing 29, Ausgabe 4 (2007), S. 52–63, hier S. 53.
4. Vgl. Mahoney 2008, S. 10: „The main problem with the revolutionary or impact model is that it attributes agency to the computer as if it had a nature of its own that it could impose on subjects or activities to which it is applied, that is, as if the computer in and of itself had the power to transform those activities.“
5. Vgl. Mahoney 2008, S. 10.
6. Vgl. zu diesem Absatz Isaacson, Walter: The Innovators. How a Group of Hackers, Geniuses, and Geeks Created the Digital Revolution, New York 2014, S. 32 von 894 (e-Book).
7. Laut Leimbach 2010, S. 8, gibt es bis heute keine „eindeutige, internationale Definition, was Software ist und was sie umfasst“. Leimbach zählt auch die Dokumentation sowie die Bedienungsanleitung eines Programms zu Software, vgl. Leimbach, Timo: Die Geschichte der Softwarebranche in Deutschland. Entwicklung und Anwendung von Informations‐ und Kommunikationstechnologie zwischen den 1950ern und heute, München 2010, ebd..
8. Meine Definition von Software beschränkt sich, im Gegensatz zu der Leimbachs, vgl. die vorherige Fußnote, auf den simplen Unterschied zwischen den fassbaren und den unfassbaren Teilen eines Rechners und folgt von Engelhardt, Sebastian: „Die ökonomischen Eigenschaften von Software“, in: Jenaer Schriften zur Wirtschaftswissenschaft 14 (2006), S. 1–21, hier S. 1.
9. Diese Unterscheidung existiert seit der Mitte der 1950er Jahre. Die Trennung in zwei Arten von Software ermöglichte es erstmals, einen Computer für unterschiedliche Aufgaben zu nutzen. Die Systemsoftware übernimmt die Grundfunktionen des Rechners, während Anwendungssoftware für einzelne Aufgaben bestimmt ist. Vgl. Mahoney, Michael Sean: Histories of Computing, Cambridge/Mass. 2011, S. 21., S. 82/83.
10. Neben reinen Binär- und Quellcodes gibt es Mischformen wie z. B. Pseudo-Code, ein Quellcode, der ohne einen Compiler zu Binärcode wird, vgl. das Linux Dictionary im Linux Documentation Project, http://www.tldp.org/LDP/Linux-Dictionary/html/p.html [zuletzt abgerufen am 9.2.2015].
11. Vgl. zu Quellcode und Binärcode von Engelhardt 2006, S. 1.
12. Vgl. zu Compilern und ihren Zielen Mahoney 2011, S. 81/82.
13. Vgl. Lerner, Josh/Tirole, Jean: „Some Simple Economics of Open Source“, in: The Journal of Industrial Economics 50, Ausgabe 2 (2002), S. 197–234, hier S. 200/201.
14. So gut wie alle Programmiersprachen, die noch heute die Basis für System- und Anwendungssoftware bilden, wurden vor 1975 entwickelt, vgl. Mahoney 2011, S. 79.

Liebe mitlesende Kunsthistoriker*innen …

… danke, dass ihr mir kurz eure Aufmerksamkeit schenkt, denn ich möchte euch um Hilfe bitten.

Ich habe in diesem Semester ein sehr spannendes Seminar zum Thema digitale Kunstgeschichte belegt und ein Referat über Software gehalten. Darin habe ich verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie sehr Softwarenutzung unser Fach verändert.

Meine Hausarbeit konzentriert sich jetzt auf einen Aspekt, nämlich das Publizieren. Ich copypaste mal eben aus der Einleitung:

„Ich werde zunächst erläutern, was Software ist, um dann die Entwicklung von Closed-Source-Software zu Open-Source-Software nachzuzeichnen. Anschließend werde ich Eric S. Raymonds Modell von Kathedrale und Basar beschreiben, das zwei Arten der Softwareprogrammierung aufzeigt – eine individuelle und eine kollaborative. Danach befasse ich mich mit einem Teilbereich der kunsthistorischen Forschung, nämlich dem Schreiben und Publizieren, wobei ich die Grundsätze von Open Source und dem gemeinsamen Arbeiten im Basar-Modell auf unser Fach anwende (Open Access, Collaborative Review). Dabei gehe ich vor allem auf den wissenschaftlichen Nachwuchs ein, der meiner Meinung nach besonders von den digitalen Publikations- und Kommunikationsmöglichkeiten und einer gemeinschaftlichen Arbeit profitieren kann. Auf weitere kunsthistorische Arbeitsfelder wie die Recherche oder die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Werken, die sich durch neue digitale Werkzeuge ergibt, werde ich aus Platzgründen nicht eingehen können, auch wenn sie natürlich ebenfalls von Software profitieren.“

Ich erzählte meinem besten Freund von meinem leidenschaftlichen Plädoyer für Open Access und Collaborative Review, woraufhin er die Idee hatte, gleich mal diese Hausarbeit reviewen zu lassen. Also quasi meine These – wir profitieren alle von gemeinsam erarbeitetem Wissen – am lebenden Objekt zu überprüfen. Und genau dafür brauche ich eure Hilfe.

Ich habe meine Hausarbeit als Google Doc veröffentlicht und bereits mein Seminar um eine Review gebeten. (Diese Aktion ist natürlich vom Dozenten abgenickt und er hat den Link auch.) Da ich aber weiß, dass meine armen Mitstudis auch gerade wie wild Hausarbeiten schreiben, dachte ich mir, ich hole mir noch ein bisschen Verstärkung, nämlich euch, meine Twitter-Timeline oder meine kunsthistorischen Blogleser*innen. Wenn ihr 20 Minuten Zeit übrig hättet, über meinen Text rüberzugucken und ihn gegebenenfalls mit kunsthistorischem Wissen zu ergänzen, würde mich das a) sehr freuen und b) mein Argument hervorragend unterfüttern *hüstel*.

Wer mitreviewen will, schreibt mir bitte eine Mail an mail *at* ankegroener *punkt* de oder eine DM auf Twitter. Bitte wirklich nur Kunsthistoriker*innen. Alle anderen dürfen die Arbeit natürlich auch lesen, aber erst später, wenn sie benotet ist und im Blog steht. Bis Sonntag um Mitternacht darf von Herzenslust kommentiert werden. (Oder auch nicht, dann muss ich nicht so viel umschreiben.)

Vielen Dank für eure Zeit und Mühe! Alle meine heute zu vergebenden Karmapunkte sind euch sicher.

Edit: Habe eben den Link zu diesem Blogeintrag im Word-Dokument der Hausarbeit in eine Fußnote gepackt. Das ist gerade alles sehr meta hier.

Rotgrüner Couscous

Mein liebstes Essensfoto auf Instagram in den letzten Wochen. Daher schreibe ich mal flugs das Rezept runter.

couscous

Für zwei Personen.

200 g Couscous nach Packungsanleitung zubereiten. Ich koche ihn immer mit 300 ml Wasser auf und lasse ihn dann nach kurzem Blubbern 15 Minuten rumstehen.

1 grüne Paprika und
1 rote Zwiebel in kleine Würfel schneiden.
Petersilie, so viel man mag, grob hacken.
Eine Handvoll Walnüsse grob hacken. Wer mag, röstet sie vorher 10 Minuten im Backofen an; ich hatte Hunger und habe sie ungeröstet verwendet.
1 Granatapfel entkernen. Ich verwende die Klopfmethode statt der Unter-Wasser-Methode. Das geht in der Spüle fast ohne Flecken und macht schöne Geräusche.

Aus
Zitronensaft,
Rapsöl,
Chiliflocken,
Salz und Pfeffer ein Dressing herstellen. Säure/Öl = 1 zu 3. Kennt ihr ja alles.

Gemüse, Nüsse und Dressing mit dem noch warmen Couscous verrühren. Die Granatapfelkerne darüberstreuen. Übriggebliebene Kerne fürs Schokomüsli am nächsten Morgen verwenden.

muesli

„Und, Anke, wie war so dein fünftes Semester?“

Anstrengend. Kthxbai.

(Erstes, zweites, drittes, viertes Semester)

In diesem Semester kamen mehrere Dinge zusammen, die es etwas herausfordernd gemacht haben. Zum einen meine (seelische) Gesundheit, die gerade im Oktober und November eher memmig drauf war, was es mir teilweise schwer, teilweise unmöglich gemacht hat, morgens aus dem Bett zu kommen. Dadurch versäumte ich einige Vorlesungen und Seminare, was mich übermäßig hysterisch hat werden lassen, als es um Referate ging, die zum ersten Mal nicht alle unterhaltsam waren, sondern Arbeit. Natürlich waren sie immer noch toller als vieles, was ich vor dem Studium gemacht habe, aber im Vergleich zu den ersten Semestern waren sie Arbeit. Also diese Form von „Augen zu und durch“-Arbeit, die ich so verabscheue, weil ich gerade im Studium, das immer noch eine Art Sabbatical vom echten Leben ist, meinen Kram eben nicht wegarbeiten will, sondern bewusst und freudig was dabei lernen möchte. Das klappt fast immer, aber dieses Mal nicht so ganz.

Zusätzlich habe ich mir selbst genau den Druck gemacht, über den ich immer mütterlich lächele, wenn meine 20-jährigen Kommilitoninnen über ihn reden. Während sie glauben, dass ihr Leben vorbei ist, wenn sie jetzt nicht dieses Praktikum in Paraguay kriegen, kann ich nachts nicht schlafen, weil ich glaube, keinen Master-Studienplatz zu bekommen, wenn mein Schnitt nicht noch besser als 1,2 wird. Da ist er im Moment, wenn ich richtig rechne. Weiß ich aber nicht genau, weswegen ich noch mal extra schlecht schlafe.

An einer weiteren Sache knabbere ich auch rum, aber das ist mehr so anstrengend auf der Meta-Ebene: Ich vermisse mein Expertinnenwissen, das ich in der Werbung hatte und das in Kunstgeschichte auch nach fünf Semestern gefühlt eher rudimentär vorhanden ist. Meine Dozierenden sind meist in meinem Alter oder drüber, und gerade bei den Gleichaltrigen (oder sogar Jüngeren) fällt es mir jetzt, nach zweieinhalb Jahren, allmählich schwer, immer die doofe Studentin zu sein. Ich vermisse die Gespräche auf Augenhöhe, die ich in der Werbung hatte. Es liegt nicht unbedingt am Alter – in der Agentur habe ich Textinchen mir auch von Grafik-Praktis was sagen lassen, weil ich von ihrem Job null Ahnung habe. Es liegt einfach daran, dass es mich allmählich mürbe macht, auch an der Uni null Ahnung zu haben. In den ersten Semestern war das funky und aufregend, so dumm durch die Gegend zu spazieren, aber jetzt, warum auch immer, zehrt es gerade an mir. Ich merke zwar, wenn ich mit Freunden oder Freundinnen über mein Studium oder Kunst spreche, wieviel ich schon gelernt habe, aber sobald meine Dozierenden vor mir stehen, relativiert sich das außerordentlich schnell. Natürlich weiß ich, dass die sich seit 20 Jahren mit Kunst befassen und ich gefühlt seit 20 Minuten, aber dass ich mir das dauernd sagen muss, nervt.

Dann war dieses Semester auch das, in dem der Kerl und ich unsere inzwischen elfjährige Beziehung mal ausdiskutiert haben. Wir sind beide sehr gut darin, unangenehme Themen unter den Teppich zu kehren oder mit Käse zu überbacken, und so schleichen wir seit zwei Jahren um das Thema rum, dass ich quasi in München wohne und nur noch zu Besuch in Hamburg bin und dass wir das beide gerade nicht ändern können oder wollen. Also habe ich die Weihnachtsferien mit weniger Lernen zugebracht als geplant und dafür mit viel mehr Reden, was aber gut war, denn ich bin jetzt wieder deutlich zuversichtlicher, dass wir das hinkriegen. Aber es ist doch alles komplizierter, als ich dachte, und es wird nicht einfacher, je länger wir in verschiedenen Städten wohnen.

Durch das viele Reden und das wenige Lernen bin ich etwas in Zeitnot geraten und habe dementsprechend fast den kompletten Januar als Eremit am Rechner zwischen Büchern und meiner Teekanne verbracht. Die einzige Abwechslung zum Lernen und dem Verfassen der ersten Hausarbeit war zur Uni zu gehen, in die Bibliothek zu gehen oder einzukaufen. Ein Konzert und einen Vortrag habe ich mir gegönnt, aber sonst war ich vom 5. bis zum 28. Januar eine totale Musterstudentin, die jetzt gerade kaum noch weiß, wie Menschen aussehen, die nichts mit Geschichte oder Kunstgeschichte zu tun haben. Deswegen freue ich mich sehr auf den morgigen tpmuc, bevor ich bis Dienstag nochmal für die letzten Klausur abtauche.

Und das alles (Kränkeln plus Hysterie plus Schlafstörungen plus Metastress) kommt natürlich genau in dem Semester, in dem ich am meisten zu tun habe, weil ich ja fünf Semester Geschichte in drei quetsche, um im nächsten Semester total entspannt meine Bachelorarbeit schreiben zu können, ohne nebenbei noch Seminare abarbeiten zu müssen.

Aber natürlich war das Semester genauso toll wie es anstrengend war und ich habe wie immer viel gelernt.

Ich habe gelernt, dass Blockseminare überhaupt nichts für mich sind. Das mag ja für einige Studis prima sein, in nur vier Tagen ein ganzes Semester runterzureißen, aber genau das fand ich blöd. Ich mag den Wochenrhythmus, ich mag meine festen Termine, und ich mag es, dass der Stoff Zeit hat, sich sieben Tage lang in meinem Hirn festzusetzen. In den vier Tagen des Blockseminars in Geschichte – zweimal im November, zweimal im Januar – wusste ich abends schon nicht mehr, was ich morgens gelernt hatte, weil es einfach zu viel Stoff in zu kurzer Zeit war. Das Thema „Die Stadt im Mittelalter“ war großartig, aber ich habe leider längst nicht so viel mitgenommen wie ich gehofft hatte.

Das zog sich auch durch meine Referatsvorbereitung. Normalerweise kriegt man ja in den ersten zwei, drei Sitzungen ein Gefühl dafür, wo die Reise hingeht, was der Fokus des Kurses ist, worauf man bei den Referaten vielleicht den Schwerpunkt legen sollte, um am besten ins Gesamtbild zu passen. Das fehlte hier alles. Mein Referat war gleich am ersten Blocktag im November; das hatte ich bewusst so gelegt, weil ich auf keinen Fall im Januar noch ein Referat halten wollte, wo ich schon im Klausurenlernmodus bin. So hatte ich zum ersten Mal die Situation, über ein Thema zu sprechen, das für mich noch nirgends eingeordnet war. Wir mussten zwar alle vorher zum Dozenten und ihm unsere Struktur vorstellen sowie das Handout, und das war auch sehr hilfreich, aber trotzdem war alles schwammiger als mir lieb war. Ich bin bis heute nicht zufrieden mit dem Referat, obwohl der Dozent es war, und mir graut ein bisschen vor der Hausarbeit, weil mir schlicht keine spannende Frage einfällt. Mein Thema ist „Altstadt, Neustadt, Vorstadt“ und eigentlich habe ich nur 20 Minuten lang erzählt, dass es keine einheitliche Altstadt, Neustadt oder Vorstadt im Mittelalter gab. Ich suche immer noch nach einem roten Faden, der über diesen totalen Allgemeinplatz hinausgeht, aber noch habe ich ihn nicht gefunden.

Wobei ich in einer anderen Vorlesung mal wieder hübsche Bezüge herstellen konnte. In „Architektur des Mittelalters“ in Kunstgeschichte haben wir über verschiedene Gebäudetypen und ihre Funktion gesprochen, unter anderem die Stadtwaage, den Salzstadel usw. Von anderen Gebäuden wusste ich inzwischen, dass sie nur in der Vorstadt anzutreffen waren, also (sehr verallgemeinert) dem Gebiet, das außerhalb der Stadtmauer lag. Zum Beispiel lagen Schmieden immer vor den Toren wegen der Feuergefahr. Mühlen (Getreide, Papier etc.) waren an Flüssen, die sie betrieben, und lagen damit ebenfalls vor der Stadt. Deswegen hatte ich kurz überlegt, daraus was zu machen, so in die Richtung „Wie Architektur die Stadt gestaltet“, aber auch hier bin ich nicht wirklich auf den Punkt gekommen. Meh. Zur Wiedervorlage.

Ich habe gelernt, dass es Stadtwaagen und Salzstadel gab.

Ich habe gelernt, dass ich Architektur wirklich spannender finde als Bilder und Skulpturen. Ich gucke mir die letzten beiden sehr gerne an und plaudere noch lieber darüber, aber forschen möchte ich, behaupte ich nach fünf Semestern jetzt mal so halbzart, über Gebäude. Das müssen nicht mal meine geliebten gotischen Kathedralen sein – gerade in diesem Semester ist mir das Alltagsleben im Mittelalter sehr nahe gekommen, und da würde ich gerne noch ein bisschen bleiben. Wobei ein Dozent meinte, er habe früher auch Mittelalter gemacht und sei jetzt eher in der frühen Neuzeit unterwegs, weil da die Quellenlage schlicht besser sei; da könne man richtig forschen, während man im Mittelalter manchmal einfach nur mutmaßen kann. Das klackert zwar jetzt in meinem Kopf rum, aber eine Konsequenz habe ich daraus noch nicht gezogen.

Ich habe gelernt, dass ich mich auf mein Kolloquium richtig freuen kann, das die Bachelorarbeit begleitet. Laut unserer Prüfungsordnung müssen wir keine Disputatio halten, sondern in einem Kolloquium, an dem alle BA-Kandidat*innen des Dozenten teilnehmen, unser Projekt vorstellen. Mein Prüfer lud mich schon in diesem Semester zu seinem Kolloquium ein –„davon können Sie nur profitieren“ –, allerdings erst im Januar, was ich sehr bedauert habe. Denn dort sitzen lauter Menschen mit ganz unterschiedlichen Themen und Interessen und man bekommt von ihnen ihren derzeitigen Arbeitsstand vorgebetet. Das heißt, man bleibt nicht im engen thematischen Rahmen eines Seminars, sondern man hört bunt durcheinander was über Bilder, Künstler*innen, Skulpturen oder, wie in meinem Fall, über eine Datenbank. Und wenn niemand ein Referat hält, sprechen wir über Ausstellungen, die eine_r von uns gesehen hat oder plaudern generell kunsthistorisch in der Gegend rum. Ein Traum! Wie ein Lesezirkel, nur mit Kunst! Das hat mir in diesem Semester sehr gut gefallen und ich freue mich schon aufs nächste.

Ich habe gelernt, dass ich nicht Superwoman bin. (Verdammt!) Meine Stofffülle hat dazu geführt, dass ich einen Kurs nach wenigen Malen verlassen habe (den brauchte ich auch nicht für meine ECTS-Punkte) und eine weitere Vorlesung seeeehr habe schleifen lassen. Ich habe zwar brav für die Klausur gelernt, die ich gestern geschrieben habe, und es könnte sogar knapp gereicht haben, aber eigentlich habe ich mich schon damit abgefunden, im letzten Semester noch mal eine Vorlesung zu Neuer Geschichte zu belegen. Was auch völlig okay ist.

Ich habe gelernt, dass es Dozenten gibt, die in jeder Vorlesung alles umräumen, was bisher in meinem Kopf an „Wissen“ über Kunst in Deutschland zwischen 1925 und 1960 vorherrschte. Ich bin aus jeder dieser Veranstaltungen mit offenem Mund rausgekommen und musste erstmal viel lesen. Dafür verzeihe ich dem Herrn auch seine verbesserungswürdigen Folien. (Falls ich durch die Klausur falle, widerrufe ich diesen Satz.)

Ich habe gelernt, dass ich ungern während des laufenden Semesters eine Hausarbeit schreibe. Das war dieses Mal leider unvermeidlich – siehe oben, viel Zeug in kurzer Zeit –, und die Arbeit machte auch richtig Spaß, aber ich habe zu jedem Zeitpunkt im Hinterkopf gehabt, dass ich diesen Gedanken jetzt eh nicht komplett ausformulieren kann, weil ich noch was lesen muss für morgen oder was vorbereiten oder für die Klausuren lernen. Bisher hatte ich den Luxus, nur in der vorlesungsfreien Zeit schreiben zu können, wo mich nichts und niemand in meinem Fluss gestört hat. Hier musste ich dauernd was anderes machen, und das kann ich noch nicht so gut wie ich es in der Werbung konnte, wo ja auch dauernd was TOTAL EILIGES, ECHT JETZT auf deinem Schreibtisch landet. Ich habe mir zum ersten Mal in fünf Semestern eine To-Do-Liste geschrieben, um den Überblick nicht zu verlieren, und das fühlte sich ein bisschen so an, als wäre ich alt. Ähem.

Ich habe gelernt, dass die digitale Kunstgeschichte echt heißer Scheiß ist. Das wusste ich zwar eigentlich schon vorher, sonst wäre ich ja nicht auf die Idee gekommen, meine Bachelorarbeit zu diesem Thema zu schreiben, aber das wurde mir in diesem Semester noch mal bestätigt. Ich mag es, dass mein Fach sich auf einmal mit heutigen Dingen beschäftigt, die noch gar keine Geschichte sind. Ich mag es, dass wir auf einmal durch digitale Methoden Daten generieren können, die exakt sind und nicht das übliche wolkige Rumgemeine, was wir so gut drauf haben. Ich mag es, dass mein Fach sich gerade um mich herum verändert und, noch toller, dass ich die Chance habe, es aktiv mitzugestalten. Wer hätte gedacht, dass sowas Altbackenes wie Kunstgeschichte so modern sein kann.

Ich habe gelernt, dass dieses Studium trotz der ganzen Nerverei, die es in diesem Semester war, eines der besten Dinge ist, die ich in den letzten Jahren angefangen habe. Mich macht jedes Seminar und jede Vorlesung glücklich und neugierig und hibbelig auf mehr, mehr, mehr. Der Master ist fest eingeplant. Und der Kerl kommt jetzt einfach viel öfter nach München als in den ersten vier Semestern. Alles wird gut, und alles bleibt spannend.

Statusmeldung

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(Cabu, Wolinski, Tignous, Charb. Ein blöder und bösartiger Tod.
Gott: Cabu? Ausnahmsweise bist du mal zu früh.)

Links vom 6. Januar 2015

(Das erste Mal „2015“ getippt.)

Why #GamerGate Failed: A Look Back at 2014′s Most Ridiculous Movement

Die Überschrift sagt alles – und dann doch nicht ganz, denn ich fand diese ganze Sache mehr als ridiculous, sondern erschreckend und gefährlich in ihrer konsequenten Eskalation.

„There are 1.2 billion gamers in the world right now. If gaming were a religion it would be the third most popular religion in the world. That’s an awful lot of different people wondering why all the big money games tend to star violent American white male power fantasies. (…)

Suddenly it became the fight to protect a culture, further reducing the seriousness with which the 1,199,780,000 gamers who don’t post to /r/kotakuinaction could ascribe to GamerGate. Gaming didn’t need protecting against The Man anymore than all the hair metal bands in the ’80s needed to rally to protect rock and roll. The vast majority of gamers aren’t just that or even primarily that. They’re people playing a few rounds of Candy Crush on the bus or logging onto World of Warcraft after a hard day. Most of them game because they always have, no different than going to the movies or watching TV.

In other words they’re generally grown-ups and grown-ups have a hard time believing that ethics in video game journalism is worth sending death threats to a feminist on Twitter. It’s entertainment journalism. It might as well be E!, and the absolute worst thing that can happen is an undeserved game gets a good review or a great game gets trashed. Is that unethical if the opinion of the reviewer has a conflict of interest or has been compelled to do so by a game studio? Sure, of course it is, but that story will never, ever be more important than, say, Felicia Day saying she’s afraid to comment publicly on GamerGate because she might get harassed and then immediately getting called a stupid cunt and having her home address posted.“

(via @Living400lbs)

31c3 – Kommt alle

Das nuf erklärt, warum man sich auch als Nicht-Haeckse auf den Chaos Communication Congress trauen sollte, und ich möchte mich jetzt Ende Dezember von ihr an die Hand nehmen lassen. Ich bin ja quasi in der Nachbarschaft.

„Ich habe mich sehr willkommen gefühlt. An keinem Punkt gab es auch nur im geringsten das Gefühl unerwünschter Fremdkörper zu sein. Das Motto des Kongress lautete “A new dawn”. gemeint war wahrscheinlich eher die Post-Snowden-Ära und die damit verbundene Aufforderung an die (Hacker)Community das Internet sicherer im Sinne von sicher vor flächendeckender Überwachung zu machen.

Für mich war “A new dawn” aber auch eine generelle Öffnung der Hackercommunity, die ja zweifelsohne Wurzel des ccc-Kongresses ist, gegenüber der breiten Bevölkerung. Schließlich ist das ganze Überwachungs- und Internet-Thema nicht durch einzelne “ElitehackerInnen” zu lösen sondern ausschließlich durch die Miteinbeziehung aller internetfähigen Menschen.“

Das Leben ist ein Hauch

Nachdem Die Mannschaft der langweiligste Scheiß ever war, weise ich noch mal auf Das Leben ist ein Hauch hin, den WM-Rückblick der ARD. 90 Minuten, nicht deutschlandzentriert und genau deswegen deutlich spannender. Mit Suarez- und van-Persie-Memes! Der Film ist noch bis zum 31. Januar in der Mediathek abrufbar.

Die politische Dimension von Fett

Magda von der Mädchenmannschaft beschreibt, ausgehend von einem FAZ-Artikel über die dicke belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block, was Fett mit Politik zu tun hat.

„Wir leben in einer Zeit, in der die Angst vor dem Fettwerden gesellschaftliche Normalität ist, in der Kinder in Diätcamps mit minimalster Kalorienzufuhr gesteckt werden und Ärzt_innen FdH (»Friss die Hälfte«) für einen angemessenen Ernährungstipp halten. Wir leben in einer Zeit, in der Lehrer_innen aufgrund eines Body-Mass-Index (BMI) von über 30 in manchen Bundesländern nicht verbeamtet werden können. Wir leben in einer Zeit, in der Diäten, Diätpillen, Magenverkleinerungen und dickenfeindliche Sprüche und ihre verheerenden Auswirkungen auf Körper und Seele für »gesünder« als ein dicker Körper als solcher gilt. Die Fixierung auf einen schlanken Körper und die Angst vor Fett(sein) nehmen absurde Dimensionen an: Die Kompetenzen einer Politikerin werden angezweifelt, weil sie einen dicken Körper hat und nicht etwa, weil sie kritikwürdige politische Entscheidungen in ihrer Berufskarriere gefällt hat. (…)

Da Körperfett heutzutage durchweg negativ belegt ist und so gar nicht zum neoliberalen Idealbild der tüchtigen Angestellten passt, wird der eigene Körper zur permanenten Kampfzone: Die schwabbelnden Oberschenkel müssen weg und die speckigen Arme gehören versteckt. So schreibt die US-amerikanische Bloggerin und Expertin für Körperbilder Virgie Tovar in ihrem 2012 erschienen Buch »Hot & Heavy« passenderweise: »Mein Fett ist politisch, weil es Leute so richtig sauer macht, wenn ich es zeige. Mein Fett ist politisch, weil ich es behalte«.“

2014 revisited

(2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003.)

1. Mehr Kohle oder weniger?

Es pendelt sich langsam ein zwischen der goldenen Werberinnennase und der mittellosen Studentin.

2. Mehr ausgegeben oder weniger?

Weniger. Der größte Posten sind weiterhin die doppelte Miete und die Flüge, aber beim Rest lebe ich gefühlt eher wie eine Studentin. Wofür ich weiterhin Geld ausgebe wie eine Werberin: Wein und Fußballtickets.

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PS: Danke an den #tpmuc, durch den ich viele Bayernfans mit Dauerkarten kennengelernt habe, die ihrerseits Leute mit Dauerkarten kennen, und wenn die mal nicht können, darf ich ins Stadion. Deswegen war ich in diesem Jahr so oft in der Arena wie nie zuvor, habe aber die wenigsten Tickets davon. Wo ich doch so gerne Eintrittskarten aufhebe.

3. Mehr bewegt oder weniger?

Gleichbleibend ständig auf dem Fahrrad unterwegs. Allerdings mehr die 1000 Meter zur Uni oder die fünf Kilometer zum Biergarten als Riesentouren.

4. Der hirnrissigste Plan?

In Hamburg entspannt Fahrrad zu fahren.

5. Die gefährlichste Unternehmung?

Jede neue Strecke in Hamburg ist auf dem Rad eine gefährliche Unternehmung, denn so was wie eine intuitive Straßenführung ist für RadlerInnen anscheinend nicht vorgesehen. Ich komme eigentlich immer angepisst nach Hause, wenn ich in Hamburg auf dem Rad unterwegs bin, weil ich mich konstant über Gegenverkehr ärgere oder Radwege, die einfach aufhören, Radwege in miesem Zustand, Radwege, die auf einmal auf der anderen Straßenseite weitergehen oder auch einfach gar keine Radwege. Bis jetzt habe ich es netterweise immer ohne Schrammen nach Hause geschafft, aber einmal bin ich locker vor ein Auto geradelt, weil ich schlicht nicht gesehen hatte, wo ich verdammt noch mal lang muss. Der Autoverkehr hat tausend Schilder, die rechtzeitig (!) ankündigen, wenn sich irgendwo was ändert. Das hätte ich für Radwege auch gerne. Oder, wie gesagt, überhaupt Radwege.

In München ist auch nicht alles perfekt, aber doch um Klassen besser als in Hamburg. (Wo fieserweise das tolle Rad steht, während ich in München immer noch auf meiner guten, alten Aldi-Möhre unterwegs bin.) Vielleicht habe ich auch nur das Pech, in Hamburg genau die Strecken zu befahren, die mies ausgebaut sind und von Geisterradlerinnen bevorzugt werden.

Mir fällt immer mehr auf, wie sehr wir unsere Städte für den Autoverkehr perfektioniert haben und es geht mir inzwischen extrem auf die Nerven, dass alle anderen sich diesem einen lauten, schadstoffreichen und nicht ungefährlichen Verkehrsmittel unterordnen müssen. Hätte ich jetzt auch nicht gedacht, dass meine zunehmende Radikalisierung im Alter sich ausgerechnet auf den Autoverkehr konzentriert, wo ich die Karren doch eigentlich äußerst attraktiv finde.

6. Der beste Sex?

Kannnichklagen.

7. Die teuerste Anschaffung?

Ein iPhone 6 und ein Fahrrad für Hamburg. Runner-up: für meine Begriffe ungewöhnlich viele neue Klamotten, siehe Frage 21.

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8. Das leckerste Essen?

Das neu entdeckte Mansaaf in Hamburg mit dem Kerl, Nudelsalat im Biergarten nach dem Frauenchiemseeausflug, gegrillte Maiskolben auf dem sommerlichen Balkon des ehemaligen Mitbewohners. Die besten Weine gab’s übrigens beim Walter & Benjamin und bei Herrn @sammykuffour im Wohnzimmer.

9. Das beeindruckendste Buch?

Comic: Hotel Hades von Katharina Greve.

Sachbuch: Update. Eine neue Version ist verfügbar von Dirk von Gehlen.

Fiktion: Unendlicher Spaß von David Foster Wallace, The Goldfinch von Donna Tartt, Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie, Stoner von John Williams, Wir haben Raketen geangelt von Karen Köhler.

10. Der ergreifendste Film?

Im Kino Clouds of Sils Maria, auf DVD Broken Circle Breakdown.

11. Die beste CD? Der beste Download?

Weder eine CD noch einen Download habe ich so oft gehört wie das Woodkid-Radio auf Spotify.

12. Das schönste Konzert?

Roxanne de Bastion.

12a. Die tollste Ausstellung?

Eva Hesse in der Kunsthalle Hamburg und Hans Op de Beeck in der Sammlung Goetz in München.

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13. Die meiste Zeit verbracht mit …?

… meinen Büchern und meinem Rechner in diversen Bibliotheken.

14. Die schönste Zeit verbracht mit …?

… lernen, den Kerl kuscheln (viel zu selten), Kunst gucken, mit den Jungs über Kunst reden.

15. Vorherrschendes Gefühl 2014?

„Ach, fuck it, jetzt mach ich auch noch den Master.“ Oder anders: „Hamburg? München? Hamburg? München? Heidelberg, Göttingen, Berlin? Hamburg? München?“ (Tipp meines Dozenten für digitale Kunstgeschichte: „Das Getty Institute in Los Angeles könnte ich Ihnen für dieses Thema auch empfehlen.“ NOT HELPING!)

16. 2014 zum ersten Mal getan?

Die ESA in Darmstadt und im Anschluss das Städelmuseum in Frankfurt besucht. Am Chiemsee gewesen und mich in ein Kloster verliebt. Ein-, zweimal die Note 1,0 unter einer Hausarbeit stehen gehabt. Ein Dirndl getragen. Meine Schwester als Braut gesehen (sie war wunderschön und hat ihren Nachnamen behalten). Einen Podcast aufgenommen. Einen Prüfer für meine Bachelorarbeit im SoSe 2015 ausgesucht.

17. 2014 nach langer Zeit wieder getan?

Ein Auto verkauft. Kein Auto besessen – diesen Status hatte ich mit 18 das letzte Mal. Deutschland beim Weltmeisterwerden zugeguckt.

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18. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Herzschmerz, #JanHaraldMatthias/Pegida/die ganze intolerante Rotze halt sowie die zweite Halbzeit FC Bayern gegen AS Rom. Ja, es ist Bayern, ja, ich freue mich, im Stadion zu sein, aber meine Fresse, war das kalt und langweilig.

19. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Dass wir das hinkriegen.

20. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Länger zu bleiben als geplant.

21. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Ich bin immer noch dankbar für das Foodcoaching von 2009, und in diesem Jahr kam das letzte Geschenk als Nachzügler zur Selbst- und Körperakzeptanz dazu: keine Panik mehr davor zu haben, im Rock rauszugehen und meine dicken Beine zu zeigen. 2014 war der erste Sommer seit meiner Kindheit, in dem ich nicht schlechtgelaunt in Jeans und Turnschuhen rumgelaufen bin, sondern in Flatterröckchen, Leggings und offenen Sandalen. Das war der schönste Sommer, an den ich mich erinnern kann. (Gebt mir weitere fünf Jahre und ich lasse auch noch die Leggings weg.)

Runner-up an schönen Geschenken: ein Gutschein, ein gesaugter Teppich im Flur und ein paar DMs mit Ankunftsdaten in München.

22. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

„Sie scheinen für die Wissenschaft talentiert zu sein.“

23. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

„Ich liebe dich.“

24. 2014 war mit einem Wort …?

Herausfordernd.

Bücher Dezember 2014

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Nora Gantenbrink – Verficktes Herz

Nein, das war leider nicht meins. Die Leseprobe hatte mich zwar angefixt, aber nach 30 Seiten fragt man sich dann schon, ob da noch was anderes kommt als liebeskummerige Frauen in den 20ern, die die üblichen Mittel nutzen, um damit fertig zu werden. Wenn ich selbst Mitte 20 wäre, hätte ich das Buch wahrscheinlich toll gefunden, denn die Sprache ist schön klar, auch wenn Gantenbrink manchmal fett mit eklig gleichsetzt, worauf ich inzwischen äußerst pikiert reagiere. Ich bin aber nicht mehr Mitte 20 und deswegen war ich erst gelangweilt, dann genervt und dann habe ich das Buch weggelegt.

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Lion Feuchtwanger – Die Geschwister Oppermann

Dafür habe ich dieses Buch verschlungen. Es bleibt einem auch gar nichts anderes übrig. Mich hat erschreckt, mit welcher Klarheit Feuchtwanger 1933 schon ziemlich genau wusste, wie das angebliche Tausendjährige Reich weitergehen wird, mit welcher konsequenten Brutalität und Unmenschlichkeit, auch wenn er anscheinend fälschlicherweise davon ausging, dass das alles ein kurzer Spuk bleiben wird. Keine schöne Lektüre, aber jetzt gerade vielleicht ganz angebracht.

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Erich Kästner – Der Gang vor die Hunde

Ein paar Jahre früher als die Oppermanns treibt Jakob Fabian durch Berlin, durch Bordelle, Privatwohnungen, in denen frustrierte Ehefrauen locken, Ateliers und Werbeagenturen, von Erich Kästner meisterhaft aufgeschrieben. Wo ich an Feuchtwanger die gefühlt zeitlich verortbare Sprache mochte, hat mich hier die Zeitlosigkeit erstaunt, und ich war neben der Modernität von der Feinheit begeistert, mit der Kästner beschreibt. Das weiß man zwar schon aus seinen Kinderbüchern, dass er alles andere als nachlässig mit seinen Worten umgeht, aber hier kommt seine Präzision noch mehr zum Tragen. Hier steht ein bisschen mehr zur Neuauflage von 2013, die die alten Ausgaben des Fabian – so hieß der Roman früher – ersetzt. Große Empfehlung.

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