Food for thought

Omi hat uns früher immer Kalten Hund/Kalte Schnauze/Kalten Arsch zum Geburtstag gebacken. Ich backe lieber Käsekuchen.

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Sieben Eier. Das gibt Ärger mit der VeganerInnenfraktion. Food – you’re doing it wrong. Geht mir ja schon auf den Zeiger, diese ewige Futterdiskussion. Andererseits denkt man so über Dinge nach, über die man sonst eben nicht nachdenkt. Irgendwer muss einem ja etwas sagen, damit man sein eigenes Handeln reflektiert. Vielleicht doch nicht so doof. Aber das geht neuerdings gefühlt immer gleich von Null auf Hundertachtzig. Nie wieder Fleisch versus Jetzt erst recht. Nie wieder Industriefutter versus Ei-Ersatz und Sojasahne. Auch gerne bei anderen Themen, zum Beispiel, was jetzt der richtige oder der falsche Feminismus ist. Beine rasieren, ja oder nein? Binnen-I oder Gender-Gap? (Das finde ich übrigens auch immer putzig – Leet Speak ist cool oder hier, Wahnsinn, Alter, „Erster und letzter Buchstabe des Wortes reichen, den Rest schafft der Kopf alleine“, toll, wa, aber sobald irgendwo ein großes I auftaucht, sind alle angeblich völlig überfordert.) Beruflich Karriere machen oder Vollzeitmutter sein? Lippenstift oder Latzhose oder womöglich, OMG, beides? Being a woman – you’re doing it wrong. Oder nie wieder Nespresso trinken, immer den Müll trennen, nur noch Öffis fahren oder Fahrrad, die richtige (?) Partei wählen, lieber die falsche Partei wählen als gar nicht, Fußball ist was für Idioten (IdiotInnen, Idiot_innen), Impfen macht autistisch, Stillen ist super, am besten ganz flach atmen und nicht aufs Gras treten, alle anderen sind doof, Pep knows best. Being human – you’re doing it wrong. Immer.

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Ich liebe es, mit Händen im Essen rumzuwühlen. Teig kneten ist großartig. Der Mürbeteig wird leider nicht richtig geknetet; ich hacke die Zutaten kurz mit meinem Lieblingsriesenmesser durch, quetsche das Häufchen aus Butter- und Zuckerkrümeln, Eigelbmatsch und Mehl zu einer Kugel zusammen und walke sie kurz durch, damit der Teig nicht zu klebrig wird. Hefeteig ist toll, den könnte ich ewig kneten, der vermittelt so ein seltsam ambivalentes Gefühl an die Hände, er ist warm, aber durch seine Glätte irgendwie kühl, er ist gleichzeitig zart und zäh, ich spüre fast die Oberflächenspannung, wenn ich ihn verarbeite. Beim Ausrollen zuckt er bockig in seine ursprüngliche Form zurück und ich muss an die beknackten Schönheitstipps in Frauenzeitschriften denken, die einem sagen, wenn man die Haut zwischen zwei Finger nimmt, kurz hochzieht und wieder fallenlässt, soll die wieder so aussehen wie vorher, sonst müsse man dringend viel trinken oder am besten 20 Jahre jünger werden. Ich frage mich bei derartigem Quatsch erstens, wer sich so was ausdenkt und zweitens, wieso ich mir so was merke. Und ich denke an meinen Lieblings-Calvin-und-Hobbes, wo Calvin Hobbes fragt: Wer hat eigentlich als erstes Kuheuter angeguckt und sich gedacht, egal was da rauskommt, ich trink’ das jetzt?

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Ich wollte noch googeln, woher das Wort „blindbacken“ kommt. In unserer Speisekammer steht ein Weckglas mit einem Pfund Linsen drin und mit denen backe ich seit Jahren blind. Jedesmal, wenn ich sie benutze, denke ich, ich müsste mal etwas Schwereres finden, trockene Bohnen vielleicht, die sehen auch niedlicher aus als die banalen Linsen, aber dann ist der Teig fertig, ich fülle die Linsen zurück ins Glas und vergesse es wieder. Ach ja, und ich wollte noch googeln, woher das Wort „blindbacken“ kommt.

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Ich habe zwei orange- und zwei beigefarbene Schüsseln zum Backen. In der einen hohen orangefarbenen schlage ich immer Eiweiß oder püriere Zeug, die anderen drei haben verschiedene Größen und stehen ineinandergestapelt in einer Schublade. Ich weiß nicht, ob meine Mutter schon mit diesen Schüsseln gebacken hat, ich erinnere mich nicht an das Handwerkszeug, nur noch, dass wir viel gebacken haben und dass immer Margarine in die Teige kam statt Butter. Aber zum Auszug habe ich diese Schüsseln mitnehmen dürfen und seitdem benutze ich sie. Das ist, glaube ich, das erste Mal, dass ich sie im Blog herzeige, denn kein einziges Nahrungsmittel sieht in orangefarbenem oder beigem Plastik gut aus, nicht mal so leuchtende Wunder wie Quark und Zitronenschale. Aber die Schüsseln sind von Mama, sie gehören seit 25 Jahren zu mir und sie werden erst durch weiße oder Metallschüsseln ersetzt, wenn sie von selbst auseinanderfallen.

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Ich muss endlich daran denken, meinen Münchner Mixer zur Reparatur zu bringen. Als ich meine kleine Studentinnenbutze einrichtete, kaufte ich so günstig wie möglich, also auch einen preiswerten Mixer und eine Billokopie meiner geliebten Microplanereibe. An der Reibe habe ich mir fünfmal irgendwelche Finger blutig gerieben, bevor ich sie entsorgte und mir wieder das Original kaufte (seitdem kein Blut mehr im Essen). Wenn ich meine Haushalte wieder zusammenlege, habe ich den Luxus von zwei Reiben – die mit dem grünen Griff aus München werde ich dann nur noch für Zitrusfrüchte nutzen, die mit dem schwarzen Griff aus Hamburg für Käse. Auch den Mixer werde ich doppelt haben, denn auch da habe ich den Billigscheiß nach nur zwei oder dreimal nöligem, weil unkomfortablem Benutzen verschenkt und mir genau den gleichen gekauft, den ich auch schon in Hamburg habe. Aber wo mir der Hamburger seit Jahren treue Dienste leistet, hat der Münchner jetzt leider eine Macke: Er kann nur noch eine Geschwindigkeit, nämlich die höchste, was zwar besser ist als keine Geschwindigkeit, aber beim größeren Mengen Mehl so ziemlich alles einsaut, was in Mixernähe ist. (Meaning: me.)

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Ich liebe Zitronen. Schale, Saft, Kuchen, Limo, Alsterwasser/Radler, meine Güte, gehen mir diese zwei Sprachen auf den Keks. Manchmal rutscht mir in Hamburg ein „SERVUS“ raus, was selten gut ankommt, denn gefühlt mag niemand im Norden die BayerInnen. Das „MOIN“ in München wird eher unbeeindruckt zur Kenntnis genommen, aber man identifiziert mich sofort als Nicht-Einheimische, weswegen ich bei meiner Metzgerin immer doof nachfragen darf, wenn ich ihr tiefes Bairisch nicht verstehe. Ich glaube, sie spricht auch extra langsam für mich. Gut, dass „Zitrone“ überall gleich heißt. Die kann ich nur dann nicht ab, wenn sie in meiner Coke light rumlungert, die ich ab und zu noch in Cafés bestelle – dann landet sie sofort in der Serviette.

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Irgendwann werde ich eine Ode an den Teigschaber dichten.

Festgeschmaddert in der Schüssel
klebt der Teig, aus Mehl und Schmand.
Heute muss der Kuchen werden,
frisch, GesellInnen, seid zur Hand.
Von der Stirne heiß
rinnen muss der Schweiß,
soll das Werk die MeisterIn loben;
doch der Segen … ist der Teigschaber.

Könnte man eventuell noch mal beigehen.

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Die linke Tür im Hintergrund führt in unsere Abstellkammer (eine Mindestanforderung an jede meiner Wohnungen, die in München hat auch eine), die zweite in die Speisekammer. Die Speisekammer ist im Winter gefühlt kälter als der Kühlschrank, aber im Sommer heizt sie kaum auf. Man kann selbst bei 30 Grad Außentemperatur Gemüse in ihr rumliegen lassen, was mich jedesmal verzückt. Direkt nach dem Foodcoaching standen in ihr zwei Schüsseln mit Tomaten und ein paar Nudelpackungen. Nach und nach wurde sie immer voller, ich musste zusätzliche Regalbretter anbringen für die ganzen Köstlichkeiten, dann kamen irgendwann auch noch zwei Weinregale dazu, die quellen auch schon über, Weinregale sind die neuen Bücherregale, kommt, wir machen noch ein paar klassistische Shelfies mit 800 Jahre altem Whisky und Mammutfleisch und Eiswürfeln aus der Antarktis, die besonders knusprig im Kristallglas knistern. Internet. You’re doing it wrong.

Kann endlich mal jemand googeln, woher „blindbacken“ kommt?

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(Edit: Frau Esskultur erklärt mir auf Facebook das Blindbacken, und ich bin noch mehr verliebt: „blindbacken: wie blindtext. also mit einem ersatz für die echte fülle vorbacken, damit [der teig] flach und knusprig bleibt. die blindfülle ist platzhalter für die eigentliche fülle, wie blindtext eben. blindbacken ist quasi das lorem ipsum der küche.“)

Kunst gucken: „Mondrian. Farbe“, Bucerius-Kunst-Forum Hamburg

(Dieser Eintrag steht auch in meinem Zweitblog, in dem die Bilder etwas größer sind.)

Piet Mondrian (1872–1944) dient bei Quengelnden über abstrakte Kunst gerne als Beispiel für „kann ich auch“ oder „was solln das“. Genauer gesagt, sind es seine Kompositionen aus Linien und Farbflächen, die gerne für deppige Bemerkungen herhalten müssen. (Ich quengele lieber über dusselige Produktverpackungen, mag aber das Mondrian-Dress von Yves Saint Laurent sehr gerne.) Auch deswegen fand ich die Ausstellung Mondrian. Farbe im Bucerius-Kunst-Forum sehr gut, weil sie den Weg von Mondrians Landschaften im 19. Jahrhundert zu seinen Gitterbildern ganz einfach nachvollziehbar macht.

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Ausstellungsansicht „Mondrian. Farbe“, Foto: Ulrich Perrey.

In den ersten Räumen sehen wir eben diese Landschaften: Breite Pinselstriche und erdige, unverklärte Farbtöne werden langsam zu leicht abstrahierenden Flächen und Farben. Auch die Szenerie ändert sich fast unmerklich: Wo anfangs noch ein Hauch von Genremalerei zu spüren war, verzichtet Mondrian bald darauf, eine Geschichte erzählen zu wollen, eine Szene zu etablieren: Er schaut, malt, geht weiter. Es geht ihm scheinbar nicht mehr um die reine Abbildung, wenn auch durch seine Augen, sondern um einen flüchtigen Eindruck, der rasch festgehalten werden soll. Licht, Schatten, Nebel, Stimmungen werden wichtiger als das Motiv selber. Die Striche werden flächiger, die Szenerie abstrakter, aber dadurch auch – jedenfalls für mich – stimmungsvoller.

Ich gebe zu, ich bin (noch?) nicht der größte Fan von Landschaftsmalerei; vor Bildern mit Bäumen und Wolken und Seen stehe ich meist etwas ratlos. Das ist alles hübsch, und ich weiß auch um die Entwicklung von Fantasielandschaften in Bildern zu besonders schön angelegten echten, die gemalt wurden, weil sie eben so schön waren, bis hin zu Bildern im 19. Jahrhundert, wo das Zufällige in der Natur plötzlich Motiv war, aber irgendwas will da nicht zu mir sprechen. Ich gucke mir das an, finde es hübsch und habe es zwei Meter weiter wieder vergessen. Deswegen mag ich wahrscheinlich die Landschaften von van Gogh so gerne, weil sie nicht pur abbilden, sondern mir zeigen, was der Maler in ihnen gesehen hat – und das ist deutlich unvergesslicher. Mein Liebling ist der Blick auf Arles (1889), der praktischerweise in der Neuen Pinakothek hängt und vor Farbe, aber auch vor innerem Schmerz nur so strotzt. Das sieht man bei Mondrian nicht; in seinen Bildern spüre ich keine innere Spannung, die sich in Baum- und Himmelsdarstellungen ausdrückt, aber stattdessen ein intuitives Gefühl dafür, was gerade das Besondere in diesem Moment, an diesem Ort ist.

In den Nuller- und Zehnerjahren des 20. Jahrhunderts begann Mondrian, seine Farbpalette zu erweitern: Aus den erdigen, weichen Tönen wurden kräftige Grundfarben, die seine Landschaften völlig veränderten. Das kann man hervorragend in der Ausstellung nachvollziehen, bei der man nicht mal einen Audioguide braucht. An den Wänden und an den Werken selbst stehen knappe, sehr informative Texte, die einem das nötige kunsthistorische Rüstzeug mitgeben. Und selbst wenn man sie nicht durchliest – die Hängung erklärt es genauso nachdrücklich.

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Piet Mondrian: „Zeeuws(ch)e Kerktoren (Kirchturm in Zeeland)“, 1911,
Öl auf Leinwand, 114 x 75 cm, Gemeentemuseum Den Haag.
© 2014 Mondrian/Holtzman Trust
c/o HCR International USA

Mein Liebling war Die rote Mühle (1911) und das obenstehende Werk, der Kirchturm in Zeeland (1911). Bei der Mühle mochte ich den Bildausschnitt; das Motiv muss nicht mehr ganz gezeigt werden, um zu wirken, gerade die Beschneidung macht es so spannend. Und beim Kirchturm gefiel mir die Farbe, die natürlich am Bildschirm nicht annähernd so wirken kann wie im Original. Das ganze Gebäude scheint nur noch aus Farbflächen zu bestehen, die Dreidimensionalität wird nur noch angedeutet; das Objekt ist nicht mehr wichtig, die Farbe ist es. Sonnenuntergangsrosa trifft auf Dämmerungsviolett, das Licht, das durch das Blätterdach fällt, schafft grüne und blaue Flächen, die Fenster der Kirche leuchten türkis, der Boden versinkt schon fast in Nachtblau. Vor dem Bild stand ich mindestens zehn Minuten und wollte es am liebsten mitnehmen.

Schließlich trennte ich mich doch und ging in den ersten Stock, wo genau die Bilder hängen, bei denen man so schön „kann ich auch“ sagen kann (wenn man doof ist). Die chronologische Hängung macht es auch hier ganz einfach, die Entwicklung nachzuvollziehen: von der Komposition im Oval mit Farbfeldern (1914), die noch die Pastelltöne der Landschaften mitzunehmen scheint über die Komposition mit Gitter 8 (1919, ebenfalls im letzten Link zu sehen), die erstmals in der Kunstgeschichte konsequent ein Raster nutzt, um das Bild zu unterteilen – bis hin zu den Kompositionen aus Linien und den drei Grundfarben. Anfangs nutzte Mondrian noch Schattierungen von Grau; es lässt erahnen, dass man Farben modellieren kann, um aus ihnen Körper entstehen zu lassen. Zum Schluss verzichtet Mondrian auch darauf – er konzentriert sich auf die Grundfarben, Weiß und Schwarz. Die einzige „Körperlichkeit“, die noch zu ahnen ist, sind die verschiedenen Richtungen, in die der Pinselstrich geht, der so eine kleine Dynamik in der Strenge erzeugt.

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Piet Mondrian: „Komposition mit Blau und Gelb“, 1932, Öl auf Leinwand, 45,4 x 45,4 cm, Denver Art Museum.
© 2014 Mondrian/Holtzman Trust
c/o HCR International USA

Leider nicht in der Pressedatenbank: die Komposition mit Linien und Farben III (1937), die ich persönlich am liebsten mochte. Auch vor diesem Bild stand ich gefühlt ewig rum, während hinter mir die BesucherInnen kurz anhielten, guckten, innerlicher Monolog wahrscheinlich: „Linien, blaues Rechteck, alles klar, hab ich, weiter“ und zum nächsten Bild gingen. Klar kann man so auf abstrakte Bilder gucken und ich gebe zu, auf die meisten neuen Richter-Bilder gucke ich inzwischen so. (Mein derzeitiges Lieblingsspiel in jedem zeitgenössischen Museum: Spot the Gerhard Richter. Funktioniert immer. Kurz den Blick schweifen lassen, ah, da hinten hängt er, alles klar, hab ich, weiter.) Man kann aber eben auch gefühlt ewig davor stehen. Mir ist bei diesem Bild zum ersten Mal aufgefallen, dass ich abstrakte Bilder genauso angucken kann wie nicht-abstrakte. Bei einem Raffael gucke ich immer nach der Feinheit des Heiligenscheins, nach den Augen und Lippen. Bei van der Weyden achte ich auf Hautgestaltung, Handhaltung, Faltenwurf der Kleidung. Bei einem van Gogh vertiefe ich mich in Pinselstrich und Farbauftrag. Und bei diesem Mondrian war ich damit beschäftigt, die Linienstärke zu betrachten, die nicht überall gleich ist. Ich habe geschaut, ob alle Linien bis an den Bildrand gehen (gehen sie nicht). Wie dicht sie aneinander liegen bzw. wie weit auseinander. Wo kreuzen sich Linien, wo stoßen sie nur aufeinander? Das Bild hat mir durch die intensive Betrachtung die gleiche innere Ruhe bzw. Transzendenz vermittelt wie die angesprochenen Raffaels und van der Weydens, vor denen ich ähnlich lange stehe und mich schlicht in ihnen und ihren Details verliere. Das habe ich selten vor einem abstrakten Gemälde, und daher war ich freudig überrascht, als ich entdeckte, dass das auch möglich ist.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 11. Mai, ist täglich von 11 bis 19 Uhr (Donnerstags bis 21 Uhr) geöffnet und kostet 8 Euro Eintritt (ermäßigt 5, für Kunstgeschichtsstudis und alle unter 18 frei). Auch den Katalog kann ich empfehlen; die Bilder sind nicht ganz so toll, wie ich sie gerne hätte, aber die Texte fand ich sehr aufschlussreich und lesenswert. Den Audioguide kann man sich übrigens schon vor dem Besuch runterladen.

Zur Malware-Anzeige der letzten Tage

Seit Mittwoch stand hier eine Warnung von Google vor Malware auf meiner Site. ankegroener.de hat nie Malware gehostet, und wir hatten bereits am Donnerstag die Seite von allem kritischen Zeug gereinigt. Falls ihr also seitdem die Warnung von Google ignoriert habt, war das völlig in Ordnung, und ich habe auch auf Twitter bereits seit Freitag wieder ein Okay gegeben.

Wir haben trotzdem noch zwei Tage gewartet, um die Situation zu beobachten und erst am Samstag an Google die Anfrage gestellt, die Seite nicht mehr als infiziert zu melden. Das ist im Laufe des gestrigen Abends dann geschehen.

Willkommen zurück.

Let it go

Was mir meine Gesangslehrerin seit langem versucht abzugewöhnen, ist mimisches Quengeln. Ich neige dazu, nach jedem Lied den Mund zu verziehen, denn besser geht’s immer und Frau Gröner, die Streberin aller Streberinnen, will es gefälligst perfekt hinkriegen. Neben „Mund verziehen“ kann ich noch „nölig ausatmen“, „verächtliche Handbewegung machen“ oder alles zusammen. Martina meinte irgendwann nach jedem Stück: „Nein, du machst jetzt nichts. Du stehst da jetzt gefälligst einfach mal rum, atmest normal und machst gar nichts. Wenigstens für ein paar Sekunden. Das war nämlich gut, auch wenn du das nicht glaubst.“ Nicht sie ist es, die mich dafür anpault, wenn ein Ton nicht klang wie einer von der Callas, sondern ich. Ich und mein völlig überzogener Anspruch an meine Leistung, die nicht mal eine sein muss, denn ich bin zum Spaß hier und nicht, weil ich damit Geld verdienen muss. Nach dem Kommando „Hab Spaß“ kann ich übrigens auch prima den Mund verziehen, nölig ausatmen und verächtliche Handbewegungen machen.

Das mache ich seit ein paar Monaten nicht mehr – oder wenigstens deutlich weniger. Was ich stattdessen mache, ist loszulassen (ich schrieb schon mal darüber) und mir und meinem Körper zu vertrauen. Der weiß nämlich, wie das geht mit dem Singen, und wenn ich ihn lasse, dann klingt es ziemlich okay. Oder gut. Oder toll, weiß ich nicht, ich bin eventuell mit verächtlichen Handbewegungen beschäftigt. Aber es wird wirklich weniger. Inzwischen kann ich mich breit grinsend freuen, wenn ich Oper gesungen habe. Denn gerade die wirft mich in ein Dutzend Gefühle auf einmal, und ich glaube, mein innerer Mechanismus, der alles schlecht machen will, kommt einfach nicht mehr hinterher damit, wie er sich jetzt gefälligst zu fühlen habe. Zuerst habe ich Angst, denn es ist schließlich PucciniMozartBizet. Dann kommen die ersten Töne, da taste ich meistens noch etwas rum, bin noch nicht richtig da, werde quengelig, es ist schließlich PucciniMozartBizet, dann geht’s das erste Mal richtig nach oben, das wackelt gerne etwas und ich werde vor Ehrfurcht atemlos, ES IST SCHLIESSLICH PUCCINIMOZARTBIZET, aber interessanterweise stürzen keine Wände ein, wenn ich einen hohen Ton singe, keine Nachbarn klingeln, meine Lehrerin bekommt keinen Herzinfarkt und es sterben keine Katzenbabys. Ich kann hier stehen und singen, und alles, was passiert, ist, dass ich hier stehe und singe. Aber das musste ich erst hundertmal machen, bevor ich es geglaubt habe.

Was passiert, wenn ich mich machen lasse? Ich halte die Töne nicht fest, so dass sie am Ende irgendwie gequetscht klingen, sondern lasse sie frei. Ich musste mich daran gewöhnen, sehr laut zu sein, und ich muss mich immer noch daran gewöhnen, die Kontrolle abzugeben. Es fällt mir überhaupt nicht schwer, da oben im zweigestrichenen Bereich rumzuturnen, aber ich will das alles festhalten, was ich da mache, ich will es nicht hergeben, ich will es kontrollieren, denn vielleicht sterben doch Katzenbabys, wenn ich es nicht tue. Wahrscheinlich muss ich es erst tausendmal machen, bevor ich es WIRKLICH glaube. Ich arbeite daran.

Musicals sind wieder was anderes. Die klingen nicht nach Kopfstimme, wie ich sie in der Oper einsetze – die klingen nach viel Kraft. Hier kann ich noch weniger loslassen, denn die Bruststimme sitzt viel zu nahe an mir und meinem Herzen dran, als dass ich sie einfach machen lassen kann. Hier halte ich noch mehr fest und will noch mehr kontrollieren. Und was ich dagegen tue, widerstrebt mir komplett, aber es funktioniert blöderweise: Ich singe, so albern ich kann.

Ich HASSE es, auf Kommando albern zu sein. Ich nehme diesen Singkram viel zu ernst, als dass ich mal eben die großen Powerballaden wie Defying Gravity (oder auch die Klassik) veralbern könnte. Aber so geht’s immer, und so ging’s auch vorgestern. Ich erzähle meiner Lehrerin, wie mein Tag so war: „Something has changed within me / Something is not the same / I’m through with playing by / the rules of someone else’s game“ und ignoriere dabei, dass ich von „the“ zu „rules“ mehr als einen Oktavsprung nach oben mache. Und ich achte beim „me“ darauf, dass ich kein kleines I-Mündchen mache und „miii“ singe, sondern mehr so „meh“. Und bei „game“ hänge ich nicht auf dem blöden M rum, sondern schön auf dem A und halte das gefälligst nicht fest, sondern lasse es los. Und zwar, während ich die Arme ausgebreitet habe, als ob ich Obelix umarmen wollte, mit den Händen wackele wie Jim Knopf und mir vorstelle, dass mein Kopf an einer Schnur hängt, die mich kerzengerade hält. Wenn ich zum Playback singe, also nicht am Klavier begleitet werde, hat Martina Zeit, meine Gesprächspartnerin zu sein. Wenn ich ihr also albern rumzappelnd erzähle, dass something in mir gerade gechanged hat, kommt von ihr mittendrin ein „Ach was?!“, damit ich bloß nicht wieder anfange, das ernst zu nehmen, was ich da mache. „Echt? Erzähl mir mehr. Voll spannend!“ Und irgendwann fühlt es sich dann wirklich wie ein Frauenabend mit zu viel Rotwein an, wo man über die Jungs lästert, anstatt wie die große Ballade, die beschreibt, das ab jetzt alles verdammt noch mal anders wird, BIG TIME, BABY.

Vielleicht gerade, weil es mir fürchterlich gegen den Strich geht, hat mein Körper vorgestern einen guten Tag gehabt. Normalerweise gehe ich spätestens beim c” in die Kopfstimme – heute ging auch das e” noch mit der Bruststimme. Ohne dass ich es wollte, ohne dass ich es darauf angelegt hatte, es kam einfach so und zwar, weil ich rumgealbert habe und so damit beschäftigt war, über mich selbst zu lachen, dass ich keine Zeit mehr hatte, irgendwelche Töne festzuhalten, die anscheinend dringend von mir wegwollten.

Das war allerdings deutlich anstrengender als sonst. Ich hatte zum ersten Mal mitten im Lied das Gefühl, dass ich mich jetzt gerne setzen und einen Schnaps trinken wollte, aber ich habe mit Playback gesungen und das zieht mich immer irgendwie mit. Als der herrliche Kampfschrei zum Schluss durch war, war ich es auch, und obwohl sich meine Schultern zwei Meter breit anfühlten und die Energie meiner Endorphine wahrscheinlich eine durchschnittliche Großstadt hätten beleuchten können, war ich nicht so euphorisch wie sonst, sondern eher: „Ach, so kann sich das anfühlen. Cool!“

Als Rausschmeißer haben wir einen anderen Liebling von mir gesungen, Can’t help lovin’ that man of mine. Und wo ich eben noch unglaublich laut und kraftvoll war, war ich jetzt ganz klein und kuschelig, so klein und kuschelig war ich noch nie, und ich habe ungefähr fünfzehnmal mitten im Lied entweder „wow“ gesagt oder angefangen zu heulen, weil es so unfassbar gut klang. Ich habe alle Töne losgelassen, die noch da waren; ich war so fertig von Defying Gravity, dass ich keine Kraft mehr hatte, irgendwas machen zu wollen, irgendwie zu arbeiten, zu pushen, zu meckern, ich habe nur noch machen lassen und es war großartig. Als das Lied vorbei war, habe ich nicht nölig geatmet und keine verächtliche Handbewegung gemacht, weil ich zum ersten Mal in den zweieinhalb Jahren, in denen ich jetzt wieder singe, das Gefühl hatte: So soll’s sein. So soll sich’s anfühlen.

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HA „Jenseits von Geschlechternormen“

Passend zum heutigen Thementag „Stark. Kühn. Weiblich“ auf 3sat, von dem hoffentlich einiges in der Mediathek landen wird, kriegt ihr hier mal wieder eine Hausarbeit von mir zu lesen. Meine erste Geschichtshausarbeit! Also die erste seit 20 Jahren.

Die Arbeit befasst sich mit dem Frauenwahlrecht in England bzw. den verfassungskonformen und den militanten SuffragistInnen, und natürlich hätte ich ungefähr das zehnfache schreiben können (und wollen). Ich habe in der Arbeit ein paar formale Fehler gemacht, die ich hoffentlich alle korrigiert habe; ansonsten fehlten meiner Dozentin noch ein paar Namen von Historikern und Historikerinnen, deren Thesen ich zwar anführe, sie aber nicht benenne und dazu eine kleine Auseinandersetzung mit eben diesen Thesen. Äh … stimmt. Jetzt wo sie’s sagt, sehe ich’s auch. Mache ich beim nächsten Mal besser. Außerdem fehlten ihr ein paar winzige Belege. Ich freue mich trotzdem sehr über eine 1,3 und wünsche euch ebenso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben hatte.

Die Seele von Dingen

Das schwarze Obstmesser, das ich im Supermarkt neben der neuen Agentur gekauft habe, als ich mir zum Mittag wie immer Obst schneiden wollte und feststellte, dass es in dieser Agentur kein vernünftiges Obstmesser gab. Also kaufte ich ein Obstmesser, benutzte es, wusch es direkt danach ab und legte es in meine Schreibtischschublade bis zur nächsten Mittagspause.

Das Messer begleitete mich danach durch drei weitere Agenturen, in denen ich fest oder frei war. Es kam am ersten Tag mit in die Agentur, wenn die Buchung begann, wohnte in meinem Schreibtisch und kam mit mir wieder nach Hause, wenn die Buchung vorbei war.

Zuhause steht es mit vielen anderen Messern in einem Blumentopf, aber ich habe es hier noch nie benutzt.

Der gelbe Textmarker, den ich gegenüber dem Hauptgebäude der Universität in München gekauft habe. Der letzte Textmarker, den ich mir davor kaufte, war auch gelb und das Kaufdatum muss Mitte der 90er Jahre gewesen sein, als ich in Hannover studierte oder zumindest körperlich in der Uni anwesend war. Mit dem Abbruch des Studiums brauchte ich kein Federmäppchen mehr, ich legte es in meinen Bisley zum Briefpapier, das ich zum letzten Mal mit 16 benutzt hatte, und zu den Schulheften aus der DDR und der Tschechoslowakei, die ich kiloweise gekauft hatte, weil sie so billig waren und die bis heute im Bisley liegen.

In der Kneipe und im Kino reichten, wenn ich mich richtig erinnere, immer Werbekulis. In der Agentur brauchte ich erstmals wieder einen Textmarker und ging dafür in das gut gefüllte Lager, in dem Geschäftspapiere in allen Größen lagen, Umschläge, Aktenordner und alles, was man so in Schreibtischschubladen findet. Der erste Gang in jeder neuen Agentur ging immer in diesen Raum und ich nahm immer Post-its, einen Kuli, einen Rotstift und einen gelben Textmarker mit.

Als ich knapp 20 Jahre später nach dem ersten Versuch wieder zur Uni ging, erinnerte ich mich an mein Federmäppchen, nahm es aus dem Bisley und entdeckte den gelben Textmarker. Er hielt noch ein Semester lang durch und wurde dann in einem Copyshop durch einen anderen gelben und einen grünen ersetzt.

Das Sonntagsgeschirr meiner Großeltern ist weiß, hat einen Goldrand und reicht für acht bis zwölf Personen, je nachdem welche Teller man braucht. Als meine Oma starb, blieb es zunächst bei Opa, der es kaum noch benutzte; als er schließlich auch starb, war es meins. Ich bewahrte es in Hannover in einem alten Schrank auf, der ebenfalls von meinen Großeltern stammt. Als ich 1999 nach Hamburg zog, kam das Geschirr mit: Ich zog in eine 30 Quadratmeter kleine Wohnung, in die vier Ikearegale passten, meine Schlafcouch und mein Schreibtisch. Und das Sonntagsgeschirr meiner Großeltern für acht bis zwölf Personen, für die in der Wohnung nicht mal ansatzweise Platz gewesen wäre.

Das Bild von Karl und mir, das gerahmt im Esszimmer steht.

Mein Teddybär.

Luise, die ein bisschen schuld daran ist, dass ich Kunstgeschichte studiere.

Mein Nasenring, der seit 28 Jahren meinen linken Nasenflügel ziert und das auch noch tun wird, wenn ich irgendwann tot bin und verbrannt werde.

Zehn Fragen, zehn Antworten

Seit gefühlten Monaten geistert dieses Stöckchen durch die Blogs – irgendjemand stellt dir zehn Fragen und du solltest theoretisch zehn neue an zehn weitere Menschen stellen. Und ich sitze hier und warte und sitze UND WARTE und niemand schmeißt nach mir! Ich war menschlich zutiefst enttäuscht von der ganzen Blogosphäre, die doch nach fast zwölf Jahren bravem Bloggen wissen sollte, wie gerne ich Fragebögen beantworte. Endlich hat sich Tinowa meiner erbarmt und mir gestern abend was hingeworfen. Das hier nämlich:

1. Wie organisierst Du Dein Schreiben im Blog?

Ich verstehe die Frage nicht ganz – was muss man denn beim Schreiben organisieren? Ich schreibe halt los, wenn ich was zu sagen habe. Bei den meisten Einträgen weiß ich, wo ich hin will, die schreiben sich dann recht zielgerichtet. Bei anderen merke ich erst beim Tippen, was ich eigentlich mitteilen möchte; die werden dann gerne stunden- oder tagelang überarbeitet, bis sie so klingen, als hätte ich von Anfang an gewusst, wo ich hin will. Ich kann mich aber auch durchaus an Artikel erinnern, bei denen ich mittendrin dachte, ach, das will doch eh keiner wissen bzw. das will ich doch nicht mit der Öffentlichkeit teilen, die ich dann gelöscht habe. Das waren aber sehr wenige.

Oder geht es um die Zeit, die ich mir fürs Blog nehme? Die nehme ich mir nicht, die habe ich. Und wenn ich sie nicht habe, wird nicht gebloggt. Den inneren Druck, den ich mir früher gemacht habe („… und immer an die Leser denken“), habe ich schon längst abgelegt. Ich muss hier mal gar nix.

2. Gibt es digitale Tools, Die Dir bei Deiner Arbeit essentiell weiterhelfen? Welche?

Wenn meine Arbeit Werbung ist, ist das Internet zur Informationsbeschaffung wichtig (Google, Wikipedia, Kundenwebsites), wenn die Uni meine Arbeit ist, der digitale Bibliothekskatalog der UB oder Stabi (Buchsuche), verschiedene Datenbanken (zum Beispiel Kubikat und jstor für Kunstgeschichte, Historical Abstracts für Geschichte) und Twitter (dumme Fragen zu Zitatregeln, Fußnoten und Layout in Hausarbeiten).

Wenn du mit digitalen Tools sowas wie Endnote oder Papers meinst – kapiere ich beides nicht. Endnote habe ich mir im ersten Semester zugelegt (bekommen wir von der Uni umsonst), fand es aber extrem benutzerinnenunfreundlich. Für Papers habe ich im zweiten Semester Geld ausgegeben, fand es freundlicher, aber für mich immer noch seltsam überflüssig. Ich bin es durch die Arbeit in der Werbung gewohnt, mit langen Texten auf vielen Seiten umzugehen, die vor vielen verschiedenen Inhalten strotzen, die alle übersichtlich kommuniziert werden müssen. Vielleicht komme ich deswegen ziemlich problemlos mit den Hausarbeiten, ihren Fußnoten und meinem Berg an Literatur klar. Vielleicht ändert sich das aber auch gnadenlos während der Bachelorarbeit. Wir werden sehen. Momentan nutze ich Word, meinen Kopf und eine übersichtliche Ordnerstruktur auf dem MacBook.

3. Wie kann man sich Deinen typischen Arbeitsplatz/Schreibtisch vorstellen?

Aufgeräumt. Ich hasse es, im Chaos zu arbeiten. Ich kann im Chaos rumlungern und lesen und Serien gucken und Kekse essen, aber ich kann darin nicht arbeiten. Meine Schreibtische sind derzeit Esstische, einer in Hamburg und einer in München. Normalerweise steht auf ihnen Dekozeug, aber wenn sie zum Schreibtisch werden, kommen Tischläufer und Vasen weg und alles, was dann noch auf ihnen steht, sind mein Rechner, die ganzen Unterlagen, die ich brauche, Teekanne, Teetasse, Stövchen, Milchkännchen. Okay, in München steht auch noch ein goldener Glitzerhirsch rum, der wohnt da halt.

4. Mach ein Foto von Deiner aktuellen Lektüre!

lesestoff

Den Darnton lese ich erst seit gestern, mit dem Unendlichen Spaß habe ich im November angefangen, glaube ich. Das Ding ist LAAAAANG. Aber es wird allmählich TOOOOOLL. Während des Semesters lese ich unglaublich viel für die Uni; seit diesem Semester, in dem Geschichte mein Nebenfach ist und nicht mehr Musikwissenschaft, sogar noch mehr. Ich wollte gerade schreiben, dass ich so gut wie nichts mehr zum Vergnügen lese, aber das ist Blödsinn: Alles für die Uni ist immer noch ein großes Vergnügen. Es führt allerdings dazu, dass ich selbst abends im Bett nicht mehr lesen möchte, was eigentlich seit Jahrzehnten mein liebstes Einschlafritual ist.

5. Hast Du ein Lieblingszitat? Welches?

„Sometimes too much to drink is barely enough.“

Angeblich von Mark Twain, aber dem wird ja jedes zweite Zitat im Internet zugeschrieben; alle anderen sind von Ambrose Bierce oder Gandhi. Ich habe natürlich auch eine Batterie an motivierenden, gut gelaunten Zitaten im Hinterkopf, aber wenn ich motiviert und gut gelaunt bin, brauche ich keine Zitate, und wenn ich unmotiviert und schlecht gelaunt bin, will ich erst recht nicht, dass mich Twain, Bierce oder verdammt noch mal Gandhi vollquatschen. Aber ich finde es beruhigend zu wissen, dass auch Herr Twain (oder sonstwer) sich ab und zu mal aus therapeutischen Gründen die Lichter ausschießt. Mache ich inzwischen sehr selten (man wird ja nicht jünger), aber manchmal muss das sein, dieses Sich-selbst-weh-tun, damit irgendwas anderes weniger weh tut.

6. Machst Du mit Deinem Handy Fotos oder Videos? Wenn ja, was zeigen diese zumeist?

Die Videos, die ich mit meinem Handy gemacht habe, kann ich an einer Hand abzählen. Das ist überhaupt nicht mein Medium. Auf meinen Fotos sind geschätzt zu 90 Prozent Essen, Weinflaschen oder Bücher zu sehen.

7. Auf welches Kommunikationsmedium könntest Du am wenigsten verzichten?

Internet bzw. Mails und Twitter. Gibt’s noch was anderes?

8. Gib uns einen Tipp, welche Veranstaltung man 2014 auf keinen Fall verpassen sollte!

Die Veranstaltungen, auf die ich persönlich mich schon sehr freue, sind die Fußball-WM, das Oktoberfest und der „Ring“ in Bayreuth. Ansonsten beglückwünsche ich mich seit drei Semestern für den Studienstandort München: bayerische Feiertage sind echt großartig. Super-Veranstaltungen!

9. Wenn Du für ein Projekt Deiner Wahl drei Jahre frei gestellt und voll finanziert wärst, was würdest Du machen?

Den Master in Kunstgeschichte. Mit einem Freisemester mittendrin, in dem ich nichts anderes mache, als mir Museen und Kirchen in ganz Europa anzugucken. (Und mich durch alle Weinkeller Europas zu trinken.)

10. Was wärst Du gerne von mir gefragt worden? Beantworten darfst Du diese Frage gleich mit.

In einem der Fragebögen, die niemand nach mir geworfen hat, stand die schöne Frage, was Oma oder Opa an guten Ratschlägen hatten. Da musste ich sofort an meine Oma denken, die immer, wenn meine Schwester und ich als Kinder bei ihr im eisigen Schlafzimmer übernachteten, launig sagte „Kopf kalt, Füße warm, macht den besten Doktor arm“, während sie die braune Steinhängerflasche an unsere Füßchen schob, die mit heißem Wasser gefüllt und mit einem Handtuch umwickelt war.

Bis heute schlafe ich in kalten Zimmern und achte brav darauf, dass meine Füße warm sind.

Nein, Internet, du kriegst keine neuen zehn Fragen. Ich bin immer noch eingeschnappt!

< quote >

„Aber das war beim besten Willen nicht der Film James O. Incandenzas, den die Zuschauer am meisten hassten. Der meistgehassteste Incandenzafilm, ein in der Länge variierender Streifen mit dem Titel Der Witz, kam nur ganz kurz in die Kinos und auch damals nur in die wenigen übrig gebliebenen Prä-InterLace-Programmkinos im studentischen Milieu etwa von Cambridge, Massachusetts, und Berkeley, Kalifornien. Und begreiflicherweise zog man bei InterLace auch nie in Betracht, ihn in den Puls-Order-Katalog aufzunehmen. Auf den Vordächern, Plakaten und in den Anzeigen, mit denen die Programmkinos für den Film warben, musste sinngemäß stehen „DER WITZ“: Sie sind gut beraten, wenn Sie nicht noch Geld dafür berappen, diesen Film zu sehen, was Programmkinohabitués naturgemäß für eine raffinierte ironische und werbekritische Pointe hielten, also berappten sie für die papiernen Eintrittskärtchen, marschierten in ihren Pullundern, Tweedjacken und Dirndlkleidern hinein, betankten sich an der kleinen Bar mit Espresso, suchten ihre Plätze, setzten sich und brachten wie immer vor einer Filmvorführung Beine und Oberkörper in die ideale Haltung, sahen sich mit dieser spezifischen leeren Aufmerksamkeit im Kino um und sagten sich, dass die Bolex-H32-Kameras mit den drei Objektiven – die eine von einem gekrümmt dastehenden alten Hünen gehalten und die andere komplex fixiert auf dem überdimensionierten Kopf eines Jungen mit komischer Vorwärts-Krängung, dem anscheinend ein Stahlspieß aus dem Brustkorb ragte –, die Stammgäste sagten sich, dass die großen Kameras unten neben den rot beleuchteten EXITS zu beiden Seiten der Leinwand vielleicht Werbe- bzw. Antiwerbezwecken oder einer metafilmischen Making-Of-Dokumentation oder so dienten. Jedenfalls bis das Saallicht runtergedimmt wurde, der Film anfing und auf der großen Leinwand nur eine Weitwinkelaufnahme ebendieser Programmkinobesucher zu sehen war, die mit ihren Espressi hereinkamen, ihre Plätze suchten, sich setzten, umsahen, zurechtruckelten und den Partnerinnen mit den Glasbausteinen auf den Nasen kenntnisreiche kleine Prä-Film-Kommentare über den Zahlen-Sie-nicht-für-das-hier-Slogan und die mutmaßliche künstlerische Signifikanz der Bolex-Kameras zuraunten, sich auf den Film einstellten, während das Saallicht runtergedimmt wurde, und die Leinwand ansahen (und damit sich selbst, wie sich herausstellte) mit der kaltlächelnden Gespanntheit auf anspruchsvolle Unterhaltung, ein Lächeln, das dann, wie die Kameras und die Projektion ihrer Aufnahmen auf die Leinwand zeigten, aus den Mienen der Zuschauer schwand, als diese mit immer weniger gespannten und zunehmend leeren, dann verwirrten und schließlich vergnatzten Mienen reihenweise sich selbst beim Sichselbstansehen sahen. Die Gesamtlaufzeit von Der Witz endete immer genau dann, wenn auch der letzte Stammgast, der mit übereinandergeschlagenen Beinen im Kino ausgeharrt und sein vergrößert auf die Leinwand projiziertes Bild angesehen hatte, das mit diesem spezifischen Degout eines angewiderten und sich geneppt fühlenden Programmkinostammgasts auf ihn herabsah, gegangen war, was am Ende zwanzig Minuten nur überschritt, wenn Kritiker oder Filmwissenschaftler im Publikum saßen, die mit endloser Faszination beobachteten, wie sie sich beim Notizenmachen beobachteten, und erst gingen, wenn sie der Espresso schließlich aufs Klo zwang, was für Ihn Selbst und Mario das Zeichen war, Kameras, Objektivtaschen und Koaxialkabel hektisch zusammenzupacken und wie der Teufel zum nächsten Interkontinentalflug von Cambridge nach Berkeley oder von Berkeley nach Cambridge zu rennen bzw. zu wackeln, schließlich mussten sie ja an beiden Orten rechtzeitig zu den Vorführungen alles aufgebaut haben und verbolext sein. Mario sagte, Lyle hätte gesagt, Incandenza hätte ihm im Vertrauen erzählt, ihm gefiel es gerade, dass Der Witz von so öffentlicher Stasis, Schlichtheit und Blödheit sei, und die wenigen Kritiker, die den Film mit dem weitschweifig vorgetragenen Argument verteidigten, die schlichte Stasis beinhalte gerade die ästhetische These des Films, wären wie immer total auf dem Holzweg.“

David Foster Wallace (Ulrich Blumenbach, Übers.): Unendlicher Spaß,* Köln 2011, S. 569–571 von 1899 (eBook).

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Links vom 22. Februar 2014

Mützen Müssen

Herr Buddenbohm war mit Sohn I und II beim Mützenmacher.

„Das ist natürlich nicht irgendwas, so eine liebevoll hergestellte Mütze. Das ist DIE Mütze, speziell für genau dieses Kind aus genau dieser Stadt, persönlich hergestellt vom Mützenspezialisten. Mit Erklärungen und Live-Arbeit. Es sieht aus, als würden die Kinder vor dem Laden vor Stolz platzen, als sie die Mützen aufsetzen. Ganz gerade gehen sie und sehen dabei ab und zu hoffnungsvoll zum Himmel, denn der Meister hat ihnen gesagt, dass die Mützen erst dann ganz richtig passen, wenn sie im Hamburger Nieselregen zwei-, dreimal ordentlich nass geworden sind. Und ausgerechnet heute regnet es nicht, auf gar nichts kann man sich mehr verlassen in dieser Stadt.“

Techniktagebuch

Das kannte ich noch gar nicht, das Techniktagebuch. Felix hat es gestern verlinkt, und ich liebe den Untertitel: „Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!“

Andrew Strong

Dann hatte ich plötzlich Take me to the river im Ohr, twitterte die Talking-Heads-Version, erinnerte mich aber auch an den wunderbaren Film The Commitments und googelte mal nach dem Sänger. Der klingt immer noch so toll wie früher, auch wenn seine Hörproben arg mainstreamig sind. Aber ich mag ja mainstreamig.

ZEITmagazin-Wochenmarkt

Und dann freue ich mich noch über meine zweite Kolumne im ZEITmagazin.

zeitmag Kopie

Ein biografisches Dankeschön …

… an Marie Sophie, die mich mit Marieluise Fleißer. Eine Biographie* von Hiltrud Häntzschel überraschte. Von Fleißer habe ich letztes Jahr Fegefeuer in Ingolstadt an den Münchner Kammerspielen gesehen, das mich sehr beeindruckt hat. Ich war nach dem Stück hin und weg von den Möglichkeiten des Theaters und gleichzeitig von der schlichten und gleichzeitig kraftvollen Sprache Fleißers. Daher stehen ein paar Werke auf meinem Wunschzettel – und eben ihre Biografie, denn die klang genauso spannend wie ihre Texte. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

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American Hustle

Die ersten 20 Minuten ist mir der Film ziemlich auf den Zeiger gegangen, weil ich so mit den Kostümen, Frisuren und Möbeln beschäftigt war und kaum auf die Handlung achten konnte – die 70er Jahre überwältigen mich einfach zu sehr mit ihrem „Guck mich an, ich bin ein riesiger Kragen, eine 50-Zentimeter-Föhnwelle, ein Ausschnitt bis zum Bauchnabel und ein Soundtrack mit 70 Instrumenten“. Aber dann fängt American Hustle an, richtig gut zu werden, was er bis dahin wahrscheinlich auch schon war, aber ich war eben abgelenkt.

Christian Bale und Amy Adams spielen ein Con-Artist-Pärchen, auf das irgendwann ein Kriminalbeamter (Bradley Cooper) aufmerksam wird, der die beiden aber nicht verknacken, sondern ihre Fähigkeiten zu seinen Gunsten nutzen will. Aus den Kriminellen werden also kurzfristig Menschen, die im Sinne des Gesetzes arbeiten, wenn auch mit ihren alten Mitteln. Oder etwa nicht? Was an American Hustle so toll ist: Man weiß nie so genau, wer jetzt mit wem und warum und wogegen. Eigentlich sollten die Fronten geklärt sein, aber Herr Bale hat noch eine Ehefrau (Jennifer Lawrence), die mit Frau Adams nicht so klarkommt, Frau Adams ist gar keine Britin und vermutlich nicht in Herrn Cooper verknallt, was dieser aber glaubt, der hat zudem auch noch einen Menschen im Hintergrund, und dann gibt es noch seinen Vorgesetzten, der gar nicht so rüberkommt und dauernd eine moralische Geschichte übers Eisangeln anbringen will, was mit zu den seltsam-schönsten Dialogen gehört, die ich kenne. Der Film ist viel mehr als nur eine kleine Story mit viel Augenpulver drumrum, sondern erzählt von Lebensentwürfen und -träumen, dass Gut und Böse sehr nahe zusammenliegen können und vieles gemeinsam haben und dass es im Endeffekt egal ist, wer oder was man ist, Hauptsache, man ist nicht alleine.

Everyone I have ever slept with

(Überschrift natürlich geklaut bei Tracy Emin)

Du warst im Zug in ein anderes Land und ich dachte, ich wäre in einem Zug in ein anderes Leben und für den Weg zwischen Nürnberg und Wien waren wir zusammen und ich weiß nicht mehr, wie du heißt.

Du warst der mit der Freundin und dem geradeschlussgemacht, dem Hotelzimmer, dem Shirt von ihr, das ich jetzt trug, und dann warst du die Freundin mit dem geradeschlussgemacht, die ihr Shirt wiederhaben wollte und dem Abend, an dem wir viel redeten und viel tranken und du hast nach Erdbeersekt geschmeckt und ich habe dir die Haare gehalten und dir das Shirt wiedergegeben.

Du warst eine Feder, du hattest Flügel, ich hatte noch nie so wenig Gewicht auf mir und du hattest zarte, leichte Flügelfinger und einen weichen, geflügelten Rücken und das Licht war zart und leicht und weich und hatte Flügel und ich hatte sie auch.

Du warst derjenige mit der anderen Augenfarbe.

Du warst eine Party, auf die ich nicht wollte, ein Song, den ich nicht mochte, ein Bier, das nicht schmeckte und ein Auto, das nur Blödmänner fahren.

Du warst ein Geheimnis, das keines war, und du hast mir einen Brief geschrieben, von dem ich bis heute bereue, dass ich ihn irgendwann weggeworfen habe.

Du warst der, der plötzlich weg war. Du warst ausgefranst, unscharf. Ich wiederholte ein Best-of unserer Momente in meinem Kopf, aber es hörte immer mittendrin auf. Ich wartete jahrelang auf die Fortsetzung, aber sie kam nicht. Deine Bilder waren wie eine alte Videokassette, die immer schlechter wurde, je öfter man sie abspielte.

Du warst eine Überraschung und du trägst einen Namen, den ich viel zu oft in meinem Leben gehört habe, aber das wusste ich damals noch nicht.

Du warst der, bei dem ich sicher war.

Du warst der, der mir weh tat.

Du warst die Einsamkeit.

Du warst die Neugier.

Du warst ein fremdes Land und eine fremde Sprache und gleichzeitig derjenige, bei dem man beim „Hallo“ wusste, wo die Geschichte enden wird und ich habe „Hallo“ gesagt, weil ich sie genau dort enden lassen wollte.

Du warst der, bei dem jemand anders sagte, du wärst der für mich, und das warst du auch, aber ich war plötzlich nicht mehr ich und deswegen warst du plötzlich nicht mehr du und ich googele immer noch nach dir und gucke bei Maps, wo du wohnst.

Du warst der mit den Händen.

Rez: „Ein Bild sagt mehr als tausend Pixel“

Ich hatte am Wochenende schon auf Twitter auf den Aufsatz Ein Bild sagt mehr als tausend Pixel? Über den Einsatz digitaler Methoden in den Bild- und Objektwissenschaften von Ruth Reiche, die auch twittert, und Celia Krause hingewiesen. Da ich aber glaube, dass der Hinweis alleine dem wie ich finde spannenden Text nicht gerecht wird, meine ich jetzt noch ein bisschen rum. Das wird keine wissenschaftliche Auseinandersetzung (dann dürfte ich auch nicht zur Wikipedia linken), sondern mal wieder ein Zusammenführen von Dingen, über die ich unter anderem im bisherigen Studium gestolpert bin. Ihr guckt mir also quasi beim Denken zu. Theoretisch könnte ich über jeden Text, den ich für die Uni lese, einen derartigen Blogbeitrag schreiben, denn für mich ist immer noch alles neu und toll und aufregend, und ich freue mich bei jedem Text über Wissensinseln, die mir bekannt vorkommen und an denen ich andocken kann.

Krause und Reiche wollen mit ihrem Aufsatz „die mit Bildern arbeitenden Wissenschaften in der Landschaft der Digital Humanities verorten“, indem sie „aktuelle Potentiale der Bildverarbeitung ausloten“ und „die Arbeit mit digitalen Bilddaten ansprechen“ (1). Sie beginnen mit einem Vergleich zwischen Text- und Bildwissenschaften. In Texten ließen sich digitale Hilfsmittel besser einsetzen, da Texte „nach standardisierten Regeln erfasst und ausgezeichnet“ (2) sind. Bilder und Objekte wie Statuen hingegen folgten keinen Mustern und seien daher schwerer auszuwerten.

Aber wieso müssen Bilder überhaupt ausgewertet werden? „In Analogie zum Begriff des linguistic turn forderte man damals die Hinwendung zu einer Bildwissenschaft, die sich an den praktizierten Methoden und Fragestellungen der allgemeinen Sprachwissenschaft orientieren und auch interdisziplinäre Ansätze verfolgen sollte. Die Funktionen von Bildern sollten sich nicht darin erschöpfen, in ihnen eine bloße Abbildung der Wirklichkeit oder eine dem Text untergeordnete Illustration zu sehen.“ (3) Auf den linguistic turn folgte der iconic turn, bei dem Bildern ein ähnliches „semantisches System“ (4) wie Worten zugrunde gelegt wurde.

Auf den iconic turn bin ich bei meinem Referat über Felix Thürlemanns Text Nicolas Poussin – „Die Mannalese“. Staunen als Leidenschaft des Sehens gestoßen, an dem ich fast verzeifelt wäre. Thürlemann nutzt einen semiotischen Ansatz für das Bildverständnis – im Gegensatz zu etwa einem soziologischen oder feministischen Ansatz. Semiotik ist allerdings für mich ein Buch mit siebenhundert Siegeln und ihre für mich schwer nachvollziehbaren Erkenntnisse auf ein Bild anzuwenden bzw. überhaupt den Text zu verstehen, hat mich ein paar konzentrierte (aber natürlich lohnende) Nachmittage in der Bibliothek gekostet. (Hier steht eine kürzere Fassung des Textes, in dem Thürlemann auf das titelgebende „Staunen“ eingeht, das aber nicht semiotisch begründet. DEN TEXT hätte ich eher verstanden.) Thürlemann entschlüsselt das Bild aufgrund dreier Erzählebenen, die mit der Figurengruppe am linken Bildrand beginnt: die Caritas Romana, in der eine junge Frau nicht ihr Kind stillt, sondern eine ältere Person, um sie vor dem Hungertod zu retten. Diese Gruppe ist quasi die Anleitung, wie das ganze Bild der Mannalese zu verstehen ist: Gott rettet die Israeliten vor dem Hungertod, indem er Manna regnen lässt. Die dritte Erzählebene ist übergeordnet: Die Mannalese weist auf das Wunder der Eucharistie hin, in der wir als Gläubige ebenfalls durch Nahrung (Abendmahl) gerettet werden. Wir beginnen also mit einem wunderbaren Ereignis (Caritas Romana, eine antike Darstellung), erkennen das Wunder (Mannaregen, Altes Testament) und verstehen schließlich das Mysterium (Eucharistie, Neues Testament). Und wenn sich das in Kurzfassung schon kompliziert anhört, dann lest mal den gesamten Text.

Krause und Reiche weisen darauf hin, dass in der Bildwissenschaft meist das Abbild eines Kunstwerks anstatt das Werk selbst die Grundlage für eine Beschäftigung mit ihm ist (genau wie hier der Link zur Mannalese steht anstatt eine Anleitung zum schnellen Beamen in den Louvre, um das Bild im Original zu sehen). Sie erwähnen Walter Benjamins Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (♥), der bereits vor 80 Jahren darauf hingewiesen hat, dass einem Abbild stets die Aura des Originals fehle. Digitale Abbilder von Kunstwerken hätten dafür aber andere Vorteile: Sie zerlegten das Ausgangsmaterial in Daten, die mit Metainformationen angereichert werden können. Das heißt, diese Daten können nicht nur betrachtet, sondern weiterverarbeitet und ausgewertet werden. Als positives Beispiel eines digitalen Abbilds verweisen die Autorinnen zum Beispiel auf Digitalisate von mittelalterlichen Handschriften, die man als Datei schonender für das brüchige Ausgangsmaterial und vor allem in ungleich größerer Auflösung betrachten kann. Ein weiteres Beispiel ist das Google Art Project, durch dessen hohe Auflösung und Erreichbarkeit per Mausklick dem Betrachter eine genussvolle Rezeptionserfahrung zur Verfügung stehe, die ihm im Museum nicht möglich wäre.

Um nun Objekte digital erfassbar zu machen, müssten sie, genau wie Wortdateien, in ihre Bestandteile zerlegt werden. Krause und Reiche erwähnen den Kabarettisten und Aktionskünstler Ursus Wehrli, der in seinen Büchern Kunst aufräumen genau das schon erledigt habe. Ich habe sehr über das Zitat zum Buch „Klarheit schaffen, wo es am wenigsten Sinn macht“ gelacht.

Herrn Wehrli kenne ich aus einem anderen Zusammenhang, denn Kunst aufräumen (TED-Talk) ist natürlich viel zu clever als dass die Werbung nicht was daraus macht. Die Kampagne für Bisley-Büromöbel hat so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sieht auch hübsch aus, ist aber gnadenlos geklaut.

Die Autorinnen belegen anhand von Kunst aufräumen und einem Baselitz-Porträt die Fehlbarkeit, aber gleichzeitig auch die Nützlichkeit von computererfassten Bilddaten (Abschnitte 18 bis 24 – die solltet ihr euch wirklich durchlesen, das ist sehr clever und nachvollziehbar. Und es gibt was zu Gucken). In Abschnitt 29 wird’s dann noch spannender, denn da werden die Werke von Mondrian und Rothko visualisiert. Krause und Reiche zitieren Lew Manowitsch, der „mit Hilfe von ImagePlot, einem vom Software Studies Lab entwickelten Macro für das frei verfügbare Bildanalyse-Tool ImageJ, die Entwicklung visueller Merkmale innerhalb eines Bilddatensets“ (5) darstellen kann. Wo man auf den ersten Blick glaubt, die beiden Maler würden sich stilistisch ähneln – was wir mal verneinen –, erkennt man beim genaueren Hinsehen eine zeitliche Abfolge, in der sich die Farbigkeit der Werke entwickelt. Ich fand es sehr spannend, eine künstlerische Entwicklung in einem Screenshot erkennen zu können.

In weiteren Abschnitten wird auf Data Driven Art eingegangen, eine für mich gerade sehr attraktive Kunstform. Das angesprochene Beispiel ist Jason Salavon und sein Werk MTV’s 10 Greatest Music Videos of All Time von 2001, das die Farbstimmung der Videos wiedergibt. Was ich faszinierend fand: Ohne ein einziges Bild zu erkennen, hat man die Videos sofort vor Augen.

Der Aufsatz gibt dann eine Übersicht über verschiede Anwendungsmöglichkeiten von digitalen Instrumenten, entweder zur „Erfassung und Erschließung“ oder zur „Analyse und Auswertung“ (6). Eines davon ist zum Beispiel die Emblematica Online, eine Kooperation zwischen der University of Illinois und der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. Ein Emblem besteht aus einem Motto (Lemma), einem Bild (Icon) und einem Text (Epigramm), und als wir an der Uni über Embleme als Kunstrichtung sprachen, fiel mir mal wieder der Zusammenhang mit der Werbung ein, denn klassische Anzeigen funktionieren genauso: aussagekräftige Headline, starkes Bild, kurze Copy. Wir Werbefuzzis klauen echt alles.

Ein weiteres Beispiel: What Makes Paris Look Like Paris? In der zitierten Arbeit untersuchten Forscher, ob sich Städte anhand visueller Elemente erkennen lassen und nutzten dazu Bilder von Google Street View. Diese Arbeit wäre in Deutschland also nicht möglich gewesen. Keine Ahnung, ob Berlin wirklich wie Berlin aussieht, wenn alles verpixelt ist.

Mein Liebling: FACES – Faces, Art, and Computerized Evaluation Systems, ein Projekt, das Gesichter erfasst, um Muster in Bilddatenbanken zu finden. Logisch. Bereits im ersten Semester übermannte mich die Panik, niemals genug Bilder gesehen haben zu können, um wirklich Vergleiche anzustellen oder Verbindungen zu erkennen. Wie toll wäre es, ein Programm zu haben, das mal eben das ganze Mittelalter nach Ähnlichkeiten durchforstet? Wobei diese Ähnlichkeit gerade den gemalten Damen wieder zum Verhängnis werden könnte, denn die sollten damals – spätestens seit Botticelli – hauptsächlich hübsch sein (und daher sehen sie alle gleich belanglos aus – hey, ganz wie heute mit Photoshop). Eine Frau, die Ghirlandaios Bild eines Großvaters entspricht, wird man vermutlich deutlich schwerer finden, denn gerade in der Renaissance galt die irrwitze Annahme, dass ein guter Mensch auch so aussehe und böse Menschen daran zu erkennen seien, dass sie eben äußerlich nicht ganz so schnuckig sind. Manchmal glaube ich, diese Annahme hat sich bis heute ganz gut gehalten.

Den Schluss des Aufsatzes bildet ein Ausblick bzw. ein Katalog an Wünschen und Erwartungen an die digitale Kunstwissenschaft. Ich zitiere aus Abschnitt 51 und 52:

„Da die digitalen Bildwissenschaften aufgrund der hohen technischen Komplexität im Umgang mit Bilddaten momentan gegenüber den über schriftsprachliche Texte forschenden Wissenschaften noch im Rückstand stehen, sind Fragen nach der Übertragbarkeit digitaler Methoden und Verfahren von hohem Interesse. Zum einen ist danach zu fragen, welche Methoden und Verfahren, die bisher vornehmlich im Bereich der Philologien erarbeitet wurden, auf den Gegenstandsbereich der Kunst- und Objektwissenschaften übertragen werden können, zum anderen, wo die Grenzen dieser Übertragbarkeit liegen und disziplinspezifische Überlegungen geschehen müssen.

Bei der Etablierung der Fächer Digitale Kunstgeschichte und Digitale Archäologie wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, wenn die jeweiligen Fachgemeinschaften zumindest in größeren Teilen ähnliche Wege beschreiten und sich zunächst auf ihre speziellen Eigenschaften als Bild-/Objektdisziplinen in Abgrenzung zu den Text-/Sprachdisziplinen besinnen würden. Auch ein Austausch mit der Bibliothekswissenschaft, bei der Fragen der Erschließbarkeit und Aufbereitung im Vordergrund stehen, sollte als ein Bestandteil digitaler Fächer erwogen werden.“

Und als Rausschmeißer der Rausschmeißer:

„Abschließend lässt sich konstatieren, dass im Einsatz digitaler Methoden starke Potentiale für die Bild- und Objektwissenschaften verborgen liegen. Mit ihrer Anwendung unternimmt man bereits einen ersten wichtigen Entwicklungsschritt in Richtung einer digitalen Wissenschaft. Eine transdisziplinäre digitale Bildwissenschaft in dem Sinne wird es unserer Einschätzung nach jedoch kaum geben, denn jede Fachgemeinschaft (Kunstgeschichte oder Archäologie) wird aller Voraussicht nach ihren eigenen Weg finden und computerunterstützte Forschung auf individuelle Fragestellungen hin ausrichten. Dem teils immer noch verbreiteten Vorurteil, dass sich aus digital vorliegenden Bildern keine nennenswerten Informationen über den Bildinhalt extrahieren lassen, sondern allein über händisch von Fachexperten erstellte Metadaten gearbeitet werden muss, kann entgegengesetzt werden, dass man relevante Metadaten heutzutage nicht nur mit Hilfe einer ›Crowd‹, sondern sogar aus den Bildinformationen selbst generieren kann. Ein digitales Bild lässt sich also nicht nur in einzelne Pixel zerlegen, sondern es können über eine Analyse der Anordnung bzw. Verteilung dieser Bildpunkte Informationen über den Bildinhalt gewonnen werden, was weit über die Feststellung, ein digitales Bild sei eine Ansammlung von Bildpunkten, hinausgeht. Wir können also die eingangs aufgeworfene Frage, ob ein (digitales) Bild mehr sagt als tausend Pixel, getrost mit einem ›Ja‹ beantworten.“ (7)

(1) Vgl. zu den ersten drei Zitaten Krause, Celia/Reiche, Ruth: „Ein Bild sagt mehr als tausend Pixel? Über den Einsatz digitaler Methoden in den Bild- und Objektwissenschaften“, in: Kunstgeschichte. Open Peer Reviewed Journal, 2013 (urn:nbn:de:bvb:355-kuge-354-6); http://www.kunstgeschichte-ejournal.net/354/ (abgerufen am 10. Februar 2014), Abschnitt 2.
(2) Ebd., Abschnitt 3.
(3) Ebd., Abschnitt 4.
(4) Ebd.
(5) Ebd., Abschnitt 29.
(6) Ebd., Abschnitt 36.
(7) Ebd., Abschnitt 56.

Links vom 10. Februar 2014

„Ein ziemlich befreiendes Gefühl“

Anselm Reyle macht mal Pause:

„Die Welt: Ihre Kritiker werden sagen: “Der Reyle war halt immer eher Unternehmer als Künstler. Und jetzt hat er durch die Wirtschaftskrise Probleme und hört einfach auf.”

Reyle: Die Wirtschaftskrise habe ich vor fünf Jahren viel stärker gespürt. Die Ausstellung 2009 in der Gagosian Gallery in New York hat mich damals gerettet, sonst wäre ich wahrscheinlich pleite gewesen. Und seitdem läuft es wieder gut mit den Verkäufen. Das ist nicht das Problem.

Die Welt: Aber ein Sammler, der fünf große Reyles aus allen Werkphasen zu Hause hängen hat, könnte sich fragen: “Hat der Künstler das jetzt doch nicht so intensiv gefühlt?”

Reyle: Das ist wahrscheinlich ein Denkfehler, wenn man annimmt, dass jedes Mal, wenn ein Künstler ein Bild macht, er dabei die intensivsten Erlebnisse hat. Das würde ich bestreiten. Ich glaube nicht, dass Andy Warhol bei jedem Siebdruck gleich die Tränen kamen.“

Katia Kelm schreibt dazu:

„ich kenne persönlich nur einen grosssammler der auf messen mit einkaufswagen geht. der jedenfalls wollte nie wissen, wie ich mich bei der arbeit gefühlt habe. ausser meinen beziehungsstatus wollte er auch sonst nie etwas wissen, weil er sich eh in der liga sieht, die MIR meine arbeit erklärt.

eine arbeit, die er vor 13 jahren gekauft hat, hat er immer noch nicht ausgepackt, ich habe aber die hoffnung noch nicht ganz aufgeben dass er eines tages anruft, wenn er die arbeit ausgepackt hat, und mich nach meinen gefühlen fragt.

nein, jetzt mal im ernst: ich gebe zu dass ich noch nie über gagosian verkauft hab. ich kann also nicht mit völliger sicherheit sagen, wie gross das interesse an künstlergefühlen ist bei sammlern, die sich bilder für ne halbe million leisten können.“

Uns hat man schon im ersten Semester eingebläut, bloß nie auf das zu achten, was Künstler oder Künstlerinnen über ihre Werke sagen. Ich nehme an, darunter fallen auch die Gefühle, die diese eventuell bei der Arbeit hatten. Als KunsthistorikerInnen sollen wir jedenfalls von den Werken ausgehen, von der Umgebung, von den Einflüssen, aber wir sollen gnadenlos nicht lesen, was die ProduzentInnen von Kunst über ihre Werke sagen. Wir wissen anscheinend auch besser als sie, was sie wollten.

George Clooney saves puppies from Nazis

Am 20. Februar läuft Monuments Men in den deutschen Kinos an. Wir haben in unserem Provenienzseminar sowohl über den Film als auch über das ihm zugrundelegende Buch gesprochen, und beides kam nicht ganz so gut an – wobei ich es natürlich nicht lassen konnte, auf den Unterschied zwischen den Ansprüchen an einen Unterhaltungsfilm und an eine ernsthafte kunsthistorische Auseinandersetzung hinzuweisen. Die Geschichte der Momuments Men, die natürlich auch aus Monuments Women bestanden, war ja klar, ist allerdings spannend genug, um mir den Film trotzdem anschauen zu wollen. Auch wenn er gerade von der Washington Post liebevoll zerrissen wurde:

„“Monuments Men” is so bad I will save you the trouble and expense of seeing it with the following summary. To make the film a bit more coherent, I’ve substituted the word “puppies” for art.

Over in Europe, the Second World War is raging, and Clooney is very worried about the puppies. He takes this concern directly to Franklin Delano Roosevelt, whom we recognize from the jaunty angle of his cigarette holder. He explains to the President of the United States the basics of the allied invasion of Germany. He uses a big map with arrows on it, with the Russians coming in from the east, and the allies moving in from France and Italy. Caught in the middle of these armies are a whole lot of puppies. Clooney says he doesn’t want to live in a world without puppies. (…)

There are two particularly cute puppies who help structure the rest of the film, and — spoiler alert — Germany loses the war and both puppies are rescued just in time from the mean old Russians who, when it comes to puppies, are almost as bad as the Germans.“

Über die Pressekonferenz zum Film auf der Berlinale, die anscheinend genauso scheiße war wie der Film, gibt’s übrigens auch einen schönen Artikel:

Berlin: The Longest Day for ‘Monuments Men’

„Finally, a Greek reporter wondered if Clooney had a proposal for how Greece could get its cherished art works back from Britain. (Cue Hugh Bonneville to look uncomfortable, as if he might be called upon to answer on behalf of Britain and fans of “Downton Abbey” around the world.) Ever the diplomat, after making a predictable joke about never having a proposal, the perennial bachelor nodded and said that Greece probably has a good case, and getting the Elgin Marbles back probably would be a good idea, yeah. This led to a headline in Variety, “George Clooney Tells Britain to Return Art Treasures,” which further inspired a Facebook quip from critic John Powers, “Britain Tells George Clooney to Remake The Monuments Men, Properly This Time.”

Other potential headlines from the press conference: “Bob Balaban Continues to Look Diminutive and Shy, Says Nothing”; “Hugh Bonneville Realizes the Difference Between PBS Celebrity and the Real Thing (and Says Nothing); and “Jean Dujardin Smiles Beautifully While Hating These Fucking Germans for Not Asking Him One Fucking Question.”“

Links vom 8. Februar 2014

Against Playing the Short Game: In Defense of Art History

Der Artikel von Tina Rivers passt hervorragend zu dem ersten Lesetipp von gestern. Auch hier wird eine Lanze für die Kunstgeschichte gebrochen – und zwar aus einem interessanten Grund (Hervorhebungen von mir):

„[T]hough our world used to be dominated by the dissemination of text, our society is increasingly dominated by visual modes of communication. In the coming years, it’s likely that visual literacy will become a key skill, alongside textual literacy, for workers throughout our economy. This is why it’s important for President Obama to understand that art historians don’t simply teach the historical development of artistic styles; more critically, we teach people how to look at images. I don’t think he would make a public statement against teaching our children to read … so why should he implicitly ridicule teaching people how to read images, when images are now as important as text in the construction of our common culture?“

Ich bin im bisherigen Studium bereits mehrmals über die Diskussion Kunstgeschichte versus Visual Studies (Bildwissenschaften) gestoßen. Welche Art der Lehre ist die heute angemessene? Muss sich die Kunstgeschichte mehr mit digitalen Bildern, Werbung, Comics und anderen modernen Bildelementen befassen, was aber den Terminus „Geschichte“ ad absurdum führen würde? Einer meiner Profs meinte mal scherzhaft, alles nach 1980 würde er ignorieren, das sei noch keine Geschichte. Im Gegensatz dazu beschäftigen sich die Visual Studies mehr mit heutigen Symbolen und Zeichen, die uns umgeben, aber vernachlässigen sie nicht genau die lange Historie, die hinter ihnen steckt? Müssen sich die zwei Fächer ergänzen, sollten sie verschmelzen, sollten sie sich noch strikter trennen?

Die Frage nach der heutigen bildlichen Darstellung berührt unter anderem die Gender Studies, die es inzwischen natürlich auch in der Kunstgeschichte gibt (Linda Nochlin* und Griselda Pollock** sei dank). Wir haben im letzten Semester den Text What do „Bildwissenschaften“ want? von Sigrid Schade gelesen, die ziemlich erbost darüber ist, dass die Kunstgeschichte sich erst jetzt mit dem feministischen Blick auf Bilder befasst, denn genau das tun die Visual Studies und die Genderforschung seit über 30 Jahren. Zusätzlich beklagt sie, dass die Kunstgeschichte, die traditionell eine männliche Wissenschaft über männliche Kunstwerke ist, weiterhin Exklusionsstrategien nutze, indem sie Erkenntnisse der Genderforschung nachträglich als ihre eigenen ausgebe.

* Hier steht Nochlins grundlegender Aufsatz Why have there been no great women artists? von 1971. Ich zitiere aus dem Dictionary of Art Historians zu ihrer Person: „Instead of attempting to elevate minor women artists to a status of males artists of the period, the article focused on the “feminist gaze,” and the coded, gender-biased reception [of] major art works, then and today.“

** Hier (Link startet pdf-Download) findet sich das gekürzte Vorwort von Pollock zu ihrem Buch Vision and Difference: Feminism, Femininity and the Histories of Art.

(Erster Link via coldethyl)

Recycled Beauty

Ignant präsentiert eine schöne Serie von Stillleben, die aus Weggeworfenem oder einmalig Benutzem zusammensetzen. Produziert wurden sie von Laurie Frankel und Diane Gatterdam.

Olympia-Ruinen in Sarajewo – Schanze im Minenfeld

Weniger Kunst, mehr Geschichte: Spiegel EinesTages guckt sich an, was aus den Sportstätten in Sarajewo geworden ist.

„Auch die Olympiaanlagen, auf die die Bevölkerung und die Welt jahrelang so stolz waren, wurden in den zerstörerischen Sog des Krieges hineingezogen. Aus der einst modernsten Bobbahn der Welt, in der DDR-Athlet Wolfgang Hoppe zweimal Gold holte, wurde ein Artillerieposten für serbische Freischärler. Das Kosevo-Stadion, in dem 1984 die pompöse Eröffnungsfeier stattfand, wurde von den Kämpfen schwer zerstört, seine Überbleibsel wurden zur Begräbnisstätte umfunktioniert. Und in der Zetra-Olympiahalle, wo Kati Witt ihre erste Goldmedaille gewann, lagerten neben Essensrationen der Luftbrücke bald auch Leichen. Es war einer der wenigen Orte in der Stadt, an dem es konstant kühl war. Nach einem Bombenangriff im Sommer 1992 brannte die Zetra-Halle komplett aus und lag in Schutt und Asche. Die Holzsitze des Stadions wurden laut “New York Times” als Material zum Zimmern von Särgen verwendet.“