Was schön war, Samstag bis Montag, 24. bis 26. Juni 2017

Samstag: endlich mal wieder einen Podcast aufgenommen. Wir waren noch etwas eingerostet und haben unsere Zeitbegrenzung selbst gesprengt, aber das hat mir gut getan, mit schlauen Menschen über schlaue Dinge zu reden. Und nebenbei Wein zu trinken, natürlich.

Sonntag: F. hatte mir zum Geburtstag eine Karte für Rusalka geschenkt, eine meiner guilty-pleasure-Opern. Es ist im Prinzip die Story der kleinen Meerjungfrau, die bekanntlich gar nicht geht: Mädchen aus dem Meer gibt ihre Stimme weg, damit sie nur durch ihre schweigsame Schönheit einen Kerl bezirzen kann (dickstes Augenrollen ever). Wenn man das ganze aber anders liest, nämlich sich aus der eigenen Komfortzone zu bewegen, um ein Ziel zu erreichen, kann man sich die Oper noch schön argumentieren. Und außerdem ist es Dvořák und eine Inszenierung, die ich wegen ihrer Bühnenbilder sehr mag, auch wenn sie stark vom male gaze lebt (sieht man am miesen Trailer sehr hübsch).

Beim Lied an den Mond wie immer ein paar Tränchen verdrückt.


Is opera the most misogynistic art form?

„Gradually, I came to love opera for its music, of course, but also for its preposterousness, for its extremity, for its magnificent lack of truck with realism. I loved it for its deep plunge into the secret emotions of humans on the edge; emotions that require the contradictory, magnificent swirl of great music for their articulation. It is by way of its glorious unreality that it is possible to make peace, in a way, with the artform’s violence to women. Its dying, fading, lost, flailing females are performed by magnificent artists, stars of the show, in control of strong and sexy instruments – their voices.“

Montag: letzte Korrekturen in der Stabi. Alle Umbrüche gecheckt, Abbildungsverzeichnis in die Arbeit kopiert, Seitenzahlen ins Inhaltsverzeichnis eingefügt. Ich erkläre die Masterarbeit für fertig.

Fehlfarben 10 – La Décima

Zwei Ausstellungen und drei Scheureben – total auf die Zehn. (Zwölf. Egal.)

Podcast herunterladen (MP3-Direktlink, 132 MB, 122 min), abonnieren (RSS-Feed für den Podcatcher eurer Wahl), via iTunes anhören.

Podcasten unter erschwerten Bedingungen. Bei 30 Grad wurde eine Salatschüssel zum Weinkühler. Die Etiketten unserer Flaschen umwickeln wir immer mit Papier, damit nicht erkennbar ist, was wir trinken; die weichten aber trotz der Plastiktüte auf, deren Rumknistern man übrigens beim Einschenken prima hören kann. Das hier ist schon die Ansicht nach der Aufnahme – wir sind so raus, dass wir vergessen haben, das übliche Bild von Tisch und nummerierten Weingläsern und unseren Aufzeichnungen zu machen. Dafür haben wir länger gesprochen als je zuvor.

00.00:00. Begrüßung und Vorstellung.

00.01:50. Die erste Scheurebe und die erste Ausstellung: After the Fact – Propaganda im 21. Jahrhundert im Kunstbau des Lenbachhauses. Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. September.

00.37:20. Blindverkostung Wein 2.

00.59:00. Fazit der ersten Ausstellung: einen Hoch- und zwei Querdaumen.

01.03:00. Blindverkostung Wein 3.

01.06:40. Unsere zweite Ausstellung: Thomas Struth – Figure Ground im Haus der Kunst. Sie ist ebenfalls noch bis zum 17. September zu sehen. Wir erwähnen im Gespräch diesen Blogeintrag von Andrea Diener.

01.52:00 Fazit der zweiten Ausstellung: drei begeisterte Daumen-nach-oben.

01.54:30. Wir lösen auf, was hinter den Weinen steckt, bei denen wir uns sehr uneinig waren. Meine Reihenfolge war 1, 2, 3, Florian entschied sich für 3, 2, 1 und Felix für 2, 3, 1. Die waren aber alle sehr trinkbar.

Wein 1: Weingut Hammel, Pfalz, Sissi & Franz, Cuvée aus Scheurebe, Silvaner und Rivaner, lieblich, 2015, 10%, bei Garibaldi für 8,60 Euro.

Wein 2: Weingut Schwane, Franken, Volkach Scheurebe 2016, 12%, beim Winzer für 10 Euro.

Wein 3: Weingut Fogt, Rheinhessen, Steinmeer, Scheurebe trocken, 2016, 12%, bei Rindchens Weinkontor für 8,95 Euro.

Tagebuch, Samstag, 24. Juni 2017 – Here we go again

Lange geschlafen und in Gesellschaft aufgewacht. Es gibt kaum etwas Beruhigenderes, als anderen Menschen beim Schlafen zuzuschauen.

Nach dem schnellen Morgenkaffee schwang ich mich aufs Fahrrad und radelte zum Haus der Kunst, wo ich mir die zweite Ausstellung für unseren Podcast anschauen wollte. Auf dem Weg dorthin muss ich die Ludwigstraße überqueren, eine vierspurige Straße, auf der von mir aus gerne Tempo 30 herrschen könnte. (Okay, von mir aus könnte überall Tempo 30 herrschen.) Ich wartete auf Grün an der Fußgänger- und Radfahrerampel, trat auf die Pedale und sah aus dem Augenwinkel, dass ein Auto in hohem Tempo auf mich zukam. Ich konnte noch bremsen, mich aber nicht mehr halten, rutschte irgendwie am Lenker ab und kippte mitsamt meinem Rad um, während das BMW-Arschloch an mir vorbeischoss. Das war alles andere als schön, aber ich kam mit einem Riesenschreck und einer dicken Schramme am Knie davon. Ich vertwitterte das ganze erst nach dem Ausstellungsbesuch und bin immer noch sehr wütend. Ich musste allerdings auch daran denken, dass ich damals, als ich nur als Autofahrerin und Fußgängerin unterwegs war, vermutlich auch nicht besonders clever gefahren bin. Ich wusste nicht, wie scheiße sich das anfühlt, wenn ein Auto recht nah an dir als Radlerin vorbeifährt. Ich wusste nicht, dass Radler*innen gleichberechtigt die Straße nutzen dürfen, auch wenn es einen Radweg gibt; den muss man nur benutzen, wenn er mit einem blauen Schild gekennzeichnet ist. Inzwischen fahre ich kein Auto mehr und weiß als Radlerin, dass ich mich auf der Straße sicherer fühle als auf den gerne mal handtuchschmalen Ruckelpisten, die so als Radweg durchgehen und auf denen man vor allem von Rechtsabbiegern kaum gesehen wird, weil sie dazu auch noch gerne von anderen Autos zugeparkt sind. Im Vergleich zu Hamburg ist das Radfahren in München schon deutlich angenehmer, aber es ist immer noch nervig, sich mit Verkehrsteilnehmer*innen um den wenigen Platz auf den Straßen streiten zu müssen anstatt dass beide Parteien sich als gleichwertig ansehen und dementsprechend Rücksicht nehmen. Ich habe jedenfalls schon oft darüber gestaunt, dass Autos viel zu dicht an Radlern vorbeifahren, aber total darauf aufpassen, dem blöden parkenden SUV nicht den Spiegel anzudengeln – da wird Abstand gehalten wie doof.

Mit Herzklopfen im Haus der Kunst angekommen und genau die richtige Ausstellung zum Runterkommen gesehen. Noch bevor ihr das aus dem Podcast erfahrt: große Empfehlung.

Den Nachmittag mit Deep Space Nine und der FAZ verbracht, bevor wir dann abends den Podcast aufnahmen. Der letzte ist schon ewig her, was mir gar nicht bewusst war. Wir hatten gestern auch ein bisschen das Gefühl, erstmal wieder reinkommen zu müssen; ich hoffe, das hört man nicht so sehr. Es war auf jeden Fall wieder schön, über Kunst zu reden – was ich ja eh dauernd mache, aber wenn man es aufnimmt, bereitet man sich eben doch etwas mehr vor, liest noch mal etwas nach, guckt anders als wenn man nur für sich durch die Ausstellungen geht. Das war sehr schön.

Es waren allerdings gefühlt 30 Grad bei F. in der Wohnung, weil wir die Fenster geschlossen hatten, um keine Außengeräusche mit aufzunehmen, weswegen ich nach der Aufnahme ernsthaft nochmal geduscht habe.

Tagebuch, Freitag, 23. Juni 2017 – Aufrappeln

Mies geschlafen, traurig erwacht. Krönchen gerichtet, kurz gebloggt und dann ins Lenbachhaus gefahren, um mir Kunst anzugucken. Darüber kann ich noch nicht schreiben, denn darüber erzähle ich heute abend was in unserem Fehlfarben-Podcast, der aus seinem langen Dornröschenschlaf, in den er aus Gründen gefallen war, erwacht ist. Den ganzen Tag vorfreudig ob der Aufnahme gewesen.

Eingekauft, unter anderem den Wein für heute abend, auf den ich sehr gespannt bin. Mittag gegessen, das mal wieder aus Kirschen bestand, ich ernähre mich zurzeit nur von Eistee und Kirschen. Es ist zu warm für alles.

Mich inzwischen so an die FAZ gewöhnt, dass ich sogar den Wirtschaftsteil lese, weil ich halt gerade so gerne Zeitung lese.

Mich über die wenigen Anmerkungen meiner Korrekturleserin für die Masterarbeit gefreut; sorry, dass ich es nicht geschafft habe, Witzchen in die Fußnoten einzubauen, mir war nach ernsthafter Auseinandersetzung. Montag werde ich die Stabi fahren, wo noch ein letztes Werk auf mich wartet, dann wird korrigiert, dann in den Copyshop gefahren und dann gebe ich das Ding zwei Wochen vor dem offiziellen Termin ab. Man will ja auch die Rush Hour vorm Prüfungsamt vermeiden.

Abends die neue Staffel von Orange is the New Black beendet und sie für doof erklärt.

Spätabends in hervorragender Gesellschaft mit ebenso hervorragendem Wein, für den es nie zu warm ist, den Tag entspannt ausklingen lassen.

Tagebuch, Donnerstag, 22. Juni 2017 – Dreckstag

Einer von diesen Tagen, die viele Gewissheiten erschüttern. Ich dachte frustriert über Entscheidungen nach, die ich in den letzten fünf Jahren getroffen habe und fragte mich, ob ich vielleicht doch einfach alles hätte weiterlaufen lassen sollen, dann wüsste ich jetzt, wie meine Tage und Wochen und Monate und Jahre noch aussehen, jedenfalls in der Vorstellung … und während mein Kopf noch hadert, sagt der Bauch: Nein, das war die richtige Entscheidung, noch mal etwas Neues angefangen zu haben, auch wenn es sich jetzt gerade sehr nach Sackgasse anfühlt. Aber ich will einfach nicht glauben, dass dieses Studium, das mir so viel Freude und Herausforderung und Glücksgefühle und Lernerfolge gebracht hat, ein Fehler war. Wie kann etwas ein Fehler sein, bei dem man nachher klüger ist und mehr weiß als vorher?

Was schön war, Mittwoch, 21. Juni 2017 – Home Office

Ich konnte mir den Luxus gönnen, von zuhause aus zu arbeiten; ich musste weder in heiße U-Bahnen klettern noch durch die blöde Sonne radeln, sondern konnte morgens durchlüften, dann die Fenster verschließen und die Rolläden runterlassen, um die Wohnung halbwegs kühl zu halten. Außerdem habe ich einen Ventilator, legte mir zwischendurch mal ein nasses Handtuch in den Nacken, bereitete Eistee zu und konnte in sehr weiten und wenigen Klamotten am Schreibtisch sitzen, natürlich barfuß. Purer Luxus bei 31 Grad, genau diese 31 Grad nicht spüren zu müssen.

Was schön war, Dienstag, 20. Juni 2017 – Puzzlestücke, mal wieder

Für meinen Katalogtext zu Leo von Welden saß ich gestern nochmal im ZI, weil mein Dozent mich auf zwei seiner Aufsätze hingewiesen hatte, die vielleicht für mich interessant seien. Den einen fügte ich nicht ein, beim zweiten saß ich mal wieder grinsend vorm Rechner.

Es geht im betreffenden Absatz um die Ausstellungstätigkeit von Weldens zur Zeit des Nationalsozialismus. Wie wir uns alle, die meine Hausarbeit gelesen haben, erinnern, hat der Mann durchaus ausstellen dürfen, darunter auch in einer Wanderausstellung, von der ich bis vor wenigen Tagen nicht wusste, dass es eine ist.

Ich las einen Hinweis auf generelle Ausstellungstätigkeit in einem Zeitungsartikel von 1943, den ich im Archiv des Historischen Vereins Bad Aibling fand; ich zitiere kurz aus W. K.: „Der Maler unterm Pegasus“, in: Aiblinger Zeitung vom 13.8.1943, Archiv des Historischen Vereins Bad Aibling (AHVBA), Zeitungsausschnittsammlung (ZA) Leo von Welden, wo gesagt wurde, dass wir „seine Zeichnungen gleichzeitig in deutschen Ausstellungen in […] Würzburg, unter den Münchnern in Karlsbad und in der Deutschen Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts in Helsinki und Oslo und Rom“ finden. Aus diesem Artikel wurde mir nicht klar, dass die „Deutsche Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts“ eine Ausstellung war, ich dachte, das wäre eine Bezeichnung für einen Bestandteil der Sammlung. Mein Dozent verwies mich auf seinen Aufsatz: Christian Fuhrmeister: „Dr. iur. Dr. phil. Rolf Hetsch, ‚einziger zünftiger Kunsthistoriker‘ im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“, in: Ders./Klingen, Stephan/Lauterbach, Iris/Peters, Ralf (Hg.): „Führerauftrag Monumentalmalerei“. Eine Fotokampagne 1943–1945, Köln/Weimar/Wien 2006, S. 107–126. Auf S. 113 fand ich eine Beschreibung dieser Ausstellung, an der Rolf Hetsch mitgewirkt hatte, um den es im Aufsatz ging. Sie führte noch durch weitere Städte, nämlich Gent, Lüttich, Venedig, Lissabon und Madrid; in den beiden letzten Städten, wo sie 1944 Station machte, hatte sie einen anderen Namen, den ich mir nicht notiert habe, aber fürs Blog ist das jetzt kurz egal. Denn:

Beim Stichwort Lissabon erinnerte ich mich an einen anderen Zeitungsartikel, den ich schon vor über einem Jahr im Stadtarchiv Rosenheim in der Hand gehabt hatte. Zum Tode von Weldens 1967 stand dort nämlich: „In der diesjährigen Ausstellung im Haus der Kunst in München hängen drei Bilder von ihm. Ausstellungen in Madrid, Rom, Lissabon, Prag, Budapest und Berlin räumten seinen Bildern einen guten Platz ein. Leo von Weldens Name hatte internationalen Klang.“ (Quelle: HG: „Leo von Welden ist tot. Der Künstler ist 67jährig einem Herzschlag erlegen“, unbezeichneter Zeitungsartikel vom 1.8.1967, Stadtarchiv Rosenheim (StadtA Ro), Dokumentarische Sammlung zur Zeitgeschichte (DOK) Leo von Welden.)

Ich hatte seit einem Jahr versucht rauszubekommen, wann zum Teufel der Mann jemals in Madrid, Rom und Lissabon ausgestellt haben sollte. Jetzt weiß ich’s. Auch wieder bezeichnend, dass im Artikel mit keinem Wort erwähnt wurde, dass diese Ausstellungen 1943 und 1944 stattgefunden hatten. Und wieder ein Puzzlestückchen eingefügt.

Tagebuch, Montag, 19. Juni 2017 – Jalousien

Morgens zur Stabi geradelt. Radeln ist ja bekanntlich großartig, aber ich vergesse immer, dass im Sommer die Straßenseite, auf der ich morgens zur Stabi und nachmittags von ihr wegfahre, in der Sonne liegt. Und wo viele ja gerne dieses Gefühl auf den Armen spüren, von der Sonne geküsst zu werden, denke ich immer an meine armen Hautzellen, die panisch die Flammen abwehren, die sie gerade abkriegen.

Will Herbst. Jetzt! Oder ich suche endlich mal langärmelige Kleidungsstücke, in denen ich mich nicht totschwitze. Stupid Sonne.

In der Stabi wieder in alten Nazibüchern gelesen und spannende Dinge in meine Masterarbeit eingefügt. Ich war allerdings viel zu schnell mit meiner Arbeit fertig; ich musste bis 10 warten, bis im Erdgeschoss die Buchrückgabe öffnet, denn das wollte ich auch noch erledigen. Also las ich zum fünfzigsten Mal meine Arbeit durch und fand natürlich noch Dinge, die man hübscher formulieren könnte.

Um 10 dann aber runtergegangen, Bücher abgegeben, zur UB geradelt (stupid Sonne), dort ebenfalls Bücher abgegeben und einen neuen Schwung ausgeliehen. Die haben alle nichts mehr mit der Uni zu tun, die darf ich jetzt lesen, weil ich Zeit habe, yay!

Neuerdings lese ich in Blogs oder auf Twitter darüber, dass man Menschen nicht von vornherein Bösartigkeit unterstellen sollte, bei dem, was sie tun und was mich vielleicht nervt oder stört. Stattdessen soll ich davon ausgehen, dass sie nur gedankenlos sind. Das habe ich gestern am lebenden Objekt ausprobieren können, als ich neben einer Dame am Fußgängerüberweg vor der Ludwigskirche stand und auf die andere Straßenseite zur UB wollte.

Ich war schon vom Rad abgestiegen, denn ich wollte es schieben; auf der anderen Straßenseite befindet sich nämlich der U-Bahn-Ausgang der Station Universität, aus dem und in den immer irrwitzig viele Menschen kommen und gehen. Der Fußweg ist dort sehr schmal, der Radweg auch, und außerdem steht noch ein Blumenstand in der Gegend rum, der noch mehr Platz wegnimmt. Der Dame war das egal, sie fuhr über den Fußgängerübergang und stieg auch drüben nicht vom Rad, sondern radelte fröhlich durch die Fußgänger durch, die ihr notgedrungen auswichen. Dann stellte sie ihr Rad an der UB ab und schaffte es, dabei den Eingang zum Fahrstuhl zu blockieren, mit dem Rollstuhlfahrer*innen oder Menschen mit Kinderwägen zum Bahnsteig kommen. Darauf machte sie netterweise jemand aufmerksam, bevor ich das tun konnte. Ich schloss mein Rad an und ging in die UB, genau wie die Dame. Dort blieb ich kurz an den neu befüllten Schaukästen stehen, in denen Bücher über und von Luther liegen – sehr spannend, man bekommt einen schönen Überblick, wer seit 500 Jahren wie mit Luther argumentiert; direkt nebeneinander lagen zwei Bücher aus dem 19. (oder war’s noch das 18.?) Jahrhundert, die mit „aufklärerisch“ und „antiaufklärerisch“ überschrieben waren.

Dann ging ich zum Rückgabeschalter, wo schon zwei Leute warteten – und jetzt auch die Dame von eben, die sich einfach von der falschen Seite angestellt hatte, um vor den beiden dran zu sein. Dann fiel ihr auch noch irgendein Einleger aus einem ihrer Bücher, auf den sie drauftrat, bevor einer der beiden Wartenden sie darauf aufmerksam machte. Sie legte das Blättchen ins Buch und trat dann einfach an den Schalter, während der freundliche Mensch, der ihr gesagt hatte, dass sie gerade auf Bibliotheksgut rumtrampelt, verwirrt guckte, aber wartete.

„Gedankenlos“ ist mir hier vielleicht doch ein bisschen zu schwach. Vielleich trifft „komplett blind für alles außer einen selber“ es besser.

Ich fuhr nach Hause und freute mich über die Jalousien, die dafür sorgen, dass in meiner Wohnung erträgliche Temperaturen herrschten, während es draußen langsam auf die 30 Grad zuging. Am Schreibtisch quengelte ich dann wieder über das Stylesheet, mit dem die Lektorin unseres Katalogs uns versorgt hat und nach dem wir unsere Texte jetzt ausrichten. Das besteht nämlich quasi nur aus Kommata, wo ich gerne Doppelpunkte mache und will auch keine kursiven Auszeichnungen. Ein Beispiel, wie schlimmschlimmschlimm das alles aussieht:

Frédéric Hartweg, Von der Entfremdung zur Annäherung. Die deutsch-französische Erbfeindschaft, in: Kirchliche Zeitgeschichte 14, 2002, S. 313–372

Während ich sonst immer schreibe:

Frédéric Hartweg: „Von der Entfremdung zur Annäherung. Die deutsch-französische Erbfeindschaft“, in: Kirchliche Zeitgeschichte 14 (2002), S. 313–372.

Mit Punkt am Ende. Dass nirgends ein Punkt steht, macht mich extrawahnsinnig.

Es hat mich sehr gefreut, dass ich mit meinem Gejammer nicht alleine bin.

Was schön war, Sonntag, 18. Juni 2017 – zumindest die erste Tageshälfte und dann irgendwie auch der Abend

Morgens wieder walken gewesen. Wenn der Wecker um 6 klingelt, verbiete ich mir, mit mir selbst zu diskutieren, sondern stehe auf, bevor ich überhaupt anfangen kann, mich wieder ins Bett zu quatschen. Wenn ich im Bad bin, ziehe ich sofort alle Schlafklamotten aus, und das reicht meistens, um mich selbst davon zu überzeugen, dass ich jetzt echt gerne vor die Haustür will. Inzwischen weiß ich ja auch, dass ich es wirklich genieße, morgens in ziemlicher Ruhe mit meist recht wenigen Menschen durch viel Grün zu stapfen, bevor es wieder so widerlich warm wird. Aber ich muss eben erstmal im Grünen sein, und deswegen muss ich leider aus dem Bett.

Gestern habe ich gelernt, dass ich bei verstreutem Müll an Papierkörben nicht immer augenrollend an doofe Menschen denken sollte, sondern vielleicht auch an schlaue Krähen. Auf meiner ersten Runde sah ich eine Krähe auf einem der gedeckelten Papierkörbe sitzen und an irgendwas rumzerren. Als ich in der zweiten Runde wieder vorbeikam, lagen neben dem Papierkorb zwei aufgeklappte Pizzaschachteln, in denen nur noch Tomatensaucenreste erkennbar waren, alles andere war säuberlich weggeschnabelt.

Den Rest des Vormittags mit Zeitung- und Buchlesen verbracht. The Vanishing Man: In Pursuit of Velazquez ausgelesen; das kann ich sehr weiterempfehlen. Ich habe viel über den spanischen Hof im 17. Jahrhundert gelernt, aber noch mehr darüber, wie Menschen im 19. Jahrhundert in England und den USA – oder besser: in London und New York – Gemälde anschauen konnten, bevor es die großen Museen gab. Ich verweise auf die Rezension in der New York Times, die auch nicht sehr viel spoilert und das Buch gut zusammenfasst: „The book is a pair of biographies (Snare, Velázquez), a series of critical essays, a history of King Philip’s IV court, a cold-case mystery, a courtroom drama, an adventure story, a travelogue.“

Einzige Kritik: Man merkt Frau Cumming schon sehr an, wie verknallt sie in Velázquez’ Malweise ist, denn sie beschreibt sie ungefähr eintausendmal. Das hätte man eventuell etwas kürzen können. Und die Prozessbeschreibung in Edinburgh, an der auch die NYT rummeckerte, war mir deutlich zu lang, da hat das Buch mich ganz kurz zum Querlesen verleitet.

Ab da wurde der Tag etwas anstrengend.

Nachmittags knetete ich den schönsten Nudelteig, den ich je geknetet hatte, weil ich Ravioli machen wollte. Während der Teig ruhte, vermengte ich Erbsen mit Tunfisch, mit denen ich die Pasta füllen wollte. Dann holte ich mein geliebtes Maschinchen vom Schrank und begann, Teigbahnen auszurollen – und scheiterte. Ich habe es zum ersten Mal nicht hinbekommen, eine einzige verwendbare Teigbahn auszurollen; der Teig, der in meinen Händen noch wunderbar elastisch und weich war, wurde beim Durchrollen spröde und TOTAL GEMEIN ZU MIR. Schwitzend arbeitete ich eine Stunde, bis ich den Klumpen wütend und traurig in den Müll warf und fertige Nudeln kochte. Nebenbei blubberten Tomaten und Zwiebeln in einer Pfanne zu einer Sauce und sahen herrlich hellrot aus. Dazu rührte ich die herrlich grüne Farce, die eigentlich in die Ravioli gehört hätte, und im Moment des ersten Umrührens fielen mir alle Farblehren dieser Welt ein.

Ich hatte dann also fertige Conchiglie mit braunem Matsch auf dem Teller und dachte mir, wenigstens ist es jetzt schon spät genug, um die neue Masterchef-Folge aus Australien online zu finden. Ich setzte mich aufs Sofa, klickte ins Internet – und stellte fest: da war kein Internet.

Mein Router blinkte nicht mehr überall, wo er blinken sollte, also erledigte ich die üblichen Handgriffe – „Have you tried turning it off and on again“ –, aber er blinkte immer noch nicht. Auch mein Handy hatte kein Netz; WLAN war da, WWW aber nicht. Ich rief die Störungshotline der Telekom an und erfuhr von der freundlichen Bandstimme, dass man einiges an Störungen wohl selbst analysieren könne – ob ich den Link aufs Handy haben wolle? Yes, please. Die Analyse brachte dann auch nichts, aber immerhin weiß ich jetzt wieder, wo mein Kabel liegt, das den Router mit dem Rechner verbindet. Ich meldete nölig per Handy meine Störung und aß kalte Nudeln.

Wie sehr man ans Internet gewöhnt ist, merkte ich anhand meiner üblichen dusseligen Gedankengänge: Okay, wenn ich nicht Masterchef gucken kann, dann halt Netflix. Oh wait. Okay, dann die Fußball-EM im Livestream. Oh wait.

Schließlich setzte ich mich an den Schreibtisch, denn ich hatte am Freitag Feedback meines Dozenten auf den Leo-von-Welden-Katalogtext bekommen für unsere Ausstellung im September in Rosenheim. Für einige Korrekturen musste ich ins ZI, aber vieles konnte ich auch schon von zuhause erledigen. So saß ich bis 22 Uhr, gefühlt von der Außenwelt abgeschnitten, am Schreibtisch und korrigierte. Mittendrin fielen mir immer Dinge ein, die ich mal eben schnell googeln wollte, but oh wait. Beim dritten Gedankengang in diese Richtung ließ ich das einfach sein, denn auch aufs Rumgoogeln per Smartphone hatte ich keine Lust. Ich merkte auch, dass ich keine Lust hatte, dauernd auf Twitter oder Instagram zu gucken und stellte überrascht fest, dass das eigentlich ganz nett war, diese kleine Auszeit.

Nach der Arbeit wollte ich eigenlich schlafen, aber dann las ich mich in meinem neuen Buch über Henrietta Lacks fest, das sich ziemlich wie geschnitten Brot runterlesen lässt. Populärwissenschaftlich schreiben können die Amis ja schon recht hübsch.

Was schön war, Freitag/Samstag, 16./17. Juni 2017 – Binging in Silence

Nachdem die wichtigen Sachen erledigt waren, konnte ich mich hemmungslos unwichtigen hingeben: Serien. Ich begann bereits am Donnerstag, endlich mal die letzten Folgen von The Handmaid’s Tale nachzuholen und schloss die erste Staffel am Freitag ab. Die Serie eignet sich nicht so recht zum Wegbingen, denn man ist konstant sehr schlecht gelaunt und möchte bei Beginn jeden Abspanns durch die Gegend rennen und FUCK THE PATRIARCHY an alles sprühen, was einem vor die Dose kommt.

Ich fand die Serie ähnlich unerträglich wie das Buch, vor allem, weil man den Bildern so ausgeliefert ist, während man beim Buch ab und zu querlesen konnte. Andererseits waren die Bilder natürlich auch großartig, allen voran die roten Mäntel und weißen Flügelhauben der Handmaids. Manchmal war mir der Einsatz von Zeitlupe zu exzessiv, und auf einige Gewaltdarstellungen, vor allem in der letzten Folge, hätte ich gerne verzichtet. Auch die Musikauswahl fand ich manchmal sehr seltsam (Feeling Good), in anderen Momenten aber wieder großartig ((Don’t you) Forget about me).

Der größte Unterschied zum Buch war das Vorhandensein von Schwarzen Menschen, die im Buch keine Chance auf Überleben hatten, nicht mal als Handmaid. Da das heutige Serienpublikum aber eine ausgewogene Besetzung will, gibt es in der Serie Schwarze. Dass das die Probleme nicht löst, sondern die Serie noch irritierender sein lässt als sie eh schon ist, beschreibt Vulture sehr schön:

In Its First Season, The Handmaid’s Tale’s Greatest Failing Is How It Handles Race

„As writer Priya Nair points out for Bitch magazine, the strictures that shape the lives of the handmaids, like the protagonist, June (an excellent Elisabeth Moss) — “banned from reading, writing, or congregating, the spectacle of public lynchings,” and renamed after the men that own them (she’s named Offred to mean “of Fred”) — are the same methods that have been used to control black people during and after slavery.

In Atwood’s novel, black people are mentioned in only a few sentences to alert readers that they’ve been rounded up and sent to some colony in the Midwest, in a move that resembles South Africa’s apartheid. This decision feels like the mark of a writer unable to reckon with how race would compound the horrors of a hyper-Evangelical-ruled culture. Furthermore, it misrepresents how black and brown people resist in times of crisis. As writer Mikki Kendall noted on Twitter, “black people did not survive slavery, Jim Crow, and the war on drugs to be taken out by a handful of white boys with guns.” […]

But the show doesn’t end up considering the racial dynamics of June’s family, or what it means to be a handmaid of color. In the end, its approach to race is just as mishandled as Atwood’s. The Handmaid’s Tale’s silence on race grows more awkward as the show goes on, particularly in light of its marketing as a politically astute salve for these troubled times, and the girl-power inflected feminism destined to launch a thousand T-shirts with clever wordplay. In reality, though, it’s more concerned with the interiority of white women at the expense of people of color who recognize that Gilead isn’t a possible horrifying future, but the reality of what America has always been.“

Gestern begann ich endlich mit der neuen Staffel von Orange is the New Black, aber so richtig will sie mir nach vier Folgen noch nicht gefallen. Vielleicht auch, weil die letzten beiden Folgen der vierten Staffel so dramatisch waren und die neuen sich im Gegensatz dazu irgendwie albern anfühlen.

(Missing [Charaktername, den ich nicht spoilern will, falls irgendjemand die vierte Staffel noch nicht gesehen haben sollte] so much.)

Freitagszeitung nachgeholt, Samstagszeitung gelesen, noch ein paar Zeilen in der Masterarbeit korrigiert, ein Pfund Kirschen gegessen, einen riesigen Milchkaffee getrunken, alles in herrlicher Stille. Ich glaube, ich habe gestern kein einziges Wort gesprochen. Das war schön.

Was schön war, Mittwoch/Donnerstag, 14./15. Juni 2017 – Erledigt

Mittwoch saß ich im ZI und bastelte lustig mein Abbildungsverzeichnis, für das ich gefühlt zwanzig Kilo Ausstellungskataloge zum Scanner schleppte. Wenn ich noch einmal „faule Studis“ höre, werfe ich mit den Katalogen, ich bin gerade im Training.

Abends endlich mal wieder einen Abend mit F. verbracht, der ein bisschen unterwegs war, dann war ich im Schreibtischmodus und jetzt ist er schon wieder weg, also nutzten wir den einen Abend, wo wir beide den Kopf frei hatten und gossen eben diesen schön mit blubberndem Alkohol zu. Dazu gab’s Couscoussalat.

Gestern las ich zum wiederholten Male die Arbeit durch, machte die Fußnoten endgültig hübsch und finalisierte das Abbildungsverzeichnis. Ich warte noch auf ein Buch aus der Stabi, das ich für einen Beleg brauche, und dann bin ich fertig.

Außerdem war ich gestern morgen wieder Walken und nach zwei Runden Gehen dachte ich mir, so, jetzt läufst du deine übliche halbe Runde. Und dann war die halbe Runde rum und ich lief irgendwie immer noch, weil’s halt gerade ging und ich lief einfach so weiter und wartete drauf, tot umzufallen, aber das ging alles, und so lief ich weiter als ich seit der zehnten Klasse jemals gelaufen bin, was in Meterzahlen ausgedrückt für Leute, die ernsthaft laufen, total lächerlich ist, aber für mich eine ziemlich große Sache, und dann war ich einmal um den ganzen Friedhof gelaufen und blieb stehen und freute mich, während ich nach Luft rang und die üblichen Walker mich überholten, als wär nix gewesen.

Meine Knie sind heute morgen auch nicht so zickig wie sonst. Nach den ersten Läufen, wenn man diese wenigen Meter überhaupt so nennen kann, meckerten sie mich am nächsten Tag gerne an, so nach dem Motto: „Was soll DAS denn jetzt? Wir sind doch jahrzehntelang ohne diesen Quatsch klargekommen!“ Tjahaa, öfter mal was Neues, Knie! Anhand meiner heutigen Schmerzfreiheit stelle ich fest: Ich habe sie anscheinend moralisch besiegt und sie gehen jetzt halt mit mir laufen. Es bleibt ihnen ja auch nichts anderes übrig.

Masterarbeit fertig. Einmal um den Friedhof gelaufen. Damit sind beide Dinge erledigt, die ich mir für diesen Sommer vorgenommen hatte. Was mach ich denn jetzt? Oh, hier, tolle Idee: Bewerbungen schreiben! An Leute, die noch gar nicht wissen, dass sie mich brauchen! Und mich auch noch anständig bezahlen sollen! Das wird im Kultursektor bestimmt total einfach!

*irre lachend ab*

Was schön war, Montag/Dienstag, 12./13. Juni 2017 – 1. Korrekturgang

Montag betrieb ich Fußnotenpflege. Wenn ich vor mich hintippe, werfe ich manchmal Gedanken in die Fußnoten, von denen ich weiß, dass sie stimmen, aber ohne einen Beleg parat zu haben. Das Getippte markiere ich rot, damit ich weiß, dass ich dafür noch einen Beleg suchen muss, und das tat ich vorgestern. Zunächst saß ich in der Stabi und ergänzte lustige Dinge über Bayreuther Aufführungen in den 1950er Jahren, Nietzsches anstrengende Ergüsse, Kiefers Rezeption in den USA sowie seine Mitwirkung auf der Documenta 1977, von der ich bisher nur wusste, dass er ausgestellt hatte, aber ich wusste nicht genau, was – weiß ich jetzt, danke, Stabi, die den Katalog hatte, der unfassbarerweise nicht im ZI stand.

Dann radelte ich ins Historicum, wo ich Dinge zum Westwall nachgucken wollte, zu Orden aus dem „Dritten Reich“, zur Aktion T4 und noch ein weiteres Zitat, das ich in den Fußnoten paraphrasiert, aber nicht im Original irgendwo notiert hatte, ich Idiot. Das betreffende Buch hatte ich schon zurückgeben müssen, aber es stand noch im Historicum, das eine Präsenzbibliothek ist, was überhaupt die tollste aller Bibliotheksformen ist (finde ich). Ich suchte also vier Bücher und, yay, Jackpot … hier augenrollendes Emoji vorstellen … ich hatte im Vorfeld festgestellt, dass sie auf vier verschiedenen Stockwerken standen. Warum ich nicht entspannt den Fahrstuhl in den vierten Stock nahm und dann von oben nach unten die Bücher einsammelte, weiß ich nicht mehr; vermutlich, weil ich lieber im 4. Stock sitze und arbeite anstatt im 1. Ich kletterte also Treppen, suchte mich durch Regale, fand aber alle Bücher und konnte die Fußnoten recht schnell ergänzen.

Den Nachmittag verbrachte ich zuhause, wo ich erstmals alle Fußnoten mit dem Literaturverzeichnis verglich. Das heißt, ich überprüfte, ob alles, was ich zitiert hatte, auch im LV auftauchte oder ob ich was vergessen hatte (zwei Bücher – bei denen dachte ich, die hab ich so oft im Hinterkopf gehabt, natürlich hab ich die notiert, aber nein, die hatte ich nur so oft im Hinterkopf, weil ich ihr Thema so oft erwähnte; wirklich zitiert hatte ich sie nur einmal, und da dachte ich beide Male, ach, das Buch haste schon notiert) oder ob im LV noch Bücher rumlungern, die ich zitiert, dann die Fußnote aber wieder gelöscht hatte (ebenfalls zwei Titel).

Mein Literaturverzeichnis ist auf unfassbare sechzehn Seiten angewachsen, und das ist mir selbst ein bisschen peinlich. Ich weiß, dass ich irrsinnig viel lese und ebenso viel zitiere, aber so überbordend war das noch nie.

Gestern bastelte ich zunächst das Abbildungsverzeichnis, das 35 Seiten hat; ich zeige 37 Abbildungen, bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob ich nicht noch ein oder zwei rauswerfe. Ein paar Tage/Wochen zum Nachdenken habe ich noch. Für das Abbildungsverzeichnis hatte ich teilweise schon Bilder eingescannt, wenn ich die betreffenden Bücher eh im ZI in der Hand hatte, aber nicht alles, was ich brauchte, weil ich mir gerade bei Kiefers vielseitigen Büchern nicht sicher war, welche Seiten ich genau abbilden wollte. Ich schrieb erstmal meine Diskussion auf, und jetzt, wo die fertig ist, weiß ich auch genau, was ich zeigen will, um meine Gedankengänge zu verdeutlichen. Die meisten Bilder von Lüpertz fand ich digital bei Prometheus, dem Bildarchiv, auf das ich durch die LMU Zugang habe. Es ist, wie ich schon einmal schrieb (runterscrollen), mit Vorsicht zu benutzen, aber dadurch, dass ich die Bilder, die ich beschreibe, jetzt seit Monaten angucke, bin ich mir bei der Auswahl sehr sicher.

Und dann las ich abends die ganze Arbeit zum ersten Mal in einem Schwung durch, mit allem, Inhaltsverzeichnis, Einleitung, die lange Argumentation, Vergleich, Rausschmeißer. Der reine Textteil ist 62 Seiten lang, und ich habe knapp drei Stunden gebraucht, um ihn konzentriert durchzulesen, obwohl ich ja fast auswendig kann, was da steht. Alleine das Ausdrucken hat so lange gedauert, dass ich währenddessen den Abwasch erledigen und den Schreibtisch aufräumen konnte. So einen Monstertext habe ich noch nie geschrieben, bin aber nach dem ersten Korrrekturgang recht zufrieden. Irgendwas ist ja immer.

Heute vervollständige ich das Abbildungsverzeichnis im ZI und korrigiere alles, was ich gestern mit Rotstift im Ausdruck vermerkt habe. Dann lasse ich alles morgen am Feiertag (Bayern, ey) liegen, wo eh alles geschlossen hat, was ich brauchen könnte, dann lese ich nochmal rüber, dann nochmal, und dann darf die Korrekturfee ran.

Und dann fahre ich einfach noch mal so ins Historicum und nehme Abschied von der zweitschönsten Bibliothek Münchens nach dem ZI. Bis zum 30. September gilt mein Studiausweis, und bis dahin werde ich da rumsitzen, basta.

Was schön war, Sonntag, 11. Juni 2017 – First Draft

Gestern den direkten Vergleich zwischen Kiefer und Lüpertz sowie die Zusammenfassung geschrieben. Damit steht die erste Textfassung der Masterarbeit.

Jetzt korrigiere ich mindestens eine Woche bis zur zehnten Fassung an ihr rum und dann kriegt die Korrekturfee was zu tun. Und irgendwann mache ich auch noch das elend lange Abbildungsverzeichnis, was bei jeder kunsthistorischen Arbeit ein einziger Schmerz im Arsch ist. Zumindest in Word. Nein, ich fange jetzt nicht auf den letzten Metern noch ein neues Programm an, danke für alle gut gemeinten Hinweise. Ich werde auch meine Diss in Word schreiben und auch dort über das Abbildungsverzeichnis meckern. Es muss ja Konstanten geben in meinem Leben.

Was schön war, Samstag, 10. Juni 2017 – Luxus

Luxus: genug Geld zu haben, um einkaufen zu gehen, ohne auf Preise achten zu müssen. Im Supermarkt zwischen überquellenden Regalen zu stehen, in der Obst- und Gemüseabteilung so viel wunderbare Ware zu finden. In meinem Einkaufswagen landeten Kirschen, Zitronen, Äpfel, Paprika, eine Gurke, dann ging ich zum Metzger, um mir Pastrami zu gönnen, die für mich kein Alltagsprodukt ist, warum auch immer. Ich kaufte für mich frisch geschnittenen Käse, meine Lieblingspasta, die etwas teurer ist als die Hausmarke, aber auch viel besser schmeckt, und freute mich darüber, Geld zu haben, um es für Dinge ausgeben zu können, die mir Freude machen.

Luxus: zu wissen, man liegt richtig gut in der Zeit und kann die Masterarbeit auch mal einen Tag liegen lassen. Ich habe sie gestern überhaupt nicht angeguckt und setze mich dafür heute an den Schreibtisch.

Luxus: die Zeit zu haben, eine Zeitung durchzulesen. Also richtig durchzulesen, auch die Artikel im Wirtschafts- und Finanzteil, die ich unter der Woche manchmal nicht mal angucke, weil es schon so spät am Abend ist und ich keine Lust mehr auf Dinge habe, die ich nicht sofort verstehe, so wie ich das Feuilleton verstehe.

Luxus: ein bequemes Bett, tiefer Schlaf. Okay, bis auf das übliche Aufwachen mitten in der Nacht, weil mir ein guter Satz zu Lüpertz eingefallen ist, mit dem ich ihn sehr effektiv von Kiefer absetzen kann. Mir selbst per iPhone gemailt, was irgendwie auch totaler Luxus ist (die Einfachheit von Dingen wie WLAN). Und es ist Luxus, nachts Aufgeschriebenes am nächsten Morgen lesen zu können, weil man es getippt anstatt im Halbschlaf handschriftlich irgendwo hingeschmiert hat.

Was schön war, Freitag, 9. Juni 2017 – Fast fertig (in Anführungszeichen)

Entspannt erwacht, pünktlich im ZI gewesen, den Lieblingsplatz hinten in der Ecke im klimatisierten Lesesaal gekriegt. Den zweiten von drei Lüpertz-Teilen, den ich vorgestern verfasst hatte, durchgelesen und bis auf wenige Korrekturen abgenickt. Mich dann an den dritten und letzten gesetzt, konzentriert gearbeitet, und um kurz nach 15 Uhr war ich dann fast mit der Arbeit fertig. Ich bin jetzt bei 97.000 Zeichen, mir fehlt noch der vermutlich recht kurze Abschnitt mit einem direkten Kiefer-Lüpertz-Vergleich, und dann kommt schon die Zusammenfassung, womit die Arbeit dann fertig ist. Ich soll zwischen 100.000 und 120.000 Zeichen abgeben.

Damit habe ich in einer Wochen 35.000 Zeichen Lüpertz geschafft, was ich mir zwar vorgenommen, aber nicht wirklich geglaubt hatte. Und wo ich gerade die Lüpertz-Zeichen gezählt habe: Kiefer hat momentan 33.000 Zeichen, was mich jetzt selbst überrascht. Gefühlt habe ich zu ihm mehr geschrieben. Ts. Zeichenzählfunktion, du kleines Überraschungsei.

Mit Fußnoten bin ich übrigens bei 153.000. Vielleicht versteht ihr jetzt, warum ich in den vergangenen drei Semestern so an der ollen Zeichenbegrenzung gelitten habe, denn da wurden die Fußnoten mitgezählt. In Geschichte konnte ich immer schön das ganze Nebenbei-Wissen in die Fußnoten packen und blieb entspannt im vorgegebenen Rahmen, in Kunstgeschichte zählte alles, und ich hatte immer das Gefühl, ich schreibe nur Stümpfe statt anständiger Argumentationen.

Jetzt, wo die Masterarbeit fast durch ist, würde ich irrsinnig gerne wieder Stümpfchen schreiben. Vielleicht immatrikuliere ich mich in Philosophie oder Politikwissenschaften. Vor ein paar Tagen ist mir nämlich siedendheiß eingefallen, dass ich mit dem Ende des Studium nicht nur mein herrlich günstiges Semesterticket verliere, sondern – was viel schlimmer ist – nicht mehr in die ganzen Unibibliotheken darf. OMG DIE HISTORICUMSBIBLIOTHEK! SIE IST FÜR MICH VERSCHLOSSEN! In die blöde KuGi-Bib will ich gar nicht mehr, denn ins ZI komme ich ja weiterhin, aber DIE HISTORICUMSBIBLIOTHEK!

Okay, ich schreib mich für irgendwas ein. Dieser Abschied geht mir zu schnell. Ich bin noch nicht vorbereitet!

Herzlich über eine Formulierung in der FAZ gelacht because it’s true:

„Doch je banaler das Werk, desto mehr drehen die Documenta-Katalogschreiber rhetorisch auf: Agnes Denes’ bepflanzte Pyramide ist ‚eine soziale Struktur – sozial, weil das gepflanzte Material Vorstellungen von Evolution und Regeneration vermittelt; die Arbeit fördert außerdem eine Mikrogesellschaft aus Menschen, die sich um die laufende Pflege kümmern.‘ So klingt es, wenn in der Kunstwelt zwei Leute Blumen gießen.“

(Niklas Maak: „Vor der Tür“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.6.2017, S. 11.)

Und dann war da noch das:


Meine erste kunsthistorische Veröffentlichung liegt endlich auf meinem Schreibtisch. Wenn ich meinen Namen zum ersten Mal in der Suchmaschine des Zentralinstituts für Kunstgeschichte finde, mach ich eine Flasche Schampus auf.

Der Katalog zu dieser Ausstellung erscheint leider nur auf Englisch und Französisch. Ich werde in nächster Zeit mal meine liebsten Katalogtexte auf Deutsch ins Blog stellen. Schöner Studiumsabschluss.

*wimmer*