Tagebuch, Freitag, 23. Juni 2017 – Aufrappeln

Mies geschlafen, traurig erwacht. Krönchen gerichtet, kurz gebloggt und dann ins Lenbachhaus gefahren, um mir Kunst anzugucken. Darüber kann ich noch nicht schreiben, denn darüber erzähle ich heute abend was in unserem Fehlfarben-Podcast, der aus seinem langen Dornröschenschlaf, in den er aus Gründen gefallen war, erwacht ist. Den ganzen Tag vorfreudig ob der Aufnahme gewesen.

Eingekauft, unter anderem den Wein für heute abend, auf den ich sehr gespannt bin. Mittag gegessen, das mal wieder aus Kirschen bestand, ich ernähre mich zurzeit nur von Eistee und Kirschen. Es ist zu warm für alles.

Mich inzwischen so an die FAZ gewöhnt, dass ich sogar den Wirtschaftsteil lese, weil ich halt gerade so gerne Zeitung lese.

Mich über die wenigen Anmerkungen meiner Korrekturleserin für die Masterarbeit gefreut; sorry, dass ich es nicht geschafft habe, Witzchen in die Fußnoten einzubauen, mir war nach ernsthafter Auseinandersetzung. Montag werde ich die Stabi fahren, wo noch ein letztes Werk auf mich wartet, dann wird korrigiert, dann in den Copyshop gefahren und dann gebe ich das Ding zwei Wochen vor dem offiziellen Termin ab. Man will ja auch die Rush Hour vorm Prüfungsamt vermeiden.

Abends die neue Staffel von Orange is the New Black beendet und sie für doof erklärt.

Spätabends in hervorragender Gesellschaft mit ebenso hervorragendem Wein, für den es nie zu warm ist, den Tag entspannt ausklingen lassen.

Tagebuch, Donnerstag, 22. Juni 2017 – Dreckstag

Einer von diesen Tagen, die viele Gewissheiten erschüttern. Ich dachte frustriert über Entscheidungen nach, die ich in den letzten fünf Jahren getroffen habe und fragte mich, ob ich vielleicht doch einfach alles hätte weiterlaufen lassen sollen, dann wüsste ich jetzt, wie meine Tage und Wochen und Monate und Jahre noch aussehen, jedenfalls in der Vorstellung … und während mein Kopf noch hadert, sagt der Bauch: Nein, das war die richtige Entscheidung, noch mal etwas Neues angefangen zu haben, auch wenn es sich jetzt gerade sehr nach Sackgasse anfühlt. Aber ich will einfach nicht glauben, dass dieses Studium, das mir so viel Freude und Herausforderung und Glücksgefühle und Lernerfolge gebracht hat, ein Fehler war. Wie kann etwas ein Fehler sein, bei dem man nachher klüger ist und mehr weiß als vorher?

Was schön war, Mittwoch, 21. Juni 2017 – Home Office

Ich konnte mir den Luxus gönnen, von zuhause aus zu arbeiten; ich musste weder in heiße U-Bahnen klettern noch durch die blöde Sonne radeln, sondern konnte morgens durchlüften, dann die Fenster verschließen und die Rolläden runterlassen, um die Wohnung halbwegs kühl zu halten. Außerdem habe ich einen Ventilator, legte mir zwischendurch mal ein nasses Handtuch in den Nacken, bereitete Eistee zu und konnte in sehr weiten und wenigen Klamotten am Schreibtisch sitzen, natürlich barfuß. Purer Luxus bei 31 Grad, genau diese 31 Grad nicht spüren zu müssen.

Was schön war, Dienstag, 20. Juni 2017 – Puzzlestücke, mal wieder

Für meinen Katalogtext zu Leo von Welden saß ich gestern nochmal im ZI, weil mein Dozent mich auf zwei seiner Aufsätze hingewiesen hatte, die vielleicht für mich interessant seien. Den einen fügte ich nicht ein, beim zweiten saß ich mal wieder grinsend vorm Rechner.

Es geht im betreffenden Absatz um die Ausstellungstätigkeit von Weldens zur Zeit des Nationalsozialismus. Wie wir uns alle, die meine Hausarbeit gelesen haben, erinnern, hat der Mann durchaus ausstellen dürfen, darunter auch in einer Wanderausstellung, von der ich bis vor wenigen Tagen nicht wusste, dass es eine ist.

Ich las einen Hinweis auf generelle Ausstellungstätigkeit in einem Zeitungsartikel von 1943, den ich im Archiv des Historischen Vereins Bad Aibling fand; ich zitiere kurz aus W. K.: „Der Maler unterm Pegasus“, in: Aiblinger Zeitung vom 13.8.1943, Archiv des Historischen Vereins Bad Aibling (AHVBA), Zeitungsausschnittsammlung (ZA) Leo von Welden, wo gesagt wurde, dass wir „seine Zeichnungen gleichzeitig in deutschen Ausstellungen in […] Würzburg, unter den Münchnern in Karlsbad und in der Deutschen Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts in Helsinki und Oslo und Rom“ finden. Aus diesem Artikel wurde mir nicht klar, dass die „Deutsche Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts“ eine Ausstellung war, ich dachte, das wäre eine Bezeichnung für einen Bestandteil der Sammlung. Mein Dozent verwies mich auf seinen Aufsatz: Christian Fuhrmeister: „Dr. iur. Dr. phil. Rolf Hetsch, ‚einziger zünftiger Kunsthistoriker‘ im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“, in: Ders./Klingen, Stephan/Lauterbach, Iris/Peters, Ralf (Hg.): „Führerauftrag Monumentalmalerei“. Eine Fotokampagne 1943–1945, Köln/Weimar/Wien 2006, S. 107–126. Auf S. 113 fand ich eine Beschreibung dieser Ausstellung, an der Rolf Hetsch mitgewirkt hatte, um den es im Aufsatz ging. Sie führte noch durch weitere Städte, nämlich Gent, Lüttich, Venedig, Lissabon und Madrid; in den beiden letzten Städten, wo sie 1944 Station machte, hatte sie einen anderen Namen, den ich mir nicht notiert habe, aber fürs Blog ist das jetzt kurz egal. Denn:

Beim Stichwort Lissabon erinnerte ich mich an einen anderen Zeitungsartikel, den ich schon vor über einem Jahr im Stadtarchiv Rosenheim in der Hand gehabt hatte. Zum Tode von Weldens 1967 stand dort nämlich: „In der diesjährigen Ausstellung im Haus der Kunst in München hängen drei Bilder von ihm. Ausstellungen in Madrid, Rom, Lissabon, Prag, Budapest und Berlin räumten seinen Bildern einen guten Platz ein. Leo von Weldens Name hatte internationalen Klang.“ (Quelle: HG: „Leo von Welden ist tot. Der Künstler ist 67jährig einem Herzschlag erlegen“, unbezeichneter Zeitungsartikel vom 1.8.1967, Stadtarchiv Rosenheim (StadtA Ro), Dokumentarische Sammlung zur Zeitgeschichte (DOK) Leo von Welden.)

Ich hatte seit einem Jahr versucht rauszubekommen, wann zum Teufel der Mann jemals in Madrid, Rom und Lissabon ausgestellt haben sollte. Jetzt weiß ich’s. Auch wieder bezeichnend, dass im Artikel mit keinem Wort erwähnt wurde, dass diese Ausstellungen 1943 und 1944 stattgefunden hatten. Und wieder ein Puzzlestückchen eingefügt.

Tagebuch, Montag, 19. Juni 2017 – Jalousien

Morgens zur Stabi geradelt. Radeln ist ja bekanntlich großartig, aber ich vergesse immer, dass im Sommer die Straßenseite, auf der ich morgens zur Stabi und nachmittags von ihr wegfahre, in der Sonne liegt. Und wo viele ja gerne dieses Gefühl auf den Armen spüren, von der Sonne geküsst zu werden, denke ich immer an meine armen Hautzellen, die panisch die Flammen abwehren, die sie gerade abkriegen.

Will Herbst. Jetzt! Oder ich suche endlich mal langärmelige Kleidungsstücke, in denen ich mich nicht totschwitze. Stupid Sonne.

In der Stabi wieder in alten Nazibüchern gelesen und spannende Dinge in meine Masterarbeit eingefügt. Ich war allerdings viel zu schnell mit meiner Arbeit fertig; ich musste bis 10 warten, bis im Erdgeschoss die Buchrückgabe öffnet, denn das wollte ich auch noch erledigen. Also las ich zum fünfzigsten Mal meine Arbeit durch und fand natürlich noch Dinge, die man hübscher formulieren könnte.

Um 10 dann aber runtergegangen, Bücher abgegeben, zur UB geradelt (stupid Sonne), dort ebenfalls Bücher abgegeben und einen neuen Schwung ausgeliehen. Die haben alle nichts mehr mit der Uni zu tun, die darf ich jetzt lesen, weil ich Zeit habe, yay!

Neuerdings lese ich in Blogs oder auf Twitter darüber, dass man Menschen nicht von vornherein Bösartigkeit unterstellen sollte, bei dem, was sie tun und was mich vielleicht nervt oder stört. Stattdessen soll ich davon ausgehen, dass sie nur gedankenlos sind. Das habe ich gestern am lebenden Objekt ausprobieren können, als ich neben einer Dame am Fußgängerüberweg vor der Ludwigskirche stand und auf die andere Straßenseite zur UB wollte.

Ich war schon vom Rad abgestiegen, denn ich wollte es schieben; auf der anderen Straßenseite befindet sich nämlich der U-Bahn-Ausgang der Station Universität, aus dem und in den immer irrwitzig viele Menschen kommen und gehen. Der Fußweg ist dort sehr schmal, der Radweg auch, und außerdem steht noch ein Blumenstand in der Gegend rum, der noch mehr Platz wegnimmt. Der Dame war das egal, sie fuhr über den Fußgängerübergang und stieg auch drüben nicht vom Rad, sondern radelte fröhlich durch die Fußgänger durch, die ihr notgedrungen auswichen. Dann stellte sie ihr Rad an der UB ab und schaffte es, dabei den Eingang zum Fahrstuhl zu blockieren, mit dem Rollstuhlfahrer*innen oder Menschen mit Kinderwägen zum Bahnsteig kommen. Darauf machte sie netterweise jemand aufmerksam, bevor ich das tun konnte. Ich schloss mein Rad an und ging in die UB, genau wie die Dame. Dort blieb ich kurz an den neu befüllten Schaukästen stehen, in denen Bücher über und von Luther liegen – sehr spannend, man bekommt einen schönen Überblick, wer seit 500 Jahren wie mit Luther argumentiert; direkt nebeneinander lagen zwei Bücher aus dem 19. (oder war’s noch das 18.?) Jahrhundert, die mit „aufklärerisch“ und „antiaufklärerisch“ überschrieben waren.

Dann ging ich zum Rückgabeschalter, wo schon zwei Leute warteten – und jetzt auch die Dame von eben, die sich einfach von der falschen Seite angestellt hatte, um vor den beiden dran zu sein. Dann fiel ihr auch noch irgendein Einleger aus einem ihrer Bücher, auf den sie drauftrat, bevor einer der beiden Wartenden sie darauf aufmerksam machte. Sie legte das Blättchen ins Buch und trat dann einfach an den Schalter, während der freundliche Mensch, der ihr gesagt hatte, dass sie gerade auf Bibliotheksgut rumtrampelt, verwirrt guckte, aber wartete.

„Gedankenlos“ ist mir hier vielleicht doch ein bisschen zu schwach. Vielleich trifft „komplett blind für alles außer einen selber“ es besser.

Ich fuhr nach Hause und freute mich über die Jalousien, die dafür sorgen, dass in meiner Wohnung erträgliche Temperaturen herrschten, während es draußen langsam auf die 30 Grad zuging. Am Schreibtisch quengelte ich dann wieder über das Stylesheet, mit dem die Lektorin unseres Katalogs uns versorgt hat und nach dem wir unsere Texte jetzt ausrichten. Das besteht nämlich quasi nur aus Kommata, wo ich gerne Doppelpunkte mache und will auch keine kursiven Auszeichnungen. Ein Beispiel, wie schlimmschlimmschlimm das alles aussieht:

Frédéric Hartweg, Von der Entfremdung zur Annäherung. Die deutsch-französische Erbfeindschaft, in: Kirchliche Zeitgeschichte 14, 2002, S. 313–372

Während ich sonst immer schreibe:

Frédéric Hartweg: „Von der Entfremdung zur Annäherung. Die deutsch-französische Erbfeindschaft“, in: Kirchliche Zeitgeschichte 14 (2002), S. 313–372.

Mit Punkt am Ende. Dass nirgends ein Punkt steht, macht mich extrawahnsinnig.

Es hat mich sehr gefreut, dass ich mit meinem Gejammer nicht alleine bin.

Was schön war, Sonntag, 18. Juni 2017 – zumindest die erste Tageshälfte und dann irgendwie auch der Abend

Morgens wieder walken gewesen. Wenn der Wecker um 6 klingelt, verbiete ich mir, mit mir selbst zu diskutieren, sondern stehe auf, bevor ich überhaupt anfangen kann, mich wieder ins Bett zu quatschen. Wenn ich im Bad bin, ziehe ich sofort alle Schlafklamotten aus, und das reicht meistens, um mich selbst davon zu überzeugen, dass ich jetzt echt gerne vor die Haustür will. Inzwischen weiß ich ja auch, dass ich es wirklich genieße, morgens in ziemlicher Ruhe mit meist recht wenigen Menschen durch viel Grün zu stapfen, bevor es wieder so widerlich warm wird. Aber ich muss eben erstmal im Grünen sein, und deswegen muss ich leider aus dem Bett.

Gestern habe ich gelernt, dass ich bei verstreutem Müll an Papierkörben nicht immer augenrollend an doofe Menschen denken sollte, sondern vielleicht auch an schlaue Krähen. Auf meiner ersten Runde sah ich eine Krähe auf einem der gedeckelten Papierkörbe sitzen und an irgendwas rumzerren. Als ich in der zweiten Runde wieder vorbeikam, lagen neben dem Papierkorb zwei aufgeklappte Pizzaschachteln, in denen nur noch Tomatensaucenreste erkennbar waren, alles andere war säuberlich weggeschnabelt.

Den Rest des Vormittags mit Zeitung- und Buchlesen verbracht. The Vanishing Man: In Pursuit of Velazquez ausgelesen; das kann ich sehr weiterempfehlen. Ich habe viel über den spanischen Hof im 17. Jahrhundert gelernt, aber noch mehr darüber, wie Menschen im 19. Jahrhundert in England und den USA – oder besser: in London und New York – Gemälde anschauen konnten, bevor es die großen Museen gab. Ich verweise auf die Rezension in der New York Times, die auch nicht sehr viel spoilert und das Buch gut zusammenfasst: „The book is a pair of biographies (Snare, Velázquez), a series of critical essays, a history of King Philip’s IV court, a cold-case mystery, a courtroom drama, an adventure story, a travelogue.“

Einzige Kritik: Man merkt Frau Cumming schon sehr an, wie verknallt sie in Velázquez’ Malweise ist, denn sie beschreibt sie ungefähr eintausendmal. Das hätte man eventuell etwas kürzen können. Und die Prozessbeschreibung in Edinburgh, an der auch die NYT rummeckerte, war mir deutlich zu lang, da hat das Buch mich ganz kurz zum Querlesen verleitet.

Ab da wurde der Tag etwas anstrengend.

Nachmittags knetete ich den schönsten Nudelteig, den ich je geknetet hatte, weil ich Ravioli machen wollte. Während der Teig ruhte, vermengte ich Erbsen mit Tunfisch, mit denen ich die Pasta füllen wollte. Dann holte ich mein geliebtes Maschinchen vom Schrank und begann, Teigbahnen auszurollen – und scheiterte. Ich habe es zum ersten Mal nicht hinbekommen, eine einzige verwendbare Teigbahn auszurollen; der Teig, der in meinen Händen noch wunderbar elastisch und weich war, wurde beim Durchrollen spröde und TOTAL GEMEIN ZU MIR. Schwitzend arbeitete ich eine Stunde, bis ich den Klumpen wütend und traurig in den Müll warf und fertige Nudeln kochte. Nebenbei blubberten Tomaten und Zwiebeln in einer Pfanne zu einer Sauce und sahen herrlich hellrot aus. Dazu rührte ich die herrlich grüne Farce, die eigentlich in die Ravioli gehört hätte, und im Moment des ersten Umrührens fielen mir alle Farblehren dieser Welt ein.

Ich hatte dann also fertige Conchiglie mit braunem Matsch auf dem Teller und dachte mir, wenigstens ist es jetzt schon spät genug, um die neue Masterchef-Folge aus Australien online zu finden. Ich setzte mich aufs Sofa, klickte ins Internet – und stellte fest: da war kein Internet.

Mein Router blinkte nicht mehr überall, wo er blinken sollte, also erledigte ich die üblichen Handgriffe – „Have you tried turning it off and on again“ –, aber er blinkte immer noch nicht. Auch mein Handy hatte kein Netz; WLAN war da, WWW aber nicht. Ich rief die Störungshotline der Telekom an und erfuhr von der freundlichen Bandstimme, dass man einiges an Störungen wohl selbst analysieren könne – ob ich den Link aufs Handy haben wolle? Yes, please. Die Analyse brachte dann auch nichts, aber immerhin weiß ich jetzt wieder, wo mein Kabel liegt, das den Router mit dem Rechner verbindet. Ich meldete nölig per Handy meine Störung und aß kalte Nudeln.

Wie sehr man ans Internet gewöhnt ist, merkte ich anhand meiner üblichen dusseligen Gedankengänge: Okay, wenn ich nicht Masterchef gucken kann, dann halt Netflix. Oh wait. Okay, dann die Fußball-EM im Livestream. Oh wait.

Schließlich setzte ich mich an den Schreibtisch, denn ich hatte am Freitag Feedback meines Dozenten auf den Leo-von-Welden-Katalogtext bekommen für unsere Ausstellung im September in Rosenheim. Für einige Korrekturen musste ich ins ZI, aber vieles konnte ich auch schon von zuhause erledigen. So saß ich bis 22 Uhr, gefühlt von der Außenwelt abgeschnitten, am Schreibtisch und korrigierte. Mittendrin fielen mir immer Dinge ein, die ich mal eben schnell googeln wollte, but oh wait. Beim dritten Gedankengang in diese Richtung ließ ich das einfach sein, denn auch aufs Rumgoogeln per Smartphone hatte ich keine Lust. Ich merkte auch, dass ich keine Lust hatte, dauernd auf Twitter oder Instagram zu gucken und stellte überrascht fest, dass das eigentlich ganz nett war, diese kleine Auszeit.

Nach der Arbeit wollte ich eigenlich schlafen, aber dann las ich mich in meinem neuen Buch über Henrietta Lacks fest, das sich ziemlich wie geschnitten Brot runterlesen lässt. Populärwissenschaftlich schreiben können die Amis ja schon recht hübsch.

Was schön war, Freitag/Samstag, 16./17. Juni 2017 – Binging in Silence

Nachdem die wichtigen Sachen erledigt waren, konnte ich mich hemmungslos unwichtigen hingeben: Serien. Ich begann bereits am Donnerstag, endlich mal die letzten Folgen von The Handmaid’s Tale nachzuholen und schloss die erste Staffel am Freitag ab. Die Serie eignet sich nicht so recht zum Wegbingen, denn man ist konstant sehr schlecht gelaunt und möchte bei Beginn jeden Abspanns durch die Gegend rennen und FUCK THE PATRIARCHY an alles sprühen, was einem vor die Dose kommt.

Ich fand die Serie ähnlich unerträglich wie das Buch, vor allem, weil man den Bildern so ausgeliefert ist, während man beim Buch ab und zu querlesen konnte. Andererseits waren die Bilder natürlich auch großartig, allen voran die roten Mäntel und weißen Flügelhauben der Handmaids. Manchmal war mir der Einsatz von Zeitlupe zu exzessiv, und auf einige Gewaltdarstellungen, vor allem in der letzten Folge, hätte ich gerne verzichtet. Auch die Musikauswahl fand ich manchmal sehr seltsam (Feeling Good), in anderen Momenten aber wieder großartig ((Don’t you) Forget about me).

Der größte Unterschied zum Buch war das Vorhandensein von Schwarzen Menschen, die im Buch keine Chance auf Überleben hatten, nicht mal als Handmaid. Da das heutige Serienpublikum aber eine ausgewogene Besetzung will, gibt es in der Serie Schwarze. Dass das die Probleme nicht löst, sondern die Serie noch irritierender sein lässt als sie eh schon ist, beschreibt Vulture sehr schön:

In Its First Season, The Handmaid’s Tale’s Greatest Failing Is How It Handles Race

„As writer Priya Nair points out for Bitch magazine, the strictures that shape the lives of the handmaids, like the protagonist, June (an excellent Elisabeth Moss) — “banned from reading, writing, or congregating, the spectacle of public lynchings,” and renamed after the men that own them (she’s named Offred to mean “of Fred”) — are the same methods that have been used to control black people during and after slavery.

In Atwood’s novel, black people are mentioned in only a few sentences to alert readers that they’ve been rounded up and sent to some colony in the Midwest, in a move that resembles South Africa’s apartheid. This decision feels like the mark of a writer unable to reckon with how race would compound the horrors of a hyper-Evangelical-ruled culture. Furthermore, it misrepresents how black and brown people resist in times of crisis. As writer Mikki Kendall noted on Twitter, “black people did not survive slavery, Jim Crow, and the war on drugs to be taken out by a handful of white boys with guns.” […]

But the show doesn’t end up considering the racial dynamics of June’s family, or what it means to be a handmaid of color. In the end, its approach to race is just as mishandled as Atwood’s. The Handmaid’s Tale’s silence on race grows more awkward as the show goes on, particularly in light of its marketing as a politically astute salve for these troubled times, and the girl-power inflected feminism destined to launch a thousand T-shirts with clever wordplay. In reality, though, it’s more concerned with the interiority of white women at the expense of people of color who recognize that Gilead isn’t a possible horrifying future, but the reality of what America has always been.“

Gestern begann ich endlich mit der neuen Staffel von Orange is the New Black, aber so richtig will sie mir nach vier Folgen noch nicht gefallen. Vielleicht auch, weil die letzten beiden Folgen der vierten Staffel so dramatisch waren und die neuen sich im Gegensatz dazu irgendwie albern anfühlen.

(Missing [Charaktername, den ich nicht spoilern will, falls irgendjemand die vierte Staffel noch nicht gesehen haben sollte] so much.)

Freitagszeitung nachgeholt, Samstagszeitung gelesen, noch ein paar Zeilen in der Masterarbeit korrigiert, ein Pfund Kirschen gegessen, einen riesigen Milchkaffee getrunken, alles in herrlicher Stille. Ich glaube, ich habe gestern kein einziges Wort gesprochen. Das war schön.

Was schön war, Mittwoch/Donnerstag, 14./15. Juni 2017 – Erledigt

Mittwoch saß ich im ZI und bastelte lustig mein Abbildungsverzeichnis, für das ich gefühlt zwanzig Kilo Ausstellungskataloge zum Scanner schleppte. Wenn ich noch einmal „faule Studis“ höre, werfe ich mit den Katalogen, ich bin gerade im Training.

Abends endlich mal wieder einen Abend mit F. verbracht, der ein bisschen unterwegs war, dann war ich im Schreibtischmodus und jetzt ist er schon wieder weg, also nutzten wir den einen Abend, wo wir beide den Kopf frei hatten und gossen eben diesen schön mit blubberndem Alkohol zu. Dazu gab’s Couscoussalat.

Gestern las ich zum wiederholten Male die Arbeit durch, machte die Fußnoten endgültig hübsch und finalisierte das Abbildungsverzeichnis. Ich warte noch auf ein Buch aus der Stabi, das ich für einen Beleg brauche, und dann bin ich fertig.

Außerdem war ich gestern morgen wieder Walken und nach zwei Runden Gehen dachte ich mir, so, jetzt läufst du deine übliche halbe Runde. Und dann war die halbe Runde rum und ich lief irgendwie immer noch, weil’s halt gerade ging und ich lief einfach so weiter und wartete drauf, tot umzufallen, aber das ging alles, und so lief ich weiter als ich seit der zehnten Klasse jemals gelaufen bin, was in Meterzahlen ausgedrückt für Leute, die ernsthaft laufen, total lächerlich ist, aber für mich eine ziemlich große Sache, und dann war ich einmal um den ganzen Friedhof gelaufen und blieb stehen und freute mich, während ich nach Luft rang und die üblichen Walker mich überholten, als wär nix gewesen.

Meine Knie sind heute morgen auch nicht so zickig wie sonst. Nach den ersten Läufen, wenn man diese wenigen Meter überhaupt so nennen kann, meckerten sie mich am nächsten Tag gerne an, so nach dem Motto: „Was soll DAS denn jetzt? Wir sind doch jahrzehntelang ohne diesen Quatsch klargekommen!“ Tjahaa, öfter mal was Neues, Knie! Anhand meiner heutigen Schmerzfreiheit stelle ich fest: Ich habe sie anscheinend moralisch besiegt und sie gehen jetzt halt mit mir laufen. Es bleibt ihnen ja auch nichts anderes übrig.

Masterarbeit fertig. Einmal um den Friedhof gelaufen. Damit sind beide Dinge erledigt, die ich mir für diesen Sommer vorgenommen hatte. Was mach ich denn jetzt? Oh, hier, tolle Idee: Bewerbungen schreiben! An Leute, die noch gar nicht wissen, dass sie mich brauchen! Und mich auch noch anständig bezahlen sollen! Das wird im Kultursektor bestimmt total einfach!

*irre lachend ab*

Was schön war, Montag/Dienstag, 12./13. Juni 2017 – 1. Korrekturgang

Montag betrieb ich Fußnotenpflege. Wenn ich vor mich hintippe, werfe ich manchmal Gedanken in die Fußnoten, von denen ich weiß, dass sie stimmen, aber ohne einen Beleg parat zu haben. Das Getippte markiere ich rot, damit ich weiß, dass ich dafür noch einen Beleg suchen muss, und das tat ich vorgestern. Zunächst saß ich in der Stabi und ergänzte lustige Dinge über Bayreuther Aufführungen in den 1950er Jahren, Nietzsches anstrengende Ergüsse, Kiefers Rezeption in den USA sowie seine Mitwirkung auf der Documenta 1977, von der ich bisher nur wusste, dass er ausgestellt hatte, aber ich wusste nicht genau, was – weiß ich jetzt, danke, Stabi, die den Katalog hatte, der unfassbarerweise nicht im ZI stand.

Dann radelte ich ins Historicum, wo ich Dinge zum Westwall nachgucken wollte, zu Orden aus dem „Dritten Reich“, zur Aktion T4 und noch ein weiteres Zitat, das ich in den Fußnoten paraphrasiert, aber nicht im Original irgendwo notiert hatte, ich Idiot. Das betreffende Buch hatte ich schon zurückgeben müssen, aber es stand noch im Historicum, das eine Präsenzbibliothek ist, was überhaupt die tollste aller Bibliotheksformen ist (finde ich). Ich suchte also vier Bücher und, yay, Jackpot … hier augenrollendes Emoji vorstellen … ich hatte im Vorfeld festgestellt, dass sie auf vier verschiedenen Stockwerken standen. Warum ich nicht entspannt den Fahrstuhl in den vierten Stock nahm und dann von oben nach unten die Bücher einsammelte, weiß ich nicht mehr; vermutlich, weil ich lieber im 4. Stock sitze und arbeite anstatt im 1. Ich kletterte also Treppen, suchte mich durch Regale, fand aber alle Bücher und konnte die Fußnoten recht schnell ergänzen.

Den Nachmittag verbrachte ich zuhause, wo ich erstmals alle Fußnoten mit dem Literaturverzeichnis verglich. Das heißt, ich überprüfte, ob alles, was ich zitiert hatte, auch im LV auftauchte oder ob ich was vergessen hatte (zwei Bücher – bei denen dachte ich, die hab ich so oft im Hinterkopf gehabt, natürlich hab ich die notiert, aber nein, die hatte ich nur so oft im Hinterkopf, weil ich ihr Thema so oft erwähnte; wirklich zitiert hatte ich sie nur einmal, und da dachte ich beide Male, ach, das Buch haste schon notiert) oder ob im LV noch Bücher rumlungern, die ich zitiert, dann die Fußnote aber wieder gelöscht hatte (ebenfalls zwei Titel).

Mein Literaturverzeichnis ist auf unfassbare sechzehn Seiten angewachsen, und das ist mir selbst ein bisschen peinlich. Ich weiß, dass ich irrsinnig viel lese und ebenso viel zitiere, aber so überbordend war das noch nie.

Gestern bastelte ich zunächst das Abbildungsverzeichnis, das 35 Seiten hat; ich zeige 37 Abbildungen, bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob ich nicht noch ein oder zwei rauswerfe. Ein paar Tage/Wochen zum Nachdenken habe ich noch. Für das Abbildungsverzeichnis hatte ich teilweise schon Bilder eingescannt, wenn ich die betreffenden Bücher eh im ZI in der Hand hatte, aber nicht alles, was ich brauchte, weil ich mir gerade bei Kiefers vielseitigen Büchern nicht sicher war, welche Seiten ich genau abbilden wollte. Ich schrieb erstmal meine Diskussion auf, und jetzt, wo die fertig ist, weiß ich auch genau, was ich zeigen will, um meine Gedankengänge zu verdeutlichen. Die meisten Bilder von Lüpertz fand ich digital bei Prometheus, dem Bildarchiv, auf das ich durch die LMU Zugang habe. Es ist, wie ich schon einmal schrieb (runterscrollen), mit Vorsicht zu benutzen, aber dadurch, dass ich die Bilder, die ich beschreibe, jetzt seit Monaten angucke, bin ich mir bei der Auswahl sehr sicher.

Und dann las ich abends die ganze Arbeit zum ersten Mal in einem Schwung durch, mit allem, Inhaltsverzeichnis, Einleitung, die lange Argumentation, Vergleich, Rausschmeißer. Der reine Textteil ist 62 Seiten lang, und ich habe knapp drei Stunden gebraucht, um ihn konzentriert durchzulesen, obwohl ich ja fast auswendig kann, was da steht. Alleine das Ausdrucken hat so lange gedauert, dass ich währenddessen den Abwasch erledigen und den Schreibtisch aufräumen konnte. So einen Monstertext habe ich noch nie geschrieben, bin aber nach dem ersten Korrrekturgang recht zufrieden. Irgendwas ist ja immer.

Heute vervollständige ich das Abbildungsverzeichnis im ZI und korrigiere alles, was ich gestern mit Rotstift im Ausdruck vermerkt habe. Dann lasse ich alles morgen am Feiertag (Bayern, ey) liegen, wo eh alles geschlossen hat, was ich brauchen könnte, dann lese ich nochmal rüber, dann nochmal, und dann darf die Korrekturfee ran.

Und dann fahre ich einfach noch mal so ins Historicum und nehme Abschied von der zweitschönsten Bibliothek Münchens nach dem ZI. Bis zum 30. September gilt mein Studiausweis, und bis dahin werde ich da rumsitzen, basta.

Was schön war, Sonntag, 11. Juni 2017 – First Draft

Gestern den direkten Vergleich zwischen Kiefer und Lüpertz sowie die Zusammenfassung geschrieben. Damit steht die erste Textfassung der Masterarbeit.

Jetzt korrigiere ich mindestens eine Woche bis zur zehnten Fassung an ihr rum und dann kriegt die Korrekturfee was zu tun. Und irgendwann mache ich auch noch das elend lange Abbildungsverzeichnis, was bei jeder kunsthistorischen Arbeit ein einziger Schmerz im Arsch ist. Zumindest in Word. Nein, ich fange jetzt nicht auf den letzten Metern noch ein neues Programm an, danke für alle gut gemeinten Hinweise. Ich werde auch meine Diss in Word schreiben und auch dort über das Abbildungsverzeichnis meckern. Es muss ja Konstanten geben in meinem Leben.

Was schön war, Samstag, 10. Juni 2017 – Luxus

Luxus: genug Geld zu haben, um einkaufen zu gehen, ohne auf Preise achten zu müssen. Im Supermarkt zwischen überquellenden Regalen zu stehen, in der Obst- und Gemüseabteilung so viel wunderbare Ware zu finden. In meinem Einkaufswagen landeten Kirschen, Zitronen, Äpfel, Paprika, eine Gurke, dann ging ich zum Metzger, um mir Pastrami zu gönnen, die für mich kein Alltagsprodukt ist, warum auch immer. Ich kaufte für mich frisch geschnittenen Käse, meine Lieblingspasta, die etwas teurer ist als die Hausmarke, aber auch viel besser schmeckt, und freute mich darüber, Geld zu haben, um es für Dinge ausgeben zu können, die mir Freude machen.

Luxus: zu wissen, man liegt richtig gut in der Zeit und kann die Masterarbeit auch mal einen Tag liegen lassen. Ich habe sie gestern überhaupt nicht angeguckt und setze mich dafür heute an den Schreibtisch.

Luxus: die Zeit zu haben, eine Zeitung durchzulesen. Also richtig durchzulesen, auch die Artikel im Wirtschafts- und Finanzteil, die ich unter der Woche manchmal nicht mal angucke, weil es schon so spät am Abend ist und ich keine Lust mehr auf Dinge habe, die ich nicht sofort verstehe, so wie ich das Feuilleton verstehe.

Luxus: ein bequemes Bett, tiefer Schlaf. Okay, bis auf das übliche Aufwachen mitten in der Nacht, weil mir ein guter Satz zu Lüpertz eingefallen ist, mit dem ich ihn sehr effektiv von Kiefer absetzen kann. Mir selbst per iPhone gemailt, was irgendwie auch totaler Luxus ist (die Einfachheit von Dingen wie WLAN). Und es ist Luxus, nachts Aufgeschriebenes am nächsten Morgen lesen zu können, weil man es getippt anstatt im Halbschlaf handschriftlich irgendwo hingeschmiert hat.

Was schön war, Freitag, 9. Juni 2017 – Fast fertig (in Anführungszeichen)

Entspannt erwacht, pünktlich im ZI gewesen, den Lieblingsplatz hinten in der Ecke im klimatisierten Lesesaal gekriegt. Den zweiten von drei Lüpertz-Teilen, den ich vorgestern verfasst hatte, durchgelesen und bis auf wenige Korrekturen abgenickt. Mich dann an den dritten und letzten gesetzt, konzentriert gearbeitet, und um kurz nach 15 Uhr war ich dann fast mit der Arbeit fertig. Ich bin jetzt bei 97.000 Zeichen, mir fehlt noch der vermutlich recht kurze Abschnitt mit einem direkten Kiefer-Lüpertz-Vergleich, und dann kommt schon die Zusammenfassung, womit die Arbeit dann fertig ist. Ich soll zwischen 100.000 und 120.000 Zeichen abgeben.

Damit habe ich in einer Wochen 35.000 Zeichen Lüpertz geschafft, was ich mir zwar vorgenommen, aber nicht wirklich geglaubt hatte. Und wo ich gerade die Lüpertz-Zeichen gezählt habe: Kiefer hat momentan 33.000 Zeichen, was mich jetzt selbst überrascht. Gefühlt habe ich zu ihm mehr geschrieben. Ts. Zeichenzählfunktion, du kleines Überraschungsei.

Mit Fußnoten bin ich übrigens bei 153.000. Vielleicht versteht ihr jetzt, warum ich in den vergangenen drei Semestern so an der ollen Zeichenbegrenzung gelitten habe, denn da wurden die Fußnoten mitgezählt. In Geschichte konnte ich immer schön das ganze Nebenbei-Wissen in die Fußnoten packen und blieb entspannt im vorgegebenen Rahmen, in Kunstgeschichte zählte alles, und ich hatte immer das Gefühl, ich schreibe nur Stümpfe statt anständiger Argumentationen.

Jetzt, wo die Masterarbeit fast durch ist, würde ich irrsinnig gerne wieder Stümpfchen schreiben. Vielleicht immatrikuliere ich mich in Philosophie oder Politikwissenschaften. Vor ein paar Tagen ist mir nämlich siedendheiß eingefallen, dass ich mit dem Ende des Studium nicht nur mein herrlich günstiges Semesterticket verliere, sondern – was viel schlimmer ist – nicht mehr in die ganzen Unibibliotheken darf. OMG DIE HISTORICUMSBIBLIOTHEK! SIE IST FÜR MICH VERSCHLOSSEN! In die blöde KuGi-Bib will ich gar nicht mehr, denn ins ZI komme ich ja weiterhin, aber DIE HISTORICUMSBIBLIOTHEK!

Okay, ich schreib mich für irgendwas ein. Dieser Abschied geht mir zu schnell. Ich bin noch nicht vorbereitet!

Herzlich über eine Formulierung in der FAZ gelacht because it’s true:

„Doch je banaler das Werk, desto mehr drehen die Documenta-Katalogschreiber rhetorisch auf: Agnes Denes’ bepflanzte Pyramide ist ‚eine soziale Struktur – sozial, weil das gepflanzte Material Vorstellungen von Evolution und Regeneration vermittelt; die Arbeit fördert außerdem eine Mikrogesellschaft aus Menschen, die sich um die laufende Pflege kümmern.‘ So klingt es, wenn in der Kunstwelt zwei Leute Blumen gießen.“

(Niklas Maak: „Vor der Tür“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.6.2017, S. 11.)

Und dann war da noch das:


Meine erste kunsthistorische Veröffentlichung liegt endlich auf meinem Schreibtisch. Wenn ich meinen Namen zum ersten Mal in der Suchmaschine des Zentralinstituts für Kunstgeschichte finde, mach ich eine Flasche Schampus auf.

Der Katalog zu dieser Ausstellung erscheint leider nur auf Englisch und Französisch. Ich werde in nächster Zeit mal meine liebsten Katalogtexte auf Deutsch ins Blog stellen. Schöner Studiumsabschluss.

*wimmer*

Was schön war, die ganze Woche

Derzeit sehen meine Tage alle gleich aus: Ich sitze ab neun, meist bis 16 oder sogar 17 Uhr ohne Pause im ZI und schrubbe Zeichen an meine Masterarbeit. Dann kaufe ich ein, das Eingekaufte wird dann verkocht (gestern gab’s zum Beispiel diesen herrlichen Lammburger aus dem guten, alten River Cottage Everyday-Kochbuch), dann gucke ich Masterchef Australia, dann lese ich zwei Stunden die FAZ, und dann lungere ich entweder bei F. oder vor ein, zwei Serienfolgen rum, bis ich sehr müde ins Bett falle. Ab und zu stehe ich um 6 auf und walke, aber ich muss zugeben, dass ich in dieser Woche außer am Sonntag jedesmal den Wecker ausgetreten und weitergeschlafen habe – geistige Arbeit strengt eben doch an, und es gibt Weniges, was mich so sehr angenervt sein lässt wie zu wenig Schlaf. Der ist im Moment eh ein bisschen launisch, was aber daran liegen könnte, dass ich gerne um drei Uhr aufwache, weil mir noch irgendwas IRRSINNIG WICHTIGES FÜR DIE MA-ARBEIT eingefallen ist, das ich mir sofort per Mail schicken muss; dann pingt natürlich mein iPhone, und ich wundere mich kurz, welcher Idiot mir denn nachts um drei … oh. Okay.

Das ist momentan ein sehr gutes Leben, das ich führe, aber es gibt gerade nicht so irrsinnig viel fürs Blog her. Aber dafür für meinen Kopf. Und wir wissen ja: Ist das Köpfchen gesund, freut sich der Mensch.

Salted Chocolate Chip Cookies

Bisher habe ich immer ein älteres Rezept für amerikanische, quietschige Schokokekse genutzt, aber dieses Rezept von David Leibovitz gefällt mir neuerdings besser. Vermutlich auch, weil es nicht ganz so irre süß ist. Aber logischerweise noch süß genug.

Im folgenden Rezept wird nach gesalzener Butter verlangt. Die habe ich nie im Haus, daher nehme ich ungesalzene, mache aber aus dem unten angegebenen halben Teelöffel Salz für den Teig einen dreiviertel und bestreue außerdem jeden Keks noch mit ein bisschen Meersalz. Bei mir kommen insgesamt um die 30 Kekse aka zweieinhalb Bleche aus dem Rezept raus. (Plus ein, zwei Esslöffel roher Teig zum Wegnaschen.)

115 g gesalzene Butter (Raumtemperatur) mit
110 g braunem Zucker oder Rohrzucker und
100 g Kristallzucker schaumig aufschlagen.

1 Ei dazugeben und verrühren. In die Masse noch

180 g Mehl, Type 405,
1/2 TL Natron und
1/2 TL flockiges Meersalz (diese flachen Plättchen) geben und unterrühren. Zum Schluss noch
200 g grob gehackte dunkle Schokolade unterrühren.

Wer mag, fügt noch 1/2 Teelöffel Vanilleextrakt hinzu, ich lasse den grunsätzlich weg. Außerdem kann man gerne noch gute 100 g Nüsse in den Teig geben, auch das will ich nicht.

Den Teig mindestens eine Stunde kalt stellen. Im Originalrezept steht was von über Nacht, aber mit sowas fangen wir gar nicht erst an. Der Teig muss so fest geworden sein, dass man aus ihm problemlos mit der Hand walnussgroße Bällchen formen kann, ohne dass alles an einem kleben bleibt. Bei mir reicht da eine gute Stunde im Kühlschrank.

Auf ein mit Backpapier belegtes Blech jeweils zwölf von den Bällchen legen, bitte mit entsprechendem Abstand, die Kekse fließen auseinander, so dass sie zum Schluss gute fünf, sechs Zentimeter Durchmesser haben. Wer größere Kekse will, macht größere Bällchen. Wie oben beschrieben, habe ich die Kekse noch mit ein paar Flocken Meersalz bestreut.

Im auf 180° vorgeheizten Backofen für zwölf Minuten backen, dabei nach sechs Minuten das Blech einmal drehen. Diesen Tipp habe ich bei meinem Hamburger Backofen nie gebraucht, der buk brav gleichmäßig, hier in München habe ich gemerkt, dass das einen großen Unterschied macht, also drehe ich neuerdings. (Dämlicher Ofen.)

Bitte nicht sklavisch an die zwölf Minuten halten, sondern selbst mal in den Ofen gucken. Wenn die Kekse am Rand ganz leicht gebräunt sind, sind sie fertig, was in meinem Fall heißt: am Rand knusprig und innen zäh. Sie sehen dann in der Mitte noch nicht fertig aus, sind es aber.

Was schön war, Sonntag, 4. Juni 2017 – Drei Viertel

Morgens wieder Walken gewesen und dabei den Unterschied zwischen „Regen im März, wenn es 10 Grad sind und man eine Regenjacke trägt“ und „Regen im Juni, wenn es 17 Grad sind und man keine trägt“ kennengelernt. Ist beides toll. Ich mag das Regengeräusch auf meiner Kapuze, aber ich hasse nasse Wege, weil ich ja bekanntlich etwas unsicher unterwegs bin. Sommerregen fühlt sich stattdessen wie eine Mitnehmdusche an; das war herrlich.

Generell bin ich immer nervös, wenn ich mir durchlese, was ich am Vortag verfasst habe, denn ich erwarte grundsätzlich mies formulierten Quatsch. Der erste Schwung Lüpertz war aber okay, ich kann beruhigt mit dem zweiten anfangen (nur nicht heute, weil Feiertag und geschlossene Bibliotheken, hmpf).

Ich habe mir zum ersten Mal den kompletten bisherigen Stand der MA-Arbeit ausgedruckt und durchgelesen, um ein Gefühl dafür zu kriegen, ob man einen großen Bogen sieht oder das alles gefühlt einzelne Blöcke sind, denn so habe ich sie innerlich angedacht, aber so sollen sie natürlich nicht klingen. Heißt: Ich habe einzelne Stoffsammlungen zu den einzelnen großen Themenblöcken angelegt, also: Einleitung und Forschungsstand, Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik, deutsche Kunst nach 45, die sich mit der NS-Zeit beschäftigt, Georg Baselitz, Gerhard Richter und dann die großen Blöcke Anselm Kiefer und Markus Lüpertz, abschließend ein Vergleich sowie als Rausschmeißer die Zusammenfassung. Natürlich habe ich, wenn ich schreibe, immer im Hinterkopf, was ich schon geschrieben habe, um mich darauf beziehen zu können. Deswegen schreibe ich auch von vorne nach hinten und erst, wenn ich genau weiß, wo ich hin will. Der Twitter-Account des LMU-Schreibzentrums hat mir mal gesagt, dass man Menschen, die so schreiben, Architekten nennt. Andere fangen irgendwo an, kommen zum Schluss, fügen vorne noch was ein und schreiben die Einleitung als letztes, was sich mir überhaupt nicht erschließt. In der Einleitung lege ich fest, wie meine Forschungsfrage lautet und zeige den Weg auf, sie zu beantworten; ich bastele mir also schon das Gerüst für die Arbeit. Ehe ich das nicht habe, weiß ich gar nicht, wo ich hin will. Daher schreibe ich die Einleitung grundsätzlich zuerst, um mir selbst darüber klarzuwerden, was ich eigentlich aufschreiben möchte. Wenn ich dabei schon ins Stottern gerate, weiß ich, dass irgendwas in der grundsätzlichen Ausrichtung knirscht.

Das habe ich dieses Mal allerdings erst gestern gemerkt. Als ich den ganzen Schwung – ich bin jetzt zu drei Vierteln fertig und bin bei gut 72.000 Zeichen; 100.000 sollen es werden – durchgelesen hatte, fiel mir auf, dass ich eine latent andere Frage beantwortet habe als die, die in der Einleitung steht. Kurz gegrinst, korrigiert – und dann las sich das alles doch viel besser als ich insgeheim befürchtet hatte. Und ja, man sieht den großen Bogen, aber ein paar Stützpfeiler muss ich hier und da noch einbauen.

Mich um das Basteln des irrwitzig langen Abbildungsverzeichnisses gedrückt, indem ich mit Steuerkram anfing, als mir einfiel, dass mich mein bester Freund ums Korrekturlesen seiner Website gebeten hatte. Mich so auch erfolgreich vor der Steuererklärung gedrückt.