Ein skandinavisches Dankeschön …

… an Katharina, die mich mit Per Pettersons Ich verfluche den Fluss der Zeit (aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger) überraschte. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich auf das Buch gestoßen bin, vermutlich wird es in einem Blog oder beim Perlentaucher empfohlen worden sein. Sobald ich mit Siri Hustvedts The Blazing World durch bin, kommt es dran. Vielen Dank für das Buch und die schöne Widmung – ich habe mich sehr gefreut.

BA-Tagebuch 16. Juni 2015

Frisch vom Drucken und Binden. Eben eine kleine CD-Hülle gebastelt, damit das digitale Exemplar auch noch hübsch aussieht. Zwei Ausfertigungen sind für die Uni, eine kriegt Mama. „Endlich ist das Kind von der Straße!“

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Und jetzt muss ich mich bis morgen zusammenreißen, bis sie im Prüfungsamt abgegeben wird, um nicht noch mal reinzugucken. Denn wenn ich das tue, finde ich garantiert noch einen Rechtschreibfehler, und dann muss ich alles noch mal drucken lassen.

12 von 12 am 12. Juni 2015

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Am Donnerstag abend habe ich einen guten Freund bekocht und einen kleinen Weißwein geöffnet, der Herr brachte einen kleinen Rotwein mit, dann stand da irgendwie noch ein kleiner Nussbrand rum, und irgendwie war plötzlich noch eine kleine Flasche von meinem Lieblingsschaumwein offen. Der Freitag fing dementsprechend etwas später, etwas zäher und mit medikamentöser Hilfe an. (War’s total wert.)

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Ich bereitete mich auf die achtminütige Radfahrt zum Zentralinstitut für Kunstgeschichte vor. Gefühlt reichen bei mir 30 Sekunden in der Sonne, bis ich einen Sonnenbrand habe, daher bin ich sehr vorsichtig.

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Aber gut sehe ich dabei aus, Kinnings!

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Die Glyptothek auf dem Königsplatz, über den ich immer radele, wenn ich zum ZI fahre. Vielleicht fahre ich auch deshalb lieber da hin als in jede andere Bibliothek. Und vielleicht hätte ich meine BA-Arbeit einfach über diesen schönsten aller schönen Plätze in München schreiben sollen, wenn ich ihn doch so großartig finde. Aber das Naheliegende war in diesem Semester ja nicht so meins.

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Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte ist im ehemaligen NSDAP-Verwaltungsgebäude untergebracht und mir ist das jedesmal bewusst, wenn ich im Kellergeschoss rumwühle. Da ist die Architektur deutlicher als in den anderen, mit Bildern und Teppichen aufgehübschten Stockwerken, und dann wird es kurz mulmig. Vielleicht gar nicht schlecht, dass man ab und zu daran erinnert wird, wer hier vor 80 Jahren rumgelaufen ist.

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Hasi finetunen. Wenn ich exzerpiere, notiere ich mir immer brav, woher ich was habe, damit ich beim Schreiben der Arbeit entspannt darauf zurückgreifen kann. Wenn ein Zitat aber über zwei Seiten geht, weiß ich natürlich nicht mehr, wo genau jetzt was stand, und diese zweifelhaften Stellen habe ich gestern noch mal abgeklärt.

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Mein liebster Abguss im ZI: die Nike von Samothrake.

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Nach getaner Arbeit bin ich wieder nach Hause geradelt und habe dabei meine erste Handyaufnahme während der Fahrt gemacht. Ist leider sehr unspektakulär geworden. Da rechts vorne ist ein Gebäude der TU, dessen gewölbte und zerfaserte Fassade ich sehr gerne mag.

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Erstmal Pause machen und die neuen Masterchef-Australia-Folgen weggucken. Ich habe vor Jahren sehr gerne die britische Ausgabe geguckt, bin dann irgendwie ausgestiegen und hatte die Serie vergessen. Als ich in der großen Haderphase mit der BA war und mich irgendwie ablenken wollte, sah ich, dass gerade eine neue Staffel von Masterchef Australia angefangen hatte, klickte rein – und war süchtig. Ich mag die drei Moderatoren sehr gerne, ich mag das Format gerne, ich mag es, dass das Essen im Mittelpunkt steht und nicht die mir total egalen Hintergrundgeschichten der KandidatInnen. Die werden kurz angerissen, aber sie sind nicht der Hauptgrund, warum man für eine/n KandidatIn rootet. Stattdessen verguckt man sich in sein oder ihr Essen und so soll das bei einer Kochshow auch sein.

Aus Spaß habe ich mal in die neuesten Staffeln von Masterchef USA und Canada reingeguckt und die gehen beide gar nicht. Go, Australia!

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Bilder einscannen für Hasi. Wir wollen ja immer was zum Gucken haben in der Kunstgeschichte. Das auf dem Bild ist die Korbinianskapelle in Weihenstephan.

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Abendessen: Hähnchenbrustfilet mit Champignongemüse. Das Fleisch war von gestern (nicht angebraten, natürlich), da hatte ich ein bisschen viel gekauft. Das Gemüse war eine spontane Eingebung beim Einkaufen heute, als ich eigentlich nur zum Karstadt radeln wollte, um Ben & Jerry’s Peanut Butter Cup zu kaufen. Hatten sie aber nicht. Dann musste ich eben Pastrami und Champignons kaufen. Auch gut.

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Auf den wundervollen Erd- und Blaubären (war ein Tippfehler, lass ich jetzt so) liegt ein Klops Häagen Dazs Baileys (na toll, aber Häagen Dazs kann ich fehlerfrei tippen!), und irgendwann muss mir mal jemand beibringen, wie man Nocken formt. Ich bin dafür wirklich zu blöd. (Trotz YouTube!)

Links vom 11. Juni 2015

passagen 2 und 3

Frau Casino schreibt über die Konfirmation ihrer Söhne:

„für die auswahl der bibelsprüche haben offensichtlich alle google bemüht, und auf denselben paar seiten gesucht, alles vielfach vorhanden. es muss mehr gute sätze in der bibel geben, not? furchtlosigkeit und liebe hatten meine beiden, wie viele andere auch.

wie der glauben besser funktioniert als das internet, und schon so lange, weil es ein geschlossener kreis ist, ohne leerstelle für kommentare, gefällt mirs und pageviews. glauben als sich selbst bestätigendes system, ich glaube, und der glaube macht mich sicher, ich mag die eleganz und askese dahinter, das uneitle, wobei das aufgehobensein in einer gruppe beim gottesdienst zb auch etwas gibt. ob es mehr ein wissen ist für die, die vom glauben leben?“

I went Paleo and now I hate everything

Ich lachte:

„Paleo also requires you to give up processed food, refined sugars, and alcohol, which makes sense because those things are wonderful. But you’re also supposed to avoid grains, starches, and natural sweeteners (like honey), and you are supposed to limit your fruit intake. It’s sort of like the Inquisition, but less fun.

In some respects, it’s worked: being Paleo has killed my will to live, so I’m too sad to snack. My abs look pretty damn good, but I suspect that’s from all the nights I spend wracked with sobs because I can’t eat anything fun. I would take a selfie to show you, but this isn’t Facebook and I’m not your misguided teenage niece.“

BA-Update:

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BA-Tagebuch 9. Juni 2015

So. Da wird heute noch mal drübergefeudelt und runtergekürzt, dann lasse ich die Arbeit eine Nacht liegen, dann wird nochmal drübergefeudelt, dann schicke ich sie an die Korrekturleserin, dann trinke ich viel Schnaps und vergesse die Arbeit einen Tag lang, und dann puschele ich noch ein paar Tage, bis aus dem First Draft ein anständiges Dokument geworden ist, das nächsten Dienstag beim Drucker landet.

Hojotoho und ne Buddel voll Rum. Wir haben eine BA-Arbeit.

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BA-Tagebuch 8. Juni 2015

Ich habe einen Kiefer-Sutherland-Film in der Arbeit untergebracht. Ich weiß jetzt, dass im 17. Jahrhundert Architekturmodelle von Hofkonditormeistern nachgebacken wurden. Leo von Klenze war eine noch coolere Sau, als ich dachte („Fuck off, Vitruv!“). Und ich sehe zum ersten Mal seit der BA-Anmeldung die Ziellinie.

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Gestern kam von unerwarteter Seite noch eine Hilfestellung, die ich gerne entgegengenommen habe. Wie alle Hilfestellungen der letzten Wochen kam sie aus dem Internet. Alle Menschen, die mir gerade uneigennützig die Hand entgegenhalten und mir sagen, hier, da liegt was drin, nimm einfach, kenne ich nur aus dem Internet – oder nicht mal daraus. Es haben sich Menschen gemeldet, die anscheinend mein Blog gerne lesen und jetzt was zurückgeben wollen. Es haben sich Menschen gemeldet, die mir auf Twitter folgen und ein paar gute Tipps hatten. Es haben sich Menschen gemeldet, die inzwischen mehr für mich sind als nur Pixel im Browser oder auf Tweetbot. Und alle haben geholfen, weil sie gemerkt haben, dass ich gerade mit etwas nicht klarkomme, mit dem ich seit fünf Semestern eigentlich ganz hervorragend klarkomme. Nur noch mal als Erinnerung für all die Leute, die meinen, das Internet sei ein Ausbund des Bösen und wir werden alle sterben: You’re doing it wrong.

Einer dieser Mehr-als-nur-Pixel-Menschen meinte neulich, ich projiziere quasi bei jeder Arbeit, dass ich mit ihr kämpfe und zum Schluss isses dann doch eine sehr gute Note. Das sehe ich zwar anders, und ich hoffe jetzt nachträglich, dass ich nicht bei jeder Arbeit so rumgejammert habe wie bei der hier. Eigentlich dachte ich, ich hätte euch an dem Spaß teilhaben lassen, den ich mit den ganzen Themen habe, mit der Herausforderung, die sie mir stellen, mit der für mich immer noch neuen und immer wieder tollen Befriedigung, wenn die Arbeit fertig ist und ich sie gerne zum fünfzigsten Mal gelesen habe. Genau darauf hatte ich mich auch bei der BA-Arbeit gefreut: euch mitzunehmen in ein für mich neues Fachgebiet, wie ich es mir erschließe, wie ich daraus eine Frage zimmere, wie ich sie beantworte. Dass daraus jetzt eine Lektion in Demut geworden ist, wie ich sie seit meinem Golf-Platzreifekurs nicht mehr hatte, nehme ich inzwischen mit Zen-hafter Gelassenheit hin. Was bleibt mir übrig.

Inzwischen sind die Panik, überhaupt fertig zu werden, und die Wut, ein Thema bearbeiten zu müssen, das ich eigentlich gar nicht haben wollte, der üblichen Begeisterung gewichen, mit der ich irgendwann jedes Thema beackere (ja, selbst die blöde Altstadt, Neustadt, Vorstadt hatte mich schlussendlich). Jetzt bin ich zwar nölig, weil ich schlicht keine Zeit mehr habe, das mir inzwischen liebgewonnene Thema so zu behandeln, wie es ihm gebührt, aber auch das versuche ich, demütig anzunehmen. Ein paar Tage habe ich ja noch.

Und heute rocke ich den First Draft runter.

BA-Tagebuch 5. Juni 2015

Der elende Mittelteil, der mir vermutlich graue Haare beschert hat, ist bezwungen. Na gut, fast. Ein bisschen puzzele ich noch an ihm rum, aber wer mich kennt, weiß, dass ich an allem noch ein bisschen rumpuzzele, bis mir irgendjemand die Arbeit aus der Hand reißt.

Dieses Mal muss das niemand anders machen, denn die Deadline nähert sich sehr schnell. Mein Abgabetermin ist der 22. Juni – das ist allerdings ein Montag, das heißt, am Tag vorher kann ich nichts mehr machen, nichts drucken oder binden lassen, nix, und ich bin überhaupt keine Freundin davon, irgendwas auf den letzten Drücker zu erledigen.

Am Freitag davor hat das Prüfungsamt geschlossen, da kann ich nichts abgeben. Daher möchte ich meine Arbeit am 18. loswerden, das heißt, ich möchte am 16., spätestens am 17. die Daten zum Drucker schicken. Das heißt wiederum, dass ich am 15. fertig sein muss, damit ich am 16. noch mal über alles rüberlesen kann (bis mir irgendjemand die Arbeit aus der Hand reißt). Ich will meiner geschätzten Korrekturleserin drei Tage Zeit geben, was bedeutet, dass sie am Freitag mein Dokument kriegen sollte. Ich selbst habe mir den Donnerstag als Deadline gesetzt, weil ich eh wieder puzzele und noch ne Nacht drüber schlafen will. Also: Am 11. Juni müssen irgendwie 60.000 Zeichen in meinem Dokument stehen, damit da jemand drüberlesen kann.

Nach den ersten Tagen, an denen ich schrieb wie eine junge Göttin, ging dann in den letzten Tagen kaum was. Ich habe ewig an dem bereits erwähnten Mittelteil rumgefummelt, habe ernsthaft zweimal das Objekt gewechselt, das sowohl aus Stein als auch aus Pixeln vorhanden ist, damit ich es beschreiben kann bzw. habe den Schwerpunkt von einem zum anderen und wieder zurück gewechselt – warum auch immer, vielleicht weil ich noch nicht genug Druck hatte. Jetzt ist Hasi aber wirklich Hasi, es ist liebevoll beschrieben in all seinen architektonischen Ausprägungen, und nebenbei habe ich viel über den Dresdner Zwinger und die Münchner Hauptsynagoge gelernt, die nicht Hasi geworden sind, obwohl ich sie vermutlich noch in irgendwelchen fein ziselierten Nebensätzen unterbringen werde, weil sie mein Argument (digital ist besser) so brav unterstützen und weil es verdammt noch mal Literatur über sie gibt, die ich total toll zitieren kann.

Hasi ist das Kloster Weihenstephan, das nach 1803 im Zuge der Säkularisation fast komplett abgerissen wurde, aber 2003 digital wieder auferstehen durfte. Im verlinkten Wikipedia-Artikel fehlt die Korbinianskapelle, ein, laut meiner Literatur, Kleinod des Barock, das wir leider nicht mehr haben. Sie wurde von Cosmas Damian und Egid Quirin Asam geplant und gebaut, und jeder, der die Jungs kennt, wird darob bittere Zähren vergießen.

(Beim Durchlesen der beiden Wikipedia-Artikel ahne ich, an welchen ich in den Semesterferien endlich mal rumkorrigieren werde. Wir haben durchaus Informationen, wie die Kapelle ausgesehen hat.)

Das ist mir zwar ein bisschen peinlich zuzugeben, aber ich habe in den letzten Tagen einen Schreibbuddy beauftragt, mir ein bisschen Zuckerbrot und Peitsche zu geben. Der Herr gibt mir eine Zeichenzahl vor, die ich gefälligst zu erfüllen habe, und auf einmal geht’s, warum auch immer. Ich habe keine Ahnung, warum das vorher nicht ging; da habe ich mir selbst schließlich auch gesagt, komm, Gröner, heute 5.000 Zeichen, das kriegste hin – habe ich aber tagelang nicht. Gerade als Selbständige bin ich es gewohnt, mir meine Arbeit selbst einteilen zu können, und ich mag diese Freiheit sehr. Hier hat sie mich zum ersten Mal in den Arsch gebissen, und anscheinend brauchte ich einen Impuls von außen, der mich wieder in die Spur bringt.

Die letzten Monate haben sehr vieles auf den Kopf gestellt, was ich als gegeben angesehen habe – vielleicht ist diese Art zu schreiben auch eine Facette von allem, und ich nehme das einfach mal so hin. Anscheinend bringt mir die Uni gerade was fürs Leben bei. Wer hätte es gedacht.

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BA-Tagebuch, die letzten Tage, die sich wie Jahre anfühlten

Eine zähe, unbefriedigende Sauce. Ich muss da noch mal bei, umrühren, abschmecken. Aber, Stand gestern abend: 30.193 Zeichen. Walk on, through the raaaaiiiiin …

Close your eyes and think of the MA.

BA-Tagebuch 29. Mai 2015

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DIE ARCHITEKTIN?

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Grundriss der ehemaligen Hauptsynagoge in München, 1887–1938. (München hatte mal drei.)

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Mein zweiter Vorname ist Eichhörnchen.

BA-Tagebuch 27. Mai 2015

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BA-Tagebuch 26. Mai 2015

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Grellert, Marc: Immaterielle Zeugnisse. Synagogen in Deutschland. Potentiale digitaler Technologien für das Erinnern zerstörter Architektur, Bielefeld 2007, S. 340.

BA-Tagebuch 25. Mai 2015

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BA-Tagebuch 22. Mai 2015

Die kleine Dramaqueen hat sich beruhigt – und sich nebenbei über die vielen aufmunternden Mails und DMs gefreut, die mir virtuell das hysterische Köpfchen tätschelten. Es kamen welche von Studierenden, von Dozierenden und von Menschen, die mit beidem nix am Hut haben, aber alle hatten gute Tipps parat, und ein paar von denen hängen jetzt als Post-it über meinem Schreibtisch. (Nein, kein „Tschakaaa!“)

Ich habe mir gestern ein digitales Objekt ausgewählt, das ich auf kunsthistorische Traditionen abklopfen werde. Das verrate ich aber nicht, weil ich inzwischen glaube, dass alles schief geht, sobald ich hier im Blog den Mund aufmache. Aber immerhin hat die Wahl keine drei Wochen gedauert, sondern gelang mit dem ganzen Vorwissen, das ich mir inzwischen über digitale Bauwerke angelesen und selbst erfahren habe (danke für die vielen Vorträge, kunsthistorisches Institut!) innerhalb weniger Stunden. Es gibt Literatur sowohl zum Ausgangsobjekt als auch zur Rekonstruktion, was leider nicht bei vielen Werken der Fall ist, weil die Rekonstruktion irgendwie noch ein kleines Schmuddelkind ist, das nicht mit den großen Kindern Malerei und Skulptur mitspielen darf, weswegen auch kaum darüber publiziert wird. Aber das kennen digitale Medien aller Art ja; sie sind (gefühlt) immer noch im Probestadium, in der permanent beta und verändern sich so oft und so schnell, dass man kaum dazu kommt, Standards zu entwickeln. Wie es sie übrigens für digitale Rekonstruktionen wenigstens im Ansatz gibt.

Theoretische Abhandlungen zum Thema gibt es natürlich zuhauf, aber für einzelne Projekte viel zu wenig. Die oben angesprochenen Synagogen sind eine lobenswerte Ausnahme, und nein, daran arbeite ich mich nicht ab. Aber natürlich ziehe ich sie als Referenzobjekt heran und vergleiche ein bisschen, so wie ich das noch mit ein, zwei weiteren Objekten machen werde, um mein Objekt (Codename „Hasi“) einzuordnen.

Die blöden Pfingstfeiertage klauen mir jetzt noch ein bisschen Zeit, aber die werde ich damit verbringen, einfach mal alles anständig runterzuschreiben, was ich schon weiß. Ich kann Hasi schon beschreiben (steht ja netterweise online), ich kann bereits eine Art Ausblick wagen, was alles mit digitalen Rekonstruktionen möglich ist – zum Beispiel Bilder mit Paradaten zu verknüpfen, mit Tönen, mit Links … das digitale Bild an sich ist auch ein großartiges Forschungsobjekt, aber gerade nicht für mich. Sobald ich anfange, darüber nachzudenken, erinnere ich mich an das eine Post-it: „Weniger ist mehr!“ Lass das jetzt, Kind. Keine Master-Arbeit. Keine Diss. Eine Hausarbeit plus, mehr ist es nicht.

Gestern war eher ein halbproduktiver Tag, weil ich immer noch etwas traurig, dann trotzig und dann unsagbar müde war. Also habe ich der Müdigkeit nachgegeben, nur einen halben Tag für die Uni gelesen (jetzt isses auch schon egal, wie eng das zeitliche Höschen ist) und dann den Resttag mit Büchern verbracht, die nichts mit dem BA zu tun hatten, mit ein paar Folgen Masterchef und ein, zwei winzigen Gin Tonics.

BA-Tagebuch 21. Mai 2015

Was gestern scheiße war: mein Referat – und damit meine Herangehensweise an mein BA-Thema.

Was gestern gut war: Unser Fahrstuhl wurde nach zwölf Tagen endlich repariert! Musste ich mein heulendes Elend wenigstens nicht selbst in den fünften Stock schleppen.

Ich frage mich allmählich, ob ich zu doof bin, meinem Dozenten zu vermitteln, was ich schreiben will oder ob ich zu doof bin, sein Feedback zu kapieren und einzuarbeiten. Oder ob ich generell zu doof bin und die letzten fünf Semester alles Glückstreffer waren. Nein, Quatsch, das frage ich mich nicht wirklich. Aber es macht mich langsam wahnsinnig: Ich meinte, ich hätte mir in den letzten Semestern ein bisschen wissenschaftlichen Sachverstand und das passende Handwerkszeugnis erarbeitet – nur um jetzt, bei meiner ersten größeren und verdammt noch mal selbstgewählten Arbeit mehrfach mit Schmackes gegen die Wand zu fahren. Außerdem ist mein Prüfer ausgerechnet der Mensch, der mich vor einigen Wochen einlud, sich bei ihm als Hiwi zu bewerben. Der denkt wahrscheinlich inzwischen: Die Dame sortieren wir vielleicht doch besser mal aus.

Immerhin: Meine Forschungsfrage fand er gut, wenn auch nicht den Weg, wie ich sie beantworten will, und ich habe (hoffentlich) gute Hinweise bekommen, wie ich sie niederringen kann. Dummerweise dachte ich das in diesem Semester schon zweimal, dass ich jetzt wüsste, wie’s geht, und es hat zweimal nicht funktioniert. Aber Ansagen wie „Mehr in die Tiefe, weniger in die Breite“ könnte ich mir jetzt endlich mal merken.

Einerseits bin ich eine Wodkaflasche davon entfernt, einen Haken unter den Scheiß zu machen, nach Hamburg zu fliegen, mich bis Oktober von Schokolade zu ernähren und dann im Wintersemester noch mal reinzukommen. Andererseits denke ich: BA, du blöder Arsch, du wirst mich nicht davon abhalten, im Winter schon ein kleines Masterchen zu sein, DU NICHT! Ich bin, mit einer paar Stunden Abstand, jetzt eher in einer Phase pissiger Fassungslosigkeit und nicht mehr ganz so mimimi.

Dafür war gestern ein Scheißtag. Also habe ich mich zunächst von jemandem bepuscheln lassen, der das mit dem Alkohol gut kann, und dann von jemandem, der das mit dem In-den-Arm-Nehmen gut kann. Und dann bin ich anderthalb Stunden durchs nächtliche München gegangen und habe dramatisch vor mich hingeheult.

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Jetzt fahre ich in die Uni-Bib und die Stabi und gebe 50 Bücher zurück, die mich nicht mehr weiterbringen. Und dann ins Zentralinstitut für Kunstgeschichte, wo ich irgendeine saubere Arbeit schreiben werde, die nicht mal im Ansatz die sein wird, die ich schreiben wollte, die aber ordentlich argumentiert ist, wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und eine okaye Note bekommen wird. Self-fulfilling prophecy for the fucking win.

Allmählich geht mir dieses Semester wirklich auf den Keks.

BA-Tagebuch 20. Mai 2015

Am heutigen Donnerstag halte ich mein Referat im BA-Kolloquium, wo ich meine Arbeit vorstelle. Da ich mein Thema erst seit zwölf Tagen habe und nicht bereits seit viereinhalb Wochen – da begann meine offizielle Bearbeitungszeit; wir KuGi-Studis in München fangen alle gleichzeitig an und geben gleichzeitig ab –, bin ich noch längst nicht so weit wie ich zu diesem Zeitpunkt hätte sein wollen. Wenn ich die BA-Arbeit abgegeben habe, schreibe ich mal meine gedankliche Odyssee durch diverse Themen auf, die ich im Kopf hin- und herwälzte, bis ich bei meinem jetzigen ankam, aber jetzt gerade bin ich zu müde.

Gestern war also der letzte Tag vor dem Referat, in dem ich in lächerlichen 20 Minuten über (Luft holen) Architekturzeichnungen, Architekturbilder, Architekturmodelle, Architekturfotografie und digitale Architekturvisualisierungen sprechen werde. Eigentlich wollte ich auch noch über Architektur im Film reden, aber das Thema habe ich schlicht nicht mehr geschafft. Ich bin zwar ganz froh, durch den Referatstermin dazu gezwungen worden zu sein, einen roten Faden übers Knie zu brechen, aber die Arbeit selbst hat sich für mich nicht so gut angefühlt wie ich es gewohnt bin.

Normalerweise vergrabe ich mich in eine überschaubare Anzahl Bücher oder Aufsätze, durchdringe das Thema oberflächlich und steige dann in die Tiefen der Fußnoten und Quellen hinab, um von der Oberfläche wegzukommen und meine Forschungsfrage zu beantworten. Für die BA-Arbeit lautet diese: Welche traditionellen Methoden der Architekturvisualisierungen nutzt die digitale 3D-Technologie und wo definiert sie neue Standards für unser Fach? Um diese Frage zu beantworten, muss ich natürlich erstmal alle Visualisierungsmöglichkeiten, die es vor der digitalen Wende gab, verstehen. Was in meinem Fall – und wegen der kurzen Vorbereitungszeit – hieß: im Schweinsgalopp durch eine Medienart, dann durch die nächste, nochmal zur ersten zurück, denn jetzt kann ich bereits erste Vergleiche ziehen, dann zur dritten, wieder zurück zu den ersten beiden usw. Im Prinzip habe ich erst gestern ein erstes Fazit ziehen und einen ersten Versuch einer Antwort unternehmen können, weil ich vorher schlicht besinnungslos gelesen und gesammelt habe.

Mich hat es gestört, ständig von einem Thema zum anderen springen zu müssen, um den Gesamtüberblick zu bekommen. Ich musste an der Oberfläche bleiben, um mein Pensum zu schaffen. Ich musste teilweise spannende Bücher weglegen, um mich dem nächsten Medium zuzuwenden, was ich nicht gemacht hätte, wenn ich einfach vor mich hinschreiben hätte können. Dann hätte ich eine Woche lang nur über Zeichnungen gelesen, bis ich zu den Bildern gegangen wäre. Hier hat es sich mehrfach angefühlt, als risse ich mich selbst von einer Wissensinsel, um hektisch zur nächsten zu paddeln, ohne die erste anständig kartografiert zu haben.

Ich bin nicht so richtig glücklich mit meinen Referat, aber das bin ich selten, und dann ist es meistens doch okay, aber hier habe ich immer noch das Gefühl, an der Oberfläche zu sein. Jedes einzelne Medium ist eine Dissertation wert; in meinem Literaturverzeichnis befindet sich eine, die sich mit lausigen 15 Zeichnungen befasst, und das reicht für 400 Seiten. Ich kann in meinen 20 Minuten – die ich heute erstmals bewusst ignorieren muss – nicht alles unterbringen, um wirklich ein überzeugendes Fazit zu ziehen, was mich ärgert.

Nebenbei habe ich bergeweise Bilder gesucht, die meine Gedankengänge unterstreichen, denn bei KuGi-Referaten gucken wir gerne Bilder. (Bei Geschichtsreferaten überhaupt nicht, was mich am Anfang etwas irritierte. Ich war es nach zwei Semester gewohnt, bunt bebildert unterhalten zu werden.)

Ich hatte keine Zeit mehr, meine Folien auf den Stand zu bringen, auf dem ich sie gerne hätte. Im Klartext: zu jedem Bild die meiner Meinung nach erforderlichen Infos zu bringen. Künstler_in, Bildtitel, Datierung, Abmessungen, Material, Standort. Und das, obwohl ich fast alle Bilder aus unserer Prometheus-Datenbank gezogen habe, die von dutzenden von kunsthistorischen Instituten befüttert wird. Selbst da fehlen teilweise essentielle Infos. Normalerweise wäre ich jetzt in unsere Bibliothek gegangen und hätte zu jedem Werk ein Buch aus dem Regal gezogen, wo hoffentlich die Infos stehen (Gesamtverzeichnisse, you rock!). Aber die Zeit habe ich nicht mehr. Das wird heute vermutlich egal sein, das Referat ist nicht benotet und dient eher dazu, Feedback von Kurs und Dozenten zu kriegen, aber mich stört das trotzdem.

Mir fehlt noch ein bisschen der Aha-Moment, die große Glühbirne. Gestern abend beim ersten Fazit leuchtete immerhin schon eine kleine, was mich sehr gefreut hat, denn auf den Augenblick warte ich seit zwölf Tagen: den Augenblick des ersten, kleinen Erkenntnisgewinns, der sich bei mir meist irgendwann beim Schreiben einstellt. Also bei den ersten Formulierungsversuchen, die über die 1000 Exzerpte hinausgehen, die ich in den letzten Tagen und Wochen verfasst habe. Meine Stoffsammlung hat jetzt schon mehr Zeichen (146.000) als es die BA-Arbeit haben muss (60.000), und ich bin, wie gesagt, noch an der Oberfläche.

Ich trauere immer noch sinnloserweise den ersten vier Wochen meiner Bearbeitungszeit nach, auch wenn ich es nicht mehr ändern kann. Immerhin glaube ich jetzt wieder daran, dass ich das Ding noch fertigkriege, auch wenn es vermutlich nicht die tiefsinnige, perfekt durchdachte Arbeit wird, die ich schreiben wollte. Auch darüber bin ich traurig.

Und jetzt gehe ich noch mal über mein Manuskript und versuche, irgendwo bei 25 Minuten zu landen.