Bananenkaramellkekse

Diese verdammten Buzzfeed-Tasty-Videos auf Facebook! Als ich dieses Rezept anklickte, dachte ich sofort an die Karamellsauce, die im Kühlschrank stand und von der ich schon vergessen hatte, wofür ich sie dringend mal kaufen musste. Im Originalrezept kommt Toffeesauce in den Teig – ich habe keine Ahnung, ob das ungefähr das gleiche ist und ich bin mir auch nicht sicher, ob man sie mehr rausschmeckt als meine Karamellsauce, die mir im Endprodukt nicht mehr auffiel. Vielleicht einfach weglassen, denn Banane und Schokolade sind schon toll genug.

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1 Banane in einer Schüssel zerdrücken,
3 EL Karamellsauce dazugeben (oder Toffeesauce oder irgendeine andere oder gar keine).

In einer zweiten Schüssel
150 g braunen Zucker (bei mir 50 g Muscovado und 100 g Rohrzucker) mit
100 g Butter verquirlen.
2 Eier und die Bananenmischung dazugeben und unterrühren.

125 g Mehl, Type 405,
1 TL Backpulver,
1/2 TL Salz und
100 g Chocolate Chips unterheben.

Für ein Stündchen kühl stellen. Im Video werden dann aus dem inzwischen fest gewordenen Teig zwölf hübsche Kugeln geformt. Bei mir wurde der Teig nicht so fest, dass man aus ihm irgendwas formen konnte, aber ich bin mir im Nachhinein nicht mehr sicher, ob ich mich bei der Mehlmenge vertan und nur 100 g im Teig hatte; ich bin mir auch nicht sicher, ob das eine Auswirkung auf seine Konsistenz gehabt hätte. Auf das erste Blech schöpfte ich mit einem Esslöffel zwölf Kleckse in gebührendem Abstand, die sich so gerne mochten, dass aus ihnen drei große Kekse wurden. (Schmeckten aber sehr gut!)

Auf das zweite Blech tupfte ich nun mit einem Teelöffel neun deutlich kleinere Häufchen und die wurden dann super, als ich sie im auf 180° vorgeheizten Ofen für zwölf bis vierzehn Minuten buk.

Beim nächsten Mal werde ich nur ein Ei verwenden oder sogar ganz darauf verzichten – sind in veganen Rezepten Bananen nicht Ei-Ersatz? Außerdem werde ich auf die Mehlmenge achten, die Chocolate-Chips-Menge auf 75 g reduzieren und die Karamellsauce weglassen. Mal sehen, was dann passiert.

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Tagebuch, Samstag, 14. Januar 2017 – Mixed Bag

Was schön war:

Gemeinsam entspannt aufgewacht.

Ich bin zu Fuß nach Hause gegangen und habe den Weg sehr genossen.

Wir sind abends bei Bekannten mit Schweinebraten, Knödeln und Kraut bewirtet worden, und ich habe eine nette Dame kennengelernt, mit der man prima über Schnaps und Kunst reden kann (meine zwei Kernkompetenzen).

Den Nachhauseweg trat ich alleine an, weil F. noch bleiben wollte. Ich freute mich über den stillen, verschneiten Weg zur Tramhaltestelle, und danach freute ich mich darüber, in der Stadt zu wohnen, die mich mit Tram und U-Bahn schnell und sicher nach Hause bringt, während ich angeheitert die Nase in einem Buch habe.

Was meh war:

Ich konnte mich nachmittags am Schreibtisch nicht so recht konzentrieren. Ich wollte endlich mal meine zwei Lektürekursbücher, die ich derzeit parallel lese, in einem anständigen Dokument zusammenfassen bzw. über die Dinge nachdenken, die uns unser Dozent mitgegeben hatte: Wie wird Geschichte im jeweiligen Werk periodisiert? Welche Thesen werden aufgestellt? Und: Für wen sind solche Überblickswerke eigentlich gedacht? Beim Kershaw hatte ich anfangs nur begeistert gelesen und natürlich mit Bleistift im Buch rumgemalt, es aber nie zusammengefasst. Beim Sheehan ist es mir immerhin schon nach 100 Seiten aufgefallen, dass da schon viel notierenswertes Zeug drin ist, was ich ebenfalls aufschreiben sollte. Aber wie schon gesagt: Mein Kopf hatte keine Lust, und nach einer Stunde verbissenem und innerlich abwesenden Exzerpieren gab ich auf und las einfach so weiter.

Das Dschungelcamp ist wieder losgegangen, und wo ich bisher jede Staffel gerne geschaut habe, geht mir dieses Mal die Gehässigkeit zu sehr auf die Nerven. Ich möchte das nicht mehr weitergucken.

Was scheiße war:

Mein Fahrrad wurde geklaut. Gottlob nicht das etwas höherpreisige, sogenannte Hamburg-Fahrrad, sondern mein München-Fahrrad, das ich bei Aldi gekauft habe. Trotzdem scheiße.

Das Münchenrad war nach 20 Jahren Radfahrabstinenz mein erstes Rad, weswegen ich nicht so viel Geld ausgeben wollte. Sobald ich aber die Balance wiedergefunden und mein Körper sich daran erinnert hatte, wie man wieder absteigt, wollte ich nichts anderes mehr als Radfahren. Damals lebte ich ja noch in zwei Städten, weswegen ich in Hamburg jetzt auch dringend ein Rad haben wollte; das Münchenrad wollte ich, genau wie meine Wohnungseinrichtung, nach dem Bachelor verkaufen und nach Hamburg zurückziehen. Was daraus geworden ist, wissen die geneigten Leser*innen ja.

Sobald ich nach dem Umzug in die umgekehrte Richtung mein Hamburgrad hier in München hatte, durfte es in den verschlossenen Fahrradkeller im Haus, denn dafür hatte ich mehr Geld ausgegeben (was man übrigens sehr merkt, wenn man damit fährt. Es ist so herrlich). Das Münchenrad stand jetzt abgeschlossen vor der Haustür und ich achtete darauf, dass ihm kein Quatsch in den Gepäckträger geklemmt wurde und hob es auf, wenn ein Sturm es umgeblasen hatte. Als ich gestern morgen von F. nach Hause kam, war es noch da; als ich abends zur Verabredung aus dem Haus ging, war es weg.

Ich weiß, dass ich noch ein anderes Rad habe; ich weiß, dass ich das Rad nur noch aus Sentimentalität rumstehen habe lassen anstatt es zu fahren; ich weiß, dass ich innerlich gedacht habe, naja, wenn das einer klaut, habe ich ja noch eins. Aber jetzt, wo es wirklich jemand geklaut hat, bin ich traurig und wütend. Traurig, dass wieder ein Ding von mir weg ist, mit dem ich eine gewisse Geschichte verbunden habe, und wütend, weil irgendein Arschloch mir mein Eigentum wegnimmt, ohne dass ich wirklich etwas dagegen tun kann. Das Ding hatte sogar einen Namen, verdammt!

Was schön war, Freitag, 13. Januar 2017 – Frau Emcke

Den Vormittag verbrachte ich im Historicum, von wo ich auch ins FAZ-Archiv komme. Ich musste eh noch in einigen Büchern etwas nachschlagen, daher tauschte ich den Arbeitsplatz in der Stabi mit diesem. Erster Unterschied: Wo man sich in der Stabi mit der Bibliotheksnummer und Passwort einwählen musste, wollte das System hier meine Campuszulassung, also meine Uni-Mailadresse plus Passwort. Und dann saß ich da an einem Windows-Rechner, suchte das @-Zeichen, fand es – wusste aber nicht, welche Tastenkombi dafür sorgt, dass ich es tippen kann. Alle Apple-Griffe durchprobiert und irgendeiner hat dann funktioniert.

Einschub: Auf dem Nachhauseweg überlegte ich, auf welcher Taste das @ eigentlich auf dem Mac sitzt. Ich konnte mich nicht zwischen K und L entscheiden – ich wusste, es ist in der JKLÖ-Reihe, die ich mit rechts tippe, aber welcher Buchstabe es genau ist, musste ich ernsthaft nachschauen. Alle Windows-User*innen lernen jetzt: Auf dem Mac sitzt das @ auf dem L und man tippt es mit alt-L. (Haha, als ob in irgendeiner Bibliothek Macs stünden. Seufz.)

Zurück ins Historicum: Ich arbeitete mich in der FAZ bis 1977 vor; jetzt fehlen nur noch zwei Jahre, und dann kann ich all die schönen Dinge, die ich jetzt aufgeschrieben und vorsortiert habe, richtig sortieren. Außerdem bekam ich eine Mail aus dem Stadtarchiv, in dem ich nachgefragt hatte, ob in den vielen Pressesammlungen, die das Archiv hat, ganz vielleicht auch eine über Amnesty in München wäre? Wer hätte es gedacht: Es gibt sogar mehrere. Ich werde mir die Zeitungsausschnittsammlung ausheben lassen, die von 1968 bis 1982 geführt wurde – also fast genau mein Untersuchungszeitraum – sowie die sogenannten Dokumentationsschriften, die von 1976 bis 1982 vorliegen.

Ich ahne, dass meine Hausarbeit ungebührlich lang werden wird. (But oh so pretty!)

Abends saßen F. und ich in den Kammerspielen und hörten aufmerksam Carolin Emcke zu, die aus ihrem Buch Gegen den Hass vorlas. Bzw. sie las nicht nur vor, sondern unterbrach sich gerne selbst, um uns etwas zur Entstehungsgeschichte des Buches zu erzählen oder das Geschriebene in einen neuen Zusammenhang zu setzen. Sie begann gleich damit, dass sie das Buch vor der Wahl Trumps geschrieben hätte; das Wahlergebnis war für sie immer noch unverständlich und unfassbar. Auch deshalb bin ich gespannt darauf, wie sich das Buch liest. (Natürlich hatte ich es mir vorher aus der Unibibliothek geholt und natürlich habe ich kein einziges Mal reingeguckt.)

Da sie keine Interviewerin mit sich auf der Bühne hatte, beantwortete sie sich selbst ein paar Fragen, die ihr anscheinend oft gestellt werden, unter anderem, ob sie das Buch heute nochmal so schreiben würde, was sie sehr lachen ließ: „Natürlich würde ich das heute nicht mehr so schreiben. Überhaupt würde ich nie wieder irgendwas so schreiben wie ich es mal geschrieben habe.“ (Ich zitiere aus dem Gedächtnis und ich hoffe, das passt alles so, ich wollte nicht mitschreiben, ich wollte nur zuhören, denn es war ein Genuss, Emcke zuhören zu dürfen.) Ohne mich auch nur im Geringsten mit ihr vergleichen zu wollen, aber so ging es mir nach meinem Buch auch und ich weiß, dass ich das Lektorgirl mehrmals vollgejammert habe, dass das so endgültig ist, dieses Manuskript. Das wird dann gedruckt und dann ist es da draußen und ich kann nichts mehr machen. Ich bin durch mein Blog so daran gewöhnt, alles ändern zu können, alles stets im Fluss zu lassen, nachträglich noch zehn Jahre alte Artikel zu ändern, wenn mir ein Rechtschreibfehler auffällt, dass mich das Buch wirklich beunruhigte. Das tut es noch immer, denn heute würde ich vieles im Buch ändern wollen. Nicht die Grundtendenz, aber zum Beispiel die Idee von gutem (Bio) und schlechtem (alles andere) Essen – völliger Quatsch. Alle, die das Buch haben: bitte mal einen Rotstift nehmen und das durchstreichen. Danke.

Emcke begann damit, sich beim Publikum fürs Dasein zu bedanken. Sie meinte, in der derzeitigen Stimmung, die auch durch die Medien transportiert würde, hätte man das Gefühl, alle würden nur noch hassen und brüllen und sich Argumenten verweigern (sie sprach mehrmals Talkshows im Fernsehen an). Ich musste an meine Twittertimeline denken, in der ich erst gestern den Namen des president elect gemutet habe, weil es mich jeden Tag verzweifeln lässt, schon wieder seine Ausfälle mitzubekommen. Ich möchte das nicht mehr. Die Menschen in den Kammerspielen wollten das anscheinend auch nicht, und Emcke freute sich darüber, dass es anscheinend eben doch noch Gegenstimmen gebe, wir müssten sie nur erheben.

Sie las über die Sorge, die sich auch sprachlich im „besorgten Bürger“ wiederfindet und nutzte das Beispiel der flachen Erde: Da machen sich Menschen Sorgen darum, dass man von ihr herunterfallen könne – warum tut der Staat nichts dagegen, warum regt sich niemand darüber auf, warum sieht denn niemand diese Gefahr? Das seien alles berechtigte Sorgen – wenn die Erde eine Scheibe wäre, was sie aber nicht ist. Auch das erinnerte mich wieder an den Riesenberg an Trump-Nachrichten: Ich mache mir viel zu viel Sorgen um Dinge, die nicht mal real sind.

Dann las Emcke über die Pluralität, die vielen verschiedenen Möglichkeiten, sich als Individuum zu verorten: „Ob sie Kippa tragen oder eine Lederhose oder Drag …“ Hier unterbrach sie sich selbst und meinte, sie hätte überlegt, ob sie die „Lederhose“ bei der Lesung besser weglassen sollte; ich nehme an, weil man das entweder als anbiedernd oder als überheblich hätte interpretieren können, aber das Publikum lachte und konnte damit anscheinend ganz gut leben. Außerdem wurde der FC Union Berlin erwähnt, wobei ich auch sofort an Teile meiner Timeline denken musste. Generell war die Lesung für mich ein einziger Assoziationsblaster, ich nickte innerlich die ganze Zeit, dachte Themen weiter, die Emcke nur anriss und war gleichzeitig gut unterhalten als auch intellektuell hervorragend angefüttert. Es gab langen Applaus, und sobald sich die Türen öffneten, erhob ich mich eilig und meinte zu F.: „Ich geh mal ein Buch kaufen“ (das lag natürlich stapelweise – und teilweise signiert – aus), woraufhin F. mir Geld in die Hand drückte und meinte: „Bring mir eins mit.“

Eine Formulierung mochte ich besonders; es sind die letzten vier Worte im Buch, die Emcke zum Abschluss las:

„‚Macht ist immer ein Machtpotential und nicht etwas Unveränderliches, Messbares, Verlässliches wie Kraft oder Stärke‘, schreibt Hannah Arendt in Vita Activa, ‚Macht [...] besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, wenn sie sich zerstreuen.‘(1) Das wäre auch die zutreffendste und schönste Beschreibung von einem Wir in einer offenen, demokratischen Gesellschaft: Dieses Wir ist immer ein Potential und nicht etwas Unveränderliches, Messbares, Verlässliches. Das Wir definiert niemand allein. Es entsteht, wenn Menschen zusammen handeln, und es verschwindet, wenn sie sich aufspalten. Gegen den Hass aufzubegehren, sich in einem Wir zusammenzufinden, um miteinander zu sprechen und zu handeln, das wäre eine mutige, konstruktive und zarte Form der Macht.“

(1) Hannah Arendt, Vita Activa, S. 194.

(Carolin Emcke, Gegen den Hass, Frankfurt am Main 2016 (6. Aufl.), S. 218.)

#12von12 im Januar 2017

Alle anderen 12von12er*innen gibt’s bei Caro.

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Mein Wecker klingelte um 6.30 Uhr, weil ich um 8 mal wieder in der Stabi sein wollte. Egal wann ich aufstehe – der Mann gegenüber ist schon wach. Das weiß ich, weil seine Schreibtischlampe die Strahlkraft eines Flakscheinwerfers hat. Gestern wurde auf Instagram über Tageslichtlampe, Hanfanbau, YouTube-Star oder Dreharbeiten für Frauentausch gemutmaßt. Kinder, er hat wirklich nur eine echt – richtig – helle Schreibtischlampe. Neben der Lampe – nicht zu erkennen, weil hell – steht sein Computerbildschirm. Er arbeitet wirklich neben diesem Leuchtfeuer.

(Und er macht morgens in Unterwäsche Kraft- und Dehnübungen am offenen Fenster, aber da gucke ich brav weg. Meistens.)

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Etwas mehr als den üblichen Cappuccino und Saft zum Frühstück, denn nach vier Stunden Stabi warteten noch zwei Stunden Vorlesung auf mich.

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Stabi my love.

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So sieht mein derzeitiger Arbeitsplatz aus: Vor mir der Bibliothekstischrechner, von dem aus ich ins FAZ-Archiv komme, um die Amnesty-Hausarbeit zu schreiben. Davor mein Laptop, auf dem ich seit gestern schon wieder fast die geforderte Zeichenzahl erreicht habe – und ich bin in meinem Untersuchungsgebiet 1961 bis 1979 erst bei 1972 (ich habe in den 60ern angefangen und hangele mich nach vorne). Netterweise habe ich in dieser Arbeit den schönen Spielraum von 50.000 bis 70.000 Zeichen, und den werde ich gnadenlos ausnutzen, denn ich finde sehr schönes Zeug, was sowohl die Veränderungen Amnestys widerspiegelt als sie auch völlig ignoriert; das ist beides für mich spannend. Einen kleinen Seitenhieb konnte ich mir schon nicht verkneifen: Die FAZ, wie alle anderen Zeitungen auch, schreibt ja dusseligerweise im generischen Maskulinum. Wenn da steht, dass sich für die Orga Schüler und Studenten engagieren, müsste es eigentlich Schülerinnen und Studentinnen heißen, denn bei AI haben sich von Anfang an, in jeder Altersklasse mehr Frauen als Männer beteiligt. Sagt zumindest ein Buch. Ich hätte da gerne noch eine zweite Quelle, aber nach der suche ich noch.

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Zum Abschluss ging ich noch kurz vom Allgemeinen Lesesaal in den Handschriftenlesesaal, in dem der Jahresbericht von AI von 1979 auf mich wartete. Ich weiß nicht, warum der da lag, denn die Jahresberichte von 1975 und 1978 – also die älteren Bücher – lagen für mich im normalen Lesesaal bereit. Für beide Lesesäle muss man durch ein Drehkreuz gehen, an dem ein Wachmensch sitzt, der kontrolliert, was du mit reinnimmst. Im Handschriftenlesesaal muss man sich zusätzlich mit Beruf und Adresse in ein ausgelegtes Buch eintragen, man darf keine Getränke mit reinnehmen und dort auch nur mit Bleistift schreiben (oder natürlich mit Laptop, aber eben nicht mit Stiften, die schmieren oder tropfen). Man darf außerdem nicht fotografieren, weswegen ich hier nur die Eingangstür zeigen kann. (Und den tollen Globus, über den ich gar nichts weiß.)

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Das Frühstück hat nicht ganz gereicht; in weiser Voraussicht hatte ich aber einen Jogurt dabei. Seit ich mir mal mit einem Buch einen Jogurtdeckel im Rucksack eingedrückt und den halben Rucksackinhalt verdreckt habe, wickele ich die immer in Alufolie. Seitdem ist nichts mehr passiert. Der Jogurt im Bild liegt auf meinem Hörsaalklapptischchen. Ich esse eigentlich lieber vor den Hörsälen, aber gestern war die Vorlesung über Cézanne, bei der man sich mit den ganzen Senior*innen um die Plätze streiten muss. Daher war ich so früh wie möglich da und aß halt am Platz.

In der Vorlesung sahen wir unter anderem den Knaben mit der roten Weste, bei dem Nölige gerne mal bemerken, dass der rechte Arm ja viel zu lang sei. Max Liebermann hat dazu angeblich gesagt: „Der Arm ist so schön gemalt, der kann gar nicht lang genug sein.“

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Nach zwei Stunden fuhr ich nach Hause und schmiss Spinatblätter, die dringend wegmussten, mit Pinienkernen, Knoblauch, Parmesan und Olivenöl in einen Mixer.

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Daraus wurde ein ganz köstliches Mittagessen.

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Dann buk ich noch ein paar Muffins, die ich aber gestern nicht auf Instagram gepostet habe, weil ich im Kopf schon wieder am Schreibtisch war.

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So gerne ich es mag, dass eine kleine Wohnung nur kurze Zeit braucht, um sie zu putzen, so sehr nervt mich nach fünf Jahren die Situation „Küchentisch gleich Schreibtisch“. Ich sitze da gerne und gucke aus dem Fenster, und ich finde es schön, dass mein Tee in meiner Nähe ist, aber wenn F. abends vorbeikommt und wir noch ein bisschen was snacken, muss ich halt immer meine Bücherberge wegräumen. Das nervt mich doch sehr, und ich fürchte mich ein bisschen vor Masterarbeit und Promotion, für die ich nicht wirklich einen anständigen Arbeitsplatz habe. Wobei ich die MA-Arbeit eh fast komplett im Zentralinstitut für Kunstgeschichte schreiben werde. Ich hätte trotzdem gerne wieder einen Arbeitsplatz, der immer Arbeitsplatz ist und nichts anderes. Seufz.

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Abends zu F. gefahren. Hier warte ich an der Bushaltestelle und halte mein Buch komisch mit der einen Hand, damit ich es mit der anderen fotografieren kann. Das Buch hatte ich übrigens auch Montag in Rosenheim dabei und es lag mit Bleistift vor mir, als der Dozent und ich ins Gespräch kamen. Auf dem roten Lesezeichenzettel habe ich während des Gesprächs unter anderem mein Dissthema notiert, eben weil der Zettel gerade da war. Den hebe ich auf, und wenn alles so kommt wie ich das will, wird der eingerahmt.

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F. gestern morgen per DM so: „Es soll heute abend regnen. Willst du bei mir schlafen?“ Weil der Mann weiß, wie gerne ich das Geräusch von Regen auf seinen Dachfenstern mag. Guter Mann.

Was schön war, Mittwoch, 11. Januar 2017 – Fiffi

Vormittags am Schreibtisch an Amnesty gesessen und auf den Heizungsableser gewartet. Mich immer noch über einen Satz von F. am Vorabend gefreut und so ein wuschiges Backfischgefühl gehabt.

Mittags in die Sprechstunde der Menschenrechtsdozentin gefahren, um ein letztes Mal meine Hausarbeit mit ihr durchzusprechen. Eigentlich wollte ich ja mehrere Presseerzeugnisse auswerten, um ein etwas ausgewogeneres Bild zu zeichnen als es die FAZ alleine kann, aber da ich da schon so irre viel Material habe, wollte ich lieber abklären, ob das der Dozentin reicht. Reichte ihr. Noch ein paar gute Tipps bekommen zu Detailfragen, zufrieden nach Hause gefahren. Vor dem Bus fuhr ein SUV, bei dem ich mich die ganze Fahrt lang nicht entscheiden konnte, ob der nun mattschwarz oder verdrecktschwarz war. Vermutlich beides.

Auf dem Sofa Brotzeit gemacht, wobei mir schon fast die Augen zufielen. Für einen kleinen Mittagsschlaf hingelegt und zweieinhalb Stunden später wieder aufgewacht. Ähem. Wieder an den Schreibtisch bis kurz nach sechs, denn um 18.30 Uhr begann die Übertragung von der Eröffnung der Elbphilharmonie. Oder Elphi. Oder Philli. Ich bleibe bei Elbphilharmonie, wir sind noch nicht beim Du.

Den Festakt zur Eröffnung habe ich dann nur mit halbem Auge und Ohr verfolgt; bei Jaques Herzog habe ich zugehört, der Rest der politischen Redner war mir eher wurst. Das Konzert ab 20.15 Uhr hat mich dann aber fesseln können: Beide Hälften wurden in einem Rutsch durchgespielt – ich habe den schicken Fachausdruck dafür wieder vergessen, den Barbara Schöneberger ungefähr fünfmal nannte, aber das mag daran liegen, dass ich ihr partout nicht zuhören wollte. In beiden Hälften mischte sich ältere und moderne Musik, was mir ausgesprochen gut gefiel. Das traue ich mich als Wagnerianerin ja kaum zu sagen, aber nach dem wirklich faszinierenden ersten Teil kam das Parsifal-Vorspiel, mit dem der zweite eröffnet wurde, dann doch etwas altbacken daher. Aber: Ich konnte erstmals bei Wagner Chips essen, das war super. Und einen Sekt hatte ich inzwischen auch geöffnet; eine Konzert- oder Opernpause ohne geht einfach nicht.

Ich führte auf Twitter kurze Diskussionen über zeitgenössische Musik, erfuhr, dass das Konzert per Lautsprecher auch nach draußen übertragen wurde, so dass man vermutlich auf den Landungsbrücken einen ziemlich guten (und ziemlich kalten) Abend hätte verbringen können. Ich merkte, dass ich kein Heimweh nach Hamburg hatte, was mir sehr gut tat. Außerdem lernte ich durch die Sendung Olivier Messiaen kennen und klickte direkt nach dem Konzert noch ein bisschen was von ihm auf Spotify an. Konnte den blöden Beethoven-Ohrwurm aber auch nicht vertreiben.

(ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER, WO DEIN SANFTER FLÜÜÜGEL WEILT!)

Was schön war, Dienstag, 10. Januar 2017 – Diskussion

Morgens Vorlesung zur osmanischen Architektur, wo wir uns mit öffentlichem Raum beschäftigten. Wir begannen mit Kaffeehäusern, die immerhin für Männer öffentlicher Raum waren (knurr) und gingen dann zu Plätzen mit oder ohne Monumente über. Ich lernte, dass im osmanischen Reich Standbilder von Herrschenden eher unbekannt waren bzw. dass generell die Nennung von Namen bei Monumenten als nicht angemessen empfunden wurde. Wir sprachen über das Hippodrom, dem einzigen Bauwerk, das in Istanbul seit der Antike besteht, und dort über den sogenannten deutschen Brunnen, der eigentlich vom Stifter Kaiser-Wilhelm-Brunnen getauft wurde. So hieß er aber im türkischen Sprachgebrauch nie.

Eigentlich wollte ich danach in die Stabi, um ein Buch abzuholen, war aber müde und fuhr deshalb nach Hause. Dort war ich natürlich wieder wach und las das Internet leer, bis ich zum Menschenrechtsseminar wieder in die Uni musste. Dort lasen wir zunächst eine Rede von US-Präsident Carter, in der er seine Außenpolitik skizzierte, die Menschenrechte priorisierten. Wir diskutierten den cleveren Aufbau und die wichtigen Schlagworte. Danach hörten wir ein Referat zur Menschenrechtspolitik von Carter und Reagan und wie sie sich unterschieden. Es folgte eine lebhafte Diskussion, wie fast immer in diesem Kurs, und ebenfalls wie fast immer in diesem Kurs kam ich mit einem sehr durchgekneteten Hirn raus, sehr beglückt vom vielen Input.

F. holte mich vom Historicum ab und wir speisten eine Kleinigkeit in der Pommes-Boutique. Danach gingen wir zu ihm und lasen, ich weiter mein Lektürekursbuch, er Proust (und Das Lustige Taschenbuch).

Was schön war, Montag, 9. Januar 2017 – Feedback und Ausblick

Gestern hielt ich mein zweites Referat über Leo von Welden, netterweise nicht in einem Seminarraum in München, sondern im Depot der Galerie Rosenheim, wo sich über 80 Werke des Herrn befinden. Ich hatte diese Werke im Dezember endlich gesichtet, denn mein Schwerpunkt in diesem Semester liegt eher in der Nachkriegszeit, und aus dieser Zeit stammen die meisten Exponate. Die össelige Studienordnung im BA/MA besagt, dass du dich nicht mit dem gleichen Thema zweimal auseinandersetzen darfst, außer du findest einen neuen Zugang. So beschränkte ich mich im letzten Semester auf die Zeit zwischen 1933 und 45 und erkundete das Betriebssytem NS-Kunst in Bezug auf von Welden. In diesem Semester nähere ich mich dem Mann nicht mehr ganz so historisch, sondern stilistisch: Jetzt habe ich endlich Platz, mich am sogenannten expressiven Realismus abzuarbeiten, dem von Welden von einigen Kunsthistoriker*innen zugerechnet wird und den ich für völligen Quatsch halte.

So begann ich das Referat mit einem winzigen Forschungsüberblick und erläuterte dann das Konzept des expressiven Realismus, das von Rainer Zimmermann begründet wurde (und von zum Beispiel Uwe Schneede gnadenlos verrissen wurde). Anschließend hangelte ich mich an von Weldens Biografie entlang und zeigte eine Radierung aus den 1920ern, ein Ölbild aus den 30ern, das mir nur als Foto vorlag, das aber leider meine im letzten Semester aufgestellte Theorie ruinierte, dass von Welden nur für die GDK ideologische Kunst produziert hätte, denn es zeigt einen Mann in Wehrmachtsuniform. Wobei gestern der unser Seminar begleitende Doktorand meinte, er könnte dieses Bild ja auch für die GDK angefertigt haben, wo es nicht angenommen wurde, weswegen es in den Katalogen nicht auftaucht. Da ich 1944 drei Einreichungen von Weldens in den Büchern des Hauses der (deutschen) Kunst gefunden hatte, die aber abgelehnt und deswegen nicht näher bezeichnet wurden, ist das eine Möglichkeit. Ich würde das Soldatenbild eher auf Anfang der 40er datieren, aber auch das spricht natürlich nicht dagegen, dass er es 1944 noch eingereicht hat. Muss ich weiter drüber nachdenken.

Abschließend sprach ich über die ersten Werke von Weldens, die in Rosenheim 1944 zu exorbitanten Preisen angekauft wurden, zeigte dann die erste Nachkriegserwerbung der Galerie aus dem Jahr 1948, die auch aus zwei Werken von Weldens bestand und verwies auf sein weiteres Spätwerk aus den 50ern und 60ern, in dem der Mann endlich Farbe und Expressivität entdeckte anstatt weiterhin braunbeige und altmeisterlich zu malen.

Der Dozent meinte danach, er habe sich beim Konzept des expressiven Realismus schon immer unwohl gefühlt, hätte aber nie gewusst warum – jetzt wüsste er das. Das habe ich mal als kleinen Ritterschlag mit bescheiden gesenkten Lidern (und einer innerlichen Beckerfaust) hingenommen.

Auf der Rückfahrt nach München saß mein Dozent neben mir im Zug und ich dachte, ach, sparste dir den Gang in die Sprechstunde und fragst ihn gleich nach Feedback bzw. ob das okay sei, den Aufbau der Hausarbeit ans Referat anzulehnen, was natürlich bejaht wurde. Und weil wir gerade so schön am Plaudern waren, fragte ich gleich hinterher, ob ich seiner Meinung nach über von Welden promovieren sollte – also ob es sich lohnt, noch drei weitere Jahre mit dem Mann zuzubringen. Ich erwähnte auch, dass ich von Weldens Leben spannender fände als seine Werke, was der Dozent ähnlich sah und erwartungsgemäß meinte, wenn man so lange Zeit an einem Thema klebt, dass müsste einem das schon sehr großen Spaß machen. Oder, auch das käme vor, man hasse eine*n Künstler*in so dermaßen, dass man sich so lange an ihm oder ihr abarbeiten möchte, aber das würde er mir nicht empfehlen. Wäre von Welden eventuell ein Masterthema? Woraufhin ich ihm meine MA-Arbeit erläuterte und scherzhaft meinte, dass ich es schade finde, dass man diese beiden Themen nicht unter einen Hut kriegt, weil mir an beiden so viel liegt (NS-Kunst, Kunst der jungen Bundesrepublik, Verdrängung, Auseinandersetzung etc.). Und dann sagte der schlaueste Mann der Welt: „Die beiden Themen kann man ganz wunderbar miteinander verbinden, zum Beispiel …“ und die weiteren Sätze behalte ich jetzt für mich, aber als er fertig war, fiel mir als einzige Reaktion nur „Whoa“ ein. Und genau das sagte ich dann auch zu dem Mann, der mir irgendwann mal einen Doktorhut aufsetzen soll: „Whoa.“ Woraufhin er lachen musste und meinte: „So sollte eine Reaktion auf ein Dissthema immer klingen.“

Gut. Ich habe dann jetzt ein Thema, das meine Interessen verbindet, ihnen noch eine weitere, äußerst spannende Ebene verleiht und zu dem ich noch ein paar Dinge rausfinden soll, um es sinnvoll zu ergänzen. Aber es klingt, auch nach einer Nacht Drüberschlafen, nach einem großen Wurf, historisch, kunsthistorisch, psychologisch und soziologisch. Daran werde ich schön zu knabbern haben und ich wollte gleich gestern damit anfangen.

Was schön war, Sonntag, 8. Januar 2017 – Likes

Entspannt ausgeschlafen, zu Fuß bei leeeeeise riiieselndem Schneeeeee *summ* nach Hause gestapft und es sehr genossen. Frisch gemacht, mit Kaffee auf dem Sofa gefrühstückt, gebloggt, mich über einen Tweet von @ellebil aus Brügge gefreut. Da wollte ich eh schon länger hin – jetzt erst recht. Die kennen mich da!

Dann wieder in die Klamotten geworfen (neue) und wieder durch den Schnee gestapft, aber nur bis zur Bushaltestelle, denn ich musste ins Historicum, um mein Handout für mein heutiges von-Welden-Referat zu kopieren. Das wollte ich eigentlich schon Samstag auf dem Rückweg von der Stabi erledigen, hatte aber natürlich das Handout vergessen.

An der Bushaltestelle las ich weiter in meinem Lektürekursbuch und hörte gleichzeitig einer jungen Dame zu, die auf türkisch telefonierte, was mir nicht mehr ganz so fremd vorkommt, seit meine Dozentin in der Vorlesung zu osmanischer Architektur dauernd türkische Vokabeln einwirft. Mir ist aufgefallen, dass ich noch nie aufmerksam einem türkischen Gespräch zugehört habe, um wenigstens die Sprachmelodie zu ergründen, auch wenn ich nichts verstehe, obwohl es dazu in Deutschland ja schon genug Gelegenheiten gäbe.

Im Historicum sogar noch eins der begehrten Schließfächer im Erdgeschoss gekriegt (ich musste also nicht in den Keller), ins Untergeschoss zum Kopierer gegangen und den WALL-Es Guten Tag gewünscht. Auf dem Weg zum Ausgang kurz über die Tische mit den Neuerwerbungen geguckt, wo mich ein Buch über Residenzforschung anlächelte. Reingeblättert und mein neues Vorbild gefunden.

Nach Hause gefahren, mich an den Schreibtisch gesetzt, ein letztes Mal das Leo-Referat durchgegangen und nochmal gekürzt. Dann an der Amnesty-Hausarbeit gewerkelt und mich über die Likes und Retweets für den Jim-Knopf-Tweet gefreut.

Das war diese Hausarbeit und dieses sehr lesenswerte Buch.

Abends ein paar Folgen Bob’s Burger geschaut und wieder hemmlungslos meinem Tina-Belcher-Crush nachgehangen. Früh ins Bett.

Was schön war, Samstag, 7. Januar 2016 – Lesen, essen, reden (aka was ich am liebsten mache)

Mein Wecker klingelte um 6.30 Uhr, weil ich um 8 in der Stabi sein wollte. Es ist Prüfungszeit, und in der eh stets gut besuchten Stabi kriegt man eine Stunde nach Öffnung kaum noch einen Platz. Da ich aber dringend an die Bibliotheksrechner musste, schälte ich mich halt früh aus Decken und Armen und sah der Sonne mit Kaffee in der Hand beim Aufgehen zu.

Hier überquere ich gerade die Ludwigsstraße, um zur Stabi auf der anderen Seite zu kommen. Ich mochte das Licht, das langsam über die Häuserspitzen und das Siegestor kommt.

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Um 8.15 Uhr schlenderte ich zu den noch komplett freien Rechnern, die sich an der riesigen Fensterseite der Stabi befinden. Normalerweise sitze ich da nie, im Sommer ist es zu warm – und wie ich seit gestern weiß, im Winter zu kalt. Viel zu kalt. Nach 30 Minuten eifrigem FAZ-Lesen fing ich an, mir mit den Händen über die Arme zu streichen, um sie zu wärmen. Nach einer Stunde schlang ich meine Arme um meinen Oberkörper, wenn ich einen langen Artikel am Tischrechner lesen und deswegen nicht gleich auf dem danebenstehenden Laptop tippen musste. Die Dame rechts neben mir ging extra nochmal an ihr Schließfach und kam mit einem breiten Schal wieder, den sie fast als Decke nutzte. Der Herr links neben mir schien unbeeindruckt, aber mir wurde immer kälter und kälter. Nach vier Stunden gab ich auf; vom Hungergefühl und der Konzentration her hätte ich locker noch eine Stunde machen können, aber zum Schluss erwischte ich mich dabei, bei jedem angeklickten Artikel darauf zu hoffen, dass er nichts hergeben möge, damit ich weiterklicken und fertigwerden könne. Das ist nicht die Art, wie ich arbeiten will, und deshalb packte ich meine Sachen. Mein Platz war ungefähr eine Sekunde lang verwaist, dann sprinteten gleich zwei Menschen auf den frei werdenden Tisch zu. Nervscheiß.

Aber: schön was geschafft. Ich habe die kompletten 50 Artikel aus den 60er Jahren gelesen und eingeordnet und, weil das Archiv einen kleinen Schluckauf hatte und ich die Artikel nicht chronologisch aufrufen konnte, die Jahre 79 und 78 durchgeschaut – vermutlich aber irgendwann nicht mehr aufmerksam genug, da gehe ich lieber nochmal rüber. Die 70er sind eh noch mit massiver Arbeit verbunden, aber was ich bisher habe, reicht jetzt schon locker, um an meine Zeichenbegrenzung zu kommen. Also alles wie immer.

Anstatt gleich in der Uni in den Bus zu steigen, ging ich bis zur Schellingstraße zu Fuß, um wieder ein bisschen wärmer zu werden. Zuhause tauschte ich meine Fleecedecke, unter der ich gerne auf dem Sofa rumlungere, gegen meine Bettdecke aus, aß ein Scheibchen Sonnenblumenbrot mit Tomaten und daddelte im Internet rum.

Abends wurde ich dann vom ehemaligen Mitbewohner zum Essen ausgeführt. Wir gingen ins Marechiaro und gönnten uns nach einem herrlichen Prosecco zunächst die gemischte Vorspeisenplatte für zwei, auf der ausnahmslos alles schmeckte (das hatte ich noch nie, glaube ich). Mir fiel der leckere Balsamico auf und dass ich dringend mal wieder Carpaccio essen müsste.

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Beim Hauptgang schwankte ich zwischen einer Pizza mit Büffelmozzarella, dem Klassiker Saltimbocca und Gnocchi, und sobald der Kellner an den Tisch trat, wurden es dann spontan letztere. Ich weiß nicht, was das für ein komisches Gebrösele oben drauf war (schockgefrosteter Parmesan?), aber das Pesto war super.

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Der Nachtisch war eine Empfehlung des Hauses, eine Waldbeertarte, die auch klasse war. Einzig die Sprühsahne aus der Dose verstimmte mich ein wenig. Zu allem hatten wir einen schmackigen Weißwein, den ich mir vergessen habe zu notieren, und als Abschluss gab’s natürlich einen Espresso.

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Den Absacker nahmen wir dann auf der Couch des Mitbewohners, wo wir versuchten, Hail, Caesar! zu gucken und es nach dreißig Minuten abbrachen. Ich fand den komplett belanglos, bis auf die hübsche Ausstattung, und wollte ihn schlicht nicht weiterschauen. Dann plauderten wir halt noch ein wenig, wie vorher beim Essen auch schon. Angefangen hatten wir bei „Und wie war’s bei deinen Eltern zu Weihnachten?“, schwenkten dann zu YouTube und Bildauffassungen der Moderne und landeten zum Schluss bei Militärmuseen, die sich durch Ballerspiele ganz neue Kunden erschließen.

Mit U-Bahn nach Hause, Schlafzeug geholt (blöderweise vergessen einzupacken) und dann per Bus zu F. Gemeinsam eingeschlafen. (Ich freue mich weiterhin, das tippen zu können, deswegen steht das hier so oft. Ja, mir fällt das durchaus auf, wie oft das hier steht.)

Was schön war, Freitag, 6. Januar 2017 – Alles

Gestern war in Bayern Feiertag. F. und ich lungerten deswegen ewig im Bett rum, was alleine schon schön ist und zu zweit noch mehr. Danach ging ich mit Musik auf den Ohren durchs knackig kalte München nach Hause, kaufte mir beim Bäcker um die Ecke Croissants – und verbrachte danach so ziemlich den ganzen Tag auf dem Sofa mit Kaffee, Internet, Serien, Büchern und Candy Crush. Nicht am Schreibtisch gewesen, nichts für die Uni gemacht. Wobei mein Kopf ja immer was für die Uni macht, wie mir heute beim Aufwachen auffiel, als ich aus dem Nichts eine neue Struktur für die AI-Hausarbeit parat hatte. Eine Verabredung für heute abend getroffen, gemeinsam eingeschlafen.

Tagebuch, Donnerstag, 5. Januar 2017 – Oktober 1977

Ich hatte mir einen Berg Zeitungen aus dem Oktober 1977 in den Lesesaal legen lassen, denn das war der Monat, in dem Amnesty International den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam. Ich wollte einfach mal die originale Berichterstattung darüber lesen.

Ich hatte völlig vergessen, dass das der Monat war, in dem Hanns-Martin Schleyer ermordet, die Landshut entführt wurde und die RAF-Häftlinge in Stammheim Selbstmord begingen. Das war eine sehr andere Lektüre als die, auf die ich vorbereitet war, aber es war ebenso spannend. Wenn ich mir mit dem Münchner Merkur allerdings auch ein damals übel rechtes Blatt rausgesucht hatte, das in seinen Kommentaren den Hass auf linke Denker so richtig schön über die Seiten kotzte.

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In dem Monat lief außerdem im Blatt noch eine Serie, die sinngemäß hieß „Mehr Kinder für Deutschland“ und vier Wochen lang rumjammerte, dass Frauen egoistische Biester seien, wenn sie nicht ausschließlich Mütter sein wollten.

Richtig entspannt war die Lektüre also nicht, aber das war sie eh nicht, denn ich war zu spät in die Stabi gekommen – alle Sitzplätze waren bereits belegt und, was noch nerviger war, auch die Plätze an den Rechnern, an die ich musste, um auf das FAZ-Archiv zugreifen zu können. Also schleppte ich die Zeitungen an einen Stehtisch und las gut zwei Stunden vor mich hin. Dann blätterte ich noch im AI-Jahresbericht von 1978, wo der Nobelpreis natürlich auch erwähnt wurde, merkte aber, dass meine Grundquengeligkeit nicht so recht wegging, denn eigentlich wollte ich ja die FAZ durchwühlen, was aber schlicht nicht ging.

Ich legte den Jahresbericht in mein Ablagefach, zwei Zeitungsbände in ein anderes, wo die Großformate liegen, gab die Zeitungen, die ich nicht mehr brauchte, vor dem Lesesaal ab und ging ins Erdgeschoss an mein Schließfach, um aus meinem Rucksack ein Buch zu holen, das ich auch noch abgeben musste. Ich ging in den Raum, in dem sich die Rückgabe und die Ausleihe befinden, gab ein Buch ab, holte ein neues aus meinem Fach – und sah auf dem Weg zum Ausgang weitere Rechner. Die hatte ich ja völlig vergessen! Und sie waren alle frei! Leider nur an Stehtischen, aber daran war ich ja jetzt gewöhnt. Neues Buch in den Rucksack im Schließfach gelegt, Laptop wieder rausgezerrt, ihn vor dem Tischrechner aufgeklappt und ins FAZ-Archiv geklickt.

Alleine die Anzahl von Artikeln belegt, dass AI in den 1970ern deutlich wichtiger geworden war und mehr wahrgenommen wurde. Von 1960 bis 1969 erschienen in der FAZ 50 Artikel zu AI, von 1970 bis 1979 waren es bereits 721. Es wurden deutlich mehr Pressemitteilungen abgedruckt, die AI zu verschienenen Ländern und Themen einreichte; es häuften sich aber auch Todesanzeigen, in denen statt um Blumen um eine Spende für Amnesty gebeten wurde. Künstler spendeten Preisgelder an AI (1969 Siegfried Lenz 3.000, 1979 Oskar Kokoschka 10.000 D-Mark), andere Künstler arbeiteten unentgeltlich (Leonard Bernstein wird mehrmals in den 70ern erwähnt). Weil ich gerade den Oktober 77 so intensiv durchgearbeitet hatte, fand ich eine Meldung vom 8. November diesen Jahres spannend: Da wurde AI ein Infostand in Frankfurt (oder in der Nähe, habe ich mir gestern nicht anständig notiert) verweigert, weil Ausschreitungen nach dem Schleyer-Mord befürchtet wurden.

Ich klickte gestern nur stichprobenartig in den Artikeln rum, aber ich glaube, da lässt sich sehr hübsch ein Stimmungsbild der Entwicklung und Wahrnehmung von AI zeichnen. Gerade wenn ich bei einem Thema wie der RAF bleibe. Was mir auch aufgefallen ist: die Fußball-WM 1978 in Argentinien. Amnesty machte auf Menschenrechtsverletzungen im Land aufmerksam und Sepp Maier unterzeichnete eine Petition der Organisation. Darauf angesprochen, reagierten Klaus Fischer und Berti Vogts uninteressiert bis ungehalten und es fiel der übliche Satz, was Fußball denn mit Politik zu tun habe.

Amnesty hat übrigens gerade erst vor ein paar Tagen mal wieder auf die Situation der Arbeiter in Katar aufmerksam gemacht, was der FIFA anscheinend egal ist und dem FC Bayern auch, der zum wiederholten Male dort gerade sein Wintertrainingslager stattfinden lässt. Schon deprimierend, dass wir 40 Jahre später ähnliche Diskussionen führen. Nebenbei bemerkt, auch über den Umgang mit Terroristen.

Was schön war, Mittwoch, 4. Januar 2017 – Fortschritte

Vormittags das Referat zu Leo finalisiert und das Handout für die Kommilitoninnen hübsch gemacht. Erster Rededurchlauf war natürlich zu lang; ich habe lausige 15 Minuten zur Verfügung und muss daher auf tausend spannende Details verzichten. Nach der üblichen Streichorgie und dem Nitpicking, damit auch wirklich alles stimmt, musste ich aber erstmal dringend was essen.

Es ging übrigens um diesen Padua.

Mein Mittagessen waren dann keine Fischstäbchen, sondern mal wieder was von Buzzfeed: Möhren mit Petersilie und Paprikapulver im Ofen geröstet plus Kräuterdipp.

Nachmittags das erste Kapitel der Amnesty-Arbeit geschrieben. Leider hat sich die Sache mit einer Münchner AI-Gruppe zerschlagen, weil viel Material nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Das ahnte ich, aber jetzt wurde mir das nochmal mitgeteilt. Gut, dass ich mich innerlich eh schon für die Presseschau entschieden hatte.

Abends das übliche Essen: gucken, was da ist und es in eine Pfanne werfen. (Oh, ich hab noch Spinat! Yay! Rein damit!)

Feierabend mit Brooklyn-Nine-Nine und meinem zweiten Buch für den Lekürekurs, das sich ausgesprochen spannend liest.

Was schön war, Dienstag, 3. Januar 2017 – YouTube-Yoga

Morgens stand neben mir an der Haltestange in der U-Bahn eine Frau, recht schmal, knielanger, enger, grauer Mantel. Sie las in der Monatsvorschau der Pinakotheken, mit der linken Hand hielt sie sich fest. Sie trug einen goldenen Ring mit einem kleinen Stein am Zeigefinger. Ihr Haaransatz war nicht sichtbar, sie hatte ein breites Tuch, das die Haare hochband. Der Mantel war modern, ihre Brille auch, sie war eindeutig im Hier und Jetzt konnotiert, aber der Ring und das Tuch erinnerten mich sofort an alte niederländische Bilder, die in München in der, genau, Alten Pinakothek hängen.

Im Zentralinstitut für Kunstgeschichte wieder mal über Leo und die Nachkriegskunst gelesen. Wegen der Begegnung in der U-Bahn hatte ich mir aber auch noch spontan einen Band mit niederländischen Altären an den Platz getragen. Mir fiel wieder einmal auf, wie einzigartig diese Werke sind. Kunst begeistert mich, fasziniert mich, regt mich auf, macht mich traurig, was auch immer. Aber die Werke von Memling, van der Weyden, van Eyck, Christus oder van der Goes sorgen in mir immer für eine tiefe, schwere Ruhe. Selbst wenn ich nicht vor den Originalen stehe, sondern nur einen Bildband vor mir liegen habe.

Über den Königsplatz nach Hause gegangen.

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Morgens hatte ich einen Tweet von Jasna in meiner Timeline, auf den ich, warum auch immer, klickte. Ich landete bei einem Yoga-Video, guckte die ersten Minuten an – und wollte sofort mitmachen.

In meiner Timeline auf Instagram oder Twitter sowie in einigen Blogs, die ich lese, ist Yoga seit Jahren präsent. Ich gucke mir das immer gutmütig an und frage mich, warum man beim Yoga anscheinend stets schlimm gemusterte Leggings tragen muss, aber ansonsten freue ich mich mit den Damen (es sind nur Damen), dass es ihnen anscheinend sehr gut tut, dieses Yoga. Mich selbst verbrezeln wollte ich nicht, einfach weil ich es mir nicht zutraue.

Ich hatte 2001 einen Bandscheibenvorfall, der operiert werden musste. Danach hatte ich sechs herrliche schmerzfreie Jahre, die mir sehr bewusst waren, weil ich Rückenschmerzen hatte, seit ich ein Teenager war. (Seit ich Weihnachten bei meinen Eltern mal wieder mein 15 Kilo schweres Akkordeon umgeschnallt habe, ahne ich, woher die kamen. Drecksding. Querflöte hätte ich lernen sollen, verdammt.) Nach diesen herrlichen sechs Jahren hatte ich einen zweiten Vorfall, den ich nicht mehr operieren lassen wollte, weil ich von der ersten OP einige doofe Nebenwirkungen mitbekommen habe: Einige Nerven sind beim Eingriff beschädigt worden, ich kann rechts nicht mehr auf Zehenspitzen stehen bzw. mich mit den Zehen abdrücken, was Treppensteigen sehr nervig werden ließ. Das gesamte rechte Bein, die rechte Pobacke und einige weitere, etwas intimere Körperteile wurden in Mitleidenschaft gezogen, was alles keinen Spaß macht und mit deren verringerter Gefühlsfähigkeit bzw. Funktion ich sehr lange gehadert habe. Deswegen hielt ich vor einigen Jahren ungefähr sechs Monate Scheißschmerzen aus, stand ständig unter Drogen und lernte auf die harte Tour, was meinem Rücken gut tut – nämlich oft genug Ruhe und leichte, vorsichtige Bewegungen. Nach jeder Krankengymnastik und jedem Kiesertraining, das ich natürlich auch ausprobiert habe, traute ich mich kaum, mir die Schuhe zuzubinden, weil ich dachte, mein Rücken bricht durch. Seit ich aber nett zu ihm bin und sehr vorsichtig mit ihm umgehe, geht es mir gut. Dazu gehört auch, einige Dinge einfach nicht mehr machen, zum Beispiel Getränkekisten zu schleppen. Leider gehören auch Golfabschläge dazu – eine ruckartige Drehung der Lendenwirbelsäule scheint mir nicht mehr angebracht zu sein. Ab und zu habe ich eine Wärmflasche im Kreuz, sobald ich das Gefühl habe zu verspannen, mache langsame Spaziergänge und trage fast täglich Einkaufstüten, anstatt mir Gewaltmärsche und Hanteltraining anzutun. So bin ich seit Jahren schmerzfrei – aber gleichzeitig vermutlich inzwischen übervorsichtig.

Vielleicht reizte mich deshalb diese kleine Yoga-Einheit: Sie kam mir erstens auch für einen dicken und außer durch Uniradeln und Einkaufstaschenschleppen untrainierten Menschen machbar vor. Und sie klang zweitens: achtsam. Das war mir neu, dieser sanfte Umgang mit dem eigenen Körper. Ich kannte eher die fordernde Krankengymnastenstimme mit dem beschissenen „In den Schmerz reinarbeiten!“ und das noch beschissenere „Sie wollen anscheinend gar nicht gesund werden“, als ich mich bei einer Übung weigerte, sie auszuführen, weil ich mich mit ihr nicht wohlfühlte.

Und so hatte ich den ganzen Tag bei der Arbeit das Video im Hinterkopf. Abends googelte ich schließlich nach fat yoga, ob ich irgendwas beachten sollte und stieß zum Beispiel auf den sehr guten Tipp, mich im Schneidersitz auf ein Kissen zu setzen anstatt auf den Boden. Dann zog ich mir ungemusterte Leggings an und ein weites Shirt, schnappte mir ein Kissen, setzte mich auf den Wohnzimmerfußboden (bzw. das Kissen) und klickte das Yoga-Video an.

Bis auf eine Übung, in der man in Rücklage beide Beine gleichzeitig anheben sollte – das vermeide ich gnadenlos –, habe ich alles mitgemacht. Ich habe einen fat downward facing dog gebastelt und fand es nicht nur überraschend, sondern schlicht schön. Ich hätte mir ein etwas geringeres Tempo gewünscht, aber das mag daran liegen, dass ich wirklich keine Ahnung hatte, was ich machen sollte, weswegen ich noch am Körperteile sortieren war, während die Vorturnerin schon in die nächste Position krabbelte. Ich merkte, dass ich am Anfang noch sehr verspannt war, weil ich einfach damit gerechnet hatte, dass ich irgendwas nicht kann oder mir das nicht zutraue oder der Rücken anfängt rumzuzicken. Aber nach wenigen Minuten konnte ich mich auf meinen Atem konzentrieren und dann darauf, dass ein weites Shirt eine doofe Idee war, weil mir der Kragen dauernd im Gesicht hing, während ich auf allen Vieren im Wohnzimmer atmete. Aber auch das war irgendwann egal, weil ich dauernd dachte, ach guck, das kannst du ja auch, ohne dass was weh tut oder du ängstlich bist. Hätteste jetzt nicht gedacht. Die 23 Minuten vergingen viel zu schnell und ich habe mich sehr wohl und aufgehoben gefühlt, ganz anders als auf meinen bisherigen Matten, auf denen ich eher aufgefordert wurde, Dinge auszuhalten und durchzuziehen, während mir hier gesagt wurde, pass auf dich auf, fühl dich wohl, wenn irgendwas nicht geht, dann mach’s auch nicht. Achtsam eben.

Das war eine sehr unerwartete und schöne Erfahrung und gleichzeitig mal wieder eine Gelegenheit, den eigenen Körper zu spüren und positiv wahrzunehmen. Solche Gelegenheiten muss man sich ja gerade als dicker Mensch dauernd schaffen, um nicht irre zu werden in einer Gesellschaft, die unsere Körper ausradieren möchte, weswegen das gestern eine sehr willkommene Übung in Selbstliebe war.

(Breathe out.)

Was schön war, Montag, 2.1.2017 – Wissen abrufen

Ich habe den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen und mein Referat zu Leo von Welden fertiggestellt, das ich nächsten Montag in der Galerie in Rosenheim halten werde. Vor Originalen zu sprechen anstatt vor einer Powerpoint zu sitzen, ist ziemlich toll, und jetzt, wo ich endlich im Depot war und große Teile der von Weldens gesichtet habe, fällt es mir auch deutlich leichter, die Bilder auszuwählen, auf die ich hinweisen möchte.

Ich fand es schön zu merken, dass ich seine Biografie und Ausstellungen, zumindest bis 1945, quasi auswendig kann; das Aufschreiben hat nicht sehr lange gedauert. Ab 1945 wühlte ich dann in seinen Briefen und den Dingen, die ich im Archiv gefunden hatte, um auch dort Ausstellungen zu vervollständigen und zu schauen, wie sich die Preise seiner Bilder entwickelt hatten. Gleichzeitig werde ich ein wenig über die Ankaufspolitik der Galerie Rosenheim sprechen. Das konnte ich noch nicht aus dem Kopf schütteln, aber auch das ging recht zügig. Es hat mich gefreut zu sehen, was ich alles im vergangenen Semester gelernt und wie gut ich es behalten habe bzw. in welche unterschiedlichen Kontexte ich meine Wissensbröckchen bringen kann.

Abends mal wieder mein liebstes Linsengericht gemacht. Schmeckt mir seit Jahren immer wieder.

Das wollte ich eigentlich schon gestern aufschreiben, aber der Eintrag kam mir stimmig vor wie er war, daher heute als Nachtrag: Ich habe aus diesem Artikel in der NYT etwas Neues über das Freedom-Video von George Michael gelernt, das ich persönlich zu meinen stilbildenden Musikvideos zähle. Keine Ahnung, wie oft ich es damals auf MTV gesehen habe, gefühlt eine Milliarde Mal. Ungefähr eine Woche vor Michaels Tod lief auch wieder Listen without Prejudice auf meinem Spotify beim Kochen, und ich kann die Texte noch mitsingen. Jedenfalls: Ich wusste bis vor einigen Tagen nicht, wer dieses Video gedreht hat – es war David Fincher.

Was schön war, Freitag bis Sonntag, 30.12.2016 bis 1.1.2017 – Happy new year!

Am Freitag fuhr ich in die Stabi, um das FAZ-Archiv durchzuwühlen. Das geht trotz Unizugang nur direkt von den Stabi-Rechnern, weil die über eine Bibliothekslizenz verfügen. Soll mir recht sein, denn ich musste eh in den Lesesaal, wo Literatur auf mich wartete – in Mikroficheform. Zunächst setzte ich mich aber an einen der Bibliotheksrechner, ging ins FAZ-Archiv und suchte nach „Amnesty“.

Im Gespräch mit meiner Dozentin des Menschenrechtskurses hatte ich drei Hausarbeitsvorschläge gehabt. Der erste war – und deswegen hatte ich mich mit einem Menschen von AI getroffen –, eine Münchner AI-Gruppe auszuwerten und zu überprüfen, ob sich die Entwicklung der großen Gesamtorganisation in den 1970er Jahren im kleinen Grüppchen vor Ort widerspiegelt und wenn ja, wie (oder eben auch nicht, denn die Gruppen arbeiten recht autark). Das scheint aber eher schwierig zu werden, weil nicht jede Gruppe alles aufgehoben hat. Ich maile heute noch ein weiteres langjähriges Mitglied an, deren Namen ich von meinem Gesprächspartner vorletzte Woche bekommen habe, aber so recht glaube ich nicht mehr daran, dass die Idee trägt. Wenn das hier eine Masterarbeit wäre, säße ich natürlich längst im Zug nach Berlin, um das deutsche AI-Archiv durchzuwühlen, aber für eine Hausarbeit ist mir das zeitlich und finanziell zu viel Aufwand.

Meine zweite Idee war, mich mit den Imagefilmen von AI zu beschäftigen. Ich hatte einen Aufsatz einer spanischen Kommunikationswissenschaftlerin gelesen, die einem Film von AI unterstellt, rassistische und neokoloniale Bilder zu reproduzieren. Auf der internationalen AI-Website stehen weitere Imagefilme, mit denen ich diesen Aufsatz kontrastieren wollte. Das ist zwar im Prinzip eine nette Idee, aber diese Quellen sind schlicht zu neu, sie sind noch nicht historisch. Daher kamen wir auf die Idee, vielleicht eine Art visuelle Geschichte von Amnesty zu erstellen – oder wenigstens einen Ansatz, denn eine komplette Geschichte wäre schon dissertationswürdig. Also fuhr ich Dienstag ins Zentralinstitut für Kunstgeschichte, denn dort standen mehrere Bücher mit Fotos und Plakaten von AI. Nachdem ich sie durchgeblättert hatte, war mir allerdings auch klar, dass diese Idee selbst im Ansatz viel zu groß für eine Hausarbeit ist, denn jedes Land fuhr in der Vergangenheit eine eigene visuelle Strategie; dieser Link zum Guardian macht klar, was ich meine. Nicht mal das Logo war überall das gleiche, manche Länder nutzten sogar nicht einmal den Namen „Amnesty International“, sondern übersetzten ihn in die Landessprache (ich habe den Namen einmal in Portugiesisch gesehen). Mein Fazit wäre also, zumindest bis 2008: Es gab keine eindeutige visuelle Geschichte von AI, höchstens im Detail, weil sich die Versatzstücke natürlich wiederholten: Friedenstauben, Gitterstäbe, die Kerze im Stacheldraht etc. Aber es gab scheinbar keine gemeinsame Corporate Identity, keine immer gleiche Fotoauffassung oder ähnliches. Die Idee habe ich geknickt.

Bleibt die Presseschau, die mir inzwischen auch recht gut gefällt. Beim ersten Durchklicken des Archivs fielen mir schon schöne Dinge auf, die ich für notierenswert hielt. Der erste Artikel über Amnesty in der FAZ erschien im Dezember 1963, zweieinhalb Jahre nach Gründung der Organisation. 1966 wurde AI noch als „Juristenverband“ bezeichnet, 1967 wurde die Orga noch falsch erklärt: Angeblich kümmerten sich Gruppen von drei um einen Gefangenen – richtig wäre: eine Gruppe aus egal wie vielen Mitgliedern kümmert sich nicht um einen, sondern um drei Gefangene: einen aus einem westlich-demokratischen Land, einen aus einem kommunistischen und einen aus den sogenannten Entwicklungsländern. Nebenbei hatte AI damals noch einen Artikel, es hieß immer „die „Amnesty International““ in Anführungszeichen.

Nach dem ersten erfolgreichen Wühlen ging ich zum Mikrofichelesegerät. Dort wartete ein Stapel Länderdossiers von 1976 und 1977 (oder ein kleines Heftchen Plastikfolie) auf mich. Ich lernte, dass AI eingeladen wurde, an der Autopsie der RAF-Häftlinge in Stammheim teilzunehmen. AI hatte sich im Vorfeld mit der Gefangenensituation beim Hungerstreik oder der Einzelhaft beschäftigt; die Organisation hatte aber keinen der RAF-Häftlinge als politischen Gefangenen adoptiert (der AI-Ausdruck für ein Engagement für eine*n Gefangene*n). Die RAF war natürlich auch ein Gegenstand der Berichterstattung in der FAZ, das könnte ganz spannend werden.

Derart motiviert setzte ich mich zuhause an die Hausarbeit und schrieb die Einleitung runter. Die las sich auch am Samstag noch gut.

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Den Silvesterabend verbrachte ich bei F., der schon vor einigen Tagen mein Racletteset zu sich geschleppt hatte. Ich brachte Fleisch und Gemüse mit, er hatte Käse und Brot besorgt sowie eine kleine Selektion an Schaumwein, denn Frau Gröner trinkt Silvester gerne Schaumwein. (Okay, Frau Gröner trinkt immer gerne Schaumwein.)

Der Abend war schön, aber irgendwas irritierte mich. Das fiel mir aber erst am Neujahrstag auf. Raclette war immer Kais und mein Silvesteressen gewesen. Im letzten Jahr hatte ich alleine Raclette gemacht, weil F. und ich da gerade eine Beziehungspause eingelegt hatten, weil ich schlicht von allem überfordert gewesen war. Ein Teil der Überforderung war damals, dass ich Beziehungsmuster, die ich elf Jahre lang verinnerlicht hatte, in die neue Beziehung mitgeschleppt hatte, was natürlich stets knirschte und quietschte, denn F. ist nicht Kai (ach was). Alleine Raclette zu machen, hatte mir gefallen, weil ich mir so Dinge wiederholen konnte, die vorher pärchenkonnotiert waren – wie Paris, wo ich im Januar alleine war. (Da fällt mir ein: Ich muss noch alleine nach Sylt.) Und jetzt saßen F. und ich um das olle Racletteset und irgendwas nervte. Als ich am 1. Januar die übliche Restepfanne aufsetzte, beschloss ich, nächstes Jahr kein Raclette mehr zu machen und auch F. meinte, schön bekocht zu werden oder essen zu gehen, würde ihm auch besser gefallen. Weg mit euch, Silvesterpfännchen. Zeit für neue Traditionen.

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