Was schön war, Donnerstag, 4. Februar 2016

Getting things done.

Ich habe mich zu diversem Kleinkram aufgerafft: endlich mal wieder einen Arzttermin gemacht für den üblichen Dings-Werte-Check-up, der eigentlich schon im Januar dran gewesen wäre. Leergut weggebracht. Haushaltszeug gekauft wie Druckerpatronen, Sprühflasche zum Bügeln und Stopfgarn für die Lieblingssocken, die jetzt mal nicht weggeschmissen und neu gekauft, sondern geflickt werden. Wäsche gewaschen. Neue Bücher für die Stadion-Arbeit aus der Stabi geliehen und die letzten Kiefer-Bücher, die noch im Lesesaal lagen, zurückgegeben. Kram aus dem Keller geholt. Nicht gemacht, weil keine Lust mehr: Fahrrad aufgepumpt. Kommt heute dran.

Dann gesellte sich noch eine ungeplante Kleinigkeit-Erledigung dazu: Das Finanzamt München schickte mir eine Erinnerung, doch bitte meine Umsatzsteuervoranmeldungen von 2014 und 2015 endlich einzureichen. Ich so: WTF? Denn die sind natürlich brav und termingerecht ans Finanzamt Hamburg gegangen. Mein Steuerberater ist Donnerstags nicht zu erreichen, weswegen ich todesmutig selbst beim Finanzamt anrief. Eine freundliche Dame entschuldigte sich und meinte, das wäre bei Neuankömmlingen in München gerne so, dass die Daten nicht schnell genug nachgetragen würden. Deswegen wären Mahnungen rausgegangen, die auch nicht zu stoppen seien. Ich sah an dieser Stelle vor meinem inneren Auge kleine, garstige Roboter ohne Zeitgefühl in dunklen Räumen, die unbeeindruckt Mahnungen an alle Zuzügler*innen schicken, während von draußen menschliche Finanzbeamt*innen an die verbarrikadierten Türen hämmerten, doch bitte mit diesem sinnlosen Treiben aufzuhören – vergebens. Ein Roboter muss tun, was ein Roboter tun muss. Jedenfalls beruhigte mich die Dame, meinte, ich solle einfach alles ignorieren und so weitermachen wie vorher. Hm. Na gut. Ich bereite mich seelisch auf weitere Telefonate vor. Da kommt doch garantiert noch was.

Kochen und backen.

Zum Mittag gab’s einen Rotkohlsalat und abends buk ich Käsekuchen ohne Boden. Eigentlich wollte ich mit dem Quark was Herzhaftes machen, aber ich hatte schon wieder vergessen was und Käsekuchen geht ja immer. Dachte ich. Bis mir nach dem Backen auffiel, dass der Boden eigentlich das Tollste am Käsekuchen ist. Wieder was gelernt.

Lesen und netflixen.

Nach jeder Etappe im Studium kommt ein winziges Loch, in dem mein Kopf auf Stand-by schaltet. Das kenne ich inzwischen und halte es aus; in den ersten Semestern hat es mich allerdings wahnsinnig gemacht. Das fühlt sich ungefähr so an: Ich lerne besinnungslos auf ein bis sechs Klausur/en hin – und hänge nach der letzten erstmal drei Tage stumpf vor irgendwelchen Serien, allerdings immer voll schlechtem Gewissen, weil ich ja noch eine bis drei Hausarbeit/en schreiben muss oder mich selbst weiterbilden will. Seit drei Semestern ist das schlechte Gewissen weg. Ich weiß, dass ich immer hochkonzentriert bis zur Deadline, egal ob die der Uni oder selbstgewählt, arbeite, und ich weiß inzwischen auch, dass ich danach anscheinend eine Pause brauche. Oder will. Und die nehme ich mir jetzt auch. Die erste von zwei Hausarbeiten ist abgegeben, die Klausur ist durch, und bevor ich mit der nächsten Arbeit anfange, gönne ich mir entspannt ein paar Tage Rumhängen. Meine eigene Hibbeligkeit ist sowieso spätestens Montag wieder da. Vermutlich fange ich schon am Wochenende mit Bibliografieren an oder meinem üblichen, ach, guckste doch mal in die Academic Search nach Aufsätzen, nur so, nix Ernstes und zack! lese ich wieder stundenlang in der Gegend rum.

Und weil ich das inzwischen weiß, genoss ich gestern quasi einen Tag Urlaub. Das war schön.

Was schön war, Mittwoch, 3. Februar 2016

Letzte Stunde im Ost-West-Dialoge-Seminar

Wir hörten ein sehr gutes Referat über Willi Sitte und diskutierten danach zum Abschluss noch mal über den Unterschied im Umgang mit NS-Kunst im Gegensatz zur DDR-Kunst. Mir ist im Laufe des Semester aufgefallen, dass der DDR-Kunst interessanterweise nicht die dämonische Verführungskraft der NS-Kunst zugeschrieben wird, obwohl beide Diktaturen eine Staatskunst förderten. Während den NS-Werken gerne unterstellt wird, man würde quasi durch den Anblick eines Zieglers zum Nazi werden, wird DDR-Kunst nachlässig in die Depots gestellt mit der Begründung, das sei halt nicht gut, weg damit. Dass wir als Kunsthistoriker*innen das anders sehen, ist mir auch erst im Laufe der letzten Monate aufgefallen. Vor allem habe ich gelernt, wie vielfältig auch diese angebliche Staatskunst sein konnte und dass mir viele Werke davon wirklich gefallen – oder mich zumindest interessieren.

Einen Unterschied zwischen den beiden Kunstrichtungen arbeiteten wir heraus: Die NS-Kunst war rückwärts gewandter Massengeschmack und gefiel daher vielen Menschen. Was dummerweise noch heute teilweise so ist – die Dozentin erwähnte eine Äußerung eines Besuchers zur Ausstellung GegenKunst, in der die Vier Elemente (vor 1937) von Ziegler und Josef Thoraks Zwei Menschen (1941) zu sehen waren: „Endlich mal was Anständiges in der Pinakothek der Moderne.“

Die Kunst der DDR hingegen war eine Kunst, die erziehen sollte, den Menschen den Sozialismus schmackhaft machen sollte. Diese Kunst fand nicht immer Rückhalt in der Bevölkerung. Trotzdem kein Grund, sie nur noch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR auszustellen. In den ehemals Alten Bundesländern gab es meines Wissens nach bis heute keine Ausstellung von DDR-Kunst. Dauerhaft ausgestellt ist sie hauptsächlich in Dresden, Leipzig und Berlin.

Edit, danke für den Hinweis aus der Leserschaft: Doch, es gab Ausstellungen.

Abschließend trug uns die Dozentin noch die Entwicklung der Staatlichen Akademie der Künste in München nach 1945 vor, die, total überraschend für die Hauptstadt der Bewegung, mit viel Personal weiterlehrte, das bereits im NS-Staat gelehrt hatte. Über die Studentenunruhen von 1968 gibt es hier einen interessanten Buchbeitrag von Birgit Jooss.

Bücher und Busse

Amazon-Paket aus der Packstation geholt. Wegen Dauerregens war ich nicht mit Rad unterwegs, sondern mit Öffis. Dabei sah ich zum ersten Mal einen Bus mit Anhänger, in den ich natürlich sofort einsteigen musste.

Einladung

Zuhause eine grandiose Mail vorgefunden: Die Albertina lädt mich zur Eröffnung der Anselm-Kiefer-Ausstellung im März nach Wien ein! KIEFER! WIEN! Endlich lohnt sich dieses Studium mal!

Auch wenn ich auf der Website blöderweise ein Bild mit Wagner-Bezug gefunden habe, das ich in der Hausarbeit nicht aufgezählt habe (Die Rheintöchter, 1982–2013). Verdammt! Noch ein Grund mehr, das Ding zu meinem Master-Thema zu machen. Ich werde Wege der Weltweisheit sehen! Und Brünhilde/Grane! (Immerhin das habe ich aufgeführt.) Ich kann seit dem Lesen der Mail nur noch Ausrufezeichen machen, weil ich mich so freue!

Sauerkrautrösti

Von meinem vorgestrigen Mittagessen war etwas Sauerkraut übrig geblieben. Daraus zauberte ich pfiffigerweise mein gestriges Mahl, ich patente Hausfrau. Meine Omi, ihres Zeichens Hauswirtschafterin, wäre stolz gewesen.

(Nachdem ich „Hauswirtschaft“ gegoogelt hatte, um zu gucken, was eigentlich alles darunter fällt, bin ich sehr lange auf dieser Seite hängengeblieben.)

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150 g Sauerkraut gut ausdrücken.
150 g Kartoffeln (das war bei mir eine große) grob reiben.
1 Zwiebel grob reiben.
Alles mit
1 Ei,
1 EL Mehl,
Salz und Pfeffer vermischen. In
Butterschmalz bei mittlerer Hitze zwei Rösti ausbacken.

Ich mag dazu einen Klecks saure Sahne oder Kräuterquark.

Was schön war, Montag, 1. Februar 2016

Barock- und Klassizismusklausur.

Ja, das war eine schöne Klausur. Die war vom freundlichen Dozenten aber auch auf „Ihr besteht das alle, außer ihr seid totale Trottel oder wart kein einziges Mal anwesend“ hin konzipiert. Die ersten gaben bereits nach drei von 45 möglichen Minuten ab. Normalerweise wäre das mein Job gewesen – deswegen sitze ich in Klausuren auch immer am Rand –, aber bei einem Kirchlein musste ich so lange überlegen wie ich für den gesamten Rest der circa 20 Fragen brauchte. Wir bekamen einen Grundriss vorgelegt –

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– und mussten nun antworten, welche Kirche das ist, wer sie gebaut hat und wie man diesen Bautypus bezeichnet. Beim Typ war ich schon leicht verwirrt und entschied mich dämlicherweise für einen Zentralbau, was natürlich falsch ist, denn bei einem Zentralbau sind alle Achsen gleich lang. Das war mir Blödfrau aber entfallen. Stattdessen hätte ich natürlich Saalkirche hinschreiben müssen, was sogar mein erster Impuls war, aber ach ich weiß auch nicht. Knurr. Den Baumeister wusste ich immerhin sofort, das ist der gute alte Bernini. Und auch beim Namen setzte ich schwungvoll an und schrieb „S. Andrea …“, dank meiner Eselsbrücke „Bernini hat drei Silben und diese kleine ovale Kirche mit dem Frauennamen hat im ersten Teil auch drei Silben, im Gegensatz zu S. Agnes in Piazza Navona, die von Borromini gebaut wurde“, aber dann wusste ich schlagartig nicht weiter. Ich wusste, hinter S. Andrea kommt noch was, aber mein Kopf hatte sich kurzfristig verabschiedet. (Vermutlich war er vom Nachdenken über den falschen Zentralbau schockiert.) Den Rest der Klausur hatte ich schon ausgefüllt, ich konnte mich nicht mehr mit anderen Fragen ablenken, starrte daher minutenlang aus dem Fenster und ging alle anderen Kirchen in Rom durch, die wir hatten: alla Sapienza? Nee. Alle Quattro Fontane? Nee. In Piazza Navona? Nee. Della Pace? Nee. Ich bohrte in meinen Hirnwindungen nach Buchstaben, nach Eselsbrücken, die ich noch nicht abgerufen hatte – und da war eine: Es gibt eine Kirche, deren Präposition ich mir nie merken konnte, bis mir auffiel, dass sie im Kirchennamen zweimal vorkam: Sant’Andrea al Quirinale. Fuck YEAH!

Okay, dafür ist mir der Architekt des Panthéon nicht mehr eingefallen, scheiß drauf, und ich habe das Theatermotiv mit der Ädikula verwechselt, was mich noch in 20 Jahren ärgern wird, weil das Begriffe sind, die ich seit dem ersten Semester drauf habe. Aber: Klausur ist unbenotet, bestanden ist bestanden. Die ersten ECTS-Punkte im Master sind seit gestern abend auf dem Konto. Schnellste Korrektur ever. Respekt.

Für gut.

Arthurs Tochter schrieb am Wochenende etwas zu Dingen, die man für später, für besondere Gelegenheiten, „für gut“ aufhebt. (Einschub: Die Kaltmamsell beschrieb ein besonders bizarres Beispiel dafür, vorletzter Absatz.)

„Als meine Patchwork-Oma starb, hinterließ sie ein Haus vom Keller bis zum Dachboden voll mit aufbewahrten Dingen. Bettdecken, Tischdecken, Laken, Tafeltücher, alle originalverpackt. Für gut. Als P.s Patentante starb, hinterließ sie eine Wohnung voll vom Keller bis unter die Wohnzimmerdecke mit aufbewahrten Dingen. Bücher, Tischdecken, Servietten, Laken, Bettwäsche, Tafeltücher und ja, ganz besonders Servietten, originalverpackt. Berge von Silberbesteck, dick und mehrfach in Alufolie gewickelt um ein Anlaufen zu verhindern, was nichts nützte über so viele Jahre, in denen das Besteck unbenutzt herumlag. Für gut.

Ich arbeite einige Stunden im Monat für die Zwiesel Kristallglas AG. Dort kaufen Menschen Gläser, mundgeblasen, keines unter € 20,00 das Stück. Diese Gläser stehen 364 Tage im Jahr im Schrank. Für gut.“

Ihr ahnt, wo der schöne Blogeintrag (unter anderem) hingeht: Benutzt das gute Zeug, denn es macht Freude, das gute Zeug zu benutzen.

Als ich aus meiner 3-Zimmer-Wohnung in Hannover in meine 1-Zimmer-Wohnung nach Hamburg zog, die ich mir als Textpraktikantin von meinen Eltern finanzieren lassen musste, kaufte ich ein Schlafsofa und nahm – natürlich – alle Bücher mit, alle Klamotten, meinen Schreibtisch, meinen Rechner und: das Goldrandgeschirr meiner Großeltern plus mein Silberbesteck. Ich habe es, wenn’s hochkommt, einmal benutzt, vermutlich, als ich den Kerl das erste Mal bekochte. Ansonsten stand es unbenutzt im Schrank, aber es musste in meiner Nähe sein, weil ich es schön fand, es bei mir zu haben.

Danach zog es von Wohnung zu Wohnung; als der Kerl und ich standesgemäß in vier Zimmer zusammenzogen, hatte ich auch endlich wieder Platz für den alten Schrank meiner Großeltern und darin Abstellfläche für das Teeservice meiner Omi.

Vor ein paar Monaten musste ich aus 120 Quadratmetern 44 machen – und überlegte beim Einpacken keine Sekunde: Das Goldrandgeschirr und das Teeservice kamen für sechs Personen mit (mehr haben an meinem Tisch geschweige denn in meiner Wohnung eh nicht Platz) und meine Silberkästen natürlich auch. Und dann passierte etwas: Ich benutzte Omis Teeservice. Ich gehe zwar mit der Teekanne in Zeitlupe vom Wasserkocher zum Tisch oder zum Sofa, damit sie mir bloß nicht runterfällt, und ich halte die winzigen, zarten Tässchen gerne mal mit beiden Händen fest, aber: Ich benutze sie. Weil ich mich jedesmal über das Geschirr freue, weil sich die Tasse im Mund besser anfühlt als die Ikea-Tasse, weil ich mir einbilde, der Tee bliebe länger darin warm, was auch immer. Weil ich an Omi denke, ist sicher auch ein Grund.

Aber das Goldrandgeschirr und das Silberbesteck stehen in der Abstellkammer. Das wurde bisher nur rausgeholt, wenn Besuch bekocht wurde oder wenn ich der Meinung war, ich müsste für Instagram mal einen hübscheren Teller ablichten als den weißen Alltags-Ikea-Teller.

Nach dem Eintrag bei Arthurs Tochter fragte ich mich dann aber: Was mache ich hier eigentlich für einen Quatsch? Ich habe doch gerade erst gesehen, dass nichts für ewig ist, auch wenn man sehr lange daran geglaubt hat. Ich habe keine Kinder, für die ich Geschirr und Besteck schonen müsste, damit sie es erben können. Und: Ich liebe es, mit meinem Silberbesteck zu essen. Die Messergriffe haben genau die kühle Schwere, die ich als angenehm empfinde, sie liegen richtig gut in der Hand. Ich mag auch das Gefühl, mit Silber zu essen, ich behaupte, es ist weicher im Mundgefühl als Stahl oder Chromargan. Und auch hier: Ich denke an die Menschen, die es vor mir besessen haben.

Und so habe ich gestern alltägliche Rostbratwürstchen mit Hausmannskost-Kartoffelpüree und Dosensauerkraut auf meinen Goldrandteller geschichtet und das Silberbesteck benutzt.

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Ich glaube, das mache ich heute wieder.

PS: Mein Studium fällt natürlich auch in die Kategorie „Für jetzt und nicht für gut“. Ich wollte keine 20 Jahre mehr unter Schmerzen Werbung machen, bevor ich als Seniorin bei den KuGis sitze. Ich wollte das *jetzt* machen. Weil jetzt gut ist.

Was schön war, Samstag/Sonntag, 30./31. Januar 2016

Lernen.

Ich habe in diesem Semester sehr spät damit angefangen, meine Lernkärtchen zu basteln. Normalerweise sind im Wintersemester die Weihnachtsferien dafür prädestiniert, aber in diesem Semester wartet gerade mal eine kleine schnuffelige Klausur auf mich (genauer gesagt, wartet sie heute ab 12.15 Uhr auf mich), und deswegen bin ich etwas leichtsinnig geworden. Donnerstag abend waren die Kärtchen aber fertig und seitdem blättere ich sie durch, murmele römische Kirchen- und französische Schlössernamen vor mich hin und freue mich über eine ganz wunderbare Eselsbrücke.

(Über der ganzen Freude habe ich das Schönschreiben verlernt: Da steht nicht „Huchbarock“.)

Lesen.

Ich habe das Trümmerfrauenbuch durch (große Empfehlung, gibt’s ab März auch als Taschenbuch) und bin kurz davor, Carol zu beenden. Mag ich auch sehr gerne. Danach versinke ich wieder in Fachliteratur, denn die zweite Hausarbeit in diesem Semester will geschrieben werden. Außerdem habe ich mich über eine Mailantwort am Sonntag gefreut, vor der ich ein bisschen Angst hatte. (Es geht um den letzten Teil meines Auszugs; in Hamburg steht immer noch Zeug von mir, das nach Semesterende da endlich weg muss.)

Reden.

Wieviel man im Kopf und im Herz aufräumen kann, wenn man gemeinsam im Bett liegt und rumquatscht, ist schon toll.

Pseudo-Eggs-Benedict

Eggs Benedict macht man eigentlich mit einem englischen Muffin und Speck. Das habe ich aber quasi nie im Haus. Was ich hingegen immer im Haus habe, ist Schinken aus Serrano oder Parma und ganz hervorragendes Weißbrot, das zwar irgendwo in München gebacken wird, aber schmeckt wie aus Serrano oder Parma. Und alles, was man für pochierte Eier und Sauce Hollandaise braucht, ist auch vorhanden. Los geht’s.

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Zuerst mal die Hollandaise machen. Wir nutzen dazu faul einen Pürierstab und haben daher in fünf Minuten unser Sößchen.

100 g Butter schmelzen.
In einem hohen Gefäß
2 Eigelb (aus dem Eiweiß kann man Pavlova machen),
1 EL warmes Wasser,
1 EL Zitronensaft und
3/4 TL grobes Meersalz kurz aufpürieren. Dann die geschmolzene Butter in dünnem Strahl dazugießen und dabei weiterpürieren. Fertig.

Die Sauce schmeckt mit einem Esslöffel Zitronensaft sehr zitronig. Ich mag das, aber wer die Sauce lieber buttrig-weich haben möchte, nimmt erstmal etwas weniger.

Jetzt die pochierten Eier zubereiten. Dazu in einem breiten Topf
Wasser erhitzen und simmern lassen. Ich weiß nicht wieviel, ich mach das frei Schnauze. Ihr kriegt das hin. In das Wasser
einen Spritzer Essig geben.
2 Eier in zwei Schälchen aufschlagen; vorsichtig, damit das Eigelb heil bleibt. Wenn das Wasser simmert, ein Schälchen mit Inhalt kurz mit dem Wasser in Berührung kommen lassen, so dass das Eiweiß anfängt zu stocken und dann das gesamte Ei vorsichtig ins Wasser gleiten lassen. Das gleiche mit dem zweiten Ei machen.

In so ziemlich jedem Kochblog gibt’s verschiedene Tipps, um die Eier anständig zu pochieren: einen Strudel erzeugen, das Ei dort hineingleiten lassen, Eier mit einer Schöpfkelle ins Wasser befördern, keine Ahnung was noch. Bei mir klappt das mit den Schälchen gut und das Eiweiß franst nicht allzu sehr aus. Ich pochiere die Eier relativ kurz, weil ich flüssiges Eigelb mag; auch das mache ich frei Schnauze und nicht nach Uhr. („Eine Hausfrau hat das im Gefühl.“)

Während die Eier vor sich hinpochieren,
2 Scheiben Weißbrot toasten und mit
2 Scheiben rohem Schinken belegen.

Die Eier kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen, auf das Schinkenbrot legen und mit Hollandaise beträufeln oder übergießen, je nach Laune.

Tagebuch, Mittwoch, 27. Januar 2016

Adieu, Anselm

Nach drei Korrekturgängen habe ich mir selber zugeraunt „Gib ab. Gib ab. Gib ab. Gib ab. GIB AB“, aus dem Word-Dok ein pdf gemacht, es so benannt, wie die Dozentin es haben wollte und … die Mail noch zweimal durchgelesen (alle Namen richtig?) … das pdf sicherheitshalber noch mal geöffnet … „ECHT JETZT, GIB AB“ … und die Mail abgeschickt. Das ist aber auch immer eine schwere Geburt, herrgottnochmal. (Mein Baby!)

Ost-West-Dialoge-Seminar

Wir hörten zunächst ein Referat über die Autoperforationsartisten, eine Performancegruppe aus der DDR, die von 1982 bis 1991 bestand. Sie befassten sich in ihren Aufführungen mit dem Gefühl des Eingesperrtseins und dem Widerspruch zwischen dem inneren und dem äußeren Selbst, die ständig aneinanderstießen. Die Performance als ephemeres Werk hatte durchaus einen Hintergrund: Es gab keine Drehbücher zu den Aktionen, keine Dokumente, die den Performern zur Last gelegt hätten werden können, es gibt kaum Fotos oder gar Videoaufnahmen der Gruppe, die bewusst keine Dokumentation wollten, aus genau dem gleichen Grund: Staatsfeindliche Aussagen konnten so schwerer belegt werden. Deswegen greift die Kunstgeschichte jetzt ausgerechnet auf Stasi-Akten zurück, in denen einige der Aktionen immerhin schriftlich dokumentiert wurden, wenn auch zu einem ganz anderen Zweck.

Das zweite Referat befasste sich mit Gerhard Richter und den verschiedenen Ausprägungen seiner Abstraktion. Besonders auf ein relativ neues Werk – Birkenau (2014) – gingen wir ein bzw. sprachen kurz über die Kritik an den Bildern von Wolfgang Ullrich. Sein Text ist hier zu lesen. Und einen etwas wohlwollenderen FAZ-Artikel von meiner Lieblingsfeuilletonistin gibt’s noch obendrauf, wobei ich hier auf Ullrichs Seite wäre. (Ich mag seinen Begriff der „Assoziationspflicht“ für die Betrachter*innen von Richters Bildern.)

Im Artikel werden weitere Richter-Bilder genannt, in denen er sich mit dem Thema des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Die stammen allerdings aus den 1960er Jahren und betreffen ihn persönlich: Onkel Rudi und Tante Marianne. Wie genau, steht am Schluss des FAZ-Artikels.

Edit: Ab dem 6.2. ist Birkenau in Baden-Baden zu sehen.

Links

Was ich gestern unter anderem vertwitterte: einen Blogeintrag von musermeku über Social Media als Herausforderung für Gedenkstätten sowie einen Reiseblogeintrag über Verdun, knapp 100 Jahre vor dem Jahrestag des Beginns der blutigen Schlacht im Ersten Weltkrieg.

Tagebuch, Dienstag, 26. Januar 2016

Was schön war, Montag, 25. Januar 2016

Uni. (War ja klar.)

In unserer letzten Sitzung der Barock-und-Klassizismus-Vorlesung sprachen wir zunächst über von Klenzes Walhalla in Regensburg, was ich sehr lustig fand, weil Anselm Kiefers Bild Deutschlands Geisteshelden an das Innere dieses Bau erinnert. Danach wandten wir uns wieder München zu, genauer gesagt, Friedrich von Gärtner und seiner Ludwigskirche, die gegenüber der Uni steht und zum Ensemble der Ludwigstraße gehört.

Die Ludwigskirche ist die Kirche in München, in der ich auf häufigsten war, einfach weil sie direkt vor meiner Nase steht, wenn ich im Hauptgebäude der Uni bin, von wo ich mal schnell rüberlaufen und etwas verweilen kann. Meistens sitze ich nur da und gucke und denke nicht weiter über die Kunstgeschichte nach. Hätte ich mal machen sollen, dann wäre mir nämlich längst aufgefallen, dass von Gärtner lustig das gotische Kreuzrippengewölbe mit den romanischen Rundbögen mischt. Vielleicht liegt es daran, dass mir die Kirche nie so neo-irgendwas vorkam, sondern fast zeitlos. Klar habe ich Referenzen gesehen, aber mir selbst im Kopf nie ein komplettes Bild gebastelt; ich habe mich nur darüber gefreut, dass mir die Kirche gefällt. (Muss ja auch mal sein.)

Hätte ich den Wikipedia-Eintrag zu ihr gelesen, hätte ich auch schon vor gestern erfahren, dass im Chor das zweitgrößte Altarfresko der Welt zu sehen ist. (Das größte ist natürlich das von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle.) Was ich aber am spannendsten fand, und das steht nicht in der Wikipedia, ist der Grund, warum die Türme so seltsam auseinandergezogen dastehen. Das habe ich mich jedesmal gefragt, wenn ich die Fassade angeschaut habe: Wieso ist da ein Abstand zwischen Giebel und Türmen? Auf diesem Bild sieht man ganz gut warum: Die Türme sind nicht aus dem Bauwerk heraus geplant gewesen, sondern schon im Bezug auf die Straßen, an denen sie steht: Sie bilden optisch einen Abschluss der Schellingstraße, die rechtwinklig auf die Ludwigstraße trifft und von der aus man einen Kilometer lang auf die Front der Kirche guckt. Ich mag Stadtplanung ja gerne bzw. ich sehe gerne, warum irgendwas in meiner Stadt so dasteht wie es eben dasteht, und das war wieder ein schönes Beispiel.

Die Ludwigstraße wurde von König Ludwig I. erbaut, um die ludovizianischen Werte widerzuspiegeln: Wissenschaft/Kunst (Uni, Stabi), das römisch-katholische Christentum (St. Ludwig) und die Wittelsbacher Herrschaft (die Straße beginnt an der Residenz bzw. der Feldherrnhalle und endet am Siegestor). Der Dozent erzählte uns außerdem, dass der König die Kirche bauen ließ, ohne sie überhaupt finanzieren zu können. Er hatte dreist den Münchner Magistrat aufgefordert, die Kirche zu bezahlen, sonst würde er die Universität und die Residenz einfach in eine andere bayerische Stadt verlegen. Die Stadt knickte ein und zahlte. „Da können Sie jetzt mal kurz rüber zu St. Ludwig gehen und ein Dankgebet sprechen, dass Sie heute nicht in Ingolstadt sitzen.“

Hausarbeit finalisieren – und kürzen, verdammte Axt.

Ich pflegte gutgelaunt die Korrekturen meiner Drüberleserin ein und machte mich dann an die Arbeit, mit der ich immer warte, bis der Haupttext wirklich steht: die Fußnoten. Ich nenne beim ersten Vorkommen eines Titels den gesamten Rattenschwanz, also zum Beispiel „Hamann, Brigitte: Winifred Wagner, oder Hitlers Bayreuth, München 2003, S. x.“ Bei der nächsten Nennung steht da nur noch „Hamann 2003, S. x.“ Das füge ich erst ein, wenn ich wirklich weiß, wo die erste Nennung hin muss. Eigentlich mache ich das gerne, denn dieser Schritt bedeutet, dass ich fertig bin. Gestern fiel mir aber siedendheiß ein, dass ich mit diesen ganzen Rattenschwänzen die Zeichenzahl wieder nach oben jage, die ich ja gerade unter 50.000 gedrückt hatte. Im Master zählt bei uns nicht nur der Haupttext, sondern auch der wissenschaftliche Apparat mit zu den Zeichen, was mich anfangs jubeln ließ und jetzt nur noch kotzen lässt. In meiner Arbeit nenne ich fast 50 Werke von Kiefer (ja, selber schuld, ich weiß), die alle Fußnoten à la „Buch, 210 Seiten; Emulsion auf farbigem, teilweise verbranntem Papier, Filzstift, Tinte, Klebeband, Holz und Nägel, 28 x 46 x 5 cm, Privatbesitz, vgl. Kat. Ausst. Paris 2015, S. 108/109.“ haben. Das Verhältnis von Haupttext zu Fußnoten ist, wie ich gestern entsetzt feststellen musste, 30.000 zu 20.000 Zeichen. Meine Arbeit ist damit genau so lang wie meine Hauptseminararbeiten im Bachelor – der ganze Rest meiner herrlichen Zeichenzahl wird von den verdammten Fußnoten gefressen. Und die verlängerte ich durch die Literaturtitelnennung gestern noch mal, woraufhin ich noch mal kürzen musste. Jetzt bin ich bei 49.996 Zeichen und rühre das Ding nicht mehr an, verdammt.

Ich vermisse die Arbeit jetzt schon. Ich war so schön im Flow. Und ich hätte noch so viel zu sagen. Snif.

Was schön war, Samstag/Sonntag, 23./24. Januar 2016

Aua. (Nicht schön.)

Ich habe mir Samstag morgen irgendwas in der Schulter verlegen, gezerrt, keine Ahnung, jedenfalls fing es an, ein bisschen weh zu tun, sobald ich den Arm bewegte und wurde im Laufe des Tages immer schlimmer. Deswegen fiel der Plan „Putzen, zwei Kuchen backen, Lernkärtchen für die Barockklausur fertigmachen“ ins Wasser. Putzen ging gar nicht, Kuchenbacken nur unter sehr lautem Gejammer und was richtig fies war: Ich konnte nicht am Schreibtisch sitzen, weil ich den Arm in keiner Position schmerzfrei halten geschweige denn damit tippen konnte. Was ging, war seltsam schräg wie eine Meerjungfrau auf dem Sofa zu liegen, gebettet auf zwei dicke Kissen, und Netflix zu gucken. Das war dann im Prinzip auch mein Samstag. Bis auf den einen Kuchen. Immerhin.

Sonntag waren die Schmerzen deutlich geringer und heute sind sie fast weg. (Schön.)

Netflix gucken.

Die zweite Staffel von Fargo ist großartiges Fernsehen.

Blumen.

Auf meinem Schreib-/Küchentisch stehen gerade zartviolette und weiße Tulpen.

Kaffeeklatsch und Feedback.

Meine geschätzte Korrekturleserin kam am Sonntag auf Kuchen und Tee vorbei und legte mir ihre Verbesserungsvorschläge für meine Kiefer-Hausarbeit vor, die ich wie immer fast komplett übernehmen werde. Es hat mich sehr gefreut, dass meine Gedankengänge auch außerhalb meines Kopfes nachvollziehbar waren und dass wir fünf Stunden lang beieinander lungerten und über viele spannende Dinge sprachen. Gerne wieder.

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Jahrestag.

Heute wären der Kerl und ich zwölf Jahre zusammen gewesen. Ich halte das für ein erstes Zeichen der Closure, dass mir das erst gestern um Mitternacht eingefallen ist, als der Apple-Kalender auf 25 umsprang, und ich nicht geweint habe, sondern nur leise in mich rein traurig war.

Donauwelle

Auf das Internet ist Verlass: Vor wenigen Tagen schrieb ich, dass ich mir endlich mal ein Rezept für Donauwelle suchen müsste, weil ich den Kuchen so gerne esse, aber noch nie einen gemacht habe. Eine Leserin schickte mir einen Link zu Chefkoch, ich dachte, ach, das probierste mal aus, und was soll ich sagen? Der ist schon fast genau so, wie ich ihn haben will.

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In einer Schüssel
200 g zimmerwarme Butter mit
200 g Zucker schaumig schlagen.
5 Eier nach und nach dazugeben.
300 g Mehl und
2 TL Backpulver unterheben.

Ein tiefes Backbleck mit Backpapier auslegen und 2/3 des Teiges darauf verteilen. Das war bei mir ein einziger Kampf „zäher Teig gegen rutschiges Backpapier“, deswegen werde ich vermutlich das nächste Mal ein Backbleck einfetten und auf das blöde Papier verzichten.

Das restliche Teigdrittel mit
1 EL dunklem Kakeopulver vermischen und auf den Backblechteig streichen. Das geht übrigens, wie mir erst beim folgenden Pudding aufgefallen ist, mit einer Palette deutlich besser als mit einem Teigschaber.
1 Glas Kirschen (700 g, 350 g Abtropfgewicht) auf dem Teig verteilen. Der Teig sieht noch recht flach aus, aber keine Angst, der wächst ganz wunderbar über die Kirschen hinaus. Alles im auf 175° vorgeheizten Ofen für 20 bis 30 Minuten backen. Das Originalrezept will 30 Minuten, ich hatte nach guten 20 und der Stäbchenprobe das Gefühl, der Teig könnte raus. Also einfach mal gucken. Nach dem Rausnehmen abkühlen lassen.

Jetzt kommt Fertigvanillepudding, sorry. Beim ersten Mal wollte ich mich ans Rezept halten, aber beim nächsten Mal greife ich auf den selbstgemachten zurück.

2 Päckchen Vanillepudding mit
Milch und Zucker anrühren, nach Packungsanleitung fertigstellen und abkühlen lassen. Bei mir kam 1 Liter Pudding raus, von dem ich aber nur ca. 750 g auf den Kuchen gestrichen habe. Den Rest habe ich mit dem Saft aus dem Kirschenglas verputzt.

175 g weiche Butter weißlich aufschlagen, den kalten Pudding esslöffelweise unterrühren und die Masse auf den Kuchen streichen. Zum Schluss
200 g Zartbitterkuvertüre schmelzen und mit
1 EL Öl vermischen. Kuvertüre auf den Pudding streichen und wiederum abkühlen lassen.

Ich hätte den Teig gerne ein winziges bisschen fluffiger, aber das ist Nölen auf hohem Niveau. Es sind genug Kirschen und Pudding drauf, um ihn nicht trocken schmecken zu lassen, aber trotzdem werde ich an dem Teil des Kuchens noch ein bisschen rumdengeln. Vielen Dank für den Link, das war ein wunderbarer Einstieg.

Was schön war, Freitag, 22. Januar 2016

Von Derrida zu Naomi Campbell.

Im Iconic-Architecture-Seminar hörten wir ein spannendes Referat über Zaha Hadid und ihre Beziehung zum Dekonstuktivismus bzw. Suprematismus. Wir sahen ihre Entwürfe zu The Peak, einem Club in Hong Kong, der leider nie gebaut wurde, mich aber sehr faszinieren konnte. Hier ein Bild aus dem MoMA, hier weitere Entwürfe auf Hadids Website. Ich hörte erstmals von der Ausstellung Deconstructivist Architecture von 1988 im MoMA, wo neben ihren noch Entwürfe von sechs weiteren Architekten hingen. Hier eine Diskussion 25 Jahre später, den Text habe ich aber selbst noch nicht gelesen. Den Katalog sollte ich mal durchblättern.

Zum Schluss überlegten wir, ob wir im bisherigen Seminarverlauf vielleicht Gebäudetypen vergessen hätten, die iconic sein könnten und kamen auf Wohnhäuser. Als Beispiel diente dem Dozenten die Villa von Vladislav Doronin, einem russischen Immobilien-Tycoon, der sich dieses Ding in die Nähe von Moskau bauen ließ. Und wofür? Damit er dort mit seiner damaligen Lebensgefährtin Naomi Campbell rumturteln konnte – mit Aussicht über die russischen Wälder.

Mir fiel noch das Antilia ein, meldete mich aber nicht zu Wort, weil ich den Entwurf nicht für ikonisch halte.

Zweisamkeit.

Den Abend mit F. verbracht: Pizza gegessen, Fußball geguckt, dann eine Stunde #ibes (mehr wollte ich dem Herrn nicht zumuten), Arm in Arm eingeschlafen.

Was schön war, Donnerstag, 21. Januar 2016

Hausarbeit an die geschätzte Korrekturleserin schicken.

Der Kiefer liegt jetzt in der Korrekturschleife. Ich entfernte alle Lesezeichen aus den circa 35 geliehenen Büchern, die seit Wochen meinen Küchentisch vollliegen, warf die ausgedruckten pdfs mit den Textmarkerlinien in den Müll, stapelte die ersten Bücher, die auf jeden Fall schon in die Stabi und die UB zurückkommen, im Flur auf zwei Häufchen und räumte die noch verbliebenen Bücher an die Seite, damit ich schnellstmöglich mit den Barocklernkärtchen anfangen kann.

Erster Semesterbrocken quasi geschafft, zwei to go: Klausur am 1. Februar und Hausarbeit über das Vogelnest, für die ich bis zum 15. März Zeit habe.

Kaffeeklatsch.

Ich traf mich gestern mit einer Blogleserin, die mir im November eine lange Mail geschrieben hatte, in der sie mich unter anderem dringend bat, mich um ein Promotionsstipendium zu bemühen. Sie sei Anfang diesen Jahres in München und stünde für alle Fragen zur Verfügung.

Normalerweise treffe ich mich ungern mit Leser*innen, weil ihr mir natürlich irrwitzig viel voraus habt: Ihr kennt mich eventuell seit Jahren („kennen“ im Sinne von „ihr lest mein sorgfältig gefiltertes Blog“) und ich weiß, wenn’s hoch kommt, eure Mailadresse. Dieses Angebot wollte ich aber nicht ablehnen und so saßen wir gestern zwei entspannte Stunden im Café Schneller, ich hörte mir viel über DFG-Förderung, Planung einer Promotion, Publizieren, Peer Review und überhaupt Wissenswertes über das Uni-Leben an sich an. Gleichzeitig konnten wir prima gemeinsam Augenrollen über „Nein, nein, wir brauchen keinen Feminismus mehr, es gibt ja schließlich 50 Prozent Professorinnen, nicht wahr?“ und uns ein bisschen darüber austauschen, wie sich Kunstgeschichte vom Fach der Dame, dir mir gegenüber saß, unterscheidet. Das war sehr befruchtend und motivierend, vielen Dank!

Ich war etwas zu früh im Café, weswegen ich den ersten Milchkaffee alleine trank, im Beisein meiner Begleitung den zweiten bestellte und mich dabei zur Deppin machte, als die Bedienung mir meine Tasse entreißen, ich aber noch den letzten Schluck haben wollte. Ich liebe den Milchkaffee da so sehr! Das vergesse ich irgendwie immer, aber gestern saß ich wieder da, nahm den ersten Schluck und dachte sofort, ach stimmt, der schmeckt hier ja so gut. Beim zweiten: Mensch, der ist aber wirklich lecker. Beim dritten: DAS IST ECHT GUTER KAFFEE! Und deswegen wollte ich auch alles austrinken, was in der Tasse war, aber ich nehme an, ich sah wie eine total gierige Irre aus.

Mondsichelmadonna mit Mond über dem Marienplatz.

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So sieht die Mariensäule von vorne aus. Und irgendwann habe ich wieder eine richtige Kamera und nicht mehr nur das olle iPhone.

14 Fragen

Schon wieder ein Fragebogen. Dieses Mal kam er korrekt in meine Richtung und ich musste ihn mir nicht selber abholen. Danke, Frau serotonic.

1. Wie hast Du Deinen ersten Korb erlebt? (receiving)

Wie ich alle Körbe erlebt habe: bedauernder Gesichtsausdruck seinerseits, lässig-ironisch-distanzierender Spruch meinerseits. Einmal war’s anders: bedauernder Gesichtsausdruck ihrerseits, völlige Fassungslosigkeit meinerseits.

2. Wie hast Du Deinen ersten Korb erlebt? (giving)

Wie ich alle meine Körbe erlebt habe (waren deutlich weniger giving als receiving): sehr kurz angebunden. Ich wollte da nur weg.

3. Wenn Du nochmal zurück könntest, worum würdest Du Deine erste Grundschullehrerin (m/w) bitten?

Ich kann mich kaum an die Grundschule erinnern. Ich behaupte, ich war da gerne und hab mich wohl gefühlt. Daher wüsste ich nicht, worum ich bitten sollte.

4. Zahnseide oder Munddusche?

Weder noch.

5. Notlüge oder bittere Wahrheit?

Notlüge, außer beim Körbegeben. Ich konfliktscheue Memme.

6. Hütchenspiel oder Skat?

Doppelkopf! Aber Skat kann ich auch. Damit sind meine Schwester und ich quasi groß geworden. Ich weiß nicht mehr, ob Opa uns beiden in irgendwelchen Sommerferien das Spielen beigebracht hat oder Papa, aber wir können das beide. Meine Schwester geht heute noch regelmäßig mit Papa zum Preisskat bei uns im Heimatdörfchen, wo sie gerne mit Schweinehälften oder toten Vögeln als Gewinn wiederkommen. Die beiden spielen mich locker an die Wand, aber hey, so ein schönes Null Ouvert kann ich auch. (Im Grand spielt man Ässer und es hat sich schon mal einer totgemischt.)

7. Musical oder Oper?

Beides mit großem Genuss. Aus dem Musical komme ich meistens wie vom Rummelplatz (wo-hoooo!), aus der Oper bedeutungsschwer und tiefenentspannt. (Außer bei Mozart, der alten Nervensäge.)

8. Nachschlag oder Nachtisch?

Nachtisch. Und wenn ich vorher zwölf Gänge hatte, im Dessertmagen ist immer Platz.

9. Wenn Du eine Sache an Deinem Körper ändern könntest, welche wäre das?

Über die Frage habe ich – logisch – am längsten nachgedacht. Mir fiel spontan nichts ein, was ich für ein sehr gutes Zeichen gehalten habe. Das hat mich aber gleichzeitig stutzig gemacht, weil ich schließlich 40 Jahre lang irgendwas, nee, alles an meinem Körper ändern wollte. Außer meiner Nase, die fand ich schon immer super. Also habe ich oben angefangen und gedanklich an mir runtergeguckt, ob da irgendwas ist, was mich nervt. Und als ich unten angekommen war, grinste ich in mich rein und tippte voller Überzeugung das folgenden Wort: nichts.

Ich bin der Mensch, der ich heute bin – und den ich gerne mag –, auch wegen meines Körpers. Das ist ja der Kardinalsfehler bei allen Diäten: Sie gaukeln uns vor, der Körper wäre nur irgendein dickes Ding, was an unserem eigentlichen schlanken Selbst dranhängt und weg muss. Falsch gedacht. Wir sind dieser Körper. Ich bin mein Körper, genau wie ich mein schlaues Hirn und mein weiches Herz bin. Das ist alles ich und das ist alles gut so. Ich habe meinen Körper lange genug gehasst und ihn malträtiert. Jetzt mag ich ihn gerne und kümmere mich um ihn. Er ist noch genauso dick wie vorher, aber mir – oder uns – geht es besser als jemals zuvor. Warum sollte ich also irgendwas an ihm ändern wollen?

Der gestrige Tag war ein bisschen nervig, weil ich eine Absage auf einen Praktikumsplatz bekommen habe, den ich wirklich gerne gehabt hätte und weil ich aus meiner wundervollen Kiefer-Hausarbeit durch die doofe Zeichenbegrenzung gefühlt einen Stumpf gemacht habe. Aber das Nachdenken über diese Frage hat sehr gut getan. Das Nachdenken über die übernächste auch.

10. Wenn Du eine Sache an Deinem Charakter ändern könntest, welche wäre das?

Ich wäre gerne eine etwas weniger konfliktscheue Memme.

11. Wenn Dir ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglichen würde, Dich – anstatt zu arbeiten – einer Aufgabe zu widmen – welche wäre das?

Ich würde genau das tun, was ich jetzt gerade tue: studieren. Momentan gibt es nichts auf der Welt, was mich glücklicher macht.

12. Deine größte irrationale Angst ist …?

Ich finde Spinnen unangenehm, und ich weiß, dass das Quatsch ist. Mir hat noch nie eine was getan, ich bin tausendmal größer als sie, und gegen meinen Staubsauger haben sie keine Chance. Aber ich kriege trotzdem jedesmal einen Herzinfarkt beim Dschungelcamp-Insert mit der blöden Vogelspinne und ich gucke bei den Prüfungen mit Spinnen nie hin. Gut, eigentlich spiele ich bei allen Prüfungen Candy Crush, weil das der Teil der Sendung ist, der mir sehr egal ist.

13. Gibt es einen Film, den Du immer wieder gucken kannst?

Ja: Dave. Der ist so schön simpel. Die Guten gewinnen, Kevin Kline schmiert Sandwiches, Frank Langella guckt böse, Ving Rhames redet über Rollkragenpullis und Sigourney Weaver ist Sigourney Weaver. Sobald ich den in irgendeiner Mediathek im Original sehe, wird er geguckt und ich fühle mich jedesmal gut unterhalten.

14. Wie stehst Du zu Deinen Füßen?

Ich freue mich darüber, dass sie da sind und mich tragen. Deswegen kaufe ich ihnen auch immer schöne bunte Ringelsocken und bequeme Schuhe und quäle sie nicht mit hohen Absätzen.

Was schön war, Dienstag 19. Januar 2016

Stabi

Am Sonntag war ich schon mal in der Staatsbibliothek, halbwegs früh (haha) gegen 10. Ich dachte an das schöne Wetter, den Sonntag, hoffte, dass alle anderen Studierenden Münchens das auch taten – und wurde bitter enttäuscht. Die komplette Bibliothek war voll, nicht mal an den Stehtischchen fand ich noch Platz und auf die Treppe setzen wollte ich mich dann auch nicht. Wenn ich arbeite, will ich vernünftig arbeiten, und auf einer Treppenstufe großformatige Ausstellungskataloge ausbreiten, während ich meinen Laptop auf den Knien balanciere, war mir zu doof. Ich hatte bei meinem Hoffen natürlich die übliche Endsemester-Emsigkeit vergessen: Das Semester ist nur noch zwei Wochen lang, die Klausuren nahen, die Hausarbeiten wollen geschrieben werden, weswegen alle plötzlich früh aufstehen.

Genau das tat ich gestern auch. Ich stellte den Wecker auf 7, damit ich um 8.30 (wir wollen es ja nicht übertreiben) im Lesesaal sein konnte, der um 8 Uhr öffnet. Mein Unterbewusstsein weckte mich schon um 6.30 Uhr, was praktisch war, denn so hatte ich ein bisschen das Gefühl, schon ausgeschlafen zu sein und stand kurz nach 8 in der Stabi. Eine sehr gute Idee; gegen halb zehn sah ich kaum noch einen freien Platz, wenn es mir auch nicht ganz so überfüllt vorkam wie Sonntag. Ich arbeitete konzentriert drei Stunden vor mich hin und überprüfte dabei vor allem die kunsthistorisch wichtigen Daten zu den einzelnen Werken, also Maße, Material und Aufbewahrungsort, die ich zu jedem Bild in die Fußnoten schreibe. Außerdem fing ich mit meinem Abbildungsverzeichnis an. Das habe ich schon sehr abgespeckt; der ursprüngliche Plan war, alle Werke zu erläutern und abzubilden, die einen Bezug zu Wagner haben. Damit wäre ich aber locker auf Masterarbeitslänge gekommen. Meine Dozentin meinte: „Suchen Sie sich ein oder zwei Werke raus, die exemplarisch sind, alle anderen führen Sie nur auf und erläutern sie auch nicht.“ Mir blutet das Herz, aber nach dem gestrigen Tag war ich bei 60.000 Zeichen, aus denen ich jetzt irgendwie 50.000 machen muss.

In der Endphase meiner Hausarbeit checke ich grundsätzlich nochmal alles an Fußnoten und Belegen; das sind dann die Tage, an denen ich von einer Bibliothek zur nächsten fahre, denn die Bücher, aus denen ich zitiere, verteilen sich auf mehrere Standorte. Einige der Belege für Kiefer liegen in der Stabi, weitere im Zentralinstitut für Kunstgeschichte, und da fuhr ich dann auch hin.

Königsplatz

Aber nicht mit dem Rad, wie gewohnt. In München liegt Schnee, die meisten Radwege sind ungeräumt, und ich traue mich gerade nicht aufs Fahrrad, vor allem nicht mit einem teuren Laptop auf dem Rücken. Deswegen setzte ich mich in den Bus der Museumslinie 100 und ließ mich zum Königsplatz chauffieren. Der Bus hält an der Westseite des Platzes, das Zentralinstitut liegt an der Ostseite, was mir die willkommene Gelegenheit gab, über meinen Lieblingsplatz zu stapfen.

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Das hier ist die Sicht von Osten. Ich gucke gerade um die Ecke der Glyptothek auf die Propyläen, beides Gebäude von Leo von Klenze. Das hatte ich erst Montag in der Vorlesung gehört, aber das wusste ich natürlich längst (my precious). Was ich aber noch nicht kannte, weil ich sie mir noch nie angeguckt hatte, war die Rückseite der Glyptothek.

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Das ist nur ein Ausschnitt, genauer gesagt, das westlich gelegene Drittel der Wand. Das östliche Drittel sieht genauso aus, und in der Mitte haben wir noch einen schlichten Eingang mit Säulenportikus. Das Bild zeigt das sogenannte Palladio-Motiv oder Serliana: eine mittige Arkade wird von zwei seitlichen Säulen eingefasst. Dabei ist wichtig, dass der Architrav über den Säulen nicht in den Bogen der Arkade übergeht. Tut es das, haben wir statt des Palladio-Motivs einen syrischen Bogen. Den kennen aufmerksame Blog-Leser*innen schon von Borromini und seinem Palazzo di Propaganda Fide in Rom.

So, das merkt ihr euch jetzt, in zwei Wochen frag ich das ab.

Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Nach dem kleinen Kulturspaziergang durch den Klassizismus ging’s in die NS-Architektur des Zentralinstituts. Dort blätterte ich weitere Ausstellungskataloge durch, verfluchte Kiefer mal wieder dafür, dass er Bildtitel mehrfach vergab, scannte Bilder und checkte Fußnoten. Nach gut zwei Stunden konnte ich nichts mehr machen, denn die institutseigene Suchmaschine hatte gestern keine Lust, und so sehr ich die Bibliothek aus 500.000 Bänden schätze, so sehr bin ich verloren, wenn ich nichts in ihr finde.

Ich stapfte wieder zum Bus und fuhr zu meinem Bäcker, wo ein weiteres Highlight des Tages auf mich wartete: Eierlikörkrapfen. Ich habe mit Fasching ja nichts am Hut, aber die Tradition der Krapfen gefällt mir außerordentlich gut.