< quote >

„I had intended to leave Amsterdam the next day. I changed my plans, and sleeping fitfully, rising early, queued to get into the Rijksmuseum, into the Van Gogh Museum, spending every afternoon at any private galleries I could find, and every evening, reading, reading, reading. My turmoil of mind was such that I could only find a kind of peace by attempting to determine the size of the problem. My problem. The paintings were perfectly at ease. I had fallen in love and I had no language. I was dog-dumb. The usual response of “This painting has nothing to say to me” had become “I have nothing to say to this painting”. And I desperately wanted to speak.

Long looking at paintings is the equivalent to being dropped into a foreign city, where gradually, out of desire and despair, a few key words, then a little syntax make a clearing in the silence. Art, all art, not just painting, is a foreign city, and we deceive ourselves when we think it familiar. No-one is surprised to find that a foreign city follows its own customs and speaks its own language. Only a boor would ignore both and blame his defaulting on the place. Every day this happens to the artist and the art.

We have to recognise that the language of art, all art, is not our mother-tongue. (…)

I had better come clean now and say that I do not believe that art (all art) and beauty are ever separate, nor do I believe that either art or beauty are optional in a sane society. That puts me on the side of what Harold Bloom calls “the ecstasy of the privileged moment”. Art, all art, as insight, as rapture, als transformation, as joy. Unlike Harold Bloom, I really believe hat human beings can be taught to love what they do not love already and that the privileged moment exists for all of us, of we let it. Letting art is the paradox of active surrender. I have to work for art if I want art to work on me.”

Winterson, Jeanette: Art Objects. Essays on Ecstasy and Effrontery, London 1995, S. 9/10 (eBook).

WS 2014/15

Mein fünftes Semester ist das letzte im Bachelorstudium, in dem ich noch regelmäßig Seminare und Vorlesungen besuche; im letzten Semester steht nur noch die Bachelorarbeit an – und in meinem Fall auch noch das Praktikumsmodul, um das ich mich bisher gnadenlos gedrückt habe. Mein vorerst letzter Stundenplan sieht so aus:

Montag, 18–20 Uhr, Französisch A1.2

Die LMU spendiert uns kleinen KuGis innerhalb der Prüfungsordnung zwei Sprachkurse, die wir belegen dürfen, für die wir aber keinen Leistungsnachweis erbringen müssen (können wir natürlich trotzdem). Im letzten Semester schnupperte ich in Italienisch rein und fand das auch alles äußerst unterhaltsam, aber gleichzeitig verfestigte sich bei mir der Gedanke, nach dem Bachelor ganz dringend noch den Master machen zu wollen, weswegen ich mal wieder in den Zugangsvoraussetzungen diverser Unis rumlungerte.

Sowohl Hamburg als auch München möchte, dass man irgendwann während des Masterstudiums zwei moderne Fremdsprachen oder eine plus Latein auf einem gewissen Level nachweisen kann. Habe ich im Prinzip – Englisch und das Latinum –, aber ich habe schon im Studium gemerkt, dass Französisch eine sehr sinnvolle Ergänzung wäre. Das wusste ich eigentlich von Anfang an, aber so richtig weiß ich es eben jetzt. Daher habe ich mich von Italienisch verabschiedet und sitze wieder in einem Französischkurs, der nach mehreren gescheiterten Versuchen an der VHS auch endlich mal mein Lernniveau erwischt hat (ich hatte zwei (?) Jahre Französisch in der Schule). Ich habe online einen Einstufungstest ablegen müssen und durfte feststellen, dass ich noch sehr viel verstehe, aber so gut wie nichts mehr sagen bzw. keine Konjugationen mehr kann. Das lerne ich gerade wieder neu und das geht selbstverständlich besser als Italienisch ganz neu zu lernen. Mal abgesehen davon, dass mir Französisch deutlich hübscher über die Lippen geht als das gerollte italienische R.

Der einzige Wehmutstropfen im Kurs: seine widerliche Zeit. Nach 15 Jahren Agenturarbeit ist 18 Uhr bei mir der Punkt, an dem mein Kopf Feierabend macht. Das strengt mich wirklich ein bisschen an, so spät abends noch richtig zu denken. Aber dafür findet der Kurs im Institut der PaläontologInnen statt, wo ich immerhin an diversen Dinosaurierskeletten vorbeischlendere und beim Rein- und Rausgehen den schicken Goldkubus des Lenbachhauses anlächeln kann. (Das zweite Bild von oben: Uni und Museum.)

Dienstag, 8–10 Uhr: Die Privaturkunden des Mittelalters

Im Basiskurs Mittelalter lernte ich die Kaiser- und Königsurkunden kennen, die stets nach einem bestimmten Schema aufgebaut waren und dazu auch noch über eine gewisse Optik verfügten. Das hat mich alles sehr fasziniert und daher will ich jetzt dringend noch was über die Privaturkunden wissen. Das sind alle Urkunden, die nicht von Herrschern (Kaiser- und Königsurkunden) oder Kirchenoberhäuptern (Papsturkunden) ausgestellt wurden. Also Schenkungen, Verträge, Verkäufe, Kredite, Amtshandlungen, alles, was irgendwie von irgendwem schriftlich festgehalten werden musste, damit man was in der Hand hat. Die Vorlesung findet in einem rührend kleinen Hörsaal statt, wir sind ungefähr 20 TeilnehmerInnen, und bis jetzt finde ich alles erwartungsgemäß spannend. Mittelalter halt.

Dienstag, 10–12 Uhr: Ordnung und Gewalt im 19. Jahrhundert. Terror, Terrorismus und staatliches Sicherheitshandeln von Metternich bis zu den Sozialistengesetzen (1815-1878)

Langer Titel, aber wir sind ja auch in einem langen Jahrhundert. Neben dem frühen Mittelalter ist das 19. Jahrhundert meine Lieblingszeit, weil sie meiner Meinung nach diverse Neuerungen brachte, die unsere Welt noch heute beeinflussen und verändern und das vor allem in einer bisher nicht gekannten Geschwindigkeit: Kommunikation, Verkehr, Transport, politische Ideen, Emanzipationsbestrebungen (Frauen, Leibeigene) – und eben auch die Idee von Terror, der, laut unserer Dozentin, erst durch die neuen Massenmedien möglich war. Sie zitierte unter anderem Brian M. Jenkins, der 1975 schrieb: “Terrorists want a lot of people watching, not a lot of people dead.” Nach 9/11 hat sich diese Ansicht etwas geändert, und auch darüber sprechen wir; wir beziehen die Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts auf unsere heutige Welt, was ich für einen sehr spannenden Ansatz halte, auch gerade im Hinblick auf die oft geäußerte Kritik, was Geschichte denn soll, das sei alles vergangen und heute nicht mehr relevant. Unsere Dozentin erläutert uns in der Vorlesung ihre eigene Habilitationsschrift von 2013, was mich ziemlich begeistert, denn wir bekommen damit quasi tagesaktuelle Forschung auf dem Silbertablett präsentiert.

Dienstag, 12–14 Uhr: Kunst in Deutschland 1925–1960

Und ich kleines Ding dachte, da kriege ich brav den Kanon vorgebetet, aber nein, das hatte sich der Dozent anders vorgestellt: Er erzählt uns lieber was über KünstlerInnen, die noch nicht so recht im Kanon sind, deren Werke sich selbst in unseren kunsthistorischen Datenbanken nur sehr spärlich finden (mein Riechsalz!), aber deren Namen wir dringend kennenlernen sollten. Nebenbei kriegen wir natürlich trotzdem den Kanon mit und ich bin sehr zufrieden mit meiner Kurswahl.

Mittwoch, 10–12: Architektur und ihre Funktionen im Mittelalter und in der Vormoderne

Architektur ♥ Mittelalter ♥ Mein Bachelorprüfer ♥ Läuft.

Mittwoch, 14–16 Uhr: Digitale Methoden der Kunstgeschichte

Die perfekte Ergänzung zur Mittalterarchitektur-Vorlesung. Wir lernen erstmal die Basics, über die ich schon gar nicht mehr nachdenke: Was ist ein Computer? Was ist Software? (Darüber habe ich bereits mein Referat gehalten.) Was ist ein GUI? (Ein Bild, das eine Texteingabe für einen Programmbefehl ersetzt, ist durchaus von kunsthistorischem Interesse.) Was ist das WWW? Demnächst dann: digitale Bilder, Datenbanken, Bilddatenquellen und was wir mit ihnen machen können, Visualisierungsprogramme und weitere Hilfsmittel, mit denen wir das neue digitale Eckchen in der Kunstgeschichte gestalten können.

Ich erwähnte es bereits nebenbei, dass dieses digitale Eckchen meins werden möge. Für die Bachelorarbeit schwebt mir eine Mischung aus Mittelalterarchitektur und digitalen Anwendungen vor, und mein erstes Gespräch mit meinen Prüfer liegt auch schon hinter mir. Ich muss noch nachbessern, was meine Grundidee angeht, aber im Prinzip weiß ich ungefähr, wo ich hinwill und freue mich schon sehr auf die Recherche und das Schreiben. Und natürlich darüber, dass sich mein gewählter Prüfer gespannt auf meine Arbeit freut. Aber das sagt er wahrscheinlich jedem Prüfling.

Donnerstag, 11–14 Uhr: „Heimat“ in der modernen Welt

Eigentlich hatte ich vor, Donnerstags von 9 bis 12 Uhr am Institut für Zeitgeschichte etwas über den Begriff der Wissensgesellschaft zu lernen, aber dieser Kurs fiel unglaublicherweise aus, weil ich die einzige war, die ihn belegen wollte. Das erfuhr ich aber erst einen Tag vor dem ersten Termin, weil der Dozent noch auf NachzüglerInnen hoffte. Daher suchte ich hektisch nach einer Alternative, denn der Rest meines Stundenplans stand ja. Der Heimatkurs war also nur die zweite Wahl, aber ich glaube, ich habe einen Volltreffer gelandet. Wir arbeiten mit verschiedenen Texten, die sich mit dem schwammigen Begriff „Heimat“ auseinandersetzen – was ist das überhaupt, kann man das wirklich benennen oder versteht jeder etwas anderes darunter, was verstehen wir denn darunter, erzählen Sie doch mal –, sind ein sehr diskussionsfreudiges Seminar und ich persönlich freue mich schon auf mein Referat, in dem ich mich mit der medialen Vermittlung von Heimat auseinandersetze. Was in meinem Fall natürlich Blogs sind. Ich frage euch auf Twitter dann demnächst nach euren Lieblingskiez- und Städteblogs, gell?

Donnerstag, 18–20 Uhr: Pilger- und Wallfahrtskirchen. Typologie an Beispielen der kirchlichen Denkmalpflege. Mit Exkursionen und Werkstattbesuchen

Ja, noch ein 18-Uhr-Kurs. Aber das war der, um den ich meinen Stundenplan rumgebastelt habe. Ich meine: Kirchen angucken und darüber reden? Meins. Auch dieser Kurs ist angenehm klein, mein Referat über die Geburtskirche in Bethlehem liegt schon hinter mir und daher kann ich jetzt den Rest des Semesters genau das machen, was ich mir vorgestellt habe: Kirchen angucken und darüber reden.

Edit: Ich habe unglaublicherweise einen Kurs vergessen, wahrscheinlich weil er ein Blockseminar ist und erst am 28. November zum ersten Mal stattfindet. Er heißt Die Stadt im Mittelalter, ist also wieder schön auf die Zwölf, und ich bin sehr gespannt, auch wenn ich Blockseminare total doof finde. Zu viel Zeug in zu kurzer Zeit; ich mag das viel lieber, von Woche zu Woche mehr zu wissen und nebenbei Zeit zu haben, alles sacken zu lassen.

Bücher Oktober 2014

ausw

Bettina Suleiman – Auswilderung

Da bin ich auf die Besprechung in der Zeit reingefallen, denen das Buch sehr gut gefallen hat. Ich fand, es war eine okaye Zuglektüre, die man von Hamburg bis München durchkriegen konnte, auch wenn ich die letzten Seiten nur noch quergelesen habe. Die Grundidee ist allerdings spannend: WissenschaftlerInnen bringen Gorillas Zeichensprache bei, lassen sie bei Menschen leben, die Gorillas ziehen sich irgendwann sogar Kleidung an, weil sie sich ihren ArtgenossInnen anpassen – und scheitern dann kläglich, als sie wieder in die Wildnis versetzt werden sollen, woraufhin das Programm mit den vermenschlichten Tieren irgendwie anders zuende gebracht werden muss.

guard

Marti Perarnau – Herr Guardiola. Das erste Jahr mit Bayern München

Das Ding hat 382 Seiten auf meinem iPad und ich bin nach 150 ausgestiegen. Das ist alles sehr faszinierend, wie nah Perarnau dem Trainerstab und den Spielern kommt, aber irgendwann reichte mir das dann auch, zum zwanzigsten Mal zu lesen, wie genau Guardiola die Videos der Gegner analysiert, dass Müller nie ein Mittelfeldspieler wird und Lahm und Schweinsteiger vor Spielintelligenz nur so triefen.

update

Dirk von Gehlen – Eine neue Version ist verfügbar. Update: Wie die Digitalisierung Kunst und Kultur verändert

Großartig. Von Gehlen setzt Kunst und Kultur mit Software gleich, die dauernd ein Update bekommt – bekommen muss – und daher stets im Fluss bleibt. Für mein Referat in digitaler Kunstgeschichte, das über Software und Open Source gehen sollte, bohrte ich einige seiner Thesen weiter auf, indem ich sie auf die veränderten Bedingungen für uns KunsthistorikerInnen abklopfte. Ich sprach über verbesserte Recherche- und Publikationsmöglichkeiten, wies aber auch darauf hin, dass die Digitalisierung uns ein bisschen das Hoheitswissen klaut. Wie sind nicht mehr die WächterInnen der Hochkultur, die der arme Pöbel braucht, um ein Werk zu verstehen – wir sind quasi nicht mehr die Compiler, die aus dem Quelltext Kultur eine verständliche Sprache für das Publikum machen; wer heute ins Museum geht, kann immer sein Smartphone zücken und braucht weder Audioguides noch lange Erklärungstafeln. Die Allgegenwart von Smartphones ist natürlich auch eine Chance, aber Museen haben recht lange gebraucht, die digitalen Helferlein zuzulassen. Der Wissenschaft fällt das noch schwerer, denn wo kommen wir denn da hin, wenn die Studis nur noch online recherchieren anstatt sich in der Bibliothek um ein einziges Buchexemplar zu prügeln? Meine Grundthese war: Die digitalen Möglichkeiten sind da und wir wären doof, sie nicht zu nutzen. Unsere Stunde war leider viel zu schnell rum, aber ich erntete eher Widerspruch als Zustimmung, gerade was gemeinsames Arbeiten oder Publizieren anging (Open Source, Open Content, Publish first, filter later usw.). Gerade deswegen fand ich es lustig, dass von Gehlens Buch gemeinschaftsfinanziert war und man ihm beim Schreiben über die Schulter gucken konnte. Und es ist kein Murks geworden, sondern im Gegenteil ein Buch, das den Kopf schön weit aufmacht.

aufsch

Anne Wizorek – Weil ein Aufschrei nicht reicht: Für einen Feminismus von heute

Da verweise ich extrem faul auf die Rezension meiner Druckeschwärzeschwester Kaltmamsell, denn sie sagt genau das, was ich auch sagen würde.

Tl;dr: Bitte lesen, lohnt sich, ist wichtig, bitte lesen, bitte lesen.

hades

Katharina Greve – Hotel Hades

Wunderbar. Ich bin ja ein gnadenloser Fan von Greve, ich mag alles (wenn ich an Ein Mann geht an die Decke und Patchwork erinnern darf?), und das hier mochte ich besonders. Wir erfahren nämlich, dass das Elysion der VIP-Bereich des Hades ist, in das man nur unter besonderen Umständen reinkommt. Dafür kann man dort ewig Oktoberfest feiern, wenn man will, was ich schon mal sehr hoffnungsvoll finde (ich plane selbstverständlich einen Aufenthalt da oben). Wir sind dabei, als ein Imbissbudenkoch, seine Kundin und deren Liebhaber ermordert werden und nun auf die Bereiche der Nachwelt verteilt werden. Das ganze passiert in den üblichen hervorragenden Greve-Dialogen, die komisch, rührend oder gnadenlos krachig sind. Wie immer ist auch dieses Buch nicht nur lustig und nicht nur traurig und nicht nur zum Nachdenken, sondern alles, und deswegen kriegt es, knapp vor von Gehlen, auch den Stempel „Lieblingsbuch des Monats“.

Okay, die Widmung hat geholfen.

hadessignatur

(Leseprobe bei Egmont)

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Links vom 25. Oktober 2014

Deus Ex Musica

Der Einstieg in den Text ist so toll, den muss ich euch copypasten:

„Beethoven is a singularity in the history of art—a phenomenon of dazzling and disconcerting force. He not only left his mark on all subsequent composers but also molded entire institutions. The professional orchestra arose, in large measure, as a vehicle for the incessant performance of Beethoven’s symphonies. The art of conducting emerged in his wake. The modern piano bears the imprint of his demand for a more resonant and flexible instrument. Recording technology evolved with Beethoven in mind: the first commercial 33⅓ r.p.m. LP, in 1931, contained the Fifth Symphony, and the duration of first-generation compact disks was fixed at seventy-five minutes so that the Ninth Symphony could unfurl without interruption. After Beethoven, the concert hall came to be seen not as a venue for diverse, meandering entertainments but as an austere memorial to artistic majesty. Listening underwent a fundamental change. To follow Beethoven’s dense, driving narratives, one had to lean forward and pay close attention. The musicians’ platform became the stage of an invisible drama, the temple of a sonic revelation.“

Danach geht’s weiter mit dem Einfluss, den Beethoven selbst auf heutige KomponistInnen hat – angefangen bei der Tatsache, dass wir in unseren Konzerthallen immer noch mehr Beethoven als zeitgenössische Musik hören.

Weil ich Künstler bin!

Katia Kelm interviewt einen weiteren Gast in ihrer, wie sie selbst sagt, total undiszipliniert angelegten Reihe von Berliner KünstlerInnen. Dieses Mal als launiger und spannender Gesprächspartner dabei: Sebastian Zarius.

„wie ist es eigentlich mit der haltbarkeit? [von Plastiktüten, mit denen Zarius arbeitet]

naja, tüten altern natürlich und die farben verbleichen. das war mir aber immer klar. nur weil ich eine erhöhung von nem alltagsgegenstand mache, heisst das ja nicht, dass das material nicht dieselben eigenschaften hat, wie das zeug, was da ganz un-erhaben auf der wiese liegt.

da ist es manchmal komisch, wenn sich sammler nach zehn jahren beschweren, dass das orange nicht mehr leuchtet während das gleiche zeug zur selben zeit in dimensionen von nem kontinent auf dem meer schwimmt.

andererseits kann man bestimmte arbeiten mit den tüten, die es heute gibt, garnicht mehr machen, weil die mittlerweile zum teil kompostierbar sind. das zeug, was 500 jahre rumliegen kann ohne zu verrotteten, ist leider genau das, was man zum kunst-machen braucht. mit bio-tüten ist so ne collage in 4 jahren weg.“

Frauen, die auf Tore starren

Frau @rudelbildung hat über die Frauen- und Mädchenfußballsparte vom 1. FC Union Berlin geschrieben:

„„Wir versuchen, genau wie im Jungsbereich, die Mädchen individuell auszubilden und bis in die erste Frauenmannschaft zu bringen. Oder sogar weiter. Großes Nebenziel bei den Frauen“, ergänzt Julia, „sind Sozialkompetenz und Schule – weil wir wissen, und die Spielerinnen ab einem bestimmten Alter auch, dass man damit keine Millionen verdienen wird. Das ist hart und deshalb fair, wenn man gleich darauf hinweist.“ Es kommt im Mädchenbereich nicht selten vor, dass Eltern eine Spielerin im letzten Schuljahr aufgrund schulischer Leistungen abmelden. Klar geht Schule vor.“

“Und was kostet sowas?” – Ein Einblick in die Preisgestaltung meiner Quilts.

Ein wichtiger Blogbeitrag von @_coolcat, der darauf hinweist, dass Handarbeit Geld kostet. Wer hätte es gedacht.

Ich habe mich sehr gefreut, im ersten Bild meinen Quilt zu entdecken. Und wenn ich ein bisschen Werbung machen darf: Der ist jetzt fünf Jahre alt und sieht immer noch aus wie neu. Gute Qualität halt. Ich kuschele mich immer noch sehr gerne darunter.

Marcel the Shell with Shoes on

Marcel ist wieder da!

Fehlfarben 3: „Wie Bob Ross, nur in Kunst“ – Florine Stettheimer und Hans Op de Beeck

Für die dritte Ausgabe unseres Kulturpodcasts haben wir uns wieder zwei Ausstellungen angeschaut: Florine Stettheimer im Kunstbau des Lenbachhauses und Hans Op de Beeck in der Sammlung Goetz. Das ganze könnt ihr euch hier anhören.

Beim zweiten Podcast waren wir gut mit der Zeit hingekommen, um zwei Ausstellungen zu besprechen, also dachten wir naiverweise, das klappt dieses Mal genauso. Wir haben brav auf die Uhr geschaut, nach ungefähr 45 Minuten die eine Ausstellung verlassen und mit der zweiten begonnen, waren wie geplant nach gut 90 Minuten durch – und sobald wir das Aufnahmegerät ausgeschaltet hatten, diskutierten wir noch mal so lange über das, was wir gesehen hatten. Anfängerfehler, wie wir selbstkritisch feststellten. Wir haben nicht alle alles unterbringen können, was wir gerne gesagt hätten, weswegen die nächste Ausgabe wahrscheinlich – kommt auf die Ausstellung an – ohne Zeitbeschränkung läuft. Wissen wir selbst noch nicht so genau, aber das war am Samstag abend doch unerwartet, was wir alles noch auf dem Herzen hatten, das ihr jetzt leider nicht hören könnt.

Ich bin trotzdem zufrieden mit der Aufnahme, denn wir hatten erstmals eine Ausstellung, bei der wir uns überhaupt nicht einig waren. Und wir hatten eine Ausstellung, die mich persönlich völlig umgehauen hat. Welche das ist, müsst ihr selbst rausfinden.

Die Weine haben wir dieses Mal wieder wild – und blind – durch den Podcast hindurchprobiert, es waren eher spontane Ersteindrücke als eine wirkliche Verkostung. Die kam erst zum Schluss, das heißt, wenn ihr nur wissen wollt, welcher der vier Weine uns am besten geschmeckt hat, könnt ihr den Kulturteil überspringen. Wofür ich euch natürlich hasse, weil wir total schlaues und meinungsstarkes Zeug gesagt haben.

Für die ersten beiden Podcastausgaben hatten wir versucht, die Weine zu den Ausstellungen passend auszusuchen. Das war beim zweiten Mal schon nur noch so hingebogen, weswegen wir das jetzt einfach lassen. Seit dieser Ausgabe bestimmt der Gastgeber oder die Gastgeberin, was getrunken wird, und Florian, der alte Schwabe, hatte das gnadenlose Motto „Weine bis zu 6,66 Euro“ ausgegeben. Wie ich überrascht feststellen musste, war das gar nicht so doof. Und: Bei den Preisen könnt ihr euch alle vier Flaschen kaufen, um uns zuzuhören. Wobei wir vom Chianti vorsichtig abraten würden.

Wein 1: Château Bellevue Saint-Martin, Grand Vin de Bordeaux 2011, 13,5%, Edeka, 6,29 Euro.

Wein 2: Chianti Reserva 2010, 12,5%, Tengelmann, 4,99 Euro.

Wein 3: Cepa Lebrel, Rioja Reserva 2008, 13,5%, Lidl, 4,99 Euro.

Wein 4: Edition Fritz Keller, Spätburgunder 2012, 13,5%, Aldi Süd, 5,99 Euro.

Datierungsprobleme in der Kunstgeschichte am Beispiel der Abtei Frauenchiemsee

Hier ist meine zweite 1,0er-Hausarbeit, dieses Mal in Kunstgeschichte. Leider habe ich noch kein fundiertes Feedback vom Dozenten, das trage ich eventuell nach. Edit: Dozent: „Diese Arbeit hat mir große Freude gemacht und sie geht weit über das Erwartbare hinaus.“

Die niedlichen 15.000-Zeichen-Hausarbeiten tippe ich meist in drei, vier Tagen, lasse sie dann gegenlesen, korrigiere dran rum, lasse sie einen Tag liegen, korrigiere noch mal dran rum (jaja, ich weiß), und dann gebe ich sie ab. Bis jetzt habe ich nie länger als anderthalb Wochen Zeit für eine Hausarbeit gebraucht, auch weil meine Vorarbeit im Referat immer schon sehr gründlich war. Das war dieses Mal anders; an dieser Arbeit habe ich fast vier Wochen rumgeknabbert.

Schon das Referat hatte mich einiges an Schweiß gekostet, und die Hausarbeit war auch nicht ganz ohne, vor allem weil sie die erste mit 30.000 Zeichen war. Das kleine Viertsemester ist nämlich seit dem SoSe quasi im Hauptstudium und damit ein großes Viertsemester. Im Referat konnte ich zum Beispiel nicht auf die Malereien in der Kirche und der Torhalle eingehen, weil ich schlicht keine Redezeit mehr hatte; deswegen wollte ich das in der Hausarbeit episch ausbreiten. Dummerweise merkte ich schnell, dass ich wieder Probleme hatte, dieses Mal mit der Zeichenzahl. Denn während ich im Referat die simple Frage beantworten konnte: Ist die Abteil zweifelsfrei datiert – nö, wollte ich in der Hausarbeit schon etwas fundierter rangehen. Deswegen kam ich auf die Möglichkeiten, die wir als KunsthistorikerInnen haben, um Werke zu datieren: nach schriftlichen Quellen, stilkritisch (also durch Vergleiche mit anderen, datierten Werken), mit Hilfe der Naturwissenschaften und so weiter. Das hieß, ich musste alle diese Möglichkeiten belegen bzw. auf Frauenchiemsee beziehen, und damit war die Arbeit auf einmal lang genug. Ich glaube, meine Korrekturfee hat mir achthundertmal das Wort „leider“ aus der Arbeit und den Fußnoten gestrichen, weil ich mehrfach jammernd anmerkte, dass ich wieder keine Zeit für die Malereien vor allem in der Torhalle hatte, obwohl sie einzigartig und damit, verdammt noch mal, echt erwähnenswert sind.

Außerdem verfranzte ich mich erstmals komplett in der Sekundärliteratur. Ich fand immer noch ein Buch und noch einen Aufsatz, aus dem ich noch eine Erkenntnis ziehen konnte, die die Arbeit noch länger machte. Einen Vormittag lang habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, gleich auf 60.000 Zeichen und damit auf Bachelorarbeitslänge zu gehen, weil ich die locker vollgekriegt hätte. Dann hätte ich zwar eine, wie ich glaube, supertöfte BA-Arbeit, aber für diesen Kurs noch keine Hausarbeit gehabt, und das hatte dann doch Priorität. Trotzdem glaube ich, dass man der Arbeit an manchen Stellen anmerkt, dass hinter den Seiten eine kleine, dicke Frau sitzt, die hysterisch mit den Fingern schnippst und quengelt, dass sie noch viel mehr weiß.

Die Arbeit zu Grimald war die erste , bei der ich das Gefühl hatte, eine wissenschaftliche Erkenntnis erlangt zu haben, die so noch nicht in der Literatur vorgekommen ist. Diese Arbeit hingegen hat mir klargemacht, welchen Weg ich in der Kunstgeschichte gehen möchte. Ich will in der Architektur bleiben und mich vor allem im Bereich der digitalen Kunstgeschichte weiterbilden. Und wo ich es in den ersten Semestern sehr genossen habe, alle Kurse wild durch die Gegend zu belegen, ohne Rücksicht auf Epochen, Werke oder Herangehensweisen, fühlt es sich jetzt gerade sehr gut an, endlich zu wissen, wo mein voraussichtlicher Schwerpunkt in der Bachelorarbeit und im Masterstudium liegen wird.

Ich habe sehr viel Herzblut in diese Arbeit gesteckt und bin sehr froh darüber, dass sie die Note bekommen hat, die ich haben wollte. Frauenchiemsee, du alte Hippe. Wenn ich wieder bei dir bin, zünde ich der seligen Irmengard erstmal eine Kerze an.

Ein digitales Dankeschön …

… an Monika, die mich mit Dirk von Gehlens Eine neue Version ist verfügbar. Update: Wie die Digitalisierung Kunst und Kultur verändert überraschte. Das Buch wird mir sicher schon in diesem Semester gute Dienste leisten, denn einer meiner Kurse heißt „Digitale Methoden der Kunstgeschichte“, wo wir uns mit den Werkzeugen beschäftigen, die wir digital natives täglich nutzen, ohne groß über sie nachzudenken. Ich bin sowohl auf den Kurs als auch auf das Buch sehr gespannt. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

I cried a lot and it was wonderful: Wohnzimmerkonzert mit Roxanne de Bastion

Herr @sammykuffour lud zum Wohnzimmerkonzert ein, und ich sagte nichtsahnend zu. Ich hatte noch nie ein derartiges Konzert miterlebt, bin eh nicht die große Konzertgängerin, sondern höre lieber immer das gleiche auf Spotify, und kannte auch die Künstlerin nicht. Um 20 Uhr waren wir beim Gastgeber, ich trank das erste Glas Weißwein und war sehr entspannt. Die Stimmung war gelöst und locker, Roxanne gut gelaunt, und dann griff sie zur Gitarre, begann mit ihrem ersten Lied, und es dauerte gefühlt fünf Sekunden, bis ich anfing zu weinen.

Mich hat der Abend völlig kalt erwischt. Ich war schlicht nicht darauf vorbereitet, wie anders es sich anfühlen kann, wenn plötzlich jemand vor dir steht und singt. Nicht in der Fußgängerzone mit einem offenen Gitarrenkoffer, nicht auf einer Bühne, nicht meine Gesangslehrerin. Ich saß da einfach rum und dann erklang Roxannes Stimme, da waren plötzlich ihre kleinen, liebevollen Lieder, ihr Lächeln beim Singen, ihre Konzentration, die Ruhe im Raum, elf Zuhörer und Zuhörerinnen, die einfach mal die Klappe hielten. Und wo ich so oft beim Lesen denke, der Autor oder die Autorin schreibt nur für mich, im Kino agieren Menschen nur für mich, und diese Stimme von der CD singt nur für mich, bei all diesen Situationen weiß ich, dass es nicht stimmt, dass diese Sätze und Filme und Liedzeilen für lauter Menschen da sind, die ich nicht sehe und die nicht um mich rumsitzen. Aber hier sang sie nur für uns und damit nur für mich, ich war ihr völlig hilflos ausgeliefert und ich hatte nicht mal was dagegen.

Manchmal wehre ich mich gegen Filme, die mich mitnehmen, Musik, die mich zu sehr anrührt. Im Gesangsunterricht reiße ich mich irgendwann zusammen, um endlich durch einen Song durchzukommen. Hier musste ich nicht selbst singen, ich konnte nur da sitzen und genießen und deswegen war es mir auch egal, dass ich wirklich bei jedem verdammten Song geweint habe. Ich wollte mich nicht wehren, ich wollte mich mitnehmen lassen. Ich wollte, dass die Musik mich anrührt, dass die Texte etwas mit mir machen, dass sie manchmal weh taten, dass sie manchmal trösteten. Ich habe jedes Schutzschild fallengelassen und es war jede Träne wert.

Danke, Roxanne de Bastion. Es war ein wunderschöner und sehr unerwarteter Abend, an den ich mich noch lange erinnern werde. Und ihr kauft jetzt bitte das Album der Dame. Ich habe es schon.

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Grimald von St. Gallen: Staats- oder Gottesmann?

Der hübsche Titel da oben ziert das Deckblatt meiner Hausarbeit im Geschichts-Basiskurs Mittelalter, auf die ich meine erste 1,0 bekommen habe. In Referaten oder als Gesamtnote von anderen Kursen hatte ich das vorher schon hingekriegt, aber unter meinen Hausarbeiten stand bis jetzt immer 1,7 oder 1,3. Jetzt nicht mehr, ha!

Das Feedback meiner Dozentin: „Eine in Konzeption, Durchführung, in der Auswertung von Literatur und Quellen und nicht zuletzt sprachlich exzellente Arbeit.“ Vulgo: kann man machen.

Ich habe mich über die Note sehr gefreut, denn bei dieser Arbeit hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, wissenschaftlich zu arbeiten bzw. mir wirklich eine Frage zu beantworten, die so noch nicht gestellt wurde. Das klingt so simpel, aber in den ersten Semestern hatte ich bei den Hausarbeiten und Referaten immer das Gefühl des Nacherzählens, das heißt, ich gab gefühlt nur wieder, was schon andere vor mir erforscht hatten und brachte es, wenn’s hoch kommt, in eine neue Reihenfolge. Das war dieses Mal nicht so. Ich erinnere mich an den Moment in der Bibliothek des Historicums, als ich das zweite Zwischenfazit unter 4.3 tippte und quasi beim Schreiben merkte, dass mir gerade eine Erkenntnis gelungen war, die ich so noch nicht in der Literatur gelesen hatte. Ich hätte gerne genau in diesem Moment einen Sekt geköpft, aber ich hatte nur meine olle Wasserflasche dabei. Also lehnte ich mich zurück, genoss den Augenblick, tippte hektisch weiter und gab die Arbeit mit wahrscheinlich leuchtend roten Öhrchen ab, weil ich so stolz auf sie war.

Den Sekt habe ich dann aufgemacht, als ich die Note online in meinem Transcript of Records entdeckt hatte. Und heute abend mache ich noch einen auf, denn meine Dozentin fragte mich bei der Rückgabe der Arbeit, ob ich Interesse an einer Hiwi-Tätigkeit hätte: „Sie scheinen ein Talent für die wissenschaftliche Arbeit zu haben.“ Zweitkarriere, here I come.

Wer die Arbeit zu Grimald lesen möchte – bitteschön. Eine Winzigkeit hatte meine Dozentin angemerkt: Auf Seite 11 spreche ich vom Ulmer Vertrag und belege das in Fußnote 80 – da hätte ich die genaue Urkunde über diesen Vertrag anführen können anstatt Sekundärliteratur. Und in der Literaturliste sind zwei Ungenauigkeiten, die lasse ich mal so stehen. Wer immer diese Arbeit klaut, hat sie dann auch, nänänä.

PS: Wie immer hat auch Frau Kaltmamsell ihren Beitrag zu dieser Arbeit geleisten, denn sie ist seit vier Semestern meine treue Korrekturleserin und weist mich gerne auf Gedankengänge hin, die nur ich verstehe.

Links vom 4. Oktober 2014 – Serie und Zyklus

Forty Portraits in Forty Years

Nicholas Nixons „The Brown Sisters“ ist eine fotografische Serie, in der Nixon, wie der Titel schon sagt, die vier Brown-Schwestern ablichtet – seit 1975.

„Even as the images tell us, in no uncertain terms, that this is what it looks like to grow old, this is the irrefutable truth, we also learn: This is what endurance looks like.

It is the endurance of sisterhood in particular. Nixon, who grew up a single child, says he has always been particularly intrigued by the sisterly unit, and it shows in these images. With each passing year, the sisters seem to present more of a united front. Earlier assertions of their individuality — the arms folded across the chest, the standing apart — give way to a literal leaning on one another, as if independence is no longer such a concern. We see what goes on between the sisters in their bodies, particularly their limbs. A hand clasps a sister’s waist, arms embrace arms or are slung in casual solidarity over a shoulder. A palm steadies another’s neck, reassuring. The cumulative effect is dizzying and powerful. When 36 prints were exhibited in a gallery in Granada, Spain, viewers openly wept.“

Ich mag die Serie sehr gerne und habe mich sehr gefreut, sie im letzten Semester in einer meiner Vorlesungen wiederzufinden. Dort haben wir über fotografische Porträts gesprochen sowie den Unterschied zwischen Serien und Zyklen. Eine Serie besteht aus Aufnahmen des immer gleichen Sujets, während ein Zyklus ein übergeordnetes Thema hat, aber nicht notwendigerweise immer das gleiche Objekt vor der Kamera.

Eine Serie, die ich in der Vorlesung kennengelernt habe und die mir sehr gefällt, war Rineke Dijkstras Arbeit über Mütter, die gerade entbunden hatten. Sie stellte die Frauen nackt oder fast nackt mit ihrem Kind vor eine kahle Krankenhauswand, zeigte nicht den üblichen schmonzigen Mutterschaftsglow, sondern Erschöpfung, Arbeit und Blut. (Die ersten vier Bilder gehören zu dieser Serie.)

Ein bekannter Zyklus, den ich auch nicht müde werde anzuschauen, ist August Sanders Menschen des 20. Jahrhunderts. Hier schöne fünf Minuten von WestArt Meisterwerke über diese Bilder. Das Bild Jungbauern, das auch im Beitrag erwähnt wird, fand sich übrigens auch in der Ausstellung The Family of Man von 1955 im MoMA wieder.

Der letzte Zyklus, den ich euch ans Herz legen möchte, ist Deutsche von Stefan Moses. Er fotografierte seit den 1960er Jahren Menschen in ihrer Berufskleidung vor einer weißen Wand, wobei die Wand ein Laken war, das an verschiedenen Orten in Deutschland aufgespannt wurde. Hier ist ganz unten eins meiner liebsten Motive zu finden, die Straßenbahnschaffnerinnen.

Links vom 2. Oktober 2014

Bonfire of the Humanities

Ausführliche Auseinandersetzung mit zwei Strömungen der Geschichtsschreibung, der longue durée und der eher ereignishaften Chronologie von kürzeren Zeiteinheiten. David Armitage (Harvard) und Jo Guldi (Brown) möchten, dass die Gesellschaft sich von ihrem hektischen Eventcharakter löst und hoffen, dass HistorikerInnen wieder mehr Gehör finden – wobei auch diese nicht frei davon sind, kurzfristig zu denken:

„The humanities departments of our universities should be the place to go for a long look in the rear-view mirror. After all, universities have been among the most enduring institutions humans have created. The average half-life of a business corporation has been estimated at 75 years: capitalism’s creative destruction sees most companies crumble before they reach their centenary. The Spanish founded universities in Mexico City and Lima in Peru decades before Harvard and Yale were chartered, and 450 years later, both still exist. The first wave of university foundations in Europe occurred between the late 11th and early 13th centuries. And India’s Nalanda University in the northern state of Bihar was set up as a Buddhist institution more than 1,500 years ago: it has been recently refounded and had its first new intake of students this September. As Michael Spence, vice-chancellor of the University of Sydney, recently wrote, universities are ‘the one player capable of making long-term, infrastructure-intensive research investments’; compared with businesses, they are the only ‘entities globally capable of supporting research on 20‑, 30‑, or 50‑year time horizons’.

The mission of the humanities is to transmit questions about value – and to question values – by testing traditions that build up over centuries and millennia. And within the humanities, it is the discipline of history that provides an antidote to short-termism, by giving pointers to the long future derived from knowledge of the deep past. Yet at least since the 1970s, most professional historians – that is, most historians holding doctorates in the field and teaching in universities or colleges – conducted most of their research on timescales of between five and 50 years.“

Cover-Playlist

Am 24. September 1991 erschien Nirvanas Nevermind. Shehadistan hat eine schöne Playlist zusammengestellt, die nur aus Coverversionen besteht.

Ich bin fünfzig und habe genug

Der These „Ich muss mich nicht mehr verändern“ möchte ich nicht ganz zustimmen, aber die generelle Aussage – man wird irgendwann gelassener – kann ich seit einiger Zeit sehr bejahen.

„Ich bin geworden, was ich bin, und jetzt trage ich die Verantwortung dafür. Befreit von Ambitionen und von der Notwendigkeit, anderen etwas zu beweisen oder noch irgendetwas Tolles zu werden, tue ich einfach, was ich gut kann und was ich für sinnvoll halte. Ich nutze meine erworbenen Fähigkeiten, Kenntnisse, Einflussmöglichkeiten, um die Welt so mitzugestalten, wie ich es richtig finde.

Fünfzig zu sein und genug zu haben – also nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig – bedeutet: aktiv sein. Aber eben aktiv nach den eigenen Maßstäben, nicht nach denen der anderen. Mit fünfzig, also „in den besten Jahren“, muss ich mich nicht mehr von anderen beurteilen lassen, sondern ich bin es, die jetzt beurteilt. Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten genug festen Grund unter mir angesammelt, dass ich die Anerkennung von anderen nicht mehr so nötig habe wie früher. Stattdessen nehme ich mein eigenes Urteil ernster: Was gefällt mir und was nicht? Wen unterstütze ich und wen nicht? Wem widme ich Aufmerksamkeit und wem nicht? Wer bekommt meine Anerkennung und wer nicht? Wofür engagiere ich mich und wofür nicht?“

Feedback

Das bisher schönste Feedback zu unserem Fehlfarben-Podcast kommt vom @pillenknick:

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Bücher September 2014

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Hubertus Kohle – Digitale Bildwissenschaft

Kohle beschreibt in seinem Buch, wie das Digitale die Kunstgeschichte bzw. die Bildwissenschaft verändert hat und täglich weiter verändert. Das beginnt beim neuen Zugriff auf Daten – Bilddatenbanken machen die Arbeit von KunsthistorikerInnen deutlich leichter als Diatheken –, geht weiter über die Menge an Informationen, mit denen wir arbeiten können – nochmal die Datenbanken, durch die wir auf unseren Rechnern ganze Epochen an Kunstwerken speichern können anstatt uns durch meterweise Regale zu wühlen – und endet bei dem für mich spannendsten Teil: den Methoden. Was die digitale Bildwissenschaft für mich so aufregend macht, ist, dass wir neue Fragen an bekannte Werke stellen können. Das beginnt zum Beispiel damit, alle Werke van Goghs farblich zu analysieren, um eine Chronologie seiner farblichen Ausdrucksweise zu dokumentieren. Klar geht das auch, wenn man alle Werke von ihm hintereinanderlegt und länger draufguckt, aber es geht besser, indem man einen Rechner Farbwerte berechnen lässt.

Kohle schreibt auch über die Möglichkeit, neue Datenbanken anzulegen, indem man von bisherigen Ordnungssystemen der Kunstgeschichte abweicht. Wo wir bisher Bilder nach Dingen wie MalerIn, Titel, Entstehungszeitraum und Aufbewahrungsort klassifiziert haben, können wir die Werke nun mit Tags versehen. Das geschieht seit Jahren bei Artigo, einem Spiel, das unter anderem von der LMU (an der Kohle lehrt) produziert wurde. Dort kann jeder User und jeder Userin wild assoziierend ein Werk mit Begriffen versehen. Erst wenn zwei Menschen das gleiche Wort eingegeben haben, wird es dem Bild zugeordnet. Diese Wortwolke verrät deutlich mehr – oder zumindest andere Dinge – als die bisherige Bildbeschreibung, und dementsprechend kann eine derartige Datenbank auch ganz anders durchsucht oder benutzt werden. Wie ich schon sagte: Es geht um neue Methoden.

Kohle befasst sich auch mit dem Problem, dass KunsthistorikerInnen gezwungen sind, bei der Arbeit mit ihrem Forschungsobjekt eben dieses in ein anderes Medium zu übertragen: Wir beschäftigen uns mit Bildern, indem wir sie mit Worten beschreiben – wir tanzen Architektur. Bilddatenbanken wie zum Beispiel TinEye, die reverse Bildsuchen ermöglichen, bieten einen neuen Umgang mit Bilddaten, indem sie eben nicht den Umweg über die Worte nehmen. Bilddatenbanken, die Bilder nach wiedererkennbaren Mustern sortieren, sind lustigerweise ein Rückgriff auf einen Klassiker der Kunstgeschichte: Wölfflins Stilanalyse, in der er erstmals die Renaissance vom Barock unterschied, indem er Merkmale der Werke nach Übereinstimmungen clusterte.

Eine Kritik an den neuen Methoden, sich Bildwerken zu nähern, lautet: Wir trügen Dinge an das Kunstwerk heran, die in ihm gar nicht eingeschrieben sind. Kohle entkräftet diese Kritik, indem er fragt, was wissenschaftliche Arbeit denn sonst sei. Und spätestens da hatte er mich (okay, er hatte mich schon vorher): Genau diese Erkenntnis habe ich im letzten Semester zum ersten Mal erleben dürfen. Als ich meine Geschichtshausarbeit über Grimald von St. Gallen schriebt, kam irgendwann der Moment, in dem sich aus meinem zusammengelesenen Wissen eine Frage formulierte, die ich beantworten wollte. Und der Weg der Argumentation hat sich genau so angefühlt: Ich trage plötzlich Dinge an ein Sujet heran, die vorher nicht da waren – einfach weil sich noch niemand vorher meine Frage gestellt hat. Das klingt jetzt sehr esoterisch, aber das war ein großartiger Moment in der Bibliothek des Historicums, als ich beim Schreiben merkte, dass mir wirklich eine neue Erkenntnis gelungen war. Und ich glaube, dass die digitalen Möglichkeiten die Kunstgeschichte nur positiv beeinflussen können – eben weil sie uns Erkenntnisse erlauben, die vor 20 Jahren noch nicht möglich gewesen sind, weil wir noch gar nicht wussten, was wir alles fragen können.

(Das Buch gibt’s übrigens als pdf für lau. Danke dafür.)

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Thomas Bernhard – Alte Meister

Großartig. Ich hatte vor zehn Jahren schon mal versucht, Bernhard zu lesen, was aber nicht funktioniert hat. Hier hat es das und ich glaube, das hat ausnahmsweise nichts damit zu tun, dass Alte Meister im Kunsthistorischen Museum in Wien spielt. Das Buch ist ein einziger langer Monolog, 180 Seiten ohne Absatz, in dem wir Herrn Atzbacher dabei zuhören, wie er Herrn Reger beschreibt bzw. sein Gemecker über Kunst, Musik, die katholische Kirche, Wien und Österreich. Letzterer geht alle zwei Tage ins Museum und sitzt immer vor dem gleichen Bild. Vor dem hat er auch vor Jahrzehnten seine Frau kennengelernt, deren Tod er immer noch verarbeitet. Und das war’s dann auch schon. Ein wunderbarer Stil, der mir fast musikalisch vorkam mit seinen Variationen an Sätzen, die sich wiederholen, aber eben nicht so ganz, mit seinen Motiven, die sich auch wiederholen, aber eben nicht so ganz. Ehrlich gesagt, lohnt sich das Buch allein schon für den allerletzten Satz. Aber um bei dem so laut aufzulachen wie ich, muss man eben vorher das Buch lesen. Macht das mal.

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Mary Scherpe – An jedem einzelnen Tag: Mein Leben mit einem Stalker

Dafür macht dieses Buch überhaupt keinen Spaß. Scherpe leidet seit Jahren unter einem Stalker, der ihr sogar bekannt ist, der ihr Blog mit nutzlosen Kommentaren flutet, Social-Media-Accounts unter ihrem Namen bzw. ihrem Namen sehr ähnlich klingenden Bezeichnungen anlegt, sie anruft, mit SMS nervt und bergeweise Zeug im Internet bestellt, das bei ihr zuhause landet. Polizei und Anwälte können (oder wollen) nicht helfen, und so hat Scherpe ein eindringliches Buch geschrieben, um wieder die Kontrolle in diesem Scheißspiel zu bekommen. Ihre Erfahrungen mit den deutschen Stalkinggesetzen haben sie schließlich eine Petition starten lassen, die ich schon unterzeichnet habe. Denn bis jetzt kann die Polizei erst eingreifen, wenn der Stalker (es sind zum weitaus größten Teil Männer, auch der von Scherpe ist einer) Erfolg mit seiner Qual hatte: Erst wenn das Leben des Opfers so beeinträchtigt wird, dass es zum Beispiel den Job oder den Wohnort geändert hat, kann polizeilich vorgegangen werden. Oder wie Scherpe es völlig richtig nennt: Erst wenn der Stalker gewonnen hat, kann man gegen ihn vorgehen.

Im Buch wird auch die Geschichte von serotonic erwähnt, die bereits seit unfassbaren sieben Jahren einen Irren am Hals hat. Auch hier kann der Staat nichts tun, denn so ein paar Blogkommentare oder Mails sind anscheinend keine große Beeinträchtigung. Was für ein Quatsch. Einer seiner neuen Kommentare (verlinke ich jetzt nicht) sagt meiner Meinung genau das, was sich ändern muss: Er schreibt serotonic, dass sie nichts gegen ihn machen könne, er alleine würde entscheiden, wann er sich nicht mehr bei ihr melden würde. Und das ist genau der Punkt: Nicht der Täter, sondern das Opfer sollte verdammt noch mal entscheiden können, wann Schluss ist.

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John Williams – Stoner

Zum Abschluss dafür wieder was Schönes – mein Lieblingsbuch des Monats. Stoner ist bereits 1965 erschienen und wird anscheinend gerade wiederentdeckt, wenn man dem Perlentaucher glauben darf. Völlig zu recht. Das war mal wieder eins der Bücher, die ich nicht aufhören wollte zu lesen, ganz egal, wie spät es schon war. Stoner wird von seinen Eltern, die eine kleine Farm besitzen, Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Universität geschickt, um Landwirtschaft zu studieren. Nach wenigen Semestern entdeckt er allerdings die englische Literatur für sich, und anstatt wieder nach Hause zu fahren und das gleiche elende Leben zu führen, das seine Eltern auf ihrem kargen Stück Land haben, wird er Lehrer und schließlich Dozent an der Uni. Dass sein Leben auf andere Weise elend wird, kann er nicht wissen, aber die Literatur, die Worte und Verse und der Elfenbeinturm der Universität retten ihn über fast alles hinweg. Vielleicht hat mir dieses Buch deshalb so gut gefallen, abgesehen von der leisen, unaufdringlichen, fast teilnahmslosen Sprache, die doch so viel transportiert. Der Entwurf einer Gegenwelt, die Stoner selbst einmal ein Asyl nennt, ein Rückzugsort von der Welt – genau das erlebe ich zurzeit in meinem Studium dauernd. Wobei ich davon ausgehe, dass auch Menschen, die nicht wie ich gerade Bibliotheks- und Seminarfan geworden sind, große Freude mit diesem Buch haben können.

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< quote >

„You must remember what you are and what you have chosen to become, and the significance of what you are doing. There are wars and defeats and victories of the human race that are not military and that are not recorded in the annals of history. Remember that while you’re trying to decide what to do.“

(John Williams, Stoner, New York 2003 (Erstausgabe 1965), S. 37)

iPad versus Papierbuch oder: Ich möchte über einen vier Jahre alten Blogeintrag von mir reden

Genauer gesagt, über den hier, in dem ich erzähle, dass eBooks eigentlich ganz schnafte sind, ich aber doch lieber bei den Papierbüchern bleibe. Das hat sich inzwischen geändert, wie ich gestern abend selbst erstaunt festellen musste: Ich lese inzwischen lieber auf meinem iPad mini als in Papierbüchern. Jedenfalls die Bücher, die ich privat lese. Bei den Werken für die Uni ist das (noch?) anders.

Was schrieb ich vor vier Jahren? Zum einen, dass es mich nervt, dass ich keine Seiten in der Hand habe, die mir optisch und haptisch sagen, wie weit ich schon im Buch bin. Das Problem habe ich seit Infinite Jest nicht mehr – da war ich sehr dankbar, dass ich den Schinken nicht mit mir rumtragen musste, sondern einfach der steigenden Seitenzahl unten am Bildschirm zugucken konnte.

Die Schinkigkeit von Büchern ist auch ein Grund, warum ich inzwischen lieber eBooks lese. Seit zwei Jahren fliege ich regelmäßig von Hamburg nach München und zurück und schleppe jedesmal meinen Rechner im Rucksack mit, meist irgendwelche Unterlagen für die Uni, den üblichen Handgepäckskleinscheiß, den alle mitschleppen – und eben Bücher. Bzw. seit zwei Jahren keine mehr. Das iPad mini hat mich endgültig zur eBook-Leserin gemacht.

Angefangen habe ich mit dem iPad der ersten Generation, was fünf, sechs Bücher lang ganz lustig war und dann nicht mehr. So richtig komfortabel liegt der Brocken dann eben doch nicht in der Hand, da macht ein schlankes Suhrkamp sich schon besser abends im Bett. Deswegen kaufte ich mir den Kindle 4, das Billomodell, auf dem ich auch nicht mehr als fünf Bücher las, weil mir die fehlende Beleuchtung auf den Zeiger ging. Das Format fand ich gut, der Kindle liegt gut in der Hand, wiegt quasi nix – aber er ist eben nicht beleuchtet, sieht total scheiße aus und die Tatsache, dass er nicht per Touch zu bedienen war, sondern mit den ollen Tasten, hat mich relativ schnell genervt. Enter the Kindle Paperwhite.

Den habe ich quasi ohne ihn zu benutzen weiterverschenkt. Das Gefühl, auf der Oberfläche rumzustreichen, um umzublättern oder irgendwas zu machen, fand ich mehr als unangenehm. Das mag ein blöder Grund sein, aber Haptik und Optik spielen bei mir eben doch eine Rolle; das habe ich aber auch erst gemerkt, nachdem ich den Paperwhite in der Hand hatte. Gefühlt fünf Minuten, nachdem ich den Paperwhite angeekelt in die Ecke geworfen hatte, stand ich im Apple Store und strich verliebt über die Oberfläche des iPad mini. Es war deulich leichter und kleiner als das erste iPad, das ich überhaupt nicht mehr benutze, es lag gut in der Hand und es fasste sich vor allem toll an. Gekauft – und nie bereut.

Seit zwei Jahren lese ich alles, was ich nicht auf dem Rechner lesen will, auf dem iPad mini. Ich habe nie zu den Leuten gehört, die nach dem Weckerklingeln im Bett erstmal zum Smartphone greifen, um zu gucken, was nachts so alles in der Welt passiert ist – aber ich greife inzwischen morgens als erstes zum iPad. Die Twittertimeline wird nachgelesen, mal kurz auf Facebook geguckt, und dann muss ich natürlich noch nach meiner Farm schauen. Ähem. Und schon bei der Twittertimeline klicke ich auf diverse Artikel und lese sie sofort, anstatt sie mit einem Sternchen zu versehen und sie später am Laptop nachzulesen. Das iPad mini ist für mich ein vollständiges Lesegerät geworden. Mehr mache ich damit eigentlich nicht. (Okay, die Farm, schon gut.) Ich lese Bücher darauf, habe Magazine abonniert und seit ich einen anständigen pdf-Reader habe – PDF Expert, danke an Hirnrekorder für den Tipp -, mit dem ich markieren und annotieren kann, lese ich auch viele Papers für die Uni darauf anstatt sie mir, wie früher, auszudrucken.

Bücher für die Uni – also alles, was länger ist als ein Aufsatz – lese ich aber immer noch lieber auf Papier. Querlesen geht halt doch einfacher, wenn man alles im Blick hat und nicht immer nur eine Seite. (Ja, Bücher für die Uni werden quergelesen.) Aber auch hier mache ich inzwischen Ausnahmen: Digitale Bildwissenschaften habe ich komplett am iPad gelesen und dank des PDF-Experten wild markiert. Das könnte sich durchaus wiederholen. Auch weil die LMU tollerweise viele grundlegende Werke, die bei uns in dutzenden von Exemplaren in der Zentralen Lehrbuchsammlung rumstehen, auch gratis und ohne Einschränkung als pdf zur Verfügung stellt. Die Unibibliothek Hamburg leiht auch Bücher als pdf aus, aber die sind zeitlich beschränkt und ich habe es noch nicht geschafft, sie aufs iPad zu ziehen; die konnte ich nur am Laptop lesen und das empfinde ich immer noch als sehr unkomfortabel.

Über was hatte ich vor vier Jahren noch gemeckert? Dass man eBooks in Flugzeugen nicht ständig benutzen kann. Das hat sich netterweise inzwischen geändert, sonst wäre das sicher noch ein Quengelgrund für mich. Noch was? Ach ja, der Abschied vom Buch, das Ins-Regal-Stellen. Auch dieser Punkt hat sich mit meinem derzeitigen Leben geändert, denn in München habe ich schlicht nicht den Platz, den ich in Hamburg habe (ein 8-Fach-Expedit im Vergleich zu zehn Billys, davon sechs mit Aufsatz). Ich habe es in meiner kleinen, schnuffigen Ein-Zimmer-Studierendenbutze sehr zu schätzen gelernt, dass nicht alles, was ich lese, danach stofflich rumsteht, sondern nur als niedliche und platzsparende Datei vorhanden ist. Ich gebe zu, ich gehöre immer noch zu den Menschen, denen eine dicke Bücherwand im Wohnzimmer wichtig ist, weil ich einfach gerne zwischen Büchern lebe. Aber ich glaube, ich habe in 45 Jahren genug Zeug angesammelt, damit das Wohnzimmer hübsch ist – der Rest darf jetzt gerne virtuell vorhanden sein.

Womit ich nicht gerechnet hatte: dass mir die Beleuchtungsfunktion des iPad irgendwann den letzten Schubs zur eBook-Leserin gibt. Ich habe Jahre meines Lebens damit zugebracht, die perfekte Nachttischbeleuchtung zu finden, weil ich da am längsten lese. Inzwischen mummele ich mich im dunklen Zimmer unter die Decke und genieße das Licht des iPads, das immer perfekt ist. Es fühlt sich ein bisschen an wie das heimliche Lesen als Kind, wenn Schwesterchen schon schlafen wollte und ich das Licht im gemeinsamen Kinderzimmer ausmachen musste. Das ist wahrscheinlich der emotionalste Grund für einen eReader ever, aber ja, das Hightech-Produkt iPad mini löst bei mir anscheinend Flashbacks in die Kindheit aus, die ich zu großen Teilen mit der Nase in irgendeinem Buch verbracht habe. Und bis heute gibt es nichts Tolleres, als immer mal wieder auf ein Buch zu stoßen, das man einfach nicht weglegen möchte, auch wenn morgen die Vorlesung um 8 beginnt oder der Kunde um Punkt 9 was von einem will. Scheißegal, nur noch 20 Seiten. Und dann leuchtet das iPad so heimelig und plötzlich sind es 80 und ich lese mit glücklichem Grinsen vor mich hin.

Gemüsesuppe gegen die Wiesngrippe
(mit total ungemüsigem Goodie)

Das Oktoberfest in diesem Jahr ist mein viertes, und inzwischen habe ich mich damit abgefunden, danach erkältet zu sein. Immer. Diese Krankheit hat hier in München sogar einen Namen: Wiesngrippe. Hier fallen ganze Abteilungen aus, weil alle KollegInnen gemeinsam krank werden. Ist halt so. Ich versuche natürlich tapfer, dagegen vorzugehen: Gestern gab’s beim ersten Kratzen im Hals meine geliebte Gemüsesuppe, der ich aber noch ein kleines Goodie hinzugefügt habe. Because everything’s better with bacon.

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Für zwei Personen. In einem Suppentopf
1 Zwiebel, grob gehackt, mit
4 Möhren, in Scheiben geschnitten, in
einem Klacks Butter anschwitzen. Mit
1 l Gemüsebrühe ablöschen.
1 Handvoll Orecchiette sowie
1 Handvoll TK-Erbsen dazugeben. Alles so acht Minuten köcheln lassen, dann
1 Stange Lauch, in feine Ringe geschnitten, dazu und weitere fünf Minuten mitköcheln lassen. Falls die Suppe zu dick wird, noch Gemüsebrühe nachkippen. Kurz vor Schluss noch
eine Handvoll Petersilie, so mittelfein gehackt, dazugeben. Ich bin bei Kräutern grundsätzlich eine Mittelfeinhackerin.

In der Zwischenzeit das Goodie vorbereiten. In der letzten Woche hatte ich ständig Sandwichjieper und habe bergeweise Salat und Bacon auf Weißbrot gehauen, mit Käse belegt und in der Pfanne gegrillt. (Dazu auf das Sandwich in der Pfanne ein bisschen Backpapier legen und mit einer zweiten, schweren Pfanne plattdrücken. Oder sich einen Panini-Grill kaufen.)

Von diesen köstlichen Exzessen hatte ich noch zwei Streifen Bacon über. Die habe ich ohne Fett in einer beschichteten Pfanne knusprig gebraten, auf Papier abtropfen lassen und dann im Baconfett
1 Scheibe Toastbroat, in Würfel geschnitten, mit
1 TL Sonnenblumenöl als Croutons angebraten. Nur ganz kurz, dann werden sie außen knusprig und bleiben innen weich. So mag ich sie am liebsten.

Und jetzt drückt mir die Daumen, dass das Kratzen im Hals weggeht.