Was schön war, Freitag bis Montag, 17. bis 20. März 2017

Ein liebevoller Satz in meiner Geburtstagskarte: „Möge dein Handapparat nie leer sein.“

Die vielen Angela-Donald-Memes, die den Freitag sehr unterhaltsam gemacht haben. Das hier ist immer noch einer meiner Favoriten.

Ein kurzer Artikel mit schönen Bildern über den Central Collecting Point in München bzw. das heutige Zentralinstitut für Kunstgeschichte aka meine große Liebe. Im Bild mit Craig Hugh Smyth sieht man noch die zwei sogenannten Ehrentempel zwischen dem heutigen ZI und der Musikhochschule bzw. dem damaligen Verwaltungsgebäude und der NSDAP-Zentrale. In ihnen lagen die Särge der beim Hitlerputsch 1923 Getöteten. Die „Tempel“ wurden von der amerikanischen Militärregierung gesprengt, die Sockel sind allerdings bis heute sichtbar. Der neben dem ZI wuchert schön zu, der andere wurde im vorletzten Jahr freigelegt und bildet ein neues Ensemble mit dem NS-Dokumentationszentrum.

Die Fassade des ZI ist übrigens seit letztem Jahr auch nicht mehr mit dem blöden Efeu bewachsen wie im Artikel zu sehen, sondern freigelegt, so dass man die Architektur des Gebäudes wieder anständig angucken kann.

Am Samstag sah ich ein eher mieses Spiel zwischen dem FC Augsburg und Freiburg. Es war scheiße kalt, weil windig, der Sprühregen wurde bis zu unseren Sitzplätzen geweht, und dann ging’s auch bloß unentschieden aus. Trotzdem wollte ich direkt nach Spielende eine Karte fürs nächste Heimspiel kaufen.

Es sagt viel über mein verändertes Sehverhalten beim Fußball aus, wenn ich mehr Lust auf den fähnchenschwenkenden Kid’s Club sowie den Rumpelfußball des FCA habe als auf Champions-League-Viertelfinale in der Allianz-Arena.

Sonntag lungerte ich professionell den ganzen Tag auf der Couch rum und genoss jede Minute.

Und gestern saß ich topmotiviert im ZI zwischen lauter Katalogen und Aufsätzen über Markus Lüpertz und genoss erst recht jede Minute. Dabei stolperte ich über einen Satz zu Mondrian, dessen geometrische Bilder laut Autor eine „vom Tragischen entlastete Schönheit“ zeigten. Perfekte Formulierung. Sie stammt von Werner Hofmann und steht im Katalog zu einer Lüpertz-Retrospektive von 2009 auf Seite 187.

Was schön war, Donnerstag, 16. März 2017 – Geburtstagsessen im Broeding

Der Eintrag ist etwas verspätet, ich musste so lange verdauen.

Das Broeding ist mein Lieblingsrestaurant in München, aber ich gönne es mir nicht so oft wie ich gerne würde, schlicht weil ich es mir gerade nicht leisten kann. Daher war ich im letzten Jahr nur einmal da, nämlich zum Geburtstag. Deswegen war klar, was ich auch an diesem Geburtstag machen wollte. Ich hatte keine Lust zum Fotografieren, aber netterweise knipste F. in der Gegend rum und notierte sich auch die Weine, während das Geburtstagskind glücklich-bräsig genoss. Und wie es genoss!

IMG_5938

Nach dem obligatorischen Rosé-Sekt – Ankes eiserne Regel: Wenn irgendwo Rosé mit Kohlensäure auf einer Karte steht, wird der bestellt – kam der Gruß aus der Küche: eine kalte Gurkensuppe mit einem Stückchen Mozzarella drin. Nette, kühle Kleinigkeit mit einem salzigen Käsebiss.

IMG_5939

Der erste Gang war ein Stückchen fest-fettes Mangalica-Schwein mit Sauerkraut und Mastersauce. Schmeckte fein-asiatisch und gleichzeitig wie um die Ecke, weil Sauerkraut.

Dazu gab’s ein Cuvée aus Riesling und Silvaner mit einer hübschen Geschichte dazu: Twentysix (Achtung, erst schlimmes Werbegewäsch, dann die Geschichte). Der gefiel mir in seiner klaren Schlichtheit so gut, dass F. einen Tag später eine Kiste davon orderte. Und weil’s den Twentysix auch in rosa und rot gibt, gleich noch jeweils drei Flaschen von der anderen Farbe dazu. Wir planen eine sorgfältige Versuchsreihe auf dem Balkon, sobald die Temperaturen das zulassen, der weiße war nämlich ein Eins-A-Balkonwein.

IMG_5940

Atlantiklachs mit knuspriger Haut und Spinat und Blumenkohl. Lachs finde ich meist irgendwie langweilig, aber mit Blumenkohl geht mir bei alles. Das Tolle an dem Gang war allerdings der Wein dazu: ein Hirtzberger Chardonnay Smaragd, Schlossgarten 2015. Genau wie Lachs finde ich Chardonnay meist irgendwie langweilig, auch weil er einem irgendwann den Mund zukleistert, aber der hier war erstmal recht wenig süß, fast schon mild-hochnäsig-gelangweilt, dass da jemand was von ihm wollte. Je länger er aber im Glas war, desto kräftiger wurde er, und zum Schluss war er feiner Honig mit einer dicken gelben Frucht, die mir aber partout nicht einfallen wollte. Und kein Kleister!

IMG_5943

Gebratener Arunda (das ist der Käse) mit Radicchio und einer schlotzigen Rotweinsauce. Dazu erzählte der Service die Geschichte, dass dem Restaurant zwei Kühe gehörten, die irgendwo entspannt rumgrasen und für diesen Käse zuständig seien. Danke, Kühe, a job well done. Da schmeckte sogar die Rinde, und in Verbindung mit dem bitteren Salat fühlte er sich auch nicht so schwer an. Dachten wir, wir Narren.

Dazu gab’s einen Rotburger 2015 vom Weingut Schuster. Der roch erstmal wie Kirschcrumble mit Vanillesauce und blieb auch im Mund dabei. Im Glas verlor sich die Vanille etwas und er war, nach der zuckerbäckerigen Nase, überraschend trocken. Auch ein schönes Ding. Überhaupt waren die Weine durch die Bank weg toll. Das sind sie im Broeding zwar immer, deswegen gehe ich ja so gerne in den Laden, aber an diesem Abend fühlte ich mich wirklich sehr verwöhnt.

IMG_5944

Geschmorter Rinderhals mit Pastinaken-Süßkartoffel-Püree und grünen Bohnen. Auf dem Püree lag noch etwas frittierter Grünkohl, und nachdem ich den gegessen hatte, war ich doppelt froh, der Foodblog-Versuchung der letzten Jahre „kale chips“ nie nachgegangen zu sein. Grünkohl gehört gekocht in einen dicken Eintopf mit viel Fleischigem, Zwiebeln und Kartoffeln, basta, keine Ausnahme. Meine Norddeutschigkeit war fast ein bisschen entrüstet über dieses Sakrileg.

Dazu gab’s einen St. Laurent von Grassl (Reserve 2011). Ich habe noch nie einen so rauchigen Rotwein getrunken; ich dachte im ersten Moment, ich säße in F.s Whiskysammlung. Der erste Schluck war recht flach, alle danach dann voller beerigem Rauch.

IMG_5945

Nach Mozzarella und dem hauseigenen kam nun zum dritten Mal Käse auf den Tisch. Für das Broeding sucht Thomas Breckle den Käse aus. Genauer als „Alpkäse“ wurde das Stück nicht bezeichnet, war aber egal, weil äußerst schmackhaft. Vor allen in der Kombination mit dem leicht kümmeligen Brot und der bitteren Pomeranzenmarmelade.

Und jetzt kam der Wein auf den Tisch, bei dem ich einfach nur die Klappe hielt und Schlückchen für Schlückchen verkostete. Es war ein Orange Wine, mit denen ich eigentlich ein bisschen auf Kriegsfuß stehe. Ich habe schon einige probiert, aber meist schmeckten sie für mich nach muffigem Apfelmost und hatten so gar nichts von den Eigenschaften, die ich so am Wein mag. Und, zugegebenermaßen, kenne: Mir fehlt schlicht das Vokabular, um Orange Wine vernünftig zu beschreiben, weil ich ihn weder mit dem Kopf noch mit der Zunge irgendwie an das angleichen kann, was ich mir für Wein angeschmeckt habe. Dass ich auch da noch oft genug passen muss, durfte ich gerade ein paar Gänge vorher erleben, als ich wirklich nicht wusste, nach was der Chardonnay schmeckt. Drei Tage später bin ich bei Nashibirne in Zuckersirup, aber das ist auch nur wild geraten.

Der Wein zum Käse stammte vom Weingut Loimer und war ein Achtung! Traminer Alte Reben 2013. In der Nase hatte ich ein süßes Quittenshampoo, im Mund dann trockenen, feinen Apfelschaum, aber beides nicht weinig, nicht weiß, nicht rot, aber auch kein Saft oder Cidre – ich würde meine Art, ihn zu trinken, mit Cognac vergleichen. Nicht im Geschmack, aber in der Art, ihn in kleinen Schlucken zu verkosten und nachzuspüren, was er so im Mund macht. Ich glaube nicht, dass ich davon eine Flasche trinken wollen würde, aber das war der erste Orange Wine, der mir die Faszination dieser Vergärungsart deutlich machen konnte. Mit Schmackes.

IMG_5946

Den Satz „Sie sehen noch so hungrig aus“ brachte die Bedienung zwar an jedem Tisch, aber dafür sehr charmant. Das Basilikumsorbet war dringend nötig – das erste Mal im Broeding hatte ich vor dem Dessert das Gefühl, ich würde gerne mal eine Runde um den Block gehen und einen Schnaps trinken, bevor ich mich aufs Süße stürze.

IMG_5947

Aber für derartige Momente aktiviert man den Dessertmagen und genießt Schokoladenmousse mit Ananas. Dazu gab’s eine Beerenauslese von Heinrich 2010. Von Heinrich stammt mein erster Blaufränkisch, den ich kistenweise einlagern musste, daher bin ich diesem Weingut immer sehr gewogen. Danach kam der Blaufränkisch von Kollwentz und seit Kurzem bin ich dem von Moric (Reserve) verfallen. Mein Geschmack wird leider immer teurer.

Schnaps und Espresso genossen wir mit geöffneten Gürteln zuhause. Die drei Käse waren stärker als wir. Aber wenn ich solche Weine dazu bekomme, würde ich auch sechs essen.

Links von Freitag, 17. März 2017

Aus meinem gestern geplanten Geburtstagskuchen ist nur ein Geburtstagsnutellabrot geworden, denn ich war abends essen. Daher bin ich noch sehr mund- und blogfaul, weswegen ihr kaum etwas Persönliches kriegt. Aber dafür wirklich schönes Lesefutter. (See what I did there?)

How to Learn New Things as an Adult

„Khazan: You mentioned things that don’t work, like highlighting a lot, or skimming your notes before a meeting. Why don’t those work?

Boser: Re-reading and highlighting are particularly ineffective. They’re just passive, and you are just kind of skimming that material. It makes you feel better. You feel comfortable with the material, but you don’t really know the material. Doing things that are a little bit more difficult, that require you to really make connections, is a better way to learn. [You might] explain things to yourself, [or] simply quiz yourself. If you’re preparing for a meeting, you’d be much better off just putting the material away and just asking yourself questions. It gives you a false sense of security, that kind of re-reading.“

Jein. Die großen Zusammenhänge verstehe ich auch am besten, wenn ich mir selbst erkläre, was ich eigentlich vorhin im Seminar gelernt habe oder wie ich mein Referat am schlauesten aufbaue. Ich habe auch gemerkt, dass es hilft, mir selbst Fragen zu stellen. Bei der Klausur zur Stadt im Mittelalter habe ich mich gefragt: Wo sind die Unterschiede zu einer heutigen? Wie hat sich das entwickelt? Gab es Orte, die wir heute anders benutzen? Warum? Und schon plapperte ich mich selbst zu.

Ich lerne auch meine Lernkärtchen laut, das heißt, ich gucke nicht nur auf ein Stichwort und denke darüber nach, sondern formuliere es in ganzen Sätzen laut aus. Dabei stolpere ich gerne selbst über Eselsbrücken, die nochmal helfen, mir Dinge zu merken. Beim Lautlernen hilft es mir, dass ich sowieso dauernd mit mir selber rede, um mir über Dinge klarzuwerden, daher ist das vermutlich Gewöhnungssache.

Ich nehme meine Kärtchen auch immer zur Klausur mit und mache genau das, was der Artikel doof findet: alles noch einmal durchblättern. Ich kenne die Inhalte allerdings immer genau – alle Inhalte, die ich mir bis zum Abend vor der Klausur nicht merken konnte, merke ich mir nie, also schmeiße ich die Kärtchen raus. Daher ist das vermutlich nur eine haptische Versicherung: Das kann ich alles, keine Panik.

Operation London Bridge: The secret plan for the days after the Queen’s death

Sehr langer Artikel, der nicht nur ausplaudert, was uns erwartet, wenn die Queen irgendwann stirbt, sondern auch, wie derartige Fälle früher im Empire erledigt wurden. Außerdem ist er eine Abhandlung über Dinge, die mit ihr gehen werden. Ich fand den Artikel nicht nur historisch lesenwert, sondern auch hervorragend geschrieben; ich hatte das Gefühl, das selbst die Sprache nochmal vergangene Zeiten heraufbeschwört.

„Part of the effect will come from the overwhelming weight of things happening. The routine for modern royal funerals is more or less familiar (Diana’s was based on “Tay Bridge”, the plan for the Queen Mother’s). But the death of a British monarch, and the accession of a new head of state, is a ritual that is passing out of living memory: three of the Queen’s last four prime ministers were born after she came to the throne. When she dies, both houses of parliament will be recalled, people will go home from work early, and aircraft pilots will announce the news to their passengers. In the nine days that follow (in London Bridge planning documents, these are known as “D-day”, “D+1” and so on) there will be ritual proclamations, a four-nation tour by the new king, bowdlerised television programming, and a diplomatic assembling in London not seen since the death of Winston Churchill in 1965.

More overwhelming than any of this, though, there will be an almighty psychological reckoning for the kingdom that she leaves behind. The Queen is Britain’s last living link with our former greatness – the nation’s id, its problematic self-regard – which is still defined by our victory in the second world war. One leading historian, who like most people I interviewed for this article declined to be named, stressed that the farewell for this country’s longest-serving monarch will be magnificent. “Oh, she will get everything,” he said. “We were all told that the funeral of Churchill was the requiem for Britain as a great power. But actually it will really be over when she goes.”

Unlike the US presidency, say, monarchies allow huge passages of time – a century, in some cases – to become entwined with an individual. The second Elizabethan age is likely to be remembered as a reign of uninterrupted national decline, and even, if she lives long enough and Scotland departs the union, as one of disintegration. Life and politics at the end of her rule will be unrecognisable from their grandeur and innocence at its beginning.“

Was schön war, Mittwoch, 15. März 2017 – Und los

Gestern begann ich endlich mit Schwung und jetzt echt und so mit der Masterarbeit. Unsere Bearbeitungszeit ist von der Uni vorgegeben; der offizielle Starttermin war der 20. Februar, die Abgabe hat bitte bis zum 10. Juli zu erfolgen. Da das ein Montag ist, stehe ich vermutlich am 6. Juli vor dem Prüfungsamt (Donnerstag), das Freitag geschlossen hat, aber falls doch noch was sein sollte, könnte ich ja noch bis Montag uswusf. In den drei Wochen, in denen die Bearbeitungszeit schon läuft, wollte ich erstmal anständig Leo vom Tisch haben. Das habe ich jetzt, und deswegen kann ich nun entspannt von Herrn von Welden zu zwei anderen Malern umdenken. (Wieder keine Malerinnen, was mich selbst ein bisschen nervt.)

Der noch etwas ungelenke Arbeitstitel, den meine Prüferin auf mein Anmeldeformular notiert hat, lautet: „Die Bewältigung der NS-Vergangenheit im Frühwerk von Markus Lüpertz und Anselm Kiefer.“ Den versuche ich seit Wochen, etwas gelenker zu kriegen, aber so wie ich mich und meine wissenschaftlichen Arbeiten kenne, ändere ich den fünf Minuten vor dem Druck noch. Das hat bis jetzt (fast) immer gut geklappt. Das Thema bleibt aber natürlich: Ich vergleiche Arbeiten von Lüpertz und Kiefer miteinander; die von Lüpertz entstanden von ca. 1967 bis 1974, die von Kiefer von 1969 bis Ende der 70er, Anfang der 80er. Beide gehörten zu den ersten, die nach 1945 wieder figurativ malten, Baselitz und Richter wären andere, die auch keine Lust mehr auf Abstraktion hatten. Alleine das war schon verdächtig, und wenn man dann noch, wie Lüpertz, „deutsche Motive“ malt oder, wie Kiefer, sich an Wagner abarbeitet, dann wird man schnell in die rechte Ecke gerückt. Bei Kiefer bin ich mir inzwischen sicher, dass es eine Auseinandersetzung mit der NS-Zeit war, bei Lüpertz muss ich, ehrlich gesagt, noch etwas darüber nachdenken. Manchmal glaube ich, er spielte einfach, so wie Nervensäge Meese heute, mit nationalsozialistischen Symbolen, aber ohne wirklich eine Auseinandersetzung auf inhaltlicher Ebene zu suchen, sondern nur eine auf ikonografischer. Ich bin bei Lüpertz aber noch ganz am Anfang, daher ist das jetzt hier gerade nur laut gedacht.

Ich las gestern im Home Office einige Aufsätze und malte beseelt mit Textmarkern und Bleistiften an ihnen rum, notierte Gedanken, fand sofort Übereinstimmungen oder Unterschiede zwischen den beiden Malern und war darob recht gut gelaunt. Danach las ich noch einiges zum Thema Vergangenheitsbewältigung: Wie sah die direkt nach 45 aus, falls sie da überhaupt stattfand, wie in den 60ern, wie in den 70ern? Was änderte sich, als eine neue Generation, die die NS-Zeit nicht mehr ganz so direkt miterlebt hatte, erwachsen wurde? (Lüpertz wurde 1941, Kiefer 1945 geboren.) Ich sammele mal wieder wild in der Gegend rum, notiere mir alles, was auch nur entfernt mit dem Thema zu tun hat, und ab morgen stelle ich mir einen schönen Handapparat zu Lüpertz im ZI zusammen. Aber heute gönne ich mir einen weiteren Tag zuhause und backe mir selbst einen Geburtstagskuchen. Ihr entschuldigt mich.

Was schön war, Dienstag, 14. März 2017 – Schlaf nachholen

Gestern mittag mein Rad vom Schrauber geholt. Mein Auftrag lautete nicht nur „neuer Schlauch und Mantel fürs Hinterrad“, sondern auch das übliche frühlingshafte „bitte mal durchgucken, ob noch alle Schrauben da sind, wo sie sein sollen“. Der freundliche Herr erzählte mir auch, was sie gemacht hatten, was ich natürlich fünf Sekunden später wieder vergessen hatte. An der ersten Ampel merkte ich aber sehr deutlich, dass sie die Handbremsen nachgezogen hatten, als ich beim Bremsen fast über den Lenker flog.

Große Fahrradliebe. Nach einem Tag Entzug gleich mal einen Umweg nach Hause gefahren, weil es so schön ist.

Twitter fast den kompletten Tag lang ignoriert. Ich hadere gerade sehr mit Social Media. Die vielen Stimmen des Borg-Kubus stressen mich momentan mehr als dass sie mir nutzen, was jahrelang ihre Funktion war.

Ich war am Montag viel zu spät ins Bett gegangen und dementsprechend gestern den ganzen Tag sehr matschig. Ich werde zu alt für Spät-ins-Bett-gehen. Die Alle-vier-Wochen-Nerverei hatte sich auch halbwegs planmäßig gemeldet, weswegen ich noch matschiger war. Mein Blättern in Bibliotheksbüchern war von der ersten Seite an sehr halbherzig, mein Lesen in Nicht-Bibliotheksbüchern auch. Daher erledigte ich schließlich nur noch den Pflichtkram wie Fahrrad abholen, einkaufen und Reste wegkochen, bevor sie vergammeln, und danach verdöste ich den ganzen Tag mit Wärmflasche und Voyager auf dem Sofa. Solange ich mir diesen Luxus noch leisten kann, nutze ich das gnadenlos aus.

Allmählich verstehe ich, warum viele Menschen sagen, dass die Zeit des Studiums die schönste in ihrem Leben war.

Was schön war, Montag, 13. März 2017 – Zufriedenheit

Morgens schob ich mein plattes Rad einen Kilometer durch München zum Schrauber. Das ging besser als erwartet, es schob sich fast so leicht wie es sich fährt, und ich konnte es sogar trotz seiner temporären Wackeligkeit mit einer Hand führen. Die andere hat trotzdem kein Pokémon gespielt.

Nach der Abgabe stieg ich spontan nicht in Tram und Bus, um einzukaufen, sondern ging einfach weiter zu Fuß, wo ich schon mal dabei war. Das war schön.

Katalogtext zu Leo abgegeben. Die Hausarbeit ausgedruckt und an die Künstlertochter verschickt sowie einen Termin mit ihr vereinbart, um ihr die Berge an Korrespondenz zurückzugeben, durch die ich mich gelesen hatte.

Mal wieder, wie seit Monaten, über den Namen Boaty McBoatface gelacht.

Einen Tweet in der Timeline gehabt, der zu einem der üblichen „Dinge, die ich auf dem Totenbett bedauern werde“-Artikel führte. Er betont, wie sich das bei derartigen Artikeln gehört, dass man doch bitte jetzt Dinge tun sollte und nicht in einem undefinierten Irgendwann. Ich dachte kurz nach, was ich bedauern würde und stellte fest: Momentan ist da nichts, was ich ändern würde. Ich vermittele meinem Partner so ziemlich jeden Tag verbal oder per DM meine Zuneigung. Ich umarme ihn, so oft ich kann. Ich habe mich gerade erst Weihnachten wieder bei meinen Eltern dafür bedankt, dass sie mich als Kind in Museen geschleift haben, mich Musikinstrumente haben lernen lassen und mir jedes Buch gekauft haben, das ich haben wollte. Ich bin trotz finanzieller Einschränkungen mit meinem derzeitigen Beruf, wenn man ein Studium so nennen kann, mehr als glücklich. Ich möchte nichts anderes machen als das, was ich gerade tue, ich möchte nirgends anders wohnen, ich habe genug Freunde und Freundinnen, einen wundervollen Mann an meiner Seite, ich bin gesund und habe ein Dach über dem Kopf. Wenn das nicht reicht, um zufrieden zu sein, weiß ich auch nicht.

Das einzige, was gestern scheiße war, war das ewig alte widerliche Drecksthema Diäten, was durch meine Timeline ging, weswegen ich Twitter irgendwann beendete. Zu der Liste eben möchte ich noch sagen: Das geht auch alles mit einem dicken Hintern.

#12von12 im März 2017

Von den Bildern habe ich gestern keins auf Instagram gepostet, weil ich morgens schlicht nicht wusste, ob ich zwölf zusammenbekomme. Eigentlich hatte ich nämlich nur vor, auf dem Sofa oder am Schreibtisch zu sitzen, und ich dachte, das wäre vielleicht einen Hauch zu langweilig.

Alle anderen 12von12*innen gibt’s wie immer bei Caro.

IMG_1344

Anhand dieses Bildes kann man erstens sehen, dass ich anderthalb Stunden mein iPhone im Bett leergelesen habe, denn ich war um kurz vor acht wach. Man kann außerdem daran sehen, dass ich meinen Lockscreen so gut wie nie austausche. Ich glaube, das ist beim dritten iPhone erst das fünfte Bild. Das erste war ein generisches Apple-Bild, dann kam das Dach des Sony-Centers in Berlin, dann ein verwackelter Zufallsschuss auf der Agenturtoilette (fragt nicht), deren pinkfarbene Wände ein schönes Hintergrundbild erzeugten, dann das Kolosseum in Rom und seit sechs Jahren schaue ich Luise an. Auch meinen Bildschirmhintergrund auf dem Laptop kopiere ich von Rechner zu Rechner; das sehr ruhige Bildchen, auf dem ich die Ordner gut wiederfinde und das mich nicht nervt, müsste seit über 15 Jahren mein Begleiter sein. Da habe ich noch nicht mal gebloggt, da hatte ich dieses Bild schon.

IMG_1345

Das Kaffeemahlen (hiermit) klappt schon sehr gut und ich mag den Geruch dabei sehr gerne. Wenn ich allerdings jemals für mehr als zwei Personen Kaffee zubereiten müsste, würde ich mir eine elektrische Mühle leihen oder gemahlenen Kaffee kaufen – das dauert doch länger als ich dachte.

IMG_1346

Ich bin immer noch überrascht davon, dass mir Kaffee ohne Milch und Zucker schmeckt. Ich vermisse allerdings doch ein bisschen den Milchschaum. Mir war vorher nicht klar, wie sehr ich diese fluffige Kuscheligkeit morgens mag. Schwarzer Kaffee kommt mir so effektiv und herzlos vor. Ich will morgens bepuschelt werden und was Süßes haben. Ich werde keine disziplinierte Herzhaftfrühstückerin mehr.

Mir ist nebenbei aufgefallen, dass mir Milchkaffee trinkende Menschen beim ersten Eindruck sympathischer sind als Schwarzkaffeetrinker*innen. Diese innere Skala werde ich dringend nachjustieren müssen, denn das ist genauso doof wie Menschen, die Schorle trinken, netter zu finden als Leute, die ihren Weißwein pur genießen.

IMG_1349

Seit einigen Monaten Pflichtprogramm. Ich war gestern aber schon nach 30 Minuten latent gelangweilt und habe daher die Sendung nicht zuende geschaut.

IMG_1350

Jetzt endlich was Süßes: Vollkornflakes mit Birne.

IMG_1351

Und dann hatte ich plötzlich Hummeln im Hintern und wollte raus. Also nicht dringend an die ach so gute frische Luft und die herrliche Frühlingssonne (das mache ich lieber vom Sofa aus), aber ich wollte Kunst gucken. F. mag das 19. Jahrhundert überhaupt nicht, ich dagegen sehr, und deswegen ging ich alleine ins Lenbachhaus, wo die Sammlung neu präsentiert wurde. Studiausweis vorgelegt, umsonst reingekommen (dankeschön!), das gestern neongrüne Bändchen ans Handgelenk geklebt und die Treppe in den ersten Stock geklettert, wo mich jetzt statt Corinth mit seinem Skelett Fritz von Uhdes Engel im Atelier begrüßte.

Die Ausstellung hätte von mir aus doppelt so groß sein können, aber leider hat das Lenbachhaus nicht so viel Platz. Ich mochte die Porträts der verschiedenen Gesellschaftsschichten gerne, die Landschaften, die vielen Nebenbeiinfos, zum Beispiel zu Trachten, der Bayernliebe von Nicht-Bayern („Ich will jetzt aber die Alpen im Salon hängen haben, malen’S mir das!“) oder den brüchigen Geschlechterrollen in Künstlerkolonien abseits der Großstadt, wo sie eher zementiert wurden (hätte ich jetzt andersrum erwartet). Ich mochte auch den Hinweis im ersten Raum, dass leider nur sehr wenige Malerinnen ausgestellt sind – zum Beispiel das Selbstporträt von Emilie von Hallavanya –, weswegen in den Texten nur von „Malern“ die Rede ist. Es wurde außerdem darauf hingewiesen, dass die Nationalsozialisten die Kunst des 19. Jahrhunderts schnafte fanden, weswegen auch einige Bilder aus dieser Zeit dort hingen; es wurde auch die Provenienzforschung zum Bestand erwähnt. Alles sehr lobenswert. (Und jetzt wisst ihr auch, warum ich die Ausstellung sehen wollte bzw. warum ich von allen Pinakotheken am häufigsten in der Neuen rumhänge. Und warum mein Telefon so aussieht, wie es aussieht.)

Besonders gern mochte ich den Raum zum deutschen Wald. Dort grinste ich sehr über einen Wandtext, der mit „Baumumarmen heute und gestern“ überschrieben war. Die Texte fand ich generell sehr lesenswert und informativ; ich gucke im Museum aber lieber Bilder als Buchstaben an und nahm mir daher vor, die alle schön entspannt im Katalog zu lesen. Normalerweise verkneife ich mir die teuren Kunstkataloge, weil ich weiß, dass sie eh alle bei uns im ZI stehen, aber hier wollte ich gleich nach zwei Räumen was erwerben. Deswegen fotografierte ich weder Bilder noch Beschriftungen (um mir Namen und Werktitel zu merken), musste aber leider eine Stunde später im Shop feststellen, dass es keinen Katalog gab – es war ja schließlich nicht wirklich eine Ausstellung, sondern nur eine neue Hängung des Bestands. Ein Shopmitarbeiter meinte aber, wegen der großen Nachfrage gebe es vermutlich in zwei Monaten dann doch einen Katalog. Da ich mich aber schon mit Geldausgeben abgefunden hatte, kaufte ich halt einen Katalog zur Sammlung. Und in zwei Monaten kaufe ich noch einen, so.

FullSizeRender

Seit ich im Prado, wo gnadenloses Fotografierverbot herrscht, gemerkt habe, wie schön das ist, wenn gnadenloses Fotografierverbot herrscht, weil man dann echt entspannter gucken kann, zücke ich in Museen auch kein Handy mehr, ganz egal, wie toll das Bild ist, das ich gerne auf Twitter oder Instagram rumzeigen möchte. (Diese Einstellung ist aber sehr tagesformabhängig.) Daher gibt’s jetzt hier eins der schönsten Bilder der Ausstellung als Plakat in der U-Bahn, das aber total unrepräsentativ ist in seiner verträumten Zartheit. Ich kann euch leider nicht sagen, wie es heißt oder von wem es ist, denn ich habe keine Beschriftung fotografiert, und auf der Ausstellungswebsite fehlen die Bildunterschriften. Aber Leserinnen weisen einen darauf hin, dass das Bild von Hans Olde ist und die Großherzogin Caroline von Sachsen-Weimar zeigt. (1903)

(Der Hund unten rechts irritiert mich total.)

IMG_1356

Wieder zuhause setzte ich mich an die Überarbeitung des Katalogtextes zu Leo von Welden.

IMG_1357

Dann schrieb ich einen Brief, der mir Geld spart. Ich muss schließlich die beiden Kataloge wieder reinholen.

IMG_1358

Abgewaschen, Wäsche zusammengelegt, keine Lust auf Staubwischen oder -saugen gehabt.

IMG_1362

Auch keine Lust zum Kochen gehabt, also gab’s Knoblauchbrot mit Käse und Gurke.

IMG_1366

Abends wie an fast jedem Abend der letzten Tage im Postwar-Katalog geblättert, den mir F. netterweise geliehen hat. Ich würde euch gerne 100 Bilder daraus zeigen, aber ich nehme mal das hier. Ben Enwonwu: Anyanwu, 1954–1955, Bronze, 210 cm, Privatsammlung.

Bildquelle: Kat. Ausst. Postwar – Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945–1965, Haus der Kunst München, 14.10.2016–26.3.2017, München 2016, S. 129/130.

Was schön war, Samstag, 11. März 2017 – A job well done

Morgens Leergut weggebracht und eingekauft. Ich war fast alleine im Laden und dementsprechend schnell wieder zuhause.

First Draft vom Leo-Katalogtext: 28.000 Zeichen. (Angepeilt sind 27.000.) Befriedigt Dokument geschlossen, das liegt jetzt einen Tag rum, dann gucke ich nochmal drauf und kürze und Montag gebe ich’s ab. Schnellste kunsthistorische Joberledigung in meiner kurzen kunsthistorischen Karriere ever.

Mal wieder bei der Bundesliga eingeschlafen. Fußball scheint überhaupt nicht mehr wichtig zu sein, außer im Stadion. Das Sky-Abo endet im April, und ich glaube nicht, dass ich es vermissen werde.

Bei so ziemlich jedem Buch, das sich irgendwie mit der Zeit zwischen 1930 und 1980 in (West-)Deutschland beschäftigt, sucht mein Hirn inzwischen nach Nuggets, die für die Masterarbeit oder die Dissertation nützlich sein könnten. Zurzeit lese ich – erneut – Der lange Sommer der Theorie: Geschichte einer Revolte 1960 bis 1990, das ich bereits angefangen und dann wegen Semesterlektüre wieder weggelegt hatte. Das Buch ist für mich gerade so spannend, weil es quasi die Zeit vorbereitet, mit der ich mich in der MA-Arbeit befassen werde – späte 60er, die 70er, frühe 80er. Ich bekomme immer mehr ein besseres Bild von dieser Zeit, ihren grundlegenden Diskussionen, schlicht die Stimmung, in der Lüpertz und Kiefer ihre Bilder malten. Ich ahne, dass davon nichts in der Arbeit landen wird, aber ich mag es, einer Zeit ein winziges bisschen auf die Spur zu kommen und zwar nicht nur aus historischer, sondern vor allem aus kultureller Sicht.

Zweimal Garching und zurück – hinter den Kulissen der Bayerischen Staatsbibliothek

„Stabi-Brummis“ <3 Ich bin ja schon ein bisschen gerührt davon, wieviele Menschen sich Mühe machen, damit ich in irgendeinem Sammelband einen zehnseitigen Aufsatz überfliegen kann.

Was schön war, Freitag, 10. März 2017 – Entschleunigung

Gemeinsam aufgewacht und nochmal gemeinsam weggedöst.

Seit wenigen Tagen besitze ich eine Kaffeemühle und mahle mir Bohnen für frischen Kaffee, den ich sogar schwarz trinken kann, weil er schmeckt und ich ihn nicht mit Süße und anderem Geschmack als Kaffee vollballern muss. Darüber blogge ich vermutlich noch mal extra. Das gefällt mir bis jetzt aber sehr gut, diese liebevolle Beschäftigung mit einem Lebensmittel. Mit Tee beschäftige ich mich ja auch länger anstatt auf ein Knöpfchen eines Automaten zu drücken, wieso also nicht mit Kaffee?

Den Vormittag war ich damit beschäftigt, zu fluchen und durch die Gegend zu rennen, obwohl ich durch die Gegend radeln wollte. Trotzdem gab es natürlich auch hier schöne Momente. Zu Fuß gehen bedeutet für mich immer Entschleunigung, weil ich nicht so hetze wie auf dem Rad. Ich bin über den Alten Nordfriedhof geschlendert und habe nicht nur Pokémon gefangen, sondern mir auch, wie immer, einige Grabsteine und Stelen genauer angeschaut, habe einen Specht gehört, aber nicht gesehen, habe leider aber auch meinen Lieblingsengel nicht mehr auf seinem Sockel gefunden. Ich hoffe, er ist nur im Winterquartier. Einige große Figuren sind noch mit Holzverschlägen geschützt, aber der Sockel meines Engels ist einfach nur leer. Vor der Stele für die französischen Kriegsgefangenen von 1870/71 lag ein halbwegs frisches Gesteck mit Trikolore.

Tram gefahren. Immer noch toll. Ich liebe Tramfahren. Eine Stunde später saß ich in einem Bus, dessen Fahrer aber glaubte, er führe einen Sportwagen, und deswegen liebe ich Tramfahren so. Es ist wegen der geringeren Bewegung des Fahrzeugs rückenfreundlicher, und man muss sich nicht krampfhaft irgendwo festhalten, weil irgendjemand nicht bremsen, anfahren oder ruhig kurvenfahren kann.

Aus der Stabi und der Unibibliothek holte ich insgesamt acht Bücher, von denen die meisten leider keine kleinformatigen Taschenbücher waren. Mit schwerem Rucksack und einer ebenso schweren Büchertasche stand ich daher latent nölig an der Bushaltestelle. (Deswegen radele ich zu Bibliotheken – dann können die Bücher in meinen praktischen Korb auf dem Gepäckträger und ich muss sie nicht schleppen. Bücher sind toll, machen aber viel Arbeit.) Als der Bus kam, ließ mich ein Student mit eleganter Handbewegung vor sich in den Bus einsteigen, was ich sehr freundlich fand. Ich behaupte, man sah mir meine schwere Tasche an. Auf Twitter wurde Respekt vor dem Alter vermutet. Nehme ich auch.

Nachmittags an meinem vorerst letzten Text zu Leo von Welden geschraubt. Für unsere Ausstellung „Vermacht, verfallen, verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus“, die vom 23. September bis 19. November 2017 in der Städtischen Galerie Rosenheim läuft, schreibt unser ganzes Seminar den Katalog (dazu gibt’s einige Aufsätze von Externen). Wir sind für die Künstlereinträge verantwortlich, ich dementsprechend für Leo. Vor mir liegt die nicht unspannende Aufgabe, aus zwei Hausarbeiten zu 50.000 und 70.000 Zeichen und einem Berg an Fakten im Hinterkopf, die es nicht in die Arbeiten geschafft haben, nun einen Katalogtext mit höchstens 27.000 Zeichen zu zaubern. Gestern bastelte ich ein erstes Gerüst, um mir selbst darüber klarzuwerden, was mein Text will. Mein Publikum ist jetzt nicht mehr mein Dozent, dem ich verdeutlichen möchte, wie toll ich geforscht habe und wie brav ich unsere Regeln für wissenschaftliches Arbeiten umsetzen kann, sondern eine interessierte Leserschaft aus hauptsächlich Laien, deren bisheriges Leo-Bild ich leider etwas ankratzen muss. Mein Fokus liegt dem Ausstellungstitel entsprechend auf der NS-Zeit und da werde ich den bisherigen Forschungsstand gehörig umkrempeln können.

Den Abend verbrachte ich beim ehemaligen Mitbewohner. Der Mann hat genau zwei Einträge auf seinem Festnetztelefon: „Eltern“ und „Pizza“. Ich bin da sehr gut aufgehoben. (Pizza war gut.)

Ein ästhetisches Dankeschön …

… an Natalia, die mich mit Hanno Rauterbergs Die Kunst und das gute Leben: Über die Ethik der Ästhetik überrascht hat. Eigentlich gehen meine Geschenke immer schön an die Packstation, aber die ist anscheinend mal wieder voll, weswegen ich zur Post musste. Auch kein Ding, die liegt direkt neben einem Markt, da kann ich gleich noch was Schönes einkaufen. Außerdem wollte ich heute eh in die Unibibliothek und die Stabi, um Bücher abzuholen – nicht, dass die armen Dinger das ganze Wochenende da liegen müssen in ihren kleinen, dunklen Fächern.

Solche Erledigungen mache ich am liebsten mit dem Fahrrad, denn das geht in meiner Hood grundsätzlich schneller als Öffis (als Auto sowieso). Dazu musste ich aber noch mein Hinterrad ein wenig mehr aufpumpen, das kam mir gestern doch etwas matschig vor. Mein Hinterreifen ist eh seit Wochen mein Sorgenkind, denn bei irgendeinem Aufpumpen habe ich Grobmotorikerin das olle Sclaverandventil leicht verbogen, was seitdem alle weiteren Aufpumpversuche sehr anstrengend macht, weil ich das Ventil nun festhalten muss, damit die Luftpumpe nicht abrutscht, während ich mit der anderen Hand pumpe. Sieht doof aus, ist unbequem, ich kriege dreckige Hände und fluche dabei auch die ganze Zeit äußerst undamenhaft. Deswegen will ich das Rad seit Wochen zu meinem Schrauber fahren, aber wie das halt so ist, mache ich das natürlich doch nicht, denn dann habe ich ja einen Tag lang kein Fahrrad und das ist kein Zustand. (Spatzenhirn Gröner at her best.)

Ich ging also vorhin in den Fahrradkeller, drehte das Ventilschräubchen etwas auf, damit ich die Pumpe aufstecken kann, pumpte – und nichts passierte. Ich zog die Pumpe wieder ab – und die gesamte Luft entwich aus dem Reifen. Nachdem ich das Ventil vor Wochen verbogen hatte, hat es jetzt auch kein Ventilschräubchen mehr. Das Ventil ist hin, der Reifen ist platt, und ich werde nächste Woche mein Rad nicht zum Schrauber fahren, sondern schieben. Das habe ich äußerst brillant hingekriegt, das alles.

So ging ich also zur Fuß zur Post, machte noch einen Umweg über den Alten Nordfriedhof, um ein paar Pokebälle einzusammeln, holte mir mein Geschenk ab und hatte so tollerweise gleich was zum Lesen, als ich an drei Tram- und Bushaltestellen wartete, um zu den beiden Bibliotheken und wieder nach Hause zu kommen. Die drei Trams und Busse fuhren mir natürlich alle direkt vor der Nase weg, und ich habe für die ganze Aktion über zwei Stunden gebraucht, wo ich sonst in höchstens 40 Minuten fertig gewesen wäre. Aber alles egal: Ich habe ein neues Buch. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut. (Auch wenn sich dieser Eintrag echt nicht danach anhört.)

Kleines Quiz: Künstlerinnen

Neulich hatte ich diesen Tweet in meiner Timeline:

Ich las ihn, überlegte kurz, hatte fünf Namen zusammen, retweetete fröhlich und vergaß den Tweet dann wieder. Nicht so Elefantengehirn F., der gestern wieder daran denken musste und mir irgendwann eine DM schrieb, dass er sich gerade mal hingesetzt hätte und auf über 30 Namen gekommen wäre. Mein sinnloser Ehrgeiz war geweckt, ich gab mir 20 Minuten – und kam auf ähnlich wenige, von denen auch ein paar nur so halb gewusst waren … also eigentlich gar nicht. Ich hatte ein Werk im Kopf, mir fiel der Name der Künstlerin dazu aber nicht ein. Das liegt einerseits daran, dass ich ein fürchterliches Namensgedächtnis habe – ich schreibe mir Dozent*innennamen immer auf meinen Stundenplan und ich bin froh, dass ich es geschafft habe, die Namen meiner Werbekolleg*innen so halbwegs drauf zu haben (bis auf Praktis, sorry, Praktis). Das liegt andererseits daran, dass man in Museen schlicht nicht so oft mit weiblichen Namen konfrontiert wird. Nur drei bis fünf Prozent aller Werke in US- oder europäischen Museen stammen von Frauen.

Und damit wir jetzt alle ein paar mehr Namen lernen, nehmt ihr euch mal einen Stift, gebt euch 15 Minuten und schreibt alle Künstlerinnen auf, die euch einfallen. Und los.
.
.
.

Ich warte.
.
.
.

Okay, fertig? Hier ist unsere Liste von Namen, schön mit Links dazu, damit ihr nachgucken könnt, was die Damen so produziert haben. Zunächst kommen alle Namen, die wir beide hatten, dann die Namen, die nur eine*r von uns hatte. Das „AAAAAAAAHHH!“ hinter einem Namen bedeutet übersetzt: „ICH KANN NICHT FASSEN, DASS ICH DIESEN NAMEN VERGESSEN HABE!“

Das Deprimierendste an diesem Spielchen war nicht, dass uns nur so wenig eingefallen ist, sondern dass wir beide wussten, wenn wir jetzt den Timer auf fünf Minuten stellen und männliche Künstler aufschreiben, kommen wir garantiert auf mindestens die doppelte Anzahl, vermutlich noch mehr.

Lesestoff vom 8. März 2017

Ein paar Leseempfehlungen, die mich in den letzten Tagen beschäftigt haben.

When Things Go Missing

Ein langes Essay aus dem New Yorker, das Fakten über Vergesslichkeit mit einer persönlichen Erfahrung mischt. Hat mir sehr gut gefallen. Und mit seltsamen Statistiken kriegt man mich ja immer.

„Plenty of parents, self-help gurus, and psychics will offer to assist you in finding lost stuff, but most of their suggestions are either obvious (calm down, clean up), suspect (the “eighteen-inch rule,” whereby the majority of missing items are supposedly lurking less than two feet from where you first thought they would be), or New Agey. (“Picture a silvery cord reaching from your chest all the way out to your lost object.”) Advice on how to find missing things also abounds online, but as a rule it is useful only in proportion to the strangeness of whatever you’ve lost. Thus, the Internet is middling on your lost credit card or Kindle, but edifying on your lost Roomba (look inside upholstered furniture), your lost marijuana (your high self probably hid it in a fit of paranoia; try your sock drawer), your lost drone (you’ll need a specially designed G.P.S.), or your lost bitcoins (good luck with that). The same basic dynamic applies to the countless Web sites devoted to recovering lost pets, which are largely useless when it comes to your missing Lab mix but surprisingly helpful when it comes to your missing ball python. Such Web sites can also be counted on for excellent anecdotes, like the one about the cat that vanished in Nottinghamshire, England, and was found, fourteen months later, in a pet-food warehouse, twice its original size. [...]

Passwords, passports, umbrellas, scarves, earrings, earbuds, musical instruments, W-2s, that letter you meant to answer, the permission slip for your daughter’s field trip, the can of paint you scrupulously set aside three years ago for the touch-up job you knew you’d someday need: the range of things we lose and the readiness with which we do so are staggering. Data from one insurance-company survey suggest that the average person misplaces up to nine objects a day, which means that, by the time we turn sixty, we will have lost up to two hundred thousand things. (These figures seem preposterous until you reflect on all those times you holler up the stairs to ask your partner if she’s seen your jacket, or on how often you search the couch cushions for the pen you were just using, or on that daily almost-out-the-door flurry when you can’t find your kid’s lunchbox or your car keys.) Granted, you’ll get many of those items back, but you’ll never get back the time you wasted looking for them.”

Eines meiner historischen Interessensgebiete neben der NS-Zeit ist der amerikanische Bürgerkrieg sowie die Zeit danach (Reconstruction, hier noch der englische Wikipedia-Eintrag zum gleichen Stichwort, der deutlich ausführlicher als der deutsche ist, der sich unter dem ersten Link befindet). Dementsprechend interessiert mich auch die Sklaverei. In der NYT las ich einen Artikel, der mich auf ein Thema stieß, das ich noch nicht im Hinterkopf hatte: die Verbindung von Universitäten zur Sklaverei. Im Artikel fand ich – natürlich – mal wieder ein paar schöne Buchtipps; Ebony and Ivy: Race, Slavery, and the Troubled History of America’s Universities liegt in ein paar Tagen in meinem Ausleihfach der Stabi. Hier lohnen sich sogar die Kommentare (NYT Picks).

Der im Artikel verlinkte Atlantic-Text ist übrigens auch sehr lesenswert, weil er den systemischen Rassismus der USA und die daraus resultierende, immer noch nicht gleichgestellte Situation der schwarzen Bevölkerung gut erklärt. Im Text geht es nebenbei auch um die Reparationen, die die Bundesrepublik an Israel gezahlt hat und wie diese das Land beeinflusst haben. #longread

Confronting Academia’s Ties to Slavery

„Research on the topic has been shadowed by the specter of reparations. In his address, Mr. Coates, who wrote “The Case for Reparations,” a widely discussed 2014 article in The Atlantic, recalled when whites reacted to the mere mention of reparations as if “you’d just suggested human sacrifice or something.” [...]

“I think every one of these universities needs to give reparations,” he said. “I don’t know how you conduct research showing your very existence is rooted in a great crime, and then you just say, ‘Well, sorry’ and walk away.”

No other speakers explicitly endorsed financial reparations, but it was a sentiment shared by some in the audience.

One panelist, Adam Rothman, a Georgetown University historian, asked the audience if that school — which has offered preference in admissions to the descendants of 272 enslaved people who were sold in 1838 to keep the university afloat — should provide scholarships to descendants who attend other colleges. Many hands went up.“

Zum Abschluss eine der Kolumnen „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ aus der FAZ:

Warum kann nicht jeder moderne Kunst machen?

Dieser Absatz hat es mir besonders angetan:

„Eltern mögen die Bilder ihrer Kinder, weil es eben ihre Kinder sind. Und weil diese Bilder zeigen, wie sie die Welt sehen. Die Bilder der anderen Kinder sind dann nicht so interessant. Dafür müssten die anderen Kinder noch ein bisschen mehr machen. Zum Beispiel könnten ihre Eltern mit ihnen ins Museum gehen und Kunstbücher und Dokumentationen über Künstler anschauen. Dann würden sie sehen, wie andere Menschen, die in ganz anderen Zeiten gelebt haben, die Welt gesehen haben. Dann würden sie lernen, mit deren Augen zu sehen und ihre Bilder würden nicht nur von ihnen handeln, sondern auch von allen anderen Bildern, die es gibt.

Denn Kunstwerke sprechen nie nur mit dem Betrachter, der sie gerade anschaut. Sie unterhalten sich gleichzeitig mit allen anderen Kunstwerken, die es je gab und die es noch irgendwann geben könnte. Sie sind wie die Bewohner einer riesigen Stadt, die sich streiten oder lieb haben und sich immer wieder treffen, einander etwas zeigen oder etwas beibringen. Und wenn man viel Zeit in dieser Stadt verbringt, dann lernt man immer besser sich in ihr zu bewegen und die unendlich vielen Sprachen zu verstehen, in denen die Kunstwerke sprechen. Das gibt einem Freiheit, weil man sieht, dass die Welt, in der man lebt, nur eine von vielen möglichen ist und weil man auf neue Ideen kommt, wie man gerne leben möchte.“

Nebenbei: Ich habe The Unwinding: Thirty Years of American Decline jetzt durchgelesen und kann es immer noch empfehlen. Die Art Packers, auf Pointe zu schreiben, wird zwar irgendwann etwas anstrengend, aber es ist schon sehr spannend, ein Buch von 2013 zu lesen, das einem so weit weg und gleichzeitig so prophetisch vorkommt, wenn man sich so im Jahr 2017 umguckt.

Was schön und ganz fürchterlich traurig war, Montag, 6. März 2017 – Abgabe

Am Sonntag abend hatte ich die wenigen Korrekturvorschläge für meine Leo-von-Welden-Hausarbeit im E-Mail-Posteingang. Die las ich mir durch, nickte fast alles ab und freute mich wie immer über meine schlaue Korrekturfee, die aus manchen wurstigen Formulierungen etwas viel Hübscheres gebastelt hatte.

Gestern setzte ich mich dann daran, die Korrekturen umzusetzen. Danach rief ich beim Historischen Verein Bad Aibling an, in dessen Archiv ich im November rumgewühlt hatte und aus deren Zeitungsausschnittsammlung ich einiges zitieren konnte. Ich wollte wissen, wie genau ich denn diese Sammlung zitiere, also was ich als Fundort notieren sollte. Ich hatte bisher einfach immer „HmBA DOK Leo von Welden“ geschrieben – Heimatmuseum Bad Aibling, Dokumentarische Sammlung Leo von Welden. Das „DOK“ hatte ich mir aus dem Stadtarchiv Rosenheim (StadtA Ro) gemerkt, aber ich ahnte, dass das nicht ganz richtig sein könnte. Mir wurde natürlich geholfen: AHVBA ZA Leo von Welden – Archiv des Historischen Vereins Bad Aibling, Zeitungsausschnittsammlung Leo von Welden. Und wenn’s keine Umstände mache, ob ich vielleicht meine Arbeit kurz per Mail …? Logisch.

Aber bevor ich die Arbeit an den Dozenten und den Historischen Verein schickte, kam die übliche Gröner’sche Pingelarbeit: Nochmal alles ausdrucken und jedes Komma gegenchecken. Stimmen die Seiten im Inhaltsverzeichnis mit denen in der Arbeit überein? Heißen die einzelnen Abschnitte gleich? Steht Abbildung 3 wirklich auf Seite 17? Sind die Umbrüche alle hübsch? Sind im Literaturverzeichnis noch Bücher drin, die da nicht mehr reingehören, weil ich ja wie immer fies kürzen musste? Damit war ich zwei Stunden beschäftigt, fand noch ein paar Kleinigkeiten – wie immer –, aber dann war ich beruhigt, machte aus dem Word-Dok ein PDF und verschickte zwei Mails.

Damit sind alle Hausarbeiten meines Studiums durch. Masterarbeit, ich komme.

Na, fast: Bis Ende März muss ich noch meinen Katalogbeitrag zu Leo von Welden schreiben. Unsere Ausstellung findet im September in der Städtischen Galerie Rosenheim statt, und wir zeigen dafür bergeweise Maler (und wenn’s hoch kommt, eine Malerin), deren Bilder zum Bestand der Galerie gehören und die zwischen 1920 und 1960 entstanden sind. Leo kriegt auch so drei, vier Stück, und deswegen bekommt er auch ordentlich Text im Katalog.

Das ist dann meine zweite Katalogerscheinung – nach diesem hier. Das ist die Verlagsvorschau vom Hirmer-Verlag, und ihr müsst bitte mal, wenn ihr neugierig seid, nach meinem Namen suchen. (Apfel+F.) Der Katalog erscheint im Mai, allerdings nur auf Englisch und Französisch, aber ich hoffe, ich kann nach Erscheinen ein paar meiner Texte auf Deutsch ins Blog stellen. Ich würde euch sehr gerne mehr zum Long Museum, zum MONA oder zum Naga Museum erzählen.

Grapefruit-Gurken-Salat mit geeister Gurkenmousse

Freitag das Kochbuch geschenkt bekommen, Samstag ein Rezept nachgekocht, Sonntag noch eins. Gefällt mir bisher sehr gut, das Ding.

Das Samstagrezept war Avocado-Oliventapenade-French-Toast, das ich beim nächsten Mal ohne die French-Variante nachbauen werde – French Toast ist für mich süß, das hat mich hier doch sehr irritiert. Aber sonst: Auf eine Scheibe Toast zermatschte Avocado mit Olivenöl und Meersalz, auf eine zweite Oliventapenade aus Mandeln, schwarzen Oliven und Olivenöl, auf die Tapenade noch eine Runde Bergkäse, zusammenklappen und essen. Oder in Milch und Ei wenden und ausbacken, aber wie gesagt, das war nicht ganz so meins. Aber Avocado und Oliven – hervorragend.

Jetzt aber zum Gurkensalat, der mich nicht nur anlachte, weil ich Gurken so gerne mag, sondern auch, weil da Gin reinkommt. Überzeugt.

IMG_1323

(Dass das kein perfekter Gurkenkreis ist, war eigentlich Absicht, aber jetzt sieht’s doch so aus, als sei mir mein Gemüsetürmchen umgekippt. Auch deswegen eigne ich mich eher weniger zur Foodstylistin.)

Zunächst die Gurkenmousse herstellen, denn die muss sechs bis acht Stunden festwerden.

Wir brauchen 400 g Salatgurke, das waren bei mir zwei Stück, geschält und entkernt. In grobe Würfel schneiden, ab in einen Mixbecher. Dazu noch
40 ml Gin, (bei mir der gute Duke, wenn schon, denn schon)
50 ml Crème double und
den Saft von 2 Limetten geben. Pürieren und mit
Chardonnay-Essig (bei mir schnöder Weißweinessig),
Salz,
Pfeffer und
Zucker abschmecken

Das ganze mit 4–6 TL Agar-Agar oder Gelatine nach Packungsanweisung binden. Sobald die Masse fest zu werden beginnt, noch
150 ml geschlagene Sahne unterheben. Im Kühlschrank festwerden lassen.

Für den Gurkensalat
1 Grapefruit schälen, die Filets auslösen und klein schneiden.
1 Gurke schälen, entkernen und in kleine Würfel schneiden.
1/4 Bund Minze oder Dill (bei mir einfach beides) und
1/4 Bund Basilikum fein hacken und mit
10 ml Gin sowie
5 ml Grand Marnier (bei mir Cointreau) mischen. Über die Grapefruitfilets geben.

Die Gurken leicht salzen, die marinierten Filets darübergeben, von der Mousse Nocken abstechen und alles hübsch mit wenig Dill bestreuen.

Meine Gelatinefähigkeiten sind sehr tagesformabhängig, weswegen ich aus meinem Mousseschüsselchen auch gerade eine Pseudonocke herausbekommen habe. Nach dem Fotografieren habe ich den Rest einfach so als Dressing über den Salat gekippt, das schmeckte auch hervorragend. Ich mochte die Frische der Gurke, die ganz leichte Bitterkeit der Grapefruit, den Hauch von Schnaps im Hintergrund und die Sahnigkeit der Mousse. Eigentlich alles ganz simpel, aber dann doch ziemlich großartig.

IMG_1327

Spaghetti mit Pesto aus gerösteten Roten Beten und Mandeln

Mein Facebook-Account ist geschützt, ich habe recht wenige Kontakte und gucke auch sehr selten rein. Meine Timeline besteht eigentlich nur aus der NY Times, der Washington Post, der Süddeutschen, den paar Kontakten und – vielen Fressfilmchen von Tasty oder Tastemade. Von letzteren kommen auch diese Spaghetti.

IMG_1309_500

Ich schreibe mal die Originalmengen auf, die laut Rezept für zwei Personen reichen sollen. Ich habe die Hälfte davon für mich alleine gemacht und hatte irrwitzig viel Sauce übrig, obwohl ich Team Sauce bin, daher wäre mein Tipp: Hälfte reicht auch. Kann man natürlich auch mal zwei Tage hintereinander essen.

3 gewaschene Rote Bete mit Schale (bei mir waren es nur zwei, die mit Schale 275 g gewogen haben) auf ein großes Stück Alufolie legen.
Olivenöl,
Salz und
Pfeffer drüber, die Bete damit einreiben, dann aus der Folie eine Art Tasche basteln (sieht man im oben verlinkten Video gut) und zwei, drei
EL Wasser dazugeben. Die Tasche verschließen und im 200° heißen Backofen für 30 bis 40 Minuten kochen, bis die Bete weich, aber noch bissfest sind. (Diese Angabe aus dem Originalrezept ist eigentlich egal, denn die Dinger werden eh püriert.)

Die Bete leicht abkühlen lassen und dann die Schale entfernen. Im Video geht das mit Papiertüchern und abrubbeln, ich persönlich habe für sowas (und fürs Chilischotenschneiden) Einweghandschuhe in der Küche.

Von einer Biozitrone einen großen Streifen Schale mit einem Sparschäler abschneiden, daraus feine Streifen schneiden. Oder gleich mit dem Zestenreißer feine Streifen machen, den habe ich aber nicht. Das Zeug brauchen wir nachher für die hübsche Deko.

Die Bete in grobe Würfel schneiden und in einen Zerkleinerer geben. Dazu noch
3 Knoblauchzehen,
75 g Mandeln,
Saft und abgeriebene Schale der eben schon angeschnittenen Biozitrone,
40 g Parmesan und
60 ml Olivenöl geben. Aus allem ein schönes Pesto machen, notfalls noch Öl nachgießen. Ich habe es nicht ganz so fein hinbekommen wie im Video, aber ich mag’s ja eh etwas grobschlächtiger.

250 g Spaghetti in ordentlich Salzwasser bissfest kochen. Abgießen und ein, zwei Tassen Wasser zurückbehalten. Ich habe die Spaghetti zeitgleich mit dem nächsten Schritt erledigt und einfach kellenweise Wasser aus dem Topf in die Pfanne geschöpft. Ihr versteht gleich, was ich meine:

In einer Pfanne
1 große Schalotte, geviertelt, und
2 Knoblauchzehen, in Scheibchen, in
Olivenöl andünsten. Eigentlich sollten hier auch Stiele und Blätter der roten Bete mitdünsten. Bei mir im Supermarkt gab’s die Bete leider ohne Grünzeug, deswegen musste ich darauf verzichten.

Pesto und Nudelwasser in beliebiger Menge in die Pfanne geben, bis daraus ein Sößchen wird, das euren Vorstellungen entspricht. Die abgegossenen Spaghetti damit vermischen und mit
Petersilie,
den Zitronenzesten und
Parmesan auf einem Teller in Kontrastfarbe servieren.

Ich war überrascht davon, wie schön die Zitrone gegen die Erdigkeit der Bete ankommt. Das ganze schmeckt frischer als gedacht, aber gleichzeitig so schön herzhaft, wie ich es bei roter Bete und Parmesan erwartet hatte.

#nofilter übrigens. Nicht mal an der Helligkeit rumgedreht, nix.

IMG_1313