{"id":960,"date":"2005-07-13T07:34:10","date_gmt":"2005-07-13T05:34:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=960"},"modified":"2005-07-13T07:44:05","modified_gmt":"2005-07-13T05:44:05","slug":"bloggers-need-not-apply","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=960","title":{"rendered":"&#8220;Bloggers need not apply&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Nach der \u201eBlogger wegen Blog gefeuert\u201c-Hysterie kommt hier eine neue Variante, warum Weblogs ganz, ganz b\u00f6se sind: Blogger werden gar nicht erst eingestellt. Jedenfalls, wenn es nach einem anonymen Professor eines Colleges im Mittleren Westen der USA geht, der in <a href=\"http:\/\/chronicle.com\/jobs\/2005\/07\/2005070801c.htm\">diesem Artikel<\/a> die Weblogs einiger Bewerber durchhechelt \u2013 und nat\u00fcrlich tiefenpsychologisch zu deuten wei\u00df:<\/p>\n<blockquote><p>Professor Turbo Geek&#8217;s blog had a presumptuous title that was easy to overlook, as we see plenty of cyberbravado these days in the online aliases and e-mail addresses of students and colleagues. But the site quickly revealed that the true passion of said blogger&#8217;s life was not academe at all, but the minutiae of software systems, server hardware, and other tech exotica. It&#8217;s one thing to be proficient in Microsoft Office applications or HTML, but we can&#8217;t afford to have our new hire ditching us to hang out in computer science after a few weeks on the job.<\/p>\n<p>Professor Shrill ran a strictly personal blog, which, to the author&#8217;s credit, scrupulously avoided comment about the writer&#8217;s current job, coworkers, or place of employment. But it&#8217;s best for job seekers to leave their personal lives mostly out of the interview process.<\/p>\n<p>It would never occur to the committee to ask what a candidate thinks about certain people&#8217;s choice of fashion or body adornment, which countries we should invade, what should be done to drivers who refuse to get out of the passing lane, what constitutes a real man, or how the recovery process from one&#8217;s childhood traumas is going. But since the applicant elaborated on many topics like those, we were all ears. And we were a little concerned. It&#8217;s not our place to make the recommendation, but we agreed a little therapy (of the offline variety) might be in order.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das hei\u00dft also, dass jemand, der ein Hobby hat, diesem automatisch irgendwann w\u00e4hrend seiner Arbeitszeit nachgehen wird? Und dass man in Vorstellungsgespr\u00e4chen am besten gar nichts Pers\u00f6nliches von sich erz\u00e4hlen sollte? Wonach soll man einen Menschen denn beurteilen wenn nicht nach pers\u00f6nlicher Sympathie, wenn die \u201enormalen\u201c Jobanforderungen erf\u00fcllt sind?<\/p>\n<p>Ich nehme an, die Einstellungskriterien im Elfenbeinturm sind andere als in den Jobs, in denen ich bisher gearbeitet habe. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass an einem College oder einer Universit\u00e4t nur Leute sitzen, die den ganzen Tag ausschlie\u00dflich \u00fcber ihr Fachgebiet nachdenken und auch nach Feierabend nur dar\u00fcber reden m\u00f6chten oder sich nur mit Menschen austauschen, die demselben Fachgebiet angeh\u00f6ren. Irgendwann hat sicher auch mal ein Professor schlechte Laune und will ein bisschen \u00fcber den lahmen Kellner l\u00e4stern, der ihn mittags bedient hat, oder sich \u00fcber seine lauten Nachbarn aufregen oder auch nur mal seine Umgebung wissen lassen, was er heute f\u00fcr einen anstrengenden Tag gehabt hat. Ich halte diese Dinge f\u00fcr v\u00f6llig normal. <\/p>\n<p>Ich selbst schreibe zwar nicht in meinem Weblog \u00fcber L\u00e4nder, in die wir einmarschieren sollten (das hat bei uns ja sowieso noch nie funktioniert), aber auch ich erw\u00e4hne mal Arschlochautofahrer und einige seelische Narben, die ich mit mir herumtrage. All das macht mich menschlich und nicht zu einem Psychowrack, das dringend auf die Couch muss. Gut, ich gebe zu, wenn ich w\u00e4hrend der Recherche im Weblog den Eindruck bekomme, dass der Bewerber ein rassistischer, frauenfeindicher, rechtschreibschwacher Mistkerl ist, w\u00fcrde ich ihn auch nicht unbedingt den Kurs \u201eDeutsch f\u00fcr Ausl\u00e4nder\u201c an einer reinen M\u00e4dchenschule leiten lassen wollen. Aber ein ganz normales Weblog \u2013 und ich hoffe, die Definition daf\u00fcr spaltet jetzt nicht wieder die \u201eCommunity\u201c \u2013 sollte keinesfalls ein Ausschlusskriterium bei einer Bewerbung sein, vor allem, wenn der Autor (wie einer der Bewerber im Artikel) explizit nichts \u00fcber seine Arbeit oder Kollegen schreibt.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Tatsache, dass der Autor des Artikels oben genannte \u00c4u\u00dferungen nicht als normal ansieht und dazu noch die v\u00f6llige Vest\u00e4ndnislosigkeit dem Medium gegen\u00fcber (&#8220;The pertinent question for bloggers is simply, Why? What is the purpose of broadcasting one&#8217;s unfiltered thoughts to the whole wired world? It&#8217;s not hard to imagine legitimate, constructive applications for such a forum. But it&#8217;s also not hard to find examples of the worst kinds of uses.&#8221;), haben mich ge\u00e4rgert, sondern dar\u00fcber hinaus noch das \u00fcbliche Missverst\u00e4ndnis, dass man aus einem Weblog wirklich <em>wissen<\/em> k\u00f6nnte, wer der Mensch hinter den Zeilen sei. Ich habe einige Blogger kennengelernt und fand es jedesmal \u00fcberraschend, den Autor bzw. die Autorin zu sehen, zu h\u00f6ren, ihm oder ihr beim Gestikulieren, Schnellsprechen, Kleidung zurechtzupfen, Bier trinken und Lachen zuzuschauen. Kein Mensch war so, wie ich erwartet hatte. Ich fand alle Bekanntschaften genauso nett und faszinierend wie ihre Weblogs, aber jeder und jede von ihnen ist weit mehr als ein paar Buchstaben im Netz. Wer glaubt, jemanden zu kennen oder sogar dessen berufliche F\u00e4higkeiten anhand eines Weblogs absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, hat das Internet nicht verstanden.<\/p>\n<p>(Au\u00dfer man ist Texter. Dann macht konstantes, halbwegs pointiertes und vielf\u00e4ltig interessiertes Gebrabbel echt einen guten Eindruck.)<\/p>\n<p>(Link via <a href=\"http:\/\/www.malorama.de\/2005_07_01_archiv.php3#112116189112044612\">Malorama<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.campcatatonia.org\/\">Camp Catatonia<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der \u201eBlogger wegen Blog gefeuert\u201c-Hysterie kommt hier eine neue Variante, warum Weblogs ganz, ganz b\u00f6se sind: Blogger werden gar nicht erst eingestellt. 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