{"id":4758,"date":"2009-06-29T10:14:30","date_gmt":"2009-06-29T08:14:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=4758"},"modified":"2009-07-03T14:31:26","modified_gmt":"2009-07-03T12:31:26","slug":"die-unterhaltungsindustrie-in-den-zeiten-der-cholera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=4758","title":{"rendered":"Die Unterhaltungsindustrie in den Zeiten der Cholera"},"content":{"rendered":"<p>Konstantin Klein stellt einen wichtigen <a href=\"http:\/\/networkedblogs.com\/p6724714\">Antrag zur Gesch\u00e4ftsordnung<\/a>: Als Mitglied der Piratenpartei m\u00f6chte er, dass sich diese endlich einen Kopf darum macht, wie man K\u00fcnstler vern\u00fcnftig entlohnen kann, sieht aber auch schon einen Fl\u00fcgelkampf zwischen Bezahlern und Downloadern.<\/p>\n<p>Ich habe bei der Europawahl <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=4589\">mein Kreuz bei den Piraten gemacht<\/a>, obwohl mir genau dieser Punkt \u2013 die K\u00fcnstlerverg\u00fctung und das Urheberrecht \u2013 in ihrem noch unvollst\u00e4ndigen und konstant in Arbeit befindlichen <a href=\"http:\/\/wiki.piratenpartei.de\/Parteiprogramm\">Parteiprogramm<\/a> auch noch Kopfschmerzen bereitet.<\/p>\n<p>Im Folgenden m\u00f6chte ich ein paar Gedanken zur Zukunft von B\u00fcchern, Musik und Filmen zusammenfassen, mit denen ich mich in den letzten Tagen und Wochen besch\u00e4ftigt habe. Eine finale L\u00f6sung f\u00fcr alle Probleme dieser Welt habe ich nicht, aber vielleicht ein paar Ans\u00e4tze. Ein Punkt ist mir allerdings klargeworden: Das Urheberrecht muss sich anpassen, zum Beispiel in Richtung Creative Commons. Jeder, der m\u00f6chte, <em>darf<\/em> seine Werke unter dieser Lizenz ver\u00f6ffentlichen, <em>muss<\/em> es aber nicht. Das k\u00e4me einer Entm\u00fcndigung gleich. Und: Kunst muss genauso bezahlt werden wie andere Arbeit. Jeder, der eine Leistung erbringt, sollte daf\u00fcr entlohnt werden, ganz klar. Ob diese Leistung jetzt ist, mir morgens die M\u00fclltonnen zu entleeren oder einen Song zu schreiben, f\u00fcr den ich Geld bezahle, ist v\u00f6llig egal. Arbeit muss sich wieder lohnen. (Guck mal, ein partei\u00fcbergreifend funktionierender Satz!)<\/p>\n<p><strong>1. B\u00fccher<\/strong><\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Medium an, das mir am meisten am Herzen liegt: B\u00fccher. Ich behaupte, dass sich hier, trotz der Online-Verf\u00fcgbarkeit von H\u00f6rb\u00fcchern, am wenigsten \u00e4ndern wird. Das gedruckte Buch wird sich nicht so schnell von eBooks verdr\u00e4ngen lassen und zwar aus f\u00fcrchterlich unlogischen Gr\u00fcnden. Ich behaupte, dass Leute, die viel und gerne und freiwillig lesen, das immer noch lieber auf Papier tun als mit einem Laptop oder einem Kindle auf dem Scho\u00df. Das Gef\u00fchl, Seiten umzubl\u00e4ttern, die M\u00f6glichkeit, sch\u00f6ne S\u00e4tze unterstreichen zu k\u00f6nnen (ja, ich glaube zu wissen, dass das beim Kindle auch geht) und nicht zuletzt die Haptik und der Geruch eines Buches sind ziemlich unschlagbare Gr\u00fcnde. Ich wei\u00df, dass die eReader immer besser werden, dass das Lesen auf ihnen immer angenehmer wird, aber ich glaube trotzdem \u2013\u00a0und ich kann es leider nicht anders als mit dem <em>Gef\u00fchl<\/em>, ein Buch in der Hand zu haben, begr\u00fcnden \u2013, dass meine MitstreiterInnen und ich weiterhin unsere Urlaubskoffer mit f\u00fcnf W\u00e4lzern zustopfen werden anstatt mit einem schlanken eReader. Daher glaube ich, dass sich der Buchhandel am wenigsten Sorgen machen muss. Wir werden euch weiterhin die Regale leerkaufen \u2013 was bedeutet, dass sich auch Autoren noch nicht so gro\u00dfe Sorgen machen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>H\u00f6rb\u00fccher sind da schon ein anderer Schnack. Da sie viel leichter online zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen als ihre gedruckten Kumpels, sind sie nat\u00fcrlich auch leichter mal eben so mitzunehmen. Wobei dieses \u201eMal eben so mitnehmen\u201c genau der Punkt ist, an dem ich der Musik- und Filmindustrie und jetzt eben auch den Verlagen, die H\u00f6rb\u00fccher produzieren, energisch widersprechen m\u00f6chte: Niemand klaut, weil ihm nichts besseres einf\u00e4llt. Wenn die M\u00f6glichkeit da ist, Autoren\/Produzenten\/Komponisten Geld zukommen zu lassen, wird diese M\u00f6glichkeit durchaus wahrgenommen. Und damit komme ich zu:<\/p>\n<p><strong>2. Musik<\/strong><\/p>\n<p>In den US-Amazon-Charts 2008 ist das Album <em>Ghosts I-IV<\/em> der Nine Inch Nails auf Platz 1 <a href=\"http:\/\/www.longtail.com\/the_long_tail\/2009\/01\/the-best-sellin.html\">gelandet<\/a>. Allein in der ersten Woche hat es <a href=\"http:\/\/www.wired.com\/listening_post\/2008\/03\/nine-inch-nai-2\/\">1,6 Millionen Dollar<\/a> \u201eeingespielt\u201c. Das Besondere: Das Album wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz ver\u00f6ffentlich und konnte daher umsonst und legal von diversen Filesharing-Seites heruntergeladen werden. Trotzdem scheint es noch genug Fans zu geben, die Geld daf\u00fcr bezahlen m\u00f6chten, obwohl sie nicht m\u00fcssten. Und das ist genau der Punkt, den die Unterhaltungsindustrie (der Name allein schon!) nicht versteht: dass Musikh\u00f6rer, Filmliebhaber und Leser den Menschen, die ihre Unterhaltung produzieren, durchaus entlohnen <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/weblog\/entry\/11947\">wollen<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;NIN fans could have gone to <a href=\"http:\/\/www.legaltorrents.com\/torrents\/146-ghosts-i-iv\">any file sharing network<\/a> to download the entire CC-BY-NC-SA album legally. Many did, and thousands will continue to do so. So why would fans bother buying files that were identical to the ones on the file sharing networks? One explanation is the convenience and ease of use of NIN and Amazon\u2019s MP3 stores. But another is that fans understood that purchasing MP3s would directly support the music and career of a musician they liked.<\/p>\n<p>The next time someone tries to convince you that releasing music under CC will cannibalize digital sales, remember that <em>Ghosts I-IV<\/em> broke that rule, and point them here.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Was mir bei der ganzen Download-Diskussion so \u00fcbel aufst\u00f6\u00dft, ist das ewige Gejammer, dass fr\u00fcher alles besser war. Da musste man als Musikliebhaber eben in einen Laden gehen, sich eine Vinylscheibe oder eine CD mit viel Plastik drumrum kaufen und wieder nach Hause gehen. Dass auch damals schon diese Platte oder CD f\u00fcr Freunde beliebig oft kopiert wurde, sei es auf Kassette oder auf gebrannter CD, scheint nicht so wild gewesen zu sein. Genau wie die Tatsache, dass ich pers\u00f6nlich \u2013 und damit bin ich sicher nicht alleine \u2013 noch eine Riesenkiste an Tapes in meiner Wohnung lagere, auf denen nichts anderes ist als Musik, die ich aus dem Radio mitgeschnitten habe. Ich besitze tausende von Liedern, f\u00fcr die ich nichts bezahlt habe (Rundfunkgeb\u00fchr mal au\u00dfen vor). Und unglaublicherweise bin ich <em>trotzdem<\/em> \u2013\u00a0obwohl ich alles umsonst haben konnte \u2013 in einen Laden gegangen, um mir CDs zu kaufen. Zum Beispiel von den K\u00fcnstlern, von denen ich einen Song im Radio geh\u00f6rt habe, der mir so gut gefallen hat, dass ich die ganze CD haben wollte. <\/p>\n<p>Ich glaube, dass man es uns als Konsumenten so einfach wie m\u00f6glich machen muss \u2013 und netterweise ist das in diesen b\u00f6sen, digitalen Zeiten auch problemlos m\u00f6glich. Ich verstehe nicht, warum man auf alten Vertriebswegen beharrt, wenn die neuen viel unkomplizierter sind. Was spricht gegen iTunes oder Amazon? Vielleicht ihre Monopolstellung. Also her mit neuen, legalen, kostenpflichtigen und fair bepreisten Downloadm\u00f6glichkeiten, die eine noch gr\u00f6\u00dfere Bandbreite haben als die jetzigen, eher auf den Mainstream ausgelegten Portale.<\/p>\n<p>Ich tr\u00e4ume von einer Site mit klassischer Musik \u2013 vielleicht mit einem angelagerten Forum, in dem sich Fans austauschen und auf besondere St\u00fccke hinweisen k\u00f6nnen. Daran k\u00f6nnte man gleich noch eine Konzertkartenb\u00f6rse anschlie\u00dfen. Man k\u00f6nnte bei jeder Suche nach einem Interpreten auch dessen Webseite auflisten, auf der zus\u00e4tzliche Informationen zum MP3 stehen \u2013 vielleicht sogar Videos vom Einspielen oder Konzertausschnitte. Man k\u00f6nnte eine lokale Suchfunktion anbieten \u00fcber H\u00e4ndler, die die CD im Regal stehen haben, wenn es eben doch nicht nur ein MP3 sein soll, sondern das \u201egro\u00dfe Paket\u201c mit Booklet und allem. (Wenn Ikea es hinkriegt, alle seine M\u00e4rkte zu vernetzen, um dem Onlinekunden zu zeigen, ob Billy in Buche in seinem n\u00e4chstgelegenen Ikea vorr\u00e4tig ist, sollten das andere auch hinkriegen. Stichwort <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Radio_Frequency_Identification\">RFID<\/a>.)<\/p>\n<p>Es gibt so viele neue, spannende und vor allem lohnende M\u00f6glichkeiten, Musikkonsumenten dazu zu kriegen, Musik zu kaufen \u2013 warum wird das \u201eneue\u201c Medium Internet nicht genutzt anstatt es zu verdammen? Derartige Portale w\u00fcrden auch f\u00fcr Jazz funktionieren, f\u00fcr Schlager, f\u00fcr Independent, f\u00fcr Musik, die bisher nur in kleinen St\u00fcckzahlen aufgelegt werden konnte, weil die K\u00fcnstler es sich einfach nicht leisten konnten, CDs zu pressen, diese ausliefern zu lassen und darauf hoffen mussten, dass irgendein Laden sie verkauft. <\/p>\n<p>Stichwort Eigenverlag. Jeder K\u00fcnstler kann sich heute eine Webseite bauen und dort seine Musik direkt zum Download anbieten. <a href=\"http:\/\/www.wired.com\/underwire\/2007\/10\/fans-to-determi\/\">Radiohead<\/a> haben es erfolgreich vorgemacht \u2013 warum machen das nicht mehr Bands? Ich muss gestehen, ich habe keine tiefen Einblicke in das Musikgesch\u00e4ft und sehe das alles nur aus Konsumentensicht. Aber ich glaube, dass es f\u00fcr K\u00fcnstler genauso lohnend sein kann, seine Musik selbst anzubieten als wenn es \u00fcber einen Musikverlag geht. Vielleicht sogar noch lohnender, weil der ganze Wasserkopf wegf\u00e4llt. <\/p>\n<p>Ich habe eine Zahl im Hinterkopf, dass der K\u00fcnstler von jeder verkauften CD zehn Prozent des Erl\u00f6ses bekommt, der Rest geht an das Label, aber ich bin mir \u00fcberhaupt nicht sicher, ob das stimmt. Daher m\u00f6chte ich mich etwas zur\u00fcckhalten, was die Entlohnung von Musikern angeht. Aber soweit ich wei\u00df, kommt der Gro\u00dfteil der Einnahmen eher aus Konzerten und anderen Auftritten \u2013 und die werden durch die Onlineverk\u00e4ufe bzw. die illegalen Downloads nicht beeintr\u00e4chtigt. Im Gegenteil, auf sie k\u00f6nnte besonders hingewiesen werden bzw. der Kartenverkauf k\u00f6nnte vereinfacht werden, wie ich ein paar Zeilen weiter oben geschrieben habe.<\/p>\n<p>(Weitere Erl\u00f6smodelle <a href=\"http:\/\/www.78s.ch\/2009\/03\/14\/die-cd-ist-tot-lang-lebe-ja-was-eigentlich\/\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p><strong>3. Filme<\/strong><\/p>\n<p>Hier gilt das gleiche wie bei Musik: Macht es mir einfach, und ich bezahle euch gerne. Stempelt mich von vornherein zum Kriminellen, dann bin ich brastig und komme euch mit sehr wenig Mitleid entgegen. Das Gef\u00fchl habe ich jedenfalls immer, wenn ich eine legal ausgeliehene DVD angucken m\u00f6chte und mir erstmal einen dramatischen Raubkopierspot angucken muss, den ich nicht vorskippen kann.<\/p>\n<p>Was mir bei der heutigen Filmindustrie nicht in den Kopf will, ist dieses altmodische Modell, Filme erst ins Kino zu bringen, ein paar Monate sp\u00e4ter auch in die im Ausland, wiederum ein paar Monate sp\u00e4ter gibt es die DVD, und irgendwann kommt der Film mit Werbung durchsetzt und ohne Abspann im Fernsehen. Das ist ungef\u00e4hr genauso schwachsinnig, als wenn Madonna ihr neues Album in den USA im Januar rausbringt und in Deutschland erst im Mai. Wenn Musik weltweit halbwegs gleichzeitig zu haben ist, warum dann nicht auch Filme? Oder TV-Serien? Warum verspielt die Industrie bergeweise Einspielgelder anstatt sich den Hype eines neuen Films zunutze zu machen? Siehe <em>Matrix Reloaded<\/em>: beknackter Film, aber weltweit am gleichen Tag gestartet, um weltweit Leute ins Kino zu kriegen (und die Tauschb\u00f6rsen \u2013 und wahrscheinlich Filmkritiker und Mundpropaganda \u2013 auszutricksen).<\/p>\n<p>Was die Filmindustrie immer beklagt: Leute gehen nicht mehr ins Kino, weil sie den Film vorher schon aus dem Internet gezogen haben. Ich behaupte, Leute, die einen Film im Kino sehen wollen, gehen nicht nur da hin, weil sie einen Film sehen m\u00f6chten, sondern weil sie das Erlebnis Kino sch\u00e4tzen. Das hei\u00dft im Idealfall gro\u00dfe Leinwand, Kracherton, bequeme Sitze und gute Freunde um einen herum, mit denen man <em>nach dem Kino<\/em>, liebe Kinder, den Film ausgiebig besprechen kann. <\/p>\n<p>Ein heruntergeladener Film ist ein ganz anderes Erlebnis, genau wie eine DVD: Die wird zuhause geguckt, eher alleine und zu nicht festgelegten Zeiten. Beide Arten, einen Film zu genie\u00dfen, haben ihre Berechtigung. Und deswegen w\u00fcrde ich mir von der Filmindustrie w\u00fcnschen, auch beide Arten wahrzunehmen. Was spricht dagegen, einen Film ins Kino zu bringen und ihn <em>zeitgleich<\/em> zum Download anzubieten? Steven Soderbergh hat es ganz \u00e4hnlich vorgemacht: Sein Film <em><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Bubble_(film)\">Bubble<\/a><\/em> erschien gleichzeitig im Kino und im Fernsehen, und ein paar Tage sp\u00e4ter gab es auch gleich die DVD.<\/p>\n<p>Das Jammern der Kinoindustrie erinnert mich ein bisschen an die Zeit, als das Fernsehen immer allgegenw\u00e4rtiger wurde. Nat\u00fcrlich sind einige Kinos dabei auf der Strecke geblieben, aber es gibt immer noch genug Leute, die ins Kino gehen. Ich meine, dass sich Filme ge\u00e4ndert haben, seit sie mehr um ihre Zuschauer k\u00e4mpfen mussten. Kino ist ein j\u00fcngeres Medium geworden; ins Kino geht man am liebsten in fiese Blockbuster mit grellen Explosionen, die im Fernsehen weitaus weniger Spa\u00df machen. Ich glaube, dass Filme, die nicht unbedingt so viel Platz und Lautst\u00e4rke brauchen, auch prima zuhause aufgehoben sind. Was f\u00fcr mich bedeutet: jeder Film sollte das Medium bekommen, das zu ihm passt \u2013\u00a0und ich als Konsument kann mir aussuchen, wie ich meinen Film sehen m\u00f6chte. Reicht mir der pure Film, ohne DVD-H\u00fclle und Beileger, kann ich ihn mir herunterladen. Nat\u00fcrlich am Starttag des Films. M\u00f6chte ich ihn in Gesellschaft genie\u00dfen, gehe ich ins Kino. Und lege ich Wert auf Bonusmaterial, Behind-the-Scenes-Infos und verschiedene Sprachfassungen, greife ich zur DVD, die ebenfalls zeitgleich mit dem Film in den Handel kommt. Wenn ich alle diese M\u00f6glichkeiten habe, wird meiner Meinung nach der illegale Download stark zur\u00fcckgehen, einfach weil es nicht mehr n\u00f6tig ist, sich einen Film online zu ziehen, um nicht drei Monate warten zu m\u00fcssen, bis er endlich in Deutschland erscheint.<\/p>\n<p><strong>4. Verg\u00fctung und Urheberrecht<\/strong><\/p>\n<p>Ich hoffe, dass ich mit den obenstehenden Zeilen begr\u00fcnden konnte, warum ich daran glaube, dass Menschen durchaus bereit sind, f\u00fcr Kunst bzw. Unterhaltung zu bezahlen. Und wenn wir das tun anstatt uns die Festplatte mit illegalen Downloads zuzuknallen, die wir eh nie konsumieren, k\u00f6nnen K\u00fcnstler auch davon leben. So wie bisher auch. Glaube ich, ich bin kein K\u00fcnstler. Ich trete alle meine Rechte an meinen Werbetexten an Agenturen und Kunden ab. Womit wir bei den Rechten w\u00e4ren. Wie schon gesagt, ich denke, das Urheberrecht muss sich den neuen M\u00f6glichkeiten anpassen. Ich glaube nicht, dass es heute m\u00f6glich ist, ein Copyright auf so lange Zeit auszudehnen wie vor dem Internetzeitalter. 75 Jahre bei B\u00fcchern? Keine Chance. Aber wie es aussehen k\u00f6nnte, wei\u00df ich leider auch nicht. Das ist ein Punkt, bei dem ich \u00fcberhaupt keine Idee habe. Ich hoffe mal ganz naiv, dass sich diese Frage relativieren wird, je einfacher es dem Konsumenten gemacht wird, urheberrechtlich gesch\u00fctzte Werke legal zu erwerben. Aber da kann ich nat\u00fcrlich auch total daneben liegen.<\/p>\n<p><strong>5. Anmerkung<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Eintrag w\u00e4re einer der wenigen, bei dem ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte Kommentare. Dieses Bloglayout ist daf\u00fcr leider nicht eingerichtet, aber wenn ihr mich auf komplette Irrt\u00fcmer hinweisen oder etwas Erg\u00e4nzendes beisteuern wollte, dann bitte per Mail an mich (mail &#8216;dings&#8217; ankegroener &#8216;dings&#8217; de). Ich f\u00fcge eure Anmerkungen gerne an diesen Text an. Auch weil ich selber mit mir ringe, in welche Richtung dieser ganze Themenkomplex f\u00fchren wird. (Und ob ich Pirat werden soll oder nicht. Bisschen zu wenig \u00d6strogen da in dem Laden.)<\/p>\n<p>&#8212; <\/p>\n<p>Edit, weil auf Twitter mal kurz <a href=\"http:\/\/twitter.com\/textundblog\/status\/2385618259\">gen\u00f6ckelt<\/a> wurde: Ja, das liegt am Layout, dass ich gerade keine Kommentare zulassen kann. Als mich mein pers\u00f6nlicher <a href=\"http:\/\/c-fischer.com\/\">Style-Sheet-Servant<\/a> beim <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=3140\">Layoutumbauen<\/a> gefragt hatte, ob ich ein Kommentarfeld gestaltet haben m\u00f6chte, hab ich \u201eNein\u201c gesagt, weil ich eben keine Kommentare haben wollte. Und auch kein ewiges \u201eComments Off\u201c unter den Eintr\u00e4gen wie bisher im roten Layout. Deswegen kann ich in der WordPress-Eingabemaske jetzt \u201eAllow Comments\u201c so oft anklicken, wie ich will \u2013 wenn kein Kommentarfeld definiert wurde, kommt da auch nix. Und im Moment hat Herr Fischer was Besseres zu tun als \u00fcberfallartige W\u00fcnsche von mir zu erf\u00fcllen. Zu Recht :-)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Kommentare:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.orkpiraten.de\/blog\/index.php\">Christian<\/a>: \u201eWas viele Leute gerne vergessen, ist dass Dinge wie Patente, Urheberrechte, exkl. Verwertungsrechte etcpp. ja keine &#8220;nat\u00fcrlichen&#8221; Eigentumsrechte wie Grundbesitz oder ein Auto sind.<\/p>\n<p>Sondern es sind von der Gesellschaft gew\u00e4hrte Ausnahmeregelungen um Forschung und Kultur zu f\u00f6rdern. Wer Geld und Zeit investiert um etwas zu erfinden, soll davon auch profitieren d\u00fcrfen. Wer sich k\u00fcnstlerisch bet\u00e4tigt, soll davon leben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Das hat auch lange Zeit gut so funktioniert, allerdings sind diese Ausnahmeregelungen \u00fcber die letzten 50 Jahre immer weiter ausgedehnt worden, und viele denken mittlerweile, dass es nat\u00fcrliche Besitzrechte sind, anstatt besondere Privilegien. Im Endeffekt f\u00f6rdern diese Regelungen nur noch bedingt Forschung und Kultur, sondern stehen dem eigentlichen Ziel fast schon im Weg.<\/p>\n<p>Unsere Gegenwartskultur besteht zu einem gro\u00dfen Teil aus Zitaten, den ber\u00fchmt\/ber\u00fcchtigten Mash-ups, technische Innovationen beruhen h\u00e4ufig auf den Vorleistungen anderer, und \u00fcber die Probleme die wir als Gesellschaft mit der Pharmaforschung haben will ich gar nicht anfangen<br \/>\nzu reden.<\/p>\n<p>DAS sind die Gr\u00fcnde, warum wir Patent- und Urheberrecht reformieren m\u00fcssen, nicht damit jemand das neue DSDS-Album kostenlos herunterladen kann. &#8220;Raubkopiererei&#8221; ist eigentlich nur ein Nebenschauplatz&#8230; ;)\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Daniel: \u201eNIN wird zu Recht sehr h\u00e4ufig als Beispiel genutzt um aufzuzeigen, dass es auch m\u00f6glich ist auf eine &#8220;freiere&#8221; Weise Musik zu vertreiben und dabei erfolgreich zu sein. Allerdings hat sich NIN nat\u00fcrlich \u00fcber die althergebrachte Unterhaltungsindustrie, welche meiner Meinung nach eigentlich eher eine &#8220;Vertriebsindustrie&#8221; ist (war?), bereits eine entsprechende Fanbase aufgebaut und daher ist es wahrscheinlich etwas leichter Geld z.B. \u00fcber diverse &#8220;Special Editions&#8221; eines neuen Albums zu verdienen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jonathancoulton.com\/\">Jonathan Coulton<\/a> dagegen ist bisher komplett ohne Label ausgekommen und trotzdem f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse erfolgreich. Zwar ist er kein Multi-Millilon\u00e4r-Rockstar &#8211; aber er kann von seiner Musik leben und verdient mittlerweile mehr als in seinem Programmierer-Job, den er f\u00fcr die Musik aufgegeben hat. Er macht im Grunde genau die Dinge, die du in deinem Eintrag angesprochen hast. Man kann die meisten Tracks kostenlos \u00fcber seine Webseite downloaden oder aber auch direkt dort kaufen. Ein Gro\u00dfteil seines Einkommens kommt soweit ich weiss allerdings aus Konzerten und Merchandising.<\/p>\n<p>Ich bin selber zwar kein gro\u00dfer JC Fan &#8211; habe vielleicht zwei oder drei Songs von ihm gekauft &#8211; und JC bedient nat\u00fcrlich h\u00e4ufig eine Computer-Geek Nische, welche gerade \u00fcber das Internet gut zu erreichen ist, was es f\u00fcr ihn anfangs sicherlich leichter gemacht hat eine Fanbase aufzubauen. Trotzdem ist er wahrscheinlich eins der besten Beispiele, dass es auch ohne Major Label und die Unterhaltungindustrie m\u00f6glich ist sich als K\u00fcnster zu etablieren.\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Tilla hat mich auf ihren eigenen <a href=\"http:\/\/www.spuer-sinn.net\/blog3\/ahoi\/\">Blogeintrag<\/a> hingewiesen, in dem sie sich als Fotografin mit dem Urheber- und Verwertungsgesetz befasst. In ihrem Artikel sind zwei Blogeintr\u00e4ge der Musikerin Karan verlinkt (<a href=\"http:\/\/www.troubadoura.de\/index.php\/warum-ich-noch-nicht-in-die-piratenpartei-eintrete\/\">eins<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.troubadoura.de\/index.php\/was-macht-kunst-wertvoll\/\">zwei<\/a>).<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.joeladami.net\/\">Jo\u00ebl<\/a>: \u201eZum Thema Klassik: <a href=\"http:\/\/www.deutschegrammophon.com\">www.deutschegrammophon.com<\/a> hat in meinen Augen durchaus Potential, vor allem weil sie ihre Musik auch verlustfrei anbieten. Aber das Forum usw. fehlt leider.<\/p>\n<p>Ein wenig Schade finde ich, dass du gar nichts zur Kulturflatrate gesagt hast. Ich denke, dass ein gut \u00fcberlegtes und ausgereiftes Modell, das eben nicht von der U-Industrie diktiert wurde, durchaus Potential h\u00e4tte. Eine Kulturflatrate hei\u00dft ja nicht, dass aufgeh\u00f6rt wird, Musik\/Filme zu kaufen, wie du es beschreibst, aber es k\u00f6nnte die (meiner Meinung nach) unausweichlichen Downloads zumindest entsch\u00e4digen. (Wenn du heute eine CD brennst, wird das ja dadurch entsch\u00e4digt, dass du eine kleine &#8220;Brennflatrate&#8221; auf deinem Rohling bezahlst) Ich denke, dass es vor allem wichtig w\u00e4re, wenn eingesehen w\u00fcrde, dass Downloads nicht unbedingt schlecht snd, sondern mehr eine Art Werbung. Denn ohne Downloadm\u00f6glichkeit h\u00e4tte ich viele Bands nie kennengelernt, f\u00fcr die ich gerne Geld bezahlt habe.<\/p>\n<p>Zum &#8220;Radiohead-Modell&#8221;: F\u00fcr kleine\/unbekannte Bands ist das wohl ziemlich schwierig, vor allem weil Studioaufnahmen sehr teuer sind. Also, da spielt man schon mal ein Jahr auf allen m\u00f6glichen Konzerten, um die Bandkasse aufzuf\u00fcllen, damit man ein Album aufnehmen  und 500 CDs pressen kann, mit deren Verkauf man dann eine weitere Pressung finanziert, usw. \u00dcbrigens haben die Einst\u00fcrzenden Neubauten auch drei Alben mit Finanzierung ihrer Fans herausgebracht, die beim Einspielen und Produzieren per Webcam zusehen durfen, auf spezielle Konzerte konnten, usw.<\/p>\n<p>Was B\u00fccher angeht: Vielleicht wird es da ja auch bald mehere Preisklassen geben. Digital als Ersatz zum Taschenbuch und hochwertige Editionen f\u00fcrs B\u00fccherregal und f\u00fcr die Haptik. In dem Buch ist ein Downloadcode f\u00fcr den Text, damit man ihn digital hat und bspw. seine Lieblingszitate an Freunde verschicken kann.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach sind Downloads halt nicht zu stoppen und es w\u00e4re Unsinn, irgendwie k\u00fcnstlich zu versuchen das zu unterbinden, deshalb muss es eine Geb\u00fchr wie auf CD-Rohlingen und Fotokopierpapier auf dem Internetanschluss geben. Zus\u00e4tzlich halt die ganzen schlauen Sachen, die du vorgeschlagen hast, damit ich mir nichts illegal runterladen &#8220;muss&#8221;\/will.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Punkt, den berufst\u00e4tige, erwachsene Menschen oft schnell vergessen: Jugendliche haben oft keine Kreditkarte. Es muss also auch Bezahlm\u00f6glichkeiten jenseits von Visa geben. Oder halt Modelle wie die &#8220;Prepaid-Visa&#8221;, die man vor dem Einkaufen aufladen kann. Und das gilt nicht nur f\u00fcr Film und Musik, sondern auch z.B. f\u00fcr Leihfahrr\u00e4der (z.B. in Luxemburg-Stadt) ;-)\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Anke: Mit der Kulturflatrate stehe ich (noch) etwas auf Kriegsfu\u00df, weil mir das zu sehr nach einem Riesentopf aussieht, aus dem dann alle K\u00fcnstler (wer definiert, wer K\u00fcnstler ist?) einen bestimmten Betrag ausgezahlt bekommen. F\u00fchlt sich f\u00fcr mich genauso unausgegoren an wie der Gesundheitsfond, aber ich muss mich da noch etwas schlauer machen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.sallge.com\/\">David<\/a>: \u201eIch finde, du hast Recht. Gerade bei Musik ist es wirklich so, dass ein einfach gehaltener und fair bepreister Download viel attraktiver ist, als die Musikindustrie glaubt. Vor allem die M\u00f6glichkeit, nur ein oder zwei Lieder zu kaufen (vielen Menschen gefallen nur Einzelst\u00fccke, aber oftmals kein ganzes Album) macht die Sache interessant.<\/p>\n<p>Auch mit den Filmen d\u00fcrftest du Recht haben. Ich habe zu Hause zwar einen Beamer und eine Dobly-Digital-Anlage, mit dem Erfolg, dass ich bei 3,9m Bilddiagonale quasi Heimkino habe, aber das Kinoerlebnis kann es nicht ersetzen. Gerade, wo jetzt 3D-Filme kommen, die eine Technik voraussetzen, die zu Hause nicht zu machen ist (wenn man nicht sehr viel Geld investieren m\u00f6chte. Eine daf\u00fcr erforderliche Siberbeschichtete Leinwand kostet meines Wissens \u00fcber 700 Euro pro Quadratmeter. Von Brillen und Lichtpolarisationsfiltern oder Doppelprojektoren mal abgesehen&#8230;) Wenn die Filme wirklich wie von dir vorgeschlagen Zeitgleich in Fernsehen, Download, Kino und auf DVD erh\u00e4ltlich w\u00e4ren, k\u00f6nnte ich mir sogar vorstellen, mehrere der Vertriebswege zu w\u00e4hlen, wenn mir der Film gef\u00e4llt. Zuerst w\u00fcrde ich die Billigvariante Download nehmen. Wenn ich den Film dann gut finde, w\u00fcrde ich ihn vielleicht sogar auf DVD nochmals kaufen, um Hintergrundinfos und eine sch\u00f6ne H\u00fclle f\u00fcr&#8217;s Regal zu haben.<\/p>\n<p>Bei B\u00fcchern muss selbst ich als technikverliebter Digitalmensch mit Affinit\u00e4t zu Gadgets und Ger\u00e4ten dir Recht geben. Es geht nichts \u00fcber ein echtes, analoges Papierbuch. Die eBook-Reader sind vielleicht als Erg\u00e4nzung ganz nett oder wegen der Durchsuchbarkeit prima f\u00fcr Nachschlagewerke und Sachb\u00fccher geeignet. Aber das richtige Lesevergen\u00fcgen eines Romans, Thrillers oder Krimis setzt ein echtes Buch und einen bequemen Sessel oder ein Bett voraus. oder einen Stuhl in der Sonne.\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sven.erlenborn.info\/\">Sven<\/a>: \u201eVielen Dank f\u00fcr diesen wichtigen und richtigen Beitrag.<\/p>\n<p>Gerade bei Serien h\u00e4tte ich l\u00e4ngst kein schlechtes Gewissen mehr, die einzelnen Folgen einige Stunden nach Ausstrahlung in den USA direkt aus dem Netz zu beziehen &#8211; leider nicht legal. Aber ich komme mir einfach l\u00e4cherlich vor, die bereits im Netz zur Verf\u00fcgung stehenden Vertriebswege zu nutzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die f\u00fcnfte Staffel von Scrubs in der deutschen Fassung bezahle ich bei iTunes 51 Euro f\u00fcr circa 8 Stunden Unterhaltung, obwohl die Folgen meist bereits drei Jahre alt sind und damals umsonst im Fernsehen und im Netz ausgestrahlt wurden. Bei Amazon.de bezahle ich 25 Euro, bekomme mehr Leistung, muss aber noch l\u00e4nger warten, weil die DVD nicht direkt erscheint und auch noch versendet werden muss. Noch billiger und fr\u00fchzeitiger erhalte ich die Serie unverst\u00e4ndlicherweise, wenn ich sie mir aus GB oder den USA importieren lasse.<\/p>\n<p>Letztendlich k\u00f6nnte ich aber alles umgehen indem ich sie mir direkt lade. Wohnt man in den USA, hat man das nicht n\u00f6tig, weil die Folgen direkt nach oder w\u00e4hrend Ausstrahlung legal auf der Seite live gestreamt, als permanentes Stream-Video oder sogar zum Download angeboten werden. Ich kann auf diesen v\u00f6llig vern\u00fcnftigen Service nur nicht zugreifen, weil mein Rechner in Deutschland steht. (Ich k\u00f6nnte schon, nur w\u00fcrde ich mich damit wieder strafbar machen. Es kostet mich keine f\u00fcnf Minuten, dem Netz vorzugaukeln, mein Rechner st\u00fcnde in den USA.)<\/p>\n<p>Das ist mir unverst\u00e4ndlich und insbesondere bei Serien macht es mich sogar w\u00fctend. Vor allem, wenn man dann mitbekommt, dass gute Serien wie zB Chuck evtl keine dritte Staffel erhalten, weil die Einnahmen nicht stimmen. Nat\u00fcrlich nicht, weil man den Markt \u00fcberhaupt nicht abdeckt. W\u00e4ren die Folgen direkt nach Ausstrahlung f\u00fcr einen Euro im Netz gelandet, h\u00e4tte man vermutlich im europ\u00e4ischen Raum mehr Geld eingenommen als die einzelnen Sender hier f\u00fcr die Lizenz zu bezahlen bereit waren.<\/p>\n<p>Warum kooperiert man nicht mit Dienstleistern wie Rapidshare etc. Die Serien, Filme, Musik landet eh dort, warum wird das nicht zum eigenen Vorteil genutzt?<br \/>\nEs ist mir ein R\u00e4tsel&#8230;<\/p>\n<p>(Von Software fang ich gar nicht erst an. Ich wei\u00df nicht, welche Mehrleistung MS Office und Adobe Photoshop CS4 gegen\u00fcber OpenOffice und GIMP bringen, aber auch hier erscheinen mir die Preise unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Bei Videospielen wei\u00df ich, dass die kostenfreien und von von Fans programmierten Zusatzkarten und -pakete oftmals den gleichen Spielspa\u00df, mehr Originalit\u00e4t und Story und vor allem Fehlerfreiheit bringen.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Anke: Der Piratenkauz hat ein paar lesenswerte <a href=\"http:\/\/piratendenkstube.wordpress.com\/2009\/06\/25\/legalisierte-privatkopie-wie-konnte-man-die-schaffenden-verguten\/\">\u00dcberlegungen<\/a> zur Kulturflatrate.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sites.google.com\/site\/stephanieubart\/\">Stephanie<\/a>: \u201eich bin keine Technikversteherin, aber wieso sollen H\u00f6rb\u00fccher \u00bbviel leichter online zur Verf\u00fcgung gestellt werden k\u00f6nnen\u00ab als gedruckte B\u00fccher? Eine Textdatei ist nicht wirklich ein Problem, es gibt, soweit ich informiert bin, zurzeit 2 oder 3 verschiedene PDF-Formate im deutschen E-Book-Handel, und die Druckvorlagen f\u00fcr Papierb\u00fccher (die ber\u00fchmten \u00bbFahnen\u00ab) sind auch ein PDF, das man, wie es ist, ins Netz stellen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Dein Argument, Anke, dass fr\u00fcher die verliehenen B\u00fccher, die im Radio mitgeschnittenen Kassetten, usw. \u00bbauch nicht so wild\u00ab gewesen seien, verkennt einen quantitativen Unterschied: die Anzahl der m\u00f6glichen Kopien in einer bestimmten Zeit. Angenommen, du kaufst einen Roman, er gef\u00e4llt Dir, Dir fallen eine Hand voll Leute ein, von denen Du sicher bist, dass er ihnen auch gef\u00e4llt: Hallo Susi, das hab ich grad gelesen, super, musst du auch lesen, hier, leih ich Dir aus. Wenn du diesen Vorgang hochrechnest, bist du noch Lichtjahre von der Anzahl der m\u00f6glichen unbezahlten Kopien entfernt, die die digitale Form im Netz mit sich bringt. <\/p>\n<p>Dass Leute f\u00fcr files bezahlen, die sie auch umsonst haben k\u00f6nnten, ist sch\u00f6n, aber ganz sicher nicht als Standard anzunehmen und als Modell untauglich. Sollen K\u00fcnstlerInnen vom guten Willen der KonsumentInnen leben? Wollen wir das dann bitte auch im Supermarkt einf\u00fchren, dass man an der Kasse frei entscheiden kann, ob man bezahlen will oder nicht: Hallo, Tach, den K\u00e4s nehm ich so mit, f\u00fcr das Br\u00f6tchen geb ich einen Groschen. <\/p>\n<p>In der BRD, und sehr wahrscheinlich auch anderswo, k\u00f6nnen die allerallerallermeisten K\u00fcnstlerInnen \u00fcberhaupt gar nicht von ihren Werken leben. Das Geschrei um die Entlohnung geistigen Eigentums betrifft in der Hauptsache diejenigen, die es gar nicht n\u00f6tig h\u00e4tten, und au\u00dferdem, wenn nicht vor allem, deren mitprofitierende Vermittler: die Gro\u00dfen unter den Verlagen, Labels, Galerien, Film-Verleihern, usw &#8230; aber das ist genau die Minderheit, die den Markt (noch) kontrolliert. <\/p>\n<p>Beispiel: ich habe gerade meinen ersten Roman ver\u00f6ffentlicht. Drei Jahre dran gearbeitet, kleiner, feiner <a href=\"http:\/\/www.ploettner-verlag.de\/verlagsprogramm\/fruehjahr-2009.html\">Verlag<\/a>, minimaler Vertrieb, so gut wie kein Werbeetat, 1000er Auflage, das Buch kostet im Handel 17,90\u20ac. F\u00fcr jedes verkaufte Exemplar bekomme ich 1,30\u20ac, und das ist ein anst\u00e4ndiger Vertrag, viele sind mit noch weniger dabei. Ich geh da nicht mal plusminusnull raus, und man wei\u00df auch gar nicht, ob sich die Auflage \u00fcberhaupt verkaufen wird. Meine geistige Arbeit ist ganz sicher nicht angemessen bezahlt, nicht mal im aller entferntesten. Diese Umst\u00e4nde sind ziemlich normal. H\u00e4tte ich den Roman digital und im Eigenverlag herausgebracht, dann h\u00e4tte das nichts anderes bedeutet als: \u00bbder Roman ist so schlecht, dass kein richtiger Verlag ihn machen wollte.\u00ab Das scheint in der Musik anders zu sein, in der Literatur ist es so. (Ausnahme: man ist bereits literatur-amtlich als Qualit\u00e4tsschriftstellerIn anerkannt. Siehe Elfriede Jelineks Privatroman).<\/p>\n<p>Ich finde es w\u00fcnschenswert, dass diejenigen, die meinen Roman lesen m\u00f6chten, dies unentgeltlich tun k\u00f6nnen, und ich m\u00f6chte auch gerne selbst Kultur und Information konsumieren, ohne daf\u00fcr zu bezahlen. Und man muss die Dinge dann auch zuende denken: ein kostenloses Dach \u00fcber dem Kopf m\u00fcsste in solchen klimatischen Zonen ein Grundrecht sein, in denen es nachts zu kalt ist, um drau\u00dfen zu schlafen, Musik zu machen, zu schreiben, einander zu lieben: <\/p>\n<p>Die H\u00e4user denen, die drin wohnen,<br \/>\ndie Romane denen, die sie lesen m\u00f6chten,<br \/>\ndie Songs denen, die sie h\u00f6ren m\u00f6chten.<br \/>\nJep, da bin ich dabei, und zwar in dieser Reihenfolge.<\/p>\n<p>Wo ich nicht dabei bin: ThePirateBay bietet einen <a href=\"http:\/\/www.netzwelt.de\/news\/79674-the-pirate-bay-ipredator-nutzer-anonymisieren.html\">Anonymisierungsdienst<\/a> an (siehe auch <a href=\"http:\/\/thepiratebay.org\/blog\/160\">hier<\/a>), der Sicherheit bei der Umgehung des copyrights bietet, und f\u00fcr den man 5,-\u20ac pro Monat bezahlen muss, denn der Anonymisierungsdienst ist das geistige Eigentum der Piraten, die auch von was leben m\u00fcssen und nichts zu verschenken haben, welch letzteres nach Piratenansicht offenbar die Aufgabe von K\u00fcnstlerInnen ist . Fuck &#8217;em, diese elenden Schnorrer. Ok, ok, TPB sind nicht die Piratenpartei, aber beide sind Anti-copyrighters, und ich habe bislang keine Distanzierung der Partei in dieser Sache gefunden (bitte korrigieren, falls es doch eine gibt). Wenn der Kampf gegen das copyright so aussieht, dass am Ende halt nicht mehr die traditionellen Vermittler, sondern jetzt eben die neuen Vermittler, die die Piraten ja sind, dass jetzt eben die neuen anstelle der alten kassieren, na dann frohes neues!\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/rebellmarkt.blogger.de\/\">Don Alphonso<\/a>: \u201eIch schreibe gerade w\u00f6chentlich eine kurze Empfehlung f\u00fcr meist Alte Musik, und bei den Labeln, die sich damit auseinandersetzen, ist das Problem der Downloads schlichtweg nicht existent. Die Musik wendet sich an Audiophile, f\u00fcr die der Preis der CD relativ gesehen keine Rolle spielt; allein meine Boxen kosteten einst 8.000 Euro, und das ist in diesem Bereich eher untere Mittelklasse. Zudem geht es in diesem Bereich um ein H\u00f6rerlebnis, das man verlustfrei geniessen m\u00f6chte, womit mp3 irrelevant wird. Obwohl ich fr\u00fcher beim Radio ein Verfechter von Downloads war, lasse ich heute keine Kopien dieser CDs zu. Es ist Kunst, und die soll man auch angemessen entlohnen. Diese Haltung ist in diesen Kreisen \u00fcblich, was die Hersteller davon abh\u00e4lt, irgendwelche dummen Urheberrechte extrem anzuziehen. Es gibt keinen Kopierschutz, man kann alles im Internet in guter Qualit\u00e4t vorh\u00f6ren. Bei Popmusik w\u00fcrde ich immer noch sagen: Keinen Cent f\u00fcr die major Labels! Wenn die anfangen w\u00fcrden, wieder echte Musik und kein schnelles Kommerzprodukt zu machen, h\u00e4tten sie auch weniger Probleme.\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Michael: \u201eGleich eine kleine Korrektur: F\u00fcr Kopien von Radio\/Schallplatte auf Kassette hast Du bereits Gema-Geb\u00fchren bezahlt, die beim Verkauf erhoben wurden. Mittlerweile werden auch auf andere Ger\u00e4te bzw. Medien Geb\u00fchren erhoben(Glaube ich zumisdest nach einer kurzen Suche im Netz).<\/p>\n<p>Mein Problem mit legalen und kostenlosen Downloads ist, da\u00df man vermutlich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter &#8220;die Hosen runterlassen mu\u00df&#8221; (Kommt nat\u00fcrlich auf den Anbieter an). Damit w\u00e4ren wir dann bei der Kulturflatrate: CDs, Fernseher, ipod usw. werden alle ein bi\u00dfchen teurer. Daf\u00fcr h\u00e4tte ich dann die M\u00f6glichkeit, mich bei Musik und Filmen zu bedienen wie ich m\u00f6chte. B\u00fccher sind auch f\u00fcr mich ein anderes Thema &#8211; s.u.<\/p>\n<p>Musiker und Filmschaffende h\u00e4tten nach meiner Vorstellung die M\u00f6glichkeit, entweder dann der Gema beizutreten, die die Einnahmen verwaltet und verwaltet (Die Gema viel transparenter und &#8220;benutzerfreundlicher&#8221; werden) oder das Werk unter CC-Lizenz oder einer \u00e4hnlichen zu ver\u00f6ffentlichen oder den Verkauf komplett selbst organisieren.<\/p>\n<p>Zu B\u00fcchern: @Stephanie Der Unterschied zwischen gedruckten und H\u00f6rb\u00fcchern ist, da\u00df letztere nur digital vorhanden sind &#8211; man dr\u00fcckt einfach auf einen Knopf und es geht los. Herk\u00f6mmliche B\u00fccher mu\u00df man immer noch ausdrucken. Ich glaube \u00fcbrigens auch, da\u00df sich Kindle &#038; Co. nur f\u00fcr Nachschlagewerke oder technische Texte, die schnell veralten, durchsetzen werden.<\/p>\n<p>Kleiner Exkurs zur GEZ:<\/p>\n<p>Warum keine Rundfunksteuer (Jeder Haushalt bezahlt z. B. 10 \u20ac). Ich meine, es ist idiotisch zu glauben, jemand der 1.000 \u20ac\/Monat verdient, bezahlt GEZ-Geb\u00fchren, wenn er es vermeiden kann. Die BBC in England hat ein \u00e4hnliches Finanzierungsmodell. Ich schaue zwar nicht immer die Phoenix-Runde oder Panorama, aber ich m\u00f6chte die M\u00f6glichkeit haben und jeder andere soll sie auch haben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konstantin Klein stellt einen wichtigen Antrag zur Gesch\u00e4ftsordnung: Als Mitglied der Piratenpartei m\u00f6chte er, dass sich diese endlich einen Kopf darum macht, wie man K\u00fcnstler vern\u00fcnftig entlohnen kann, sieht aber auch schon einen Fl\u00fcgelkampf zwischen Bezahlern und Downloadern. 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