{"id":41467,"date":"2024-07-12T07:14:25","date_gmt":"2024-07-12T06:14:25","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=41467"},"modified":"2024-07-12T07:17:55","modified_gmt":"2024-07-12T06:17:55","slug":"donnerstag-11-juli-2024-blond","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=41467","title":{"rendered":"Donnerstag, 11. Juli 2024 \u2013 Blond"},"content":{"rendered":"<p>Das Buch \u201e<a href=\"https:\/\/www.penguin.co.uk\/books\/56151\/blonde-roots-by-evaristo-bernardine\/9780141031521\">Blonde Roots<\/a>\u201c von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernardine_Evaristo\">Bernardine Evaristo<\/a> durchgelesen. Es kehrt die Geschichte der Sklaverei um und macht Schwarze Menschen (\u201eBlaks\u201c) zu den Besitzer*innen von wei\u00dfen Menschen (\u201ewhytes, wiggers\u201c). Letztere versuchen, sich mit Dreadlocks, Cornrows und Lehm im Gesicht dem Schwarzen Sch\u00f6nheitsideal anzupassen. Sie bekommen nach ihrem Raub vom \u201egrauen Kontinent\u201c Europa, der laut der Landkarte, mit der das Buch beginnt, s\u00fcdlich von \u201eAphrika\u201c liegt, aphrikanisch klingende Namen als \u201eslave names\u201c. Die Hauptfigur hei\u00dft also nicht mehr Doris Scagglethorphe, sondern Omorenomwara, die als M\u00e4dchen entf\u00fchrt und versklavt wird und eines Tages als junge Frau die Gelegenheit zur Flucht bekommt.<\/p>\n<p>Im Buch kommen fast nebenbei lauter Klischees vor, die ich mit Schwarzen oder wei\u00dfen Menschen verbinde, mit den Kulturen von Europa und Afrika, und jedesmal musste ich kurz im Kopf umdenken, weil ich durch meine Schulbildung, meine eigenen Erfahrungen, dem Medienkonsum von 40 Jahren und auch der universit\u00e4ren Ausbildung, gerade in Kunstgeschichte, gnadenlos festgeschriebene Empfindungen und Vorstellungen im Kopf habe. Das war im besten Sinne irritierend.<\/p>\n<p>Was mich aber bis zum Schluss des Buchs fertiggemacht hat, weil ich es nicht absch\u00fctteln konnte, wor\u00fcber ich noch nachdenke: dass ich bei jeder Beschreibung von Sklaverei oder Sklaven und Sklavinnen automatisch Bilder von nicht-wei\u00dfen Menschen im Kopf hatte. Das Buch bem\u00fcht sich auf so gut wie jeder Seite, mich daran zu erinnern, dass die Hauptperson wei\u00df ist und ihre Besitzer*innen Schwarz, aber in meinem Kopf war es immer umgekehrt. Wenn die Wunden einer Auspeitschung beschrieben werden, hatte ich automatisch Bilder eines Schwarzen R\u00fcckens im Kopf, vermutlich, weil ich noch keine anderen gesehen habe \u2013 oder im Vergleich zu den Bildern der US-amerikanischen Sklaverei viel zu wenige. Wie gesagt: im besten Sinne irritierend.<\/p>\n<p>Die Geschichte liest sich genauso schmerzhaft wie alle anderen Storys \u00fcber Sklaverei, aber der simple Trick, Schwarz und wei\u00df und die dazugeh\u00f6rigen Machtverh\u00e4ltnisse umzukehren, macht es trotzdem zu einem sehr lesenswerten und erstaunlich unterhaltsamen Buch. <\/p>\n<p>Ich frage mich gerade, ob ich es als unterhaltsam empfunden habe, weil ich wei\u00df, dass es Fiktion ist. Wobei ich nat\u00fcrlich bequem ignoriere, dass diese Fiktion auf einer furchtbaren Wahrheit beruht. Ich wiederhole mich erneut: irritierend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch \u201eBlonde Roots\u201c von Bernardine Evaristo durchgelesen. Es kehrt die Geschichte der Sklaverei um und macht Schwarze Menschen (\u201eBlaks\u201c) zu den Besitzer*innen von wei\u00dfen Menschen (\u201ewhytes, wiggers\u201c). Letztere versuchen, sich mit Dreadlocks, Cornrows und Lehm im Gesicht dem Schwarzen Sch\u00f6nheitsideal anzupassen. 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