{"id":41443,"date":"2024-07-01T11:32:10","date_gmt":"2024-07-01T10:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=41443"},"modified":"2024-07-01T16:41:06","modified_gmt":"2024-07-01T15:41:06","slug":"samstag-29-juni-2024-erstes-mal-elphi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=41443","title":{"rendered":"Samstag, 29. Juni 2024 \u2013 Erstes Mal Elphi"},"content":{"rendered":"<p>F. und ich waren f\u00fcr einen sehr kurzen Kurztrip in Hamburg, Freitag am sp\u00e4ten Nachmittag angekommen, ging es Sonntagmorgen schon wieder zur\u00fcck. F\u00fcr die Statistik: Hinfahrt fast p\u00fcnktlich OMG, R\u00fcckfahrt 30 Minuten Versp\u00e4tung. F\u00fcr mich eine noch recht neue Erkenntnis: um wie viel schneller die Zeit vergeht, wenn man nicht liest, sondern Podcasts h\u00f6rt. Vermutlich auch, weil ich bei denen dauernd wegnicke, was \u00fcberhaupt der beste Zeitvertreib auf langen Zugfahrten ist. <\/p>\n<p>Ich h\u00f6rte dieses Mal <a href=\"https:\/\/kalkundkegel.com\/nitzsche-podcast\/\">den Sommelier-Podcast von Silvio Nitzsche<\/a>. So ganz gl\u00fccklich bin ich mit seiner Gespr\u00e4chsf\u00fchrung noch nicht, denn ein Teil des Konzepts ist es, allen G\u00e4sten dieselben Fragen zu stellen. Und die eingesprochenen Werbebl\u00f6cke sind unertr\u00e4glich in ihrer K\u00fcnstlichkeit. Trotzdem habe ich die gut zwei Stunden komplett geh\u00f6rt, denn <a href=\"https:\/\/sommelier.podigee.io\/18-stefan-grabler-markus-hirschler\">die aktuellen G\u00e4st<\/a>e sind unsere Lieblingswirte aus dem Lieblingsgasthaus, dem <a href=\"https:\/\/www.waltz-gasthaus.de\/\">Waltz<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gegessen und getrunken haben wir unter anderem in der Bar <a href=\"https:\/\/www.pierdrei-hotel.de\/essen-trinken\/three-fingers-bar\">Three Fingers<\/a>, die sich im Hotel Pier Drei in der Hafencity befindet. Die Drinks auf der Karte waren okay, wir bestritten mit ihnen h\u00f6flicherweise auch die erste Runde, aber danach zauberten wir dem Barkeeper ein L\u00e4cheln ins Gesicht mit unseren Extraw\u00fcnschen, denn inzwischen haben wir in der Bar Tantris gelernt, was uns schmeckt. F. bat um einen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Old_Fashioned\">Old Fashioned<\/a>, bei dem erstmal die Whiskysorte besprochen wurde. Ich w\u00fcnschte mir einen Rum-<a href=\"https:\/\/mixology.eu\/martinez-cocktail-rezeptur-historie\/\">Martinez<\/a>, bei dem der Barkeeper \u00fcberlegen musste, ob er eine bestimmte Zutat im Haus h\u00e4tte \u2013 ob ich sonst einen Espresso Martini mal mit Rum probieren wolle? Das klang auch spannend, aber anscheinend war alles Notwendige vorr\u00e4tig, ich bekam den Martinez und war gl\u00fccklich. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5518.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"585\" class=\"alignnone size-full wp-image-41448\" \/><\/p>\n<p>Einen Abend sp\u00e4ter nahmen wir den Absacker nach unserem ersten Konzert in der Elbphilharmonie in einer weiteren Hotelbar, n\u00e4mlich die, die auf der Ausgangsebene der Elphi liegt: das <a href=\"https:\/\/www.blick-hamburg.de\/\">Blick<\/a> im Westin. Die Drinks waren ebenfalls okay, mir ein bisschen zu gewollt anders, und hier sah es auch nicht so aus, als ob wir jemanden mit Sonderw\u00fcnschen gl\u00fccklich gemacht h\u00e4tten. Aber als Ausklang eines etwas seltsamen Abends v\u00f6llig in Ordnung. Und nat\u00fcrlich bester Blick aller Zeiten auf Hamburg.<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte ich am sp\u00e4ten Freitagabend einen Termin in Hamburg gehabt, um den wir dann noch den Besuch in der Elphi rumstrickten, aber diesen Termin sagte ich aus Gr\u00fcnden ab. Stattdessen sah ich meinen \u00e4ltesten Freund wieder und es gab nach einem Burger mit der ganzen Familie die oben genannten Drinks, was ich f\u00fcr eine weitaus bessere Nutzung meiner Zeit halte.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Samstag morgen sahen wir eine <a href=\"https:\/\/www.buceriuskunstforum.de\/ausstellungen\/watch-watch-watch-henri-cartier-bresson\">Ausstellung<\/a> mit Fotografien von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henri_Cartier-Bresson\">Henri Cartier-Bresson<\/a> im Bucerius-Kunstforum, nachdem wir zun\u00e4chst im Falke-Store im Hanseviertel neue Socken f\u00fcr Herrn F. erstanden, der eben diese vergessen hatte, und zu einem schicken Anzug f\u00fcr die Elphi geh\u00f6ren halt auch schicke Anzugsocken. <\/p>\n<p>F. als Hobbyfotograf nahm vermutlich mehr aus der Ausstellung mit als ich; ich fand sie anstrengend geh\u00e4ngt und verlief mich dauernd zwischen den vielen Themen. Womit sie mich allerdings total kriegte: mit einem halbst\u00fcndigen Film, den Cartier-Bresson 1945 (!) mit Kriegsgefangenen in Deutschland drehte, die nach Frankreich zur\u00fcckkehrten. Was ich vorher nicht wusste: Cartier-Bresson war selbst seit 1940 in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen, aus der er nach zwei vergeblichen Fluchtversuchen 1943 entkommen konnte. Der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Henri_Cartier-Bresson#World_War_II_service\">Film<\/a> \u201eLe Retour (Die R\u00fcckkehr)\u201c zeigt Szenen aus deutschen (Konzentrations-)Lagern, die von der US-Armee bzw. der Roten Armee befreit wurden. Er beschreibt in wenigen Worten und vielen Bildern, wie Millionen von Displaced Persons nun versuchen, in ein anderes Leben zur\u00fcckzukehren oder aufzubrechen. Der Tonfall ist weniger verherrlichend ob der gelungenen Milit\u00e4roperation, als ich erwartet hatte; Teile des Bildmaterials wurden von der US-Armee in anderen Zusammenh\u00e4ngen verwendet, wo der Tonfall deutlich anders war; ich las im Foyer den betreffenden Aufsatz im ausliegenden <a href=\"https:\/\/www.buceriuskunstforum.de\/ausstellungskatalog\">Katalog<\/a> und hoffe, ich zitere halbwegs korrekt.<\/p>\n<p>Ich habe vom Film haupts\u00e4chlich eine gro\u00dfe Empathie f\u00fcr Menschen mitgenommen, die ich auch in vielen der Bilder von Cartier-Bresson wiederfinde. Die hatte ich vorher nicht unbedingt mit ihm verbunden, ich hatte ihn eher als unbeteiligten Chronisten wahrgenommen. Das Bild konnte die Ausstellung absolut erweitern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5521.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"628\" class=\"alignnone size-full wp-image-41449\" \/><\/p>\n<p>Danach Geld in einem <a href=\"https:\/\/www.kunstantiquariat-hamburg.de\/\">Kunstantiquariat<\/a> gelassen. Eine Ausgabe von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erna_Lendvai-Dircksen\">Erna Lendvai-Dircksens<\/a> \u201eEin deutsches Menschenbild\u201c (1961) gefunden, das vor 1945 noch \u201eDas deutsche Volksgesicht\u201c hie\u00df. Au\u00dferdem ein gef\u00fchlt zehn Kilo schweres Buch ins Hotel geschleppt, das den wunderbaren Titel \u201eDer Bergbau in der Kunst\u201c (1958) tr\u00e4gt und vom Verlag Gl\u00fcckauf, Essen, herausgegeben wurde. Ich bin kunsthistorisch bei den Autobahnen gelandet, weil ich Darstellungen von technischen Werken so mag, und es gibt erstaunlich wenig Literatur zu diesem Thema.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Lecker Galettes und Cr\u00eapes im <a href=\"https:\/\/www.tibreizh.de\/\">Ti Breizh<\/a> genossen, das kannte ich noch aus meiner Zeit in Hamburg.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Und abends dann aufgedotzt f\u00fcr unseren ersten Besuch in der Elbphilharmonie. Wir freuten uns sehr auf einen tschechischen Abend: Es sollte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bed%C5%99ich_Smetana\">Smetana<\/a>, meinen Liebling <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bohuslav_Martin%C5%AF\">Martin\u016f<\/a> sowie Grandmaster <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\">Dvo\u0159\u00e1k<\/a> geben, aber ein paar Tage vor dem Konzert erreichte uns eine Mail, dass der Sologeiger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leonidas_Kavakos\">Leonidas Kavakos<\/a> aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht Martin\u016f mit dem Orchester spielen w\u00fcrde, sondern \u2013 Mozart. Ausgerechnet. Fucking Mozart! Ich \u00fcberlegte ewig, was wohl diese Gr\u00fcnde waren, denn auf der B\u00fchne sah der Herr nicht gebrechlich aus, aber ich ahne, dass er im Vorfeld des Konzerts zu lange an irgendwas laboriert hatte, um das <a href=\"https:\/\/youtu.be\/0nvdN2yBy2A?si=-dEZul4a4ZwZQu0T\">Konzert f\u00fcr Violine und Orchester Nr. 2 H. 293<\/a> (1943) einzustudieren. F\u00fcr den Mozart kann man ihn wahrscheinlich nachts um 4 wecken und den fiedelt er runter.<\/p>\n<p>Aber egal, erstes Mal Elphi ist erstes Mal Elphi. Wie erw\u00e4hnt trugen wir unseren feinsten Zwirn, wie es sich geh\u00f6rt und wie wir in M\u00fcnchner klassischen Konzerten immer aussehen \u2013 und waren total overdressed. Schon im Hotel-Fahrstuhl wurden wir gefragt, wo wir denn so elegant hingingen, und die jungen Herren, die auf den Fleetstufen rumchillten und zwischen denen wir durchstapfen mussten, meinten auch, wer so gut aussehe, dem mache man doch gerne Platz. Ich nehme Komplimente, wo ich sie kriegen kann, behaupte aber weiterhin, dass sie eher F. galten in seinem hellgrauen Slim-Fit-Anzug und Ray Ban als mir verschwitzer Kugel in dunkelblauem Rinaldi.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/E136A0BA-57DA-432D-8A74-B109592E5A43-48748-000006F259CB8752.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"698\" class=\"alignnone size-full wp-image-41447\" \/><\/p>\n<p>An der Elphi musste ich au\u00dfen nat\u00fcrlich das obligatorische Foto machen, alle danach habe ich vergessen, denn das Geb\u00e4ude ist noch viel sch\u00f6ner als ich es erwartet hatte. Die lange Rolltreppe bringt einen auf die H\u00f6he der Plaza (8. Stock), wo geschwungene Glast\u00fcren einen auf den Umgang f\u00fchren, auf dem man einmal komplett um das Geb\u00e4ude rumwandern und sich Hamburg von oben angucken kann. An zwei der Seiten gab es sogar Sitzgelegenheiten, die aber alle besetzt waren, kein Wunder. Das w\u00fcrde ich als Hamburgerin ja dauernd machen: Snack und Champagner einpacken, ein Plaza-Ticket erwerben und dann bei Sonnenuntergang \u00fcber den Hafen gucken (und das mir neue, unglaublich h\u00e4ssliche \u201eFrozen\u201c-Musicaltheater ignorieren, das direkt neben dem zum \u201eK\u00f6nig der L\u00f6wen\u201c steht).<\/p>\n<p>Wir gingen also nur rum, guckten runter, gingen wieder rein und betraten eine Stunde vor dem Konzert die schicke Treppe, die uns auf unsere Etage f\u00fchrte. Jedenfalls ging F. ganz bis oben zu Fu\u00df, ich nahm irgendwann einen Fahrstuhl. Das w\u00e4re auch mein einziges Gemecker \u00fcber die Innenarchitektur: wundersch\u00f6ne Treppen, hell, gro\u00df, aber total seltsame Stufenbreiten, die sich auch dauernd \u00e4ndern. <\/p>\n<p>Im 13. Stock angekommen, bewunderten wir erneut die Aussicht und nahmen ein kleines Getr\u00e4nk zu uns. Der Saal selbst \u00f6ffnete eine halbe Stunde vor Beginn, bis dahin genoss ich noch die vielen Blickachsen in die Stockwerke unter dem, in dem unser Saaleingang lag und fand alles schick. Wir meckern ja gerne \u00fcber die Isarphilharmonie, die ein Behelfsbau ist, bis vielleicht irgendwann auch die CSU mal verstanden hat, dass f\u00fcr eine Stadt, die drei Orchester von Weltrang hat, auch ein dementsprechendes Haus ganz angemessen w\u00e4re. Bis dahin quetschen wir uns in ein zu kleines Foyer und \u00fcber zu enge Treppen; auch deswegen mochte ich die Weite der Elbphilharmonie sehr gern.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfe Saal selbst sieht unh\u00f6flich ausgedr\u00fcckt wie ein Wespennest aus: Das Orchester sitzt unten in der Mitte, das Publikum wabenf\u00f6rmig mehrere R\u00e4nge nach oben gestaffelt darum. \u00dcber die einzigartige Akustik wurde schon alles geschrieben, weswegen ich sehr gespannt war, sie selbst einmal zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wir begannen mit dem Smetana, der freundlich an mir vorbeilief. Er fing mit zwei Harfen an, die glasklar durch den Saal schnitten. (Sie k\u00f6nnen \u00fcbrigens mith\u00f6ren, w\u00e4hrend Sie lesen: <a href=\"https:\/\/www.elbphilharmonie.de\/de\/mediathek\/ndr-elbphilharmonie-orchester-kavakos-gilbert\/982\">Hier ist die Aufzeichnung<\/a>.) Danach setzten die Bl\u00e4ser ein und ich war begeistert. Aber dann kamen die Streicher dazu \u2013 und ich war irritiert. Sie klangen, als ob sie unter einer Wachsschicht aufspielten und das \u00e4nderte sich auch den ganzen Abend lang nicht. Ich h\u00f6rte Holz- und Blechbl\u00e4ser so deutlich wie noch in keinem anderen Saal, aber die ganzen Saiteninstrumente erschienen mir seltsam ged\u00e4mpft, wie eine einzige Masse, und damit meine ich nicht einen einheitlichen Orchesterklang, sondern undeutlich, unspezifisch. Ganz komisch. <\/p>\n<p>Was mir auch auffiel: wie konzentriert der Klang beim Orchester blieb. Es f\u00fchlte sich f\u00fcr mich so an, als ob das Orchester in einer Blase sitzt oder einem Glaskubus: Ich sah alles, aber der Klang kam nur bis zu einer Wand und ich sa\u00df auf meinem Platz auf der anderen Seite dieser Wand. Es erreichte mich emotional so wenig wie in keinem anderen Saal. Und nach der Pause gab es Dvo\u0159\u00e1ks 9. Sinfonie, eines meiner Lieblingsst\u00fccke, das ich quasi mitpfeifen kann und das mich gerne zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt. Hier zog es perfekt und seelenlos wie auf einer CD an mir vorbei. Ich verstehe diesen Saal noch nicht, m\u00f6chte aber dringend noch einmal hin, um zu h\u00f6ren, wie ein anderes Programm auf einem anderen Platz klingt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5533.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-41450\" \/><\/p>\n<p>Und dann gerne mit einem anderen Publikum. F.s erste Bemerkung, als wir uns in der Pause wiedertrafen (wir sa\u00dfen nicht zusammen, es hatte nur noch Einzelpl\u00e4tze gegeben): \u201eIch l\u00e4stere nie wieder \u00fcber das M\u00fcnchner Publikum.\u201c Was uns so irritierte: dass ein Gro\u00dfteil der Zuschauer*innen vermutlich sonst nie in klassische Konzerte geht. <\/p>\n<p>Nach dem Smetana kam Mozart, bei dem ich fast eingeschlafen w\u00e4re, h\u00e4tte nicht der Violinist mich wachgehalten. Aber nach dem ersten Satz des <a href=\"https:\/\/youtu.be\/IhQAtkXOK6o?si=rO9X6-we7k3UXuzd\">Konzerts f\u00fcr Violine und Orchester Nr. 3 G-Dur KV 216<\/a> kam nicht die erwartete Stille, sondern \u2013 Applaus. In mehrs\u00e4tzigen Werken wird zwischen den S\u00e4tzen nicht geklatscht, und die Stille geh\u00f6rt f\u00fcr mich zum St\u00fcck, das kurze Innehalten und Durchatmen, bevor es weitergeht. Aber die gab&#8217;s hier nicht, sondern es gab Applaus. Nach dem ersten Satz dachte ich noch, okay, man bedankt sich beim Solok\u00fcnstler, aber als auch nach dem zweiten Satz geklatscht wurde, war ich nachhaltig irritiert. Vor allem von der Menge an Menschen, die anscheinend nicht wussten, dass man eben nicht klatscht. Beim Dvo\u0159\u00e1k ging es bl\u00f6derweise damit weiter, es gab Applaus, als ob man daf\u00fcr was geschenkt bek\u00e4me, und nach dem dritten Satz, vor dem dramatischen Finale, wurde ich dann auch mal laut, zischte ein \u201eShhh!\u201c in die Runde und machte eine entsprechende Handbewegung (F. auch, wie er mir nachher erz\u00e4hlte). Der Dirigent hatte auch keine Lust mehr auf die Faxen, weswegen es nach dem dritten sehr schnell im vierten Satz weiterging, und das nehme ich den Nasen schon ein bisschen \u00fcbel, dass ich den Satzanfang nicht vern\u00fcnftig h\u00f6ren konnte, denn der ist gro\u00dfartig.<\/p>\n<p>Wir fragten uns nach dem Konzert, woran das liegen k\u00f6nnte, und ich ahne, dass viele Menschen im Saal waren, die als Tourist*innen in Hamburg sind, wozu anscheinend heutzutage ein Besuch in der Elbphilharmonie geh\u00f6rt. Was ich ja gro\u00dfartig finde, dass Menschen mal so in Kontakt mit dieser Musik kommen. Aber vielleicht braucht es dann doch eine winzige Gebrauchsanweisung im Programmheft, das man netterweise umsonst bekommt. Denn woher soll man wissen, wie ein derartiges Konzert funktioniert, wenn man noch nie in einem war? Oder ich bin inzwischen eine alte Prusseliese, die halt zwischen den S\u00e4tzen ihre Ruhe will, kann auch sein.<\/p>\n<p>(Edit nach einem <a href=\"https:\/\/norden.social\/@susammelsurium\/112710844973270405\">Hinweis<\/a> auf Masto: Die Elbphilharmonie-Website <a href=\"https:\/\/www.elbphilharmonie.de\/de\/mediathek\/tipps-fur-den-konzertbesuch\/881\">erkl\u00e4rt<\/a> sogar das Klatschen.)<\/p>\n<p>Nach dem Schlussapplaus deutete Dirigent Alan Gilbert mit seinen H\u00e4nden \u00fcbrigens zwei Nullen an und machte eine Fu\u00dfballbewegung, das war mal ein hervorragender Service f\u00fcr alle Leute, die bei der Ticketbuchung nicht den EM-Spielplan im Kopf hatten.<\/p>\n<p>Nach unserem Barbesuch hatten wir die lange Rolltreppe, die uns in die Elphi hineingebracht hatte, ganz f\u00fcr uns alleine, das war sch\u00f6n. Und ich h\u00f6re jetzt weiter Martin\u016f auf YouTube. Sagt mir Bescheid, wenn er mal wieder in der Elphi gegeben wird, dann muss ich ein Ticket kaufen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5537.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-41451\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F. und ich waren f\u00fcr einen sehr kurzen Kurztrip in Hamburg, Freitag am sp\u00e4ten Nachmittag angekommen, ging es Sonntagmorgen schon wieder zur\u00fcck. F\u00fcr die Statistik: Hinfahrt fast p\u00fcnktlich OMG, R\u00fcckfahrt 30 Minuten Versp\u00e4tung. F\u00fcr mich eine noch recht neue Erkenntnis: um wie viel schneller die Zeit vergeht, wenn man nicht liest, sondern Podcasts h\u00f6rt. 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