{"id":40913,"date":"2024-03-20T12:05:32","date_gmt":"2024-03-20T11:05:32","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=40913"},"modified":"2024-03-20T12:05:32","modified_gmt":"2024-03-20T11:05:32","slug":"dienstag-19-marz-2024-fanny-und-felix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=40913","title":{"rendered":"Dienstag, 19. M\u00e4rz 2024 \u2013 Fanny und Felix"},"content":{"rendered":"<p>Gestern lud das Jewish Chamber Orchestra in das <a href=\"https:\/\/www.ikg-m.de\/juedisches-zentrum\/\">J\u00fcdische Gemeindezentrum<\/a> am Jakobsplatz ein, <a href=\"https:\/\/jcom.de\/konzerte\/mahler-die-mendelssohns\/\">es gab<\/a> Musik von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fanny_Hensel\">Fanny Hensel<\/a>, ihrem Bruder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Felix_Mendelssohn_Bartholdy\">Felix Mendelssohn<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gustav_Mahler\">Gustav Mahler<\/a>. Als Gast war die Sopranistin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chen_Reiss\">Chen Reiss<\/a> zu h\u00f6ren, auch bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/4._Sinfonie_(Mahler)\">Mahlers 4. Sinfonie<\/a>, worauf ich gar nicht vorbereitet war.<\/p>\n<p>Das Konzert begann mit einer kurzen Ansprache von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charlotte_Knobloch\">Charlotte Knobloch<\/a>. Wenn die ausfahrbaren Poller am Jakobsplatz, auf dem auch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%BCdisches_Zentrum_M%C3%BCnchen\">neue Synagoge<\/a> steht, oder der Metalldetektor am Eingang noch nicht genug Hinweis darauf gaben, wo wir uns befanden, dann sp\u00e4testens die \u00fcblichen Leibw\u00e4chter mit dem Knopf im Ohr. Und am Ende des Abends die gepanzerten Limousinen, die vorfuhren.<\/p>\n<p>Laut F., der das Orchester schon mal im <a href=\"https:\/\/www.nsdoku.de\/\">NS-Doku<\/a> gesehen hatte, beginnen viele Auff\u00fchrungen des JCOM mit einer kleinen Einf\u00fchrung von <a href=\"https:\/\/jcom.de\/daniel-grossmann\/\">Daniel Grossmann<\/a>, dem Gr\u00fcnder und Dirigenten. Das Ensemble hat sich auf j\u00fcdische Komponist*innen (<a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/bayern-beschliesst-verbot-von-gendersprache,U7T9VzC\">eat this, S\u00f6der<\/a>) spezialisiert, und Grossmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Publikum immer noch etwas zu diesem Thema mitzugeben. So erfuhr ich gestern, dass sowohl Fanny als auch Felix bereits als Kinder christlich getauft wurden, was <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article3129885\/Als-Mendelssohn-zum-deutschen-Streitfall-wurde.html\">den Hass der Nazis auf speziell Mendelssohn<\/a> noch absurder macht. Aber ich will gar nicht mit den Absurdit\u00e4ten des NS-Staats anfangen, das ist ein Hass ohne Boden. Mahler hat sich als Erwachsener taufen lassen, kurz bevor er sich in Wien als Musikdirektor bewarb, wenn ich mich richtig erinnere, also eine Karriere, die Juden trotz der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%BCdische_Emanzipation\">Emanzipation<\/a> im 19. Jahrhundert noch nicht offenstand. Laut Hoffmann gibt es keine Belege daf\u00fcr, dass Mahler je Weihnachten gefeiert oder \u00fcberhaupt in einem christlichen Gottesdienst gewesen ist. Wieder was gelernt. Aber jetzt zur Musik.<\/p>\n<p>Es ging los mit vier Liedern von Hensel, von denen ich <em>Die fr\u00fchen Gr\u00e4ber<\/em> op. 9, Nr. 4 am sch\u00f6nsten fand, <a href=\"https:\/\/youtu.be\/32OrngPlWIw\">hier<\/a> mit dem JCOM in Bukarest. Aber generell war das f\u00fcr mich alles sch\u00f6n; ein Kammerorchester schmei\u00dft logischerweise nicht die akustische Breitseite, die ich aus der Isarphilharmonie gewohnt bin, ist aber auch deutlich dichter als ein Wohnzimmerkonzert. Das war gestern genau das richtige \u2013 und dazu die wundersch\u00f6ne lyrische Stimme von Reiss, die mir vorher leider nicht bekannt war. Das \u00e4nderte sich gestern so sehr, dass ich in der Pause gleich mal <a href=\"https:\/\/onyxclassics.com\/release\/fanny-hensel-felix-mendelssohn-bartholdy\/\">eine CD<\/a> erstand, auf der unter anderem das gestrige Abendprogramm komplett drauf ist. Die CD l\u00e4uft gerade, w\u00e4hrend ich tippe und ich freue mich erneut. (Ist auch <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/intl-de\/album\/4C8QiidCx4RxHzJk2NjWEc\">auf Spotify<\/a>.)<\/p>\n<p>Ebenfalls vor der Pause gab es noch <em><a href=\"https:\/\/youtu.be\/raZ58lrb2Ok\">Infelice!<\/a><\/em> von Mendelssohn, was mich ebenfalls \u00fcberraschend gut abholen konnte. Eigentlich ist Romantik nicht so meins, erst recht nicht auf Italienisch, aber gestern passte einfach alles. Ich behaupte, es lag haupts\u00e4chlich an Reiss.<\/p>\n<p>Nach der Pause kam dann die Mahler-Sinfonie, und da musste ich doch zugeben, dass ich gerne 80 Musiker*innen auf der B\u00fchne gehabt h\u00e4tte. Dem Percussionisten dabei zuzusehen, wie er die Becken nur ganz sanft aneinanderschlug, damit uns nicht allen das Trommelfell platzt, war doch ein bisschen schade. Also f\u00fcr den Percussionisten, nicht f\u00fcr unser Trommelfell. Aber gerade Mahler f\u00e4hrt ja gerne alles auf, was das klassische Instrumentarium so zu bieten hat, und das war gestern dann ungewohnt zur\u00fcckhaltend. Tat aber trotzdem gut. Nur doof, dass man nach einem so sch\u00f6nen Abend von den oben erw\u00e4hnten gepanzerten Fahrzeugen und den bl\u00f6den Pollern wieder in die Realit\u00e4t geholt wird.<\/p>\n<p>An der Synagoge brennen Kerzen und es lagen ein paar Blumen am Eingang, wenn ich richtig gesehen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern lud das Jewish Chamber Orchestra in das J\u00fcdische Gemeindezentrum am Jakobsplatz ein, es gab Musik von Fanny Hensel, ihrem Bruder Felix Mendelssohn und Gustav Mahler. Als Gast war die Sopranistin Chen Reiss zu h\u00f6ren, auch bei Mahlers 4. Sinfonie, worauf ich gar nicht vorbereitet war. 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