{"id":40509,"date":"2024-01-25T10:16:49","date_gmt":"2024-01-25T09:16:49","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=40509"},"modified":"2024-01-25T10:16:49","modified_gmt":"2024-01-25T09:16:49","slug":"mittwoch-24-januar-2024-wind-und-hund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=40509","title":{"rendered":"Mittwoch, 24. Januar 2024 \u2013\u00a0Wind und Hund"},"content":{"rendered":"<p>Gestern windete es in M\u00fcnchen ziemlich sch\u00f6n, weswegen ich meine Eink\u00e4ufe zu Fu\u00df erledigte, um mich mal wieder durchpusten zu lassen. Ich war die ganze Zeit damit besch\u00e4ftigt, mir die Haare aus dem Gesicht zu streichen, wenn ich die H\u00e4nde nicht gerade ausgestreckt neben mir in den Wind hielt, um den Widerstand zu erh\u00f6hen und sich wie auf See zu f\u00fchlen. Das war sehr norddeutsch und hat sehr gut getan.<\/p>\n<p>Bis auf den letzten Abschnitt, den ich dann doch, inzwischen schwer bepackt, mit dem Bus zur\u00fccklegen wollte. Ich sah an der T\u00fcr, in die ich einsteigen wollte, eine Dame mit zotteligem Hund, weswegen ich flugs zur n\u00e4chsten T\u00fcr schritt \u2013 meine Tierhaarallergie wei\u00df nie so genau, auf was sie allergisch reagiert, daher bin ich vorsichtig. F\u00fcnf Meter Abstand schienen zu reichen, aber an der n\u00e4chsten Station stieg eine weitere Hundedame ein, und da merkte ich schon nach wenigen Sekunden, dass die Nase zu jucken begann. Daher stieg ich nur zwei Stationen nach dem Einstieg wieder aus, weil ich ebenfalls merkte, dass das Atmen schwerer fiel, nahm kurz einen Hub Spray und ging dann doch lieber weiter zu Fu\u00df.<\/p>\n<p>Ich ahne, dass das Leser*innen kostet, aber: K\u00f6nnt ihr eure vierbeinigen Freunde bitte einfach zuhause lassen, wo ich ihnen weitr\u00e4umig ausweichen kann? Bringt Schildkr\u00f6ten in \u00f6ffentliche R\u00e4ume oder Goldfische, aber nichts, was haart. \u00dcbrigens auch ein gutes Argument f\u00fcrs Home Office: B\u00fcrohunde. Wann hat dieser Quatsch eigentlich so \u00fcberhand genommen? Oder sind das nur Werbeagenturen und Start-ups?<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Leseempfehlung 1:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2024\/januar\/umarmung-und-abwehr\">Umarmung und Abwehr. Wie nach 1945 eine rechte Sammlungspartei verhindert wurde \u2013 und was wir daraus lernen sollten<\/a><\/p>\n<p>Ich fand den Artikel sehr lesenswert, auch wenn er sich ziemlich um eine Gruppe von Menschen herumdr\u00fcckt: die Opfer des NS-Regimes. Ja, durch die Einbindung von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und weiteren Nazis in die staatlichen Stellen hat man ihre (imaginierte oder tats\u00e4chliche) Gefahr mindern k\u00f6nnen, aber zu welchem Preis? Dem, dass Opfer weiterhin davon ausgehen mussten, sich bei m\u00f6glichen Anspr\u00fcchen an den neuen Staat den alten Kadern gegen\u00fcberzusehen. <\/p>\n<p>Das bewusste Beschweigen der NS-Zeit, die schon fr\u00fche Schlussstrich-Debatte haben nicht nur daf\u00fcr gesorgt, dass Nationalsozialisten sich ganz eventuell doch mit einer demokratischen Staatsform anfreunden konnten und vor allem Wirtschaft und Zeug wieder liefen, aber auch daf\u00fcr, dass Opfer mitschweigen mussten, um den br\u00fcchigen Frieden nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eZur Erinnerung: Auch wenn wir es heute in Teilen der Polizei, aber auch des Milit\u00e4rs wieder mit rechten Netzwerken, unter anderem von selbsterkl\u00e4rten \u201eReichsb\u00fcrgern\u201c, zu tun haben, stellte sich seinerzeit die Frage nach der Zuverl\u00e4ssigkeit der B\u00fcrokratie in einem ungleich gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df. Die Alliierten hatten 1945 nicht weniger als 200\u2009000 Personen, die sie als rechte Gef\u00e4hrder einstuften, in Sicherheitsverwahrung genommen: NSDAP-Funktion\u00e4re, Angeh\u00f6rige des Sicherheitsapparates, Berufssoldaten, h\u00f6here Beamte, Topmanager. Noch einmal so viele wurden entlassen \u2013 als \u201eNazis\u201c, aber auch als \u201eMilitaristen\u201c, wenn sie aus dem Sicherheits- und Milit\u00e4rapparat oder der R\u00fcstungsindustrie des Reiches kamen.<\/p>\n<p>Teile der SPD und der Gewerkschaften setzten angesichts dieser riesigen Herausforderung auf eine Politik, die sie in Anlehnung an das Republikschutzgesetz von 1922 \u201eSchutz der Demokratie\u201c nannten. Der Demokratieschutz sollte stabilisieren durch soziale Absicherung der potenziellen Gef\u00e4hrder: Die meisten der von der Denazifizierung betroffenen Personen sollten ein Anrecht auf Wiedereinstellung bekommen. Allerdings sollten Spitzenpositionen weiterhin durch Nazigegner besetzt werden.<\/p>\n<p>Praktiziert wurde diese Politik in Ans\u00e4tzen in Hessen, wo ein einzelner mutiger und gut platzierter Staatsanwalt wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Bauer\">Fritz Bauer<\/a> wichtige Akzente setzte \u2013 \u00fcbrigens nicht nur bei der Ahndung von NS-Verbrechen, sondern auch im Kampf gegen rechte Paramilit\u00e4rs. Au\u00dferdem war die SPD gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und f\u00fcr eine Entflechtung der Gro\u00dfindustrie. So sollte die Abkehr vom Militarismus sichergestellt werden.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber setzten die b\u00fcrgerlichen Parteien, zu denen neben der CDU\/CSU und der FDP auch die monarchistisch-nationalkonservative Deutsche Partei (DP) z\u00e4hlte, auf eine Politik, die den \u201eSchutz des Staates\u201c in den Mittelpunkt stellte. Dieser Staatsschutz gab vor, sich nicht sonderlich f\u00fcr etwaige Gefahren von rechts zu interessieren. Mit umso gr\u00f6\u00dferem Nachdruck beschwor er die Existenz einer \u201eroten Gefahr\u201c.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>#FritzBauerUltras, wisst ihr ja. Dem Institut kann man <a href=\"https:\/\/fnordon.de\/@FritzBauerInstitut@bildung.social\">folgen<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Leseempfehlung 2:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wapo.st\/47MWaA7\">245,000 Jewish Holocaust survivors are alive today. Where are they now?<\/a><\/p>\n<p>Der Artikel aus der Washington Post ist ein \u201egift article\u201c, wer ihn trotzdem nicht lesen kann, klickt bei <a href=\"https:\/\/archive.ph\/EeCFT\">archive<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAfter the Holocaust, Europe\u2019s heavily diminished Jewish population spread out across the globe. Since most countries do not systematically track survivors, it has not been clear how many were still alive \u2014 until now.<\/p>\n<p>The <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jewish_Claims_Conference\">Conference on Jewish Material Claims Against Germany<\/a> published on Tuesday what is thought to be the first comprehensive, verified estimate of the size of this population, where they live and what their needs are. Known as the Claims Conference, it is an organization that secures compensation payments from the German and Austrian governments for Jewish Holocaust survivors.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Fast die H\u00e4lfte der \u00dcberlebenden lebt heute in Israel. Falls noch jemand nach dem 7. Oktober Argumente braucht. Und warum das Ganze? Deswegen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWhen survivors die, a living piece of history dies with them. Leon Weintraub, 98, one of the living Jewish survivors, said it is more crucial than ever to share and preserve the lessons from that history in the face of Holocaust denialism and rising nationalist sentiment across Europe. Despite the troves of evidence of Nazi crimes, \u201cthere are still people who deny that this happened,\u201d he said.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das im Artikel angesprochene PDF ist <a href=\"https:\/\/www.claimscon.org\/forms\/Demographics\/Demographics-report-Global-WEB2.pdf\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern windete es in M\u00fcnchen ziemlich sch\u00f6n, weswegen ich meine Eink\u00e4ufe zu Fu\u00df erledigte, um mich mal wieder durchpusten zu lassen. 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