{"id":39575,"date":"2023-03-27T08:55:04","date_gmt":"2023-03-27T07:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=39575"},"modified":"2023-03-27T09:07:21","modified_gmt":"2023-03-27T08:07:21","slug":"freitag-bis-sonntag-24-bis-26-marz-2023-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=39575","title":{"rendered":"Freitag bis Sonntag, 24. bis 26. M\u00e4rz 2023 \u2013 Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p>Freitagvormittag gem\u00fctliche Hinfahrt von M\u00fcnchen nach Frankfurt, ich arbeitete im Zug, die Zeit verging wie im Flug. <\/p>\n<p>R\u00fcckfahrt einen Hauch ungeplant schon Sonntagabend statt Montag, denn heute geht ja nichts mehr wegen des Streiks, der v\u00f6llig in Ordnung ist. Unsere Tickets behielten die G\u00fcltigkeit, wir reservierten nur zwei neue Sitzpl\u00e4tze, Zug fuhr p\u00fcntklich und es gab sogar noch freie Pl\u00e4tze. Ich arbeitete nicht, die Zeit kroch dahin, und ich war darob n\u00f6lig, wollte aber auch nicht mehr arbeiten, weil ich um 19 Uhr nicht mehr denken kann.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Freitag bummelten wir nur durch die Gegend, l\u00e4sterten \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neue_Frankfurter_Altstadt\">die Playmobilh\u00e4user rund um den R\u00f6mer<\/a>, kehrten im Caf\u00e9 an der Schirn ein, gingen aber noch nicht Kunst gucken. Freitag war quasi Reise- und Rumlungertag. Aber wir hatten abends einen Termin, nutzten die zuckelige U-Bahn nach habichvergessen, die 30 Minuten dauerte, vom dortigen Bahnhof holte uns ein alter Freund von F. ab, den er vor 20 Jahren in den USA kennengelernt hatte. Wir wurden k\u00f6stlich bewirtet und beweint und vom (freiwillig n\u00fcchtern gebliebenen) Gastgeber mit dem Auto wieder zum Hotel zur\u00fcckgebracht, was keine 15 Minuten dauerte, und so wird das nichts mit der Verkehrswende.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Samstag kam zuerst <a href=\"https:\/\/www.schirn.de\/ausstellungen\/2023\/niki_de_saint_phalle\/\">Niki de Saint Phalle in der Schirn<\/a> dran, die ich als geb\u00fcrtige Hannoveranerin nat\u00fcrlich kenne, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nana_(Plastik)\">bei uns stehen ja drei Nanas rum<\/a>, \u00fcber die ich mir nie Gedanken gemacht habe als Kind, ich fand sie halt sch\u00f6n und bunt und gut war&#8217;s. Erst nach Jahren ist mir die kunsthistorische, feministische und soziologische Sprengkraft der Figuren klar und seitdem liebe ich sie noch mehr.<\/p>\n<p>In der Ausstellung sah ich aber erstmals ausf\u00fchrlich ihr Fr\u00fchwerk und das fand ich noch spannender.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Danach gingen wir in den anderen Fl\u00fcgel der Schirn und sahen gef\u00fchlt ewig <a href=\"https:\/\/www.schirn.de\/ausstellungen\/2023\/elizabeth_price\/\">Videokunst von Elizabeth Price<\/a>, die uns deutlich mehr gefiel als wir erwartet hatten. Ich zitiere die Schirn:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAus Kunst\u00adge\u00adgen\u00adst\u00e4n\u00adden und Doku\u00admen\u00adten von histo\u00adri\u00adschen Ereig\u00adnis\u00adsen entwi\u00adckelt Price im Zuge ihrer digi\u00adta\u00adlen Aneig\u00adnung neue Erz\u00e4h\u00adlun\u00adgen. Ein wieder\u00adkeh\u00adren\u00addes Thema ist die durch die Digi\u00adta\u00adli\u00adsie\u00adrung ver\u00e4n\u00adderte Arbeits\u00adwelt, das Abwan\u00addern der manu\u00adel\u00adlen Arbeit in Schwel\u00adlen\u00adl\u00e4n\u00adder mit gerin\u00adgen L\u00f6hnen oder die Zunahme der Infor\u00adma\u00adti\u00adons\u00adar\u00adbeit, B\u00fcro\u00adt\u00e4\u00adtig\u00adkeit und Verwal\u00adtung.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/www.schirn.de\/fileadmin\/SCHIRN\/Presse\/Texte_deutsch_2023\/Schirn_Presse_Elizabeth_Price_de.pdf\">Pressemitteilung<\/a> stehen die Titel und genaueren Inhalte. Lesens- und vor allem sehenswert, das Ganze.<\/p>\n<p>Bei der Arbeit \u201eNight of the world\u201c von 2023 f\u00fchlte ich mich unangenehm ertappt. Ich zitiere die eben verlinkte Pressemitteilung: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eSie widmet sich einem Schiff namens Tricolor, das im Dezember 2002 in einem West Hinder genannten Gebiet des \u00c4rmelkanals zwischen den Britischen Inseln und dem europ\u00e4ischen Festland sank. Geschildert wird eine Fantasieerz\u00e4hlung, in der die Schiffsladung von 2896 Luxusautos eine Art Bewusstsein erlangt. Deren \u201eintelligente Fahrzeugsteuerungssysteme\u201c entwickeln eine Sprache aus Benutzerhandb\u00fcchern und Pressemitteilungen. Als ein Chor synthetischer Stimmen wenden die Fahrzeuge sich mittels bewegter Grafiken auf dem Bildschirm an die Betrachterinnen und Betrachter.\u201c <\/p><\/blockquote>\n<p>Die \u201eSprache aus Benutzerhandb\u00fcchern und Pressemitteilungen\u201c ist mir nat\u00fcrlich sehr vertraut, weil ich sie selbst jahrelang verfasst habe. Die ganzen Sprechblasen von \u201edynamischen Linien\u201c, \u201ekraftvollen Eindr\u00fccken\u201c und \u00e4hnlichem Firlefanz habe ich hier sch\u00f6n um die Ohren gehauen bekommen. Der Text verstieg sich zu \u201eArabesken aus\u201c irgendwas, vergessen, aber sp\u00e4testens dann sa\u00df ich mit sehr roten \u00d6hrchen da. Dass man \u201eTruth in Engineering\u201c (BMW-Claim) auch als eine Art Manifest einer k\u00fcnstlichen Intelligenz lesen k\u00f6nnte, fand ich \u00e4u\u00dferst clever.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Wir verzichteten aufs Mittagessen, denn wir hatten abends eine Reservierung. Gest\u00e4rkt durch Weingummi, Kekse und Cola gingen wir noch ins Museum f\u00fcr moderne Kunst, wo uns <a href=\"https:\/\/www.mmk.art\/de\/whats-on\/rosemarie-trockel-4\/\">Rosemarie Trockel<\/a> leider eher ratlos zur\u00fccklie\u00df. Ich mag ihre textilen Arbeiten sehr gern, aber f\u00fcr alles andere musste man das Begleitheft lesen, zu dem wir beide keine Lust hatten. Wenn von den dortigen, guten Texten ein Drittel an den W\u00e4nden gestanden h\u00e4tte, w\u00e4re es uns vielleicht anders ergangen, aber so bummelten wir durch Konzeptkunst, die uns leider eher egal blieb.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends sa\u00dfen wir im <a href=\"https:\/\/guide.michelin.com\/de\/de\/hessen\/frankfurt-am-main\/restaurant\/masa-japanese-cuisine\">Masa<\/a>, aus dem wir v\u00f6llig begeistert wieder herauskamen. Zwei Fotos gemacht, eins auf Insta gepostet, aber auch erst am Tag danach, ich wollte nur schauen und riechen und genie\u00dfen. Das haben wir sehr ausf\u00fchrlich zelebriert. Kann erstmal kein Sashimi mehr essen, weil das dort schlicht herausragend war; solchen Fisch, solchen Reis hatte ich noch nie gegessen. Und Sake! Wie toll kann bitte Sake sein? Viel gelernt, dankbar gewesen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern wartete noch das <a href=\"https:\/\/www.juedischesmuseum.de\/\">J\u00fcdische Museum<\/a> auf uns. In der Ausstellung \u201e<a href=\"https:\/\/www.juedischesmuseum.de\/besuch\/detail\/vier-frankfurter-kuenstlerinnen\/\">Zur\u00fcck ins Licht<\/a>\u201c konnte ich vier vergessene oder \u00fcbersehenene K\u00fcnstlerinnnen kennenlernen. Sehr gute Ausstellung, die man \u2013 leider, wie immer in diesem Kontext \u2013 mit der geballten Faust in der Tasche wieder verl\u00e4sst. Danach schauten wir uns in aller Ruhe die Dauerausstellung an, die uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Man wird nicht zugeballert, bekommt aber alles mit, die Texte sind knapp, aber aussagekr\u00e4ftig, diverse H\u00f6rstationen bieten Vertiefung. Und: genug Sitzgelegenheiten! Und Kaffee f\u00fcr lau in einem Raum, der mit \u201eAsk the Rabbi\u201c \u00fcberschrieben ist und in dem man sich Videos mit Rabbiner*innen anschauen kann, die in Frankfurt arbeiten. Kenne deine Zielgruppe! Sehr gut.<\/p>\n<p>Ich twitterte, dass die Schlie\u00dff\u00e4cher f\u00fcr Jacken und Rucks\u00e4cke keine Nummern, sondern Namen haben \u2013 erstmal <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Bauer\">Fritz Bauer<\/a> gesichert \u2013, worauf das Museum sich mit Gr\u00fc\u00dfen meldete und einen sch\u00f6nen Besuch w\u00fcnschte. Meine erste Reaktion: \u201eOh, nett.\u201c Meine zweite: \u201eVerdammt, da muss jemand am Sonntag arbeiten.\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Mittendrin-Reaktion leider auch: Wieso gibt es eine Eingangskontrolle, in der Rucks\u00e4cke durchw\u00fchlt werden und bei der man durch einen Metalldetektor geht. Wann h\u00f6rt dieser Schei\u00df endlich auf, n\u00f6tig zu sein. Verdammtes Land. (Bin sp\u00e4testens seit der Diss dauernd auf Krawall geb\u00fcrstet, wenn es um Deutschland, seine Vergangenheit und seinen Umgang mit eben dieser geht.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Unsere Koffer waren noch im Hotel, wir mussten noch etwas Zeit bis zum Zug rumkriegen, also gingen wir in einen <a href=\"https:\/\/whatsbeef.de\/fresh-burger-fries-and-shakes-in-frankfurt-whats-beef\">Burgerladen<\/a>, dessen Burger sehr gut und hei\u00df und fettig waren, wo wir aber leider noch einen kleinen Milkshake als Nachtisch orderten, der uns ins totale Zuckerkoma warf. H\u00e4tte man vielleicht erwarten k\u00f6nnen, wenn man etwas mit Skittles und Toffifee bestellt. Ich wunderte mich, dass die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Freshman_15\">Freshman 15<\/a> nicht Freshmen 50 hei\u00dfen. Wir machten einen Verdauungsspaziergang zur Plastikaltstadt und gingen in einen am Freitag entdeckten kleinen Hof, der nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fried_L%C3%BCbbecke\">Fried L\u00fcbbecke<\/a> benannt wurde, den wir uns erstmal ergoogelten und \u00fcber den ich im ZI etwas nachlesen werde. Wenn wir auf Bildungstour sind, dann richtig.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ereignislose R\u00fcckfahrt, ich erw\u00e4hnte es bereits. F. d\u00f6ste rum, ich las in einer <a href=\"https:\/\/opacplus.bsb-muenchen.de\/search?isbn=3866241690&#038;db=100&#038;View=default\">Diss<\/a> \u00fcber die sogenannte \u201einnere Emigration\u201c einiger deutscher K\u00fcnstler*innen (problematischer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Innere_Emigration\">Wiki-Eintrag<\/a>; nicht alle in Deutschland gebliebenen K\u00fcnstler*innen waren dem Staat gegen\u00fcber in der Opposition) und wechselte dann zu <a href=\"https:\/\/www.aufbau-verlage.de\/aufbau\/ein-moglichst-intensives-leben\/978-3-351-03726-0\">Lion Feuchtwangers Tageb\u00fcchern<\/a>, die ich im Museumsshop erworben hatte.<\/p>\n<p>Und wenn ich mitgekriegt h\u00e4tte, dass die U-Bahnen im Hauptbahnhof mal wieder im Wochenend-Baustellen-Modus fahren (also nicht auf den Gleisen, auf denen sie sonst fahren und die ich im Schlaf finde), h\u00e4tte ich noch nicht mal auf eine Bahn warten m\u00fcssen. Musste ich dann aber, Koffer war zu schwer zum Rennen. Alles wie immer also.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitagvormittag gem\u00fctliche Hinfahrt von M\u00fcnchen nach Frankfurt, ich arbeitete im Zug, die Zeit verging wie im Flug. R\u00fcckfahrt einen Hauch ungeplant schon Sonntagabend statt Montag, denn heute geht ja nichts mehr wegen des Streiks, der v\u00f6llig in Ordnung ist. 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