{"id":39448,"date":"2023-02-23T08:01:41","date_gmt":"2023-02-23T07:01:41","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=39448"},"modified":"2023-02-23T08:01:41","modified_gmt":"2023-02-23T07:01:41","slug":"39448","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=39448","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00f6nes neues Wort gelernt:<\/p>\n<p>\u201eAm Abend traf ich den Grafen Chojnicki in unserem Caf\u00e9 Wimmerl. Ich wu\u00dfte wohl, da\u00df man ihm kaum einen gr\u00f6\u00dferen Gefallen bereiten konnte, als wenn man ihn bat, f\u00fcr einen seiner Landsleute Verg\u00fcnstigungen zu verschaffen. Er hatte nicht nur keinen Beruf, er hatte auch keine Besch\u00e4ftigung. Er, der in der Armee, in der Verwaltung, in der Diplomatie eine sogenannte \u00bbbrillante Karriere\u00ab h\u00e4tte einschlagen k\u00f6nnen und der sie geradezu ausgeschlagen hatte, aus Verachtung gegen die Trottel, die T\u00f6lpel, die Pallawatsche, alle jene, die den Staat verwalteten und die er \u00bbKn\u00f6delhirne\u00ab zu nennen liebte, machte sich ein delikates Vergn\u00fcgen daraus, Hofr\u00e4te seine Macht f\u00fchlen zu lassen, die wirkliche Macht eben, die gerade eine nicht-offizielle W\u00fcrde verlieh. Und er, der so freundlich, so nachsichtig, ja entgegenkommend Kellnern, Kutschern, Dienstm\u00e4nnern und Brieftr\u00e4gern gegen\u00fcber war, der niemals vers\u00e4umte, den Hut abzunehmen, wenn er einen Wachmann oder einen Portier um irgendeine gleichg\u00fcltige Auskunft bat, bekam ein kaum wiedererkennbares Gesicht, wenn er eine seiner Protektionsdemarchen am Ballhausplatz, in der Statthalterei, im Kultus- und Unterrichtsministerium unternahm: Ein eisiger Hochmut lag, ein durchsichtiges Visier, \u00fcber seinen Z\u00fcgen. War er noch unten vor dem livrierten Portier am Portal einigerma\u00dfen herablassend, manchmal sogar g\u00fctig, so steigerte sich sein Widerstand gegen die Beamten sichtbarlich bei jeder Stufe, die er emporstieg, und war er einmal im letzten Stock angekommen, machte er den Eindruck eines Mannes, der hierhergekommen war, um ein f\u00fcrchterliches Strafgericht zu halten. Man kannte ihn schon in einigen \u00c4mtern. Und wenn er im Korridor dem Amtsdiener mit einer gef\u00e4hrlich leisen Stimme sagte: \u00bbMelden Sie mich beim Hofrat!\u00ab, so fragte man nur selten nach seinem Namen, und geschah es dennoch, wiederholte er, wom\u00f6glich noch leiser: \u00bbMelden Sie mich sofort bitte!\u00ab Das Wort \u00bbbitte!\u00ab klang allerdings schon lauter.\u201c<\/p>\n<p>Kn\u00f6delhirne Herzchen-Emoji.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Roth\">Joseph Roth<\/a>: \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Kapuzinergruft\">Die Kapuzinergruft<\/a>\u201c, M\u00fcnchen 2009 (deutsche Erstausgabe 1949? so steht&#8217;s in meinem Taschenbuch), S. 28. Oder <a href=\"https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/roth\/kapuzine\/chap001.html\">beim Gutenberg-Projekt<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6nes neues Wort gelernt: \u201eAm Abend traf ich den Grafen Chojnicki in unserem Caf\u00e9 Wimmerl. 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