{"id":38006,"date":"2022-03-27T11:57:00","date_gmt":"2022-03-27T10:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=38006"},"modified":"2022-03-27T12:07:35","modified_gmt":"2022-03-27T11:07:35","slug":"tagebuch-kw-12-e-mail-signatur-geandert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=38006","title":{"rendered":"Tagebuch KW 12 \u2013 E-Mail-Signatur ge\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<p>Am Montag spazierte ich ein vermutlich letztes Mal ins Pr\u00fcfungsamt und holte mir meine Promotionsurkunde ab. Hier im Bild mit dem BA- und dem MA-Zeugnis. Der etwas schickere blaue Ordner ist f\u00fcr den Doktortitel.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0191.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"724\" class=\"alignnone size-full wp-image-38018\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0192.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"525\" class=\"alignnone size-full wp-image-38019\" \/><\/p>\n<p>Im Anschluss \u00e4nderte ich meine E-Mail-Signatur bzw. trug den Titel vor meinem Namen ein. Komischerweise hat sich das wichtiger und bedeutungsvoller angef\u00fchlt als ein St\u00fcck Papier aus der Uni zu tragen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Auf Twitter <a href=\"https:\/\/twitter.com\/destotrotz\/status\/1506571388957696002\">stellte<\/a> eine Historikerin eine gute Frage, ich zitiere den Tweet:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eLiebe #twitterstorians, kennt ihr Tipps zum Umgang mit psychisch belastenden Quellen? Wie grenzt ihr euch ab? Wir arbeiten im SoSe mit Gewaltdarstellungen. M\u00f6chte die Studis damit nicht allein lassen und w\u00fcrde gern auch eine Einheit &#8220;Selbstf\u00fcrsorge f\u00fcr Historiker*innen&#8221; anbieten.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In den Replys waren einige schlaue Dinge, von denen ich mir ein paar merken bzw. andere anwenden werde. Ich kam mir meist wie eine totale Memme vor, wenn mich NS-Quellen zum Weinen gebracht haben. Ich erinnere mich besonders an einen Tag im Bundesarchiv, eh eine gute Quelle f\u00fcrs Heulen, als ich in den Unterlagen, die ich als Mikrofiche einsah, pl\u00f6tzlich lauter Schreiben hatte, die sich mit der Aktion \u201eEntartete Kunst\u201c befassten. Die hatte ich gar nicht gesucht, aber weil das Speicherformat Mikrofiche halt mehr Platz bietet als die Originalquelle, waren die Dokumente schlicht an meine Bestellung angedockt. Ich zitiere meinen eigenen <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=33805\">Blogeintrag<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd dann stolperte ich noch \u00fcber die ersten Entw\u00fcrfe zur staatlich legitimierten \u201eEinziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst\u201c, also dem Raubzug durch deutsche Museen der heute so genannten Klassischen Moderne. Darauf war ich \u00fcberhaupt nicht vorbereitet gewesen; ich hatte mich doch gerade nur durch Briefwechsel von einzelnen K\u00fcnstlern oder K\u00fcnstlergruppen gew\u00fchlt, die irgendwelche Nachl\u00e4sse, Werke oder Kompositionen dem \u201everehrten F\u00fchrer und Reichskanzler\u201c \u00fcberlassen wollten, woraufhin die Kanzlei meist sehr h\u00f6flich formulierte, dass Herr Hitler gerade echt was Besseres zu tun h\u00e4tte. Allerdings nicht immer: Gerade die M\u00fcnchner K\u00fcnstler konnten sehr h\u00e4ufig auf pers\u00f6nliche Unterst\u00fctzung oder finanzielle Hilfen hoffen. Auch deswegen wollte ich in diesen Best\u00e4nden rumw\u00fchlen; die Sekund\u00e4rliteratur war da gerne etwas blumig-vage geblieben, aber jetzt konnte ich einzelne Schreiben zitieren und Vorg\u00e4nge nachvollziehen. Und so war ich im Kopf bei Bettelbriefen und Huldsbezeugungen und dann kamen auf dem Monitor pl\u00f6tzlich die ersten Unterlagen dar\u00fcber, wie man am besten deutsche Kunst einzieht, aber die Ausl\u00e4nder nicht verprellt, die diesen Kram ja so m\u00f6gen. Es fiel auch der Begriff \u201enicht unbeachtliche Verm\u00f6gensobjekte\u201c; den Deppen war durchaus klar, was sie da an den W\u00e4nden hatten, sie wollten es blo\u00df nicht anschauen oder sich damit auseinandersetzen, dass es mehr als ihre beschissen eng gefasste Weltsicht gibt, sondern lieber banalste Genreszenen aus dem 19. Jahrhundert wieder aufleben lassen, weil\u2019s da ja so sch\u00f6n war.<\/p>\n<p>Zuerst war ich pissig und dann sehr nah am Wasser, was mich selbst \u00fcberraschte. Ich wei\u00df ja so gaaanz langsam, mit was ich mich da seit Jahren befasse, aber manchmal \u00fcberw\u00e4ltigt es mich dann doch noch. Diese Engstirnigkeit, dieser Hass, dieser Wille zur Macht auf der einen und zur Vernichtung auf der anderen Seite. Die Sprache, das B\u00fcrokratische, die st\u00e4ndig neuen Regeln, die gef\u00fchlt willk\u00fcrlich gemacht wurden, weil sie es konnten. Manchmal ist es zu viel und dann heult man kurz im Bundesarchiv. Weil es eben nicht nur um ein paar bunte Bilder ging. Ich bin nicht hart genug f\u00fcr die Kunstgeschichte.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist ein anderer Schnack als wenn man sich mit Genozidforschung befasst, schon klar. Aber ich merkte und merke es immer wieder, dass ich d\u00fcnnh\u00e4utiger werde, je tiefer ich in dieses Thema einsteige. Im den letzten beiden Semestern h\u00f6rte ich einer Vorlesung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Wildt\">Michael Wildt<\/a> an der Humbold-Uni zu, die tollerweise per Zoom stattfand. Im Sommersemester ging es um die Entwicklung der Vernichtungspolitik im \u201eDritten Reich\u201c, angefangen mit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aktion_T4\">Aktion T4<\/a> \u00fcber die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wannseekonferenz\">Wannseekonferenz<\/a> nach Auschwitz. Im letzten Semester ging es um popul\u00e4rwissenschaftliche B\u00fccher (oder Werke von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ruth_Kl%C3%BCger\">Ruth Kl\u00fcger<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anne_Frank\">Anne Frank<\/a>), die unser Bild vom Nationalsozialismus pr\u00e4gten. Nach jeder der 90 Minuten war ich fertig, obwohl ich nur zuh\u00f6rte und nicht selbst durch Akten bl\u00e4tterte. Dieser ganze Hass frisst sich irgendwann in einen hinein, und ich ahne langsam, dass meine Witze \u00fcber meine Fassungslosigkeit dar\u00fcber eine v\u00f6llig angemessene Reaktion der \u00dcberforderung und Hilflosigkeit waren. Gut zu wissen, dass ich mit dieser Hilflosigkeit nicht allein bin und dass es in Ordnung ist, nach einer konzentrierten wissenschaftlichen Arbeit, bei der man sich um Distanz und Emotionslosigkeit bem\u00fcht, zu weinen, mit Dingen zu werfen oder viel Kuchen backen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>(Hat sich seltsam angef\u00fchlt, Anne Franks Wikipedia-Artikel zu verlinken, denn eigentlich wei\u00df man ja, wer das ist.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/milkkarten.substack.com\/p\/socialinarts?token=eyJ1c2VyX2lkIjoxMjMyMzA1NCwiXyI6ImgyR0I2IiwiaWF0IjoxNjQ4Mzc3MjQ1LCJleHAiOjE2NDgzODA4NDUsImlzcyI6InB1Yi0yMzYxOTYiLCJzdWIiOiJwb3N0LXJlYWN0aW9uIn0.1HyDedqApmV4a8YTigKCweVxlcELOXJ5tciRauFxYXQ&#038;s=r\">The Art of Working in Social at a Museum<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Dieses Interview mit <a href=\"https:\/\/www.apollo-magazine.com\/jiajia-fei-apollo-40-under-40-art-tech-the-business\/\">JiaJia Fei<\/a> fand ich recht spannend. Danke an @<a href=\"https:\/\/twitter.com\/simply_hande\">simply_hande<\/a> f\u00fcr den Link.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eRK: Why do you love working in social within the arts?<\/p>\n<p>JF: I used to joke that following me on Instagram could give you an honorary degree in art history. By design, the art world is built on exclusion and hierarchy. Objects that end up in museums and galleries have cultural (and financial) value because they pass through a vigorous selection process that basically declare other objects do not hold such value. The power that social media provides in the possibility of opening up the art world and bringing art to more people beyond these structures is what\u2019s motivated me to do this work over the last 15 years. [&#8230;]<\/p>\n<p>RK: I&#8217;ve noticed a lot of Link in Bio readers work at museums. What are a few tips you have for social media professionals who work in this field?<\/p>\n<p>JF: The most important thing to know when managing social media for a museum is the museum itself. More important than the latest trends or optimal times to post, it is critical to internalize the mission, collection, and program of your institution first, in order to properly interpret that story (in an engaging way) to a broader public online. For this reason, it\u2019s often a mistake to delegate social media to the most inexperienced person (which often happens) at your organization. Think about it: you are handing over the most publicly visible channels to the person who understands your institution the least. For that reason, anyone working in this role should do the work of getting to know every aspect (and person) at the museum first. [&#8230;]<\/p>\n<p>We are living in a time of unprecedented access to information and images, and art should be at the forefront, as long as we can make it more accessible to more people. People are often intimidated by art because they think it requires so much prior knowledge and experience to appreciate, but I like to compare it to developing one\u2019s taste for music or movies. The more you see, the more you can decide for yourself what you like (or dislike). Art is a reflection of our world, and the more people (of all backgrounds) participate in the discourse of art, the more it will be truly reflective of the world we actually live in.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re gerade <a href=\"https:\/\/www.kiwi-verlag.de\/buch\/kurt-kroemer-du-darfst-nicht-alles-glauben-was-du-denkst-9783462002546\">Herrn Kr\u00f6mer beim Spazierengehen zu<\/a>. Gibt&#8217;s zum Beispiel auf <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/album\/75cUKsGPzIZz1BuhuZWmoP?si=u4V2JbXHRGufhnMiXyN4uA\">Spotify<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/family\/archive\/2022\/03\/enjoyment-not-pleasure-creates-happiness\/627583\/\">Choose Enjoyment Over Pleasure<\/a><\/strong><\/p>\n<p>An manchen Tagen leichter gesagt als getan, aber: im Prinzip ja.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThis creates a puzzle for the happiness seeker, who must navigate between the twin perils of puritanism and indulgence, leading to the much-dreaded rule of moderation, which is more or less the philosophy of leaving any party as soon as it gets really good. Fortunately, there is a better way to solve the puzzle: To stay at the party without letting it get out of control, choose enjoyment instead.<\/p>\n<p>Enjoyment and pleasure are terms often used interchangeably, but they are not the same thing. Pleasure happens to you; enjoyment is something that you create through your own effort. Pleasure is the lightheadedness you get from a bit of grain alcohol; enjoyment is the satisfaction of a good wine, properly understood. Pleasure is addictive and animal; enjoyment is elective and human. [&#8230;]<\/p>\n<p>Enjoyment is better than pleasure because it is more conscious and permanent. [&#8230;] everyone gets pleasure from eating when they\u2019re hungry, but it takes some knowledge and cultivation to enjoy food. After you finish lunch, the pleasure is gone, and in fact, the idea of eating is no longer appealing because your physical need has been satisfied. Meanwhile, the memory of a meal enjoyed with friends transcends the immediate experience and can bring good feelings long after it is over.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich habe mir ein bisschen Enjoyment selbst gebastelt und gekocht. Zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.lecker.de\/rote-bete-la-bourguignonne-80085.html\">Rote Bete \u00e0 la Bourguignonne<\/a> mit Kartoffelbrei (nur echt mit Brocken) oder <a href=\"https:\/\/www.springlane.de\/magazin\/ratatouille-selber-machen\/\">Confit Byaldi<\/a>. Und generell erfreut mich meine Biokiste weiterhin, aber das ist ja nichts Neues. (Trotzdem aufschreibenswert.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0196.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-38020\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0204-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"435\" class=\"alignnone size-full wp-image-38022\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0212.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"592\" class=\"alignnone size-full wp-image-38023\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0201.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"572\" class=\"alignnone size-full wp-image-38021\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag spazierte ich ein vermutlich letztes Mal ins Pr\u00fcfungsamt und holte mir meine Promotionsurkunde ab. 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