{"id":37939,"date":"2022-03-04T12:09:39","date_gmt":"2022-03-04T11:09:39","guid":{"rendered":"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=37939"},"modified":"2022-03-05T10:07:51","modified_gmt":"2022-03-05T09:07:51","slug":"tagebuch-ende-februar-anfang-marz-2022-very-mixed-bag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=37939","title":{"rendered":"Tagebuch Ende Februar, Anfang M\u00e4rz 2022 \u2013 Very mixed bag"},"content":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht, wie ich diesen Eintrag anfangen soll und vermutlich wei\u00df ich auch nicht, wie er aufh\u00f6ren wird. Es f\u00fchlt sich falsch, fast frivol an, auf Insta Mahlzeiten zu posten und auf Twitter die Artbots zu retweeten, w\u00e4hrend nicht wirklich weit von mir weg Menschen in einem Krieg sterben. Ich hatte in meinem Leben bisher das Gl\u00fcck, noch nicht pers\u00f6nlich von einer derartigen Katastrophe betroffen zu sein bzw. kenne pers\u00f6nlich keine Menschen, die fliehen mussten, h\u00f6chstens den Mann aus dem damals noch existierenden Jugoslawien, mit dem ich ein Einstellungsgespr\u00e4ch f\u00fchrte, als ich in den 1990er Jahren ein Kino in Hannover leitete. Dieser Krieg war entfernungsm\u00e4\u00dfig sogar noch n\u00e4her an mir dran, f\u00fchlte sich aber bescheuerterweise wie ein lokaler Konflikt an, den ich sch\u00f6n ignorieren konnte. Dass es das Internet noch nicht in der heutigen Form gab, half vermutlich auch. Aber heute habe ich halt Twitter, das ich zwischendurch immer wieder vom Handy werfe, um es drei Stunden sp\u00e4ter wieder zu installieren. Auch um Artbots zu retweeten, um dem Strom aus Katastrophennachrichten etwas entgegenzusetzen, aber ich wei\u00df selbst nicht, ob das albern ist oder irgendjemandem au\u00dfer mir hilft.<\/p>\n<p>Einige Menschen habe ich stumm geschaltet oder bin ihnen entfolgt, weil sie min\u00fctlich Dinge aus dem Krieg posten und ich wei\u00df nicht, was ich damit anfangen soll, kann, muss, m\u00fcsste.<\/p>\n<p>(Edit, halbe Stunde nach Ver\u00f6ffentlichung:<\/p>\n<p>Klar kenne ich Fl\u00fcchtende, n\u00e4mlich meine Mutter und meine Omi. Meine Omi hat nie \u00fcber Ostpreu\u00dfen gesprochen und ist auch nie nach Polen gefahren, w\u00e4hrend ihre Schwester sich das in den 1980er Jahren nochmal angeschaut hat. Mit meiner Mutter. Muss mal die Fotoalben anschauen, wenn ich wieder im Norden bin. Meine Mutter hat selten \u00fcber ihre Fluchterfahrungen gesprochen, sie verarbeitet die Zeit anders. Sie kann zum Beispiel kein Essen wegwerfen, nie. Sie friert den Saft einer viertel Zitrone ein und isst steinhartes Brot. Und sie ist vor Jahren mal nicht mit nach Bayreuth mit mir gefahren, als wir Karten f\u00fcr den \u201eLohengrin\u201c hatten, in dem Menschen als Ratten auftreten. Ratten gehen gar nicht. Auch hier ist sie nicht in Detail gegangen, sondern erw\u00e4hnte nur ungern Leichen am Weg, als sie flohen. Und eben Ratten.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich lenke mich ab, indem ich \u00fcber Kunstgeschichte oder Werbung nachdenke, beides ist gerade sehr willkommen. Au\u00dferdem hat mein Kopf mal wieder Zeit, \u00fcber meine Wohnung nachzudenken, Wandfarben, neue M\u00f6belanordnungen, was sich genauso frivol anf\u00fchlt, weil nicht wirklich weit von mir weg Menschen keine Wohnungen mehr haben, weil sie von sinnlosen Gefechten zerst\u00f6rt wurden.<\/p>\n<p>Letzte Woche r\u00e4umte ich meine K\u00fcche mal wieder um, was ich seit meinem Einzug turnusm\u00e4\u00dfig mache, weil ich nie gl\u00fccklich mit ihr war. <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31250\">2019 strich ich eine Wand<\/a>, was kurz half, dann schob ich st\u00e4ndig Regale hin und her, zog den Tisch ein oder aus, \u00fcberlegte Farbkonzepte und Ordnungsstrukturen, aber irgendwie sah die K\u00fcche immer aus, als ob jemand vor f\u00fcnf Minuten eingezogen war und irgendwo M\u00f6bel hinger\u00e4umt h\u00e4tte. Jetzt zum ersten Mal nicht. Links von der T\u00fcr ist die eingebaute K\u00fcchenzeile, an deren Anordnung ich nichts \u00e4ndern kann und \u00fcber die ich mich weiterhin aufregen werde, weil die einzige Besteckschublade ganz links ist und die einzige gr\u00f6\u00dfere Arbeitsfl\u00e4che vier Meter weiter rechts. Alles andere \u2013 freistehender K\u00fchlschrank, komisches Ikea-K\u00fcchenm\u00f6bel aus Edelstahl (2012), Kallax (2018?) \u2013 steht jetzt rechts von der T\u00fcr und in der Mitte der komplett ausgezogene Tisch. Den Tipp hatte ich in Hamburg mal von einer Innenausstatterin bekommen, als ich mit dem Tisch im Esszimmer haderte, der irgendwie verloren rumstand: Tische so gro\u00df wie m\u00f6glich, dann sieht der Raum auch gr\u00f6\u00dfer aus. Wenn alle ausziehbaren Platten drin sind, passiert genau das, was mein Problem war: Der Tisch steht verloren in der Mitte, und um ihn rum ist sinnloser Platz, der nur nerv\u00f6s macht. Jetzt muss ich zwar beim Kochen noch l\u00e4ngere Wege zur\u00fccklegen als vorher, weil ich halt um den Tisch muss, um an meine Pfannen und T\u00f6pfe zu kommen, aber mir gef\u00e4llt der Raum jetzt erstmals wirklich. Mal sehen, wie lange das h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Halten werden nun auch die beiden schwarzen Regalbretter, die ich mit meiner eigentlich guten Bosch nicht anged\u00fcbelt bekommen habe, im Gegensatz zur kleineren Wohnung einen Stock \u00fcber mir, wo ich beide alleine und sogar halbwegs gerade an die Wand dengelte. Dieses Mal musste der Mann mit der Hilti vorbeikommen, was aber auch nett ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0094.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"404\" class=\"alignnone size-full wp-image-37942\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0096.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"598\" class=\"alignnone size-full wp-image-37943\" \/><\/p>\n<p>Die beiden Tabletts hat Papa vor Jahrzehnten von den Philippinen mitgebracht, als der gesch\u00e4ftlich dort war. Als ob er geahnt h\u00e4tte, dass ich heute einen Halb-Filipino an meiner Seite habe. Die Sch\u00fcssel davor ist auch von ihm, ich finde den Blogeintrag dazu nicht mehr (falls ich ihn je geschrieben habe): Er hat mal Holz zur Kirche im Dorf gebracht, die von diesen Spenden Schalen hat herstellen lassen. Das ist eine davon.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Es gab gutes Essen in den letzten Tagen, aber auch viel Schokolade.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0102.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-37945\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ethanchlebowski.com\/cooking-techniques-recipes\/bibimbap-korean-mixed-rice\">Bibimbap<\/a> mit Zucchini, Spinat, Tempeh, eingelegter M\u00f6hre und Ei dr\u00fcber, das all das sch\u00f6ne Zeug darunter verdeckt. Dazu Gochujang und Koriander\u00f6l, im Prinzip wie <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34260\">Schnittlauch\u00f6l<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0101.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-37944\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=10325\">Rote Bete im P\u00e4ckchen mit Linsen und Mozzarella<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0046.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"600\" class=\"alignnone size-full wp-image-37949\" \/><\/p>\n<p>Spaghetti mit Tomatensauce, nach Frau Hazan, nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0089.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-37950\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/cooking.nytimes.com\/recipes\/1019681-cheesy-white-bean-tomato-bake\">Baked Beans mit Salat<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0084.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"449\" class=\"alignnone size-full wp-image-37951\" \/><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern und vorgestern lief ich zum ersten Mal mit einem Audiobook auf den Ohren durch die Gegend anstatt mit der hundertsten 80er-Jahre-Playlist auf Spotify. <a href=\"https:\/\/jamesclear.com\/atomic-habits\">Es ist ein Sachbuch<\/a>, \u00fcber das beim Videokurs \u00f6fter gesprochen wurde, ich h\u00e4tte mich sonst nicht damit besch\u00e4ftigt. Der Autor liest selbst, das ist nett, ich h\u00f6re ihm auch gerne zu und bin erstaunt dar\u00fcber, wie wenig mir das Rumlaufen ausmacht, weil ich mich auf die Inhalte konzentriere, die ich auf die Ohren bekomme, aber ob wirklich viel h\u00e4ngenbleibt, wage ich noch zu bezweifeln. Bei einem Punkt, der vorkam, dachte ich sofort an mein ver\u00e4ndertes Essverhalten in den letzten gut zehn Jahren im Vergleich zum Leben davor und ich dachte, ach, guck, k\u00f6nnteste bloggen, aber jetzt wei\u00df ich schon nicht mehr, welcher Satz mich genau angesprochen hatte und da es kein Papierbuch ist, kann ich nicht nachschlagen. Hm. Vielleicht f\u00fcr mich doch eher ein halbgares Konzept.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich habe die ganzen Belegexemplare an Museen und Archive verschickt, damit diese mir Rechnungen f\u00fcr ihre abgebildeten Gem\u00e4lde schicken k\u00f6nnen, f\u00fcr die ich schon Nutzungsgeb\u00fchren bezahlt habe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_0027.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"623\" class=\"alignnone size-full wp-image-37948\" \/><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Meine Omi h\u00e4tte heute Geburtstag. Ich denke immer an sie, wenn ich Tee aus ihrem Service trinke.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/F5AFC2F9-AC3A-4052-8906-03FD02B97384-23959-0000052EE5F0E61C.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"616\" class=\"alignnone size-full wp-image-37941\" \/><\/p>\n<p>Ich habe meinen Schreibtisch um 90 Grad gedreht und gucke nun nicht mehr auf Sofa und blaue Wand, sondern auf Luise. Und seit gestern auch noch auf Tulpen. Jede Kleinigkeit hilft (mir).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nicht, wie ich diesen Eintrag anfangen soll und vermutlich wei\u00df ich auch nicht, wie er aufh\u00f6ren wird. Es f\u00fchlt sich falsch, fast frivol an, auf Insta Mahlzeiten zu posten und auf Twitter die Artbots zu retweeten, w\u00e4hrend nicht wirklich weit von mir weg Menschen in einem Krieg sterben. 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