{"id":36350,"date":"2021-03-17T09:28:59","date_gmt":"2021-03-17T08:28:59","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=36350"},"modified":"2021-03-18T09:15:18","modified_gmt":"2021-03-18T08:15:18","slug":"montag-dienstag-15-16-marz-2021-zweiter-pandemiegeburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=36350","title":{"rendered":"Montag\/Dienstag, 15.\/16. M\u00e4rz 2021 \u2013 Zweiter Pandemiegeburtstag"},"content":{"rendered":"<p>Der Montag fing eigentlich gut an: Ich raffte mich zum Wohnungsputz auf und sah, danach am Schreibtisch sitzend, erfreut, dass ich neue Dinge auf der Seite f\u00fcr die Impfanmeldung in Bayern anklicken konnte, die mich in Priogruppe 2 brachten, wo ich hingeh\u00f6re. Ich setzte ein Schreiben auf, ging zum Briefkasten und hatte das Gef\u00fchl, irgendwie aktiv geworden zu sein, selbst etwas machen zu k\u00f6nnen. Ab da ging der Tag leider den Bach runter.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst bekam ich mit, dass es dem M\u00fctterchen nicht so gut ging, dann, dass sich das Schwesterherz \u00e4hnlich f\u00fchlte, alles war auf einmal wieder anstrengend und doof, und dann kam die Nachricht rein, dass die Impfungen mit Astra-Zeneca ausgesetzt werden, gerade jetzt, wo die Infiziertenzahlen wieder nach oben gehen und die ganze Impfkampagne eh nur schleppend l\u00e4uft. Nat\u00fcrlich ist es richtig, dass man sich seltsame H\u00e4ufungen von Krankheits- oder sogar Todesf\u00e4llen anschaut, aber soweit ich das \u00fcberblicke, ist das Risiko, bei Corona eine Thrombose zu entwickeln, deutlich h\u00f6her als das bei der Impfung. Ich habe aber nat\u00fcrlich nicht wirklich eine Ahnung, nur mal wieder, erneut, dauernd das Gef\u00fchl, wieder machtlos geworden zu sein. Und da erwischte mich dann erstmals der Pandemie-Heulflash. Wegen Stress oder \u00dcberforderung nah am Wasser zu sein \u2013 geschenkt. Aber Montag ergriff mich eine dicke Dosis Hoffnungs- und Mutlosigkeit und ich wollte mir ein Mental Health Year nehmen und einfach unter die Bettdecke kriechen.<\/p>\n<p>Aus der \u00fcblichen Frustpizza wurde immerhin eine Portion Frusttofu mit Frustgem\u00fcse und ordentlich Thai-W\u00fcrze dr\u00fcber, was der K\u00fchlschrank gerade so hergab. Das tat gut und machte die Welt wenigstens ein winziges bisschen besser. Limette, Fischsauce, Koriander, Chili, Knoblauch, Palmzucker, ihr gewinnt gerade sehr.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/9A041793-6783-4881-BC7D-D1E7865D1B09.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"449\" class=\"alignnone size-full wp-image-36356\" \/><\/p>\n<p>Die kurzfristig bessere Laune nutzte ich, um mein vom Doktorvater abgenicktes Diss-Dokument an den Wunschverlag zu schicken. 1.050.000 Zeichen und ungef\u00e4hr 130 Abbildungen aka laut meiner Pr\u00fcfungsordnung acht bis zehn Masterarbeiten. Demn\u00e4chst hoffentlich in Ihrer Bibliothek.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern beging ich den zweiten Pandemiegeburtstag. Ich zitiere <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=33930\">meinen Blogeintrag vom letzten Jahr<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAls ersten Gratulanten hatte ich morgens Papa am Ohr; er rief aus seinem Hirn die \u00fcblichen Floskeln f\u00fcr Geburtstage ab, die er in seinem Leben schon tausendmal verwendet hatte (\u201eEhrentag\u201c, \u201egutes Wetter\u201c, \u201ehab einen sch\u00f6nen Tag\u201c, \u201eGesundheit ist das Wichtigste\u201c) und fragte mich viermal, wie es mir geht, weil er vergessen hatte, dass er mich das schon dreimal gefragt hatte. Er beendete das Gespr\u00e4ch mit der Floskel, mit der er schon vor dem Schlaganfall unsere Gespr\u00e4che beendete: \u201eIch geb dir mal Mama.\u201c\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Als ersten Gratulanten hatte ich morgens Papa am Ohr; er konnte keine Floskeln mehr abrufen, die man ihm nicht einsoufflierte. Ich h\u00f6rte Mama aus dem Hintergrund einsagen: \u201eHerzlichen Gl\u00fcckwunsch zum Geburstag!\u201c Und dann ihn: \u201eJa, Gl\u00fcckwunsch zum Geburtstag.\u201c Stille. Ich: \u201eVielen Dank! Das freut mich, dass du anrufst. Geht es dir gut?\u201c \u201eJa, mir geht es gut.\u201c Stille. M\u00fctterchen aus dem Hintergrund: \u201eGeht&#8217;s dir auch gut?\u201c Papa: \u201eGeht&#8217;s dir auch gut?\u201c Und so weiter. Alles im Falsett. Ich sagte ihm vor, was er mir sagen sollte, damit Mama das nicht machen musste, und bat ihn dann, mir Mama zu geben. Wenigstens das geht noch.<\/p>\n<p>Danach wurde ein spontaner Tortenbeschluss gefasst, ich brauchte Zucker und Ablenkung und buk eine kleine Schwarzw\u00e4lder Kirschtorte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/4BC0D42D-2BE5-46D5-94B8-9FE7467EE47C.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-36352\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/4BC0D42D-2BE5-46D5-94B8-9FE7467EE47C.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/4BC0D42D-2BE5-46D5-94B8-9FE7467EE47C-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Biskuit buk und danach die erste Sahneschicht im K\u00fchlschrank festwurde, sah ich die neue Folge \u201eKitchen Impossible\u201c, wo <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sven_Elverfeld\">Sven Elverfeld<\/a> ebenfalls Schwarzw\u00e4lder Kirsch buk, was ich sehr lustig fand. Das wusste ich wirklich nicht, bevor ich mich f\u00fcr ein Rezept entschieden hatte; ich backe die Torte einfach gerne, weil Schokolade, Kirsch und Sahne halt immer funktionieren. Der Biskuit ging gestern nicht ganz so auf wie gew\u00fcnscht, daher gab&#8217;s nur zwei B\u00f6den statt drei. Den untersten tr\u00e4nkte ich mit Kirschwasser und gab dann mit St\u00e4rke gebundene Kirschen dar\u00fcber, die leicht mit Zimt und Zucker eingekocht worden waren. Dar\u00fcber gab&#8217;s eine kleine Sahneschicht mit ein paar Schokostreuseln. Auf den zweiten Boden strich ich Kirschkonfit\u00fcre und klappte den dann so auf den ersten, dass die Konfit\u00fcre auf der Sahne \u00fcber den Kirschen zu liegen kam. Danach wurde ordentlich Sahne auf die Au\u00dfenh\u00fclle gespachelt und dann durfte er erstmal ausk\u00fchlen.<\/p>\n<p>Die komische Tortenplatte ist nat\u00fcrlich von meiner Mutter und die einzige, die ich besitze, die sich dreht. Mit der kann ich am besten Torten mit Sahne oder Buttercreme einstreichen, daher ist die bei Torten gesetzt, obwohl ich sie nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig h\u00fcbsch finde. Der Teller ist ebenfalls aus dem Norden und den mag ich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8030.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"549\" class=\"alignnone size-full wp-image-36353\" \/><\/p>\n<p>Abends kam F. vorbei; im letzten Jahr hatte ich den Geburtstag ganz alleine verbracht, da war das Virus noch neu und wir dachten alle, wir sind im Fr\u00fchjahr 2021 l\u00e4ngst geimpft und gehen wieder ins Stadion. Ich mag gerade mal wieder nicht mehr dar\u00fcber nachdenken, ich esse K\u00e4se und Torte und gehe auf die Yogamatte und nicht in die Bibliothek, bin traurig und \u00e4ngstlich und entnervt und w\u00fctend und will immer noch unter die Bettdecke.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2021\/03\/22\/behind-the-scenes-at-a-five-star-hotel\">Behind the Scenes at a Five-Star Hotel<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Stadtgeschichte, verkn\u00fcpft mit Biografischem, gerne gelesen. Also bis auf die Details von verschuldeten oder gestorbenen Menschen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAbout eighty weddings took place at <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_Pierre\">the Pierre<\/a> in 2019. A certain subset of wealthy New Yorkers have attended numerous events at the hotel, and couples who\u2019ve been married there have tried to transform the Grand Ballroom in ways that guaranteed that their wedding would not be forgotten. Sometimes, floral decorators have used netting to suspend thousands of flowers from the ceiling, so that guests felt as though they were standing beneath a garden. One decorator adorned the room with ten thousand peonies. There have been quite a few weddings with a winter-wonderland theme\u2014at one, decorators used drapery to create the illusion of icicles hanging from above, rolled out a white carpet, and set up a snow machine. Jay Laut, a banquet captain at the Pierre, told me, \u201cSometimes we would just talk among ourselves and say, \u2018Oh, my God, what a party they had!\u2019 \u201d<\/p>\n<p>To some of the staff, the wedding on March 7, 2020, stood out because it was a \u201csecond-generation wedding\u201d\u2014the bride\u2019s mother had also been married at the hotel, three decades earlier. Seventy-eight employees worked the event, including thirty-two banquet servers, who performed their usual ballet of speed-walking into the ballroom while balancing a tray of plates on one palm. The role of banquet servers can be intensely demanding: they present multicourse meals, often on a razor-tight schedule, providing, as the hotel promises, \u201cflawless five-star service.\u201d \u201cIt\u2019s a very stressful job,\u201d Laut said. \u201cWe have to live up to the name of the Pierre.\u201d During the busy seasons at the hotel\u2014the spring and the fall, leading up to the holidays\u2014banquet servers might have to work double and triple shifts. The March 7th wedding was the last large social event held at the Pierre. [&#8230;]<\/p>\n<p>Three months earlier, at the end of 2019, New York City had reached a record number of visitors for a single year: almost sixty-seven million. Its hotels had about a ninety-per-cent occupancy rate, the highest in the country. But in a matter of days covid-19 had put the entire industry in peril. When the pandemic began, there were about seven hundred hotels in the city, employing some fifty-five thousand people. A union called the Hotel Trades Council represents most of these workers, including those at the Pierre. On March 19th, the union\u2019s president at the time, Peter Ward, appeared on the local news station NY1. \u201cBy this time next week, ninety-five per cent of the hotel industry is likely to be laid off,\u201d he said. Ward\u2019s grim prediction proved largely correct.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Wir setzen die Reihe \u201eTeetassen passend zur derzeitigen Lekt\u00fcre\u201c locker fort.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8032.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"371\" class=\"alignnone size-full wp-image-36354\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Montag fing eigentlich gut an: Ich raffte mich zum Wohnungsputz auf und sah, danach am Schreibtisch sitzend, erfreut, dass ich neue Dinge auf der Seite f\u00fcr die Impfanmeldung in Bayern anklicken konnte, die mich in Priogruppe 2 brachten, wo ich hingeh\u00f6re. 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