{"id":3606,"date":"2009-01-23T09:06:56","date_gmt":"2009-01-23T07:06:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=3606"},"modified":"2009-11-24T21:30:48","modified_gmt":"2009-11-24T19:30:48","slug":"twilight","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=3606","title":{"rendered":"Twilight"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1099212\/\">Twilight<\/a> (Twilight \u2013 Biss zum Morgengrauen, USA 2008, 122 min)<\/p>\n<p>Darsteller: Kristin Stewart, Robert Pattinson, Billy Burke, Peter Facinelli, Ashley Greene, Taylor Lautner, Anna Kendrick, Michael Welch<br \/>\nMusik: Carter Burwell<br \/>\nKamera: Elliot Davis<br \/>\nDrehbuch: Melissa Rosenberg, nach dem Roman von Stephenie Meyer<br \/>\nRegie: Catherine Hartwicke<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.apple.com\/trailers\/independent\/twilight\/\">Trailer<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.twilightthemovie.com\/\">Offizielle Seite<\/a><\/em><\/p>\n<p>Es ist sehr einfach, sich \u00fcber <em>Twilight<\/em> lustig zu machen. Junges M\u00e4dchen verliebt sich in jugendlichen Vampir, der sich selbst als Vegetarier bezeichnet, weil er nur Tiere isst anstatt Menschen anzuknabbern und der nebenbei seit 80 Jahren die High School besucht. Bebende Lippen, miese Dialoge, K\u00fcssen statt Sex \u2013 alles Steilvorlagen f\u00fcr Verrisse. Das \u201eProblem\u201c an <em>Twilight<\/em> ist aber: Er ist auf eine ganz spezielle Zielgruppe zugeschnitten, n\u00e4mlich pubertierende M\u00e4dchen. Und wenn man keinen objektiv guten Film sehen will, sondern mal wieder 13 sein m\u00f6chte, dann ist <em>Twilight<\/em> der perfekte Schmachtfetzen f\u00fcr einen Abend mit den besten Freundinnen, viel Eis und noch mehr sehnsuchtsvollen Seufzern.<\/p>\n<p>Was mich an <em>Twilight<\/em> so fasziniert hat, war die konsequente Wunscherf\u00fcllung: Alles, was ich (und ich spreche jetzt einfach mal f\u00fcr alle kleinen M\u00e4dchen dieser Welt) mit 13 im Kino h\u00e4tte sehen wollen, habe ich gekriegt. Eine leicht ungelenke Heldin, Bella, mit der man sich sofort identifizieren kann, weil sie zwar h\u00fcbsch, aber nicht supermodelm\u00e4\u00dfig toll aussieht. Der erste Tag an einer fremden Schule, der ihr nicht wirklich schwergemacht wird, weil sofort ein paar M\u00e4dels und Jungs da sind, die nett zu ihr sind. Eltern, die kaum in Erscheinung treten und wenn, dann so, wie man es gerne h\u00e4tte: keine Verbote, keine Vorschriften, aber immer da, wenn man sie braucht. Und auf einmal der Traumtyp, der einen zuerst anscheinend total doof findet, einem dann aber offenbart, unsterblich (haha) in einen verliebt zu sein. <\/p>\n<p>Gerade der Traumtyp, Edward, unser junggebliebener Blutsauger, ist so derma\u00dfen zielgruppenkompatibel, dass es schon weh tut. Unglaublich eindrucksvolle Augen (angeblich gucken M\u00e4dels ja immer zuerst auf die Augen), sch\u00fcchtern, geheimnisvoll, Haare, bei denen man sich selbst als Kinozuschauer extrem zusammenrei\u00dfen muss, um sie nicht dauernd liebevoll durchwuscheln zu wollen \u2013 und: ein Besch\u00fctzer, wie er im Buche steht. Er rettet Bella durch seine speziellen Kr\u00e4fte das Leben, woraufhin sie nat\u00fcrlich mehr \u00fcber diesen seltsamen Kerl wissen will. Und zack! geht die Liebesgeschichte ihren Gang, zielstrebig mit ein paar Pseudohindernissen dem geordneten und jugendfreien Ende entgegen. Und selbst das habe ich <em>Twilight<\/em> verzeihen k\u00f6nnen, weil ich ihn einfach so konsequent gemacht fand.<\/p>\n<p>Der Film nervt trotzdem und zwar ohne Pause. Gerade die Darsteller der Vampire, Schnuffel Robert Pattinson als Edward eingeschlossen, agieren so h\u00f6lzern, dass man ihnen ihr Untotsein mit Kusshand abnimmt. Die Dialoge sind gr\u00f6\u00dftenteils grausam, denn <em>Twilight<\/em> will auch hier seinem Publikum alles recht machen. So werden Dinge, die geschultere Zuschauer vielleicht auch durch Andeutungen oder Interpretationen mitgekriegt h\u00e4tte, lieber nochmal laut erz\u00e4hlt, wie zum Beispiel in der Szene, in der Bellas Freundin sich beklagt, dass ihr Herzbube sie noch nicht zur Prom eingeladen habe. Bella sagt daraufhin: \u201eLad ihn doch selber ein.\u201c H\u00e4tte gereicht, um klarzumachen: aha, die Kleine wartet nicht veilchenm\u00e4\u00dfig im Moose, sondern nimmt sich, was ihr gef\u00e4llt. Aber falls die Kinder das doch noch nicht kapieren, muss sie br\u00e4sig hinterherschieben: &#8220;You are a strong woman. Be in control.&#8221; Mal abgesehen davon, dass ich es sehr lustig fand, dass eine 17-J\u00e4hrige eine Klassenkameradin als <em>strong woman<\/em> bezeichnet, war das einer der Millionen S\u00e4tze im Film, die schlicht zu viel waren. Oder die Szene, in der Edward Bella das Leben rettet. Haben wir gesehen, auch aus verschiedenen Perspektiven, gerne auch nochmal im Flashback, ham&#8217;s jetzt alle, ja? Gut. Aber: Auch das kann man nochmal verbalisieren: Edward, du hast mir das Leben gerettet. Ja, Bella, das habe ich wohl. Edward, wie hast du das gemacht? Bella, das w\u00fcrdest du wohl gerne wissen? Und so weiter und so fort. Ein Festival des erz\u00e4hlten Films. Oder die Szene, in der Bella gerade r\u00f6chelnd verendet (oder auch nicht) und Edward ihr heldenhaft beistehen will \u2013 wenn er denn nur w\u00fcsste wie. Da muss Papa Vampir ihm erstmal m\u00fcndlich die Gebrauchsanweisung liefern, bis er was tut. Qualvolle Sekunden, in denen die arme Kristin Stewart nur alberne Ger\u00e4usche von sich geben darf, bis die Jungs ausdiskutiert habe, wie man das wohl abstellen k\u00f6nnte. Anstatt einfach zu machen, zu zeigen, mich mit Bildern zu beeindrucken und \u2013 wenn&#8217;s sein muss \u2013 mir <em>nachher<\/em> zu sagen, was da eigentlich passiert ist.<\/p>\n<p>Und obwohl ich innerlich alle zwei Minuten zusammengezuckt bin wegen des schlechten Scripts, habe ich es gleichzeitig bewundert, denn der Film schafft es, die Irrungen und Wirrungen der Pubert\u00e4t subtil mitschwingen zu lassen. Gerade Bella ist eine sehr clever gezeichnete Figur, die alles mit sich rumschleppt, was wahrscheinlich jedes M\u00e4dchen mit sich rumschleppt. Sie zeigt durchaus einen eigenen Kopf, indem sie sich den Kerl aussucht, der ihr gef\u00e4llt anstatt darauf zu warten, dass jemand sie erw\u00e4hlt. Sie gibt ihren Freundinnen Tipps, sie kann gut mit Jungs umgehen, sie f\u00e4hrt einen Pick-up-Truck anstatt eines m\u00e4dchenhaften Kleinwagens (den f\u00e4hrt lustigerweise Edward \u2013 einen braven Volvo, als ob Vampire sich um Unfallfolgen Gedanken machen m\u00fcssten), und sie tr\u00e4gt Chucks zum Abendkleid. Sie ist eine sehr moderne Heldin, die aber trotzdem noch ein paar angeblich weibliche Werte in sich tr\u00e4gt. Sie l\u00e4sst sich von Edward besch\u00fctzen, achtet auf vern\u00fcnftiges Essen und muss zum Schluss eben doch von M\u00e4nne gerettet werden. Und das ist mir nicht mal \u00fcbel aufgesto\u00dfen, weil ich es passend fand, dass sie stark und schwach sein kann. Genau wie Edward \u00fcbrigens, der mir eh als \u201edas M\u00e4dchen\u201c in der Story erschien, so zimperlich wie er anfangs um Bella rumdruckst. Ich hatte die ganze Zeit das Gef\u00fchl, dass Bella gerne w\u00fcsste, wer sie ist, wie sie sein soll und ob ihr das so recht ist, wie sie sein soll. So ist sie mal eloquent, mal stumm, mal das kleine T\u00f6chterchen, mal die erwachende Frau. Und alles nimmt man ihr ab, weil man als M\u00e4dchen nun mal alles in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Mich haben auch die sexuellen Anspielungen des Films noch l\u00e4nger besch\u00e4ftigt. Gerade in Vampirfilmen ist es ja gerne der Kerl, der sich der holden Maid bis an die Halsschlagader n\u00e4hert, was immer eine erotische Komponente hat (entbl\u00f6\u00dfter Hals, look it up). In <em>Twilight<\/em> ist es umgekehrt, hier ist Bella diejenige, die etwas von Edward will, was er ihr verweigert, verweigern muss, weil er sich sonst angeblich nicht beherrschen und ihr wehtun k\u00f6nnte. Anstatt dass sie sich nun zur\u00fcckzieht und brav vor sich hinschmachtet, fordert sie ihn weiter heraus, und er muss mit ihren W\u00fcnschen klarkommen und selbst ein wenig zur\u00fcckstecken. Ich fand es sehr spannend, eine jugendliche Heldin zu sehen, die klar ihre Vorstellungen kommunizieren kann, ohne altbackene Moralvorstellungen oder Ansagen, wie man als M\u00e4dchen nun mal zu sein habe. Und genauso spannend fand ich es, einen jugendlichen Helden zu sehen, der damit klarkommt, ohne dass seine heilige M\u00e4nnlichkeit darunter leidet. Und dass sie zu nicht mehr als zum K\u00fcssen kommen, d\u00fcrfte dann wieder zielgruppengerecht sein, denn ich behaupte einfach mal (und vielleicht untersch\u00e4tze ich die Jugend gerade ganz \u00fcbel), dass M\u00e4dels mit 13 eher ans K\u00fcssen denken als an alles, was danach noch kommen k\u00f6nnte. Und so d\u00fcrfen Bella und Edward weiterhin im dunkelgr\u00fcnen, bl\u00fcmchengeschm\u00fcckten Gras liegen, in den d\u00fcstergrauen, verregneten Himmel gucken und sich so richtig sch\u00f6n emo f\u00fchlen \u2013 bis zur unvermeidlichen Fortsetzung, die ich mir wahrscheinlich genauso leidend und mitf\u00fchlend anschauen werde wie diesen Teil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Twilight (Twilight \u2013 Biss zum Morgengrauen, USA 2008, 122 min) Darsteller: Kristin Stewart, Robert Pattinson, Billy Burke, Peter Facinelli, Ashley Greene, Taylor Lautner, Anna Kendrick, Michael Welch Musik: Carter Burwell Kamera: Elliot Davis Drehbuch: Melissa Rosenberg, nach dem Roman von Stephenie Meyer Regie: Catherine Hartwicke Trailer Offizielle Seite Es ist sehr einfach, sich \u00fcber Twilight [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3606","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3606","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3606"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3606\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5664,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3606\/revisions\/5664"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3606"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3606"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3606"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}