{"id":35954,"date":"2021-01-20T08:14:27","date_gmt":"2021-01-20T07:14:27","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=35954"},"modified":"2021-01-20T08:16:51","modified_gmt":"2021-01-20T07:16:51","slug":"ein-abstraktes-dankeschon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=35954","title":{"rendered":"Ein abstraktes Dankesch\u00f6n &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; an Herrn oder Frau Unbekannt, es lag leider kein Absendezettel dabei, der oder die mir ein dickes Paket zukommen lie\u00df, in dem sich <a href=\"https:\/\/as.nyu.edu\/content\/nyu-as\/as\/faculty\/pepe-karmel.html\">Pepe Karmels<\/a> <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0500239584\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0500239584&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=7288e5767c044657fee52fb981a8d967\">Abstract Art: A Global History<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=0500239584\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> befand. Das Buch landete nach <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/11\/26\/arts\/design\/best-art-books-2020.html\">einem Artikel in der NY Times<\/a> auf meinem Wunschzettel, eine Liste der besten Kunstb\u00fccher des Jahres 2020. Hat das Jahr doch was Gutes hervorgebracht.<\/p>\n<p>Ich zitiere die kurze Besprechung vollst\u00e4ndig: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eThis large coffee table\/art history book announces its singularity with its cover, a painting by <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hilma_af_Klint\">Hilma af Klint<\/a>, whose recently rediscovered achievement upended the history of modernist abstraction. A herculean effort, it reproduces the efforts of over 200 artists from all seven continents, usually with sharp capsule discussions. It provocatively divides abstraction according to subject matter (the body, the cosmos, landscape, architecture), increasing its accessibility. The book\u2019s inclusions and theories can be debated, but it sets a standard for future efforts.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine globale Geschichte, die das Werk einer Frau auf den Titel packt, hat bei mir von vornherein viele Sympathiepunkte. Und dass sie global ist, ebenso, denn das ist leider immer noch die Crux unseres Faches und vermutlich vieler anderer Richtungen der Geisteswissenschaften: Unser Verst\u00e4ndnis f\u00e4ngt beim Kanon westlicher, wei\u00dfer, meist m\u00e4nnlicher Kunst an, an die sich alles andere andockt. Das \u00e4ndert sich netterweise seit einigen Jahren, aber der Weg ist noch sehr weit. Ich erinnere mich an mein Staunen in der grundlegenden Ausstellung im Haus der Kunst, <a href=\"https:\/\/postwar.hausderkunst.de\/\">Postwar<\/a>, die mein eigenes Bild von Kunst \u00fcber jeden Haufen geworfen hat, den ich im Kopf hatte. Daher klang dieses Buch genau wie das richtige, um mich mal eingehender der Abstraktion zu widmen. <\/p>\n<p>Mein Interesse an der Kunst des NS f\u00fchrt dazu, dass ich mich eher im 19. und in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhundert auskenne als danach, und zudem liegt mir dementsprechend die naturalistische Kunst mehr. Ich schaue mir aber sehr gerne abstrakte Kunst an, gerade weil sie mir Dinge zeigt, die sonst in meinem Leben \u2013 oder auf diesem Planeten \u2013 ohne sie nicht vorkommen.<\/p>\n<p>Die Idee, Werke, die nichts Nachvollziehbares abbilden, in Kategorien zu ordnen, die genau das tun \u2013 K\u00f6rper, ge\u00f6ffnete Fenster, Sonnen und Planeten \u2013, klingt erstmal sehr abwegig. Ganz durchhalten kann Karmel das auch nicht, einige Angaben im Inhaltsverzeichnis lauten \u201eEmbryos and Blobs\u201c, \u201eVibrations\u201c oder auch schlicht \u201eCalligraphy\u201c. Wie die <em>Times<\/em> anklingen l\u00e4sst, kann man dar\u00fcber streiten wie \u00fcber alles, aber beim ersten Durchbl\u00e4ttern fand ich es ganz schlau gemacht. Karmel ordnet nicht, wie es die bisherigen Narrative der Kunst es tun, nach Jahreszahlen, Schulen oder Kontinenten, sondern wirft alles wild durcheinander \u2013 um es in eine neue Ordnung zu bringen. Oder er versucht es zumindest.<\/p>\n<p>David Carrier schreibt auf <em>Hyperallergic<\/em> <a href=\"https:\/\/hyperallergic.com\/589404\/the-end-of-art-history\/\">in seiner guten Rezension<\/a> die entscheidenden S\u00e4tze:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eKarmel\u2019s originality and literary skill are praiseworthy. But his account is not a history. There is no reason given to suggest that the later artists further developed the forms of abstraction explored by their predecessors. [&#8230;] I imagine that Thames &#038; Hudson would have vetoed calling Karmel\u2019s book <em>A Global Charting of the Varieties of Abstraction, with Reference to Its Figurative Roots<\/em>, though that title would give a clearer view of his achievement. Karmel has, in fact, proven that a global history of abstraction is impossible. This is an important achievement, for it opens the way to constructive analysis. Today\u2019s art world has an essentially different structure from <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Gombrich\">Gombrich<\/a>\u2019s Eurocentric tradition or <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Clement_Greenberg\">Clement Greenberg<\/a>\u2019s New York-centric era; we must now recognize that writing a global art history demands that we give up historical thinking.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das trifft, soweit ich das \u00fcberblicken kann, auch durchaus in Teilen auf die naturalistische Kunst zu. Ich twitterte im Dezember <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/afrikas-geschichte-karawanen-macht-und-gold.740.de.html?dram:article_id=489398\">diesen Link zum Deutschlandfunk \u00fcber afrikanische Kunst<\/a>. Die letzte Abbildung hat mich v\u00f6llig umgehauen: Sie zeigt eine menschliche Figur mit deutlich abstrahierten Z\u00fcgen, aber in einer fluiden Bewegung erstarrt und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Diese Art der Darstellung bekam Europa erst Anfang des 20. Jahrhunderts hin und fand sich irre innovativ (siehe z. B. die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Les_Demoiselles_d%E2%80%99Avignon\">Demoiselles d&#8217;Avignon<\/a>, die Skulpturen kamen noch einige Jahre sp\u00e4ter). Dass man nun komplett darauf verzichtet, historisch zu denken, halte ich allerdings f\u00fcr einen Fehlschluss, ich h\u00e4nge schon noch an der Theorie, dass wir bei sehr vielen Leistungen auf den Schultern unserer Vorg\u00e4ngerinnen stehen. Wir vergessen sie nur gerne wieder.<\/p>\n<p>Wie gesagt, ich habe das Buch erst einmal durchgebl\u00e4ttert und mich \u00fcber <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Eva_Hesse\">Eva Hesse<\/a> und <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Gego\">Gego<\/a> gefreut, aber bis jetzt gef\u00e4llt mir der Brocken, auch in seiner Inklusion von vielen K\u00fcnstlerinnen und Menschen au\u00dferhalb von Europa und den USA, ausgesprochen gut, auch in seiner wirklich \u00fcppigen Aufmachung. Es war beim Bl\u00e4ttern ein bisschen, wie durch eine Ausstellung zu bummeln, was mir doch mehr fehlt als ich dachte. Das tat sehr gut.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; an Herrn oder Frau Unbekannt, es lag leider kein Absendezettel dabei, der oder die mir ein dickes Paket zukommen lie\u00df, in dem sich Pepe Karmels Abstract Art: A Global History befand. 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