{"id":35917,"date":"2021-01-16T12:29:43","date_gmt":"2021-01-16T11:29:43","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=35917"},"modified":"2021-01-16T12:35:21","modified_gmt":"2021-01-16T11:35:21","slug":"tagebuch-mittwoch-bis-freitag-13-bis-15-januar-traurig-aber-mit-kuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=35917","title":{"rendered":"Tagebuch Mittwoch bis Freitag, 13. bis 15. Januar \u2013 Traurig, aber mit Kuchen"},"content":{"rendered":"<p>Am Mittwoch kam <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herbert_Wehner\">Wehner<\/a>, mein Weizensauerteig, zum ersten Mal zum Einsatz. Aus ihm wurde ein helles Weizenbrot, das ich zu flach produzierte, weil mir das G\u00e4rk\u00f6rbchen einen Hauch aus der Hand rutschte, als ich den Inhalt in den br\u00fcllhei\u00dfen Gusseisentopf kippen wollte. Daher musste ich noch ein bisschen am Topf ruckeln, um das Brot vom Rand wegzukriegen, womit ich vermutlich jede Luft aus ihm rausdrosch. Es schmeckt aber sehr gut. Noch nicht ganz so, wie ich es haben m\u00f6chte, aber es war nicht klietschig und hatte eine sch\u00f6ne Porung.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Mittwoch und Donnerstag waren aber ansonsten eher unproduktive Tage, weil mich ein bisschen Traurigkeit ereilte und die Coronapanik wieder hochkroch. Und weil alle Bibliotheken geschlossen sind, konnte ich nirgends hin als auf mein Sofa oder mal f\u00fcr einen kleinen Spaziergang vor die T\u00fcr, aber das half beides nicht so richtig. Also tat ich das, was ich auf Twitter gelernt hatte in den letzten Monaten: Sei nicht so hart zu dir, die Zeiten sind beschissen, nimm dir nen Keks. Das war in meinem Fall Schokolade, immerhin die funktioniert.<\/p>\n<p>Gestern brachte F. zur Date Night eine kleine Selektion eines M\u00fcnchner Betriebs vorbei: <a href=\"https:\/\/de.trulychocolate.de\/\">Truly Craft Chocolate<\/a> nutzt nur Kakaobohnen und Zucker f\u00fcr ihre K\u00f6stlichkeiten. Wir probierten jeder ein St\u00fcck von vier Tafeln und das war alles hervorragend. Mein Favorit, was mich etwas \u00fcberraschte, war ausgerechnet <a href=\"https:\/\/de.trulychocolate.de\/product-page\/mara%C3%B1%C3%B3n-valley-peru-74\">die Tafel mit dem h\u00f6chsten Kakaogehalt<\/a>: Sie schmolz ewig vor sich hin, beeindruckte mich zuerst mit einem tiefen Kakaogeschmack wie vom ent\u00f6lten Backkakao, den ich in Marmorkuchen werfe, aber ohne so fies staubig zu sein. Es ist etwas albern zu sagen, dass man den Kakao deutlich schmecken konnte, aber ich habe schon genug Vollmilchmassenschokolade gegessen, um zu wissen, dass der eben manchmal nicht durchkommt, sondern die Tafel einfach nur s\u00fc\u00df und angenehm schmeckt. Was f\u00fcr mich sehr lange okay war, aber eben nicht so, wie Schokolade eigentlich schmecken kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_7801.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"615\" class=\"alignnone size-full wp-image-35924\" \/><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern heiterte mich auch ein bisschen Backen auf. Ich schleiche seit Jahren um das Blog <a href=\"https:\/\/www.lapaticesse.com\/\">La P\u00e2ticesse<\/a> herum, von dem ich noch nie etwas nachgebacken habe, weil sowohl Fotos als auch die ganzen Arbeitsschritte mich Hobbyb\u00e4ckerin total einsch\u00fcchtern. Ich ahne, dass es wieder eine alte <em>Masterchef<\/em>-Folge war, die bei mir den dringenden Wunsch erzeugte, mich mal an Frangipane zu versuchen, auch um meine neuen Tartelettef\u00f6rmchen einzuweihen. Beim wilden Rumgoogeln stie\u00df ich auf diverse Rezepte, die alle supersimpel klangen \u2013 und wunderte mich, dass zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.lapaticesse.com\/tarte-feuilletee-aux-peches-pfirsich-blaetterteigtarte-rezept\/1757\/\">dieses hier<\/a> bei La P\u00e2ticesse deutlich mehr Aufwand wollte. Gestern war aber ein Tag, an dem ich Lust auf mehr Aufwand hatte, und so fertigte ich erstmals keinen simplen M\u00fcrbeteig, sondern total schick klingenden <a href=\"https:\/\/www.lapaticesse.com\/pate-sablee-rezept-grundrezept-fuer-suessen-muerbeteig-sandteig\/3837\/\">P\u00e2te sabl\u00e9e<\/a> an und danach eine <a href=\"https:\/\/www.lapaticesse.com\/creme-patissiere-konditorcreme-rezept\/127\/\">Cr\u00e8me p\u00e2tissi\u00e8re<\/a> sowie eine <a href=\"https:\/\/www.lapaticesse.com\/creme-damande-franzoesische-mandelcreme-grundrezept-rezept\/3848\/\">Cr\u00e8me d\u2019amande<\/a>, aus denen zusammen dann Frangipane wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Date Night hatte ich mir Soul Food gew\u00fcnscht, also gab es Buttermilk Fried Chicken und Ofenkartoffel mit Sour Cream \u2013 und danach auf dem Goldrandtellchen mit der Silbergabel jeweils ein Tartelett mit Frangipane und Apfelspalten. Dazu Bier. Stay classy!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_7798.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"484\" class=\"alignnone size-full wp-image-35923\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_7797.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"467\" class=\"alignnone size-full wp-image-35922\" \/><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich beim Knipsen aus der H\u00fcfte ausgerechnet den nicht ganz perfekten Rand nach vorne gedreht, ist klar. Der Teig war feiner als mein \u00fcblicher Keksteig, die Franginape mild und zart und \u00fcberhaupt bin ich schwer begeistert. Alleine so seltsame Dinge zu tun, wie mit dem Teigschaber Butter weicher zu kriegen, aka sie zu <em>Beurre pommade<\/em> zu verarbeiten, hat mir sehr viel Freude gemacht. Lenkte halt auch gut ab.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nachmittags war ich als Gast zu einem Podcast eingeladen, der noch nicht online ist. Also noch keine einzige Folge, daher kann ich hier nichts verlinken. Das war aber ein sehr sch\u00f6nes Gespr\u00e4ch, auch weil es mir einige Dinge klarmachte, \u00fcber die ich gar nicht mehr nachdenke. Es ging um meine Entscheidung, in etwas gesetzterem Alter (ok boomer) noch einmal zu studieren. Momentan hadere ich an schlechten Tagen mal wieder mit dieser Entscheidung, muss mir aber immer wieder eingestehen, dass die letzten acht Jahre, trotz aller Schmerzen und Widrigkeiten mit die besten meines Lebens waren. Auf Trennung, Umzug und finanzielle Schwierigkeiten h\u00e4tte ich gerne verzichtet, aber andererseits habe ich so viel mitgenommen aus der Zeit an der Uni bzw. w\u00e4hrend der Promotion und generell der Zeit in M\u00fcnchen, was immer \u00fcberwiegt.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch wurde mir klar, dass ich schon einmal einen gro\u00dfen Sprung ins Ungewisse gewagt hatte, der im Prinzip gut gegangen ist \u2013 warum sollte das nicht noch einmal klappen? Und: Ich habe nun F\u00e4higkeiten, die ich vor acht Jahren noch nicht hatte (und drei Uniabschl\u00fcsse), das kann ja wohl verdammt nochmal nichts Schlechtes sein. Es kam auch die Frage auf, wie ich mich zu diesem Sprung entschieden habe, ob ich ewig abgewogen oder Pro-Contra-Listen geschrieben h\u00e4tte. Dabei wurde mir klar, dass ich eigentlich nur zwischen \u201eNever touch a running system\u201c und \u201eAch, fuck it\u201c abgewogen hatte, und das fand ich im Nachhinein ganz spannend zu sehen \u2013 dass die ganzen m\u00f6glichen Zwischent\u00f6ne in meinem Kopf gar nicht da waren. Ich wei\u00df noch nicht, was ich mit dieser Erkenntnis mache, aber vielleicht rettet sie mich an kommenden miesen Tagen, an denen ich mal \u00fcber Zwischent\u00f6ne nachdenken sollte und nicht \u00fcber entweder \u201eIch werde unter einer Br\u00fccke schlafen m\u00fcssen\u201c oder \u201eIch revolutioniere die Kunstgeschichtsschreibung, haue ein popul\u00e4rwissenschaftliches Werk nach dem anderen raus und wohne in einer Villa\u201c.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Apropos Podcast: <a href=\"https:\/\/wrint.de\/2021\/01\/05\/wr1177-iran-utan\/\">Holgi erz\u00e4hlt bei Wrint eine gute halbe Stunde lang<\/a>, wie es ihm mit seiner Corona-Infektion ging, von der er immer noch nicht wei\u00df, wo er sie sich eingefangen haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/world\/2021\/01\/15\/trump-hitler-us-capitol-beer-hall-putsch\/\">Trump\u2019s last days and the echo of one specific Hitler analogy<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die <em>Washington Post<\/em> fragt sich, ob man den Sturm aufs Kapitol mit dem Hitlerputsch 1923 vergleich kann. Pointe: Man sollte zumindest das ganze rechte Potenzial in der Bev\u00f6lkerung im Auge behalten. Weil das ja in Deutschland auch so super geklappt hat und bis heute super klappt. Gnarf.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThe Beer Hall Putsch, as the episode would be remembered, was a failure. Hitler did not receive the local backing from politicians and security forces he expected. Sixteen Nazis were gunned down in the streets in clashes with police officers, four of whom were killed. Hitler slunk out of town and was later arrested and tried for treason. But his punishment ended up being lenient \u2014 he spent a few months in prison before being released with a pardon \u2014 and he emerged from the botched putsch as a more popular national figure. Within a decade, he would install the Third Reich.<\/p>\n<p>Some observers of what happened this past week in Washington note potential echoes of the Beer Hall Putsch \u2014 not in the risk that Trump is about to turn into a genocidal monster, but in that there may not be meaningful consequences for the lies and subversion of democratic order that Trump appears to have encouraged.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die beim Putsch get\u00f6teten Nazis wurden \u00fcbrigens zur Zeit des \u201eDritten Reichs\u201c in die sogenannten, neu erbauten <a href=\"https:\/\/www.ns-dokuzentrum-muenchen.de\/zentrum\/historischer-ort\/koenigsplatz\/\">Ehrentempel am K\u00f6nigsplatz<\/a> \u00fcberf\u00fchrt. Die wurden 1947 von der US-Armee <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MuPoMuc\/status\/878962379702272000\">gesprengt<\/a>, jedenfalls die Bauten auf den Sockeln. Diese waren schlicht zu massiv und die Armee hatte noch was Anderes zu tun. Sie stehen bis heute, direkt vor dem NS-Dokuzentrum sowie dem ehemaligen NS-Verwaltungsgeb\u00e4ude, in dem sich das Zentralinstitut f\u00fcr Kunstgeschichte befindet. Dieser Sockel ist weiterhin von Gr\u00fcn \u00fcberwuchert, der vor dem Dokuzentrum wurde f\u00fcr die Er\u00f6ffnung desselben <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/koenigsplatz-ns-dokuzentrum-legt-sockel-von-nazi-tempel-frei-1.2275736\">halbwegs wieder sichtbar gemacht<\/a>. Ein, wie ich finde, sehr eindrucksvolles Relikt, gerade in seinen unterschiedlichen Zust\u00e4nden.<\/p>\n<p>Die Toten wurden erneut umgebettet, kann man bei Interesse ergoogeln, auf welchen Friedh\u00f6fen die alten Nazis liegen.<\/p>\n<p>Das ist jetzt ein very Munich Schluss f\u00fcr diesen Blogeintrag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch kam Wehner, mein Weizensauerteig, zum ersten Mal zum Einsatz. 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