{"id":34775,"date":"2020-07-14T08:49:03","date_gmt":"2020-07-14T07:49:03","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34775"},"modified":"2020-07-14T08:58:54","modified_gmt":"2020-07-14T07:58:54","slug":"tagebuch-sonntag-montag-12-13-juli-2020-maske-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=34775","title":{"rendered":"Tagebuch Sonntag\/Montag, 12.\/13. Juli 2020 \u2013 Maske auf"},"content":{"rendered":"<p>Etwas mulmig war mir vor der Zugfahrt in den Norden, wo ich diese Woche bin, um meine Mutter mal wieder zu unterst\u00fctzen. Das letzte Mal war ich im Februar hier, dann sollte ich eigentlich im April kommen und im Mai h\u00e4tte das M\u00fctterlein ein paar Tage bei uns im S\u00fcden geweilt, unter anderem f\u00fcr den Besuch der Passionsspiele in Oberammergau. Aber ihr wisst ja.<\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz vermeide ich Menschen, vor allen in gr\u00f6\u00dferen Ansammlungen und engen R\u00e4umen. Die Archiv- und Bibliotheksbesuche, die f\u00fcr die Diss noch n\u00f6tig waren, fand ich alle ertr\u00e4glich, vor allem, weil in diesen R\u00e4umen recht wenig bis gar nicht gesprochen wird, was mein pers\u00f6nlicher Angstgegner derzeit ist. Die eine Stunde Zug nach N\u00fcrnberg ins Kunstarchiv war okay, wenn ich auch gef\u00fchlt sehr flach geatmet habe. Nun standen mir insgesamt f\u00fcnf Stunden bevor, und ich war doch etwas nerv\u00f6s.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob es an den Infiziertenzahlen in Bayern liegt, die, auf Bundesl\u00e4nder gesehen, am h\u00f6chsten war und ist, dass sich hier, meiner anekdotischen Beobachtung nach, der \u00fcberwiegende Teil der Menschen an die Maskenpflicht h\u00e4lt. Bei meinen wenigen U-Bahn- und Tramfahrten in den letzten Wochen habe ich nur zwei Personen gesehen, die keinen Mundschutz trugen; genau die quatschten dann auch die ganze Zeit miteinander bzw. telefonierten. Abstand halten klappt auf den engen Bahnsteigen manchmal nur so mittel, aber auch da habe ich das Gef\u00fchl, dass die meisten sich wenigstens bem\u00fchen. So auch am Sonntag am Hauptbahnhof in M\u00fcnchen: alle mit Maske, bei einigen (ausnahmslos M\u00e4nner) hing die Maske unter der Nase. Im Zug sa\u00df ich in der 1. Klasse (mehr Abstand m\u00f6glich) und obwohl ich keinen Ruhebereich mehr erwischt hatte, sa\u00dfen alle stumm in der Gegend, niemand telefonierte, alle trugen Maske. Ich hatte einen Zug sp\u00e4ter als gewohnt gebucht, weil der als \u201enicht ganz so fies frequentiert\u201c markiert war, und das passte auch gut. Ich f\u00fchlte mich ziemlich sicher und erleichtert, las und h\u00f6rte weiterhin \u201eHamilton\u201c.<\/p>\n<p>Am Hauptbahnhof Hannover sah ich deutlich weniger Masken, daher mein Verdacht, dass die Zahlen in Bayern mehr dazu verleiten, das Ding zu tragen, auch wenn man oben auf dem Bahnsteig, wo man ja in frischer Luft steht, vermutlich keine Maske tragen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Schwesterchen holte mich im Auto vom Bahnhof ab, sie trug Maske, wir lie\u00dfen die Fenster ge\u00f6ffnet. Auch der Schwager wurde nicht wie \u00fcblich mit K\u00f6rperkontakt begr\u00fc\u00dft, sondern mit Abstand. Ich bewunderte eine kleine Bauarbeit der beiden am H\u00e4uschen und war neidisch auf die dicken Tomaten.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Bei meinen Eltern trage ich seitdem die ganze Zeit Maske, au\u00dfer wenn wir essen, aber dann versuche ich Abstand zu halten, was nicht immer funktioniert. Immerhin wei\u00df ich, dass die beiden negativ sind, das haben sie seit letzter Woche schriftlich. Das M\u00fctterchen rief den Hausarzt an, weil mein Vater seit einigen Tagen etwas hustete. Beim Wort \u201eHusten\u201c wurde anscheinend alles aktiviert, was ging, wenige Tage sp\u00e4ter standen zwei, O-Ton Mama, \u201eMarsmenschen\u201c vor der T\u00fcr, also komplett in Schutzkleidung geh\u00fcllte Tester*innen, nahmen einen Abstrich im Rachen, und jetzt wissen wir, dass ich mich schon mal nicht anstecken kann. Wobei ich mir auch deutlich mehr Sorgen um den umgekehrten Fall mache. Auch das besprachen wir nat\u00fcrlich, was jetzt das sinnvollere, risiko\u00e4rmere, bessere Vorgehen sei, und es endete damit, dass ich mich in den Zug setzte anstatt weiter in M\u00fcnchen rumzusitzen und Zukunftsangst zu schieben und das M\u00fctterchen ein paar Au\u00dfer-Haus-Termine wahrnehmen kann, ohne st\u00e4ndig auf die Uhr gucken zu m\u00fcssen, und bekocht wird.<\/p>\n<p>Die Putzfrau, die hier einmal die Woche arbeitet, meinte zu mir, das sei immer wie Urlaub f\u00fcr meine Mutter, wenn ich k\u00e4me. Das Gef\u00fchl habe ich noch nicht: Die ganzen sch\u00f6nen Automatismen, die ich im letzten Jahr gelernt hatte, sind nach f\u00fcnf Monaten Pause in den Abstellkammern meins Hirns verschwunden. Momentan f\u00fchle ich mich wieder wie eine Praktikantin, die dauernd was fragen muss: Wie ging nochmal der Geschirrsp\u00fcler? Wann soll das Mittagessen fertig sein? Welche Tabletten wann? Und wo ist eigentlich das Paniermehl? Immerhin kenne ich die Namen der Pflegenden noch, die nat\u00fcrlich auch alle mit Mund-Nasen-Schutz auflaufen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Schwester und Schwager haben meinen Eltern ein Hochbeet in den Garten gesetzt, aus dem ich gestern erntete. Das war sch\u00f6n, trotz DER GESAMTSITUATION. Wenn das f\u00fcr Mama wie Urlaub ist, ist es f\u00fcr mich wie eine Studienreise: So sieht also Rucola aus, wenn er nicht in Plastik im Supermarkt liegt. Und endlich hatte ich mal richtig gro\u00dfe Radieschenbl\u00e4tter, aus denen ich Pesto machen konnte, was mir noch nie gelungen ist. Und zack, wieder ein Mittagessen f\u00fcrs M\u00fctterchen vorbereitet, das sie n\u00e4chste Woche entspannt abrufen kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_7031.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-34777\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_7031.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_7031-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Das Bild sieht aus wie f\u00fcr Insta hingedengelt, der Prozess lief aber eher andersrum. Ich sah den malerischen Pestoklecks auf dem Brettchen und stellte nur das Pestoglas zwischen alles, ansonsten sah so meine Kocharbeit aus. Dass die olle Arbeitsplatte aus den 70er-Jahren nochmal so schick sein k\u00f6nnte. (Finde ich jedenfalls.)<\/p>\n<p>Zum Mittag gab&#8217;s Schnitzel und mir gelang eine perfekte Panade. Dusseliger Gedankengang beim Teller f\u00fcr meinen Vater: Verdammt, ich muss das ja kleinschneiden, dann hat Papa gar nichts von der perfekten Panade. Schei\u00df Schlaganfall.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends bat mich Mama, etwas Pfefferminz aus dem Garten zu holen f\u00fcr den Tee. Dem Geschmack des Gebr\u00e4us nach zu urteilen, kann ich Pfefferminz nicht von Zitronenmelisse unterscheiden. Sehr schmackhaft. Und ich habe immerhin keinen Salat aufgebr\u00fcht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Man guckt hier aus fast allen Fenstern ins Gr\u00fcne, der Garten bl\u00fcht und sprie\u00dft gerade wie irre. Auch wenn die Woche anstrengend wird, ist das wirklich sch\u00f6n, hier zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwas mulmig war mir vor der Zugfahrt in den Norden, wo ich diese Woche bin, um meine Mutter mal wieder zu unterst\u00fctzen. 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