{"id":34733,"date":"2020-07-07T07:57:58","date_gmt":"2020-07-07T06:57:58","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34733"},"modified":"2020-07-07T11:37:32","modified_gmt":"2020-07-07T10:37:32","slug":"tagebuch-montag-6-juli-2020-der-reihe-nach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=34733","title":{"rendered":"Tagebuch Montag, 6. Juli 2020 \u2013 Der Reihe nach"},"content":{"rendered":"<p>Mein Gehirn verabschiedete sich eine Woche nach Abgabe der Diss in den Urlaub. Die letzten Tage musste ich noch Dinge geregelt kriegen, aber diese Woche ist gr\u00f6\u00dftenteils nur Abschalten angesagt, bevor Sonntag die neue anstrengende Woche beginnt (alte Heimat, M\u00fctterchen wenigstens f\u00fcr ein paar Tage abl\u00f6sen). Dementsprechend verbrachte ich den Tag \u00fcberwiegend in hirnloser Beh\u00e4bigkeit. Zur sonnt\u00e4glichen Folge <em>Masterchef Australia<\/em>, die ich Montags gucke, war ich noch wach, dann las ich ein paar St\u00fcndchen in <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0143034758\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0143034758&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=0ee235c45336d92e63e2529ce5bcc131\">Chernows Hamilton-Biografie<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=0143034758\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> weiter, irgendwann klickte ich eine Serie an und verschlief gef\u00fchlt den ganzen Resttag auf dem Sofa.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In der Biografie stolperte ich \u00fcber ein paar stilistische Eigenheiten, die mich aus dem Lesefluss rissen, mich aber gleichzeitig in ihm hielten. (Zun\u00e4chst fand ich aber einen Satz \u00fcber ein archivalisches und nicht mehr vollst\u00e4ndig lesbares Schriftst\u00fcck lustig, das aus folgendem Grund nicht mehr lesbar war: \u201eInsects habe unfortunately eaten the middle letters\u201c. (S. 15)) Chernow wendet sich gef\u00fchlt recht oft an die Leserin anstatt einfach seine Sicht der Story zu erz\u00e4hlen; er spricht von \u201eour saga\u201c, stellt direkte Fragen: \u201eWhy had he not been baptized before?\u201c oder leitet berichtende Einsch\u00fcbe bzw. Zusammenfassungen ein mit \u201elet us pause briefly to\u201c do dies und das, bevor es weitergeht. Ich mag das ganz gerne, ein bisschen an die Hand genommen zu werden in einem Text, der \u00fcber 700 Seiten lang ist und in dem ich, gerade zu Beginn, sehr viele Informationen behalten muss, um den roten Faden ausfindig machen zu k\u00f6nnen, der sich vermutlich durch den Brocken weben wird, damit ich etwas zum Festhalten habe.<\/p>\n<p>Vor ein paar Tagen stolperte ich auf Twitter \u00fcber eine Diskussion, die ich nicht weiterverfolgt habe, aber daran musste ich gestern denken, als ich diese bewusst eingef\u00fcgten Fixpunkte oder Leitsysteme bei Chernow bemerkte. Dort wurde bem\u00e4ngelt, dass in journalistischen Artikeln die Phrase \u201eAber der Reihe nach\u201c die Leserin quasi f\u00fcr dumm erkl\u00e4rt, die ohne solche kurzen Atempausen anscheinend nicht in der Lage ist, dem Text folgen zu k\u00f6nnen. Wie gesagt, ich habe die Diskussion nicht verfolgt, sondern mit den Augen gerollt und gedacht, dann lasst das in euren Texten halt weg und gut ist.<\/p>\n<p>Seitdem frage ich mich aber, ob ich mit dem Augenrollen recht hatte. Ich habe gerade keine Stilfibel zur Hand, die mir sagt, wie gute Texte bzw. eine schlaue Leserinnenf\u00fchrung funktionieren. Ich pers\u00f6nlich, ich erw\u00e4hnte es, mag es gerne, wenn man mir kurz eine Denkpause g\u00f6nnt. Ich erinnerte mich an einen Satz in der Diss im Kapitel 1926\u20131933, wo ich kurz \u00fcber Akte und Halbakte schreibe, die Protzen sehr sp\u00e4rlich malte. Die bekamen einen Absatz, der bis in die 1950er-Jahre f\u00fchrte, damit ich das Thema abarbeiten und abnicken und es im Rest der Arbeit ignorieren konnte, weil es f\u00fcr mein Forschungsinteresse egal ist. Als ich mit der kurzen Aufz\u00e4hlung durch war, begann ich den n\u00e4chsten Absatz mit \u201eZur\u00fcck ins Jahr 1932\u201c, weil ich deutlich machen wollte, dass es jetzt chronologisch weitergeht.<\/p>\n<p>Seit gestern, \u201eLet us pause\u201c\u00a0und \u201eAber der Reihe nach\u201c denke ich dar\u00fcber nach, ob ich damit meinen Doktorvater zu einem debilen Leser gemacht habe, dem nach einem Absatz \u00fcber nackte Damen nicht zugetraut werden kann, wieder \u00fcber Kinderbilder von 1932 lesen zu k\u00f6nnen, ohne total verwirrt zu sein. K\u00f6nnte aber auch mein \u00fcberspanntes Hirn gewesen sein, das pl\u00f6tzlich nichts mehr zum Nachdenken hat, aber dringend wieder was zum Nachdenken haben will, die Nervens\u00e4ge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Gehirn verabschiedete sich eine Woche nach Abgabe der Diss in den Urlaub. Die letzten Tage musste ich noch Dinge geregelt kriegen, aber diese Woche ist gr\u00f6\u00dftenteils nur Abschalten angesagt, bevor Sonntag die neue anstrengende Woche beginnt (alte Heimat, M\u00fctterchen wenigstens f\u00fcr ein paar Tage abl\u00f6sen). Dementsprechend verbrachte ich den Tag \u00fcberwiegend in hirnloser Beh\u00e4bigkeit. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-34733","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34733","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34733"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34733\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34740,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34733\/revisions\/34740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}