{"id":34708,"date":"2020-07-02T10:20:21","date_gmt":"2020-07-02T09:20:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=34708"},"modified":"2020-07-02T10:20:21","modified_gmt":"2020-07-02T09:20:21","slug":"tagebuch-mittwoch-war-es-mittwoch-wie-spat-ist-es-1-juli-2020-urlaub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=34708","title":{"rendered":"Tagebuch Mittwoch (war es Mittwoch? Wie sp\u00e4t ist es?), 1. Juli 2020 \u2013\u00a0Urlaub"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Abgabe der Diss verordnete ich mir selbst Urlaub bis mindestens Sonntag. Momentan m\u00f6chte mein Kopf sich auch noch nicht wieder anstrengen, also gab&#8217;s alle alten <em>Rick &#038; Morty<\/em>-Folgen auf Netflix, die ich aufnehmen konnte. Zwischendurch unterst\u00fctzte ich die <a href=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/sanlucaskaffeewirtschaft\/\">lokale Wirtschaft<\/a> durch den Kauf von 500 Gramm Kaffeebohnen f\u00fcr meine French Press bzw. Cold Brew, was ich im Moment h\u00e4ufiger trinke als Flat White. Ich testete einen neuen Hermes-Abholort an, zu dem ich mir ein Paket hatte schicken lassen und informierte mich, ob meine von mir ausgesuchte (bezahlbare) N\u00e4hmaschine wieder verf\u00fcgbar war. Das war sie monatelang nicht, weil anscheinend alle Masken gen\u00e4ht haben. Jetzt wo sie wieder da ist, traue ich mich noch nicht so recht, sie zu bestellen und schlafe noch eine Nacht dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Erneut Udon-Nudeln mit Sesam-Chili-Sauce, weil von der immer so viel da ist, wenn ich sie mache, dass ich davon drei Tage essen kann. Heute gibt&#8217;s den Rest, vermutlich mit Tofu. Meine Balkontomaten bestaunt, die ich als Corona-Projekt erst im April ausges\u00e4t hatte und nicht, wie man das anscheinend macht, schon im Februar. Sie sind meiner Meinung nach viel zu d\u00fcnn und meine ollen Bambusst\u00e4be doch nicht so stabil wie ich dachte, daher sind es eher Arbeitszimmertomaten, weil ich dem Balkon mit seinem fiesen Wind und den irren Regeng\u00fcssen nicht traue. Die Pflanzen bilden gerade winzige Bl\u00fcten aus und ich bin v\u00f6llig fasziniert davon. N\u00e4chstes Jahr kaufe ich mir so ein Plastikgew\u00e4chshaus f\u00fcr den Balkon und ballere ihn mit allem voll, was ich derzeit brauche (Thai-Limettenbl\u00e4tter, Chilis).<\/p>\n<p>Ansonsten Schokolade gegessen und ein Buch gelesen, das nur entfernt was mit Kunst des NS zu tun hat. Irre.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.54books.de\/von-schrottwert-zu-meisterwerk-und-zurueck-ueber-kunstfaelschung\/\">Von Schrottwert zu Meisterwerk und zur\u00fcck \u2013 \u00dcber Kunstf\u00e4lschung<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Sch\u00f6ner Artikel \u00fcber Kunstf\u00e4lschung und dem Genieglauben, der vielen Kunstwerken noch heute inh\u00e4rent ist. Ich hadere ein bisschen mit der Beschreibung der kleingeistigen Kunsthistoriker, aber das ist jetzt anscheinend Berufsrisiko, mich davon angesprochen zu f\u00fchlen. (YAY!)<\/p>\n<blockquote><p>\u201eKunstf\u00e4lschungen werfen interessante Fragen auf, wenn es darum geht, was wir bereit sind, als Kunst zu akzeptieren. Die Memoiren von Kunstf\u00e4lschern werden trotzdem sehr selten als Beitr\u00e4ge zu dieser Debatte ernst genommen. Was auch deswegen schade ist, weil sie, im Gegensatz zu vielen Beitr\u00e4gen von legitimen Kunsthistoriker*innen, meist sehr unterhaltsam sind \u2013 und tats\u00e4chlich von vielen Lai*innen auch gelesen werden. Biographien und Memoiren von enttarnten Kunstf\u00e4lschern, bringen es regelm\u00e4\u00dfig zu Bestsellern. In Gro\u00dfbritannien ist die Autobiographie des Allround-F\u00e4lschers Shaun Greenhalgh,<em> A Forger\u2019s Tale. Confessions of the Bolton Forger<\/em> von 2017 sogar als Observer Art Book 2018 ausgezeichnet worden. Zurecht, denn bei Greenhalgh bekommt man detaillierte Einblicke in k\u00fcnstlerische und kunsthandwerkliche Techniken. Schlie\u00dflich hat er selbst seine F\u00e4lschungspraxis als eine Art experimentelle Kunstgeschichte verstanden. Seine <em>Confessions<\/em> sind au\u00dferdem eines der wenigen B\u00fccher, aus denen man etwas dar\u00fcber erf\u00e4hrt, wie sich au\u00dfer- und  unterhalb b\u00fcrgerlicher Mittel- und Oberschichten die \u00e4sthetische Erziehung des Menschen konkret abgespielt hat; und das ohne ein schlechtes Gewissen dar\u00fcber, die eigene Herkunft durch den sozialen Aufstieg verraten zu haben. Greenhalgh hat das Buch im Gef\u00e4ngnis geschrieben, nicht auf einem Lehrstuhl f\u00fcr Soziologie.<\/p>\n<p>Auch bei ihm ist, wie in den meisten F\u00e4lscher-Biographien, die B\u00eate Noire weniger die Polizei, sondern die Kunstexpert*innen, die ihm eigentlich schon l\u00e4ngst auf die Schlichte h\u00e4tten kommen m\u00fcssen. Stattdessen haben sie eine F\u00e4lschung nach der anderen in den Handel durchgewunken \u2013 und erst jetzt, als klar ist, dass eines der \u201cbedeutendsten\u201d Meisterwerke, das Vermeer oder Campendonck oder Van Goghs jemals geschaffen haben, gar nicht von deren Hand ist, erscheint denselben Experten pl\u00f6tzlich augenf\u00e4llig, dass das ja gar kein Vermeer oder Van Gogh oder Campendonck sein kann, so schlecht wie die F\u00e4lschung gemacht sei.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat die Transformation vom Meisterwerk zu Schrottwert, die ein Kunstwerk in dem Augenblick erf\u00e4hrt, wenn die eigentliche Urheberschaft erkannt ist, etwas Mystisches: Eben noch Campendoncks bestes Gem\u00e4lde, nun schlecht ausgef\u00fchrter Expressionismus-Kitsch. Es sind offensichtlich weniger die dem Werk immanenten \u00e4sthetischen Qualit\u00e4ten, die es zum Meisterwerk machen oder seine \u00e4sthetische Beurteilung bestimmen, sondern es muss die Hand des Meisters auf sich gesp\u00fcrt haben. Wird sie abgezogen, verschwinden pl\u00f6tzlich die sichere Linienf\u00fchrung, die subtile Komposition und die exquisite Farbigkeit oder was auch immer die Superiorit\u00e4t des Bildes begr\u00fcndet haben soll. An ihrer Stelle erscheint ein aus Geldgier, Geltungssucht und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung zusammengeschmiertes Machwerk. Das Kunstwerk als Ber\u00fchrungsreliquie.\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Abgabe der Diss verordnete ich mir selbst Urlaub bis mindestens Sonntag. Momentan m\u00f6chte mein Kopf sich auch noch nicht wieder anstrengen, also gab&#8217;s alle alten Rick &#038; Morty-Folgen auf Netflix, die ich aufnehmen konnte. Zwischendurch unterst\u00fctzte ich die lokale Wirtschaft durch den Kauf von 500 Gramm Kaffeebohnen f\u00fcr meine French Press bzw. 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