{"id":32868,"date":"2019-09-20T07:58:27","date_gmt":"2019-09-20T06:58:27","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32868"},"modified":"2019-09-20T08:20:49","modified_gmt":"2019-09-20T07:20:49","slug":"was-schon-war-donnerstag-19-september-2019-kathe-kollwitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=32868","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Donnerstag, 19. September 2019 \u2013 K\u00e4the Kollwitz"},"content":{"rendered":"<p>Was \u00fcberhaupt nicht sch\u00f6n war: die gesamte erste Tagesh\u00e4lfte. Oder genauer gesagt, alles bis 18 Uhr. Gro\u00dfer Selbstzweifeltag auf allen Baustellen, Selbstgei\u00dfelung, Selbstvorw\u00fcrfe, alles schei\u00dfe, deine Elli.<\/p>\n<p>Eigentlich wollte ich mich dann unter die Bettdecke verkriechen und einfach warten, bis der Dreckstag rum war, aber F. und ich hatten Karten f\u00fcr eine <em>performance lecture<\/em> von K\u00e4the Kollwitz, einem der Gr\u00fcndungsmitglieder der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Guerrilla_Girls\">Guerilla Girls<\/a>, im Haus der Kunst. (Dass die Dame nicht wirklich so hei\u00dft, ist klar, gell? Ihr seid ja nicht doof.) Und so diskutierte ich mit mir selbst und F., ob jetzt Bettdecke oder <em>lecture<\/em> besser w\u00e4ren f\u00fcr mein Seelenheil, bis ich mir selbst sagte: Anke. Kind. Die <a href=\"https:\/\/www.guerrillagirls.com\/\">Guerilla Girls<\/a>! Du \u00e4rgerst dich morgen schwarz, wenn du nicht hingegangen bist.<\/p>\n<p>Also zerrte ich um 18 Uhr mein Fahrrad aus dem Keller und radelte geschwind zum Museum, was schon mal der Anfang einer guten Idee war, denn Radeln macht ja immer gl\u00fccklich. Und die Abendsonne beschien alles gar g\u00fclden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/A5D288B10.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-32871\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/A5D288B10.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/A5D288B10-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Die <em>performance lecture<\/em> war dann schlicht ein einst\u00fcndiger Vortrag, aber eben stilecht in Gorillamaske. Kollwitz zeigte viele der vergangenen Aktionen, Poster, Ausstellungen, fand es gleichzeitig absurd und gro\u00dfartig, dass sie nun selbst als K\u00fcnstlerinnen in den H\u00e4usern vertreten sind, gegen deren Ausstellungspolitik sie seit \u00fcber 30 Jahren protestieren. Hier ihr vermutlich bekanntestes Werk von 1989 in der Tate: <a href=\"https:\/\/www.tate.org.uk\/art\/artworks\/guerrilla-girls-do-women-have-to-be-naked-to-get-into-the-met-museum-p78793\">Do women have to be naked to get into the Met Museum?<\/a> Das Poster gibt es auch mit aktualisierten Zahlen von 2012: Inzwischen sind nur noch, nur noch, haha, 76 Prozent alle Akte im Met weiblich im Gegensatz zu 85 Prozent, aber daf\u00fcr ist die Zahl der ausgestellten K\u00fcnstlerinnen sogar noch gesunken: von lausigen 5 Prozent auf noch lausigere 4.<\/p>\n<p>Ich kannte viele der Aktionen, viele andere nicht, und war unerwarteterweise ein bisschen <em>star struck<\/em>. Auch die anschlie\u00dfende Fragerunde konnte mich erheitern. Als die Mikrofone rumgereicht wurden, bettelte ich innerlich: Bitte keinen Kerl als ersten Fragenden, bitte keinen Kerl. Es fragte dann \u00fcberhaupt kein Mann irgendwas \u2013 die Herren waren im Publikum zahlenm\u00e4\u00dfig auch weit unterlegen \u2013, aber stattdessen mehrere Frauen, und oh Wunder, frau konnte sich kurz fassen und nicht erstmal ein Spontanreferat halten. Irre. Geht also!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/10D9B0034.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"541\" class=\"alignnone size-full wp-image-32870\" \/><\/p>\n<p>Ich merkte, wie sehr ich diesen Vortrag an genau diesem Schei\u00dftag gebraucht hatte, als Kollwitz zum Abschied ins Publikum rief: \u201eAnd good luck for all your work!\u201c Woraufhin ich fast ein bisschen geheult h\u00e4tte, weil das eben exakt der Pep Talk war, den ich h\u00f6ren musste.<\/p>\n<p>Nach Hause geradelt, Gin Tonic &#8230; und dann eine hei\u00dfe Zitrone getrunken, gemeinsam eingeschlafen, alles wieder gut. Halbwegs.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/8uKg7hb2yoo\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/3WqBI20bd2k\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der Satz, den ich am schlauesten fand, steht auf einem ihrer neuesten Poster und fasst gut zusammen, was an der derzeitigen Ausstellungspolitik in Museen und Galerien nervt: <a href=\"https:\/\/www.ngv.vic.gov.au\/explore\/collection\/work\/131807\/\">\u201eIf museums don&#8217;t show art as diverse as the cultures they claim to represent, tell them they&#8217;re not showing the history of art, they are just preserving the history of wealth and power.\u201c<\/a><\/p>\n<p>Die NYT von gestern: <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/09\/19\/arts\/design\/female-art-agency-partners-sothebys-artists-auction.html\">Female Artists Made Little Progress in Museums Since 2008, Survey Finds<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was \u00fcberhaupt nicht sch\u00f6n war: die gesamte erste Tagesh\u00e4lfte. 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