{"id":32845,"date":"2019-09-18T08:57:58","date_gmt":"2019-09-18T07:57:58","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32845"},"modified":"2019-09-18T09:03:15","modified_gmt":"2019-09-18T08:03:15","slug":"tagebuch-dienstag-17-september-2019-au-to-baaaaahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=32845","title":{"rendered":"Tagebuch Dienstag, 17. September 2019 \u2013 Au-to-baaaaahn"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/e11h73WhqK4\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>(Es hilft nix, man hat es immer im Kopf.)<\/p>\n<p>Gestern vertiefte ich mich mal wieder in den Bau der Autobahnen bzw. zun\u00e4chst dem ersten gro\u00dfen Projekt f\u00fcr eine reine Autostra\u00dfe, die sogenannte \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/HaFraBa\">Hafraba<\/a>-Stra\u00dfe\u201c, dann der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/AVUS\">AVUS<\/a> von 1921 und der ersten auch so bezeichneten Autobahnstrecke <a href=\"https:\/\/afz.lvr.de\/de\/archiv_des_lvr\/dokument_des_monats\/dokument_2014_08\/2014_08.html\">zwischen K\u00f6ln und Bonn 1932<\/a>, die sp\u00e4ter nicht ins Reichsautobahnnetz eingegliedert wurde, weil kein trennender Mittelstreifen zwischen den Spuren vorhanden war. Mir geht es gerade ganz simpel um die politischen Vorgaben und die reine Entstehung des Bauwerks bzw. den Pl\u00e4nen f\u00fcr die sp\u00e4tere Reichsautobahn oder noch bzwiger, welche schon vorhandenen Pl\u00e4ne die Nationalsozialisten als ihre eigenen ausgaben.<\/p>\n<p>Damit war ich dann den ganzen Tag besch\u00e4ftigt. Das von mir angelegte Stoffsammlungsdokument zu diesem Thema stammt \u00fcbrigens, wie mir gestern wieder auffiel, vom November 2017. Ich werde mich nie wieder fragen, warum Dissertationen so lange dauern.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/09\/17\/arts\/design\/nazi-design-den-bosch.html\">A Nazi Design Show Draws Criticism. Its Curator\u2019s Comments Didn\u2019t Help.<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die NYT berichtet \u00fcber die <a href=\"https:\/\/designmuseum.nl\/en\/tentoonstelling\/design-van-het-derde-rijk\/\">Ausstellung des Design Museum Den Bosch<\/a>, das sich mit der grafischen und architektonischen Gestaltung des \u201eDritten Reichs\u201c auseinandersetzt. Ich habe die Ausstellung selbst nicht gesehen und bin mir auch nicht sicher, ob ich das noch tun werde. Nicht weil ich die Idee doof finde, sondern weil ich nicht wei\u00df, ob sie mir viel Neues zeigen wird.<\/p>\n<p>Kurator de Rijk lehnte sich zun\u00e4chst mit arg d\u00e4mlichen Statements zum Wesen des Museums an sich sehr weit aus dem Fenster der Idiotie: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eControversy has been brewing around the exhibition since February 2018, when Mr. de Rijk gave the interview to De Volkskrant to announce the show. He began by characterizing Dutch design in museums generally as \u201ctoo feminine.\u201d \u201cApparently, more women work in the design departments, and homosexuals, by the way,\u201d the Volkskrant quoted Mr. de Rijk as saying. \u201cThat is of course a clich\u00e9, but the museum world seems to repeat those clich\u00e9s,\u201d he added.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur Ausstellung selbst hat er allerdings Schlaues zu sagen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e\u201cAll our art history books run from 1890, when modernism started, to 1939 or 1940, and begin again in 1945,\u201d Timo de Rijk, the museum\u2019s director and the curator of the exhibition, said in an interview last week. \u201cWe\u2019ve skipped something: A large part of what existed there, which is crucial to understanding what happened afterward \u2014 and also what came before \u2014 is not understood. I want to change that.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist genau das Argument, was Menschen, die in meinem Bereich forschen \u2013 systemkonforme Kunst des NS \u2013 seit Jahren runterleiern. Unser Verst\u00e4ndnis einer Zeit wird nicht besser, wenn wir Dinge daraus wegschlie\u00dfen oder vernichten, damit sich blo\u00df niemand mit ihnen konfrontieren muss. Mein liebstes Zitat, dessen Quelle leider nicht frei zug\u00e4nglich online ist, stammt von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julia_Voss\">Julia Voss<\/a> in der <em>FAZ<\/em>, die \u00fcber die damals (2011) neue Website <a href=\"http:\/\/www.gdk-research.de\/db\/apsisa.dll\/ete\">GDK-Research<\/a> schrieb, an der mein Doktorvater ma\u00dfgeblich beteiligt war und ist. Sie meinte zur systemkonformen Kunst, die jahrzehntelang unter Verschluss geblieben war und nun erstmals in ihre gesamten Breite sichtbar gemacht wurde, dass man eben durch diese jahrzehntelange Unkenntnis auf eine H\u00f6hle voller Drachen warte \u2013\u00a0und stattdessen auf Molche und Lurche treffe. Eben die schnarchigen Blumenstillleben und eine banale Landschaft nach der anderen. In diesem Zusammenhang meine ewige Lieblingszahl: Eindeutig ideologische Kunst (Hitlerb\u00fcsten, Kriegsszenen, Soldaten etc.) stellten stets nur einen winzigen Teil der Kunst im Haus der Deutschen Kunst dar; ihr h\u00f6chster prozentualer Anteil betrug nie mehr als vier lausige Prozent (GDK 1941, Quelle: Aufsatz \u201eDie \u201aGro\u00dfe Deutsche Kunstausstellung\u2018 1938. Relekt\u00fcre und Neubewertung\u201c <a href=\"https:\/\/opacplus.bsb-muenchen.de\/search?isbn=9783835314122&#038;db=100&#038;View=default\">in diesem Buch<\/a>).<\/p>\n<p>Ich finde es au\u00dferdem gerechtfertigt, auf den Designaspekt des \u201eDritten Reichs\u201c hinzuweisen und auf seine verf\u00fchrerische Kraft, gerade in diesen Zeiten, in denen die Rechten sich wieder aus ihren L\u00f6chern trauen. Denn das war eine Kritik an der Ausstellung, die auch in den Kommentaren zum Artikel zum Ausdruck kommt: Sollte man sowas gerade jetzt eben gerade nicht zeigen? Ich meine: genau jetzt.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df, mit dem das \u201eDritte Reich\u201c die deutsche Bev\u00f6lkerung umfasste, kann durchaus immer wieder betont werden. Selbst mir war nicht klar, wie sehr die Ideologie jeden noch so kleinen Anteil des pers\u00f6nlichen Lebens betraf, da hat mir die Dauerausstellung im <a href=\"https:\/\/www.ns-dokuzentrum-muenchen.de\/home\/\">NS-Dokuzentrum<\/a> hier in M\u00fcnchen sehr viel beigebracht. Gerade weil sich heute wieder Widerlichkeiten wie \u201ev\u00f6lkisch\u201c und \u201eentartet\u201c in den Sprachgebrauch schleichen, man in jedem dritten Facebook-Artikel dar\u00fcber diskutieren muss, warum \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jedem_das_Seine\">Jedem das Seine<\/a>\u201c kein gutes Zitat ist, egal wo es urspr\u00fcnglich herkommt (wir malen ja auch keine Hakenkreuze mehr irgendwo hin und sagen, guck mal, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Swastika\">altindisch<\/a>) und anscheinend auch niemand mehr dar\u00fcber stolpert, wenn man sich einen Telefontarif \u201eselektieren\u201c soll, sollte man daran erinnern, wie diese Dinge und Worte missbraucht, umgedeutet oder erfunden wurden.<\/p>\n<p>Eine Kritik, die jede Ausstellung abkriegt, die Dinge aus der NS-Zeit ausstellt, ist der angeblich fehlende Kontext: M\u00fcsste man nicht Fotos aus KZs zeigen, damit niemand vergisst, was das h\u00fcbsche Design angerichtet hat? Ich halte das, wie in der <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=27488\">Ausstellungsbesprechung<\/a> zu \u201eArtige Kunst\u201c in Regensburg erw\u00e4hnt, f\u00fcr Quatsch und Didaktik f\u00fcr Doofe. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass jemand, der sich eine Ausstellung zum Nationalsozialismus anschaut, nicht wei\u00df, was diese Ideologie angerichtet hat. Und ich glaube auch, dass die (meist) Jungs, siehe NPD- und AfD-W\u00e4hler und -Mitgliederh\u00e4ufung, die das alte Design so schick finden und heute wieder rote Fahnen mit schwarzen Fantasiesymbolen auf wei\u00dfem Grund gestalten, um bewusst eine optische Verwandschaft herzustellen, das ebenfalls genau wissen. Deswegen finden sie den Kram ja so toll: weil sie ihre kleingeistigen, gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen Fantasien ausleben k\u00f6nnen. Keiner von denen sagt, hey, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Speer\">Albert Speer<\/a>, der hat aber echt sch\u00f6n die klassischen griechischen Vorbilder umgesetzt und konsequent monumentalisiert, gut gemacht, Junge \u2013 die sagen, hey, geil, Platz f\u00fcr 200.000 jubelnde Deppen und ich vorne auf der Trib\u00fcne. Der Leiter der Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen, die ja bekanntlich im <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=26177\">Saal 13<\/a> systemkonforme Kunst (und meinen Herrn Protzen) ausstellen, meinte in einem Interview, der Raum sei so gar nicht zur Sammlungsst\u00e4tte von Alt-Nazis geworden, was im Vorfeld durchaus diskutiert und bef\u00fcrchtet werde. Den Alt- und Neu-Nazis sind Zieglers <em><a href=\"https:\/\/www.pinakothek.de\/kunst\/adolf-ziegler\/die-vier-elemente-erde-und-wasser-triptychon-mittelteil\">Vier Elemente<\/a><\/em> oder Protzens <em>Baustelle bei Leipheim<\/em> n\u00e4mlich egal, die finden nur die Idee super, dass endlich mal wieder jemand sagt, was Kunst ist und was weg kann.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang empfehle ich euch erneut <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3827500400\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3827500400&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=98bb4181defba0e75799444b5777277c\">Albert Speer: Eine deutsche Karriere<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3827500400\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> von Magnus Brechtken, das ich mit gro\u00dfem Gewinn gelesen habe, vor allem den Teil nach 1945, der sich auch mit dem Umgang der Bundesdeutschen mit ihrer Nazivergangenheit befasst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Es hilft nix, man hat es immer im Kopf.) Gestern vertiefte ich mich mal wieder in den Bau der Autobahnen bzw. zun\u00e4chst dem ersten gro\u00dfen Projekt f\u00fcr eine reine Autostra\u00dfe, die sogenannte \u201eHafraba-Stra\u00dfe\u201c, dann der AVUS von 1921 und der ersten auch so bezeichneten Autobahnstrecke zwischen K\u00f6ln und Bonn 1932, die sp\u00e4ter nicht ins Reichsautobahnnetz [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-32845","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32845"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32845\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32854,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32845\/revisions\/32854"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}