{"id":32800,"date":"2019-09-13T08:22:58","date_gmt":"2019-09-13T07:22:58","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=32800"},"modified":"2019-09-17T09:35:11","modified_gmt":"2019-09-17T08:35:11","slug":"tagebuch-mittwoch-donnerstag-11-12-september-2019-mukschichgut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=32800","title":{"rendered":"Tagebuch Mittwoch\/Donnerstag, 11.\/12. September 2019 \u2013 Mukschichgut"},"content":{"rendered":"<p>Der Mittwoch war ein ziemlicher Totalausfall, was die geistige Leistung anging. Ich wuselte ein bisschen in der Diss und meinem Berg an Autobahnlekt\u00fcre herum, brachte aber vermutlich nur zwei gute S\u00e4tze zu Papier, haderte mal wieder, sorry, es wird langweilig, mit der Struktur, aber dieses Mal immerhin nur mit der im Autobahnkapitel. Es lief die ganze Zeit die <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/playlist\/0GHTAITHgzLCDwWZYjxzOP?si=GX7g9mzyQMmyBgmmfpcbGg\">Klassik-f\u00fcr-jeden-Tag-Liste<\/a>, die zwar \u00fcberwiegend aus Greatest Hits besteht, wo ich aber doch zwischendurch noch Dinge entdecke, die mir neu sind. So lernte ich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Josef_Suk_(Komponist)\">Josef Suk<\/a> kennen, dessen Adagio in der <em>Serenade f\u00fcr Streicher<\/em> ich noch nicht kannte, und beschloss, jetzt mal die ganze tschechische Klassik des 19. Jahrhunderts durchzuh\u00f6ren \u2013 es gibt da ja anscheinend kaum jemand, dessen Arbeit mir nicht gef\u00e4llt. (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bohuslav_Martin%C5%AF\">Bohuslav Martin\u016f<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anton%C3%ADn_Dvo%C5%99%C3%A1k\">Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bed%C5%99ich_Smetana\">Bed\u0159ich Smetana<\/a>.)<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/YSnROJ3fxlY\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Abends kam immerhin F. vorbei, das rettet ja viel. Wir lungerten nebeneinander auf dem Sofa herum, ich las drei Ausgaben der FAZ nach, er sein derzeitiges Buch, das ziemlich spannend klingt: <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3406733085\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3406733085&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=968078f18e012e4aeae0fe8049198c0f\">Zeitenwende 1979: Als die Welt von heute begann<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3406733085\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern sa\u00df ich den halben Tag in der Stabi, wo ich einen Berg B\u00fccher aus meinem Lesesaalfach zerrte. Bin ich eigentlich seit sieben Jahren blind oder gibt es dort wirklich keine K\u00f6rbe, in denen man seine Beute unterbringen kann, anstatt den heiligen Laptop hilflos auf einem wackeligen Stapel B\u00fccher zu balancieren, den man vor seinem Bauch rumtragen muss, bis man einen Platz gefunden hat? Oder sind die immer schon weg, wenn ich um 9 komme?<\/p>\n<p>Jedenfalls vertiefte ich mich in die Themen Baustellen und Landschaftsgestaltung; ja, ich war etwas abseitig unterwegs, aber das macht das wissenschaftliche Arbeiten ja so spannend. Ich las wie immer \u00e4u\u00dferst anstrengende Prim\u00e4rquellen voller Nazigew\u00e4sch und fragte mich zum hundertsten Mal, wie die Damen und Herren es damals hinbekommen haben, diesen ganzen unmenschlichen Rotz so von sich und ihrem eigenen, kleinen b\u00fcrgerlichen Leben, vermutlich mit feinem Teeservice, geb\u00fcgelter Unterw\u00e4sche und Veilchenstr\u00e4u\u00dfchen f\u00fcr die Angebetete, wegzudiskutieren. Wie man es geistig hinbekommt, das alles vor sich zu rechtfertigen, den Angriffskrieg, die Massenmorde, alles unter der Pr\u00e4misse, naja, aber die Deutschen m\u00fcssen ja irgendwo wohnen. Herrgottfuckingnocheins. Wenn ich nicht in einer \u00f6ffentlichen Bibliothek gesessen h\u00e4tte, h\u00e4tte ich wieder B\u00fccher anschreien m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im Zuge dessen musste ich wieder an die geplante Landschaftsver\u00e4nderungen in den eroberten Ostgebieten denken, wo das Deutsche Reich daf\u00fcr sorgen wollte, dass Polen wie das Rheinland aussieht (erfundenes Beispiel): \u201eDie Ra\u0308ume mu\u0308ssen [&#8230;] ein unserer Wesensart entsprechendes Gepra\u0308ge erhalten, damit der germanisch-deutsche Mensch sich heimisch fu\u0308hlt.\u201c Vgl. Ma\u0308ding, Erhard: <em>Regeln fu\u0308r die Gestaltung der Landschaft. Einfu\u0308hrung in die Allgemeine Anordnung Nr. 20\/VI\/42 des Reichsfu\u0308hrers SS, Reichskommissars fu\u0308r die Festigung deutschen Volkstums, u\u0308ber die Gestaltung der Landschaft in den eingegliederten Ostgebieten<\/em>, Berlin 1943, S. 51. (Ich zitierte das in meiner <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=21840\">Hausarbeit \u00fcber den Heimatbegriff in Weblogs und auf Instagram<\/a> (2015).)<\/p>\n<p>*schnauf*<\/p>\n<p>Immerhin bekam ich durch diese Lekt\u00fcre viel neuen Input f\u00fcr mein immer noch etwas schwammiges Autobahnkapitel und war nach dem Bibliotheksbesuch deutlich besser gelaunt. Wie immer, yay! Gleich mal ein paar Incentives mitnehmen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5585.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-32806\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5585.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5585-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_5588.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"570\" class=\"alignnone size-full wp-image-32805\" \/><\/p>\n<p>Zuhause hungrig ein <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/BLT\">BLT<\/a> mit K\u00e4se zubereitet. Also eigentlich ein BLTC.<\/p>\n<p>Abends gab&#8217;s dann noch Textfeedback, an dessen Umsetzung ich mich f\u00fcr ein St\u00fcndchen setzte, bis ich merkte, dass mein Kopf nur noch Varianten derselben Idee produzierte. Job f\u00fcr gestern beendet, Back-up gemacht, von allem Disskram nat\u00fcrlich auch (immer! jeden Tag! am liebsten auch mal zwischendurch!), Zeitung gelesen, <em>The Great British Bake-Off<\/em> geguckt und eine Sch\u00fcssel gemischte Zerealien genossen. Ich werfe immer mehrere M\u00fcsli- oder Flakessorten zusammen und schneide einen Berg Obst rein. <a href=\"https:\/\/www.koelln.de\/produkte\/mueslis\/knusper-schoko-keks\/\">Dieses<\/a> aus Versehen gekaufte M\u00fcsli werde ich vermutlich nicht nochmal kaufen, denn es besteht quasi nur aus Keksbr\u00f6seln. Oder ich kaufe es als Netflix-Snack, aber nicht mehr, um noch Cornflakes darunterzumischen, die man eh nicht schmeckt, weil es sich beim Essen so anf\u00fchlt, als w\u00fcrde man einen M\u00fcrbeteigboden knabbern.<\/p>\n<p>Noch ein St\u00fcndchen mit F. \u00fcber den Tag geredet, gemeinsam eingeschlafen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich las interessiert den Artikel <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/09\/11\/style\/caroline-calloway-explainer.html\">Who Is Caroline Calloway? An Explainer<\/a>, in dem ich eben diese Calloway kennenlernte. <a href=\"https:\/\/www.thecut.com\/2019\/09\/the-story-of-caroline-calloway-and-her-ghostwriter-natalie.html\">Diesen Artikel<\/a> aus <em>The Cut<\/em> \u00fcber sie hatte ich vor einigen Tagen schon mal in der Timeline, habe ihn aber noch nicht gelesen. Aber einen weiteren Artikel fand ich dann ebenfalls sehr unterhaltsam: <a href=\"https:\/\/www.pajiba.com\/web_culture\/the-case-of-caroline-calloway-and-her-creativity-workshop-tour.php\">The Empty Mason Jar of the Influencer Economy: The Case of Caroline Calloway and her Creativity Workshop Tour<\/a>. Nicht ganz in einer Reihe wie das <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fyre_Festival\">Fyre Festival<\/a>, aber eine anst\u00e4ndige Ann\u00e4herung.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWhy should you care about this person you\u2019ve most certainly never heard of before? Why are we wasting our time talking about yet another internet celebrity and yet another scam? Well, that\u2019s a lot of questions and the answers will require time, but throughout this post, I hope to paint a portrait of the new age of the \u2018influencer economy\u2019, the insidious nature of Instagram\u2019s faux aspirational agenda, and the one woman who exemplifies the trend at its most inept. Caroline Calloway\u2019s scam may not be the biggest on the internet or the most upsetting but it certainly best represents the truth that lies beneath the well-filtered veil. [&#8230;]<\/p>\n<p>While all of this went on, Calloway strived to create her own brand of \u2018authenticity\u2019. She was \u2018real\u2019 for pulling out of a 6 figure book deal. She was true to herself for refuting a narrative she had created for herself for personal and financial gain, one that relied heavily on fetishistic notions of the British class system and academic elitism. She was a real artist for never actually making any art. This is the Instagram curse in many ways: The hunger to be an influencer without doing the work of real influencing.<\/p>\n<p>But this call came to a climax with these workshops.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Als Rausschmei\u00dfer einen Artikel, den gestern alle in die Timeline warfen und den ich schon im gedruckten <em>Spiegel<\/em> gelesen hatte. Macht \u00fcberhaupt keine gute Laune, aber daf\u00fcr einen sch\u00f6nen Bogen zum eigenen Forschungsobjekt: <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/plus\/sohn-eines-ns-verbrechers-ueber-afd-rhetorik-da-spricht-ja-mein-vater-a-00000000-0002-0001-0000-000165813287\">Da spricht ja mein Vater!<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niklas_Frank\">Niklas Frank<\/a> \u00fcber den neuen Faschismus in Deutschland.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eObwohl ich gegen die Todesstrafe bin, habe ich sie meinem Vater immer geg\u00f6nnt. Es ist gut, dass er wohl wenigstens f\u00fcr ein paar Sekunden jene Todesangst sp\u00fcren musste, die er selbst millionenfach \u00fcber unschuldige Menschen gebracht hat. Er hie\u00df Hans Frank, er war Hitlers Generalgouverneur im besetzten Polen. Die Alliierten haben ihn dann in N\u00fcrnberg gehenkt.<\/p>\n<p>Jetzt aber tauchen wieder V\u00e4ter von meines Vaters Art auf, die mein Hirn vergiften wollen. 80 Jahre bin ich alt. Mein Leben lang h\u00f6rte ich dieses verdruckste Schweigen, dieses nicht wirklich anerkennen wollen unserer Verbrechen. Doch nur wenn wir sie anerkennen, k\u00f6nnen wir trotz des damit verbundenen Schmerzes und der Wut ein ehrliches Leben ohne Hass hinlegen.<\/p>\n<p>Oft betrachte ich meines Vaters Totenfoto. Wie er nach seiner Hinrichtung da liegt mit kaputtem Genick. Zurzeit lacht er mich frech an, denn das Schweigen wurde beendet \u2013 von der AfD.\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mittwoch war ein ziemlicher Totalausfall, was die geistige Leistung anging. Ich wuselte ein bisschen in der Diss und meinem Berg an Autobahnlekt\u00fcre herum, brachte aber vermutlich nur zwei gute S\u00e4tze zu Papier, haderte mal wieder, sorry, es wird langweilig, mit der Struktur, aber dieses Mal immerhin nur mit der im Autobahnkapitel. 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