{"id":31593,"date":"2019-04-08T06:58:55","date_gmt":"2019-04-08T05:58:55","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31593"},"modified":"2019-04-08T06:58:55","modified_gmt":"2019-04-08T05:58:55","slug":"tagebuch-samstag-sonntag-6-7-april-2019-pancakes-kunst-und-versohnendes-helles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=31593","title":{"rendered":"Tagebuch Samstag\/Sonntag, 6.\/7. April 2019 \u2013\u00a0Pancakes, Kunst und vers\u00f6hnendes Helles"},"content":{"rendered":"<p>Der Herr <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bimbeshausen\">@bimbeshausen<\/a> war in der Stadt und \u00fcbernachtete bei F., weswegen man sich Samstag vormittag in etwas gr\u00f6\u00dferer Runde im Caf\u00e9 Puck traf. Ich hatte f\u00fcrchterlich geschlafen, warum auch immer, und war um 11 Uhr auch nach Flat White und Dusche fies m\u00fcde; das American Breakfast half etwas, auch wenn die Pancakes schon mal deutlich besser waren. F\u00fcr einen weiteren Milchkaffee reichte unsere Geduld nicht, der Laden wurde anscheinend spontan \u00fcberrannt und wir warteten ewig, woraufhin wir lieber zahlten, als endlich jemand f\u00fcr uns Zeit hatte, anstatt noch mehr zu bestellen und genossen daher noch ein Eis beim Ballabeni um die Ecke. (Vanille-Tonka-Bohne, Cr\u00e9me d&#8217;Orange, Probierl\u00f6ffel wei\u00df ich schon nicht mehr.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Direkt gegen\u00fcber vom Ballabeni liegt das Museum Brandhorst, <a href=\"http:\/\/www.museum-brandhorst.de\/de\/ausstellungen\/alex-katz.html\">wo noch Alex Katz l\u00e4uft<\/a>, den ich schon ewig sehen wollte, aber wie es halt so ist: Wenn&#8217;s direkt vor der eigenen Nase ist, gehe ich erst vor Schluss hin, ich hab ja Zeit (ich Depp). Der Kassenmensch mussste erstmal meinen Studiengang auf dem neuen Studiausweis suchen \u2013 Kunstgeschichtler*innen kommen umsonst rein \u2013, fand ihn aber schlie\u00dflich. Zur Not h\u00e4tte ich auch noch eine Immatrikulationsbescheinigung dabei gehabt, man wei\u00df ja nie. Immerhin habe ich jetzt verstanden, warum der neue Ausweis eine gute Idee ist: Der l\u00e4uft eben nicht nach einem Semester ab, sondern kann immer neu validiert werden. Und wer wirklich eine Immatrikulationsbescheinigung braucht, kann sie sich von der LMU-Website herunterladen und selbst ausdrucken. Das bedeutet: 50.000 Briefe pro Semesteranfang weniger f\u00fcr die Uni. Well played.<\/p>\n<p>Im Brandhorst sprintete ich quasi an allen Portr\u00e4ts vorbei, die ich sonst mag, die mir hier aber nicht so recht gefallen wollten. Stattdessen verguckte ich mich in drei Bilder, die eher Natur zeigten. Auf dem Bild <em>Forsythia<\/em> sieht man auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/museumbrandhorst\/photos\/a.301651843183947\/2436558666359910\/?type=3&#038;theater\">gef\u00fchlt drei mal vier Metern<\/a> nur ein quietschend t\u00fcrkises Blau, auf dem hellgelbe Farbflecken an die titelgebenden Str\u00e4ucher erinnern. Ich mochte das sehr, schlicht durch das Format und die sehr reduzierte und gleichzeitig irre dramatische Farbwahl. <em>Weeping Cherry<\/em> zeigte den Blick durch graubraune \u00c4ste auf einen milchigen Mond, dessen Umriss nie ganz klar zu sehen war; sein Licht waberte durch die Zweige und malte sie teilweise wei\u00dfgelblich an. Auch hier war das Format spannend, die genauen Ma\u00dfe kenne ich nicht, aber es war <em>sehr<\/em> hochkant. Dritter Liebling: <em>Cityscape<\/em>, ein ebenfalls gro\u00dfformatiges Werk (sind sie ja eh fast alle), das dunkle Baumst\u00e4mme vor dunklem Hintergrund zeigte. Man musste recht lange auf das Bild schauen, bis alles sichtbar war \u2013 als ob man in einem dunklen Raum steht und sich die Augen erst an das fehlende Licht gew\u00f6hnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn man die Titel googelt, kommen \u00fcbrigens gerne unterschiedliche Bilder oder genau die, die ich nicht meine, sonst h\u00e4tte ich die hier schon verlinkt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Die anderen guckten sich des Rest des Hauses noch an, den ich aber schon kannte und nicht noch einmal sehen wollte. Stattdessen fuhr ich nach Hause, muckelte die \u00fcblichen Wochenenddinge runter (putzen, W\u00e4sche waschen), verschlief wie fast immer ein Drittel der Bundesligakonferenz, holte dann am sp\u00e4ten Nachmittag das Geschenk aus der Packstation, \u00fcber das ich gestern schrieb, bereitete mir abends Butterreis, Korianderchutney und K\u00f6fte zu und ging recht fr\u00fch ins Bett, um noch stundenlang zu lesen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/Bv9cByujmcf\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/Bildschirmfoto-2019-04-07-um-22.44.27.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"411\" class=\"alignnone size-full wp-image-31595\" \/><\/a><\/p>\n<p>(Instagram\/<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/newyorkercartoons\/\">newyorkercartoons<\/a>)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gestern vormittag schlief ich daher viel zu lange, las noch schnell die Zeitung und trank einen Kaffee, bis ich schon wieder losmusste: Augschburg spielte gegen Hoffenheim, weswegen der Herr @bimbeshausen unter anderem im der Gegend war (er ist ernsthaft der einzige Hoffenheim-Fan, den ich kenne). Ich m\u00f6chte zu dem Spiel eigentlich nichts sagen au\u00dfer: Immerhin war das Wetter sch\u00f6n. Dann aber doch: <a href=\"https:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31550\">Dieses Schei\u00df-Pokalspiel am Dienstag<\/a> hat soviel Kraft und vor allem Konzentration gekostet, dass das gestern kaum was h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Wurde es auch nicht, die Mannschaft verlor mit 0:4 und hatte nie den Hauch einer Chance. Selbst ich war vom Dienstag noch so erschlagen, dass ich im Kopf kaum beim Spiel war, und ich musste nur rumsitzen und Apfelschorle trinken anstatt Bundesligafu\u00dfball zu spielen und zwar m\u00f6glichst so, dass das eigene Team nicht absteigt. Genau daf\u00fcr hatte aber niemand auf dem Platz noch Kr\u00e4fte oder Kopf, das Passspiel war extrem \u00fcbel, ich war schon froh, dass wenigstens die P\u00e4sse vom Torwart auf den letzten Verteidiger ankamen, so schlimm sah das alles aus. Auch die eigentliche Augsburger St\u00e4rke \u2013 eng verteidigen, keine R\u00e4ume lassen, immer dreimal so viel laufen wie der Gegner \u2013 war gestern nicht auf den Platz zu bringen. Die Jungs waren sichtbar fertig und leer, und genauso f\u00fchlten wir uns nach 90 Minuten auch.<\/p>\n<p>Immerhin konnten die Augsburger Panther, die Eishockeymannschaft, im dritten Playoff-Spiel gegen die Dosen aus M\u00fcnchen gewinnen, und nach dem Leipzig-Spiel finde ich gerade alles von Red Bull so schei\u00dfe, dass ich mich sogar \u00fcber einen Sieg in einer Sportart gefreut habe, die mir sonst v\u00f6llig egal ist.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kann ich vermelden, dass mein Lieblings\u00e4rgernis beim FCA sich anscheinend erledigt hat: Es gibt das bescheuerte Schild f\u00fcr die \u201eDamen mit Handtaschen\u201c am Fraueneinlass noch, aber es stellt sich jede da an, wo sie will, und auch die Abtasterinnen haben anscheinend keine Anweisung mehr, Leute mit Taschen, die in der falschen Schlange stehen, wieder nach hinten zu schicken. <\/p>\n<p>Ich hatte mein kleines T\u00e4schchen dabei, weil ich Brillentr\u00e4gerin meine Sonnenbrille im Case irgendwie transportieren muss, die ich sp\u00e4testens ab der zweiten Halbzeit brauche, und die partout nicht in Hosentaschen passen will. Und ja, ich Untertanin stand in der Handtaschenschlange, die nat\u00fcrlich l\u00e4nger brauchte, auch wenn in den anderen Schlangen ebenfalls Taschen zu sehen waren, was diese Schlange, WIE VON MIR EWIG VORAUSGESEHEN UND ANGEP\u00d6BELT, so absurd und unfair sein l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Herr Bimbes, F. und ich lie\u00dfen zur\u00fcck in M\u00fcnchen den Abend dann im Obacht, unserer Stammkneipe, ausklingen, wo wir sehr anders behandelt wurden als im Puck. Auch dort war von jetzt auf gleich der ganze Laden dicht, wir kriegten den letzten Tisch in der Ecke, uns wurde aber gleich bei der Bestellung gesagt, dass unser Essen vermutlich ne halbe Stunde dauern w\u00fcrde, falls wir doch lieber woanders &#8230; wir blieben, und kurz bevor unsere Teller kamen, gab&#8217;s eine Runde Getr\u00e4nke aufs Haus, eben weil&#8217;s so lange gedauert hatte. So geht guter Service. Wie immer zufrieden kugelte ich maultaschensatt und bierselig heim, w\u00e4hrend die Herren vermutlich noch ein weiteres Kaltgetr\u00e4nk bei F. zu sich nahmen. Ich war aber einfach m\u00fcde und wollte nach so viel Gesellschaft wieder alleine sein und meine Nase in ein Buch stecken.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/culture\/cultural-comment\/how-good-design-failed-us\">How &#8220;Good Design&#8221; Failed Us<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Kurzer Artikel, der eigentlich eine Ausstellung im MoMA \u00fcber Design bespricht, aber dann doch eine Wendung nahm, die ich nicht erwartet hatte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThe debate in Europe and the U.S. goes back at least to William Morris, the Victorian proponent of the decorative arts and one of the founders of the English Socialist movement, who rued the shoddiness of industrial products, but also the fact that good work, which ought to have the status of art, was increasingly a luxury. Extending this critique, some designers within the modern movement tried to articulate their dissent through the things they produced. \u201cThe Value of Good Design\u201d has a number of starkly beautiful objects from Dieter Rams, the German designer whose renowned work for Braun has become emblematic of non-American <em>gute Form<\/em>: cool, understated, low-impact. The pastel coloration, transparency, and minimal decor of his electronics had enormous influence; his products, and his various laconic mission statements on behalf of design, suggested that Cold War consumer societies could still advance a sense of moral clarity.<\/p>\n<p>But the dialectic of anti-consumer design took a few more turns of the screw. Max Bill, whose minty kitchen clock hangs alongside the work of Rams, founded a \u201cnew Bauhaus\u201d in Ulm, intending, like Rams, to create objects that were durable, quiet, and lasting. The Ulm School of Design was massively influential, but Bill\u2019s work became the subject of an attack by the Danish artist Asger Jorn. Jorn, who was involved in founding the school, saw it finally as another betrayal of the radical Bauhaus, which (at least initially) was about the union of the arts, crafts, and architecture, not product design. Ulm eventually fell apart, partly due to the radicalization of the students against the project that they were ostensibly involved in. They described the consumer society for which they made objects as a form of \u201c<em>Kommerzterror<\/em>,\u201d and at one point sought to rename the school Karl Marx College. It closed in 1968. This end to the \u201cgood design\u201d narrative isn\u2019t played out in the exhibit. Instead, in the final room of the show, moma asks you to consider Jasper Morrison\u2019s plastic stacking chairs as heirs to good design\u2014a prelude to the moment when, retrieving your coat, you receive a text message saying, \u201cDon\u2019t miss our Design Store across 53rd street!\u201d\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Herr @bimbeshausen war in der Stadt und \u00fcbernachtete bei F., weswegen man sich Samstag vormittag in etwas gr\u00f6\u00dferer Runde im Caf\u00e9 Puck traf. 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