{"id":31570,"date":"2019-04-05T09:46:38","date_gmt":"2019-04-05T08:46:38","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31570"},"modified":"2019-04-05T09:46:38","modified_gmt":"2019-04-05T08:46:38","slug":"tagebuch-donnerstag-4-april-2019-dostojewski-auma-und-fosse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=31570","title":{"rendered":"Tagebuch Donnerstag, 4. April 2019 \u2013\u00a0Dostojewski, Auma und Fosse"},"content":{"rendered":"<p>Vormittags Telefonkonferenz mit der neuen Kundin gehabt, die eine Beraterin und mich durch die Firmenpr\u00e4sentation f\u00fchrte. Bei sowas finde ich diese moderne Technik (TM) immer wieder toll. Die beiden sitzen in Hamburg, ich in M\u00fcnchen, jeder w\u00e4hlt sich telefonisch (oder per Rechner) in einen Raum ein, wir k\u00f6nnen miteinander reden, und gleichzeitig sehen wir auf unseren Bildschirmen nach einem Log-in alle die gleichen Pr\u00e4senfolien.<\/p>\n<p>Kurz mit Kai gemailt, weil seit ein paar Tagen mein Mailserver Schluckauf hat; alles wieder in Ordnung.<\/p>\n<p>Mein Kopf war dann leider nicht mehr im Dissertationsmodus, sondern im Neuer-Job-Modus, obwohl wir eigentlich erst Montag offiziell starten; ich wartete auch noch auf ein paar weitere Infos. Aber das kann man meinem Kopf nie klar machen, der f\u00e4ngt halt zu denken an, der kleine Racker.<\/p>\n<p>Ich lie\u00df ihn also rackern und denken, notierte ein paar Ideen, und g\u00f6nnte mir dann Lesezeit auf dem Sofa, weil ich partout nicht in die Diss reinkam.<\/p>\n<p>Davor ging ich noch schnell einkaufen, woran ein bisschen F.s M\u00fctterchen Schuld ist, die uns, ich schrieb dar\u00fcber, Leberkassemmeln f\u00fcr die Autofahrt nach Augschburg am Dienstag zubereitet hatte. An denen lernte ich, dass es Leberk\u00e4se nicht nur in fingerdicken Scheiben gibt, sondern auch als Aufschnitt. Das war bisher v\u00f6llig an mir vorbeigegangen, aber seit Dienstag wollte ich das wieder essen. Also mal wieder Aufschnitt geg\u00f6nnt und zuhause sehr zufrieden verspeist. Das ganze auf frischem Brot, das ich beim <a href=\"http:\/\/www.baeckerei-hoeflinger.de\/\">H\u00f6flinger<\/a> am Nordbad kaufte, und ich hoffe, die Dame hinter der Theke verdient richtig gutes Geld, denn sie war gef\u00fchlt 80, singsangte in einer Tour freundlich zu den Kundinnen, die Namen der bestellten Geb\u00e4cke, das gegebene Geld, das zu erwartende R\u00fcckgeld, \u201eeinen sch\u00f6nen Tag w\u00fcnsche ich Ihnen noch\u201c, singsang, singsang. Ich musste an \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/So_z%C3%A4rtlich_war_Suleyken\">So z\u00e4rtlich war Suleyken<\/a>\u201c denken und hatte danach stundenlang gute Laune.<\/p>\n<p>F. und ich sprachen abends \u00fcber Freundlichkeit von Fremden und dass ja gerne \u00fcber die falsche gute Laune in amerikanischen Einkaufsm\u00f6glichkeiten gel\u00e4stert wird. Wir waren uns einig, dass wir eindeutig lieber sinnloses, aber nett gefl\u00f6tetes \u201eHey, was darf&#8217;s bei dir sein?\u201c beantworten als ein gebelltes \u201eJA WAS DENN?!?\u201c<\/p>\n<p>Da wir beide gerade ein bisschen von Allergien geplagt werden, schliefen wir getrennt \u2013 es hat doch Vorteile \u2013 und ich las im Bett noch ein bisschen Dostojewski. Also <em>Der Idiot<\/em>, nicht die Gesamtausgabe, die vor ein paar Tagen im Hausflohmarkt stand. Inzwischen wei\u00df ich \u00fcbrigens, dass sie von meiner Nachbarin kam, die mir auch schon beim Umzug geholfen hat und mit der ich vorgestern einen kleinen Feierabendespresso getrunken habe, zu dem sie mir gleich noch ein Buch von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herlinde_Koelbl\">Herlinde Koelbl<\/a> mitbrachte, nachdem sie im Blog gelesen hatte, dass ihre Geschenke fast alle bei mir gelandet waren. (Die B\u00f6lls hatte ich liegengelassen, die habe ich alle selber.)<\/p>\n<p><em>Der Idiot<\/em> ist neu von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Swetlana_Geier\">Swetlana Geier<\/a> \u00fcbersetzt worden und er liest sich wirklich herrlich. Ich bin jetzt auf Seite 112 und eigentlich ist noch nicht viel passiert: Drei M\u00e4nner treffen sich in einem Zug, fahren gemeinsam nach St. Petersburg, wo einer von ihnen eine Verwandte aufsucht. Wir h\u00f6ren viele biografische Details aus der Vergangenheit, und im Moment sitzt der Herr mit seiner Tante und ihren drei T\u00f6chtern am Esstisch und erz\u00e4hlt aus der Schweiz. Mehr war noch nicht, aber ich bin schon sehr verliebt in dieses Buch, von dem ich noch \u00fcberhaupt nicht wei\u00df, wo es hinwill. Nein, ich habe den Wikipedia-Eintrag nicht gelesen, ich wei\u00df wirklich noch nicht, was in diesem 150 Jahre alten Buch passiert.<\/p>\n<p>In den letzten Tagen las ich abends Kendis <em>Stamped from the Beginning<\/em>, aber das kann man nur in 20-Seiten-Schritten lesen, bevor man der ganzen Welt eine reinhauen will f\u00fcr ihre Bl\u00f6dheit.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang vielleicht ein Hinweis auf <a href=\"http:\/\/raa-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/RAA-BERLIN-DO-RASSISMUS-EINE-DEFINITION-F%C3%9CR-DIE-ALLTAGSPRAXIS.pdf\">dieses PDF<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maisha-Maureen_Auma\">Maureen Maisha Auma<\/a>: <em>Rassismus. Eine Definition f\u00fcr die Alltagspraxis<\/em> (2018). Ich wurde durch einen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/SharonDoduaOtoo\/status\/1111994141217640448\">Thread<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sharon_Dodua_Otoo\">Sharon Dodua Otoo<\/a> darauf aufmerksam gemacht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/culture\/culture-desk\/the-rise-of-coffee-connoisseur-culture\">The Rise of Coffee-Connoisseur Culture<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Ein 8-Minuten-Video und ein kurzer Artikel vom <em>New Yorker<\/em>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/hazlitt.net\/longreads\/theres-gotta-be-something-better\">There\u2019s Gotta Be Something Better Than This<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Lange Leseempfehlung \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bob_Fosse\">Bob Fosse<\/a> und die Macht in zwischenmenschlichen und beruflichen Beziehungen: \u201emoral immunity has been rescinded for geniuses.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>\u201eFosse, in earlier years, had shown a rare empathy with women; this affinity, in fact, gave rise to his gifts as choreographer and director. He could relate to his dancers and actresses; he could also render their experiences with care and attention.<\/p>\n<p>Fosse\u2019s first self-conceived Broadway show, Sweet Charity, had transposed Fellini\u2019s Nights of Cabiria\u2014about a woman who works as a prostitute in Rome, hopes for true love, but who is defrauded by the men in whom she trusts\u2014to a Times Square dance hall. The protagonist is drawn with real identification, as well as real cynicism: It\u2019s not her line of work, dancing with men by the song, that sources the pathos\u2014Fosse, refreshingly, mostly avoided \u201cfallen women\u201d tropes\u2014but the fact that she\u2019s stuck in a dead-end gig she hates, with no prospects. She was partly inspired, as Fosse biographer Kevin Winkler notes, by the female dancers Fosse worked with, who made great physical and emotional sacrifices for their craft, only to see their opportunities steeply limited with age.<\/p>\n<p>From his earliest years as a performer, women were Fosse\u2019s mentors, closest collaborators, eminences grise, and fodder for his vision. As a capability and a resource, his empathy was double-edged: It made his work powerful and humane, and allowed him to direct star-making performances by talents such as Liza Minnelli; but, like Snider, he learned very early how to use it to his advantage. [&#8230;]<\/p>\n<p>As Fosse accrued more psychic weight, and more power, his girlfriends got younger and younger\u2014from peers and mentors to girls in their early 20s, without established careers of their own. \u201cI like to take these young girls and mold them,\u201d he told American Film. \u201cI guess it\u2019s a Pygmalion complex.\u201d Younger women were easier to take lightly, and to discard. Wasson relays an anecdote: sitting in a van scouting locations for Star 80, the film\u2019s director of photography, Sven Nykvist, asked the director why he preferred girls so green. \u201cTheir stories are shorter,\u201d he replied.\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vormittags Telefonkonferenz mit der neuen Kundin gehabt, die eine Beraterin und mich durch die Firmenpr\u00e4sentation f\u00fchrte. Bei sowas finde ich diese moderne Technik (TM) immer wieder toll. 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