{"id":31522,"date":"2019-03-31T10:12:38","date_gmt":"2019-03-31T09:12:38","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31522"},"modified":"2019-03-31T10:12:38","modified_gmt":"2019-03-31T09:12:38","slug":"tagebuch-samstag-30-marz-2019-kein-wort-uber-fusball-und-nachtmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=31522","title":{"rendered":"Tagebuch Samstag, 30. M\u00e4rz 2019 \u2013 Kein Wort \u00fcber Fu\u00dfball und Nachtmusik"},"content":{"rendered":"<p>Der Plan war: in die Stabi fahren und mir alte Zeitungen durchlesen, danach Wohnung putzen, dann Mittag kochen, dann Augsburg am Laptop dabei zugucken, wie es N\u00fcrnberg schl\u00e4gt, dann ein bisschen lesen und dann ab zur Nachtmusik der Moderne in der Pinakothek der Moderne.<\/p>\n<p>Was es geworden ist: ewig im Bett rumgelungert, keine Lust auf alte Zeitungen gehabt, den letzten Lemon Curd verfr\u00fchst\u00fcckt und einen ganz hervorragenden Flat White genossen, auf dem Sofa klebengeblieben, keine Lust zum Putzen gehabt, gelesen, [&#8230; nullzudreiverfickteschei\u00dfe &#8230;] noch mehr gelesen, zwischendurch die restliche Salsiccia mit Tomaten und ordentlich Zwiebeln, Knoblauch, \u00d6l zu einer herrlichen Pastasauce verarbeitet, gelesen, aber dann: ab zur <a href=\"https:\/\/www.m-k-o.eu\/konzerte-karten\/abonnementkonzerte\/anna-thorvaldsdottir\/\">Nachtmusik der Moderne<\/a> in der Pinakothek der Moderne.<\/p>\n<p>F. und ich g\u00f6nnten uns auch das Komponistengespr\u00e4ch vor dem Konzert, was dieses Mal ein Komponistinnengespr\u00e4ch war: <a href=\"http:\/\/www.annathorvalds.com\/\">Anna Thorvaldsdottir<\/a> beantwortete die Fragen vom Leiter des M\u00fcnchner Kammerorchestern auf Englisch, w\u00e4hrend er wild \u00fcbersetzte bzw. paraphrasierte, was aber v\u00f6llig in Ordnung war. Ich fand die Gespr\u00e4chsf\u00fchrung \u00e4hnlich gut, sympathisch und aufschlussreich wie bei der letzten Nachtmusik, wo wir uns <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30460\">Helmut Lachenmann angeschaut und angeh\u00f6rt haben<\/a>. Bei einer Frage musste ich allerdings ein bisschen augenrollen, aber die Antwort Thorvaldsdottirs vers\u00f6hnte mich sofort. Schuldt fragte die oberd\u00e4mlichste aller Fragen, die nur Frauen gestellt bekommen: Wie sie das denn zeitlich hinbek\u00e4me mit dem Komponieren, man m\u00fcsse ja zwischendurch auch mal einkaufen und so? Woraufhin sie nur trocken meinte: \u201eSend husband to the supermarket.\u201c Das Publikum klatschte sehr laut, ich sowieso.<\/p>\n<p>Ich hatte mir bewusst vorher nichts von Thorvaldsdottir angeh\u00f6rt, hatte aber im Konzert stets eine Antwort von ihr im Hinterkopf, was hilfreich war. Die Frage nach Island und ob sich ihre Heimat in ihrer Arbeit niederschl\u00e4gt, kam nat\u00fcrlich auch, aber immerhin da sagte Schuldt selbst, die Frage sei ein bisschen doof. So konnte die Komponistin immerhin gleich ausr\u00e4umen, dass sie versuche, mit ihrer Musik die isl\u00e4ndische Natur nachzubilden \u2013 \u201ethat is impossible\u201c \u2013, aber dass sie sich durchaus von Strukturen und Details ihrer Umgebung beeinflussen lie\u00dfe. Auch spannend: Sie gibt ihren St\u00fccken erst Titel, wenn sie sie gut kennt, erst dann kann sie sie benennen. Der Name ist so gut wie nie der Ausgangspunkt f\u00fcr die Komposition, sondern der Abschluss.<\/p>\n<p>Das Konzert in der Rotunde der Pinakothek der Moderne begann mit dem kurzen <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qSglp5i5qbk\">Illumine<\/a><\/em> (2016), das mir gut gefiel und gleich sehr klar machte, dass die eben genannten Strukturen ihr Interesse sind, wobei sie sich aber auch der Melodie nicht verschlie\u00dft, was ja gerade in der Nachkriegszeit fast schon verp\u00f6nt war. W\u00e4hrend das Streichensemble arbeitete, stand oben im ersten Stock der Rotunde schon deutlich sichtbar der Chor des Bayerischen Rundfunks am Gel\u00e4nder. <em>Illumine<\/em> endete \u2013 und ohne gro\u00dfe Pause erklang das zweite St\u00fcck, eine Art Gebet nach einem alten isl\u00e4ndischen Psalm, <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vLzJ-YH3f34\">Heyr \u00fe\u00fa oss, himnum \u00e1<\/a><\/em> (2005). Und da war bei mir alles vorbei. Wo ich eben noch gespannt und aufmerksam geh\u00f6rt und geschaut hatte, liefen jetzt nur doof-ergeben die Tr\u00e4nen. Ich sa\u00df in einem Museum, einem Ort, der mir in den letzten Jahren so viel gegeben hat, und \u00fcber mir, von hoch oben, fielen herrliche Stimmen auf mich herab. Ich f\u00fchlte mich gesegnet, und ja, das h\u00f6rt sich pathetisch an, aber hey, ihr wart nicht dabei. Vier Minuten durchgeheult und die ganze Welt f\u00fcr gro\u00dfartig, inspirierend und heilend befunden.<\/p>\n<p>In <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JGSmTZjBxMc\">Reflections<\/a><\/em> (2016) knarrten, atmeten und suchten dann wieder die Streicher*innen, wonach f\u00fcr <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=r2LHbW-_0VI\">Ad Genua<\/a><\/em> (2016) der Chor wieder erschien, dieses Mal nicht in himmlischen H\u00f6hen, sondern gewohnt hinter dem Ensemble stehend. Das mochte ich auch sehr, weil es meine beiden Lieblinge des Abends \u2013 Stimmen und Strukturen \u2013 so simpel verband bzw. f\u00fcr mich erkennbar und nachvollziehbar machte.<\/p>\n<p>Mit dem Abschlussst\u00fcck haderte ich etwas, aber vielleicht war ich auch einfach fertig und m\u00fcde: <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ubWrNjEV2ck\">Streaming Arhythmia<\/a><\/em> (2007) klang f\u00fcr mich wie ein Ensemble-Battle, was reizvoll war, aber ich hatte nach f\u00fcnf Minuten das Gef\u00fchl, die Idee ist durchgespielt. Und das als jemand, die sich vier Stunden <em>Parsifal<\/em> anh\u00f6rt, ich wei\u00df. Heute morgen, beim zweiten Durchh\u00f6ren, ist es mir schon nicht mehr so fremd.<\/p>\n<p>Ich freue mich gerade wieder sehr dar\u00fcber, neue Musik kennengelernt zu haben \u2013 und ebenso freue ich mich dar\u00fcber, sie einfach so auf YouTube wiederzufinden, um sie euch vorspielen zu k\u00f6nnen. Mal sehen, wie lange das noch so bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Plan war: in die Stabi fahren und mir alte Zeitungen durchlesen, danach Wohnung putzen, dann Mittag kochen, dann Augsburg am Laptop dabei zugucken, wie es N\u00fcrnberg schl\u00e4gt, dann ein bisschen lesen und dann ab zur Nachtmusik der Moderne in der Pinakothek der Moderne. 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