{"id":31487,"date":"2019-03-27T08:09:20","date_gmt":"2019-03-27T07:09:20","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31487"},"modified":"2019-03-27T08:11:45","modified_gmt":"2019-03-27T07:11:45","slug":"tagebuch-dienstag-26-marz-2019-zehn-seiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=31487","title":{"rendered":"Tagebuch Dienstag, 26. M\u00e4rz 2019 \u2013 Zehn Seiten"},"content":{"rendered":"<p>Noch ein Schreibtischtag f\u00fcr die Diss. Wenn gerade kein Kunde was von mir will, nutze ich die Zeit nat\u00fcrlich gerne daf\u00fcr, konzentriert etwas f\u00fcr die schnafte Wissenschaft wegzuarbeiten.<\/p>\n<p>Bei meinen letzten beiden Besuchen im <a href=\"https:\/\/www.gnm.de\/museum\/abteilungen-anlaufstellen\/deutsches-kunstarchiv\/\">Kunstarchiv in N\u00fcrnberg<\/a> habe ich vom Nachlass soviel wie m\u00f6glich fotografiert. Irgendwann konnte ich nichts mehr sehen und verhungerte, deswegen habe ich nicht jeden Zettel und jedes Foto abgelichtet, aber f\u00fcr einen guten \u00dcberblick reichen die gef\u00fchlt 1000 Fotos auf meinem Rechner. Inzwischen kenne ich sowohl Biografie als auch Werk als auch k\u00fcnstlerisches Umfeld von Protzen besser, und deswegen klickte ich mich gestern einfach mal durch ein paar Ordner, in denen zum Beispiel abfotografierte Zeitungsausschnitte lagen, in denen Protzen und\/oder seine Frau erw\u00e4hnt werden, ich schaute mir noch einmal sein grafisches Werk an, und den ganzen Nachmittag brachte ich damit zu, den Spruchkammerbogen auszuwerten, der netterweise auch im Nachlass lag und nicht in einem Archiv in M\u00fcnchen. Also den Fragebogen, den die Alliierten nach 1945 verteilten und die jeder ausf\u00fcllen musste, wonach eine Spruchkammer dar\u00fcber entschied, ob man Mitl\u00e4ufer, gl\u00fchender Nazi oder genau das Gegenteil gewesen war. Ich gehe nicht ins Detail, aber die Selbstausk\u00fcnfte von Protzen konnte ich \u2013  mit Vorbehalt \u2013 in meinem biografischen Kapitel anlegen, ich konnte Briefe an ihn und von ihm zitieren und damit einen Kontext schaffen, ich konnte Ausk\u00fcnfte aus dem Bundesarchiv damit verkn\u00fcpfen und und und. Also genau das, was ich so gerne mache, wenn ich mich mit einer Person besch\u00e4ftige: Puzzlest\u00fccke zusammenf\u00fcgen, um ein besseres, runderes Bild zu bekommen. Falls das \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich ist. Aber bei <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/_pdf\/171028_leovonwelden.pdf\">Leo von Welden<\/a> fand ich genau diesen Kontext wichtig, um eine Aussage dar\u00fcber treffen zu k\u00f6nnen, ob er die <a href=\"http:\/\/www.gdk-research.de\/db\/apsisa.dll\/ete?action=query&#038;sstate=eJyNlN1u0zAUx5tuUre0o5s3oEwwoEiwC1Ylabu144KJbUIDtK-yu0iRm7itab6wnbV7Fh6Ep-BVeAaO81EaaRXc2f_zO-f8j-1kRUEdFREnbHyPCLtrcIF9BzNn_dePn78rtUJd5QETFnb7kbdb6ChH6qeVjNl-qW7KTDcIxlE4S0WF7cKu0okL1FV16VTXkKLXlPqaXOtoeRR4BLbrcmugkgjsxtRzQXkjlSbaGTpjQ9P1vZAFTmQLGvgNxvkdF8RrODI1rtpKqpbluo2KfpAF9pGiZfUPUOk8uJKjZWgHFQ0tc9NFyy7lAraravHUSCpuQsTQ0NzkIFakqKMlzO2UbiZtqrBsodIgYBMYHgQEQhupe52Wobe1VluWfAJaF230sT0-1N_q76iPYa5bOcvTOLTFSYgZFgGL4_8Z3Ymjj9Leh3uGlq-9pRZ7Oqpw6g9dck145IrkYHry4G8pp32XxJZBaaNV6v_VKlLbR0u2xzPi4B6ikxHxrpvtVOhsoKKTVYfzzOXWpKajqgeWaJiZ48m99Axjdi_SrNFEJYcITF2epbbuS40bwRjxnVnJTZWltp_eufRozBzHhbr3FXoM7puoyiLfGWJ_eDLrLc01tZy5pj5vbh0yW2hlwAgVZCpiA8XeQdYSHkuvM_8kX6hlZ2DZIxwKwjiqDqgLC2sc-Vy4hAHxPE88yAhMokEMvMoDKAXgUxwSboWgAVTPQxt5aEiCfxbq42iyuJAg9sinY4v4iy2nzOJOYxwNQjg5zrzFkBgRj_ianrRacH4ZBMSzPFFJiW94xORDfJ0PP0zDEypGIbVFxEjSaIGbOS7-3tYA8vA0iXKkdEG9UsvUpyDBRyxG6Mg035vHhyYOuen0zY8nn63Lmw9fzo6ty-uLk5vjr2cX55ahtQAAIv0XmhPSZ0EgZEZN-QNEUI0k&#038;desc=leo+von+welden&#038;refine=Suchen\">eindeutig ideologischen Bilder<\/a> auf der Gro\u00dfen Deutschen Kunstausstellung nun aus \u00dcberzeugung gemalt hatte oder schlicht, weil er glaubte, daf\u00fcr mehr Geld zu bekommen als f\u00fcr eine Landschaft.<\/p>\n<p>So tippte ich stundenlang vor mich hin, klickte, bl\u00e4tterte, suchte im Internet, in Archivsuchmasken oder Bibliotheken, a\u00df zwischendurch ein bisschen Brot mit Lemon Curd und abends Pasta mit Salsiccia (denn: Wenn irgendwo Salsiccia rumliegt, muss ich Salsiccia kaufen) und merkte gar nicht, wie die Zeit vergangen war. Und vor allem: wieviel ich in lausigen zwei Tagen zusammengeschrieben hatte. Nur durch die dicke Stoffsammlung, die ich seit \u00fcber einem Jahr bef\u00fclle und die mir bis vor wenigen Wochen nicht ausreichend vorkam. <\/p>\n<p>Das schrieb ich sinngem\u00e4\u00df an F.: \u201eIst ein seltsames Arbeiten. Ich schreib auf, was ich an Material da habe und merke dauernd, wieviel das eigentlich schon ist. Zehn Seiten in zwei Tagen, nur vom Schreibtisch aus.\u201c<\/p>\n<p>F. so: \u201eI am Jack&#8217;s complete lack of surprise.\u201c<\/p>\n<p>Und im Nachsatz: \u201eThis is why you talk to your Betreuer ab und zu, because he knows this kind of Zeug.\u201c<\/p>\n<p>Genau. Vati knows best. Der <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31287\">wusste<\/a>, dass ich locker mit dem Schreiben anfangen konnte bevor ich es wusste. Endlich mit Profis arbeiten!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Mein Lieblingszeitungsausschnitt war dieses launige Zitat vom September 1949. 49! Wir erinnern uns: Das ist ungef\u00e4hr der Zeitpunkt, an dem die Debatte begann, dass es jetzt auch mal gut sein m\u00fcsse mit diesem Nazikram.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas Haus der Kunst ist endlich von der Exportschau ger\u00e4umt und d\u00fcrfte, wie Ministerialdirektor Keim scherzhaft meinte, durch den \u201aBlauen Reiter\u2018 und die lebende Moderne nunmehr gleicherma\u00dfen in Ost- und Westfl\u00fcgel entnazifiziert sein.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Ausschnitt ist leider unbezeichnet, aber vom Schriftbild her tippe ich auf die <em>S\u00fcddeutsche<\/em>. Ich werde mir die mal in den Lesesaal der Stabi legen lassen. Aber erstmal muss ich mich durch ein paar Monate vom <em>V\u00f6lkischen Beobachter<\/em> w\u00fchlen, der hoffentlich ab Freitag f\u00fcr mich bereitliegt. Das macht auch immer eher schlechte Laune. Ich und mein dusseliges Forschungsfeld, ey.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>\u00dcber die Abstimmung im Europaparlament zur \u00c4nderung des Urheberrechts konnte ich mich nur nebenbei aufregen, weil ich so konzentriert gearbeitet habe. Ich zwinge mich seit Tagen dazu, die Propaganda in der <em>FAZ<\/em> wenigstens anzulesen, aber ich kriege keinen Artikel zuende, weil ich so w\u00fctend bin. Kristina Hofmann vom ZDF <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute\/kommentar-zur-entscheidung-eu-parlament-zu-urheberrecht-und-uploadfilter-100.html\">kommentiert<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDenn mehr Schutz f\u00fcr Urheber und Bewahrung der Meinungsfreiheit? Wird es nicht geben, Inhalte werden einfach rausfliegen statt besser verg\u00fctet zu werden. Mit dieser Richtlinie h\u00e4tten stattdessen die Internetkonzerne verpflichtet werden m\u00fcssen, nennenswerte Abgaben an Verwertungsgesellschaften zu zahlen. Damit h\u00e4tten die Urheber entsch\u00e4digt werden k\u00f6nnen, mit deren Inhalten YouTube schlie\u00dflich jedes Jahr einen Milliardenbeitrag in zweistelliger H\u00f6he verdient. Bei Verlagen ist das seit Jahren ge\u00fcbte Praxis, beim Radio, beim Fernsehen. Warum soll das im Internet nicht gelten?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und Batz erw\u00e4hnt, wie wenig sich das r\u00fcckw\u00e4rts gewandte Denken in manchen Branchen ge\u00e4ndert hat, Thread:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Und reden wir bitte auch davon, das die Film,-, Verlags- und Musikindustrie die kompletten letzten 20 Jahre lieber Abmahnkrieg gegen die Konsumenten f\u00fchrte, als ab Anfang der Nuller eigene digitale Gesch\u00e4ftsmodelle zu entwickeln.<\/p>\n<p>&mdash; Batz (@Batz) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Batz\/status\/1110623263724630016?ref_src=twsrc%5Etfw\">26. M\u00e4rz 2019<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein Schreibtischtag f\u00fcr die Diss. Wenn gerade kein Kunde was von mir will, nutze ich die Zeit nat\u00fcrlich gerne daf\u00fcr, konzentriert etwas f\u00fcr die schnafte Wissenschaft wegzuarbeiten. Bei meinen letzten beiden Besuchen im Kunstarchiv in N\u00fcrnberg habe ich vom Nachlass soviel wie m\u00f6glich fotografiert. 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